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Full text of "Jahrbuch des Bukowiner Landes-museums"

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und 

C. A. Koaitofcri Schriftführer. 



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Czernowitz, 1893. 

Oonc. Typo- u. Lithogr. des Erzb. Silv. Morariu- Andriewicz. 



Verlag des Biikowiner Landes-Museums. 



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Czernowitz, 1893. 

Co HC. Typo- a. Lithogr. des Erzb. Silv. Morariu- Andriewicz. 



Verlag des Biikowiner Landes-Museiims. 



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Für de-n Inhalt df^r Artikel si)id die Verfasser allein veratitioortlich. 



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Inli.silts-'Verzeicli.xiis. 



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Vorträge:^) 

Poiek: „Kückblick auf die Forschungen zur Landes- und Volks- 
pde der Bukowina seit 1773", abgehalten in der constituirenden Versamm- 

des Bukowiner Landesmuseuras am 21. Feliruar 189*2. ergänzt bis Mitte 1893 
Kimowicz: „Der Christustypus in der byzantinischen Kunst, in be- 
ider er Berücksichtigung der heimischen Kirchenmalerei**, 
galten in der ersten Hauptversammlung des Bukowiner Landesmuseuras am 
Mär/ 1893 



iPoIek: „Ortsch a fts Verzeichnis der Bukowina aus dem Jahre 1775** 
Umstorfer: Aus den ^M ittheilungen der k. k. (.'entral-Comm ission" 
• Kaindl: „Die A nthropologische Gesellschaf t in Wien in ihrem 

Hliältnisse zur Bukowina'* 

flKaindl: ^Das ehemalige Bukowiner Landesm.useum, der Serether 
^peuniverein und das Münzen- und A ntiqui tätencabinet an der 

»versit.-it Czernowitz" 

Chmidt: „Zwei Kreuze" Archäologisch-vaterländisch-historische Keminiscenz 
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Der in der ersten Hauptversammlung des Bukowiner Landesmuseums am 26. März 
-_* Diony8 Olinski-Olinescu abgehaltene Vortrag: ^Ergebnisse der archäo- 
mA«ii Forflchnng in der Bukowina" wird im nächstjährigen Jahrbuche erscji^inen. 

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Vorbericht. 



Am 21. Februar 1892 hat sich in Czernowifz ein Lande.s- 
ntJseums-Verein f^ebildet. Seine x\uff^abe ist »die Hebung und Er- 
veilerung der Landeskunde in archäologischer, allgemein geschichf- 
icher, kunsthislorischer, ethnographischer und naturhislorischer 
Beziehung.« Zur Erreichung dieses Zweckes soll in erster Linie 
las am 14. Mai dieses Jahres eröffnete Bukowiner Landesmuseum 
lienen. Dem Curatorium des Museums schien es aber auch drin- 
amd nöthig, dass sich der Verein in noch directere Beziehungen 
;ur Bevölkerung setze. Aus diesem Grunde hat es in seiner Sitzung 
^om 26. März d. J. die Herausgabe eines Jahrbuches beschlossen, 
las dem Zwecke des Vereines gemäss Aufsätze aus der Alterthums- 
Lunde sowie aus der allgemeinen, Tultur-, Kunst- und Natur- 
geschichte der Bukowina enthalten soll. 

Hiermit wird das erste Heft der Oeffentlichkeit übergeben. 
Jöge es eine freundliche Aufnahme finden und dem Vereine neue 
mierstützende Theilnahme zuführen. 

Czernowilz, im Juni 1893. 



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Rückblick 

auf dto FovtaliMgdn rar Undcs- mi Volkfkiiiio dor Bikowtea «»it 1773. ') 



Auf Kaiser Joseph's II. Befehl unternahm im Jahre 1773 der Oberstlieute- 
nant des 2. walachisehen (Rodnaer) Grenzregiments Karl Freiherr von Enzen- 
h e r g eine Recognoscierungsreise durch den nördlichen Theil der Moldau. Er 
liatte zu erforschen, ob sich von der Erwerbung dieses I^ndstriches ein Vortheil 
für die österreichische Monarchie erwarten Hesse, insbesondere aber, ob die Her- 
stellung einer dauerhaften Strasse von Siebenbürgen ül)er Dorna nach Galizien 
möglich wäre. ^) 

Enzenberg's Bericht — er ist unter dem Titel : „Von und aus der Bu- 
kowina. Im Sept 1781" in Schlözer's „ Staats- Anzeigen^ Bd. I. S. 38 ff, ab- 
gedruckt ^) — sprach zu Gunsten der Occupation; er ist daher ohne Zweifel 
wert, an die Spitze der landeskundlichen Literatur der Bukowina gestellt zu 
werden. 

Die ersten österreichischen Truppen rückten am 31. August 1774 in die 
Bukowina ein; das eigentliche Besatzungsheer folgte im November 1774 nach. 

Mit der Besetzung und Organisierung des Landes war der General Gabriel 
Freiherr von SpI6ny betraut. Bevor dieser an die Lösung der letztgenannten 
Aufgabe gieng, war er vor allem bemüht, sich die genaueste Kenntnis von 
dem Lande und dessen bisherigen Einrichtungen zu verschaffen. 

Am 10. Deceraber 1774 legte er dem Hofkriegsrathe einen „ohnmass- 
^eblichen Entwurf zu einer militairischen Einrichtung des k. k, enclavirten Mol- 
dauischen Antheils" vor, worin sich auch der Zustand des occupierten Land- 
striches mit wenigen, aber scharfen Zögen gezeichnet findet. 

Noch weit wichtiger als dieser „Entwurf" ist für die Kenntnis der neu- 
gewonnenen Provinz die soeben von mir unter dem Titel: ^General Spleny's 
Beschreibung der Bukowina" (Czernowitz 1893) herausgegebene Denkschrift aus 
dem Jahre 1775.*) Diese Denkschrift ist als die erste ausführliche Landeskunde 
der Bukowina zu betrachten. 

') Die vorliegende Arbeit ist eine zweite, veränderte und um die IJteratur der letzten 
anderthalb Jahre vermehrte Auflage eines am 21. Februar 1S92 in der constituierenden Ver- 
saramlnng de« Bukowiner Landesmuseu ms- Vereins in Czernowitz gehaltenen Vortrages. 

*) Siehe meine Schrift: »Die Erwerbung der Bukowina durch (>e«terreicli« (Czernowitz 
18S9), S. 13 ff. 

*) Diese Denkschrift bildet die Grundlage der von Prof. Dr. v. Zieglauer veröffentlichten 
BroÄchure: -»Der Zustand der Bukowina zur Zeit der iisterreichisohen (X'cupatiou* (Czernowitz 1888). 

*) Ein Auszug ist unter dem Titel: »Description de la Bukovina. Extrait de 1' ouvrage 
de M. Le General de Spleny et d'un rapport de M. Jeniach*; in ("anzler's Magazin für die neuere 
GMchicbte und Völkerkunde (Leipzig 1790) erschienen. 

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4 POLEK : 

Obwohl die Pforte am 7. Mai 1775 auf die von Oesterreich besetzter. 
Ländereien für immer verzichtete, blieb dennoch daselbst der Status quo be- 
stehen; erst im Jahre 1780 ward mit der Reform begonnen. Die Grundlage 
der Neugestaltung bildete der von General Baron Enzenberg, dem Nach- 
folger Spl^ny's seit Anfang April 1778, unterm 30. October 1779 dem Hof- 
kriegsrathe unterbreitete Systemisierungsplan, dem ob seiner trefflichen Schilde- 
rung des damaligen Zustandes der Bukowina gleichfalls ein ehrenvoller Platz 
in der Literatur über dieses Land gebtlhrt. *) 

Am 1. November 1786 wurde die Bukowina als Czernowitzer Kreis dem 
Königreiche Galizien einverleibt. Die Unterordnung unter ein fremdes Land 
konnte nicht ohne Einfluss auf ihre wissenschaftliche Erforschung bleiben. In 
der That griff diese nur insoweit Platz, als bei den Gelehrten und den Central- 
behörden das Streben vorhandan war, eine möglichst vollständige Kenntnis von 
ganz Galizien zu erlangen. Erst das Jahr 1849 schuf, indem es der Bukowina 
die Freiheit wiedergab, für deren wissenschaftliche Erforschung gunstigere Be 
dingungen. 

In erster Linie sind es die geologischen Verhältnisse und der Bergbau, 
womit nach dem Jahre 1786 die Forschung sich beschäftigt. 

Den Anfang macht der als Naturforscher und Ethnograph bekannte Fran- 
zose Balthasar Hacquet, von 1788 4ms 1810 Professor der Naturgeschichte 
an der Universität zu Lemberg. Er bereiste während der Jahre 1788 und 1789 
die Karpathen und veröffentlichte die hiebei gemachten Beobachtungen in Crell'^ 
ehemischen Annalen (1789 und 1791) und in dem vierbändigen Werke: „Neueste 
physikalisch-politische Reisen durch die Dacischen und Sarmatisehen Karpathen" 
(Nürnberg 1790—1796). 

Durch Hacquet's Arbeiten angeregt, stellten in den zwanziger Jahren 
unseres Jahrhunderts Georg Gottlieb Pusch und Carl Li II vou Lilien* 
bach (geb. am 3. November 1798 zu Wieliczka, gest. am 21. März 1831 1 
Untersuchungen über den Bau der Karpathen an. Der Bericht des ersteren 
findet sich unter dem Titel: „Ueber die geognostische Constitution der Kar- 
pathen und der Nordkarpathenländer" in Karsten's Archiv für Mineralogie 
(Bd. I. Berl. 1829, S. 29—55), der des letzteren ist als ^^ Journal d'un voyage 
geologique faxt h travers tonte la chatne des Carpathes, en Bukowine^ en Tran- 
sylvanie^, etc. in den Memoiren der französischen geologischen Gesellschaft 
(1831, I. 2. S. 237—316) abgedruckt. 

Um die Erforschung der Bukowina in floristischer und faunistischer Be- 
ziehung haben sich in der Zeit von 1786 bis 1849 Dr. Friedländer, 
Dr. Herbich und Professor Dr. Zawadzki sehr verdient gemacht. 

Dr. Friedländer war zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts Arzt 
in Zaleszczyki. Er unternahm zahlreiche Excursionen bis in den äussersten 
Südwesten der Bukowina und sammelte allenthalben die selteneren Pflanzen, 
die er seinem Freunde Dr. Wilibald Besser, seit 1805 Arzt in Krakan, 

*) Sie beßndet sich in dem k. und k. Kriegsarchive und wird demnächst von mir ver- 
öftentlicht werden. 



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Die Forschüngbn zur Lakdbskündb der Bukowina. 5 

sandte, der sie in i^einem Werke: ^Primitiae ßorcte Galiciae austriacae^ {Vienna 
1^09) verwertete. 

Noch bedeutender sind für die Bukowiner Landeskunde die beiden letzt- 
genannten Männer. 

Alexander Z a w a d z k i , geb. am 6. Mai 1798 zu Bielitz in Oesterreichisch- 
Schlesieu und gest. zu Brunn am 5. Mai 1868, sammelte schon als Knabe von 
seinem Geburtsorte aus im nahen Gebirge Pflanzen, Insecten und Conchilien. 
Dieser Sammeleifer machte sich seit seiner im Jahre ! 8 18 erfolgten Uebersiede- 
lung nach Ijemberg, wo er nach Absolvierung seiner Studien als Supplent der 
Physik an der Universität und von 1830 — 1839 als Professor der Mathematik 
und Physik an der Lehranstalt für den Regularclerus Galizieus thätig war, in 
besonders hohem Grad bemerkbar. 

In Ijemberg lernte Zawadzki den um sieben Jahre älteren Dr. Franz 
Herb ich kennen, der, aus Wien gebärtig, im Jahre 1825 als Militärarzt nach 
(jralizien gekommen war. Beide machten nun gemeinschaftliehe Reisen in die 
Ceotralkarpathcn sowie in die Bukowina. In letzterem Lande boten ihnen der 
Ilareu, Dzumaleu. Suchard und andere Alpengipfel eine reiche Ausbeute an 
Pflanzen, welche in dem von Besser herausgegebenen Werke fehlen. 

Die Resultate dieser Reisen sind in Zawadzki's ,^Enumeratto pJnntarum 
Galiciae et Bucowinae oder die in Galizien und der Bukowina wildwachsenden 
Pflanzen" (Breslau 1835) und „Fauna der galizisch-bukowinischen Wirbelthiere" 
(Stuttgart 1840) niedergelegt. 

Dr. Herbich wurde im Jahre 1834 als Regimentsarzt nach Czernowitz 
versetzt, wo er bis zum Jahre 1856 blieb. Während dieses 22jährigen Auf- 
enthaltes in der Bukowina hat er seine floristischen Forschungen daselbst 
ununterbrochen fortgesetzt und ausser zahlreichen Aufsätzen in Zeitschriften zwei 
grossere Werke, nämlich : ^Selectus plantarum rariorum Galiciae et Bucovinae^ 
{Czemovicii 1839) und „Stirpes rariores Bucovinae^ {Stanislawoxo 1853} ver- 
üffentlieht, Werke, die ihm filr alle Zeiten einen ehrenvollen Platz unter den 
Botanikern Oesterreichs sichern. 

Was die ethnographischen, culturhistorischen und volkswirtschaftlichen 
Verhältnisse in dem gleichen Zeiträume anbelangt, können wir drei Männer 
nennen, welche nach diesen Richtungen Hervorragendes geleistet haben : Samuel 
Bredetzky, Joseph Rohr er und Michael Franz Stöger. 

Bredetzky, geb. zu Deutsch-Jakubjan im Saroser Comitate am 1 S. März 
1772 und gest. am 25. Juni 1812 zu Lemberg, hatte als Superintendent von 
C)«t- und Westgalizien (von 1808 — 1812) Gelegenheit, die Bukowina zu be- 
suchen, und er hat durch drei Publicationen dai^ethan, dass ihn daselbst nicht 
bloss die kirchlichen Angelegenheiten interessierten. Er schrieb „Beyträge zur 
nähern Kenntnis der Bukowina" (Vaterland. Blätter l. Wien 1808. Nr. 46), 
gedachte in seinem „Historisch-statischen Beitrag zum deutschen Colon isations- 
wesen in Europa** (Brunn 1812) der deutschen Ansiedler in der Bukowina und 
gab dem Westen Kunde von den Lippowanern (Sartori^s „maier. Taschenbuch.*' 
I. 1812. S. 149—161). 

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6 POLEK : 

Joseph Rohr er, 1769 zu Wien geboren, kam ira Jalrre 1795 nach 6a- 
h'zien und gehörte diesem Lande durch mehr als drei Decenniou, bis kurz v*>i 
seinem am 21. heptember 1828 erfolgten Tode an. Anfangs Polizeieommissir. 
wurde er im Jahre 1806, ohne den Doctorgrad erlangt zu haben, zum Profctwci 
der politischen Wissenschaften und Statistik am Lyceum zu Lemberg eroanut 
und behielt diese Stelle auch, als diese An.^.talt im Jahre 1816 wieder zu: | 
Universität erhoben wurde, bei. Diesen glänzenden Erlolg dankte Rohrer seiner 
schriftstellerischen Thätigkeit Durch die neuen, fremdartigen Verhältnisse viel 
fach angeregt, hat er nämlich seit seiner Uebersiedelung nach Galizien ein^ 
stattliche Reihe von Arbeiten zur Volks- und Landeskunde Oesterreiehs im 
allgemeinen und Galiziens sowie der Bukowina im besondern theils selbständig', 
theils in verschiedenen Zeitschriften erscheinen lassen. Ich nenne Woss deu 
„Versuch über die Bewohner der österreichischen Monarchie^, der sich, die 
Deutschen, Armenier und Juden behandelnd, fast durch den ganzen Jahrgang 
1803 des Liechtenstern'schen Archivs für Geographie und Statistik hindurch 
zieht, dann die „Bemerkungen auf einer Reise v(m der türkischen Grenze über 
die Bukowina durch Ost- und Westgalizien^ Schlesien und Mähren nach \\'ien" 
(Wien 1804), ferner die Abhandlung über „die Wallachischen Bewohner der 
österreichischen Monarchie'^ in den Vaterland. Blättern (IL Wien 1810. Nr. 3^ 
bis 43), endlich den «politisch-arithmetischen Versuch über die Buko^^nna- 
(Ebenda. 1812. Nr. 88). 

Nicht minder rührig war Dr. Michael Franz Stöger. Am 22. September 
1795 zu Wien geboren, studierte er daselbst Philosophie und Jurisprudenz, 
erwarb sich aus beiden die Doctorwürde und folgte im März 1827 einem Rufe 
als Professor der Statistik an die Hochschule in Lemberg, wo er, erst 38 Jahn 
alt, am 18. Jänner 1834 starb Seine Arbeiten sind zumeist in Fachschriflcß 
enthalten. Auf die Bukowina haben insbesondere die nachstehend verzeichnetcß 
Bezug: „Die jüdische Bevölkerung in Galizien und ihre Evidenzhaltung nad 
österreichischen Gesetzen" (in Wagner's Zeitschrift für österreichische Keoht- 
gelehrsamkeit. 1829, Bd. I. S. 363—386), ^Bemerkungen über Galiziens Sali 
siedereien." (Oesterr. Archiv für Geschichte etc. 1829. Bd. 1. Nr. 61), „Notizci 
über die Bukowiner Judenschalt" (Ebenda. 1830. Bd. IL Nr. 49;, „Die Flussei 
Galiziens^ (Ebenda. 1831. Bd. L Nr. 56, 58—60), ^National- Verschiedenheiteij 
in Galizien" (Ebenda. 1832. Nr. 69) und „üebersicht des ersten Regulirung>' 
planes für das Kirchen wesen der nichtunirten Griechen in der Bukowina* 
(Ebenda. 1832, Nr. 22, 23, 27, 29—31). Im Buchhandel ist das folgende, fiir 
die Bukowina gleichfalls wichtige Werk erschienen: ^Darstellung der gesetT- 
liehen Verfassung der galizischen Judenschaft" (2 Bde. lemberg, PrzemysI, 
Stanislau und Tarnöw 1838). 

Von allgemeinen, die Gcsammtverhältnisse des Landes behandelDden 
Arbeiten ist ausser dem Werke: „Die Bukowina im Königreiche Galizien* 
(Wien 1845) von Theophil Bendella (geb. am 8. Mai 1814 zu Czeroowitz. 
gest. am 2. August 1875), nur noch eine im „Hcsperus" (Bd. 27 Prag 182(t 
Nr. 8) anonym erschienene, gute .topographisch-statistische Uebersicht der Bu- 
kowina" zu verzeichnen. 



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Die Fobschüngkn zur Landeskunde dbe Bukowina. 7 

Was schliesslich die kartographischen Darstellungen anbelangt^ kann nicht 
verschwiegen werden, dass sich auch in dieser Hinsicht die Abhängigkeit der 
Bukowina von Galizien bemerkbar macht. Denn ausser I. Liesganig^s Karte : 
j^Regna Galiciae et Lodmneriae nee non Bukovina'^. LeopoK 1790, 30 Bl. fol. 
1 : 288.000 (vermehrt und verbessert von dem k. k. General-Quartierraeisterstabe 
im Jahre 1824) und ^^Carte general de V Atlas du Royaume de Galicie et de 
Ix/domerie avec la Bucovine^ (Vienne 1790, 2 BI.) ist nur eine einzige Karte 
der Bukowina (ohne Galizien), und zwar von dem Buchhändler Winiarz im 
Jahre 1842 (Lemberg und Czernowitz. 1 Bl. col. fol. 1 : 288.000) herausgegeben 
worden. 

1848! Damit erscheint auch für die Bukowina die Morgenröthe bes- 
serer Tage. 

Im Juni des genannten Jahres richtete eine Anzahl gesinnungstüchtiger 
Männer eine Petition an das Ministerium, worin die Beschwerden über den 
Druck der galizischen Herrschaft ihren Ausdruck fanden. Das Ergebnis war 
die Emancipation des Landes. 

Welch colossalen Fortschritt hat die Erforschung der Bukowina seither 
gemacht! Immer neue Zweige hat sie in ihren Bereich gezogen, und die Lite- 
ratur ist so stark angeschwollen, dass es angezeigt sein dürfte, die ganze Pe- 
riode in zwei Abschnitte einzutheileu. Als Markstein kann mit Fug und Recht 
das Jahr 1876 bezeichnet werden. Vor diesem Jahre geht die Anregung zur 
Forschung im grossen und ganzen von den Mittelschulen des Landes aus; 
nach demselben fällt diese Mission zumeist der Alma tnater Francisco-Jose- 
phina zu. 

Ziehen wir auch jetzt wieder zunächst die naturwissenschaftliche Erfor- 
schung des Landes in Betracht, so stossen wir sofort auf eine Reihe wohl- 
bekannter Namen : Alth,Barber, Cotta, Denaro^vski, Knapp, 
Knauer, Paul, Petrino, Simiginowicz u. A. 

Obgleich Advocat von Beruf, leistete Dr. Alois v. A 1 1 h (f 4. November 
1886) doch sehr Erhebliches auf dem Gebiete der Geologie. Die Reihe seiner 
diesbezüglichen Schriften hebt mit der Schilderung der „Mineralquellen der 
Bukowina" (Bronnes Jahrbach für Mineral. 1848. S. 526—551) an. Hierauf 
folgen : „Ein Ausflug in -die Marmaroscher Karpathen im Sommer 1855" (Mitth. 
d. k. k. geograph. Gesellschaft in Wien. 1858. S. 1 — 13), „Ueber die Gyps- 
iormation der Nord-Karpathenländer ' (.Jahrb. d. k. k. geolog. Reichsanst. 1858. 
S. 143 — 158) „Neue Höhenbestimmungen in der Bukowina, der Marmaros etc." 
(Ebenda. 1859. S. 345 — 349), „die Oberflächengestaltung Galiziens und der 
Bukowina"* (polnisch, in Rocznik tow, nauk. krakow. 1861), „die Salz- und 
Steinölquellen in Galizien und der Bukowina" (polnisch, Sprawozd, komüyi 
fizyogr. V. 1871. S. 49—93) und „die bei dem Baue der galiz. Eisenbahnen 
ausgeführten Höhenmessungen und ihre Bedeutung fllr die Physiographie des 
lindes" (Ebenda. VH. 1873. S. 109—125). 

Der berühmte Geologe Bernhard v. Cotta (geb. 24. October 1808 zu 
Klein-Zillbach, gest. 14. Sept. 1879 in Freiburg) besuchte die Bukowina im 
Jahre 1855. Eine Frucht dieser Reise ist ausser den „Geologischen Mitthei- 



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8 POLKK : 

luDgen aus der Bukowina'' in Bronn's Jahrbuch für Mineralogie (1855. S. 22 
bis 32) die in dem Jahrbuche der k. k. geolog. Reichsanstalt (VI. 1855. S. 10,; 
bis 135) veröffentlichte Abhandlung: „Die Erzlagerstätten der südlichen Br 
kowina."^ Bergrath Dionys Stur {jetzt k. k. Hofrath i. P.) und Bergrath (jet?i 
Oberbergrath) Carl M. Paul machten, von Otto l^eiherrn von Petrin' 
(geb. 13. Februar 1834, gest. 27. Jänner 1884) vielfach unterstützt, währen i 
der Jahre 1872 und 1873 Aufnahmen in der Bukowina, worüber sie im Jahr- 
buchc der k. k. geolog. Keichsanstalt (1872 und 1873) berichteten. 

Franz Simiginowicz (von 1853 bis 1S58 Supplent am Gymnasium 
zu (>zernowitz) gab einen Beitrag „zur physischen Geographie der Bukowina* 
(Wien 1856) heraus, sein Bruder Ludwig Adolf Simiginowicz (jetzt Pn^ 
fessor an* der k. k. Lehrer- und Lehrerinnen-Bildungsanstalt in CzernoAvilx 
stellte in Wort und Bild ..die Bodenplastik der Bukowina" (Kronstadt 187-' 
dar, Dr. Karl Denarowski (jetzt k. k. Regierungsrath i. P.) und Dr. Josef 
Barber (Apotheker in Czernowitz) schrieben, erstercr in einer 18(58 in Wiir 
herausgegebenen Broschüre, letzterer in den Sitzungsberichten der k. Akademit 
der Wissenschaften in Wien (Nat. Gl. 60. Bd. 1869 '2, Abth. S. 405— 41> 
über die „Mineralquellen von Dorna-Watra nnd Pojana-Negri , Titus v. Altb. 
ein Neffe des oben genannten Alois v. Alth, veröffentlichte in dem Jahres- 
berichte der gr.-or. Oberrealschule in Czernowitz f. 1869 (S. 38 — 53) y^di^ 
beobachteten meteorologischen V^erhältuisse für den Horizont von Czernowitz*, 
und Dr. Blasius KnaueV und Josef Armin Knapp machten sich durch ihn' 
botanischen Werke — von dem ersteren stammt die vortreffliche Arbeit : ^Die 
Flora von Suczawa'^ (Jahresbuch des gr.-or. Obergymnasiums in Suczawa für 
1863, S. 1 — 16), von dem letzteren das ausgezeichnete Werk: „Die bisher 
bekannten Pflanzen Galiziens und der Bukowina" (Wien 1872) — um die Bu- 
kowina sehr verdient. 

Wie der Natur, so wurde auch der Einwohnerschaft des Landes seit 
1849 mehr Aufmerksamkeit geschenkt. L. A. Simiginowicz theilt rumä- 
nische Märchen (Zeitschrift für Mythologie, Bd. I. Göttingen 1853 und 1854 
S. 42—50, 469—472), Professor Johann Sbiera rumänische Volkslieder uivi 
Volksräthsel (in Foaea So^ietä^it pentru literätura §i cultura romdnä In Bud- 
vina. Cernäu^X 1866 und 1867) mit, und S. Fl. Marianu, Professor am 
Gymnasium zu Suczawa, gibt den ersten Band seiner romanischen Volksdicli- 
tungen (Poesii poporale romäne, Cernäu^l 1873) heraus; der Dichter Josepb 
Hordynski Ritter v. Fedkowicz (geb. am 8. August 1834, gest. am 
11. Jänner 1888) entwirft „Skizzen aus dem Huzuleuleben" (Czernowitz. Zeitung 
1868. Nr. 51), Gregor Kupczanko debütiert als Octavaner mit rutheuisuhep 
Volksliedern, Märchen, Sagen etc. (Bukow. Zoria. 1870. Nr. 2, 3, 10 — 11. 
13 — 16), Professor Franz Miklosich lehrt „Märchen und Lieder der Zigeuner 
der Bukowina^ kennen (Denkschriften der k. k. Akad. d. W. philos. bist. Cl 
Bd. 23 und 24), und der Reichsraths-Bibliothekar Vincenz Göhlert giU 
Kunde von dem geheimnisvollen Völklein der Lippowaner (Sitzungsb. d. k. k. 
Akad. d. W.. philos. histor. Cl Bd. 41. S. 478—488). 



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DiK FORSCHUNOKN ZUR LANDESKUNDE DER BUKOWINA. 9 

Dass bis 1875 über das geistige Leben in der Bukowina nic;ht viel zu 
schreiben war, wird niemand wundernehmen. Dennoch sind auch auf diesem 
Gebiete drei Schriften anzuführen: ^Kumäniseiics Schulwesen** von dem Di- 
rector der k. k. Lehrer- und Lehrerinnen-Bildungsanstalt Demeter Isopescul 
(Bericht über österr. Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung heraus- 
gegeb. Wien 1873. Theil IL S. 560—567), „Historischer Rückblick auf die 
Gymnuriial-Rcorganisationspläue in Oesterreich nebst historisch-statistischen Aus- 
weisen über das Czernowitzer k. k. Gymnasium seit 1850—1872" (Czcrnowitz 
1873) von Dircctor Stefan Wolf und „lieber die Käthliclikeit zur Einführung 
tles Geschworeneninstitutes in Galizien und der Bukowina^ von J. K. Ritter 
U ni I au f f v. F ra n k w e 1 1, herausgcgeb. von Victor Ritter Uralauff v. Frank- 
well (Wien 1861). 

Auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Cultur sind folgende Arbeiten 
hervorzuheben: „Die Entwickelung des Grundsteuerwesens im Herzogthume 
Bukowina unter österreichischer Herrschaft*' von A. Lippcrt (Czermnvitzer 
Zeitung 1868; Nr. (>, 9, 13, 17, 21, 27 und 34), weiter die „Denkschrift des 
Verwaltungsrathes der k. k, Lemberg-Czernowitz-Jassyer Eisenbahngcsellschaft 
betreffend die Sequestration der Linie Lemberg-Czernowitz-Suczawa" (Wien 
1873), dann der „Hauptbericht der Handels- und Gewerbekammer für das Iler- 
zogthum Bukowina für 185f (Wochenschrift der Buk. Handels- und Gewerbe- 
kammer 18.52, Nr. 42—50, in 2. Aufl. Czernowitz 1861), für 1861 (Czcrno- 
witz 1862) und für die Periode 1862—1871 (Lemberg 1872), endlich A. 
Ficker's „Darstellung der Landwirthschaft und Montan-Iudustrie des Herzog- 
thuras Bukowina** (Mitth. aus dem Gebiete der Statistik IIL Wien 1854 
1. H. 8. 1—100). 

In dem Zeiträume von 1849 — 1875 wird in der Bukowina auch die Ge- 
schichtsforschung schon gepflegt. A. F ick er liefert „Beiträge zur ältesten 
Geschichte der Bukowina und ihrer Nachbarländei*^' (Progr. des k. k. Ober- 
g\-ranasiums in Czernowitz 1852. S. 11—24), E. Hormuzaki (f 1874) schreibt 
den „Noth- uud Hilferuf der Gemeinden des Moldauisch-Campulunger Okols 
in der Bukowina" (Wien 1861), J. Maitynowicz stellt „Historische Zeug- 
nisse Ober die Beherrscher und Einwohner der Bukowina und der Moldau" 
(Bukow. Zoria 1870. Nr. 4 — 6, 8 und 9) zusammen, Aron Pun)uul (gest. 
24. Jänner 1866) gibt ein Werk über den griech.-orient, Religioni'fond (Privire 
räpede preste mofiile mon^stiresct, din carile sa format märepil fond religia- 
nariu al hisericel dreptcrd, r^särit din Bticovina, Cernäu^X 1H()5) heraus und 
A. S. Petruszewicz schreibt über das Radautz-Czernowitzcr Bisthum und 
»eine Oberhirten" (ruthenisch, in Bukow. Zoria 1870. Nr. 7, 10,12—16). Auch 
Franz Adolf Wicken hauser (geb. zu Wurmbach in Niederösterreich 1809 
und gestorben zu Czernowitz am 6. April 1891) tritt bereits auf den Plan. 
Im Jahre 1862 erscheint die erste Abtheilung seiner .Moldawa oder Beiträge 
zu einem Urkundenbuche für die Moldau und Bukowina" (Die Urkunden des 
Klosters Moldawitza), welchen „Die Huldigung der Bukowina am 12. October 
1777" (Bukow. Hauökalender für 1868, S. 69-78) und „Bochotin oder Ge- 
schichte der Stadt Czcruäuz uud ihrer Umgebung" (Wien 1874) folgen. 



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10 Polek: 

In Hinsicht auf die allgemeine Landes- und Ortsbeschreibung sind anzu- 
führen : eine ^Skizze des llcrzogthnms Bukowina" von dem Czernowitzer Gyni- 
nasialdirector Anton Kral (Zeitschrift für österr. Gymnasien II. Wien 1851. 
S. 127 — 128), dann ^das Königreich Galizien und Lodoraerien öammt dem 
Herzogthume Krakau und dem Herzogthumc Bukowina" (Lemberg 1853) von 
H. Stupnicki, ferner die ^Topographisch-statische Darstellung des Herzog- 
thum» Bucowina mit Schluss des Jahres 1861" von dem Handelskammer 
secrctär A. Mikulicz {Hauptbericht der Bnkow. Handels- und Gewerbekammer. 
Czernowitz 1862. S. 27 — 284^, weiter die „Geographisch-statistische Ueber- 
sicht Galiziens und der Bukowina" von dem Major II. von Schmedes (Lem- 
berg 18(>7, 2. Aufl. 1869), endlich die ,. Heimatskunde der Bukowina" von 
D. Isopescul (Czernowitz 1872). 

Wir sind bei dem letzten Abschnitte angelangt, bei dem Abschnitte, 
welcher, wie ich schon bemerkte, mit der P]röffnung der k. k. Franz- Josephs- 
Universität beginnt und sich bis zur Gegenwart erstreckt. Bevor ich jedoch 
von den Leistungen dieses Zeitraumes spreche, möchte ich mir erlauben, einige 
W^orte zur Rechtfertigung des von mir angenommenen Ausgangspunktes vorzu- 
bringen. 

Es siu<l Stimmen laut geworden (u. a. in „Deutschland." Berlin 1890. 
Nr. 48), dass sich die Mehrzahl der Czernowitzer Universitätsprofessoren von 
den geistigen und culturellen Litcressen des I^andes ferne halte. Dem niuss 
ich entschieden entgegentreten. Wie man in dem Folgenden sehen wird, haben 
die Professoren aller Facultäten, soweit sich ihnen die Gelegenheit darbot, die 
Landes und Volkskunde der Bukowina in den Bereich ihrer Forschungen 
gezogen. Aber weit höher ist die Anregung zu taxieren, die von der Univer- 
sität nach allen Richtungen ausgegangen ist. Und diesem Umstände ist es 
hauptsächhc^h zuzuschreiben, dass der letzte, kaum 18 Jahre umfassende Ab- 
schnitt eine ausserordentliche Fülle literarischer Erzeugnisse in sich fasst. 

Was zunächst wieder die Natur des Landes anbelangt, möchte ich zuerst 
Otto v. Petrin o's Arbeit „über die Stellung des Gypses in Ost-Galizieu und 
Bukowina innerhalb der Neogenablagerungen" (Verhandl. der k. k. geolog. 
Reichsanst. 1875. S. 217—220) und K. M. P a u Ts , Grundzüge der Geologie 
der Bukowina" (Jahrb. der k. k. geolog. Reichsanst. XXVI. 1876. S. 261 bis 
330) nennen. Die geologischen Verhältnisse von Czernowitz hat Professor 
Friedrich B e c k e (seit 1890 an der Prager Universität) in seiner Abhandlung 
„Ueber die bei Czernowitz im Sommer 1884 und Winter 1884/85 stattgefun- 
denen Rutschungen*' (Jahrb. d. k. k. geolog. Reichsanst. XXXV. 1885, 8. 397 
bis 406) und Director D. Stur in seinem „Geolog. Gutachten anlässlich der 
Versorgung der I^ndeshauptstadt Czernowitz mit gutem Trinkwasser" (Czer- 
nowitz 1889) gründlich dargelegt; Bergrath B. Walter hat ^die Chancen einer 
Erdölgewinnung in der Bukowina" (Jahrb. d. k. k. geolog. Reichsanst. XXX. 
1880. S. 115—148) nachgewiesen, und Ür. A. Löbcl ist seit 1887 uner- 
müdlich in der Schilderung der Mineral(|uellen von Dorna-Watra (Revista po- 
liticä. 8uczawa 1887. Nr. 16 und 17; Calindar. Cernau^i 1890. S. 96 bi.s 
128; Oesterr. Badezeitung XX. Wien 1891. Nr. 4—7; Bukow. Rundschau, 



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Die Forschungen zur Landeskunde der Bukowina. 1 1 

Czernowitz 1891. Nr. 1011, 1013, 1014, 1017, 1023 und 1025; Gazeta Buco- 
vinei, Cernäu^i 1891. Nr. 12—14). 

Für die klimatischon Verhältnisse dienen uns der schon genannte Titus 
V. Alth (seit dem Beginne des Schuljahres 1879/80 Director der Staats-Real- 
schule in Währing) und der am 2. Februar 1892 verstorbene Czernowitzer 
Gymnasialprofessor Dr. A. Wachlowski als Führer. Der erstere hat eine 
„Klimatologie von Czernowitz" (Czernowitz 1875) geschrieben, der letztere 
nachstehende gediegene Arbeiten hinterlassen: ,,Zur Klimatologio von Czer- 
nowitz" (Czernowitz 1886. S.-A. aus d. Progr. d. k k. Obergyranasiums in 
Czernowitz), „Die Hagclverhältnisse in der Bukowina" (Sitzugsb. d. k. k. Akad. 
d. W. Math.-nat. Gl. 95. Wien 1887. 2. Abth. S. 58-67) und „Ueber die 
Niederschlags Verhältnisse in der Bukowina" (Meteorolog. Zeitschrift IV. Wien 
1887. S. 362-368). 

Auf dem Gebiete der Botanik haben sich zwei ehemalige Hörer der 
Czernowitzer Universität rühmlich hervorgethan : A. Procopianu-Pro- 
c o [) o v i c i und Dr. K. Bauer. Von ersterem haben wir einen „Beitrag zur 
Kenntnis der Gefasskryptögameu der Bukowina" (Verhandl. d. zoolog.-botan. 
Gesellschaft in Wien 1887. S. 783—794), dann einen „Beitrag zur Kenntnis 
der Orchidaceen der Bukowina" (Ebenda. 1890. S. 185 — 196) und einen 
Beitrag „zur Flora von Suczawa" (Ebenda. 1892. S. 63—66), von letzteremeinen 
„Beitrag zur Phanerogamenilora der Bukowina und des angrenzenden Theiles 
von Siebenbürgen'^ (Oesterr. botan. Zeitschrift. XL. 1890. S. 218—221. 268 
271). Ausserdem sind noch zwei gediegene floristische Arbeiten anzu- 
fiihren: „Beitrag zur Moosflora der Bukowina und Siebenbürgen" von 
J. Breidler (Ebenda. S. 148—152, 191—105) und „Beiträge und Berichti- 
gungen zur Gefasskryptogamenflora der Bukowina" von J. Dörfler (Ebenda. 
S. 186—198, 226-230, 271—274). 

Selbst die Kenntnis der Fauna, welche seit 2jawadzki fast ganz vernach- 
lässigt war, hat in jüngster Zeit eine nicht unbedeutende Erweiterung erfahren. 
Dieselbe ist einem Landeskinde, C. v. Hormuzaki, zuzuschreiben, welcher 
seit dem Jahre 1888 in den zu Berlin erscheinenden „Entoraologischen Nach- 
richten" Beiträge zur Käferfauna der Bukowina veröffentlicht. 

Bisher sind erschienen: „Beiträge zur Käferfauna der Bucowina und Nord- 
nimäniens^^ (XIV. 1888. Nr. 1—3, 5—7, 10—11), „Ein neuer Beitrag zur 
Kenntnis der in der Bucovina einheimischen Coleoptercn'* (XVII. 1891. Nr. 8 
bis 11), ^yAcTonycta var, Bryophiloides, eine neue Varietät der A. Strigosa F." 
(Ebenda. Nr. 10), „Beschreibung einiger neuer Tagfaltervarietäten aus der Bu- 
covina und den Nachbargebieten" (XVIII. 1892. Nr. 1) und „Lepidopterolo- 
gische Beobachtungen in der Bucovina" (Ebenda. Nr. 20 und 21). 

Mehr noch als die Natur des Landes waren dessen Bewohner seit 1875 
Gegenstand des Studiums. 

Da sind vor allem die volksthümlicheu Ueberlieferungen in Sagen, Märchen, 
Liedern, Sitten und Gebräuchen, für die es allenthalben im Lande selbst For- 
scher und Sammler gibt Unter den Rumänen treten uns in dieser Hinsicht in 
erster Reihe wieder J. Sbiera und S. Fl. Marianu entgegen. Letzterer hat 



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12 Polek: 

im Jahre 1876 den II. Theil seiner rumäniHchen Volksdichtungen heraus- 
gegeben und seitdem eine Reihe noch bedeutenderer Werke, wie „die Farben- 
mischung bei dem rumänischen Volke" (Chromatica poporului romänii. ßucn 
resci 1882), „die rumänische Volksornithologie" (Ornitologia poporanä romdna. 
2 voll. Gemaust 1883), die Sammlung „rumänischer Zaubersprüche" (Descän- 
tece poporanc romäne. Suceava 1886) und die „Hochzeit bei den Rumänen' 
{Nunta la Rumdni, Buctiresci 1890), „die Geburt bei den Rumänen" {Nascerea 
la Romdni, Bucnrcsci 1892) luid „das Begräbnis bei den Rumänen" {Inmomian- 
tarea la Romdni. Bucuresci 1892) erscheinen lassen, indem er gleichzeitig zahlreiche 
Sagen und Volkslieder in der .,Revista politica'* (Suceava 188G — 1891) vcr 
öftentlichte. Sbiera dagegen hat in der nämlichen Zeitperiode „rumänische Volks- 
sagen^ (Poves^i poporale Rtmdnesci. Cer/i4M{ i«S86*), „Weihnachtslieder und Hoch 
Zeitssprüche" {Colinde, cintice de stea §i tträri la nunfl Ccrnäu{ 1888) und eine 
Volkstradition über „das Leben der Rumänen vor der Gründung nationaler Staaten*' 
(IraXul Rominilor Innäinte de fundarea staturilor nationale, Cernäuf 1890 
bekannt gemacht. Ausserdem sind J. B e r a r , B. B u m b a c , D. Dan,, 
R. Hürjuiu, J. Je^an, R F. Kaindl, R. Noru, L. A. Simiginowicz 
und G. Tamäiaga als Sammler von rumänischen Volkssageu und Volks 
gebrauchen anzuführen. 

lieber die Ruthenen und deren volksthümliches Leben geben uns F e d- 
kowicz, Kozaryszczuk, Kupczanko, L. A. Simiginowicz, 
Kaindl und Manastyrski Aufschluss. Fedkowicz und Koza- 
ryszczuk schildern insbesondere das Huzulenleben, ersterer im Bukow. 
Almanach (Czernowitz 1885). im Bukow. ruth. Kalender (Ebenda 1887) und 
in „Zerna" (Ebenda 1887), letzterer in der zu Wien erscheinenden „Nauka" 
(1889. Nr. 6-12 und 1890. Nr. 1, 2, 4—7, 10—12). Von Kupczanko's 
Arbeiten gehören hierher: „Sitten und Gebräuche der Bukowiner Ruthenen" 
(Bukow. Rundschau. 1875, Nr. 5), „die Hajdauachen" (Czernowitz 1886), ,,die 
Ruthenen in der Bukowina*^ (Ausland 1887. Nr. 2 — 6) und jjKrankheitsbesch wa- 
rungen bei russischen Bauern in der Bukowina'* (Am Ur-Quell 1891. Nr. 12 
bis 44, 23—46, 61—63, 75—77). Simiginowicz hat Sagen und Märchen 
(Czernowitz. Zeitung 1880. Nr, 268 und 280 und Bukow. Hauskai. 1882. 
S. XV — XX) mitgetheiltund „Kleinrussische Volkslieder* übersetzt (Leipzig 1888). 

Besonders bemerkenswert ist die von Kaindl in Geraeinschaft mit dem 
gr.-or. Pfarrer Manastyrski herausgegebene Schrift über „Die Ruthenen 
in der Bukowina" (Czernowitz 1889—1890). Kaindl hat überdies über „Zauber- 
glaube bei den Rutenen in der Bukowina und Galizien*' (Globus. LXI. S. 279 flF. > 
geschrieben und ruthenische Sagen und Märchen in der „Buk. Rundschau" (1890), 
in der Zeitschrift für Volkskunde (1888) und in der Monatsschrift „Am Ur- 
Quell'* (1890 und 1891) bekannt gemacht. 

„Die Deutschen in der Bukowina'- hat bisher nur F. A. Wickenhauser 
und zwar in „Die deutschen Siedelungen in der Bukowina*' (Czernowitz 
1885 bis 1887) ausfuhrlicher behandelt. Als Ergänzung können angesehen 
werden die Artikel : „Deutschböhraische Colonien" von Prof. Dr. L o s e r t h 
(Mittheil. d. Vereins f. Geschichte der Deutscheu in Böhmen, Prag 1885. 



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Die FoBSGHüNaBN zur Landeskunde deb Bukowina. 13 

S. 373 — 384), „Die Deutschen in der Bukowina" von Kupczanko (Ausland 
1886 Nr. 50) und ausserdem noch meine Broschüre: „Der Protestantismus 
in der Bukowina" (Czernowitz 1890). 

In Betreff der Juden kann ich auf meine Broschüre „Statistik des 
Judenthums in der Bukowina^' (Sep.-Ahdr. aus d. „Statist. Monatsschrift*^ XV. 
Wien 1889). in Betreff der Armenier auf die Schrift des gr.-or. Pfarrers 
U. Dan: „Die orientalischen Armenier in der Bukowina'* (Czernowitz 1890) 
und in Betreff der Lippowaner auf die Artikelserie: ,^Ra8kol i Lipowany^^ 
(„Candela" 1983. Nr. 7 — 10) von J. Woro bkie wicz. ferner auf üan's 
Schrift: „Die Lippowaner in der Bukowina" (Czernowitz 1890. Auch rumänisch), 
dann auf R. F. Kaindl's Aufsatz: „Die Lippowaner*' (Ausland. LXV. 1892. 
Kr. 52) und meine Abhandlung „Die Lippowaner-Colonien in der Buko- 
wina" (Mittheil, der k. k. geogr. Gesellschaft in Wien. 1885. S. 301—312) 
verweisen. 

Ueber die Magyaren handelt ein Artikel von G. v. MarcziiCny im 
„Pester Lloyd^^ (1883. Mr. 93): „Wie die Csango nach der Bukowina kamen*^, 
sowie W. Schmidt's interessante ,.PIauderei*' in der „Ungarischen Revue'* 
(VIL Budapest 1887. S. G72 — 683): „Die magyarischen Colouien in der Bu- 
kowina*'. 

Selbst die Zigeuner sind nicht vergessen worden. In Hinsicht auf dieses 
Volklein liegen folgende Arbeiten vor: „Die Zigeuner in der Bukowina" von 

A. Ficker (Statist. Monatschrift. V. 1879. S. 249—205), ,^igeunerlcben und 
Zigeunerdichtung'' von L. A. Simiginowicz (Heimat. VIII. 1. Wien 1882. 
S. 375 — 378), „Volkslieder der Zigeuner*' von demselben (Czernowitzer Zeitg. 
1882. Nr. 18), „Beitrage zur Statistik der Zigeuner in Oesterreich*' von 

B. Karpeles (Mittheil. d. anthropol. Gesellschaft in Wien. 1891. S. 31 bis 
bis 33), „Ein Beitrag zur Ethnographie der Zigeuner*' von R. F. K a i n d I 
(Ausland. 1891. Nr. 51) und „Die Zigeuner in den Donauländern und der 
Bukowina*' von D. Dan (Buk. Nachrichten. 1893. Nr. 1342—40, 1349—51. 
Auch rumänisch). 

Schliesslich sind noch in Hinsicht auf die Bukowiner Einwohnerschaft 
im allgemeinen anzuführen: 

„Aus Halb-Asien. Culturbilder aus der Bukowina etc.'* von K. E. Fran- 
zos (2. Aufl. Leipzig 1878), dann „Die Völkergruppen der Bukowina*' (Czer- 
nowit;5 1884) und „Volkssagen aus der Bukowina** (Ebenda. 1885), beide von 
L. A. Simiginowicz, ferner „Major Himmel's Körpermessungen in der 
Bukowina*' (Referat darüber in den Mittheil, der anthropolog. Gesellschaft in 
Wien. 1888. [83]— [84] von A. Weisbach), weiter die Broschüre: „Das Bauern- 
haus in der Bukowina** (Czernowitz 1890) und „Typen landwirthschaftlicher 
Bauten im Herzogthume Bukowina- (Sep.-Abdr. aus Bd. XXII. d. Mittheil, 
d. Anthropolog. Gesellschaft in Wien) von dem Architekten und Professor der 
Staat s-Gewerbeschulc in Czernowitz C. Romstor fer, endlich die Studien: 
„Ueber die Besiedelung der Bukowina** (Mittheil, der k. k. geograph. Oesoll- 
sehaft in Wien. 1391. S. 32r) — 241) und „Die Vertheilung der Siedelungen 

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14 Tolek: 

in der Bukowina" (Ebenda S. 517 — 535) von R F. Kaindl und mein 
Aufsatz: „Regenzauber in Osteuropa" (Zeitsohrift d. Vereins f. VoHtskuode. 111. 
1893. S. 85-87). 

Sehr rege ist seit 1875 auch das Interesse für das geistige und materielle 
Leben in der Bukowina. 

Was das Volks- und Mittelsehulwesen anbelangt, erinnere ich an die seit 
1880 von dem Universitätsprofessor Basil v. Repta herausgegebenen ,, Jahres- 
berichte über den Zustand der Volks- und Bürgerschulen der Landeslmupt- 
stadt Czernowitz'*, an Dr. S. Grünberg's Abhandlung: „Das Schulwesen in 
der Bukowina in seiner historischen Entwicklung und seinem jetzigen Zustande" 
(üesterr.-ungar. Revue. 1. Wien 1888. S. 186 — 227), an meine Broschüre: 
„Die Anfange dos Yolksschulwesens in der Bukowina" (Czernowitz 1891) uml 
an die von dem Czernowitzer gr.-or. Pfarrcooperator C. Morariü in der ro 
manischen Revue" veröffentlichten Artikel: „lieber das romanische Volksschul 
wesen in der Bukowina^' (Wien 1889, Heft 5 — 7), „Die Gymnasien der Buko- 
wina'^ (1889, H. 8 und 9), „Die gr.-or. Oberrealschule in Cernäuf (1881^ 
H. 10), „Das romanische Lehrerbildungswesen in der Bukowina" (1890, 11. 2». 
„Die Staats-Gewerbeschule in Cernäu^'^ (1890, H. 4 und 5) und ,,Die land- 
wirtschaftliche Lehranstalt in Oernäuf* (1890, H. 6). 

Ueber das theologisclie Bildungswesen belehren uns die Professoren 
Isidor v. Onciul und Eusebius Popowicz, ersterer in dem Aufsatze: 
„Einiges über den Gang und die Entwickelung der theologischen und clericalen 
Cultur in der Bukowina*' (Ceva despre mersnl ft desvoltamentul culturet Uolo- 
gice fi cUricale in Bucovina, Candela 1883. Nr. 1 — 7. Ins Deutsche übertragen 
von C. Morariü in d. „Roman. Revue". Wien 1888, H. 10—12, 1889, H. 1 bi.^ 
4), letzterer iu seiner Rectoratsrede: „Die theologische Facultat in Czernowitz 
und die übrigen gr.-or. theologischen Lehranstalten'* (Facultatea teologicä din 
Cernäufl §i celelalte §coale teologice ortodoxe r^säritene, Candela 1884. 
Nr. 9—11)*) 

Für die Kenntnis des allgemeinen Bildungswesens sind folgende Arbeiten 
wichtig: „Die Bukowiner Landesbibliothek und die k k. Universitäts-Bibliothek 
in Czernowitz" (Czernowitz 1885) von dem k. k. Universitäts-ßibliothekar 
Dr. Karl Reifenkugel, dann „Mi§cäri literare la Romäni din Bucovina^^- 
Oradea mare 1890 (Die literarische .Thätigkeit der Bukowiner Rumäueiii 
Grosswardein 1890) von J. Sbiera und „Beiträge zur Geschichte der roma- 
nischen Literatur in der Bukowina" von C. Morariü (Roman. Revue 1891, 
H. 1, 3, 4, 6, 7—8, 9, 11—12), ferner „Die Geschichte des Entstehens und 
der Entwickelung des Musikvereins in Czernowitz" (Czernowitz 1882) von 
L. A. Simiginowicz und .,Die Musik und deren Entwickelung in der Bu 
kowina^* (Im Buchwald 1890. Nr. 13; 1891. Nr. 4, 5. 7, 11—13) von dem 
Musikdirector A. Hrimaly, die Jubilaumsfestschrift : „Gut Heil!" von O. l 
Nussbauni (Czernowitz 1892), endlich das von Dr. Htitschek am 24. Sep- . 



M Eine von mir verfasste Darstellung der Kntwickeliing des gesammten Bukowiner üo- 
terrichtswesens befindet sich unter der Presse. 



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Die Fobschungbn zur Landeskunde der Bukowina. 15 

teaiber 1886 an die Haudels- und Qewerkaramer in Reiohenberg erstattete Re 
ferat über „die Rechtspflege in Galizien und* in der Bukowina^' (Reiehenberg 

1886). 

Demjenigen, welcher sich über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Bu- 
kowina ira allgemeinen unterrichten will, dem können Prof. J. Platteres 
„Sociale Studien in der Bukowina' (Jena 1878), dann Prof. F. Kleinwäch- 
ter's Schrift über „Die Czernowitzer Ausstellung von 1886" (Wien 1886), 
ferner Prof. E. Misch ler's Aufsatz „Wirtschaftskrise in der Bukowina" in 
Doru's Volkswirtschaft!. Wochenschrift (1891. Nr. 406 und 408j und Frau Marie 
M i s c h 1 er 's „Sociale und wirtschaftliche Skizzen aus der Bukowina" im 
April- und Maihefte 1892 der von Peruerstorfer herausgegebenen „Deutschen 
Worte" (wiederabgedruckt in der „Bukow. Rundschau." 1892. Nr. 1139 ff.) 
empfohlen werden. 

Die finanziellen Verhältnisse des Landes beleuchtet Prof E. M i s c h 1 e r 
mit dem ihm besonders eigenen Geschick im ersten Hefte (1892. S. 24 — 71) 
der von ihm begi'undeteu „Mittheilungen des statistischen Landesamtes des 
Herzogthums Bukowina'' (»Die Stellung der Bukowina im Staatshalte"). Daselbst 
(S. 72 — 138) findet sich auch der 1. Theil einer unter Mischler^s Leitung ge- 
machten Zvisammenstellung „des Vermögens der politischen Gemeinden in der 
Bukowina" (die Gemeinden der politischen Bezirke Kimpolung, Radautz, Sto- 
rozynetz und Wiznitz). „Der Vermögenstand der Stadtcommune Czcrnowitz und 
der in ihrer Verwaltung stehenden Fonde" ist aus K. Ritter v. Weglowski's 
Bericht an den Gemeinderath der Landeshauptstadt Czcrnowitz (Czcrnowitz 
1889) ersichtlich. 

Ueber die Land- und Forstwirtschaft wird man in dem Werke: ^^Rapport 
»ur les fortts de la Bukovine^ (Marseille 1878) von Lejourdan, dann in 
den von dem Gestütsverwalter Z. T r i n k s über das Kadautzer Gestüt im 
Jahre 1884 in der Wiener und von C. Scherzer „über die Viehzucht in 
der Bukowina im Jahre 1886 in der „Czcrnowitz. landw. Zeitg." veröffentlichten 
Artikeln Aufschluss finden. Das Bukowiner Verkehrswesen beleuchtet am besten 
die Denkschrift E. A. Z i f f e r's : „Die Localbahnen i n Galizien und der Bu- 
kowina" (Wien 1891), und Handel, Industrie und Gewerbe werden sowohl in 
den Protokollen der Bukowiner Handels- und Gewerbekaramer als auch in den 
Mittlieilungen des statistischen Landesamtes des Herzogthums Bukowina (H. 1, 
S. 139 — 146), dann in den Schriflen C. Romstorfer's („Ueber die gewerb- 
lichen Zustände in der Bukowina" im 4. Jahresberichte der k. k. Staats- 
Gewerbeschule zu Czcrnowitz. 1886. S. 3—22 und „Einführung einer Haus- 
industrie in der Bukowina" in den „Bukow. Nachr." 1889. Nr. 99—101), 
H. Wiglitzky's („die Bukowinaer Hausindustrie und die Mittel und Wege 
zur Hebung derselben." Czcrnowitz 18S8) und F. Kl ei n wilc hter'ß („Zur 
Frage der Verkaufshallen.*^ Wien 1890) eingehend gewürdigt, lieber „Die 
Propinationsfrage in der Bukowina" hat A. Ter n er (Czcrnowitz 1869), tiber 
„Da« Propinationsrccht" Dr. J. Rott (Czcrnowitz 1^85) geschrieben. Noch 
wichtiger ist in Betreff dieses Gegenstandes das Werk des k. k. Finanzprocu- 

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16 Polek: 

rators Dr. Victor Korn. Es führt den Titel : j,Da8 Propinationsrecht in Ga- 
lizien und in der Bukowina und dessen Ablösung'* (Wien 1889). 

Die Darstellung der gesaramten Culturverhältnisse und zwar für die Zeit 
von 1775 bis 1875 danken wir A. Ficker und H. J. Bi der mann. Von 
ersterem stanimt die rühmlich bekannte Schrift: ,,Hundert Jahre" (S.-A. 
aus d. „Statist. Monatschrift." I. Wien 1875), von letzterem die gleichfalls 
treffliche Broschüre: „Die Bukowina unter österreichischer Verwaltung 1775 
bis 1875" (Wien 1875. 2. Aufl. Lemberg 1876). 

Ich komme nun auf die Studien zu sprechen, welche sich auf die Be- 
völkerungsstatistik und Gesundheitsverhältnisse beziehen. 

Die statistischen Grundlagen für die Bevölkerungsverhültnisse sind durch 
die Volkszählungen vom 31. December 1880 und 31. December 1 890 geschaffen 
worden, welche die Publicationen der k. k. statistischen Centralcommission 
(»»Statistische Monatsschrift", „Oesterreichische Statistik", „Statist. Jahrbuch^^ uod 
„Special-Ortsrepertorium") zusammenfassen. 

Die Gesundheitsverhältnisse der Bukowina hat zum erstenmale Regie- 
rungsrath Dr. K. Denarowski mittels „Sanitätskarte und Comment^r*' (Wien 
1880) dargelegt Diesem Beispiele folgend, hat .sein Nachfolger im Sanitäts- 
departement der Bukowiner k. k. Landesregierung, Regierungsrath Dr. B. K lu- 
czenko, im Jahre 1891 sowie im Jahre 1892 einen ebenso gediegenen als 
umfangreichen j^Sanitätsbericht der Bukowina" (für 1890, bezw. 1891) heraus- 
gegeben. Kluczenko hat überdies in Gemeinschaft mit Dr. Krämer eine 
,,Mortalitätsstati8ik der Stadt Suczawa in den Jahren 1874 — 1888*' im 2. Bande 
des östcrr. •,Sanitäts- Beamten** (1889. Nr. 9 — 11) veröffentlicht. Sehr interessant 
und lehrreich sind auch die von Dr. W. Philipowicz in den ,,Wiener medi- 
cinischen Blättern" (188S. Nr. 14 und 15) bekannt gemachten „Beobachtungen 
über das Vorkommen von Pellagra in der Bukowina*- sowie Dr. W. Z a 1 o 
z i c c k i's „Bericht über die zweite Wanderversammlung des Vereines der 
Aerzte in der Bukowina" (Czernowitz 1889). 

Ueber die Heilanstalten haben wir Arbeiten von Dr. B. Wolan (j,Zur 
Geschichte und Entwickelung des öffentlichen allgemeinen Krankenhauses in 
Czernowitz". Czernowitz 1879) und N. Ustyanowicz („Denkschrift über die 
Entstehung des allgemeinen Krankenhauses Kronprinz-Rudolf-Stiftung in Rat^autz 
mit Zugrundelegung der Entwicklung der Bukowina seit 1775." Radautz 1887). 

Besonders reichhaltig ist die Literatur, welche die in Czernowitz geplante 
Einführung der Canalisierung und Wasserleitung hervorgerufen hat. Ich führe 
im Nachstehenden die wichtigsten Arbeiten in chronologischer Ordnung an: 
„Das Grundwasser von Czernowitz" von A. Mikulicz (Bukow. Zeit. 1877. 
Nr. 5), „Zur Wasserversorguugsfrage in Czernowitz. Expose^ und Gutachten** 
von Professor Dr. Pribram (Czernow. Zeitg. 1878 Nr. 287), „Zur Frage 
der Städtereinigung und Reinhaltung in ihrer Anwendung auf die* besonderen 
Ortsverhältnisse in Czernowitz" (Czernowitz 1879) von J. Gregor, „Ueber 
die Be- um! Entwässerung der Landeshauptstadt Czernowitz. Gutachten, be- 
treff'end die Wasserversorgungs- und Canalisirungsfrage" (Wien 1880) von 
O. Burghart, „Expose über die Wasserversorgung der Stadt Czernowitz*^ 



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DiK Forschungen zur Landeskunde der Bukowina. 17 

von G. Rapf (Biikow. Nachrichten 1889. Nr. 150—151), ,, Gutachten über 
Wasserleitung vom Versuchsbrunnen in Rohozna" (Czernowitz 1889) von 
B. Salbach, „Bericht an den löbl. Gemeinderath der I^ndeshauptstadt Czer- 
nowitz über die an den bestehenden Wasserversorgungsanlagen und Canali- 
siningen der Städte Breslau, Dresden u. s. w. gemachten Wahrnehmungen mit 
Rücksicht auf die in Czernowitz einzuffihrenden dergleichen Anlagen"* von 
L. West (Czernowitz 1889), „Bacteriologische Untersuchungen über das 
Wasser aus dem Versuchsbrunuen in Kohozna" von Dr. W. Philipowicz 
(Bukow. Nachrichten 1889, Nr. 312), ,^Zur Wasser Versorgungsfrage ** (Ebenda. 
1891. Nr. 812 und 813) und „Regenfall und Canalbauten in Czernowitz" 
(Kbbenda. 1892. Nr. 1092) von Prof. Dr. A. Handl, „Das Project der Czer- 
nowitzer Tiefquellenleitung" von E. T rebbin (Ebenda. 1891. Nr. 818, 820, 
821 und 829), schliesslich „Die Wasser Versorgungsfrage in Czernowitz in ihrer 
Entwicklung und ihrem gegenwärtigen Stande" (S.-A. aus d. Czeruow. Zeitg. 
1893) von L. West. 

Die Bukowina bildet auch ein reiches Forschungsgebiet in historischer 
und prähistorischer Beziehung. 

Die Pflege der Archäologie wurde von der anthropologischen Gesellschaft 
und der k. k. Centralcommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und 
Baudenkmaie, seitens der letzteren insbesondere durch die Ernennung von 
Conservatoren angeregt. Die Herren J. v. Gutter, D. Isopescul, 
H. Kl aus er und C. Romstorfer gaben stets getreulich von jedem Funde 
in den „Mittheilungen" der k. k. Centralcommission Nachricht (Siehe Jahr- 
gang VI. ff.). Romstorfer hat überdies auch zusammenfassende Berichte, 
wie: „Funde in der Bukowina^ (Mitth. der k. k. Central-Commission. XV. 1889. 
S. 32—33), „Typus der Klosterkirclien in der Bukowina.*^ (Ebenda. XVI. 1890. 
S. 47 — 53), „Sereth als Fundort archäologischer Gegenjstände." (Ebenda. XVII. 
1891. S. 80—83), „Die alte gr.-or. Pfarrkirche in Rewna" (Ebenda. Not. 245, 
S. 251 — 252), „Die griechisch-orientalischen Pfarrkirchen in öolka und Arbora" 
(Ebenda. XVIII. 1892. S. 44— 47), „Goldschmuck aus Merezei in der Bukowina" 
(Ebenda, XIX. 1893. Not. 1, S. 65—66), „Das Tatarendenkmal bei Wama^ 
(Ebenda. S. 117 — 119 und „Das Bukowinaer Landesmuseum" (Wiener Zeitg. 
1893. Nr. 110) veröffentlicht. 

Sehr beachtenswert ist auch die Schilderung, welche Bischof M e 1 c h- 
sidec (f 28. Mai 1892) in den Annalen der Bukarester Akademie der Wis- 
senschaften {AnnaleU Academre Romane, Ser, IL, T, VII Sect IL W86\ 
p, 'J05 — 293) von dem Besuche einiger Klöster und alter Kirchen in der Bu- 
kowina („o visitä la cäteva mänästirl §i biserict antice din Bucovina^) gibt, 
dann Eugen A. Kozak's Abhandlung, betitelt : ^Resultate meiner Forschungen 
im Kloster Socawica (Archiv f. slav. Pilologie, hcrausg. von Jagic. Bd. XIV. 
S. 235 — 255 und XV. 8. 161 — 204), ferner die Beschreibung der Miroutzkirche 
in Suczawa {y^Beserica Miräu^ilor den Suceava^ in „Candela". XI. 1892. 
S. 533-540, 600-612 und 669-079) von Prof. 1. v. Onciul. Schliesslich 
verdienen erwähnt zu werden D. O 1 i n s c h i's Mittheilungen über „die Alter- 

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18 POLEK : 

lliümer der Bukowina" (Antichttä^ in Bticovina) im Bulletin der geograpli. 
Gesellschaft in Bukarest (1885), dann zwei Aufsätze von Prof. E. Maximovici 
über die Bukowiuer Kirchen (^Bisericele noastre,^ Gazeta Bucovinei. 1892. 
Nr. 84 und 94) und über den „Christustypus in der byzantinischen Kunst in 
Berücksichtigung der heimischen Kirchenmalerei** (Czemow. Zeitg. 1893 
Nr. 80), ferner die nachstehenden Artikel des Milleschoutzer Pfarrers Basil 
Tomiuc: „Die Kirche in Badeutz und die an ihr entdeckten FrescomalereieD" 
{Biserica din Bädeu^i §i zugrävituri fresco descoperite m ea. Gazeta Bucovinei. 
1892. Nr. 56 und 57), „Die Geschiclite des Dorfes Mileschoutz und die Ruineo 
der Ispravnikswohnung" (ist-oria satulin Mile§äu}i fi ruinile deacoperite ale locu- 
In^i ispravnieului. Ebenda. 1893. Nr. 14 und 15), „Die Geschichte <ler Kirche 
und des Dorfes Arbora^ (istoria bisericei §i a satului Arbure, Ebenda. Nr. 21' 
und „aus der Geschichte der Kirche in Woronetz" (din istoria bisericei deh 
Vorone}. Ebenda. Nr. 37 und 38) und, last not hast, die Artikel, die Dr. R 
F. Kai n dl in der „Bukow. Rundschau** (1890. Nr. 880 und 909) und in den 
„Bukow. Nachrichten** (1890. Nr. 607, 664 und 665) über .das Münzcabinel 
und die Alterthümersammlung an der Universität Czernowitz**, beziehungsweise 
„das Antiquitätencabinet an der Universität Czernowitz" veröffentlicht hat. 

Wenden wir uns der Orts- und Landesgeschichte zu, so stossen wir 
zunächst auf zwei wohlbekannte Namen : W. Schmidt und F. A. Wicken- 
hauser. Die Werke: .^Suczawa^s historische Denkwürdigkeiten*^ (Czemowitz 
1876J und ^Komano-Catholici per Moldaviam episcopatus et rei Romano- Catho- 
licae res gestae^ (Budapest 1887) geben Zeugnis von der Gelehrsamkeit de:* 
ersteren ; der Sammelfleiss des letzteren ist aus dessen „Geschichte und Ur 
künden des Klosters Solka^ (2. Bdch. des Werkes „Moldowa". Czemowitz 
1877), „Geschichte der Klöster Homor, St. Onufri, Horodnik und Petrouti" 
(Czemowitz 1881), „Geschichte der Klöster Woronetz und Putna" (Czernowitz 
1886 — 1888), „Geschichte des Bisthums Radautz und des Klosters Gros^ 
Skit** (Czernowitz 1890) und aus seiner „Moldauisch- und Kussisch-Kimpoluog 
und die Einwanderung der Lippowaner^ betitelten Urkundensammlung (Czer- 
nowitz 1891) zu ersehen. 

Hierauf möchte ich gleich zwei jüngere Forscher, Söhne des Buchen- 
landes, nennen : Professor Dr. O n c i u 1 und Dr. R. F. K a i n d 1. Ersterem 
danken wir ausser mehreren gediegenen Abhandlungen aus der älterec 
moldauischen Geschichte, die nicht stricte hierher gehören, Beitrage „zur Ge- 
schichte der Bukowina** (Jahresbericht des k. k. Obergjmnasiums zu Czer 
nowitz 1887. S. 3 — 29) und ^zur rumänischen Streitfrage" (Mittheilungen i 
Instituts f. österr. Geschichtsforschung. Erg. Bd. II. 1887. 2. Heft, S. 277 bis 
294), letzterem ausser einem Beitrage „zur Geschichte der Stadt Czemowitz 
und ihrer Umgegend" (Czernowitz 1888) und einer bis in die Mitte des 14. Jahr- 
hunderts reichenden „Geschichte der Bukowina" (Czernowitz 1888) die schöne 
Studie: „Wo fand der erste Zusammenstoss zwischen Hunnen und Westgothen 
statt?'* (Mitth. d. Instituts f. österr. Geschichtsforschung. XII. 1891. S. 304 
bis 311). 



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Die Forschungen zur Imndkskünde der Bukowina. 19 

Den beiden eben genannten Forschern hat sich jetzt als dritter der Realschul - 
Professor Dr. Daniel W erenka, ebenfalls ein Bukowiner, zugesellt. Dieser hat 
im Archiv ftlr österreichische Geschichte ^Bd. 78, Wien 1892) unter dem Titel: 
„Bukowina's Entstehen und Aufblühen. Zeit Maria Theresias "* die Erwerbung 
der Bukowina durch Oesterreich auf Grund eines reichen Actenmaterials ge- 
schildert und im 17. Jahresberichte der Staats-Unterrealschule im 5. Bezirke 
Wiens (1892) „die Verhandlungen Oesterreichs mit der Türkei bezüglich der 
Erwerbung des Bukowiner Districts" veröffentlicht. Ein anderer Bukowiner, 
Prof. V. Prelicz, hat eine ,,Goschichte der Stadt Sereth und ihrer Alter- 
thümer" im Jahresberichte der k k. Unterrealschule in Sereth (Sereth 1886) 
drucken lassen. 

Von mir stammt ausser einer ^historischen Skizze" von Czeruowitz 
(Oesterr. Städtebu<^h. Bd. 11. Wien 1888. S. 1—6) und , Ausgewählten Capitelu 
aus dem Gedenkbuche der römisch-kath. Pfarre zu Czernowitz" (Czernowitz 
1890) eine Geschichte der „Erwerbung der Bukowina durch Oesterreich"* (Czer- 
nowitz 1889). 

Schliesslich weise ich noch auf die schon erwähnte Broschüre Prof. 
v. Zieglau er's hin: „Der Zustand der Bukowina zur Zeit der öster- 
reichischen Ocoupation. Dargestellt im Spiegel der ersten Denkschrift des com- 
mandirenden Generals Freih. von Spl^ny" (Czernowitz 1S88) und führe nur 
noch einige für die Kenntnis des gr.-or. Kirchen wesens dienende Schriften an, 
nämlich: „Die Griechisch-Gläubigen in Oesterreich-Ungarn'' von H. J. Bider- 
mann (Statistische Monatschrift X. Wien 1884. S. :580— 413, 477—496), 
Prof J. V. Onciurs Geschichte des gr.-or. Religionsfonds (Ptindul religionar 
gr.or, al BucoviTiei, Cemäu^ 1891) und die „Apologie der orthodoxen gr.-or. 
Kirche der Bukowin.a" 1. und II. (Czernowitz 1885 und 1890), sowie die 
Entgegnungen auf dieselben von J. Szych („Apologie der orthodox, gr.-or 
Kirche der Bukowina Nr. I. und II. beleuchtet von einem gr.-kath. Seelsorger 
in der Bukowina". Czernowitz 1890) und S. Daszkiewicz („die Lage der 
gr.-or. Rutlienen in der Bukowiner Erzdiöcese". Czernowitz 1891). 

Es erübrigt noch, der hervorragendsten Werke, welche die allgemeine 
Landes- und Ortskunde zum Gegenstande haben, sowie der aus diesem Zeit- 
räume stammenden Kartenwerke zu gedenken. 

Erstere sind: ^Nikotorija hütoriko-geograficzeakija swydinia o Bukovini^ 
(Einige histor.-geographischo Bemerkungen über die Bukowina. Kiew 1875) 
von G. Kupczanko, dann „das Königreich Galizien und Lodomerien und 
das Herzogthum Bukowina" (Wien 1884) von J. Jandaurek, ferner „ver- 
gleichende graphische Statistik in ihrer Anwendung auf das Herzogthum Bu- 
kowina" (Wien 1886) von C. A. Romstorf er und H. Wiglitzky, end- 
lich „die geographisch-statistischen Verhältnisse der Bukowina" von E. Wo- 
robkiewicz (Lemberg 1893) und die schon erwähnte, von mir herausgegebene 
„Beschreibung der Bukowina" von Spidny (Czernowitz 1893). Hier seien auch 
der „Verwaltungsbericht der Landeshauptstadt Czernowitz" für 1887 — 1890 
(Czernowitz 1889, 1890 und 1892) und Prof. Th. Gartner's Wortgeschichte; 
„Bukowiner oder Bukowinaer?" (Czernowitz 1889) genannt. 

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20 Polbk: Die Foeschünoen zur Landeskunde der Bukowina. 

Unter den kartographischen Darstellungen steht obenan die vom k. k. mi- 
litär-geographischen Institute in Wien heraus«regobene Speeialkarte der österr. 
ung. Monarchie (Wien 187G 1 : 7r).000). Ausserdem sind zu nennen die „Schul- 
wandkarte des Herzogthnms Bukowina" (Wien 1877. Fol. 1:110.200} von 
M. V. Baumgarten und die .,Administrativ-Karte von den Königreichen 
Galizien und Lodomerien mit dem Grossherzogthume Krakau und dem Her- 
zogthum Auschwitz, Zator und Bukowina" (Wien 1880, 61 Bl. 1 : 115.200) von 
B. Kummerer Ritter von Kummersberg. Letzterer hat auch einen Plan 
von Czernowitz herausgegeben (Wien 1880. fol. 1:10.800). In grösserem Mass- 
ßtübe (1:5760) ist der Plan dieser Stadt von L. West (Czernowitz 1888. fol. 
Chromolith.j entworfen worden. Von Czernowitz und Umgebung existiert auch 
eine schöne Reliefkarte. Sie ist im Jahre 1889 von E. Gottfried, Hauptmann 
des 41. Infanterie-Regiments, angefertigt worden und befindet sich in dein 
k. k. Militär-Mappenarehiv in Czernowitz. 

Um auch die bibliographischen Nachweise nicht mit Stillschweigen zu 
übergehen, sei erwähnt, dass R. F. K a i n d 1 Literaturberichte in den von ihm 
redigierten „Buchen blättern" (Bukow. Rundschau. 1888. Nr. 614 ff.) und in 
der „romanischen-^ Revue (VIL S. 186—192 und 416-431, VIII. S. 618 bis 
626) veröffentlicht hat. Nahezu vollständig (von 1773 bis 1892) ist die landes- 
kundliche Literatur der Bukowina in m eine m „Rückblick auf die For- 
schungen zur Landes- und Volkskunde der Bukowina seit 1773" (Czernowitz 
1892) und in meinem .^Repertorium zur landeskundlichen Literatur der Bu- 
kowina" (Czernowitz 1892) aufgeführt. 



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Der Christustypus 

in der byzantinischen Kunst, in besonderer Berücksichtigung der 
heimischen Kirchenmalerei. 

Vortrag^ gehalten in der ersten Hauptversammlung der Mitglieder des Bukowiner 
Landesmuseums. Von E. Maximowicz, 

Es war mir bis jetzt nicht gegönnt, die byzantinische Malerei, wie sie in 
den kirchlichen Denkmälern der Balkanländer oder am Berge Athos vorkommt, 
aus eigener Anschanung zu studieren. Zum Glück haben wir aber in unserem 
Lande mehrere alte Klosterkirchen, bei welchen die kirchlichen Malereien zum 
grossen Theile noch erhalten sind. Ja bei der Kirche in Suczawitza sind diese 
Malereien, welche die Wände im Inneren und Aeusscren vollständig ausfüllen, 
bis auf einige Beschädigungen auf der Nordseite des Gebäudes noch vollständig 
erhalten. So kann man hier, wie es kaum bei einer zweiten Kirche vorkommen 
dürfte, das ganze System des Bilderschmuckes und deren Anordnung studieren. 
Seitdem ich selbst mit der malerischen Ausschmückung der hiesigen gr.-or. 
Kirchen betraut bin und hier specielle Studien mache, schenke ich diesen 
Kirchenmalereien in Suczawitza noch mehr Aufmerksamkeit. Die eminente Be- 
deutung dieser Darstellungen und ihren Zusammenhang mit der byzantinischen 
Kunst habe ich aber erst durch das Studium des höchst interessanten Werkes 
von H. Brockhaus: ^Die Kunst in den Athosklöstern" erkannt. Zum weiteren 
Verständnisse der Bilder bietet das Werk von Dionysios „Epfirjvefa TfJ? C^YP^" 
4^txfj$", Handbuch der Malereien vom Berge Athos, einen guten Führer. 

Die Gestalt des Erlösers nimmt in diesen Kirchenmalereien natürlich die 
hervorragendste Stellung ein und erscheint auch typisch als die bedeutendste 
Figur. Ich will hier in Kürze die Entstehung dieses Christustypus vorbringen. 
Es ist bezeichnend für das Christenthum als Keligion, dass verhältnissmässig 
ziemlich spät das Bild Christi als solches auftritt. In den ersten Anfangen der 
sogenannten altchristlichen Zeit wird Christus nur durch Allegorien, wie das 
Lamm etc. oder gar nur mit dem Monogramm angedeutet. In den auf uns 
überkommenen Wandgemälden in den Katakomben ist Christus der Gegenstand 
vieler solcher sinnbildlicher Andeutungen. Das liebevolle, mit dem Gedanken 
an den Heiland beschäftigte Gemüth fand überall leicht Beziehungen auf ihn. 
Als historische Gestalt wird Christus aber fast gar nicht dargestellt. Geschieht 
dies, so ist selbst in den einzelnen Bildern da keine Spur von dem Bestreben, 
eine typische Gestalt zu schaff'en. Man wollte da nur eine Erinnerung an die 
geistige Bedeutung des Erlösers haben. Kß scheint dies sogar absichtlich 
geschehen zu sein, um auch einem Scheine des Götzendienstes zu entgehen, da 



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22 Maxikowicz : 

man doch in jeder Hinsicht von den Heiden sich unterscheiden musste, von 
welchen die Christen umgeben waren. 

Mit der Annahme des Christenthums durch Kaiser Constantin erst erhielt 
das Christenthum, welches bis nun nur geduldet war, eine besondere Bedeutung 
für die Welt. Jetzt erst konnte das Christenthum sich entwickeln, neue Sitten 
und Verhältnisse schaffen. 

Die Anerkennung des Christenthums als herrschende Religion hatte auch 
auf die bildende Kunst grossen Einfluss. Und was früher nur sinnbildlich dar- 
gestellt wurde, gewann bestimmte Formen. Es war jetzt natürlich, dass sich 
die Christen nach einem Bilde des Erlösers in seiner historischen irdischen 
Gestalt sehnten. So wie das Bestreben der ersten Christen war, durch die 
Darstellung Christi nur übernatürliche Vorstellungen zu erwecken, wollten die 
zur Macht gelangten Christen ein zuverlässiges Bild des Heilandes besitzen. 
Interessant ist, was der Kuustschriftsteller Schnaase über die Entstehung dieses 
Typus schreibt. 

Wirklich regte sich denn auch dieser Wunsch, ein zuverlässiges Bild des 
Heilandes zu besitzen, sehr frühe. Schon Constantia, die Schwester des Kaisers 
Constantin, sprach ihn gegen Eusebius, den berühmtesten Bischof von Caesarea, 
aus. Allein dieser, sonst gegen die Wünsche so hochgestellter Personen ziemlich 
nachgiebige Geistliche willfahrt ihr nicht; er fragt, was sie unter dem Bild- 
nisse Christi verstehe; nur die Knechtsgestalt des Heilandes könne sie meinen, 
denn als in dieser seine göttliche Herrlichkeit durchstrahlte, bei der Verklä- 
rung, wären selbst seine Jünger nicht im Stande gewesen, den Anblick zu 
fassen. Er verweist sie auf die Worte der Schrift, diese allein gewährten ein 
Bildnis. Constantia, indem sie ein Bildnis von dem Bischöfe fordert, scheint 
vorausgesetzt, aber nicht sicher gewusst zu haben, dass es ein echtes, beglau- 
bigtes Bildnis gebe. Eusebius selbst spricht sich darüber nicht aus; er erzählt 
zwar m einer andern Schrift, dass er bei den aus dem Heidenthume bekehrten 
Christen alte Bilder von Christus, sowie von Petrus und Paulus gesehen habe, 
und dass solche gemacht und auf Tafeln gemalt wurden. Er erwähnt hiebei 
namentlich einer Statue Christi, welche dem Gerüchte zufolge nach persönlicher 
Aehnlichkeit des Herrn, die blutflüssige Frau des Evangelii in der Stadt Cae- 
sarea — Philipp! oder Paneas in Palästina errichten lassen. (Julian der Christen- 
feind Hess diese Bildsäule umstürzen.) Eusebius missbilligt diese heidnische 
Aeusserung des Dankes und wird also auch wohl die Echtheit des Porträts 
nicht angenommen haben. Wenigstens muss aber die allgemeine Meinung gewesen 
sein, dass es kein zuverlässiges Bildnis des Heilandes gebe, weil sonst der 
Bischof bei seinen den Bildern ungünstigen Ansichten sich näher darüber ge- 
äussert haben würde, und weil überhaupt die Verschiedenheit der Meinungen 
über Christi Gestalt dann leicht geschlichtet gewesen wäre. 

Die ältere Meinung, welche schon Justin der Märtyrer (um VSO) und 
nach ihm Andere ausgesprochen und endlich Tertullian (f 220) mit grosser 
Heftigkeit vertheidigt hatte, und welcher noch Eusebius auhieng, hielt fest daran, 
dass der Heiland in hässlicher Knechtsgestalt erschienen sei. Bald aber wider- 
strebte dies dem Gefühle; der Heiland musste auch in seinem irdischen Er- 



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DbB ChRISTÜSTYPUS in DBB BYZANT. KuNST. 23 

scheinen seiner göttlichen Natur würdig gewesen sein. Spätere Kirchenväter 
Chrysostomus (f 407), Hieronymus (f 420) beziehen schon die Beschreibung 
der Schönheit im Psalm 45 auf ihn, und diese Ansicht wurde immer mehr die 
hen-schende; auch die berühmten Kirchenlehrer Ambrosius und Augustinus 
theilten sie. Eine bestimmte Gestalt hatten aber auch diese Kirchenväter nicht 
vor Augen. Augustinus bemerkt ausdrücklich, dass Christi Gesichtsbildung 
uns völlig unbekannt sei, und dass sie daher nach der Mannigfaltigkeit der 
Gedanken höchst verschieden dargestellt werde. Auch schwankte man wohl 
noch lange zwischen historischer und symbolischer Darstellung. 

Die neue Ansicht von der Schönheit des Herrn gab allerdings eine ge- 
föhrliche Anregung heidnischer Gefühle. Eine byzantinische Sage erzählt von 
einem Maler, der es gewagt habe, das Bild des Erlösers mit den Zögen eines 
Jupiter darzustellen; darüber sei ihm die Hand erstarrt, und nur, nachdem er 
reuevoll gebeichtet, durch ein Wunder des Erzbischofs Gennadius wieder her- 
gestellt worden. In einer Kuppel der Kirche in Suczawitza befindet sich ein 
Christus, deesen Züge an Jupiter sehr erinnern. Die grauen Haare und Bart 
dieses Bildes geben förmlich eine Statue wieder. 

Um solchen Uebeln zu entgehen, musste man daher wünschen, ein be- 
glaubigtes Bild zu besitzen, und es entstanden nun seit dem fünften oder sechsten 
Jahrhundert Sagen, welche die Entstehung eines solchen, und zwar nicht durch 
gemeine Kunst, sondern auf übernatürlichem Wege erzählten. 

Die zuerst verbreitete wai die von dem Könige Abgarus von Edessa in 
Mesopotanieu. Eusebius erzählt bloss von der Heilung dieses entfernten, aber 
darch die Nachricht von Christi Wundern angeregten Zeilgenossen des Herrn, 
und zwar so^ dass sie durch einen von Christo abgesendeten Apostel ver- 
mittelt wird. 

Der armenische Geschichtsschreiber Moses von Chorene im ftlnften und 
der Grieche Euagriui^ im sechsten Jahrhundert fügen aber hinzu, dass Christus 
deni Boten Abgarus sein wunderbar in ein Tuch eingedrücktes Bild mitgegeben 
habe. Andere griechische Schriftsteller wiederholen die Sage und wissen von 
Wundern zu erzählen, die durch das Bild bewirkt seien, welches endlich im 
Jahre 944 feierlich von Edessa nach Constantinopel gefuhrt wurde und sich 
später in Rom in St Silvester befunden haben soll. Die verwandte Sage vom 
Veronikabilde scheint späterer, und z»var^ abendländischer Entstehung. Die Sage 
ist folgende: Es heisst, dass die hl. Veronika dem das schwere Kreuz am 
Passionswege tragenden Christus mit einem Tuche den Schweiss vom Gesichte 
abgetrocknet habe und dass auf diesem^ Tuche ein Abbild Christi zurück- 
geblieben sei. Zwar nennt schon ein griechischer Schriftsteller zu Justinians 
Zeit die blutflüssige Frau, der man die Christusstatue in Paneas zuschrieb, 
Beronike, aber die ausfuhrliche Legende, dass sie ein auf einem Tuche oder 
auf einem Stücke seines Kleides abgedrucktes Bild des Herrn besessen, welches 
dann Heilung eines römischen Kaisers bewirkt und die Zerstörung Jerusalems 
als Strafe für den Tod Christi herbeigeflihrt habe, kommt zuerst in einer angel- 
sächsischen Handschrift des elften Jahrhunderts, und demnächst mit manchen 
Veränderungen bei späteren abendländischen Schriftstellern vor. ludessen hatte 



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24 Maximowioz : 

man auf byzantinischem Boden schon im sechsten Jahrhundert Tücher mit dem 
Bilde des Herrn, und zwar mit den Wundenmalen, welche man als Grablüoher 
desselben verehrte und es dahin gestellt sein Hess, ob das Bild darauf wunder- 
barerweise entstanden oder durch Malerei zur Erinnerung an das Leiden de« 
Herrn und zur Bezeichnung der Bedeutung des Tuches hinzugefügt sei. 

Auch zeigte man schon im sechsten oder doch im achten Jahrhundert 
Marienbilder, die man dem Evangelisten Lucas, der auch Maler gewesen, 
zuschrieb. Endlich kommen gegen das Ende des sechsten Jahrhunderts mehr- 
fache Bilder vor, welche man ohne nähere Angabe ihrer Geschichte als „oi<ht 
von Menschenhänden gemacht'' (a^e^poTcotr^ai) bezeicTinetc, und den Beweis ihrer 
Echtheit nicht durch schriftliche Urkunden, sondern vermöge dadurch bewirkter 
Wunder führte. Um diese Zeit ist denn nun auch jeder Widerstand der 
Kirchenlehrer gegen die Bilder verschwunden, und am Ende des siebenten 
Jahrhunderts erklärte sogar eine Synode, dass die Darstellung der menschlichen 
Züge des Erlösers der althergebrachten Abbildung des Lammas vorzuziehen 
sei. Begreiflicher Weise mussten sich schon vorher die Züge des Antlitze> 
Christi festgestellt haben, von welchen die Kunst fernerhin nicht abweichen 
durfte. Daher mag das unstreitig unechte Schreiben eines gewissen Lentulus, 
den man unhistorisch zum Vorgänger des Pilatus in der Statthalterschaft von 
Palästina machte, obgleich es erst von einem Schriftsteller des elften Jahr- 
hunderts uns mitgetheilt wird, wohl schon um diese Zeit entstanden sein. In 
diesem angeblich an den römischen Senat gerichteten Briefe wird Christus als 
ein Mann von stattlichem Wüchse beschrieben, mit dunklem gescheiteltem 
Haare, heiterer Stirn, fleckenlosem Gesichte, Nase und Mund ohne Tadel, den 
Bart stark röthlich, nicht lang, sondern geschnitten, die Augen leuchteo'i 
Dieser Schilderung entsprechen denn auch die Ohristusbilder schon sehr frühe. 
und wir können, bei aller Dürftigkeit des Materials, doch einigermassen ersehen, 
wie sich das Ideal allmälig feststellte. Auf einem Sarkophage in der Knpta 
der Peterskirche, der vielleicht noch dem vierten Jahrhundert angehören mag, 
kommt dieser Typus zuerst und zwar neben Darstellungen des jugendlichen 
Christus vor. Vom Anfange des fünften Jahrhunderts an finden wir diesen 
immer mehr ausgeprägten Typus in einer Reihe von kirchlichen Mosaiken, 
unter denen die in der Taufkirche St. Giovanni zu Ravenna und am Triumpf- 
bogen der Paulskirche bei Rom die ältesten sein mögen. In allen sehen wir 
verwandte Züge, das getheilte, herabfallende Haar, meistens auch einen kurzen 
Bart am Kinn. Höchst ausgebildet erscheint dieser Typus besonders au einem 
Bru.stbilde in den Katakomben, welches wir zwar nicht den meisten Malereier. 
dieser Räume gleichzeitig, aber doch auch wohl nicht später als in das siebente 
Jahrhundert setzen dürfen. Uebrigens erhielt sich neben diesem Typus noch 
lange die Darstellung des jugendlichen, bartlosen Heilandes, die man vorzagv 
weise da anbrachte, wo es sich um eine symbolische Auffassung oder um 
höchste Verklärung handelte, während der bärtige Typus bei mehr historischen 
Scenen oder bei zur Anbetung bestimmten Bildern vorherrschte. So ist in 
St. Nazaro e Celso zu Ravenna der gute Hirte in voller Jugendschönheit, 
gegenüber aber der Heiland, der gewisse ketzerische oder heidnische Bücher 



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Deb Cheistüstypüs in der byzant. Kunst. 25 

verbrennt, männlich und bärtig, in St. ApolJinare nuovo daselbst in einem 
chronologischen Cyolus des Lebens Christi in den Passionsscenen seine Gestalt 
bärtig, bei seinen Wundern und Reden aber jugendlich dargestellt. Eine blei- 
bende Regel bildet sich aber nicht, und wir finden selbst bei der Kreuzigung, 
nachdem diese zugelassen war, oft die jugendliche Auffassung. 

Durch die Uebcrlieferung ist fast nur der Typus Christi im Maunesalter 
auf uns überkommen und wir finden, dass dieselben charakteristischen Merk- 
male bei den heutigen Bildern geblieben sind. Eine Stellung des Gesichtes 
genau en face, herabfallendes langes, am Scheitel getheiltes Haar von nuss- 
brauner Farbe, kurzer nicht reichlicher Bart, das Gesicht voll Ernst aber ohne 
Herbheit charakterisiert den Typus Christi. Jedenfalls gibt jeder Künstler 
etwas eigenartiges diesem Typus, je nach seiner Auffassung. Interessant ist für 
uns in dieser Hinsicht die Auffassung zweier moderner Maler, des Malers 
•lobst, der gerade mit der Ausschmückung der Kathedralkirche beschäftigt ist, 
einerseits, und andererseits die unseres verstorbenen Diöcesanmalers Buczewski. 
Von Jobst ist die malerische Ausschmückung der Kirche im Seminar und die 
crzbischöfiiche Kapelle in der Residenz hier zu erwähnen. Von Buczewski wäre 
beispielsweise, weil nahe an Czernowitz gelegen, die Ikonostasis der Kirche in 
Rewna zu nennen. Wenn man diese künstlerisch bedeutenden Arbeiten ver- 
gleicht, wird man merken, dass bei gleicher Absicht, stylgerechte Kirchenbilder 
zu schaflfen, dennoch da eine grosse Differenz in der .Auffassung auftritt. Jobst, 
Jer heute zu den bedeutendsten Kirchenmalern gehört, bringt einen strengeren 
und archaistischen Typus zur Darstellung, während Buczewski auch die byzan- 
tinischen Bilder in dem an der Antike und der Renaissance geläuterten und 
modificierten Geschmacke ausführte. 

Die Christusgestalt in der byzantinischen Kunst, wie sie uns besonders 
in der mythisch erhabenen Mosaikdarstellung in den byzantinischen Kirchen 
entgegentritt, ist die bedeutendste Figur in der Kirchenmalerei und hat somit 
einen besonderen Typus erhalten, welcher gewiss durch seinen Ernst und Feier- 
4ichkeit zur Andacht zu stimmen geeignet ist. 

Leider muss man sagen, dass während in der Zeit der Renaissance die 
berühmtesten Künstler des Abendlandes sich der Kirchenmalerei in den Dienst 
gestellt haben, in den orientalischen Kirchen mehr durch eine schablonenmässige 
und unverstandene Nachahmung des Hergebrachten, statt die Veredlung der 
Formen in den Grenzen der überlieferten Einfachheit weiter zu bilden, in den 
letzten Jahrhunderten eine Erstarrung der Typen platzgegriffen hat. Der Grund 
liegt eben darin, dass die bedeutenden Künstler weniger mit diesen Arbeiten 
betraut und diese Malereien mehr zunftmässig betrieben wurden. 

Wie die Pflege der Kunst überhaupt im Osten erst in der neueren Zeit 
vom höheren Standpunkte erfasst wird, sind erst jetzt wieder bessere Zustän<le 
da eingetreten. 

In unserem Lande war meinem Vorgänger in der Diöcesanmalerei, Bu- 
czewski, die Aufgabe zu Theil, eine Renaissance der byzantinischen Kirchen- 
malerei anzubahnen, indem er durch entsprechende Elemente aus der Kirchen- 
kunst des Abendlandes, besonders durch die Arbeiten von Führich und Schnorr 



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26 Maximowioz: 

angeregt, die byzantinische Malerei aus ihren barocken Formen herauszog und 
Typen schuf, welche, ähnlich den letzten Arbeiten der südslavischen Kirchen- 
maler, durch ihren Enist und ihre gut gezeichneten Formen wirken, und dabei 
den Ernst, welcher in der byzantinischen Malerei gelegen ist, bewahren. So 
wirken seine hier im Lande sich befindenden Kirchenbilder vornehm und feier- 
lich. Ja in seinem Hauptwerke, der Ikonostasis im Dome zu Agram, hat er 
eine für die byzantinische Malerei bahnbrechende Arbeit geliefert. 

Es lässt sich der von mir gewählte bedeutende Stoff, wie es der Christus- 
typus iu der byzantinischen Kunst ist, im Kahmen eines Vortrages nicht genug 
erschöpfen. Da ich aber durch meine Thätigkeit diesem Stoffe näher stehe, 
hoffe ich auch in dieser kurzen Auseiandersetzung eine überzeugende Ansicht 
ausgesprochen zu haben. 



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Ortschafts Verzeichnis der Bukowina 

Herausgegeben von Dr. J. P I 6 k. 

Die soeben unter dem Titel : „General Spl^ny's Beschreibung der Buko- 
ina" (Czemowitz 1893) von mir herausgegebene Denkschrift ist (im Manu- 
ripte) mit einer „Tabelle" versehen, die wegen technischer Schwierigkeiten 
das kleine Büchlein nicht aufgenommen werden konnte. Gleichwohl ist diese 
ibelle der Veröffentlichung wert ; denn sie stellt das älteste Ortschaftsver- 
ich nis der Bukowina dar. Mag sie also hier ein Plätzchen iinden. 

Die Tabelle enthält auch Namen von solchen Ortschaften, die heute nicht 
*r Bukowina angehören, sondern in Bessarabien und in der Moldau liegen, 
as beeinträchtigt jedoch ihren Wert nicht im geringsten. Im Gegentheile, 
eser wird dadurch nur noch gesteigert; denn jene gegenwärtig jenseits der 
ukowiner Grenzen liegenden Ortschaften waren mehr als ein volles Jahr im 
esitze Oesterreichs. 

Bei ihrem Einmärsche in die Moldau im Herbste 1774 hatten die öster- 
iichischen Truppen einen Oordon von Preworodek am Dniester über Dobro- 
3utz, Czernawka, Toporoutz, Stanahora, Czernowitz, Ostrica, Molodia, Berlince, 
ereth, Kalafindestie, Sereth, Suczawa, Kapukodrului, Wama, Kimpolung und 
'oma bis nach Siebenbürgen hin gezogen. ') Diese Grenze erschien mit Recht 
em Commandanten der Besatzungstruppen General Gabriel Freiherm von 
pl^ny fehlerhaft. Sie gewährte nicht nur den Hauptorten des Occupations- 
ebictes und der zur Verbiüduug Galiziens mit Siebenburgen daselbst projec- 
erten Strasse keinen Schutz, sondern begünstigte auch noch die Desertion, 
[it Bewilligung des galizischen General-Commando's rückte daher Spl6ny noch 
M Winter 1774/75 gegen Osten und Süden weiter vor. ^) 

Jetzt lief die Grenzlinie von Preworodek am Dniester über Kokschan 
em Bergrücken des Bukowiner Waldes entlang bis zur Quelle des Rokitna- 
«iches. Diesem Bache folgte siiB abwärts bis zu seiner Einmündung in den 
^•uth, gieng hierauf diesen Fluss, dann den Herza- und Tirnafkabach hinauf, 
Lara nach Ueberschreitung einer 300 Schritte langen Wasserscheide an den 
dolnicabach und erreichte, dem eben genannten Bache und dem Serethflusse 
entlang sich ziehend, bei der Einmündung des grossen Somusch (Samusel mare) 
n den letzteren den äussersten Punkt im Süden. Hier bog sie nach Westen 



') Polek, Die Erwerbung der Bukowina durch Oeeterreich (CzemowiU 1889). S. 24 f. 
•j Spl^ny's Beschreibung der Bukowina. S. 12 f. 



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28 Polek: 

um, lief zuerst den Samusel niare und den Lamescheiierbach hinauf und a 
sich dann in der Länge von 800 Sehritten über freies Feld zum Samusel ni 
(kleinen Somusch), deu sie bei der Einmündung des Samusel Baja wieder \a 
verliesB, um, abermals ein freies Feld durchschneidend, au die Moldawa i 
gelangen. Diesen Fluss begleitete sie bis zum Suchabach, iibersattelte an den 
Quelle den Berg Munecl, folgte hierauf dem Laufe des Negrilassii- und *i< 
Slatiorabaehes und, nach IJebersattelung des Uareu, auch des Asmabachps d< 
goldenen Bistritza und der Niagra-Dorna und endigte jenseits iles Berges h 
linassa an dem Ostrande Siebenburgens. M 

Bevor der österreichische Internuntius in Constantinopel, Franz Mari 
Freiherr von Thugut, von dieser Grenzerweitcrung unterrichtet wurde, hati»-« 
dem Keis Efendi nebst einem auf die Erwerbung der Bukowina bezügliclifl 
„Memoire" auch einen „Abriss*^ einer Karte des im Herbste 1774 besetzt« 
moldauischen Gebietes tiberreicht. -) Diese Karte bildete nunmehr die (iruDi 
läge der Verhandlimgen, und weder der Minister noch der Grossherr j^esii 
teten eine Veränderung zu Ungunsten der Türkei. 

In dem Vertrage vom 7. Mai 1775, worin „die fjäudcrcicn zwischeinlet 
Dniester, Pocutien, Ungarn imd Siebenbürgen" für innner an Ocsterreich abp 
treten wurden, wurde eine (irenziinie bestinunt, derzufolgc Dorna-kandrts 
Stulpikani, Kapukodrubii, Suczawa, Sereth und Czernowitz österreichisch seiiH 
dagegen die zur Festung Chotin gehörigen Grundflächen de:- Türkei verbleil« 
sollten. 

Bei der definitiven Abgrenzung, die Mitte September 1775 begann ^ 
in dem Palamutkaer Vertrage vom 2. Juli 1776 ihren Abschluss fand, bcbauf 
tete zwar Oesterreich beträchtliehe Strecken im Süden, dagegen gelang esila 
nicht, die Ostgrenze in der gewünschten Weise durchzusetzen. Es musste nifi 
nur die grosse Enclave zwischen dem Sereth und der Suczawa herausgtK« 
und statt des Herza- und Thuriatkabaches den Lukabach als Grenze annelini« 
sondern auch die Hälfte des ßukowiner Waldes cfen Türken überlassen, intif 
es den bei Onuth in den Dniester mündenden Czarny potok als Nordostgr^i 
fesstellen Hess. Nur so viel setzte es noch durch, dass ihm tur das zwistt« 
Onuth und Preworodek gelegene Gebiet 9 Gomarken zwischen dem Huk« 
und Rokitnabach zugesprochen wurden. ^) 

Die der Türkei zurückgegebenen Gebietstheile waren verhaltnissmassi?^^ 
bevölkert. Demnach ist durch die Abgrenzung die Zahl der Ortschaften jh«i 
die der Einwohner beträchtlich vermindert worden. 

Das Spleny'sche Verzeichnis weist 290 Ortschaften mit 62 Attincntf 
aus; die Gesammtbevölkerung des Districts wird darin mit 17.047 Familw 
beziffert. Davon sind Oesterreich 277 ganze und 55 Attinenzcn mit eia< 
Bevölkerung von ungefähr 14.650 Familien oder 75.000 Seelen verblicitf« 
Aber auch die Zahl der Klöster hat eine Verminderung erfahren. Es tiek 
zwei grosse und drei kleine Klöster weg, 

») Ebenda. S. S—VI. 

*) Hortuuzaki, Documente privit(5re la istoria liomänilor. VII. p. 125. 

9; Polek, a. a. O. S. 38—48. 

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Ortschaftsverzeichnis der Bukowina a. d. Jahre 1775. 29 

Dis beiden Haudschriften '), worin das Spl^nyVhe Ortschaftsverzeiohnis auf 
18 gekommen ist, stimmen bis auf einige Schreibfehler, die sich in der Copie des 
k. Staatsarehives finden, überein. ^) 

Der Wiedergabe habe ieh die Handschrift des k. k. Kriegsarcliives zu 
runde gelegt und am Scidusse ein alphabetisches Register beigefügt, worin 
e Xanien der in der Bukowina liegenden Ortschaften und Klöster sowohl in 
r von Spleny gebrauchten als auch in der heute zumeist (so z. B. von der 
k. statistischen Central-Commission in dem Special Ortsreportorium der Buko- 
na. Wien 188;')) angewendeten Schreibw^eise aufgeführt erscheinen. 

Schliesslich sei noch bemerkt, dass ich die Namen der an die Türkei 
rüt^kgefallenen Ortschaften und Klöster mit einem Sternchen bezeichnet habe. 



*) Ueber diese Handschriften, trovon die eine in dem k. und k. Kriegsarehive, die andere 
dena k k. Haus-, Hof- und Staatsarchive aufbewahrt wird, findet der Leser Näheres in der 
rrede zu Spl^ny'a „Beschreibung der Bukowina.** 

*) So wird die Anzahl der Familien von Rosch mit 240 statt mit 146, vom ganzen Be- 
ke ^Dniester** mit 1190 statt mit 1800 ausgewiesen. Statt Csernanka ist Osernauka, statt Schipeniz 
liltencz, statt Piedikanze Picelikauze, statt Groschen (irosclien, statt Csortorie Csorrorie, statt 
**ti Joesti etc. geschrieben. Endlich fehh in dem mit „Mittel"' bezeichneten Bezirke neben Le- 
irek die Ortschaft Koto ihkI m dem Veizeichnisse der Klöster das Kloster Slatiua. ^-^ , 

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30 



POLEK : 



TABELLA 



nachbenannter in dem Kaiserlichen Königlichen Bukoviner Dintrict »ich befindlichen OrtschaKi 
grosen, mittleren und kleineren Standespersonen, Popen, Bauern, (lerichtsdienern, KaiifN 
Armeniern, Juden, vagirenden Zigeunern und Monasterien sowohl mann- als weiblichen •! 

bchlechts, als: 



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Städtel Czernovitz 


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Klokucska 


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Roschusch 








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Mihalcze 








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2 


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1 




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Karoina 












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5 


Kut«urmare 












2 


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Voloka 












2 


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Korovie 














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8 


Mologye und Czahor 












2 


133 


1 


1 


1 


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9 


Paginsky 








1 






14 












10 


Lukavicza de Sus . 








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1 






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11 


Lukavicza de Csos 












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12 


Mamornicza 








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13 


Ostricza 












2 


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2 






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14 


Horetze 












1 


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1 




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15 


Bauern v. Monaster Horetze 














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PhilippouU * 












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Mollnicza * 














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Sinichau * 












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23 
24 
25 
26 
27 
28 


Godinesti ♦ 

Picesti * 

Fondoja * und Kuliczen * 

MogoHchesti * 

Poda de Sus * 

Poda de Csos * 

Nova Szeletz* 






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Obtschaftsvbbzbtohnis dkb Bukowina a. d. Jahbb 1775 



31 





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II 


Nomina 
der Ortschaften 


Nomina 
deren zu Ort- 
schaften gehörigen 
Dörfern 


i 

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Standesp. 


1 


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Geriohtsdiener 


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1 




1 


Strojeste de Cboh 














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2 


Strojeßtie de Siis 








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1 


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3 


Nova SzelleU** 














10 










10 




4 


Lehecflen 














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41 




5 


Bojana 












2 


291 










293 




6 


Kat^ul Ofitricze 














32 










32 




7 


Machala 












1 


68 










69 




8 


Raransche 












2 


66 






1 




69 




9 


Toporauz 












2 


142 










144 




10 


Csernauka 












1 


61 










62 




11 


ächerautzi 












1 


86 










87 




12 


Szadupriuka 












1 


33 










34 




13 


Szadagura 












1 


179 










180 




14 


RohoBzna 








4 




2 


49 










55 




15 


CBUcska 












1 


88 






2 




91 




16 


Lincesti 










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34| 




1 




36 




17 


Szubranek 








3 




3 


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1 








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kl 


18 


Matnajesti 


Rewnau. Bordien 


2 








1 


220 










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19 


Luzan 








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Schipeniz 






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1 




2 


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3 


21 


Dubovetz 












2 


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22 


Perhomet 














35 










36 


C-i 


23 
24 


Bevekauze 
Piedikauze 








2 


8 




32 
10 










33 

20 




25 


Niepolokautze 








5 






49 






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1 


55 




26 


Groschen 








1 




2 


87 










90 




27 


Ivankautz 








4 


11 




25 


1 








42 




28 


Havrilesty 














28 










29 




29 


Davidesti 












3 


42 










45 




30 


KJiwodin 












2 


61 










63 




31 


Szochovercha 












2 


37 










39 




32 


Kotzmann 










7 


6 


128 










141 




33 


l^aszkiuka 












2 


86 










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34 


Vitiliuka 












1 


29 










30 




35 


Val^va 








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der Ortschaften 


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Ortschaftsverzbichnis der Bukowina a. d. Jahre 1775. 



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Nomina 

der Ortschaften i 

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Nomina 
deren zu Ort- 
schaften gehörigen 
Dörfern 


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529 








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Seletin, Stebny 
Wolosky 


2 








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Rnika, Spetke 


2 










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Kiinpolongo Russesti 


Eiern, Maranise 


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ORTSCHAFTSVEBZEICHKiS DER BUKOWINA Ä- D. Ja^BE 1775. 



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Nomina 
der Ortsc haften 


Nomina 
deren zu Ort- 
schaften gehörigen 
Dörfern 


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Szolonicz 






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28 


Pallacsana 






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21» 


Lude Hoiuora 






13 !• 


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80 


Kumaniesti 






1 2; 3^ 37' , , i'- 


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31 


Podoschana , 






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Burditsly 
Hou)ora 






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1 ' 1 ' 


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2 
3 


Mitokul 
Adingatta * 










4 
5 


Burdoscheny * 
Plopeny * 


Bojana* Merln», 
Fidiestl» 


3 


i '• 3 57 1 '' 
1 5' 148 1 . l'^ 




6 


Szalze * 






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7 


Rußzy 


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1 


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i : !r; 36! ' : *i 




9 


Secniicsen 






1 ,j ' . -, 
1 i.-. 1 ■ 




10 


Renseny 






; ' ^ '1 1 1 " 




11 


Posancze | 






i ; ; 9| Hill 1 ; ' 1'" 




12 


Ti»:*auczy 






' ' ' 1 
i 3, 2f , 1 


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13 


Ipodesty 




i 


' ! 10 ; i '■' 


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14 


St. Iliie 






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15 


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10 


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18 


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Szanika 








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20 


Jelzkany ; 








1 ' -' i •^" ' 




21 


Miboveny 




1 


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22 


Lesauek und Koto 








1 1 


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23 


üjgesiti Unguren 








1 


2! «4 : , ■ 1 




24 


Pillischen Sturborsoye 






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25 


Stadt Suczava i 








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Ortschaftsverzeichnis der Bukowina a. d. Jahre 1775. 



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Nomina 
der OrtKO haften 


Noraina 
1 deren zu Ort- 
Iscliaften geiiörigen 

Dörfern 


1 
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SUndesp. 


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GerichUdlener 




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Baja * 




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1 




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3 


Stupka 










2 


49 










51 




4 


Gregojest 




I 






1 


48 










49 




5 


Mazanojest 










1 


21 










22 




6 


Korlata 










1 


25 










26 




7 


Horodniczen * 




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4 


128 










133 




8 


Michajest * 




1 








7 










7 




9 


Rotopanjesl * 




1 


1 




1 


20 










22 




10 


Lamuschen * 




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2 


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Bonest 




1 






1 


6 










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1-2 


Pitie* 




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Oncest * 


Hreaska 


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14 


Herdopol ♦ 




1 






2 


20 










22 




15 


Blysesty de Sus* 










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12 










14 




16 


Ci yuroßt ♦ 






2 


2 


22 










26 


3 


17 


Meresty * 














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19 


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18 


Szille«ly ♦ 












1 


7 










8 


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19 


Brendesty * 






1 






2 


12 










15 


M 


20 


Dollhesty * 












3 


56 










59 


1* 


21 


Litten Ini Bogdan 








1 




2 


19 










22 


o. 


22 


Zaharesti 














4 










4 




23 


Strojesti 














20 








20 




24 


Kapokodnilni 


Monozel, Korllcziny 


2 


1 




2 


57 








59 




26 


Korlaczelly Oory 


Bregesty 


1 




1 






,2 


1 




13 




26 


Korlaczelly Slatina 


Bajasesty 


1 








1 


14 




i 




15 




27 


BerkiseBty 












l 


25 










26 




28 


GainjeBti 














12 










12 




29 


Valezaka 












2 


54 










56 




30 


Zuchomalia ♦ 












2 


55 










57 




31 


Plysesti de Csos * i 












7 










7 




32 


Li[)ovan v. Stnpka 












«1 

1 


I 




6 


.Suniiua . 




5 


2| 7 




4f, 


979I — 


1 
1 


13 


1046 


, 


1 


Szamostie * 










1 


23 




i 




24 


u 


2 


Svoresty din dyal * 






i ^ 




6 


20 




i 


i 28 


r 


3 


Svoresty din val * 






11 




4 


51 








56 




4 


Peresty * 






1» 




l 


10 








! 1^-^ 


Latus . 

i 




- 


1 


3 


— 


n 


104 




- 




^ 


120 



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38 






Polkk: 
























a 
< 




Nomina i 

1 

der Ortschaften 


Nomina 

deren zu Ort- 

»ohaften gehörigen 

Dörfern 


'-5 

S 

S 


SUndesp. 

•II i 

M S X 


c 


it 


ricbtAdiener 

ii 

U ^ es 


/ 






TranPlat. . 






1 


3 


!,2 


104 




— 


_- 




\t 


u 


5 
6 


SziminicKe Kurz * 
Dumbraven * und Szelizen * 


Woradek * 


1 


1 






7 


3-2 
68 










53 


JS 


7 


Körökajest * 














6 










Ö 


♦a 


8 


Balloscheny * 














« 










-^ 


o; 


ii 


Fontonellile * 


Roskan * 


1 


3 






2 


3& 






i 


4< 


u 


10 


1 bitten! mare * 


Komy * 


1 


1 






., 


•24 










i', 


►> 


11 


Scherbanest * 








1 




^^ 


15 










U 


N 


12 


Honcesty * 






1 






4 


74 










:s 


-X 


13 
14 
15 
16 


Gligoresty * 
Bnrzocsen * 
Bajnesti * 
Mandaresti * 






l 
1 






1 
2 

2 


24 

8 

12 

2 










11 
ij 




1 


Summa . 
Torna 


Jakobeny 


3 

1 


— 
9 


4 


"" 


35 
4 


412 
302 




_^ 


— 


- 


46*1 








2 


Moldovi Fundul 












l 


71 






) 






3 


Szad6va 












2 


76 






) 


Js 


kl 


4 


PosRoridn 












1 


74 








;:. 


Q 


5 


Rns8i8ch Moldovitza 


Arczile 


1 








2 


95 










yl 


3 


6 


Formosul 












2 


33 










3:- 


o 

Ol 


7 


Skutelnicz Moldovicza 














35 










i'i 


S 


8 


Frasinu 












l 


15 










1^ 


t2 


9 


Vama 












4 


132 










13t 




10 


Puksoye 


Dorotba 


1 








1 


17 










1' 


00 

9 


11 


Stulpikany 


BoJ. ABtm, Gseinine 


3 








2 


83 










tc^ 




12 


Kimpolongo 


Schokanesti 


1 


1 






6 


360 






1 


'Mn 


o 


13 


Voronetz 














9 






1 


1 


a 
















^^ 




' 




^^^ 


^ 


lliii 


Summe . 




7 


1 


' 




26 


1302 




_ 







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Obtschaftstebzbichnis deb Bukowina a. d. Jahbb 1775. 



39 







Nomina 
der Ortschaften 


Anzahl dieser 


SlADdM 

1" 1 




i 

o 


' Gerlohtsdiener 

ilii |i 




28 


Czemoviczer 


1 


3 


28 


14 


43 


1312. 25 


25 


100 


1 
1550| 




37 


Pruther 


2 


1 


24 


26 


53 


2614 


3 


1 


4 


10 


2736 




32 


Dniester 






26 


23 


55 


1767 


11 






8 


1890 


o 


22 


Csermoscher 


3 


2, 28 


76 


36 


1360 


19 






10 


1531 


u 


9 


Chotiraer 








11 


480 










49i 


X 


3 


Kussisch Kiinpolonger 


21 








17 


945 










962 


bi 


39 


Perhometer 


8 




44 


1 


49 


1145 








24 1 I263| 


i* 

o 


33 


Vikover 


8 


' 


9 




70 


1631 










1711 


Im 


25 


Mittel 


4 


3 


5 


9 


61 


1045 








32 


1155 


et 


33 


Moldauer 


5 


2 


7 




45 


979 








13 


1046 


5 


16 


Szyrether 


3 

i 


9 


4 




35 


412 










460 


:« 


13 


Moldauisch Kimpolonger 


7 


1 






26 


1302 


~ 








1329 


290 


Summa . 


62 


22 


175 


149 


501 


14992 




26 


104 


97 


16124 




Ausser diesen befinden sich 


noch: 




Kaufleute 
Armenier 
Juden 


• 


45 

68 
526 










Vagirei 
Sui 


ide Zigeuner 


• 


294 


[iima G 


eren 


Fan 


lillen 




17047 



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40 



POLEK : 



Verzeichnuss 

deren in dem Kajserlichen Königlichen Bukoviner District befindlichen Monaslerien tH)wnl 

mann- als weiblichen Geschlechts. 







darinnen 


,: 




darinnen 








befinden 


1 




befinden 








»Ich 


1 




■Ich 




fl 


Nomina 


§ 


1 
1. s 


Nomina 


' 







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der Monasterien 


X .2 


1 03 


der Monasterien 


£ 


c 








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a 1 


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1 




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*5d 


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3 3 




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— o 










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ö 5 






Ä 
U 


C8 



I 




Radautz, allwo ein Bischof 


10 


ß 


1 

10 


Translat . . 


401 


51 


Aht 




Putna, allwo ein jubilirt. 
Erz Metrop. 


2.") 


5 


30 


Jezkauy 




5 






»Szolka, worunter der Dikeu. 






i 


Meresty 


4 








sogenannt Suffraganeus d. 






'1 


Rotunda * 


>< 




> 




Metropoliten von Jassy 


17 




I7I 


Preudesty * 


3 


1 


i 




Suczevitza 


53 




53 


Fidesty * 


6 




t 




lUicesty 


5 




ö'j 


Schadova 


7 




', 




Horecze 


•20 




20i 


Pabin 


3 




d 




Skitul Mauiajesti 


It 


4 


15 




Pruskaulzy 


3 




^ 




Mitokul Mamajesti 


10 




10 




Visniza 


3 


7 


I" 




Christsehatek 


5 




.'» 





Kabiost 


^^ 




i 


OD 


Luka 


4 




' 


p 


Heros nicza 


4 




4 


OD 


Moldavicza 


15 




15 




Saniostie 


6 




(i 


o 


Voronecz 


16 


1 


'« « 


Parbiesty alias Vostra 


6 


3 


y 


u 


Slatina * 


16 




"■'! - 


Onofry 




3 


J 


'f 


St. llie 


)S 




>*'« 


Voloka 




14 


n 




Burdoschen, * allwo ein 
Erzbischof v. der griech. 










Kamona 




3 


3 




Nation 


i\ 




6 




8ohMtry| ^^„^ ^ kleine, Im Walde 
\ «Ich befindliche Brcral- 
Orsoye j tagen 


4 




4 






















Dragoniirna 
Homora 


170 
11 




170 

11' 


5 




5 


















Summa deren . 


466 


88 


551 




Batrauczi 




35 


35 


1 










Latus . 


401 


51 


452 


1 
1 

j 

1 



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OrTSCHAFTSTEBZBICHNIS DBB BUKOWINA A. D. Jahbe 1775. 



41 



ZESegrister. 



Allen Orten und OrtJ»be8tandtheilen ist sowohl der Charakter als auch der ^Antheil", be- 
ziehungsweise (lerichtshe/.irk, in dem sie liegen, heigefi'igt. Dabei kommen folgende Abkürzun- 
gen zur Anwendung: O = Ortschaft. A = Attinenz, Kl. = Kloster, »St. = Stallt. V. =: Vorstadt. 
M. = Markt. 1). = Dorf, D.-A. = Dorfantheil, W. = Weiler. E.-H. = Einzelhäuser - 1 = Czer- 
noviczer, II = Pruther, lll = Dniester. IV = Czeremuscher. V = Kussisch Kimpolonger, VI = 
rerhonieter. Vll = Vikover, VllI = Mittel. IX = Moldauer, X = Moldauisch Kimpolonger An- 
theil, C'z. = üerichtsbezirk Czernowitz, D.-W. = Dorna-Watra, (?. = Gurahumoru, Ki. = Kimpo- 
lung. Ko. = Kotzman, K, = Kadautz. Sa. = Sadagora, Se. = Sereth. So. = Solka. Sta. = Sta- 
nestie. Sto. = StoroÄvnetz. Su. = Suczawa. U.-l*. = Uscie-Putilla. Z. = Zastawna. 



Arbory. A. VII = Arbora. D., So. 

Arczile. A. X = Ardzel. D., Ki. 

Babin, O. Ul = IJabin. D., Z. 

Hachrynesti, O. VI = Hahrynestie, D.. Se. 

Hadeiitz. O. VII = Komanisch-Hadautz, D.. K. 

Haginsky, siehe Paginsky 

Hainsy. O. VI = Haince, D.. Se. 

Hajasesty, A. IX = Hajaschesti. D.. (r. 

Itallacsana. s. Pallacsana. 

Hanilla. s. Panilla 

liaraunegro. O. III == ('zamypotok, D.. Z. 

Harbiesti. O. IV = Berbestie, D.. Sta. 

Hatrauczi, Kl. aufgehoben 

Hatrauczy, O. VI = Petroutz, D.. Sto. 

Hauern v. Chrisesa tek. O. III = Krvszczatik, I)., Z. 

Bauern v. Monaster Horetze. O. I. = Ludiho- 

recza, l)., Cz. 
Berhouiet, s. Perhomet 
Beresnicza. Kl. : aufgehoben. 
BerkiBesty, O. IX = Berkischesti. D., G. 
Blovalun-. VHI = Kuss-Plavalar. D.. Su. 
Bobiesti. s. Pobiesti 
Bodoschana, s. Podoschana 
Bodoschinze, s. Podoschinze 

Bojana. O. II = Bojan, M., Sa. 

Bojana Astra. Pojana .\stra. 

Bojansuck, s. Pojansuck 

Bonest. O. IX = Bunesti. I).. Su. 

Borautz. O. 111 =: Borontz. D.. Z. 

Bordien. A. II = Kurdei, D., Cz. 

Bosancze. s. Posancze 

Braska, s. Praska 

Bregesti. A. IX = Brajesti, D., G. 



Broskautz. s. Proskautz 

Brund, A. VII = Burla, 1)., R. 

Budinsy, O. VI = Budenitz, D., Sto. 

Buernova. s. Puemova 

Buksoye. s. Puksoye 

Burdiesty. O. VII = Pertestie, 1)., So. 

Burla, A. VI 

Buttilov, O. V = Storonetz-Putilla, I)., U.-P. 

Buynsy. s. Puynsy 

Clüiboka, O. VI = Hliboka, 1).. Se. 

(^livesti. O. II. = Cbliwestie, I)., Ko. 

Christschatek. Kl. : aufgehoben 

Chudiu. O. VI = Czudyn, D., Sto. 

Csemauka, O. 1 = Czernawka, D., Sa. 

Csiresul, O. VI = Czeresz, D., Sto. 

Csortorie, O. IV = Czartoria, D.. Sta. , 

Csucska, O. II = Zuczka. D., Sa. 

Czahor. O. l = Czahor, D., Cz. 

Czemine. A. X. = Dzemine. D., Ki. 

Czemahusen, A. IV = Czomohuzy, I)., W. 

Czernovicz. (). 1 = Czernowitz, St. 

Czinkau. O. III = Czinkeu, D., Z. 

Davidesti. O. II = Dawidesti, D.. K. 

Dobronuutz, O. III = Dobronoutz. I).. Sa. 

Doroscheutz, O. 111 = Doroszoutz, D., Z. 
I Dorotha. A. X = Dorotha-Plotonitza, I).. Ki. 
j Dracenitz. O. IV = Dniczynetz. D.. Sta. 
I Dragomirna, Kl. = Dragomima. Kl.. Su. 

Drestyan, O. VI ^: Trestiana, D.. Se. 

Dubovetz. O. II ^= Duboutz. D.. Ko. 

Eiern. A. V. ^ rima-Kuska. \V. K. 

Falken. A. V. = Falken, \V., K. 

Fasiczel. A. VII.? 



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42 



POLBK : 



Formosul, O. X = Fromossa, 1)., Ki. 

Frasinu, (). X = Fraissin, I).. Ki. 

Fratautz, O. VII = Koinaniscli-Alt-Fratautz, 1)., K. 

FiinduK iiioldovi, s. Moldovi fiindiil. 

Gaiireny, O, VII = (taurenv, I)., Su. 

(iewir, A. V Iswor, D., K. 

(»regojcst, O. IV = Dragojesti. I)., G. 

(irenicesty. O. VII = (Jraniezi'stie, I)., J?e. 

(iyordanesti (). VI = lordanestie, !>., Sto. 

Gyurkautz, O. III = lurkoutz, I)., Z. 

Hattna, A. VII = Hatna. 1)., Su. 

HavrilrHty, (). II. Ilawrilestie. D., Ko. 

lloiuora, (). VII = (iuraluiuiora. M., (i. 

lloiiiora Kl.: aufgchol»en. 

Horocze Kl.: aiifgehol»en. 

Horetzo, O. I = Horecza. V. v. (V.ernowitz 

Ilorrodnik, <), VII = Horodnik, 1)., K. 

Ilorroscheutzi, (>. III = Iloroszontz, I)., Z. 

Icesti, (). VI = Idzestie 1).. Sto. 

Illie, St., (). VIIl = Ilic. St., I)., Su. 

Illie, St. Kl. : aufgeholuMi. 

Illict»8ty, Kl. : aufgehoben. 

lllisesty. (). IX = IliKchesti, 1)., G. 

Ipodesty, O. A^IU = Ipote.sti. 1)., Su. 

Ispas. (). IV = I8pas8, 1).. W. 

Ivankautz, O. II = Iwankoutz I).. K. 

Jabloniz Voloka, \. V = lalifonitza, D., U.-P. 

.lakoheny, A. X = .Jakol>euy 1)., D.-W. 

Jakubesti, O. VII == Jakohesti, D., Su. 

Jaszlovicz, (>. VII = Ja.'^Iowetz. 1)., So. 

Jesin, A. V = Fra^in, V„ l^ 

Jetzkany, (>. VIII = Itzkany, AU. V., Su. 

.lezkany. Kl. : aufgehol»en. 

,lu8chenetz. O. III = luzynetz, I).. Ko. 

Kahiest Kl. : aufgehoben. 

Kadopist, (). III = Kadobestie 1).. Z. 

Kallafindesty. (>. VII = Kalafiudestie, I)., Se. 

Kallinesti lui lenak. O. VII := Kaliuesti bei Je- 

naki. ]).. Su. 
KallincHti lui Koniparenko. <). A^II = Kalinesti 

b. Kuparenko. I).. Su. 
Kallinesti, <>. IV = Kalinestie. 1)., Sta. 
Kalugerice. A. VII = Kalugeritze, E.-H.. K. 
Kaniina. O. I = Kaniena. 1)., (V.. 
Kaniona. Kl. aufgehoben. 
Kaiuunka. O. VI = Kanienka, 1)., Se. 
Kapokodrului, U. IX = Kapukodrului. D., (t. 
Karapczio, O. IV = Karapczeu. I)., W. 
Karapecziu, (). VI = Karapcziu. I). Sto. 
Kattul Ostricze. O. II. = Kotul Ostrica. IX, Cz. 
Kimpolongo, (>. X = Kiuipolung, St., Ki. 
Kinipolongo KusKesti, (). V = Dolhopole, D., U.-P. 
Kisselau, O. III = Kisseleu, D., Z. 
Klesnitze, O. IV = Pleschnitza, W., Ko, 



I Klivod\'n, O. II = Kliwodyn. P.. Ko. 

I Klokucska, \. 1 = Klokuczka. V. v. ( zernowm 

I Kolleutzi, (). 111 = Kuleutz. I)., Z. 

I Koniniorest. <). VI = Komarestie, D.. Sto. 

Konietin, A. V = Koniatyn, !>., l'.-l*. 

Korlaczelly (»ory, (). IX = Hrajesti, L>-. (i. 

Korlaczelly Slatina = Hajaschesti, I).. G. 

Korlata, (). IX = Korlata, I).. U. 

Korlieziny, \. IX = Koniolunce, I).. (J. 
, Korovie, (). I = Korowia, D.. C'z. 
. Kostena, <>. VII = Kostina, D-, Su. 

Kostesti, <). IV = Koste.stie. I).. SU. 

Koto. (). Vlll = Kut. V., Su. 

Kotzuiann, (>. II Kotznum, M. Ko. 

Kraszna. O. VI Krasna Ilski, 1)., Sto. 

Krewola. A. V :- (ireblena, I)., V.-l\ 

Kuuianiesti, (). VII .r. Koiuanesti. 1).. Su. 

Kupka, (>. VI — Knpka. I). Sto. 

Kutsunuare. (). I. - - Kuczurniarc, I).. Cz. 

KutHunuik, O. III Kuczunnik, 1)., Z. 

Labiiszna, .\. VI Lapuschna, I).. W. 

Laszkiuka. (). II - Liwzkowka, I)., Ko. 

Leheczen, O. II Lehuczeny Teutului, I).. J*i 

Lesauek, O. IX = Lisaura, I>., Su. 

Lincesti. O. II ^ - Lenkoutz, D., Sa. 

Linitza. O. IV - Illinitza. 1).. Sta. 

Lipovan vel Stupka (>. IX: besteht nicht mehr 

Litteni lui Hogdan. <). IX -- Liteni, I).. Sn. 

Lude Honiora. (). VII Liulihumora. I).. Su. 

Lude lui Sanisoni. <>. IV ? 

Luka. Kl. : aufgeholien. 

Lukavetz. O. VI _ Lukawetz. I)., W. 

Lukavicza de Csos. (). II 

Lukavicza de 

Lunka niegrilessa A. X Negrila-ssa. P.. Ki. 

Luzan. <). II ^ Luzan. I).. Ko. 

Machala. O. II - Mahahi. I)., Sa. 

Maltiniza, O. III Malatynetz. P.. Ko. 

Mamajesti. O. II ^ Mamajestie, Alt. P.. Cz. 

Maniajesti. Mitokul, s. Mitocul Mamajesti. 

Mamajesti. Skitul, s. Skitul Mamajesti. 

Mamoniicza. <). I - Mamomica, I).. C'z. 

Maraezeu. (). VII Meretzei. P.. Su. 

.Maranizy. A. V - _ Marenicz, P.. W. 

Mazanojest. <). IX - Mazanajesti. P.. G. 

Meresty. Kl. : aufgehoben. 

Mesibrod. \. VI lj=l Mezybrody. \V , W. 

Mesy Hrody. A. V Mezyl)rody. W.. W. 

Miboveny. O. A'III — ^ Mihoweni, P., Su. 

Mihalcze. U. 1 — MichaTcze. P.. Cz. 

Mihova, A. VI ^ Mihova. P.. W. 

Mihuczeny, O. \'I - Mihuczeny, P., Se. 

Milie, (). IV -= Millie. P.. \V. 

Mitkau, O. 111 — Mitkeu, P., Z. 



(Vsos. o. n . 

, ^ > Lukawica. P., ( z. 
Sus, O. I / 



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Oetschaftsvbbzeichnis der Bukowina a. d. Jahbe 1775. 



43 



Mitokul, C). VIII -_ Mitoka, 1)., Su. 

Mitokiil Maiimjesti, Kl.: aufgobolien. 

Moldovicza, Kl. : aufgehoben. 

Moldovi fiindul, O. X ^ Kiindul nioldowi, 1)., Ki. 

Mologve, (). I - Molodia. 1)., (V.. 

Monczel, A. IX " Miinczel. E.-H., Ki. 

Mosoriiika, (). III MosHorowka. 1)., Z. 

Miisclieniza. O. VI - Miinzenitza, I)., Se. 

Nesipitnl, A. V - Sipitiil, W., K. 

Niegrilessa, A. X Negrila.s3a, I>., Ki. 

Nii'polokautze, (). II Nepolokont/. 1)., Ko. 

Nova Szelletz, (). II Nowosielioa, D., Sa. 

Ochechlilm, O. II ()szechlil>, D., Ko. 

Okiia, (). III - Okna, D.. Z. 

Onofry. Kl. : aufgehoben. 

Oniith, O. III - Onuth. D., Z. 

Opajet/, (). VI Opajetz, E.H., Sto. 

Opreschany, O. \l - Opriseheny, D., Se. 

O roschen, O. II - Oroszeny, I)., Ko. 

Orsoye, Kl.: aufgehoben. 

OKtricza, O. I Ostrica. I).. C'z. 

Pabin, Kl. : aufgehoben. 

Paginftky. O. I Kotul bainski, D., Cz. 

l'allacsana. O. VII Halaczana. D., Su. 

Pallicesti lui Czmortan. ? 

I'anilla, (). VI - Moldauisch-Hanilla, D., Sto. 

Panilla de Csos, (). IV> „ . , ,. ... ^. „^ 
, , , > - Kussisch Hamlla, D.. >> . 

l'anilla de Sus, (). IV / 

l'anka, <). VI Panka, I).. Sto. 

Parbiesti alias Vostra, Kl.: aufgehoben. 

Parhanczi, O. VII - Parhoutz, 1)., Su. 

Patrancz. O. VIII Petroutz, 1)., Su. 

Perhomet, O.Il -. Herhometh, 1)., Ko. 

IVrhomet. O. VI - IJerhouieth (a. S.) U.. W. 

Piedikauze, O. II - Piedykoutz. I)., Ko. 

Pietrassa, A. \ - Petrasze, I).. \V. 

Pillischen Sturborsoye, O. VIII ? 

Ploska, A. V - Ploskn. I)., U.-P. 

Pobiesti, O. IV Hobt-stie, 1)., Sta. 

Podoschana, O. VII Hotuszana, I)„ So. 

Podoschinze, O. VI - Hotuschanitza, l).. Se. 

Pohorlentz, O. III — Pohorloutz, I)., Z. 

Pojana Astra, A. X ~ Ostra, I)., Ki. 

Pojansnck, O. III - Hojancznk. l)., Z. 

Popocziu, A. V -_ Kopoczel. \V.. U. 

Posancze, O. VIII : Hosancze, 1).. Su. 

Possorida, O. X Po^oritta, D.. Ki. 

Praska. O. IX Hnischka. D.. (r. 

IVilipitze. O. III Prelipcze, I).. Z. 

Prorotie, O. AI Preworokie, !>.. Se. 

l*roskautz, O. IV Hroszkoutz, 1).. Sto. 

Pruskautzy, Kl.: aufgeho]»eu. 

Puerlischeny, O. A'^II V 

Puernova, O. VIII Berindesti {?u D., Su. 



Puksoye, O. X - Hukschoja, D., Ki. 

Purlincze. (). VI _ Styvcze (Herlince). D., Se. 

Putna. Kl. Putna, Kl. 

Puynsy. <). VIII Hunince. D., Su. 

Radautz, O. VII Kadautz, St., K. 

Itadauz, Kl. aufgehoben 

Kapuschenitz, O. III - Jiepuzynetz, D,, Z. 

Karausche, (>. II - Karai'icze, D., Sa. 

Keuseny, (>. VIII Keuseni, D., Su. 

Kevekauze, O. II Kewakoutz, I)., Ko. 
j Kewna, A. II Kewna, D., C'z. 

Hohoszna, O. II Koho^^na, D., Sa. 
I Komauiesti, (). VII - Komanesti. D., Su. 

Kopecze, O. VI - Kopcze, D., Sto. 
I Koschusch, O. I - Koseh, V., Cz. 
I Kostoki, O. V Kostoki, D., W. 

Kudesty. A. VI ~ Kudesti, D., Se. 
I Kuska, A. V Kuska, W., K. 

Kus.sisch Moldovitza, O. X — Ku.^s-Moldawitza, 
!>., Ki. 

Kuszu Padeutz, O. VII Milleschoutz, D., R. 

Kuszy, O. VIII Kuss-Plavalar, D., Su. 

Sachariz, A. VV 
1 Sadu, A. V Sadcu, W., K. 

Samostie, Kl. : aufgehoben. 

Sastafno, (). III Zastawna. D., Z. 

Schadova, Kl. : aufgehoben. 

Scharbautzy, (). VII Scherboutz, D., Se. 

Scherautzi. O. II Szeroutz. D., Sa. 

Sehipeniz, (). II ^ ^ Szipenitz, D., Ko. 

Schokanesti, A. X ' Czokanestie, D., D.-\V. 

Securicsen, O. VIlI ~-' Sekuriczeni, D.. Su. 

Sehastry, Kl.: aufgehoben. 

Seletin. A. V Seletyn, D., K. 

Silischen, (). Vlll - Chilischeni, D., Su. 

Sinauz, (). VI Synoutz, D., Sc. 

Siskautz, O. Ill _ Sziszkoutz, D., Ko. 

Skee, O. VIII Skeja. D.. Su. 

Skitid Maniajesti, Kl. : aufgehoben. 

SkutelniczMoldovicza.O. X \Vatr.-Molda\v.D.,Ki. 

Sorotissna, A. V Petryczauka. D.-.\., Se. 

Spetke, A. V * Szpetki. D., P.-P. 

Suiniesti, O. IV Stanesti, M., Sta. 

Staniesty. O. VI — Stanesti, D., Se. 

Stebny Wolosky, A. V Stebne, D , P.P. 

Stobizen. O. III. _ Stawczan. U.. Ko. 

Storosiuetz. <). VI Storoiynetz, M., Sto. 

Stras.na, O. VII Straza, D., K. 

Strojesti de Csos, O. II. ? 

Strojesti de Sus. (). II («ogulina, D.. Sa. 

Strojesty, O. IX Stoje.-^ti, D.. Su. 

Stulpikany, O. X - Stulpikany, 1)., Ki. 

Stupka, O. IX Stupka, l)., (i. 

Suczava, O. VIII — Suczawa, St., vSu. 



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44 



Polek: 



SucztiA-itzu, Kl. - Suczttwitza, KI. 
Sviiiice. O. III Zwiniacze, l).. Z. 
Suetonefri, O. VI St. Oiiiifry, D.. vSe. 
Szadagiira, O. II - Sadagora. M., Sa. 
Szadomare, O. VII Uoinan.-Satulniare, D.. K. 
Szadova, O. VI - Zadowa, D., Sto. 
Szadova, O. X Sadowa. D., Ki. 
Szadupriuka, O. II Zadobrowka, IJ., Sa. 
Szamka. O. VIII Zamka, V., Su. 
Szanioschen, O. III r^ Saimiszyn, D., Z, 
Szanio.stie, O. IV — Zaniostio, D. W. 
Szelcneu, O. IV Zeleneu, D., Ko. 
Szlohocsie Mitkaii, (). JII. Mitkau, D., Z. 
Szloboszie, A. VII - l,^nter-Mile.«4choiitz. I)., Su. 
Szlobotka, A. IV r Hanilla Sfohodzia, I)., W. 
Szihoth, A. V Szypot, 1)., K. 
Szireth O. VI - Screth, St., Se. 
Szocliovercha, O. II - Suchowerchow, D., Ko. 
Szolka, O. VII - Solka. M., So. 
Szolka, Kl. : aufgehoben. 
Szolonicz. O. VII Solonetz, 1)., So. 
Szubranek, O. II - Szubranetz. D.. Sa. 
Tautri, C). III ^^ Touty, D., Z. 
Terrepletze. O. VI Terebiestie. D., Se. 
Terrnianiesti, O. VII Deruianesti, I>., Su. 
Thodorest, C. VII - Theodoresti. D., Su. 
Tissauezy. <>. VIII Teschoutz, D., Su. 
Toporauz, O. II Toporoutz, I).. Sa. 
Torna, O. X. - Doma-Watra, M., D.W. 
Tuny, A. IV ^ Stane.sty. Unter ? D.. Se. 



Ujgesti Tugurcn, O. VIII Videsti. IK Sn. 
Vü/.y Huttilowa, A. V - iHcie-Putilla, M., 1 i' 
lydesti Moldove, O. VIII - Videsti, D. Su 
Yakoma (Opajetz). O. Vi Opajeta, E.-H . S: 
Valesaka. O. IX - \Vale.«4aka, I)., (i. 
Valeva, (). II Walewa, D., Ko. 
\'auia, O X Wanui. D., Ki. 
\arbantz. (>. III Werboutz, 1)., Z. 
\nA\\exi, <). III Waj^sileu, D., Z. 
Vaskautz, O. \l. Waschkoutz a. S., D., S^ 
Va.-^zkautz. O. IV. ^ Waschkoutz a. P., D.. ^^ 
Vaslautz, O. III Wasbnitz, I)., Sa, 
Vericzanka, O. III Werenczanka, D., Z. 
Vikove de (^sos. O. VII ^ Wikow. Int., D.. t^ 
Vikove de Sus, (). VII Wikow. 01)er-, D. K 
Vilautze, O. IV - Willawczc, D.. W. 
Visnitza, () IV. - Wiznitz, St, W. 
Vinniza, Kl.: aufgehol)en. 
Vitiliuka, O II : r Witelowka, D., Ko. 
Volcsinetz, (>. VI - Wolcz>nietz. D., Se. 
Voloka, (). I Woloka, D , Cz. 
Voloka, O. IV Wofoka, D . Sta. 
Voloka, Kl. aufgehol)en. 
Volovetz, <). VII : Wollowetz. D., R 
Voroneez, Kl : aufgehoben 
Voronetz, (). X Woronetz, D., (». 
Vo.stra, Kl.: aufgehoben. 

Warenozy. A. VII Warnitza -— Font. alba. P .>- 
Waydinell, A VII -- Woitinell. D.. R. 
Zacharestv. O. IX r=r Zacharesti. I). . i^u. 



^•^-Hh®-^-'-— f- 



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Aus den Jittheiiungen der k. k. Gentrai-Gommission". 

ZiiAaniniengestellt vo.i Carl A. RoRIStorfer. 

Durch (trilndung der k. k. Central-Comniis«ion, «leren Statut nach ihrer Erweiterung mit 
k. k. rnterricht«-Ministerialerlass voui 21. Juli tH73 *) puhlieirt und mit Erlas» vom 10. Juni 
1S92, Z. 10.445 ahgeändert wurde '), .wurde die archäologische ForHchung in Oesterreich in nach- 
haltigster Weise gefJirdert Die filr die einzelnen Bezirke im KaiserstJiate hestellten Conserva- 
toren filien nicht nur einen directen EintluM auf die Erhaltung der Kunst- und historischen 
Denkmale in Oestcrreich aus, sondern sie liefern im Vereine mit den Correspondenten der 
CVntral-C^ommission Berichte und wissenschaftliche Arheiten üher einzelne Denkmale, Urkunden 
u. s. w , welche theils in den Jahresberichten der Central-Commission kurz erwähnt werden, 
theils in den „ Mittheilungen * zum Abdrucke gelangen. Auf diese Art hat sich in den genannten 
Puhlicationen das reichhaltigste, die Kunst- und Alterthumsforsehung behandelnde Materiale an- 
gehäuft, welches in Bezug auf die Bukowina nachstehend chronologisch zusammengestellt 
erscheint. Es wurden hiebei imter Hinweglassung etwaiger Wiederholungen, hauptsächlich klei- 
nere Notizen und Arbeiten I»eri\ck8ichtigt, während umfangreichere Abhandlungen, deren Abdruck 
zu viel liaum erfordern würde, einfach citiert erscheinen 

In der Folge soll in diesen Bl.ittem alljährlich über die in den „Mittheilungen der 
k. k. (Vntral-Commission" erschienenen Arbeiten berichtet werden. 

Die nachfolgende Zusammenstellung gewinnt durch die Beigabe (Fer Original-Illustrationen 
erhrditen Wert; in entgegenkommendster Weise hat die Ontral-C'ommission, um dies zu ermiig- 
lichen, die betreffenden (liches zur Verfügung gestellt. 

1863. Band VIII., Seite 32«. 

(Kirchengeräthe ) „in der Broncegussanstalt von D. Holle n ha ch in Wien waren 
im Monate October eine Keihe von Kirchengeräthen für die griechisch-nichtunirte Kathedrale 
in Ozernowitz ausgestellt^ die sich wegen ihrer schttnen stylistischen Zeichnung und ihrer 
gelungenen Ausführung des allgemeinsten Beifalls erfreuten Die Zeichnungen rühren von dem 
Architekten Hlawka, dem Erbauer der neuen Kathedrale und bischöflichen Residenz in CV.er- 
nowitz her.** Der Notiz erscheint ein in der „Oosterr. Wochenschrift" über diese (ierathe ent- 
haltener ausführlicher Bericht angefügt. . 

1879. Band 5 der „Neuen Folge**, Seite XVI. 

(Olockenthurm für Putna.) „Oberbaurath Bergmann referirte über das im Wege 
des Cnltus-Ministeriums .zur Erstattung eines (tutachtens herabgelangte und vom technischen 
Departement der Bukowiner Landesregierung neu verfasste und zur Ausführung vorgeschlagene 
1*roject für einen (ilockenthurm im griechis.li-unirten (?) Kloster zu ]*utna und bezeichnete, 
den neuen Entwurf als eliensowenig zur Keallsirung geeignet wie den ersten, sowohl construc- 
tiver als stvlistischer Bedenken wegen. Die Section pflichtete den Ausführungen des Keferenten 
bei und beschloss dem Unterrichts-Ministerium von der Ausfuhrung eines oder des anderen Pro- 
jcctes eindringlichst abzurathen, dagegen aber aus den mehreren vom Referenten vorgelegten 
Skizzen eine als die stylistisch richtigste, constructiv verlässlichste und sehr wenig Kosten bean- 
(»pmchende, zur .Ausführung zu empfehlen Die Section konnte nicht umhin, bei diesem Anlasse 



») Enthalten im XVIII. Bande, UTd. Seite 261. 
•) Enthalten im Jahresbericht für 1H92, Seite 122. 

5, 

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1 



46 Aus DBN Mittheilungen der k. k. Centbal Comhission. 

ihr lebhaftes Hedauern auB/usprechen, dass nicht schon der erste Entwurf der Central-Coin- 
niission zur Kegntachtung. vorgelegt wurde, wodurch nicht allein dem Statute der Onlral- 
Comuiission entsprochen, sondern auch Zeit und Kosten ersjmrt worden wären. Die (Vntral- 
Conimission hat daher das rnterrichts-Ministerium dahin zu wirken, dass von Seite saninitlicher 
Staatshau-Organe der Wirkungskreis der Central -C'onimission femer nicht so sehr ignorirt werde, 
wie dies bisher von einigen derselben leider der Fall gewesen, dass vielmehr die I^istungen 
einer Commission, die aus Fachmännern besteht, welche ihre langjährigen Studien, ihre Kennt- 
nisse und Erfahrungen in der uneigennützigsten AVeise, blos aus Interesse für die Sache 
der Staatsverwaltung zur Verfügung stellen, von diesen künftighin eine bessere Wurdigiiuji 
finden möchten." 

1879. Hand 5, Jahresbericht für IHlH. 

{Prähistorische Gegenstände.) ,l)a der Section Nachrichten zukamen, dass die in 
der Hukowina gefundenen prähistorischen (tegenstände in den Sammlungen der Tniversität lu 
C'zernowitz in nicht entsprechender AVeise untergebracht sein sollen, bes.'hloss die Section sich 
vorläufig durch ihren Conservator für die Bukowina nähere Information zu verschaffen.* 

1880. Band i\ der N. F., Notiz 2t, Seite LXXVl. 

(Vom Serether Museum- Verein,) ^Der Obmann dieses äusserst rührigen Vereines. 
Herr Josef (iutter, k. k. Hauptmann i. P., hat als (beschenk für die wissenschaftlichen Samm- 
lungen der *k. k. Tniversität in Czemowitz eine grössere Collection in der Bukowina aufgefun- 
dener antiker Münzen und verschiedener anderer .Antiquitäten, sowie auch eine Partie fossiler 
(»ebeine gewidmet. Die ganze, wertvolle Sammlung enthält fünf Denkmedaillen, 23 tnc- und 
34 Silbermünzen, ein Elch- oder Elenfhierhorn, einen Theil eines Homzapfens vom Auerochsen, 
einen Spiess, vielleicht zum Braten dienend, ein C'inerarium (Schüsselchen zur Aufbewahnin? 
der Leichenasche bei den Kömern), ein (iefäss aus vorrömischer Zeit, einen Hirsch ebeneahn. 
eine versteinerte .VIeermuschel, fünf Holzversteinerungen und fossile (iebeine in seclb 
Partien 

Femer wird aus Sereth berichtet, dass dort von Osten nach Westen ein hoher Erdanfwiirf 
läuft, an dessen Zerst'lrung schon lange drei Ziegeleien arbeiten, der für den ArchÄologon von 
grossem Interesse ist, da er Funde enthält, die der Wissenschaft sehr wertvoll sind, weil sie in 
die graue A'orzeit zurückreichen. So durchschneidet denselben eine Mauer ohne Mörtel oder 
Lehmbindung, in deren Nähe eine Feuerstelle mit einer grossen Menge von Asche und Kohle 
und verbrannten Knochenüberresten aufgefunden wurde. In diesen Kohlen fand man eine Stein- 
axt, ein Feuersteinmesser, ein zugespitztes Edelhirsch-Homstück und einen Thonfuss. rnfem 
dieser, beiläufig drei Meter tief gelegenen Feuerstelle, ist eine brunneniihnliche A^rtiefung ver- 
schüttet; die von einer Seite ganz blossgelegte Anschüttung hat sich von der Wand losgel«tet 
und nach dieser Seite geneigt, nachdem der A'ersuch genKix:ht wurde, sie zu untergraben, der 
aber seiner Lebensgefährlichkeit wegen aufgegeben wurde. Hier zeigte sich eine Auspftasteruni 
aus gebrannten Steinen. Daselbst fand man auch verschiedene sehr primitiv gearl>eitete Thon- 
scherben von ungewöhnlicher Dicke aus Schwarzerde, in- und auswendig verschmiert, und von 
unregelmässiger Kundform. Fernere Funde von Thongefasscherben aus geschlemmteni hehsu. 
die daselbst häutig ausgegraben werden, und Münzen aus der Kömenseit. geben den Beweis, 
dass dies Object mit nachträglicher Mehraufschüttung zur Feldschanze umgeformt wurde. 

AVeitere Funde, als: Eisenpfeilspitzen, Sporne und ein massiver Silber-Siegelring mit der 
(fra\-irung eines gepanzerten Armes, der ein Schwert aufrecht einem Halbmonde entgegenhält 
und welchen drei Kosen umgeben, beweisen, dass dieses Object auch im Mittelalter als Feld- 
schanze gedient haben musste, was die daselbst aufgefundenen Menschengebeine noch mehr l>e- 
kräftigcn. Daselbst werden in der Tiefe zwischen 3 und 4 Klafcer auch fossile (iebeine vonvelt- 
lieber Thiere gefunden, die aber ungeachtet grösster A'orsicht meistens zerfallen. Bios ein Zahn 
von Mastodon robustus und wenig andere (iebeine konnten erhalten werden. 

Alle diese Funde sind theils im Landesmuseum in Czemowitz, theils bei Hauptmann 
V. (futter untergebracht.** 



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Aus DEN MlTTHEILÜNÖEN DER K. K. CENTRAL COMMISSION. 47 

1880. Band (5, Notiz 30, Seite LXXIX. 

{Archäologische Funde in der Bukowina). „Alte armenische (irabsteine wurden 
in Sereth aus einem Klosterfundament gebrochen und bei Ummauerung des Friedhofes mit ihrer 
Sculpturseite nach aussen wieder eingemauert, deren Zeichnungen bei Herrn Finanzrath 
V. Wickenhauser sich befinden und deren Umschriften in deutscher IJeberaetzung hier folgen: 
Nr. 1. „Das ist der Grabstein des gottseligen Agopscha, der nun verstorben im Jahre 1100 nach 
armenischer Zeitrechnung (1651 unseres Kalenders), den 30. Jänner.'* Nr. 2. »Das ist derürai)- 
stein des gottseligen Maren, welcher der Sohn war des Sahag verstorben im Jahre 1102 (arme- 
nisch)** Nr. 3 „Das ist der (irabstein des gottseligen Ovanes, seines Weibes Sartarig und seines 
Sohnes Schadbey. (iott sei ihrer, Seele gnädig Im Jahre 1108 (armenisch; am Mittwoch.** 
Nr. 4. „Das ist der Grabstein des Aswadur, Sohn des Hanigc/.an verstorben im Jahre 1100 
(annenisch)**. Diese Grabsteine durften wohl lieweisen, dass die Hauptniederlassung der Arme- 
nier nicht in Suczawa, sondern Sereth war, wa« auch der Tmstand erhärten dürfte, dass bis jetzt 
in Suczawa keine Grabsteine aus jener Zeitepoche vorkamen. Bei der Zerstörung des alten 
Klosterfundamentes kamen nicht nur die oben beschriebenen, sondern bei 30 Bruchsteine arme- 
nischer Grabsteine vor, die vermauert wurden. Der Stein Nr. l deutet auf die spätere Familie 
Afcopschowicz, jener Nr. 3 auf die noch in Galizien lebende Familie Schadbey." 

1880. Band 6, Notiz 92, Seite CLVIII. 

{Glockenthurm für Putna.) „Dau Unterrichts-Ministerium hat die Ausführung des 
von Ober-Baurath Bergmann augefertigten Projectes für einen neuen Glockentliurm im gr.-or. 
Kloster zu Putna über die Befürwortung der Central-Commission genehmigt und zugleich das 
l^ndesprn&idium für die Bukowina ersucht, für die Folge bei ähnlichen Hestaurirungs- oder 
sonstigen Zu- und Neubauten, welche auf die alten Baudenkmale des Landes Bezug haben, vor- 
erHt in Form von Skizzen die Anträge der Baubehörden direct an die Central-t.'ommission zu 
leiten, behufs der aUfälligen Andeutungen über die Art und Weise, wie die bezüglichen Pläne 
auszuarbeiten wären.** 

1880. Band 6, Notiz 98, Seite CLX. 

{Archäologisch^ Funde in Sereth) Es wird das in der Notiz 21, 18H0, bezüglich 
Sereth Gesagte^ wiederholt mit der Bemerkung, djiss die erwähnten Scherben von unregel- 
mässiger Kundform analog den im Hünengrab am Jankulberg bei Graniczeschti ^aufgefundenen 
sind und dass sich an einer weiteren Stelle die Knochen Überreste zeigten. Es heisst dann weiter : 
^An Münzen fanden sich vor: Eine Trajan und eine von Faustina: Erstere hat in A, das lor- 
beerbekrcnte Haupt Trajans und die Umschrift: imperatori trajano. opt. aug. germ. dac. part; 
auf dem R. die Koma, in der Linken eine Lanze, in der^Kechten einen zertrümmerten Götzen 
ul>er dem Haupte des als Triumphator einherschreitenden Trajan haltend, der seinerseits in der 
Linken die Spolien, in der Kechten den Lorbeerkranz hält. Der \, der Faustina zeigt deren 
Kopf, der K. eine stehende Pietas und auf dem erhalten geblielienen Kande das Wort Augusta. 
Andere römiscbe Münzen wurden verworfen. ** Nach einer weiteren Wiederholung über die Kisen- 
funde u. dgl. sehliesst die Notiz : „Eine dritte Sorte Scherben, die seltener vorkommt, entstammt 
einer jüngeren Zeitperiode.'* *> 



*) Es handelt sich somit hier um eine prähistorische Ansiedlung, die, wie es häufig der 
Fall ist, eine sehr ausgedehnte Dauer hatte, indem sie aus der Zeit, in der noch polierte Steine 
im Gebrauche waren, bis tief ins Mittelalter reicht Ob die den Hügel durchschneidende Trocken- 
inaiier und jene brunnenartige (rrube dahin zu rechnen sind, ist nicht sicher. Unter den Thon- 
Bcherben sind welche von ungewöhnlicher Dicke und un regelmässiger rundlicher Form besonders 
a4ififäUig; am haufi^ten aber sind die Scherl)en von Gefässen aus geschlemmten Thon, zum 
Theile Ton sehr sorgfaltiger Arbeit und feiner Glättung. Viele derselben erinnern an die Gefäss- 
t^c herben, wie sie in grosser Zahl in den Gräbern und prähistorischen Ansiedelungen von Galianis 
vorkommen (Horodnica;; eine spätere Zeit — nämlich jene der Kömerherrschaft in Dacien - 
wird durch römische Münzen repräsentirt. Zwei der Central-Commission vorgelegte Gefässüber- 
reste von feinem gut gebiannten Thon und die Merkmale der Töpferscheibe tragend, gehören 
<ier römischen Periode an. Uebrigens dürfte ein Theil der zahlreichen Topfscherben auch dem 
Mittelalter angehören. (Anmerkung der Kedaction der „ Mittheilungen •*). 



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48 Aü8 DEN MlTTHEILüNGEN DER K. K. CeNTEAL-CoMMISSION. 

1881. Band 7, Notiz 49, Seite LXXX. 

(Hünengräber am Jankulberge.) „Conservator G u 1 1 e r hat an die C^ntral-Com- 
mission einen ausführlichen Bericht über die am Jankulberg bei Grauiczeschti aufg^fundeneo 
sog, Hünengräber erstattet, daraus wir Nachstehendes inittheilen: Veranlassung zu den Fundfii 
gab der Bau des Pfarrhauses (1872), wozu man auf dem genannten Berge Bausteine brach. Aef 
dem Grat des Berges fand sich eine Gräberstätt« mit unzugerichteten Flussteinplatteu in eio« 
Lange von 7 Fuss und Breite von 4 Fuss und Tiefe von 3 Fuss ausgelegt und zugedeckt, ä*- 
lag 3Va Fuss unter der Erdober Hache und enthielt nach Abhub der Plattendecke ein grossen^ 
und ein kleineres Geripp über einander liegend. I>eiu grösseren lagen zwischen den Bein«, 
zwei topfartige Gefasse aus schwarzgebrannter Schwarzerde in unregelniässiger Kundfonn m\ 
dicken Wandungen. Sie enthielten zum sechsten Theil eine dunkelbraune, klebrig feste, geruch- 
lose, bilterlich schmeckende Masse; rechts des Gerippes lag überdies eine sehr gut erhalteor 
Steinaxt aus Achat, und ein versteinertes keulenartiges Holzstück; das Grab ist zerstört, eiü 
Theil der Gebeine, die Axt, Keule und Scherben kamen in das Landesmuseum in (''zemowitz 
Die Gefasscherben sind mit jenen in der BeiH'schen und Mück*schen Ziegelei zu Serelh vor- 
kommenden, gleichartig. In neuester Zeit wurde ein zweites Grab aufgedeckt, doch sogleich allr- 
zerstört oder verschleppt." 

1881. Band 7, Noüz 53, Seite LXXXL 

(Alt-armenische Leichensteine in Sereth.) „Conservator Gutter berichtete m 
die Central-Commission über mehrere Funde, die gelegentlich der Entfernung des Fundameni? 
eines vor Zeiten aufgelassenen Klostergebäudes in Sereth zu Tage kamen. Man fand 30 fin- 
gemauert gewesene Grabsteine, wovon jedoch nur noch 4 ganz blieben, dank der noch recbi- 
zeitigen Intervention des genannten Conservators. Es sind alt-armenische Leiches- 
steine; dieselben wurden nun andernorts zweckmässig aufgestellt. Ein fünfter Stein wm^ 
an anderer Stelle gefunden, woselbst man die Kirche vermuthet. Tnter demselben lag ein Ge- 
rippe in ein reich mit Gold gesticktes ganz morsches Brokat-Gewand gehüllt. Die Steine staniiBff. 
der Inschrift nach ans 1552, 1651 und 1653. Sie sind in der Mitte mit einem stvlistisclus 
Pflanzenomament geziert. Die Inschrift in armenischen lottern ist am Rande umlaufend ange- 
bracht und gnt erhalten. Die Personen werden kurz bezeichnet, wie z. B. : Dies ist der Grab- 
stein der Kühe des Apiiham und der .Vnnn. welche Kinder des Agapscha Hauptes der St*ii 
Sereth sind, im Jahre 1101 (arm. Zeit); oder das ist der Grabstein des gottseligen Agop»:bL 
der nun verstorben im Jahre 1 100 den 30. Jänner (arm. Zeit) u. s. w." (Vergl. auch Notiz S» 
vom Jahrgange 1880). 

1882. Band 8, Jahresbericht*fur 1881, Seite XI. 

(Tumuli, Hünengräber, Goldfund.) ^Conservator G u 1 1 e r berichtete über :»eiot 
bisherigen archäologischen Forschungen in der Bukowina, namentlich in dem alten FürU^d- 
hchlosse zu Suczawa. Der Bericht desselben Conservators über Tumuli Ixu Petroutz, Seretk. 
Korczeschti und Kopcze wurde zur Kenntnis genommen, desgleichen ein weiterer Beriefe 
über am Jankulberge gefundene sogenannte Hünengräber und einen bei Hatna gemachte? 
Goldfund.** 

1882. Band 8, Jahresbericht für 1881, Seite XVIII. 

{Kirchlich-archäologischer Unterricht.) „Werthvolle .Mittbeilungen liefen ein \ot 
den erzbischöflichen, resp. bischöflichen Ordinariaten in Czernowitz etc. über den in den Mret- 
fenden Diöcesan-Priesterseminarien und theologischen Lehranstalten schon bestehenden oder eii- 
zuführenden kunstgeschichtlichen und kirchlich-archäologischen Unterricht** 

1882. Band 8, Notiz 71, Seite CXII. 

(Broncefunde bei Przelipcze.) „(onservator G u 1 1 er in Sereth theilte mit, d»* 
im Jahre 1880 bei Planierung und Bearbeitung eines Feldes nächst Przelipcze in der ßukovi» 
eine grosse Anzahl von Broncegegenständen, wohl aus einer bei dieser Arbeit zerstörten Grube 
herrührend gefunden worden ist. Vou den Fundgegenständen gelangten einige in Privatbesia- 



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Aus DEN MlTTHRILUNäEN DER K. K CkNTBAL-CoHHISSION. 



49 



einige, darunter ein Helm und ein Pferderüatzeug, sollen sich im Leml>erger Museum befinden. 
Zwei Streitäxte und ein Keit wurden der Central-Comraission vorgelegt, sie zeichnen sich durch 
gute Erhaltung aus. Der Tvpus der einen Streitaxt, bei der sich der Nacken mittelst eines 





Fig. -2. 

lietfoudm-n Halses von der Schaftröhre abhebt und eine 
fii »ifindir*' Scheibe bildet, ist zahlreich unter den Kroncen 
l'iiffurtii* vertreten, doch ist diinin lenierker.s\vert, dass 
s^lt'Ji Hii' Mitte nicht wie sonst zu einer Spitze ausbildet. 
(Fig. 1). Von besonderer Schönheit und VoUkommen- 
^' * heit ist die zweite Streitaxt, welche sich ganz den sibi- 

rischen und kaukasischen Typen anschliesst, wenngleich verwandte Formen in Ungarn vorkommen. 
Fig. -2 zeigt den Kelt." 

1883. Hand 9, Jahresbericht für 1882. Seite XXI. 

(Pu}*8tengruft in Humora etc ) „( Konservator (i u 1 1 e r berichtete ilber die Enm*- 
nimg der alten Fürstengruft im Kloster Humora, die keine besonderen Hesultate gab; derselbe 
berichtete femer über die in der BeiH'schen Ziegelei zu Sereth gemachten mittelalterlichen 
Funde.** 

1883. Band \K Notiz 24, Seite L. 

{Reliquien- Brusikreuz^ Spinnwirtel etc.) „Einem Berichte des Consenators (Jutter 
zufolge, fand man im Sommer 1882 zu Sereth an der Stelle eines hingst aufgelassenen Friedhofes 
hei Grabung eines Kellers ein Reliquien- Brustkreuz aus Bronceguss, wahrscheinlich 
einstens einem F'rälaten angehörig. In der BeiH'schen Ziegelei fand man Thonsclierben primi- 
tivster Form nebst Feuerstein-(»egenständen, dann eine Aschenume 2(> cm hoch und 24 cm 
breit, ans rothgebranntem Thon, daneben kleine Thontiegel mit schwarzer Erde angefüllt. An 
einer anderen Stelle fand man IY2 >" unter der Erde drei Kohlen- und Ascrhenhaufen, je 3 m 
von einander entfernt. Die oberen Scbichten dieser Haufen enthielten abgenagte Thierknochen. 
Fischgräten-Nadeln, sageartige Fischkiefer und Vogelschnäbel und ein Spinnwirtel". 

1883. Band 9, Notiz 114, Seite CXLiX. 

[Tartaren- Denkmal) „Der (■on8er^'ator Kitter V. (rutter bat au die k. k. Central- 
('oiuiiiis:«ion über das Tartaren-Denkmal iiei Wama nächst Kisseleu in der Bukowina berichtet. 
r>a«>»elbe ist aus Sandstein angefertigt, zwei Klafter hoch, und zum Andenken eines durch den 
Fürsten Kakowitza ül>cr die Tartaren im Jahre 17HJ errungenen Sieges errichtet worden. - 
An den 4 Seiten der viereckigen Säule, auf welchem eine stark ausladende Deckplatte und eine 
niedrige Abschlusspitze ruht, findet mau rumänis:;he Inschriften, die ül)ersetzt folgendermassen 
lauten: 

(Südlich.) - - „Ich Michael Hakovitza Woiwod und Fürst der ganzen Moldau im Jahre 
I7lt5. im dritten Jahre meiner Regierung l»ekriegte die türkische Pforte, die Deutschen" . . . nm- 
leserKch). 



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50 Aus DKN MlTTHEILÜNQEN DKR K. K. CeNTRAL-CoMMISSION. 

(Oestlicli.) — , Vereint mit einigen Deutschen Buchten Walachen, rugam und .Vndkr* 
aus Serviert* unsere Hauptstadt .lassi zu erobern, um uns gefangen zu nehmen, und sich di**-- 
Hauptstadt zu unterwerfen, so wie sie es vorher mit dem Woda Nicolaus Maurocordato Kürstr 
der Wahichei gemaclit hahen. Indessen haben wir sie durcli die Hilfe (»ottes f^änzlich fi**t 
wunden und ihre Leichen übereinander gehäuft. Als Zeichen der Erinnerung hal>en wir di»-i*^ 
Kreuz nel)8L einem Brunnen errichten lassen" . . . (unleserlich). 

(Nördlich.) - ^ Diese steinerne Saide wurde errichtet als wir über die Ctehirge M**-^i 
kaneschti und Sacharda bei Kodna eindrangen. Von hier giengen wir mit Hano einem Anführe: 
einer gro.H.sen Zahl von Tartaren nach Bistriz, machten überall grosse Beute und steckten ai* 
Ortschaften in Brand, nur die einzige Sta<lt blieb verschont. Von hier kehrten wir «lurjfa 6» 
Marmarosch zurück . . . «Vieles unleserlich ) Und die Tartaren erlitten eine grosse Niederlage* 

(Westlich.) «Unter Anführung den .lordaki Kantakuzenos, Anführung der Magasonen . . 
(unleserlich)'*. 

1883. Jahresbericht, Seite 57. 

( Wandmalereien im Bt^rg schlösse Suczawa.) ^Auf Ciiund eines l^richies« ^k- 
Conservators O u 1 1 e r über Wand maierei on in der Ka(>clle des zerstörten ßergschlusse:» su Su- 
czawa wurde derselbe ermächtigt, eine Informationsreise dahin zu machen.*" 

1884. Band 10, Notiz 135, Seite CCXXIV. 

[Fnndc in Sfreth.) „Auf der IWiirschen Ziegelei l)ei Sereth wurden, wie ConserTaur 
(i u 1 1 e r berichtet, in neuerer Zeit viele Tliongegenslände (ni€*3 
nur fragmentirt) gefunden, als prähistorische Ascheniirnen, kleine 
Töpfchen, eine kleine Thonfigu r (Fig 3 und 4», zwei Meit-r 
tief gelegen, daneben ein Spinnwirtel. Im ausgetrockneten BHchbe<it 
bei C»U(1in fand mnn allerncuest einen prähistorischen Hammer au» 
dunkelgrauem harten («estein, gut erhfllten, D cm lang, 47« «^bi 
breit, auf der unteren Seite schneidig, auf der oberen Hach unA 
abgeplattet, er hat die gewöhnliche, annähernd bügeleisen förmig 
(«estaltung.** 

1884. Jahresbericht, Seite 30. 

{Funde in Sereth.) „Conservator Gutter legte einen Be 
rieht über den Fnnd von römischen Ziegeln in Sereth vor. Der- 
selbe sendete Proben von verkohltem (»etreide, welches nebst Ht- 
Vorder- und Rückseite Tassen in einer Ziegelei zu Sereth gefunden wurde. Die vuo 

t'ig 3 pig 4 Dr. Much sehr sorgfältig eingeleitete Untersuchung ergab da« Vor- 

handensein von Weizen gemischt mit Koggen Ein gleichfalls ^-or 
diesem Consen-ator vorgelegtes Thonfigürchen wurde als wichtiges Fundstück ältester C'uUurstit 
erkannt. Dr. Much erklarte aus diesem Anlasse, dass er sich nicht überzeugt halte, dans raao 
es bei diesem Funde mit prähistorischem Weizen zu thun habe ** 

1884. Jahresbericht, Seite 59. 

(Berichte über Klöster.) „Conservator Gutter übersendete einen interessanten Be- 
richt über das Kloster Putna, wofür ihm gedankt wurde. Ueber einen weiteren ebenso wichtigen 
Bericht desselben, die Baudenkmale in Suczawa und tue SchlosHruine Ctetate betreuend, endlich 
über einen dritten Bericht desselben, betreffend die Klöster St. Onufrii, Suczawitza und Drage- 
mirna. referirte Oberbaiirath Bergmann, und .sprach derselbe den Wunsch aus. dass die „Milthei 
hmgen** über diese Baudenkmale recht bald Ver(>tTentlichungen bringen mögen.** 

1885. Band 11, Notiz 1, Seite XIII. 

(Römische Ziegel.) „In Sereth wurden, einem Berichte des Ckinservators Gutter zn 
folge, zwei römische Ziegel aus einer .Mauer gebrochen; leider war es nicht möglich, die Mauer 
weiter zu untersuchen. Sie sind sehr hart gebrannt. 11 cm dick. 14 cm breit: der grotüierc i«i 
ganz und lU cm. lang. Die ersten derartigen Funde in der Bukowina." 




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Aus OiSN MiTTHBILUNOEN DER K. K. CeNTRAL-C0MIII88I0N. 51 

1885. liand 11, Notiz 121, Seite CXII. 

[Bronce Kelte aus Presecareni.) „C'onHervfttor fintier hatte durch Beine Agenten 
n Erfahrnng gebracht, daHS im Dorfe Kupka ein sehr alter Kirchen-FundamentKtein annge- 
ckert wurde, ferner dare zu Pre- 
ecareni ein bedeutender Bronce- 
lackcnfund vorkam. Dies veran- 
ttsste denselben, diese Fundstelle 
u l>esichtigen, um sich die Ueber- 
eugung hierüber zu verschaffen 
md Verschleppungen zu verhin- 
lem. Am 4. d. M. reiste der»ell)e 
lach Presecareni. begab sich zur 
•'nndstelle in den Wald und sah 
inige Meter vom nördlichen Wald- 
ande auf einer lieackerten grossen 
Yaldhlösse die Stelle, wo ein stark 

erstt'irter Kroncekessel durch den Fig. r> 

^fliig zerrissen wurde. In der Mitte 

lieses Kessels stand eine Thon-Urne mit Asche gefüllt, und diese umga)>en liegend 12 Stuck 
ironce-Kelte. Der Kessel und die Urne wurden durch die Knechte ganz zer8t4>rt, die Kelte ver- 
chleppt. Dem Conservator gelang es nur mit Muhe, zwei Kelten für das J^andesmuseum in 
'zernowitz zu bekommen; selbe sind ganz gut erhalten, grün pattnirt, vom Schaftloch bis zur 
>oheide 11 cm lang und die Schneide 57^ cm breit, mit kreis- und keilförmigen erhabenen 
Streifen verziert.** (^Fig. 5). 

1885. Jahresltericht, Seite 40. 

{Fund^ auf der Hliboker Hochebene) „Conservator (iutter berichtete ferner 
iber Fnnde, die in neuester Zeit \m Wama, Banilla und Sereth gemacht wurden, worubor 
leschloflsen wurde, die Durchfuhrung systematischer (Grabungen auf der Hliboker Hochebene zu 
nbventioniren.** 

1885. Jahresbericht, Seite 64. 

{Kirche zu Wolowetz,) „Conservator Gutter übersendete einen Bericht über die 
lirche zu Wolowetz in der Bukowina. Oberbaurath Bergmann bezeichnete diese ICirche wegen 
er Spuren von alter Bemalang als beachtenswert.'' 



Band 12. Notiz 2, Seite XXIV. 
(Mänzfunde,) ^Conservator (lUtter in Sereth berichtete, dass im Jahre 1885 bei den 
^ersciianzungen der Furstenburg in Suczawa viele altrumänische Silbermünzen und bei ]{a- 
tlla römische Silbermunzen in grösserer .Anzahl gefunden wurden. Beide Funde wurden fast 
jHDz verschleppt. ** 

I 1886. Band 12. Notiz 48, Seite X(^I1. 

{(jutter,) „Am 8. Mai ist der Conservator Josef Kitter v (rutter zu Sereth gestorben." 

1886. Jahresbericht, Seite 81. 

(Archäologische mm. Gesellschaft) „T)ie (Jründung einer archäologischen runm- 

fhen (iesellschaft in C/emowitz wurde zur Kenntnis «ler (^entral-Commission gebracht.'* 
1886. Jahrcfibericht. Seite HO. 

(KutiSt-Topografie,) . . .„endlich machte nurh der verstorbene Conservator v. (Jutter 
h AusBendung von Fngebogen Vorl)ereitungen zur Materialsamtnlung für eine Kunst-Topo- 
|»hie der Bukowina 



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62 Aus den Mitthsilunosm dsb k. k. Cbmt&al-Commission. 

1886. Jahresbericht, Seite 45. 

(Funde in Ktsseleu und Gräberfeld bei Hliboka.) „Corwervator v. Outter 
lej^te vor das Progranini für eine wissensohaft liehe Diirchforsnhiing <ler Bukowina nach prähisto- 
rischen Denkmalen, worüber Dr. M ii c h an die Central-! 'ominiifeion befürworleDci referirte, femer 
ul»er einen gHtoseren Fund von Thongefassen in Kisseleii und Qlier ein (iräberfeld auf der 
Ii I i b o k e r Hochebene.'' 

1886. Jahresbericht. Seite 7<>. 

{MirOHckirche in Suczawa.) ^ConKcrvator von O n tter machte auf den Verfall der 
Kathe<lrale in Mirontz (Bukowina) anfmerkwiiii; eK wunle l>eHciilo88en, den ßauzuMtaiu! d\^ht> 
Denkmalen durch ein Kacborgan erheben zu las-seii. ( 'on8er\'ator Laizner bericlilete in der 
Folge ni>er diese Kirche und bezeiclmete sie als ein hochwichtiges («ebäude orientaÜHclier Bau 
weise, worüber die Ceiitral-Commisston ulter Antrag des Baunithes HIavku beschlosM. den Krz 
bischof von (V.ernowitz zu bitten, dieses Baudenkmal restauriren /.u hissen und wieder kirchlidten 
Zwecken zuzuführen.** 

1887. Band 1.% Notiz 120, Seite CLXXXV. 

(Leichenfeld bei Kalinestie, lumuli hei Horodnik.) „Consenator Kl au» er 
in Radu*itz hat an die (*entral-(>ommission berichtet, dass er l>ei K a 1 i n e s t i e l>ei (ielegenheir 
einer Abgrabung ein regelmässig angelegtes Keichenfeld gefunden hat. Die Urnen liegen in 
geraden Linien und in regelmässigen Zwischenräumen In einer el>en iu Anwesenheit d<fs Vvn- 
servators in einer Tiefe von circa 7 Fuss ausgehobenen Frne fand man bei ihrem Zerfälle wir 
Asche. Bei Horodnik (and derselbe fünf Tumuli ähnlich jenen zu Hliboka.** 

1888. Jahresbericht. Seite r)5. 

[Prähistorische Funde, lartaren Lager bei Hlinitza). „Conservator Romsiorfer 
berichtete ül>er einige neuere prähistorische Funde iu der Bukowina und machte auf die sof 
Tartaren- L.igerstätte l)ei Hlinitza aufmerksam. Ks wurde l^eschlossen. den genannten C'uiiserwtor 
zu näherer l'ntersuchung der8ell>en zu veranlassen.'* 

1888. Jahresliericht. Seite 103. 

( Klosterkirche in Dragomirna,) „Conservator von Z a c h a r i e w i c z l*erichirtr 
ul»er die Klosterkirche von Dragomirna in der Bukowina. Kefetent Baurath HIavka \*^ 
zeichnet die Klosterkirche Dragomirna als die gHtsste unter den Bukowiner Kirchen und als dir 
einzige, welche ganz aus Werkstein ausgeführt wurde Derielbe fugte bei, d *S8 die Hukowiaer 
Kirchen sowohl in ihrer Uesamrotheit als auch viele von ihnen für sich sellutt so Wel des Imer 
essanten und Bedeutenden a ifweisen, was eines eingehenden und erschöpfenden Stadiums wertfc 
ist, daher es sich empfehle, wenn die Central-Ckimmission ihre besondere Aufmerksamkeit dech 
sellien zuwenden machte. Sie umfassen eine fast 300jährige, vorwiegend selltststiindi^ Kun^ 
thätigkeit. die, wenu auch aus dem Wesen des by/antinischen Styies und den rituellen Anfortlt» 
Hingen der orientalischen Kirche hervorgegangen und von der abendländischen Fonnenbildiiu| 
des Mittelalters angeregt, dennoch sowohl die Gesammtconstruction des inneren KirchenrauDd 
als speciell die Entwicklung des Kuppelbaues und der Kuppelfonu einer derart selbststäodif^ 
Ausbildung zugeführt hatte, wie .Hell»e von keiner anderen Kunstepoche versucht wurde, nnd dil 
daher auch als ein besonderes Verdienst dieser Kimstthätigkeit und aU eine hen-orra|rei»'il 
Eigenthümlichkeit dieser Baudenkmale anerkannt werden mus.<< — Die Central-Comnii^-l 
beschloss daher. Schritte zu thuu, damit durch geeignete Kräfte diese Buudenkmale aufgenomui«^ 
und archäologisch durchforscht werden.** 

1888. Jahresl>ericht. Seite 104. 

(Bausttjl der griech^-oricnt Kirchen; Gründung eines Museums) .Con*H 
vator Romstorfer iu (Ver.iowit/. m.ichte die (/«»ntr.il-CJommission auf s;?ine.i an d.as k k l'l 
terrichts-Ministerium geleiteten Bericht über den typischen Baustyl der gr.-or. Kirchen in M 
Bukowina aufmerksam und hebt die Nothwendigkeit der (Gründung eines Museums für die W 
kowina hervor.** 






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Aus DEN MiTTHKILUNGEN DER K. K. CeNTEAL-CoMMISSION. 



53 



„Ein 8 t e i u- 
zwischen der 



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1889. Band 15, Seite 32 und 33. 

(Funde in der Bukowina.) Von Consenator C. A. Romstorf er. 
I> e i 1 wurde im Vorjahre am rechten Pruthufer, fast an der C)herfläche liegend, 
Kisenhahn- und Strassen! )rllcke bei Czernowitz von Arbeitern gelegentlicli 
der Flusschotter-Gewinnung aufgefunden. Es ist ans einem sehr harten 
Feuerstein gehauen und geschliffen, welcher dunkel- und licht-grau, ins 
fepiabrann llbergehende Marmorirung zeigt, hat eine grösste Länge von 
93 mm, eine obere Breite von 34, im unteren Drittel eine grösste Breite 
von 47 mm, eine 45 mra breite Schneide, welche auf 3 mm convex 
gestaltet ist, endlich eine grösste Stärke im Kern von 23 mm, an den 
Seitenflächen von 17 mm. Die Schneide ist sehr scharf (Eigenthüraer 
Herr Stadtingenieur Ludwig West in Czemowitzl. 

Ein durch lochtes Steinbeil (Hammer). Es 1>e8teht aus 
Diabas (Grunsteingruppe, meergrüner, nicht sehr harter Stein), ist an 
seiner Oberfläche und namentlich im Innern seiner conischen Durch- 
lochiing ziemlich glatt geschliflTen; die Schneide ist stumpf, zum Theil 
schartig; die ovalförmige Hammerfläche ist rauh. Die Abschürfungen an 
der Kante zwischen der Aushöhlung und der Oberfläche rühren von den 
Bauern her, welche das Beil im Frühjahre 1885 in Jordanestie am Ufer 
des Sereth nach einer UeberBchwemroung des letzteren gefunden haben. 
Die grössten Dimensionen sind, und zwar die Länge 80. die Breite 42 
und die Dicke 35 mm; das Loch hat einerseits 18, anderseits 22 mm 
Durchmesser. Die etwas convex gestaltete Schneide ist 28 mm lang, die 
Hammerfläche misst nach der Breite 20, nach der Dicke des Beiles 
24 mm. (Rigenthümer Herr Kolakowski, Redacteur der Gazeta 
polska in Czemowitz). 

Das in Lutan bei Czemowitz 1887 bei der Fundirung einer 
Freitreppe des Gutsbesitzei-s Bogdan von Bottuschan (etwa 15 Minuten 
vom Pruth entfernt) aufgefundene F e u e r s t e i n b e i 1 ist 132 mm lang, 
nach oben ziemlich spitz zulaufend; die Schneide ist merkwürdiger- 
weise schräge gegen die Symmetrielinie gestellt und zeigt diesl>ezüglich 

circa 10 mm. Sonst ist das Beil ziemlich roIi liearbeitet. Die scharfen Bruchkanten sind etwas 
abgeschlifien : die Schneide ist an ihrer hinteren Seite abgenützt (Kigenthümerin Frau Bogdan 
von Bottuschan, Gutsbesitzers-Gattin in Lu2an). 

Nebige Abbildung stellt einen Silberschmuck, wahr- 
scheinlich eine Partie Schläfenringe dar, welcher im Jahre 1H85 in 
Malatinetz, Bezirk Kotzman, aufgefunden wurde. Der aus starkem 
Draht gebildete offene Ring, dessen eines plattf^odrücktes Ende eine 
Durchlochung besitzt und dessen zweites Ende )ilatt geschlagen und 
spiralförmig aufgewunden ist, ebenfalls eine kleine Durchlochung bil- 
dend, trägt die Verzierung, welche der Hauptsache nach aus einzelnen 
Blüthen besteht, die derart aneinander gereiht snid, dass sie eine 
Kugelform bilden. Jede derselben (von denen noch vier vorhanden, 
drei jedoch weggebrochen sind) besitzt in der Mitte eine aus kleinen 
Kügelchen bestehende Pyramide, während die Blätter aus plattge- 
drückten aus Drahtwindungen erzeugten Rohrstückchen bestehen. Letztere, nebst dünnen spiral- 
fr^rraig gewundenen Drähten, femer Reihen aus Kügelchen darüber, bilden die weiteren Verzie- 
rungen. Insbesondere ist ein Theil der Ringscheibe noch mit besagten RohrstUckchen bienen- 
zellenartig ausgefüllt, von denen ebenfalls ein Theil weggebrochen ist. (Eigenthümerin wie 
früher). 

Funde aus Hlinitza, am Pruth: Nachdem Bauern schon seit Jahren auf dem 
Miserdziw z.amki bei Hlinitza Gefäßscherben, Waffentheile etc. gefunden hatten, welche der dor- 
tige Gutsherr Alezander von Flondor erwarb und gross tenth ei Is wieder weiter verschenkte, Hess 
Herr Oberst von Seraczin durch die Regiments-Pionnier-Ahtheilung unter Leitung des Herrn 

Digitizedb^GoOgle 



Fig. 6. 
eine Abweichung von 




54 AVB DEN MlTTHEILUNGBN DER K. K. CeNTBAL-OoMMISSION. 

Oberlieiitenants Knizlewski im Vorjahre und heuer Grabungen veranstalten, welche zahlreich 
Funde zu Tage f«»rderten, von denen der Herr ()l>erst mir einen Theil üherliess. 

In dem dort befindlichen Walle befanden sieh in der Tiefe von 0*5 m von der ÜusseivB 
Seite Kohle und Asche in einer etwa 20 cm dicken Schichte ; an einer anderen Stelle zeigten >iv*l 
an der äusseren Seite von oben bis zu einer Tiefe von s m Ziegel, (?) hierauf Thon ; in der 
Tiefe von 1*5 m Asche, Kohle und Steine. 

Ich begab mich an Ort und Stelle und fand selbst eine große Zahl von Scherben, dans 
Kohlen u. dgl. im Innern der aufgeschütteten Dämme. 

Im Inneren des umwallten Raumes wurden in der Tiefe von Xb bis TS m gefunden 

Scherben von verschiedenen (iefässen etc., u. zwar: 

a) Theile von mit der Hand geformten Töpfen aus verschiedenen Thon- und Tegel-liattungea. 
mehr oder weniger ausgebrannt. 

b) Theile von mit der Hand sehr roh geformten gr<»sseren, an.«*cheinend flachen, viellekit 
rechteckigen IwefiLsseu mit verticalen niederen Wänden; vielleicht auch Ofent heile mit 
bis zu drei und mehr Zentimeter Dicke, im Kern fast schwarz scheinende feste EnW 
zeigend, die Oberflä^^he theilweise mit in Keihen stehenden Fingerspitzen- Eindröekrfi 
versehen. 

c; Theile von auf der Drehscheibe erzeugten (lefässen, deren Wände im Innern fest liafl 

und zumeist blauschwans sind, oberflächlich mehr oder weniger die Ziegelfarbe xeigct 

und mit in Parallelkreisen, in Wellen- oder Zickzacklinien laufenden einfachen oder 

mehrfachen Riffen ver/.iert sind, welche mit einem kammartigen Instnimente enenp 

wurden. 

Z i e g e 1 b r c k e n (?) oder Theile von vielleicht in der Nähe einer Feuerstelle dcp^ 
nirt gewesenem Thon, wahrscheinlich Wandbewurf der Hütten, sowie gel>rannte Stucke ^"^ 
Sandstein u. dgl. 

F e u e r s t e i n s t ü c k c h e n , fasst weiss, theilweise blaugrau marmorirt. Ebenda faul 
man in der Tiefe von 0'5 m : 

Verkohlten Weizen, zum Theile zu grr»s.seren Klümpchen zu.samraengelitekfa; 
darunter ein Stuck, welches merkwürdigerweise aus Weizen und einer porösen Thonart geniiM'bt 
besteht und ausgebrannt ist. 

Ein Eisen stück, der Form nach das obere Mun<!stUck einer Säbelscheide, aus en«3 
zwei Millimeter starkem Eisenblech erzeugt. Die grösste liebte Breite beträgt an der <Witr 
seije 18, an der rnterseite nur 15 mm. Die Querplatte, welche das 38 mm lange, <». I>ei> 
hungsweise 27» n»m breite Loch zum Durchstecken der Klinge enthält, liegt schräg im oval*^e 
16 mm hohen King. Das Stück ist schon sehr stark vom Rost zerfressen. 

Vor mehreren Jahren halten Hauern etwa 500 Schritte von den Wällen entfernt in eine? 
Schlucht ein sammt Griff 40 cm langes, nun stark vom Kost zerfressenes Messer aufgefnndtr 
Der Kücken ist gerade, vorn hat es eine Längsverstärkung, dann einen Lappen, welcher ei*i* 
gegen die Schneide zu gekehrt ist (auf der Rückseite scheint ein ähnlicher Lappen abgebrock" 
zu sein). 

Am (iriff sind drei, theilweise noch vorstehende Nägel angebracht, welche zur Befe^' 
gung der Heftschalen dienten. 

In grösserer Zahl wurden in der Bukowina Bronce-Kelte gefunden. Eines, ^r 
Hohlkelt wurde vor etwa drei Jahren von einem Bauer an dem nordöstlichen Abhänge di^ 
Bergrückens l'ropasna bei Hlinica unfern der IJmwallung ausgeackert. Die Oberfläche if^f 
ziemlich viele gegen 1 mm starke Foren (blasig) und trägt eine dicke Grünspanschichte, v.'i'\c^ 
nach dem .Vuffinden theilweise weggekratzt wurde. Im Mittelschnitt ergibt sich äusserlich fi» 
so ziemlich regelmässiges Sechseck. An der Seite zeigen sich die Reste eines Oehr«. An x»f* 
Stellen hat es Längsrisse. Die Wandstärke beträgt etwa 1 mm. (Eigenthümer : Oberst Seraco»' 

Im \'orjahre fand Herr Oberlieutenant Kruzlewski im Verein mit Herrn Alexander '^ 
Flondor in der Nähe des Walles von Hlinitza etwa 14 Bruchstücke von Ringen, wovon vier*' 
ziemlich zu einem ganzen Ring passen. Die Oberfläche ist sehr glatt und schön gleichmäsai 
grün, in einer Weise, als wäre dieselbe mit einer emailartigen Schichte überzogen. Der Ton «»«^ 
Farbe ist etwas dumpfer, als es reiner (irünspan ist, welcher sich unter der Oberfläche i^'^f 



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Aus DEN MiTTHEILUNOEN DER K. K. CeNTRAL-CoMMISSION. 55 

Der Durchmesser beträgt etwa 10 cm; die grösste Breite 12, die kleinste 6 mm: die Stärke 
iVt nim. Die übrigeD, etwa 10 Theile sind kürzer und scheinen einem zweiten Kinge angehört 
zu haben (Eigenthumer derselbe). 

Der Fundort Hlinitza, Ijeziehungsweise der Miserdziw zaniki. welcher gegenwärtig einen 
hübschen etwa 60jährigen Buchenwald trägt, scheint dereinst ein befestigter Punkt oder ein ver- 
schanztes Lager gewesen zu sein (sogenanntes Tartarenlager).** 

1889. Band 15, Notiz 36, Seite 54 und 55. 

{Fandbericht. Fortsetzung ^ Von Conservator ('. A. Romstorf er. „An weiteren 
Objecten wurden dem Berichterstatter von Herrn k k. Hofrath Dr. A. Hammer, beziehungs- 
weise vom Stadtffirster T. v. Z v c z y n s k i behufs eventueller Einverleibung in das hier zu 
grundende historische Museum die nachstehenden Pfunde übergeben. 

1. Gelegentlich der Grabung der Fundamente eines Maierhofes in Kotzman fand man 
vor etwa zehn Jahren : 

a) Zwei Stück Kinge, genau von derselben Form und Arbeit (Silberfiligran), wie der, welcher 
wie der oberwähnte Silberschmuck als slavischer Schläfenring gedeutet wurde. Die Stücke 
sind jedoch sehr arg beschädigt, mit Grünspan überzogen und ist der den Ring schliessende 
halbkreisf<>rmige Draht bei beiden Stücken weggebrochen. 

b) Messing- (oder Bronce-) Hlechverzierung, gefunden auf der Stirne des Gerippes, wahr- 
scheinlich seinerzeit an der Kopfbedeckung befestigt gewesen. Auf dem dünnen quadra- 
tis(*hen mit vier Ijöchern an den Ecken und roh eingedrückten Ornamenten versehenen 
2 Vi cm grossen riättchen sitzen melonenf^^rmig geritt'te Halbkugeln mit Draht^sen, an 
welchen blattförmig ausgeschnittene Plättchen hängen, welche einerseits geradlinig eingra- 
virte Kippen und Strichelchen tragen. Die Drahtösen dienen gleichzeitig zur Befestigung 
der Halbkugeln. 

c> Kugeln. H mm im Durchmesser aus dünnem Messing- oder Hronceblech, wie ersichtlich, 
aus zwei gepessten Halbkugeln zusammengelöthet. .\n ihrer Oberseite tragen sie eine Oese, 
mit welcher sie wahrscheinlich an eine Schnur angefosst wurden, während auf der ent- 
gegensetzten Seite eine aus vier hirsegrossen Kügelchen bestehende Pyramide aufgelöthet 
ist. welche lebhaft an die auf dem unter ai erwähnten Silberschmnck angebrachten, zumeist 
aus 10 Rügelchen bestehenden kleinen Pyramiden erinnert. Von derartigen Kugeln sind 
vorhanden: acht ganze und fünf halbe; sie sind mit einer verhältnissmässig starken Grün- 
spanschichte überzogen und grcisstentheils beschädigt. 

Von den Bewohnern Kotzmans erinnert sicli Niemand, dass an der Fundstelle, wo die 
erwähnten Gegenstände mit Menschengebeinen und Zähnen ausgegraben wurden, je eine Begräb- 
nisstätte gewesen wäre; es scheint demnach, dass die (Gegenstände von einem Krieger herrühren, 
welcher hier sein zufälliges Utah fand. 

2. Die Lanzenspitz** von 27 cm Gesammtlänge (die eigentliche Spitze 8 cm lang, 27 mm 
breit', mit einem an der Unterseite im Lichten 3 cm weiten Schaft zum Aufstecken und Befe- 
stigen an die I>anzenstange, endlich einem angeschmiedeten Ohr, ist aus einem quadratischen 
Ktabe gebildet und verräth eine ziemlich rohe Arbeit. Sie ist schon sehr stark vom Koste an- 
ijegrifTen, der Schaft speciell an einigen Stellen bereits durchgefressen. Dieser Gegenstand wurde 
ror etwa 15 Jahren auf der Anhöhe Horodestie (bei Staneslie am Czeremoszi, woselbst ein ver- 
^hanzte« Lager gewesen sein soll, in dem Abstürze, der sich bei einem W'jisserriss bildete, gefunden 
jnd zeigt** sich derselbe in einer Tiefe von fast 3 m unter dem Terrain.** (Fig. 6 auf Seite 53). 

1889. Band 15, Notiz IGO, Seite 215. 

{Kirche, in BadeutZ,) ^Conservator Klauser und Pfarrer Tomini haben an die 
[^entral-C'ommission einen längeren Bericht gerichtet über die Kirche in Badeutz, gelegen im 
Kluasthale der Saczawa auf einem Hügel des rechten Ufere des Suczawitzabaches, der sich 
jnweit davon in den erstbenannten Fluss ergiesst Kaum wie an einer anderen Pfarrkirche hat 
*ich an dieser der alterthümliche Charakter erhalten. Ihre (iründung fällt in das Jahr 1487, wie 
rfne Unk» oberhalb der Kirchenthür befindliche Inschrift erzählt. Anderseits wird das Jahr 1481 



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56 Aus den Mittheilünobn der k. k. Cbntbal-Commission. 

angenommen. Die Kirche von welcher die Figur deren Gnindriss veranflchaulicht. hat one 
Länge von 24 m bei 9'05 m Breite. 8ie ist in Kreuzform gebaut, mit Steinplatten gepflastert, 

hat kleine bogenformigf 
vergitterte Fenster mit 
Steingewänden. Dielko- 
noBtasis steht in der Höbe 
und Breite bis zu den 

Mauern reichend 
zwischen Altarrauni ond 
Schiff. Die Kirche war 
bis 1790 sowohl iio In 
nem als aoch an den 
Aussenwänden reich be- 
malt. Als jedoch danak 
einige bauliche Repan- 
turen nothwendig win- 
den, hat man Alles über- 
tüncht. Die Kirche battf 

früher vier Thörme, damals wurden drei davon beseitigt, nur der grosse ist geblieben, aber 
in einen ganz unpassenden Dachstuhl eingezwängt worden. Leider ist der Bau im Laufe der 
Zeiten und durch menschlichen Unverstand stark schadhaft geworden, doch ist zu hoffen, da» 
durch eine zweckmässige Restaurirung ihr Bestand weiter gesichert bleibt. Im Jahre 1^* 
ging man daran, die verdeckten Fresken allmälig wieder ans Tageslicht zu bringen ; die Fresken 
des Altarrauraes sind ganz deutlich geblieben, weniger in der dortigen Wölbung. Die Bilder 
gruppiren sich in drei Reihen, zwischen der ersten und zweiten Reihe ein gemustertes Band. In 
der untersten Reihe acht Figuren, die heiligen Väter vorstellend, in der zweiten Reihe di? 
Abendmahl und die Fusswaschung, in der dritten Reihe Cherube. Im Schiffe (Männerabtheüung 
ebenfalls noch gut erhaltene Bilder. Wir sehen gegen Westen links beim Eingange das Bildnii^ 
des Stifters Stephan des Grossen mit der Familie. Dersell»e hält das Bild der Kirche auf seiner 
Hand, es dem hl. Procop reichend, der gegen Christus — dieser auf einem Throne sitaend - 
weiset. Femer die Kreuzigung, Christus vor dem hohen Prieser, die Kreuzabnahme. In der 
Reihe darüber den Tod Mariens, die Verklärung Christi, manche Darstellungen sind nicht mehr 
bestimmbar, (gegen Süden) die Bildnisse der heil. Märtyrer, die Mutter Gottes mit dem Kinde, 
die Grabtragung und Grablegung ('hristi, die Gefangennahme u. s. w. In der Weiberabtheilanf 
kommen die Wandbemalungen ebenfalls ziemlich gut erhalten wieder zum Vorschein ; hier 
findet sich auch die dreireihige Anordnung. Die meisten Bilder beziehen sich auf den hL Pro- 
copius. An der Aussenseitc sind die Bilder durch die Kalktünche unwiderbringlich zerstört.' 

1889. Band 15. Notiz 239, Seite 277. 

(Das Kloster Suczawiiza,) „Unter den Klöstern in der Bukowina ist, wie Conser- 
vator K 1 a u s e r berichtet, das in Suczawitza unstreitig das schönste. Es liegt am Fasse der 
Karpathen in einem Seitenthale des grossen Suczawathales. Cnmittelbar hinter dem Kloster erbet4 
sich der Furcoi, von welchem man nach Nordost eiue herrliche Fermsicht geniessen uid da* 
ganze Suczawathal bis weit über Radautz hinaus überblicken kann, während man nach 
Süden die au&teigenden Karpathen, wundervoll bewaldet, wie ein wogendes Meer ^c^ 
sich hat. 

Auf diesem herrlichen Punkte haben die fürstlichen Mitglieder der Familie Mogila X^*^ 
das Kloster gegründet, die Hauptkirche und die Klostergebäude erbauen und mit festungsartifTO 
Umfassungsmauern umgeben lassen. 

Die Klostergebäude sind in architektonischer Beziehung unbedeutend und machen nur 
durch ihr reinliches und schmuckes Aussehen, das sie der Fürsorge des jetzigen Kloaterrorisle- 
hers Herrn Archimandriten Philippowicz zu verdanken haben, einen recht freundlichen Eindroek. 



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Aus DEN MlTTHBlLUNOEN DER K. K. CENTRAL COUUISSION. 



57 



Desto interessanter aber ist die Hauptkirche. Diese ist in einem, den alten Kirchen der Biiko' 
wina ganz eigenthüniUchen, aus dem byzantinischen Style hervorgegangenen Baustyle in Form 
eines Langhauses erbaut. Der ne- 
benstehende vom Herrn Prof. E, 
Maximowicz verfasste Grund- 
riss versinnbildlicht dieselbe deut- 
lich. Die am nördlichen und süd- 
lichen Ende der Kirche angebauten 
Eingangshallen stammen offenbar 
aas späterer Zeit. (Jeher dem Naos 
der Kirche erhebt sich der Kirchen- 
thurm, der aus dem Tambour und 
den Laternen besteht, in welcher 
die zur Beleuchtung des Innen- 
raumes nothwendigen Fenster an- 
gebracht sind. 

Von Aussen ist die ganze 
Kirche mit Fresken überdeckt, 
welche bis auf einen kleinen Theil 
noch ganz gut erhalten sind, über 
deren Wesen wir in der Folge 
Näheres bringen wollen. 

Im Inneren der Kirche beßn- 
den sich unter Anderem die Grä- 
ber des Stifters des Klosters und 
dessen Schwester. Von den einst- 
maligen Kirchenschätzen sind nur 
mehr wenige erhalten Hervorzu- 
heben sind handschriftliche Evan- 
gelien-Bücher, geziert mit Minia- 
turen, die einen bedeutenden Kunst- 
werth haben, Opfer und Rauch - 
gefässe aus edlem Metall, gestickte 
Messgewänder und Oelgemalde, in 
russischer Manier mit Gold- und 
Silberfiligran-Arl^eit umgeben.** 

1889. Jahresbericht, Seite 38. 

{Landefmuseum,) „Conser- 
vator Romstorfer berichtet 
über das hoffentliche Zustande- 
kommen eine» historischen I^an- Fig. 9, 

desmnseums in Czenmwitz. Referent Dr. 1 1 g findet die Umstände für das (Zustandekommen 
einer solchen Institution günstig und einer Unterstützung seitens der Central-Commission werth.* 

1889. Jahresbericht, Seite 43. 

{Archäologische Karte für die Bukowina.) „Anlässlich eines Berichtes des Con- 
servators Romstorfer über Funde in der Bukowina hatte Referent Dr. Much Gelegenheit, 
sich auch über die beabsichtigte Anfertigung einer archäologischen Karte für dieses Kronland 
auszusprechen. Seine Anschauung geht dahin, dass die Aufnahme von archäologischen Funden 
»Her Art und aller Zeiten in einer Karte bei der noch wenig durchforschten Bukowina angehen 
mag, und dass deshalb die beabsichtigte Karte als ein verdienstvoller Anfang bezeichnet werden 
kann; sonst wäre eine derartige Anhäufung nicht empfehlenswert, da sich die Wissenschaft für 
die Anlage von Fundkarten nach den einzelnen Fundgegenstandsarten und mit Rücksicht auf 
gewisse Zeitperioden wiederholt ausgesprochen hat."* 

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;-)« 



Aü8 DEN MlTTHEILÜNGEN DER K. K. CENTEAL-CoMiaSSION. 



1889. Jahresbericht, Seite 110. 

(Suczawitza, Badetttz, Warna und Suczawa.) „Conser\ator Klauser berichtet« 
über die Kirche zu Suczawitza. über die Kirche zu Badentz und über das sogenannte TarUnen- 
Denkmal bei Warna in der Bukowina. Correspondent Schmidt erstattete einen Bericht öb^r 
Suczawa und dessen Denkmale. "^ 

1890. Band 16, Seite 47. 

(Typus der Klosterkirchen in der Bukowina), von Conservator C. A. Rom 
ötorfer. (Mit einer Tafel). 

1890. Band 16, Seite 51. 

(Zahasfria bei Putna und Wolowetz ) „im lieblichen Putnathale. vom gleichw 
migen Kloster aufwärts in einer Entfernung von etwa dreiviertel Stunden, Hegt auf sanft ^r 
neigtem Wiesenplane die einsame Ruine eines Kirchleins. Unzweifelhaft hat es einem ehema- 
ligen Kloster angehört, das hier beMtand noch bevor Putna (1481) gegründet wurde. Von fem 
bemerkt man kaum einiges Steingerölle, da« zwischen hohem dichten Buschwerk durch'schimniert. 
rund um die Kuine und auf dem Gemäuer hat dieses längst Wur/el gefasst. Keine Sage. k«K 

Aufzeichnung meldet Ober die Vergangeobni 
dieses kleinen Denkmals, da« trotzdem kaon 
bis hinter das 13. .Jahrhundert zurüokreicb'^i 
dürfte. In nebenstehender Figur (Fig. 1*' 
erscheint der Grundris (Vsoo "*^- ^''' ^^ 
zeichnet. Das Kirchlein hat die tj^-pische .Be- 
lage der moldauischen Gotteshäuser uüt H*=b 
drei nischenfJirmigen .\psiden und fehlt s^N 
das kleine Kämmerchen mit dem Glulhen^ 
und dem Fensterschlitz im Gadem nicht 
Eine kleine Vorhalle vermittelt den Eingan? 
während ein zweiter Dop|)elraum daneben w 
Wohnzwecken gedient haben mag. — Di- 
Mauerwerk ist in Bruchstein au.sgeführt; nacb 
aussen hin sieht man noch Reste derStrri'f- 
pfeiler und der Blend-Arcaden, wie dies \^ 
berührten Stvle ebenfalls typisch vorkoninii 
Der Anlauf der Halbkuppel ist durch eine 
Schiuir Ziegel in Rohbau gebildet, welcW 
nach Skizze A diagonal lagern, ein Motiv. 
das ebenfalls an älteren Kirchenbauten häußs 
^*^%' l^^- gefunden wird. Nel)en dem Kirchlein ist ^ 

Wölbung eines unterirdischen Gemaches bemerkbar. 

Wolowetz. Am Fusse der Hügelkette, welche die Wasserscheide zwischen dem J^'-- 
czawitza- und Solkathale l>ildet, und etwa eine Wegstunde von Radautz entfernt, liegt das »M 

2-200 Einwohner zählende Dorf Woloweu 
Vor Zeiten hatte hier ein Kloster bestan«!'^ 
Der Sage nach stiftete der Woiwode l*ra 
gosch. der Begründer des moldauische 
Fürstenlhiims, Anfang des 14. Jahrhun- 
derts, die hölzerne, später nach Putna fih^'- 
tragene Klosterkirche. Der Sehern atisni'i> 
der Bukowiner gr.-or. Archiepiscopal-lHoct'^ 
erwähnt dieser aus weichem Materiah' ^f 
richteten, im Pfarrdorfe Putna betindliclw "^ 
Fig. 11. Kirche als 1346 in Wolowetz von Dragox;'- 

erbaut, 1468 vom Fürsten Stephan «It* 
Grossen nach Putna übertragen, 1871 gründlich reparirt. Kach Urekoa soll sie zu dessen ZeS 





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ADS DEN MlTTBBILUNOEN DEE K. K. CeNTBAL-CoMMISSION. 



59 



noch in ihrer nrsprilngHcheu Form bestanden haben. Derart wäre das erwähnte Kirchlein das 
älteste Handcuknml der Bukowina. An Stelle dieser hölzernen Kirche hat nnn der Woewode 
Stephan der (»ros>4e in den Jahren löOO bis 1502 die jetzt bestehende gemauerte Kirche her- 
gestellt, wie die aussen an der Kirche, links neben der Eingangsthüre befindliche Steinplatte 
l>ezeugt, deren kirchenslavische Inschrift nach W i c k e n h a u s e r lautet: 

„Der gottesfürchtige christusliebende Jo. Stephan Woew., von Gottes (>naden Hos- 
podar des Moldauischen Landes, Sohn des Woewoden Hogdan, mit seiner Ehe- 
gemahlin Maria, Tochter Haduls des Woewoden und seinem vielgeliebten Sohne 
Uogdan, hat diese Kirche im Namen der Erhöhung des verehrten und lebengebenden 
Kreuzes erbaut. Angefangen im Jahre 7008 (15Ü0) und beendet 7010 (1502) im 

40. und im laufenden 6. Jahre seiner Herrschaft im Monat Sept. 4 " 
Der Sage nach wurde in Wolowetz der Woewode Dragosch begraben. In der jetzt beste- 
henden Kirche ist jedoch, wie mir W'ickenhauscr mittheilt, nach seinen mit dem dortigen Pfarrer Pro- 
topr. C'onst Tarangul unternommenen Nachforschungen von einem Grabmal keine Spur zu finden. 
In der Grund rissanlage (Fig. 11) unterscheidet sich die Kirche wesentlich von den Übrigen 
Kirchen jener Zeit durch den Mangel der segment- oder halbkreisförmigen Seitenapsiden und 
der Art der Einwölbung. Selbst wenn diese letztere nicht die ursprüngliche sein sollte, so ist 
die heutige Form durch die (iestalt des Grundrisses mehr oder weniger bedingt, und es scheint, 
dass die Kirche, selbst nicht in der 
Vierung eine Kuppelwölbung be- 
sessen habe. Die Vorhalle oder 
der Weiberstand ist gleich dem 
Männerstand mit einer von star- 
ken Gurten getragenen halbkreis- 
f;)rraigen Tonne, die Apside jedoch 
mittelst Halbkuppel üiierdeckt. In 
der Thurleibung bei S liegen zwei 
Stufen, welche nach abwärts, vor 
der Ikonostase I bei Sj zwei Stu- 
fen, welche nach aufwärts führen, 
derart, dass der Männerstand ge- 
genüber dem Weiberstande nnd 
dem Altarraura um etwa .-JO cm vertieft erscheint. In letzterem, und zwar an der Süd- 
\\and, befindet sich das kleine typische Kämmerchen D, das sogenannte Diaconarium zum Auf- 
bewahren der heiligen Messgefässe, mit einer Ilerdnische zur Unterhaltung von (ilut, endlich 
einem Fensterchen. 

Nur ^-ier kleine Fenster erhellen das Innere, das nun weiss getüncht ist und nur ^och im 
Tvmpanon der Thüre S gegen die Vorhalle zu ein älteres Freskenbild zeigt. Ebenso erscheinen 
die Aussenwände. welche, im Gegensätze zu den star- 
ken Strebepfeilern, keinen Sockelvor-tprung. dagegen 
einen aus. kleinen Nischen bestehenden Fries besitzen, 
weiss (Fig. 12). Das hohe Schindeldach ist merkwür- 
digerweise an der westlichen Giebel wand ebenfalls, wie 
an der Ostseite ül»er der Apside halbrund gebildet. Wie 
fast alle Kirchen, umgibt auch diese der Friedhof, aus 
welchem nebenstehende Figur ein charakteristisches stei- 
nernes Grabdenkmal zeigt, das auf der tiscbartigen Fläche 
die zugehörigen Inschriften enthält (Fig. 13). 

Nach einer mir von Herrn Oli nski-Glinescu freundlichst zur Verfugung gestellten 
auszugsweisen l.'ebersetzung des im „Liberaluh (Nr. 4 bis ö. Ja.ssy 18HC) von Titus H. (' o- 
M t i n e a n veröffentlichten Artikels über Dragosu Voda hätte, wie alte Leute berichten, zu 
i^iten ihrer (irosseltern ein Hirt im Walde das (iemäuer der in Vergessenheit gerathenen Kirche 
aufgefunden. Durch die Witterung hatte die Kirche arg gelitten, welche weder ein Dach, noch 
im Innern eine Ikonostase oder Bilder besass, und daraufhin vollständig renovirt wurde. 




Fig. 12. 




Fig. 13. 



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Aus DEN MlTTHEILÜNGEN DER K. K CENTRAL CoMMISSION. 



1890. Band 16, Notiz 6, Seite 69. 

(Fiiflde in der Bukowina,) „im AnKchlusse an den im Jahrgang 1889 der Mit 
tlieiliingen enthaltenen gleichnamigen Aufsati und der Notiz 30 «ei es gestatttet ülier weiirff 
interessante, noch nicht liekannt gemachte Funde zu ))erichten. 

1. Ein gro8Her Thcil eine« PanzerhemdeH . aus circa 12 rani grower. 
2 mm dicken Ringen geflochten, wurde im Jahre 1883 an den Ufern dr» 
('ibou-Baches l)ei Kirlibaha gefunden. Vielfach noch gut erhalten, sind jedoefe 
einige Theile defisellien mit dem thonigen Erdreiche \*ei starker HoscbilduDg ts 
festen Klumpen zusammengesintert liegierungsrath J. Kochanowski üljer- 
gah es dem Schreiber dieses für die im Entstehen begriffene archäologiseiir 
Sammlung in CzernowitK 

2. Vier kleine Stücke von Panzerhemden, welche ganz gi«c^ 
wie das sub 1 be8chriel>ene gearl>eitet sind, aber aus 8 — 12 mm grosReu, I bis 
2 mm starken Ringen bestehen, wurden vor einigen Jahren in Capu dlmpulci. 
Bezirk Gurahumoni, beziehungsweise in Fundul-Moldovei, Bezirk Kimpolu&c 
gefunden (Eigenthumer: der rumänische archäologische Verein in Czernowitz . 

3. Ein Schwert (Fig. 14) wurde im Jahre 1852 Iwi Czemowitz m 
Pruthflusse gefunden. Es ist zweihändig, sammt Griff 129 cm lang, die mh 
Blutrinne versehene, oben 5 cm breite Klinge allein hat eine Länge von lOSoc 
Die gerade Parirstange, zum Theile rund l>earbeitet, ist 17 cm lang, der iRck 
einer Kugel nähernde Knopf hat 5 cm im Durchmesser. Der Griff, aus eines 
7s cm dicken, oben 1'8, unten 2 cm breiten Flacheisen bestehend, zeigt d«Gi- 
lich eine, wahrscheinlich durch einen Hieb l>eigebrachte Einbiegung. Di^ 
Klinge ziert einerseits ein mit dünnem Messingdraht eingelegtes, mit der SpiUr 
nach abwürtb stehendes kleines Dreieck zunächst der Querstange und etwa» 
tiefer, parallel mit der Blutrinne laufend, eine Zeichnung, welclie aU eir 
Wappenlhier (springendes Einhorn?/ gedeutet werden kann *) 

4. Ein ähnlichcH zweischneidiges Schwert, jedoch ohne nadi- 
weisbare Verzierungen und nur 10^< cm lang, leichter gearbeitet und mit fUeh«- 
aohteckigen Knopfe versehen, wurde im Jahre 188(5 im Walde zu Pojana Mi- 
culi nel)en (Jura Humorului gefunden. (Eigenthumer: der rumäuische arch^y- 
logische Verein in Czernowitz. 

5 Eisernes Beil (Fig. 151. 
breitbeilarlig, jedoch verhäUni» 
massig sehr gross, 36 cm lang, am 
Schaft 5 cm, in der Schneide Sl» cm 
breit, mit 28 cm langem, 4 cm 
breitem Schafte, schon sehr \^r 
rostet, wurde vor mehreren Jahrer. 
in Uogoszestie, Bezirk Sereth g*" 
funden. (Eigenthumer derselbe.) 

Fig. 15. 

6. Silberschmuck, genau die gleiche Arbeit. Form und C>rösse, wie der im Jahr- 
gange 1889, beschriebene und abgebildete, im Jahi-e 1S87 in Wilswce, Bezirk Wiinilz, aus|^ 
ackert. (Eigenthumer derselbe; siehe Seite 53.) 

7. Zwei Pfeilspitzen aus Bronce dreischneidig, 3*/« und 4 cm lang, ausgeackert im 
Jahre 1886 in Satuimare, Bezirk Radautz, bei einer alten Schanze, femer 2 Stück aneinaixl^ 



14. 




*) Herr (,'orrespondent F. A. W ickeuhauser, dermaliger Besitzer des Schwertes, hat 
über Ersuchen des (iefertlgten eine HusfQhrliche historische Skizze geliefert. Wann, wie und durch 
wen dieses Schwert in das Flu8.>*beet gekommen, erzählt weder eine Sage, noch eine l'rkuiide: 
durch das Zusammentreffen der Umstände lä.H.st sich jedtich mit grosser Wahrscheinlichkeit 
sagen, dass das in Rede stehende Schlachisvdiwert einem Ritter des deutschen Ordens, etwa ud. 
das Jahr 1497, angehört hal>e. 



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Aus den MlTTHEILVNGEN DEB K. K. CENTBAL-CoifUISSION. 



61 



geschmolzene von derselben Grösse, nur zweischneidig, und 2 Klumpen dreischneidige, ganz 
siiiMimmeu geschmolzene Pfeilspitzen. (Fig. 16, Eigenthümer derselbe). 

8. Lanzenspitze, aus Broncc, zweischneidig, sehr schön grün patinirt, sararat Schaft- 
hul»e 14 Vi cra lang, letztere drei Durchlochnngen zeigend, wovon die dritte wohl nur durch 
^'e^^ostung entstanden, grösste Breite 3 cm, gefunden vor mehreren Jahren in 
Sekuriczeny, Bezirk Suczawa, gelegentlich eines Hausbaues. (EigenthGmer 
derselbe). 

9. Drei Aexte, und zwar eine Feuerstein-Axt ohne Durchioc hu ng, eine 
Axt aus hartem dunklen Stein mit einer Durchlochung und eine solche aus ganz 
lichtem Stein, 8 cm lang, ebenfalls mit einer Durchlochung, .sämmtlich gefunden 
im Walde zu Pojana Miculi, Bezirk Gurahumora, im Jahre 1886. (Eigenthümer 
derselbe). Fig. 16. 

10. Ein besondere grosses Bronce'-Kelt (Fig. 17) und ein sehr hübscher Bronce- 
R i n g wurden vor etwa 10 Jahren in der Bukowina gefunden. Ersteres zeigt nach beistehender 
Skizze eine sehr hübsche erhabene Zeichnung, besitzt eine Länge von 
13'3. eine obere Breite von 3*8, eine untere Breite von 4*6 cm, endlich 
eine Dicke im Bauch von rund 3 cm. — Der Bronze-King ist ebenso 
wie das Beil sehr gut erhalten, hat einen äusseren Durchmesser von 
S'4 bis *,) cm, eine Stärke von 4 bis 15 mm und besitzt ein sehr reines 
eingravirtes Muster. (Eigenthümer: Herr k. k. Üniversitäls-Professor 
I>r. Johann W r o b e 1). 

11. Im Vorjahre wurden gelegentlich der AnpBanzung des un- 
mittelbar an die erzbischöfliche Residenz schliessenden kahlen soge- 
nannten Domnik- oder Bischofs-Berges in C'/emowitz namhafte Erd- 
arbeiten nothwendig, insbesondere grub man die Kuppe behufs Herstel- 
lung eines Plateau stellenweise bis auf nahezu 2 m ab. Dieser Hügel 
beherrscht ein weites Stück der Pruth-Ebene. die nördlichen Höhen und 
<1as enge Thal des Klokuczka-Baches mit seinen kleinen Zuflüssen und 
.scheint sohin strategisch wichtig. Vor vielen Jahren soll einmal in den 
an seinem Fusse liegenden Ziegeleien Goldschmuck gefunden worden 
worden sein. — Der unterzeichnete Conservator setzte sich nun mit den 
oberwähnte Arbeiten au.'tführenden Stadt-Ingenieur L. West und Stadt- 
gärtner A. P i o t r o w s k i in Verbindung und besichtigte oft die einzelnen 
Erdabhebungen. Ausser einem regelrecht hergestellten Grabe, das in fast 
2 ra Tiefe ein vermodertes Skelet, wohl aus Jüngster Zeit stammend, 
enthielt, wurden jedoch keinerlei Fundobjecte entdeckt und zeigte sich 
eine« ehemaligen Baumwuchses. (Romstorfer). ** 




Fig. 17. 
auch kaum die Spur 



1890. Band 16, Notiz 18, Seite 77. 

{Messingschild,) „Conservator Carl A. Komstorfer berichtete, dass anlässlich der 
Ausbesserung eines Waldweges im Ostrathaie mehrere Lan- 
zonspitzen und zwei gleiche in nebenstehender Abbildung (Fig. 18) 
im Viertel der natürlichen Grösse wiedergegel)€ne Messingschild- 
chen gefunden wurden. Die Messingplatte ist 37« mm dick, laub- 
üägenartig ausgeschnitten und nachträglich etwa.n zugefeilt und ge- 
putzt. Auf der Rückseite ist ein keilfc^rmiger Ansatz zum Be- 
festigen dieses Schildchens aneinen anderen Gegenstand. Die 
I>arstellung ist eine Wiedergabe des Moldauischen Wappens." 



1890. Band 16, Notiz 57, Seite 133. 

{Schwert ttnd Steinbeil.) „wie Coi.servator Klaus er 
herichlet, wurde in der Nähe von Suczawa gelegentlich des 
PBügens da« in Fig. 19 abgebildete Schwert und auf den Feldern 




^W^ 



Fig. 18. 
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62 



Aus DEN MlTTHEIJiUNGEN DBB K. K. CeN TB AL-CoU MISSION. 



bei .1 a 8 1 o w e t % (Kadautz) ein 1 1 cm langes Steinbeil gefunden nebet mehreren SilbenDunxen 
(Philipp I\'.). Was das Sehwert anbelangt, so l>esit/t e*», dem fachmännischen Urtheile dt> 

k. k. Custns Boeheini zufolge, vollständig die sogenannt? 
gothische Form deutscher Reiterschwerter des 14. bis 1,"». Jahr 
hiinderts. Die (iefässreste. namentlich die lange Parirstange 
deuten mehr nach der älteren Zeit. Die Klinge scheint einer 
italieniscben Werkstätte zu entstammen. ** 

1890. Band Iß, Notiz 178. Seite 258. 

(Broncef linde aus Prelipcze und Presecareni 
^Ais FJrgänzung der Berichte des ehemaligen Consenator» 
V. Glitte r, welche der Notiz 71 im Jahrgange l88!i nod 
der Notiz 121 im .Jahrgange 188ö zu (irunde liegen, tbeili 
Herr K. F. Kaindl (Czernowitzj folgendes mit; Von den 
BronoeAmden aus Prelipcze (Notiz 71), welche in Privat- 
besitz übergegangen waren, gelangte unlängst eine Streitaxt 
in das Antiquitäten-Cabinet der Universität Czernowitz. Auch 
diese A.xt zeichnet sich, wie die erstbeschriebene in der citinwi 
Notiz, dadurch aus, dass sich ihr Nacken mittels eines beson- 
deren Halses von der Schaftröhre abhebt und eine seil^täo- 
dige Scheibe bildet. Diese Scheibe ist kreisförmig und geht 
in eine Spitze aus. Ihre Länge beträgt 34 cm. Die Schnei«if 
ist 0'/^ cm breit. Wie die Gussränder beweisen, ist die An 
in einer Form gegossen worden, die aus zwei symmetrischen 
Stücken bestand und in der Richtung der Schneide sich theili^ 
- Nach der oben angeführten Notiz 121 gelangten von den 
12 Bronce-Kelten, welche in Presecareni im Frühjahre l^«ö 
gefunden worden waren, zwei in das Museum zu Cxemowitf 
oder richtiger an die l'niversilät daselbst. Hier l>efindet sich 
jetzt aber nur mehr e i n Kelt, auf den überdies die in der 
Notiz angeführten (irös>cnausmasse und Beschreibung nicht 
passen. Der Kelt ist nämlich 10^ /^ cm lang und seine Schneid* 
ist 4'/2 cm breit, während in der Notiz die Länge mit 11 cm. 
die Breite mit TiVa cm angegeben ist. Auch die allgemeine 
Angabe, dass die Kelle „mit kreis- und keilförmigen erha 
benen Streifen verziert" seien, passt nicht auf den vorhandenn 
Kelt, und die Alibildung (Fig. ö) in den Mittheilungen ent- 
spricht el»enfall8 demsell en nicht. Offenbar gelten also Be- 
schreibung und Allbildung in der Notiz 71 nur dem gegen- 
wärtig verlorenen Kelt; und so ist uns dieser wenigstens in 
Wort und Bild erhalten." 

1890. Jahresbericht, Seite 39 
{ Alter thümei'sammlnng und Landesmuseum. 
^K. F. Kaindl erstatte I.» einen Bericht über die durch ihn 
geordnete Alterthümersammlung an der Iniversität in Czernowitz und Conservator Romstorfer 
ül>er das in Czernowitz zu gründende Landesmuseum." 
1890 .Jahresbericht. Seite 52. 

{lumulus von Danila,) „Correspondent Prof. Schmidt zeigte an, dass die Durrb- 
forschung des Tumulus von Danila (Bukowina) demnächst erfolgen wird." 
1890. .lahresbericht, Seite *.»7. 

[Manuscript.) ^Conservator Isopescul in Czernowitz machte aufmerksam auf ein 
Manuscript liturgischer (iesange in kirchenslaviscber Schrift." 




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Aus DEN MiTTHEILUNÖKN DEB K, K. CeNTEAL-CoMMISSION. 63 

1890. Band 17, Seite 80. 

(Sereth als Fundort archäologischer Gegenstände), von consenator c. a. 

Konidtorfer. (Mit einer Illustration). 

1891. Band 17, Notiz 103, Seite 123. 

[Suczawa) „Correspondent W. Schmidt hat der C'entrairommission sehr werthvolle 
MiHheiiungen über die archäologische Bedeutung der Stadt Suczawa gemacht, die, früher Re- 
sidenz der moldauischen Hospodare, in der Mitte des 1«. Jahdmnderts aus mannigfaltigen Tr- 
sachen ganz gewaltig an Bedeutung verlor. Die stolzen Bauten der ehedem bei Hofe bedienstet 
gewesenen rangsüchtigen und titeldurstigen Bojaren, deren Gassenfronten mit Gemälden heimi- 
scher Gescliichts-Kreignisse geschmückt waren, verschwanden spurlos. Von jenen 40 Kirchen, 
deren mit dem morgenländischen Doppelkreuz geschmückte Kuppeln die ehemalige moldauische 
Hauptstadt zu einem Klein-Byzanz machten, haben nur elf den Zeitläuften Widerstand zn 
leisten vermocht. Einige haben auf den Innenwänden noch ziemlich wohl erhaltene Fresken, 
welche einen italienischen Einfluss nicht verleugnen können.. In technischer Beziehung verdient 
unter allen diesen Kirchen die sogenannte Miroucer Kirche die meiste Berücksichtigung. Sie 
liegt am Ostende der Stadt an der Xordseite eines Höhenzuges, auf desben Vorsprung gegen 
Nordwesten die spärlichen Trümmer der alten Fürstenburg stehen. Die Miroucer Kirche ist ein 
vollendet stylgerechter byzantinischer Kirchenbau, der ein besseres Schicksal verdient hätte, als, 
der schützenden regelrechten Dachdecke beraubt, den vandalisch wirthschaftenden Händen der 
Fruchtmakler zu dienen, die sie zum Schüttboden bestimmten. Das Schloss ist in seinen Kuinen 
eine ergiebige Fundstelle für mittelalterliche Münzen, namentlich die Stelle, wo sich die Burg- 
kapelle befand und wo über Manneshöhe emporstehende Mauerreste mit Freskenresten erhalten 
sind, die die gewaltsame Zerstörung des Baues durch Sprengung überdauert haben." 

1891. Band 17, Notiz 104, Seite 1*23. 

(Menzel. ) ,,Corre8pondent W. Schmidt berichtet ül)er das Dörfchen M e r i z e i in 
der Bukowina. Einen merkwürdigen Fleck Erde bildet das Dörfchen M e r i z e i nächst der 
ersten Htatiou Hatna der Lemberg-C'zernowitz-Suczawaer Bahn, zwischen Hügel gebettet und 
von einem Wildbache gleichen Namens gegen Hatna begrenzt. Die reichen hier gemachten 
f»oldf linde zogen die allgemeine Aufmerksamkeit um so mehr auf diese Siedlung, als es wohl 
bekannt war. dass mancher Bauer durch den unter der Hand geschehenen Verkaiif des von 
dem launenhaften Zufalle ihm in den Sv-hoss geworfenen, an gewinnsüchtig lauernde Zwischen- 
händler abgegebenen Fundes zu Wohlstand gekommen sei. Selbst amtliche Recherchen erwiesen 
sich bei der austiuchtreichen Schlauheit so des Finders und Feilbieters, wie des Käufers als 
fruchtlos, bis endlich im Jahre 1878 sicher zu verfolgende Spuren auf die Thatsache führten, 
da^^ nach einem starken Regengüsse im Juli, nach dem Fallen des Wildbaches Merezei, ver- 
schiedene üoldgegenstände wieder gefunden, aber verheimlicht und um ein relatives Spottgeld 
an einen wandernden Händler verkauft worden seien. Finder und Käufer wurden zu Stande 
>^ebracht und samiut den Fundgegenständeu in die Bezirkshaujitmannschaft gestellig gemacht. 

Verzeichnet wurden ein schweres nuissives goldenes Armband primitivster Form in 
Schlangengestalt, und einige dergleichen Fibeln. Sämmtliche Stücke zeigten bedauerliche Spuren 
von Reibung mit dem Gesteine des Torrentes, über welch letzteres der dahinstürmende Wasser- 
schwall desselb^ sie rollen liess. Auch ein Mahlzahn eines Trsus primogenius kam bei dieser 
Cielegenheit zum Vorschein. Der damalige Bezirkshauptmaun Anton He seh mann sah sich 
veranlasst, mit einer Commission an Ort und Stelle sich zu begeben, um durch eingehende Be- 
richtigung des Terrains die Provenien-^ der Funde feststellen zu können. 

Correspondent Schmidt war dieser Commission ))eigezogen und verfolgte den Lauf 
de» Wildbaches stromaufwäi ts, um irgend ein leitendes Anzeichen zu entdecken. Obgleich er 
bis zur Quelle vordrang, war nichts auffallendes oder massgebendes zu sehen, und es kann mit 
aller Bestimmtheit angenommen werden, dass derlei (ioldfunde nur bei besonders reicher Wasser- 
fölle des Wildl>ache8 in einer nicht unerheblichen Entfernung von seiner rechten oder linken 
\ 'ferscite und wohl von dieser als der sich verflachenden, ausgewaschen und davongeführt werden, 
sobald die wilde Fluth eine Höhe erreicht hat, imi ihre Strömung auch über dem Bergungs- 

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64 Aus DEN MlTTHBILÜNGEN DER K. K. CENTRAL CoMMISSION. 

platze der Werthsachen spielen lassen zu können. Die zu etwaigen Nachgrabungen miüieran- 
gezogenen Landleute versicherten, keine Ahnung darüber zu haben, woher all' diese Schätz*^ 
kämen. 

Dagegen war derselbe so glücklich, eine andere Entdeckung machen zu können. Bei d^iu 
Rückgänge spähte er in Sehweite in der Gegend herum und gewahrte eine nach Osten stril 
abfallende, nach Westen aber sanft verlaufende Höhe von beiläufig 20 m, deren Gipfel mii 
einem, von einer Buche bestandenen Tumulus gekrönt war. Oben angelangt, bemerkte er dir 
ihm von anderwärts her nur zu gut bekannten, profanen Augen aber unsichtbaren Boden welhm, 
die jederzeit eine frühere (irabstätte erkennen lassen. Der Tumulus hielt so ziemlich die Mitte 
des Plateaus ein, während ringsherum die eingesunkenen Grabstätten sich unterscheiden Hessen 
Trotz des stark hereinbrechenden Abends hatten der Herr Bezirkshauptmann und die ubrigeo 
Commissions-Glieder den liugel bestiegen und Schmidt wies auf seine Entdeckung und lies*, 
als seine Worte ungläubig belächelt wurden, unter den von ihm bezeichneten Stellen freie Wak! 
pBegen, um durch einen Querdurchschnitt vorläufig nur den Beweis der Richtigkeit seiner .\a 
schauung zu erbringen, und brachte auch aus drei derartigen Ruhestätten so voUständifc cald- 
nirte Wirbelsäulenreste zu Tage, dass man Mühe hatte, einige Stücke in einem Gla^e zu dem 
Behufe sicher heimzubringen um in aller häuslichen Ruhe, mit Zuziehung von Sachkundigen, 
das beiläufige Begrabensein dieser menschlichen Reste bestimmen lassen zu können. Mehrer? 
Aerzte erklärten, um in diesen Zustand der Verkalkung zu gerathen, müsse das Knochengerü>tt^ 
des Menschen mindestens zweitausend Jahre im Boden gelegen haben, was zu dem Beschlnä9» 
führte, demnächst, nach eingeholter Bewilligung des Grundherrn Baron Johann Kapri. genanf 
Suche, Nachgrabungen und Aufdeckung des Tumulus zu veranlassen. Die Kostenfragen ver- 
schoben vorläufig die Ausführung dieses Beschlusses. 

Von weiteren Goldfunden aus der Gegend von Merizei verlautete seitdem nichts, wa> 
aber keineswegs ausschliesst, dass derlei Funde gemacht und wie früher verheimlicht wiurlen. 
zum vermeintlichen Vortheile des Finders." 

1891. Band 17, Notiz 160, Seite 178. 

(Conservirung von Baudenkmalen in der Bukowina,) „Conservator Professor 
Romstorfer hatte schon im Mai d. J. der Central-Cominission einen sehr wichtigen Berichl 
über die nothwendige Conservirung zahlreicher wichtiger Baudenkmale in der Bukowina 
vorgelegt. In demselben machte er aufmerksam auf die Klosterkirchen in Putna, SucKawituu 
Dragoraima, auf die älteren Pfarr- und Filialkirchen in Horecza. Toporoutz, Sereth (2), Mona 
styryska. Suczawa, (4) lUischestie, Petroutz, St. lllie, Radautz, Suczawitza, Solka, Komaresiie, 
Arbora, Wolowetz, Ober-Milleschoutz, Satulmare, Kloster Humora, Woronetz, Watra-MoWowitea etc., 
abgesehen von den vielen Holzkirchen. An der Kirche in Humora ist der Mörtel des etwa 1 m 
hohen Sockels theilweise ganz, theilweise bis auf den unteren aufgepickten Anwurf, welcher 
prächtige Malerei trug, abgefallen. Die gegen 30 cm ausladenden hübschen Sockel -IVofilsteine 
sind zumeist locker oder gar herausgefallen, die Fugen meist ganz ohne Mörtel; — das Pflaster 
um die Kirche herum hat sich bereits derartig gesenkt, dass es nicht nur nicht mehr den Zweck 
erfüllt, sondern geradezu schädlich für den Bau geworden ist. Bei Aufhebung der Klöster i« 
diese Kirche Pfarrkirche geworden, die Ikonostasis daselbst ist hoch beachtenswert.** 

1891. Band 17, Notiz 176, Seite 183. 

( Wehergewicht^ Verschanzung en^ Münzen, \ „Conservator Professor Romstorfer 
hat an die Central-(.'ommission berichtet, dass man in der \'orstadt Rosch in Czemowitz 1887 
beim Ausheben eines Teiches in )>eiläufig 3 m Tiefe ein ellipsoides 4 cm langes, 3Vj cm dicken 
Weberge wicht aus rothgebranntem Thone fand. An der Fundstelle konnten Baumreste und ge- 
brannter Thon constatirt werden. 

Auf den Höhen von (Turahumora bestehen mehrere befestigte Punkte, Schanzen genazmc. 
so eine bei Piciorul, sie ist abgeplattet und umwallt. An einer Stelle erkennt man ein aus Bruch- 
steinen aufgefithrtes überwölbtes unterirdisches (Jemach. 

In 8chi[>ot nächst Suczawa fand man Münzen altpolnischen (lepräges (16. und 17. Jahrhun- 
dert), dann acht Münzen moldauischer und türkischer Provenienz.'* 



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Aus DEN MiTTHBILUNGEN DER K. K. CeNTBAL-C0MMI88I0N. 



65 



1891. Band 17, Notiz 196, Seite \HH. 

( Steinkugeln in Suczaioa,) „(.'on-^ervator Komstorfer hat «ier (lentral-CoiiiiuisHion 
bekannt gegeben, dass man im Ziergarten nelien dem alten \VohngelȊnde des Archimandriten 
in S u c z a w a circa 6 Meter entfernt und in der Tiefe von etwa Vi Meter acht Stück unge- 
l*:lhr 30 cm im Durchmesser haltende rauiibearlieitete Steinkugeln fand; eine derselben wurde dem 
Landesmuseum öberlassen.*^ 

1891 Band 17, Notiz 245, Seite 251. 

(Die alte gr. ar. Kirche in Reiona ) Pruthaufwärts. in einer Entfernung von etwa 
zehn KiloiWeter von Czernowitz, liegt knapp am Waldgebirge, bis zu welchem der Fluss lieran- 










Fig. 19. 

tritt, die erst vor etwa einem Jahrhundert entstandene Ortschaft Rewnu Vordem befand »ich 
daselbst ein zum „Skit-mare" in (iaiizien gehöriges Nonnenkloster, för welches das in Rede 
stehende hölzerne Kirchlein erbaut wurde. Eine in die Pfosten der Ilauptthure eingegrabene und 
bemalte kirchen« hivische Inschrift lautet nach der Uebersetzung des dortigen Herrn Pfarrers: 
„Im Jahre 1744 ist diese Kirche erbaut worden zu Ehren des heiligen Nicolaus durch die P'ür- 
sorge und Mühewaltung des ehrwürdigen Hieromonachen Isaias, Pro-Igumen des Skit-mare, 
(irunder dieses Ctebäudes, zur Ablassung seiner Sllnden, Amen Nachher ist diese Kirche renovirt 
worden 1764.'* Unter dem erwähnten Gebäude durfte djis nun Bchon verschwundene Klosterhaus 
gemeint sein. Seit .\ufhebung des Klosters im Jahre 1784 diente die Kirche bis zum Jahre IH89 
als Pfarrkirche, in welchem Jahre in der Nähe der alten baufällig gewordenen KircHie eine neue, 
etwas grössere Pfarrkirche errichtet wurde. Das ehemalige Kirchlein ist eines der ältesten aus 
Holz hergestellten Denkmale in der Bukowina un I vermöge seiner Form und .Vusfuhrung wohl 



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66 



Aus DEN MiTTHEILDNGEN DEB K. K. CeNTBAL-CoMMISSION. 



der interessanteste derartige Bau. Ohne der später hinziigerü^ten halboffenen und nchlies^lieh 
ganz verschalten Vorhalle int die Kirche kaum 13 iii lang, während die gn^sste Breite 8 in betripjL 

Der (Jriindriss, vollBtändig 
typisch nach den alten gr.- 
or. Kirchen gebildet, zeigt 
ein auf der Westseite gele- 
genes Vorschiff, den soge- 
nannten Weiberstand, femer 
das Hauptschiff oder den 
Männerstand mit zwei klei- 
nen Seitenapsiden und d«i 
Altarraum (Hanctuarium . 
welcher polygonal alw»chlies*i 
und nel>en welchem sich ein 
Kämmerchen befindet. I)a< 
Vorschiff, jetzt gegen da> 
Hauptschiff zu ganx offen, 
war ehedem, wie man deut- 
lich erkennt, durch eioe. 
wahrscheinlich eine ver- 
schliessbare Thüre enthal- 
ter.de Wand vom Haupt- 
schiffe getrennt. Die r.wpi 
im steinernen Fussboden 
noch sichtbaren lA>cheT 
dürften für die Thurpfosten 
dieser Wand gedient habea 
Ueber dem niedrigen Vor 
schiffe ist die sich nach ihrer 
ganzen Breite g€^n d» 
Hauptscluff zu öffnende Em 
pore angeordnet, von welcher 
aus ehedem eine Thöre a«f 
den an der Westseite ange- 
ordneten balconartiger» offe- 
nen Gang führte. Das Haupt- 
schiff trug die achtseitij^. 
zur Verjüngung venniiteli 




Fig. 20 und 21. 
eine Laterne übergehende Kuppel. 



nach oben in eine Laterne übergehende Kuppel. Den üebergang 
daselbst ein in Holz hergestelltes Zahnschnittgesims. Djis Dach ist steil, tritt nur wenig Gl»eT die 
Wandflächen vor und trägt zwei, der Laterne gleich gestaltete schlanke Thürmchen ; im unteren 
Cieschosse ziehen sich ringsum noch flache, sehr weit ausladende Dachflächen Die W'ände, auf 
Bruchsteinuntermauerung ruhend, sind in Blockbau aus Halbholz hergestellt; die oberen, durch 
keinen Dachvorsprung geschützten Theile derseU)en tragen eine gemusterte Schindelverkleidunf. 
Die Dacheindeckimg ist mit »Schindeln hergestellt, die schlanken Thürmchen sind mit Blech ein- 
gedeckt. Der Fussboden ist im Vorschiff mit Bruchsteinen gesichert, im Uebrigen aas Pfosten 
hergestellt; das Sanctuariura und die südliche Apside wurden um eine Stufe erhöht angelegt 
Die HauptthUre. nur 90 cm breit und 170 cm hoch, befindet sich auf der Westseite, wahren^ 
auf der Nordseite eine Nebenthüre angeordnet erscheint. Zwischen .\ltarraum und Hauptschiff 
steht die dreithürige. in Roccocoa»-cl»itektur mit reichen Schnitzereien und Vergoldungen aus^ge^ 
führte Ikonostase, deren Bilder im Allgemeinen sehr gut gemalt sind. Da der obere Theil der 
selben einen ganz anderen Charakter tragt und zum unteren Theile auch in Bezug auf die Di- 
mensionen nicht pa.'ist, dürfte er einer alten Bilderwand entnommen worden sein'. Im Para{»ei 
findet ulan die Jahreszahlen 1791 und 1792. Vor der Bilderwand stehen vier aus Holz gedrehte 
grosse I.ieuchter für je drei Ker/en. Das Sanctuariiim enthält den Altartisch, über welchem au 



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Aus DBK MlTTHBILUNGflN DBB K. K. CeNTBAL-CoMMISSION* G7 

der Decke ein Bild hängt, unter dem »ich ein anderes, jedenfalls älteres Gemälde beßndet, ferner 
an einer Ecke eine aus Lehm erbaute Feuerstelle Die südliche Seitenapside ist mit fünf Steh- 
lehnen (Strani) eingerichtet. Mit Ausnahme der Contouren der Apsidenöffnungen, welche mit 
Linien eingefasst erscheinen und einer cartoucheartigen Flächenberoalung in der Hauptapside, 
sind die Wände im Innern in einfacher Hohelung belassen. Aussen ist der glatt gehobelte und 
durch den vorerwähnten Gang geschützte untere Theil der Westfa9ade auf Gypsgrund ßgural 
liemalt. Der Thurflügel enthält in hübscher Conception die Darstellung eines Engels, welcher 
mit der Linken ein Kind führt, während seine rechte Hand auf das Auge Gottes hindeutet. Die 
iibrigen Malereien sind grösstentheils abgefallen. Die Holzarbeiten erscheinen in verhältniss- 
müHsig sehr correcter Weise, mit grosser Sachkenntnis und Sorgfalt durchgeführt; leider steckt 
im gesammten Bauwerk, für welches merkwürdiger Weise Linden- und Eschenholz verwendet 
wurden, sowie in der Ikonostase der Holzwurm, dessen Zerstörung grosse Fortschritte macht. 
Infolge ungenügender Fundirung und rutschigen Untergrundes hat sich die Oslseite der Kirche 
gesenkt, wodurch hauptsächlich dieselbe baufällig geworden ist und nicht mehr benützt wer- 
den kann (Fig. 19, 20 und 21).** 

1891. Jahresbericht, Seite 37. 

(Zur Errichtung des Landes- Museums.) „Die Oonservatoren in der Bukowina: 
Schiürath Isopescul, Schulrath K 1 a u s e r und Professor Komstorfer setzten die Central- 
Commission von der in der abgehaltenen Enquete- Versammlung in Betreff Errichtung eines Landes- 
Museiirns in Czeniowitz gefassten Resolution in Kenntnis und ersuchten um Ertheilung eines 
Mandates, durch welches sie ermächtigt werden, die weiteren Schritte in dieser Angelegenheit 
zu unternehmen. Referent Director Dr. Ilg beantragte folgende Beantwortung: ,Mit lebhaftem 
Interesse hat die Central-Comraission aus dem Schreiben vom 24. Juni d. J., Z. 120, entnommen, 
dass nunmehr für das Entstehen eines Landesmuscu ms- Vereines in der Bukowina gegründete 
Hoifhuiig vorhanden ist Die jetzige Vereinigung hervorragender Persönlichkeiten des Landes 
scheint jene Kräfte zu enthalten, die eine Verwirklichung des schon so lang von der Central- 
Conimifision gebilligten Projectes zu diesem Ziele mit grosser Wahrscheinlichkeit und zur hier- 
ortigen Befriediginig erwarten lassen. Die Massregeln, welche zur (Gründung eines Landes- 
Museums in der Bukowina getroffen werden, erscheinen ganz im Geiste der Central-Commissiou 
gehalten und haben überhaupt bisher nur erfreuliches zu Tage geliefert, daher die Central-Com- 
mission sich mit der Mittheilung der drei Herren Oonservatoren ganz einverstanden erklären 
kann und ihrer vollen Zustimmung hierUl)er Ausdruck gibt.' Besagter Antrag wurde zum Be- 
schlüsse erhoben. In der Folge berichtete Professor Romstorfer neuerlich über die günstige 
Entwicklung der Angelegenheit einer Errichtung dieses Landesmuseums. (Jahresbericht 1890, 
Seite 39^"*) 

1891. Jahresbericht, Seite 111. 

{jRestaurirungS' Arbeiten in gr.-or. Kirchen.) „Conservator Romstorfer er- 
stattete einen eingehenden Bericht über die ehemalige Klosterkirche zu R e v n a in der Bukowina. 
Derselbe erstattete auch einen Bericht Ober die von ihm untersuchte ehemalige Klosterkirche in 
S o I k a und die zu A r b o r a, und wurde l>eschlossen, die Aufmerksamkeit des k. k. Ministe- 
riums für Cultus und Unterricht auf diese Denkmale zu lenken. In der Folge machte derselbe 
weitere Mittheihmgen in Betreff der Restaurirung der erwähnten durch Blitzschlag zerstörten 
Kirche zu S o 1 k a. Auch berichtete derselbe Conservator über die nothwendigen Restaurirungs- 
Arl>eiten in der Klosterkirche zu H u m o r a, und wurde über Antrag des Professors L u n t z 
Iteschloflsen, die liesagte Restaurirung l»eim'k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht zu be- 
antragen. Femer machte derselbe aufmerksam, dass den Kirchenbauten in der Bukowina über- 
haupt nicht die erforderliche Sorgfalt zugewendet werde. Die ('entral-Commission anerkannte 
die l^estondere Wichtigkeit dieses Berichtes, wahrte aber hiebei ihren Standpunkt mit dem Be- 
merken, dass sie von den wenigen vorkommenden Restaurinmgen in der Bukowina leider keine 
Anzeigen erhiilt. wie denn überhaupt fast nichts versucht wird, die an so vielen Orten bestehenden 
bauliehen Uebelstände zu beueitigen.** 

*; Vergl. anch Jahresbericht 1HH9, Seite 38. 

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6^ Aus den Hittheilüngen der k. k. CentbalCommission. 

1891. Jahresbericht, Seite 111. 

{Erdwerke.) ^Conservator Schulrath K l a u s e r berichtete iiber einige Erd werke t*' 
ü u r a h u ra o r a. die aus dem Jahre 1^54 Rtammen und als Orenzliefestigungen dienteo.* 

1892. Band 18, Seite 44. 

(Die griechisch-orientalischen Pfarricirchen in Sollca und Arbora.) vom co^ 

servator Carl A. Komstorfer. Mit einer Tafel. 

1892. Band 18, Notiz 50. Seite 116. 

(Münz- und Gold f und.) ^C-orrcKpon<lent Pn»fe8«or \V. Schmidt in Snczawa h£ 
an die Central-C'oramission berichtet. (\ttHB sich gegen Ende Mai d. J. ein interessanter MHii^uT>'i 
dort zugetragen hat. Man machte denselben am Nordostende der Stadt an der Au8iniind:iM 
der Wasserleitung. Es waren 101 Stück Münzen mit sehr stark aufliegender Patina, Bei es 
herer Untersuchung erkannte man, dass man es mit türkischen, polnischen und lithaiiiiscfc^' 
Münzen zu thun habe, Kupfermünzen gewöhnlicher Sorte. Nur zwei Stück waren darunter. <Bf 
beachtenswerth erscheinen: eine moldauische silberne l'iastermünze Peters, des Vorgängers Stephas 
des Grossen (vor 1456). der nur sehr kurz regierte, und eine zweite, ein Mes.singjetton der Sta-r 
Wien 1683, eine Nothmünze. — In den ersten Tagen des Monats Juni fand man l»ei Meriw 
einige (»oldgegenstände, zwei Stücke, eines \)^/^ Ducaten, das andere 2 Ducaten schwer. Erscen*- 
soll eine Art Fibula mit Anhängseln und Schmelzbesatz gewesen sein.^ 

1892. Band 18, Notiz 141, Seile '240. 

{Steinmetzzeichen,) „An der ehemaligen Klosterkirche Humora finden sich Scfii 
metzzeichen, davon einige hier in 
Abbildung (Fig. 22) beigegeben sind. 
Die Zeichen a bis d erscheinen, wie 
C'onservator Rom stör fer berich- 
tet, in der Laibung des spitzbogigen 
Hauptportales, e bis g wiederholt 

an den Sockelsteinen. Jedes Zei- y^„ 22 

eben ist .H cm hoch.** 



a b c d e J^ g 



1892. Jahresbericht, Seite 39. 

{Landesmuseum) „Das Curatorium des Bukowiner Landesmuseunis in Czemo^iu 
zeigte seine ('onstituirung an. lieber Aufforderung des k. k. MinisteriuniK für Cultus und Unufr- 
rieht gab die Central-Commission in der Folge ül)er die Wirksamkeit dieses l.^ndeämuseum$ etn 
Gutachten ab und sprach sich hiebe! über selbes sehr vortheilhaft aus.** 

1892. Jahresbericht, Seite 62. 

(Grabungen und Münzfund.) „Conservator Klauser berichtete ul>er die gertni-er 
Erfolge der Grabungen in Ünter-Horodnik (Bukowina) und über einen Munzenfand bei 
Sereth. Referent Dr. Kenner bemerkte hinzu: Die durch den Fundort interessanten 3^unz«f 
.sind augenscheinlich auf dem Handelswege, welcher das Schwarze Meer und die Donau mit d^r 
Ostsee verband, an die Fundstelle gelangt. Sie gehören zu einer (iruppe von Fundmünzm 
welche das Bestehen und die Richtung des Weges anzeigen, und ist daher jede neue Oertliehkei: 
welche durch solche Funde markirt wird, wichtig.** 

1892. .Tahresbericht, Seite 117. 

{Gr.-kath. Kirche in Cz^-rnotvitz) „Conservator Professor Rom st orfer berirlr 
tete über die zur Deniolirung bestimmte ^^riecbiseb-kniholische Kirche zu (' z e r n o w i t z uiw 
über die archäologische Bedeutung ihrer Einrichtung. Uebor Referat des Ministerialrathes I>r 
Lind wird gegen die Deniolirung keine Einwen<huig erhoben. Von «ler Kircheneinrichtung t^ 
mit Ausnahme des .Xltars und der Ikonostasis nichts bedeutend. Diei^e könnten in der neiie? 
Kirche wieder Verwendung ünden. l'uter den Messgewiindern befinden sich zwei aus dem vori^f 
Jahrhunderte, welche einen höheren Kunstwerth besitzen. Für die Erhaltung deräelben, sowi»- 

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Aus dbn Mittheilüngen der k. k. Central Commission. 69 

für die Erhaltimg von sonstigen älteren Objecten, welche etwa gelegentlieh des Umhaue» zum 
Vorscheine kommen sollten, wäre Vorsorge zu treffen." 

1892. Jahresl)ericht, Seite 117. 

{Klosterkirche. Humora.) „Ueher Anfrage des Ministeriums sprach sich die Central- 
Commisäion in Angelegenheit der Kestaurirung der ehemaligen griechisch-orientalischen Kloster- 
kirche zu Humora dahin aus. dass mit Rucksicht .sowol auf das interessante Ohject an und 
für sich mit seiner typisch liyzjintischen Anlage, als dessen zum Cultuszwecke noth wendigen Er- 
liaitiing die wohlerwogenen Anträge der Bukowiner Landesregierung zur Ausfuhrung empfohlen 
werden können, liezü^lich der äusseren Malerei, von welcher die kaum mehr deutlich erkenn- 
b.aren Spuren uher dem Sockel wohl nur der Rest einer sich einst vielleicht K\\^t die ganze Fa- 
vade erstreckenden farbigen Decoration sein dürfte, könnte es wohl in Anbetracht des gering- 
fijgigen Vorhandenseins und der verhältnismässig grossen Kosten von einer Neuherstellung sein 
Abkommen finden Dagegen glaubt die Central-('ommi.«»sion ganz besonders die ehethunlichste 
Kfcst«urirung der Ikonostasis empfehlen zu sollen." 

1892. Jahre8l>ericht, Seite 118. 

[Rfjm.-kath. Kirche in Gurahvmnra.) ^lieber das an die Central Commission ge- 
langle Project eines Erweiterungsbaues für die römisch-katholische Kirche zu CJ u r a h u m o r a 
spra<*h sich die Central -Com mission anempfehlend aus." 

1892 .Tahresl)ericht. Seite 118. 

{Alte gr.'Or. Holzkirche in Revna.) „Conservator Homstorfer berichtete über 
die alte Kirche zu Revna. die wegen Haufälligkeit demolirt werden soll. Es wurde beschlossen 
anzastrelien, dass zunächst von dieser Kirche sorgfältige Aufnahmen angefertigt werden; sollte es 
sich heraiLSstellen, dass ein Theil des Materia Ics brauchbar und wieder verwendbar wäre, so 
möchte die Kirche an einer geeigneteren Stelle in ihrer bislierigen Gestaltung aufgeführt werden." 

1892. Jahresbericht, Seite 118. 

[Gr-or. Pfa)^kirche in Sereth.) „leber Aufforderung des k. k. Mini.steriums für 
CiiUiis und rnterricht gab die Central-(-ommi8.sion ihr (iutachten über das von der Landesregie- 
rung in Czemowitz vorgelegte Project einer Kestaurirung der griechiHch-orientalischen Pfarrkirche 
St. .lohann in Sereth dahin ab. da.ss der eigentliche (iegenstand die Frage der Form ist, welche 
das neu herzustellende Dach des Centralthurmes- erhalten soll. Demnach wird das vorgelegte 
Project als zulässig bezeichnet; doch schiene der Central-Commission ein Kuppeldach eher zum 
(Vntralbau zu passen als ein spitzer Helm," 

1892. Jahresbericht, Seite 118. 

{Gr-or. Pfarrkirche in Solka.) ^In Betreff des im Wege des k. k. Ministeriums 
für Cultus und l'nterricht an die Central-Commission gelangten Hestaurirungsprojectes für die 
griechisch-orientalische Kirche in Solka wurde das bezügliche Project gutgeheissen und zur 
Ausfnhmng empfohlen." 

. 1892. Jaihresbericht. Seite 118. 
{Schweift aus Szipot.) „Kegierungsrath Dr. Kenner referirte über einen Munzen- 
f\\\u\ und den Fund eine« alten Schwertes in S / i p o t - K a m e r a 1 e. Conservator H o e h e i m 
gab fM.'in C Gutachten Ober letzteres dahin ab, dass selbes aus der Kenaissance-Zeit stanmien dürfte." 

1892. Jahresbericht, Seite 11s. 

(Terracotta) .,Con8ervator Klauser berichtete übel den Fund eines Terracotta- 
HeVi^U in Dragojestie. das an das Czemowitzer Museum abgegeben wunle." 

1892. Jahresbericht, Seite 11 9. 

(Woronetz,) „Conservator Komstorfer l>erichtete ül>er die zur Kestaurirung gelan- 
gende griechisch-orientalische Kloster-, jetzt Pfarrkirche in Woronetz und die danel>en be- 
liu«lliclien, zur Demolirung bestimmten Ruinen, wabrseheinlich. wenigstens theilweise, Reste des 
ehemaligen Klostergebäudes." 



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70 



Aus DEN MiTTHSILUNOBN DER K. K. CENTRAL- COMMISSION. 



1892. Jahresbericht, .Seite 119. 

{Gr.'Or, Pfarrkirche in Radautz.) ^ Der griechistth-onVntalische Pfarrer von OW- 
Milleschoiitz herichtete über die Malerei in der Kirche zu Hadaiitz." 



1893. Band 1*1, Notiz 1. Seite 60. 

(Goldschmuck aus Merizei in der Bukowina.) Am H. Ilande der Mittheilungm 
der k. k. (Vntral-Coniniissi«)n Jalirgang 188*2 erstattete <ler nun verstorbene ( 'onju*r\ al^r 
V. (i litt er in Seretli Bericht üb« r einiMi l»ei Hatna geiuacliten (lolilfiuid. Im heurigen .laliri 
• Anfangs .luni ls'j*2i fand man neuerdings in jener (iegend. vie bereits Correspontient \V. Schmidt 
aus Suczawa notilicirte <sub Nr. 50 der Mitiheihingen, islhji (ioblgegenstiinde. und zwar rin 
Stück mit circa .'lO tl. und ein zweit<'S mit circa 10 ti. reinem Gobiworthe. I)iesell>en wunien 
bereits durch das Bukowiner Landesmuscum angekauft und erscheinen so dem Lamb' erhahen. 
während gewöhnlicli 'thunlicbst verheimlichte) Funde. Münzen etc., besonders aus der liegend 
von Suczawa, durch Zwischenpersonen an Händler nach Jassv und Bukarest gelangen. 

Von Sereth erstreckt sich nach Süden ein Hochplateau, das geg<'n Suczawa hin in ein 
gnisstentheils bewaldetes, diirch tiefe Scliluchteu zerrissenes Hügelland übergeht. Den bedentend 
sten Terrain-Einschnitt bildet der im Hochplateau entspringende, genau südlich gerichtete Hatns 
oder Merizei-Bach. an <les8en beiden Tfern sich an seinem T'nterlaufe die langgestreckten Orte 
Merizei und Hatna, letzteres am links.seitigen l'fer. berinden. Im Mittellauf des Baches, etwa- 
oberhalb Merizei. und zwar auf dem entgegengesetzten hoch gelegenen Ufer liegt der HngfS 
Zamezysz, de.«isen Name auf ein ehemaliges festes Lager hindeutet imd auf welchem, nach Mir- 
theilung des Ingenieurs A. Is s e c z e s c u 1. Spuren von Brandgräbem bemerkbar sind. In diesTm 
ßaclie nun wurden nach einem Hochwasser die zwei in Iv'de stehenden, unten in Fig. iiJ in 
natürlicher Grösse abgebildeten (ioldgegenstände von einem (irundbesitzer aus Merizei aufgefunden 
Hie Fundstellen der Stücke kann loder will vielleicht) der Bauer nicht mehr angel>en. 

Das grö.ssere der Stücke besteht aus einem massiven Kiuge, au welchem drei beweglirl*. 
ebenfalls ganz aus (iold hergestellte Ringe hängen, die ol>en je un*t einem angefügten, nnt .\I 

mandinplätlcheu ausgelegten On« 
mente versehen sind, an der rnler^iie 
aller zu einem Hacken ausgehHmmert 
erscheinen, der sich in einer Entfer- 
nung von P/i mm unter dem Orna- 
ment hinzieht. In diesem Zwischea- 
raum wurde unstreitig der Stofl* (festes 
Leder V) geschoben, auf welchem der 
Schmuck - wahrscheinlich die eine 
Hälfte einer Spange bildend — mit 
dem in der Zeiclmung ersichtlichen 
neun goldenen durch angeschmiedete 
Oesen gehende Nieten befestigt war. 

Der zweite, ebenfalls massiv in 
(lold geschmiedete und mit Almundii^ 
(das mittlere Sti'ick knopfiormig) ausgelegte Schmuckgegenstand hat an seiner rnterseite «mm 
perlstabartig ausgeschnittenen, rundumher laufenden (lolddrath angeliUhet und besitzt in der 
Mitte einen durch die (irundplatte nach abwärts reichenden, 5 mm langen. 2 mm starken 
Silberstift. 

Die beschriebenen Schmuckgegenstäude sind im Charakter und der Ausführung ziemlich 
älndich und dürften orientalischen l'rsprungs sein. K o m s t o r f e r.'' 





Fig. 23. 



1893. Band 1«), Seite 117. 

Das Tartaren-Denkmal bei Warna. 

Mit einer Illustration. 



\'om Couservator Carl A. H o ni s t o r f r r 



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Aus DEN MlTTHEILÜNGEN DER K. K. CENTRAL- COMMISSION. 7l 

1893. Band 10. Notiz 61, Seite 138. 

{Münze.) „Dr. Kaindl in Czernowitz luit der Central-Coninüssion initgetlieilt. dass 
sich im Münzcabinet der dortigen Universität eine Münze von I^ucinR Veras ( M>1 72) befindet, 
welche vor etwa 273 Jahren hei der Anlegung einer Strasse, welche die Neiigasse und den ka- 
tholiüchen Friedhof ver]>indet, in der Tiefe eines Meters gefunden wurde. Sie wurde am F\ind- 
orte für das genannte (*abinet erworben.** 



"^"erzeiclxxiis 
der Conservatoren und Correspondenten der k. k. Central-Commission. 

a) ConBervatoren. 

Mikulitsch Andreas, pens. ('ameral-Be/irksbaumeister in Czernowitz, bereits im Jahre 
1872 angeführt. 

Isopescul Demeter, k. k. Schulrath und Director der Ijehrerbildungsanstalt in Czemowitz; 
für die lU. Scction, Ünterr.-Min -Erlass vom 14. Sept. 187.^, Z. 9(513. 

Petrinö Otto, Freiherr von, Präsident des Laudescultur- Vereines in Czernowitz; für die 

I. Seotion; 1872 bis KS7«J. 

Schwerdtner Victor. Architekt und k. k. (Tcwerbeschul-Professor in Czernowitz; für 
die II. Seetion; von 1877 bis 1878. 

Outter Josef, Ritter v., pens. Hauptmann in Sereth; für die 1. Section ; von 1880 
bis 1885. 

L a i z n e r Josef, Director der k. k. Staatsgewerbeschule in Czernowitz ; für die II. Section ; 
von 1880 bis 1887. 

Klauser Heinrich, k. k. Schulrath und Gymnasial-Direclor in Radautz ; für die I. Section ; 
It. U.-M.-Erl. vom 31. Jänner 1887, Z. 2542i» ex 1886. 

Romstorfer, Carl A., Architekt und k. k. Gewerbeschul-Professor in Czernowitz; für die 

II. Section; lt. U.-M.-Erl. vom 8. Mai 1888, Z. 2686. 

b) Correspondenten. 

Getzlinger I..eopold, Dr., k. k. Bezirksarzt in Wiinitz, früher in Kim polung. seit 1881 

Kasprzycki Carl, Dr., k. k. Bezirksar/t in Wiinitz ; von I88I bis 1884. 

Losen h Johann, Dr., k. k. T'niversitätfiprofessor; seit 1881; 1893 nach On»z über- 
siedelt. 

Miknlitsch Andreas, pensionirter Ca meral- Bezirksbaumeister in Czernowitz; von 1881 
bis 1884. 

Neubauer Ernst Rudolf. Gymnasiai-Direktor in Radautz; von 1881 bis 1890. 

Neumann Ferdinand, k. k. Baurath i. P. in Czernowitz, früher Leiter des Baubezirks 
in Sucxawa; seit 1871. 

Wickenhauser Franz Adolf, k. k. Finanzrath in Czernowitz; von 1881 bis 1891. 

Kluczenko Basil, Dr., k. k. Sanitätsrath in Czernowitz, früher k. k. Bezirksarzt in Su- 
ez« wa ; seit 1883. 

StefanelH Theodor, k. k. Bezirksrichter in Kimpolung, früher k. k. Kreisgerichts Adjunkt 
in Suczawa; seit 1886. 

Laizner Josef, k k. Gewerbeschid-Director in Czernowitz; seit 1888. 

Schmidt VV^ilhelm, k. k. emer. Gymnasial-Professor in Suczawa; seit 1889, 

Olinaki-OlinesCU Dionys, k. k. Finanz-Coneipist in Czernowitz; seit 1891. 

Polek Johann, Dr., k. k. Universitäts-Bibliotheks-Custos in Czernowitz; seit 1893. 



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Die Anthropologische Geselischaft in Wien in ihrem Verhältnisse 

zur Bul(owina. 

Von Dr. Raimund Friedrich Kaindl. 



Die Beziehungen zwischen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien und der 
Hukowina reichen bis in das erste Jahr des He^tehens der Gesellschaft zurück. Schon im ersten 
Mitgliedervereeichnis derselben, das in dem kurz nach dem Inslebentreten der Gesellschaft am 
30. März 1870 heniu6gegeben«*n Probehefte ihrer Mittheilungen veröfTentlicht wurde, erscheim 
Otto Freiherr von Tetrino als Mitglied ders»*lben Aus seiner Feder bringt auch schon die 
vierte Nummer derselben Mittheilungen, wertvolle Berichte über Funde von Steingeräten in der 
Bukowina; und in den an das k. k. Nnturhistorische Hofmuseum übergangenen Sammlung*^, 
der Gesellschaft wird uns als ein Geschenk Petrin o's der erste uns erhaltene Steinfund a«b 
der Bukowina aufbewahrt. 

P e t r i n o hat auch in den folgenden Bänden der Mittheilungen einige Aufsätze ver- 
öffentlicht, doch haben die-selben keinen unmittelbaren Bezug auf die Bukowina Bald scheinen 
überhaupt alle Beziehungen unterbrochen worden zu sein und zwar für eine lange lieihe M^n 
Jahren. Erst im .fahre 188H wurde wieder die unterbrochene Verbindung hergestellt, indem 1er 
Obersliibsarzt Dr. A. W e i s b a c h der (»esellsohaft die Arbeit des Miyors H. von Himmel 
über seine Körpermessungen in der Bukowina vorlegte. Seit dieser Zeit sind un.sere Beziehungtn 
zur Anthropologischen (icsellschaft immer reger geworden. 

Schon im Jihre 1.S89 hat Major Himmel der (tesellschaft reiches Matefrial über dix^ 
Huzulen. Humanen und Riithenen in der Bukowina, das auf seine Veranlassung zumeist von 
Priestern gesammelt worden war. ül)erlassen. Da der Berichterstatter sich damals bereit*. *cii 
mehreren Jaliren mit der Volkskunde der Hu/ulen beschäftigt hatte »md gerade im Jahre I8>«§ 
die Arbeit über die Kutheuen in der Bukowina verötteutlichte. so vertraute ihm die Gesellschaft 
im Jahre 1890 dasjenige Material aus der Saniniliuig Himmels an, welches auf die Ilurulen 
Bezug hatte. Auf Grund demselben und seiner eig«Mien langjährigen Forschungen verfsÄSte der 
Berichterstatter die umfangreiche Arbeit über die Huzulen, welche gegenwärtig, von der Anihrv- 
pologischen Gesellschaft subventioniert, im Verlage der Buchhandlimg Holder in Wiec 
erscheint. Indessen hat auch das Material über die Rumänen einen Bearbeiter in Hern 
D. Olinski-Olinescu gefunden, der eben mit der Sichtung desselben beschäftigt isJ. 
Sehr reich, wenn auch nicht in allen seinen Theilen von gleichem Werte, ist das Matertal ilber 
die Kuthenen, welches bisher nicht verwertet wurde, da der Schreiber dieser Zeilen, welcher 
auch die Bearbeitung des8ell»en geplant hatte, durch andere Beschäftigung daran verhindert wurdt-. 

Seit dem Jahre 1889 begann bereits auch der Präsident der Anthropologischen «iesdl- 
schaft. Freiherr von A d r i a n - W e r b u r g. in seinen „Jahresberichten'* auf die Bukowina 
Rücksicht zu nehmen, also gerade in der Zeit, da in der Bukowina das Interesse an der ethn«i 
graphischen und prähistorischen Forschung rege geworden war. Zunächst enthielten die Herichif 
nur einzelne Notizen; seit 1891 bieten sie aber eingehendere Mittheilungen über die Bestrebungen 
in der Bukowina auf prähistorischem und ethnographischem Ciebiete. Der Jahrgang 1891 der 
Mittheilungen bringt auch bereits einen kleinen Aufsatz aus der Feder des Berichterstatter*, 
und die Mittheilungen des folgenden Jahres die wertvolle .Vrbeit (\ A. Roms torfers ül'cr 
die Bauernhäuser in der Bukowina. 



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Die Anthbopologischb Gesellschaft in Wien etc. 73 

Im Jahre 1890 erhielt die Gesellschaft vom Herrn Hofrath Albin von Hammer acht 
Steingeräte aus der Bukowina. Sie befinden sich, wie das von Petrino geschenkte, in den 
Sammlungen des k. k. Naturliistorischen Hofmuseums und werden weiter unten näher be- 
schrieben werden. 

Hatte die Anthropologische dresellschaft schon die in» Jahre 18t>0 erfolgte Eröffnung des 
Münzen- und Antiquitätencahinets an der Universität in Czernowitz und ebenso den vom Bericht- 
erHtatter in demselben Jahre angeregten Plan der Errichtung eines Ethnographischen Museums 
in Czernowitz mit Interesse zur Kenntnis genommen, so l>egrüMste die im Jahre IH92 die Be- 
gründung des Landesmuseums mit besonderer Sympathie und leitete mit demselben sofort den 
Schriftentausch ein. 

Endlich ist zu erwähnen, dass die Anthropologische Gesellschaft im Jahre 189'2 beschlossen 
hat, Ausgrabungen zu prähistorischen Zwecken in der Bukowina vorzunehmen, und in diesem 
Jahre durch den Berichterstatter diesbezügliche Verhandlungen mit dem Landesmuseum eröffnete. 

II. 

Die oben erwähnten St ein gerate aus der Bukowina, welche in den Jahren 1H70 und 
IHUO in den Besitz der Anthropologischen (Tesellschaft gelangt sind, l>efinden sich derzeit in der 
prähistorischen S<immlung der anthropologisch-ethnographischen Abtheilung des k, k. Naturhisto- 
rischen Hofmuseums. Es sind neun Objecte, welche dasellwt in einem (Jlaskasten aufge- 
stellt sind. 

Inv. Nr. 1990. .Streitaxtfragment aus lichtem, verwitterten mikrokrvstallinischen feldspat- 
und quarzhältigen (lestein, 7 cm lang, neolithisch, aus Czernowitz ; Geschenk des Freiherrn 
Petrino. Vergl. die Bemerkungen unten im Abschnitt HI. 

Inv. Nr. 15090. Feuerstein bei I nordischen Typus; 13 cm lang, 4 cm breit, neolithisch, 
aus Kuczurmare Geschenk des Hofrathe« Hammer. Diese .\xt ist verhältnissmässig schmal 
und dick, so dass ihr Kopfende (quadratisch ist. Man vergl. etwa bei S. Müller, Stenaldcren die 
Fig. 59. Die schmalen Seiten der Axt sind nicht geschliffen. 

Inv. Nr. 16091. Desgleichen, gleicher Typus, doch flacher; 10 cm lang, 4 cm breit, 
nf'olithiscli, aus Franzthal, Cieschenk de« Hofrathes Hammer. Diese Axt hat ein rechteckiges 
Kopfende ; vergl. etwa Fig. 02 bei Müller a. a O. Sie ist weniger sorgfältig geschliffen als die- 
jenige unter 15090* an den schmalen Seiten ebenfalls ungeschliffen. 

Inv. Nr. 15092. Mittleres Bruchstück eines durchbohrten Steinhammers aus Diorit; 
5 7 cm lang, neolithisch. aus Kaczyka, (ieschenk des Hofrathes Hammer. 

Inv. Nr. 15093. Fünf Feuersteinspäne (Messen <»b — 11 cm lang, neolithisch, aus Kirli- 
baba, (beschenke des Hofrathes Hammer. 

Erwähnt sei noch, dass im Arcliiv der prähistorischen Samuilung Fase. XIII (Bukowina) 
eine Copie der bekannten Karte der Fundstellen prähistorischer Gegenstände in der Bukowina 
von D. Olinski-Ülinescu aufbewahrt wird. 

III- 

Es erübrigt uns noch auf jene Artikel in den Mittheilungen der .Vnthropologischen Ge- 
sellscliaft hinzuweisen, welche auf die Bukowina Bezug haben. Der besseren Uebersicht halber 
wiederholen wir hiel>ei auch die schon früher genannten. 

O. von Petrino, Steingeräte aus der Bukowina I, 109 f. — Bericht über eine Steinaxt 
aus Syenit aus Suczawa, ferner eine im Jahre 1805 in Kisseleu gefundene Steinaxt, über zwei Aexte 
aus Mamomitza und endlich über das oben genannte Steinaxtfragment aus ('zernowitz. Freiherr P e- 
trino hat aus der Be.schaffenheit des Materials des letzteren (Gerätes, dem auch die in Kisseleu 
und Mamomitza gefundenen, an Aussehen geglichen haben sollen, besondere Schlüsse gezogen. Er 
glaubte aus dem Umstände. da.«6 dickes Materi'.il weniger hart und weniger tauglich erschien, auf ein 
besondere« Volk schliessen zu müssen, das diese (leräthe fertigte. Der Schreiber dieser Zeilen hat 
sich gegen diese Auffassung schon in seiner (teschichte der Bukowina (IhHH) I. 14 ausgesprochen und 
das Material jener Geräte als verwittertes Feldspatgestein erklärt. Diese Auf fjiasung ist gegen- 
wartig durch die vom Herrn Custos Szombathy am Objecte selbst vorgenommene und oben 
in .\l>schnitt II mitgetheilte Bestimmung als richtig erwiesen. Geräte aus deuiselben Material imd 



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74 Die Anthropologische Gesellschaft in Wien etc. 

gegenwärtig von demselben AiiHsehen finden sich x. II. auch in den Pfahlhauten des Attervr^ 
Erwähnt sei noch, dass von der Axt der untere mit der Schneide versehene Theil erhalten k 

Dr. Fligier erwähnt in einer Mittheiinng in XI, 100 das Vorhandensein von Kurlian^n- 
gräl>ern in der Bukowina. 

Dr. A. Weisbach*s Refenit über die von Major von Hininiel in der Bakowina a. 
200 Kuniänen und Ruthenen und 100 Israeliten vorgenommenen Körpennessungen. Miilhfi 
hingen XVIII, [8;^ f] Vergl. auch in XIX. 111 die von Weisbach auf Grund der Messung 
von Himmel ausgeführten Vergleiche unserer Rumänen und Kuthenon mit anderen ße^-olk- 
rungselementen. 

v. A nd rian-Werl»urg's Berichte ül»er die Bukowina in XIX, [H], XX [33], XXI H 
und [19|, XXII [-22] und [28 f.], endlich XXIIl [48 f|. 

B. Karpeles, Beiträge zur Statistik der Zigeuner in Oesterreich; mit besonderer B<- 
rücksichtigung der Bukowina. Mittheihingen XXI [31 f]. 

H. V. Kaindl, l'eber die ethnographischen und archäologischen Forschungen in der Bc 
kowina im J. 1890. Mittheilungen XXI [33 f]. 

V. A. Kom Stoffe r, Typen der landwirthschaftlichen Bauten im Herzogthume Buko- 
wina. Mit ft Textseiten-Illustrationen und einer Textfigur. Mittheilungen XXII, 103 ff. 

~'-i " ' 

• Am Schlüsse seiner Mittheiluugen gestattet sich der Berichterstatter, den Herren ('iii?tOilt- 
des k. k. Hofmuseums F. Heger und J. Szombathy, ferner den Herrn Assistfott 
Dr. W. Hein und Dr. M. Hoernes für ihr freundliches Entgegenkommen beim Zuwuiinitii- 
stellen des vorstehenden Berichtes seinen besten Dank auszusprechen. 
Wien, am 12. Mai 1893. 



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Das ehemalige Bukowiner Landesinuseuin,derSerether Museumverein und 
das Münzen- und Antiquitätencabinet an der Universität Gzernowitz.') 

Von Dr. Raimund Friedrich Kaindl. 

Das ohomalige Bukouiner Lande smuscimi 'j ist im .fahre l«r>3 Ijegründet worden, naelidein 
snlion sielien .Jahre vorlier die k. k. Central-Conmiission zur Erforschung und Erhaltung von 
kunst- und hi.HtoriHchen Denkniah'n in Wien durch die Ernennung einen Conservators die archU- 
ologiHche ForHchung im Lande angeregt hatte. ^) Die Theilnahme an der Vermehrung der 
Samndung war im Lande yehr rege, 8o dans das Museum mit dem Schhmse des .Jahres 1H71 
eine reiclie Fülle verschiedenartiger Ohjecte besass. Es befanden sich nämlich d.asell)st 4*2 aus- 
gestopfte Säugethiere mit liiezu gehörenden Skeletten und Präparaten), 205 ausgestopfte Vttgel. 
Skelette und Nester. 25 Amphibien und Fische, 673 lns<'cten, 441 («esteiue und Minemlien, 
iM» Molnsken, 52 andere Ohjecte (^Sonstige"), 47 Petrefacte, 10.') Alterthümer, CA) Medaillen und 
endlich 2.'i43 MUnzen und zwar: IS aus Gold, iKH aus Silber, 1551 aus Kupfer und 13 
aus Bronze. 

Fm Jahre 1871 war auch der Serether Museum-Verein gegründet worden, der in kurzer 
Zeit schon 100 Mitglieder zählte.*) Sein Zweck war, für das Landesmuseum Alterthümer zu 
.•sammeln, imd dieser Aufgabe ist der Verein unter seinem thätigen Obmanne .f. E. v. (i utter^) 
getreulich nachgekommen. Dem regen Eifer dieses Mannes verdanken wir eine reiche Fülle 
von Münzen, Alterthi\mern und fossilen (»ebeinen, die er theils an das Landtsmuseum ablieferte, 
iheils nach L.'ebergabe des-sellien an die Fniversität an diese sandte. ^) Nach seinem im Jahre 
\XHV» erfolgten Tode kamen zahlreiche Antitiuitäten aus seinem Nachlasse an den romanischen 
An-häologen verein, der in demsell>en Jahre in Czernowitz begründet wurde. Dagegen Ir-sie sich 
der Museum verein auf. 

Indessen waren im Jahre 1«77 die Sammlungen des Landesmuseunis der zwei Jahre zuvor 
erJiflneten Franz Josefs-rniversität übergeben worden. ') Da es dasell st aber an einem Kaume 
fehlte, in welchem die gesammte Sammlung hätte unterbracht werden kiJnnen, so wurde deu 
einzelnen Theilen derselben ein verschiedenes Los zutheil. 

Die M ü n z e n wurden unter Schloss imd Hiegel wohl verwahrt, und in gleicher Wei.se 
ist mit dem in den folgenden .Jahren einlaufenden (»eschenkon verfahren worder. Die fossi- 
len (t e b e i n e kamen an da« zoologische Institut und sind hier von J*rof. V. (»raber 
IT l?<i>2j sorgsam behandelt und üliersichtlich aufgestellt worden; durch spätere Erwerbungen 
vermehrt, befinden sie sich auch gegenwärtig in dem genannten Üniversitäts-Institute. *) Der 
dritte Theil der Sammlungen endlich, die Alterthümer, konnten am allerwenigsten ange- 

V) Vergl. Kaindl, Kleine Studien (1893) S. 5 «*. 

*) Vergl. Hauptbericht und Statistik fi\r das Herzogthum Bukowina für die J*eriode lHli2 
bih 1S7L Herausgegeben von der Bukowiner Handels- und (iewerbekannuer. Lemberg 1872, 
S. 3'.)«». 

'j Jahrbuch der k. k. Central-Commission 185r>. 8. 31». 

*) Hauptbericht S. 409. 

*» l'eber (^ u 1 1 e r vergl. V. P r e l i c z im Jahresberichte der rnterrealschule Sereth 1880.^ 

*) Vergl. den Bericht (1 u 1 1 e r's in den Mittbeilungen der k. k. (Vntral-Commission 1880, 
Notiz 21. Die daselbst genannten Fossilien und Alterthümer, und ebenso offenbar auch die 
Mimzen befinden sich richtig in den Sammlungen. 

') * Protokollarisches Verzeichnis der vom Landesmus?um der Bukowina übernommenen 
Alterthümi'r." (>zernovvitz 21. Mai 1877. (iezeichnet: (loldbacher, Vrba und Z a c h a r. 

•) Die merkwürdigsten Fossilien sind vom Schreiber dieser Zeilen in seiner (icsenichte der 
Bukowina, Czemowitz 1888, L S. (i angeführt worden. 



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70 Das ehemalige Bukowiner Landesmüsbum etc*. 

iiiei>8on auf l>ewahrt werden. Erst nachdem einzeliie Objecte verdorben oder verloren waren, ' 
wurden die Antiquitäten dem Prof. A. H a n d 1 üliergeben, der sie in einem (Jlaska^ten sorgfältig 
aufstellte. •) Im Jahre IHK«» gelangten sie wieder an die TniverHitätskanzlei zurück. 't Indejacn 
waren durch Zusendungen (tutter's einige neue (iegenstände hinzugekommen. 

Mit Beginn des Studienjahres IHSS war mittlerweile jener Theil des rniversitatsgebäadcK 
welcher bisher von der l^ehrerbildungHanstalt eingenommen war, in die Benutzung der l'niveraiu: 
übergangen. Hierdurch ist es dem l'rof. K. K a f u z n i a c k i. der im Studienjahre l>*Hy/W' 
Kector war, mr»glich geworden, die Krrichtung eines Münzen- und AnÜ4|uitäten-Cabin€tes ana« 
regen, auf welchen Vorschlag auch die Regierung einging. Ein Zimmer wunle eingerichtet, imd 
schon am 21. Juli 1S9Ü konnten die Münzen imd Alterthümer dem l*rof. f^oserth. der da; 
Custodiat übernommen hatte, übergeben werden. Die Abtheilung für Münzen bestand damal* 
aus 35H9 Münzen und Medaillen, is Wertnoten, l Notenphotographie und 3 (lenimen: dir 
Abtheilung für Antiquitäten aus «»*,♦ Nummer in HX Stücken. 

Mit grossem Aufwand an Zeit und Mühe widmete sich l*rof. Loserth der Bestimmung 
der M ü n z e n. Die Zahl derselben wuchs stetig zumeist durch Schenkungen, welche zun» grüs&ieo 
Theile durch den Herrn Custos persünlich veranlasst wurden; doch hat auch die Regierung DiMi 
der Landtag bedeutende Subventionen dem Cabinete zutheil werden lassen. Wie rasch die Saiußi 
lung sich entwickelte, kann man der folgenden Zusammensiellung entnehmen. 

21. Juli 1890: 3oH9 Münzen /die Duplikate mitgezählt), IS Werthnoten, 1 Notenphotograpbiir. 

3 Gemmen. 
29. Mai 1891: 2500 Münzen (ohne Duplikate u. s. w.), 20 VVerthnoten, l Xotenphotograph'h-. 

3 Gemmen. 
12. April 1892: 28(>3 Münzen (ohne Duplikate u. s. w.); Stand der anderen Objecte umer- 

ändert. 
29. Mai 1892: 3218 Münzen (ohne Duplikate u. s. w.^; Stand der anderen Objecto unrer 

ändert. 
1. April 1893; 3721 eingestellte Münzen, Medaillen und Jetons; fast 300 unbestimmte und nichi 

eingestellte Münzen; etwa 1000 Dubletten; 13 Bracteaten; Stand der anderen Gbjeci«' 

unverändert. 
Die Gesammlzahl der Münzen betrug somit am 1. April 1893 über .'lOOO Stück. Sie hat somh 
in etwa zwei und cinhalb Jahren um circa löOO Stück zugenommen, ein Krfolg, den wir allein 
den Bemühungen des Custos zu verdanken haben. Leider ist uns derselbe aber durch seine am 
l. April 1S93 erfolgte Berufung nach Graz entzogen worden. Das (^binet ist gegenwärtig 
geschlossen. ■*) 

Im Herbste des Jahres 1890 sind auch die Alterthümer durch den Schreiber diejw 
Zeilen geordnet worden. Im Laufe der Zeit waren die Zettel und Nummern, welche densell« 
beigegeben waren, theils verloren gegangen, theihi auch wohl verwechselt worden. Es galt somit 
nach Andeutungen der noch vorhandenen Zettel, ferner den .\ngaben eines im Jahre 1877 ie- 
gelegten Verzeichnisses, und endlich durch Vergleich mit einzelnen Berichten in den Mitthei- 
limgen der Central-Commission in Wien, die Bestimmung der Objecte durchzuführen. Es iÄ 
natürlich, dass dieselbe nicht in jedem Falle gelaug. Das Ergebnis dieser Arbeit ist in eintr 
vom Berichterstatter angefertigten und dem Cabinete übergebenen „Bestimmungs-Tabelle «it-r 
am 29. Mai 1891 im Cabinete der Universität Czernowitz vorhandenen Alterthümer** verzeichnrt 
An dem genannten Tage besass das Cabinet 70 Nummern in «t» Stücken; seither war die Zahl 



M Es ergibt sich dies aus dem \'ergleiche des Verzeichnisses vom 21. Mai 1877 mit deiL 
unten im Texte angeführten Stande der Sammlung bei der Eröffnung des Cabinetes an (^r 
Tniversität. 

*) Nach dem damaligen Stande sind sie zun» Theil in der eben citirten Geschichte der 
Bukowina beschrieben worden. 

') Protokollarisches Verzeichnis vom 17. Deccmber 1?«89. (iezeichnet von HandL 
E 1 t e r, r i e t s c h m a n n. 

*) Näheres über die Münzen des C'abiuets, insbesondere über die ultmoldauisichen, find*-* 
man in der „Bukowiner Rundschau'* Nr. 9+0 ilH9l) und Nr. 1273 (1893); ferner in der Komi 
nischen Revue IS90, S. «»50 rt". und in K a i n d 1. Kleine Studien S. ü fl*. 



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Das ehemalige Bukowineb IjAndesmuseum etc. 7? 

bis zum 1. April 1893 um 2 Nummern, Itestehend aus eben äo vielen Htuekeii geivaehsenJ) 
Dieser geringe Zuwachs findet seine Erklärung in dem Umt^tanrlt', daäs gteioliz^'itig mit d^in 
Entstehen des Cabiuets an der Universität die Sammlungen für im*f»r ^eplanti^fl n^ues Liinde^- 
inuseum ihren Anfang nahmen und die Alterthümer schon dniuaU ziirafi!*! dii^si^M ^Jigefilhrt 
wurden. Zufolge einer Eingabe der Museumsleitnng hat sclili**ssliüh aiti ü2. Mür/. \S\i3 der 
Senat der Universität beschlossen, alle im Cabiuete der lliiivertiitfit üitfgt'K teilten Alu^rthhmer 
unter Wahrung des Eigenthumsrcchtes dem Landesmuseum ah iihvTvfalmn, Die Uebergabc? fand 
am 7. April 1898 statt. 

Wien, am 14. Mai 1893. 



i-y^^ 



*) Ein Verzeichnis der (legenstände und die Beschreäbun^ ili»r murkvviirdiger(*n deß^tllM'O 
findet man l>ei K a i n d 1, Kleine Studien 8. 9 ff. Digitized by CjOOQIC 



Zwei Kreuze. 



Archäol ogiscli-vaterländiscJi-bistcriscbe Reminiscenz. 

Von Prof. Wilhelm Schmidt. 

Rührende Pietät für das Forterlien der VerraachtniHse der heinigegangenen Altvordern. Kx 
nicht allein in den stolzen Burgen, SchloKsern und Palästen altadeliger (»eschlechter und in dr 
stattlichen Häusern wohlhahender, lang angesessener Hlirgerfaniilien, wahre Schätze von (Jefffi** 
ätäuden zusammengebracht, welche dem Stoße, «ler N'eredlung dessellien durch die KunsL iui<'^^ 
und neWn der Lieh- und Werthhaltung des Besitzers, härfig auch durch historische Kemiü- 
ceuzen einen imschätzbaren Hort von sehenswertheu, höchst instructiven. alterthümlichen Cnri- 
sitäten bilden, die — leider — nur wenigen Auserwählten zu (iesichte konmien. vergönnt wird 
In der Oefi'entlichkeit besteht hierüber sehr häutig nicht einmal eine blasse Ahnung ui.^ 
deshalb entziehen sie sich in den meisten Fällen jeder, wie iuimer gearteten, eingehenderen IV 
sprechung. Sie sind für die Wissenschaft, für die culturelleu Ixückschläge der Zeugen vergaii- 
gener Tage, so gut wie nicht vorhanden und reihen sich in Folge dessen jenen bekla^nswertbe" 
Verlusten an, welche von habgieriger Plünderung zur Zeit an lauernder Kriegsliedrängnis. von dtfl 
Sturmfluten plötzlich heranbrechender (tewäsNcr. von schomiugslosen Flammen grosser Feoe^ 
brUuste, von den vulkanischen Eruptionen und wie die schweren uml verhängnisvollen Heimsuchniigfr 
des Krden- imd Menschengeschickes immer noch heissen mögen, veranlasst, auf das Kerbh"U 
bitterer I^lienserfahruugen zu setzen sind. 

In dem weitgezogenen Kreise der Letzteren l)egegnen wir. so weit auch un.sere Heimii. 
die Bukowina, der ehemalige Bestandtheil <los moldauischen Douaufürstenthumes, in die l^er.- 
pberie desselben hineingezogen erscheint, zwei unersetzliche i Verlusten von Erzeugnissen hufh 
gediehener Kunstentwicklung in der N'eredlung eines, bereits an und fi\r sich edlen Stoflies. l"^ 
meine, das Missgeschick, welches die beiden, historisc^h vielliesprochenen Kreuze des Fürae. 
Alexander L a p u s c h n e a n und der Suczawer griech. -orientalischen Mt- 
t r o p o 1 i e betroft'en hat und wohl zunächst in diesen Blättern einer kurzen Erwähnung thrfl 
haft zu werden deshalb verdient, um es klar werden zu la.ssen, mit welchen uuberecbenbiree 
Factoren wir es zu thun haben und wie verdienstvoll Beiträge zu Museumszwecken seien, weü 
es darum sich handelt, die todte Vergangenheit in die lebende (Gegenwart zu dem Ziele hernl»^ 
zutragen, um in die alte Zeit sich hiueiulel^n, belehrende Vergleichungeu anstellen, das be«Ä 
(Gebotene schätzen, zum Fortschritte sich aneiferu und rastlos fortwirken zu können auf dei 
nicht eben unbeschwerlichen Bahnen cultiu'eller, das Dasein verschönernder Entwicklung. 

Alexander Lapuschnean. welcher nach dem Erlöschen des Mannsstarome« ^ 
Dragoscluden, oder — wie die heimischen Chronisten bevorzugen -- der Muschat, durch y^ 
nisches Zuthun auf den moldauischen Fürstensitz gelangte und durch seine Vermählung nA 
Roxanda. der einzig lebenden Tochter Peters, beigenannt R.iresch, und Reprä.santanthi des aitn» 
Fürstengeschlechtes, der eigenen Erhebmig den 8temi)el der I^egitimität aufdrucken wollte, Ale- 
xander war nicht allein darauf bedacht, die trotz des Pfortentributes namhaflen Einkünfte 
seines Fürstenthiimes vorsorglich in der Schatzkammer oder Zccha von Venedig, mit vrelchrt 
Dogenstadt die M«)ldau stets regen Verkehr unterhielt, sicherzustellen, sondern er war zogleiiA 
ein mecäncnartig angelegter Freund und Fr»rderer von Kunst und Wissenschaft. 

In letzterer Beziehung hat es die Geschichte verewigt, dass er ein ausgesprochener IJehhtktf 
von seltenen und theneren Büchern gewesen sei Seine Vorliebe für die Schöpfungen der Kunst JeA*l' 
- - wenngleich hiel)ei der nationale Zug, mit Keichtbnm und Seltenheiten zu glänzen und iHg*" 
meines .Vufsehen auf sich zu lenken, mit verschmolzen war. bezeugt die bis auf uns g^**" 

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^.äsA 



Zwei Krbüzb. 79 

inene. dooumentarisch beglaubigte (leHhichte i\e^ von ihm bei den Herniannstädter Goldschmieden 
Ijestellten und auch fertig gewordenen Kreuzes. 

In Siebenbürgen war, unter den deutschen Ansiedlem des Landes, das Gewerbewesen 
schon seit 137r» nach festvereinbarten Zunft^^atzungen geregelt, welche darnach angethan waren, 
lUe Erzeugnisse jeder Innung tadellos uiarktgerecht zu gestalten und somit Ruf und Absatz 
siclierzustellen. Vor allem aber legte die (roldschmiedezunft in ihren Leistungen fast euro- 
paischen Ruf Geniessendes an den Tag. So war, um nur Eines Beispieles Erwähnung zu thun, in 
Stnijtsburg am Marosch, d. i. in (iross-Enved, ein, der Hermannstädter Goldschmiedeinnuug in- 
c-orporirter (»enosse der Erste, welcher eine ganz normal gehende Miniaturuhr in einen Ring 
fiipiste, wouiit Johann Sigisnnmd Zapolya die besondere (iunst des Grossultans für sich gewann. 
Kein Wunder daher, dass auch der moldauische Fürst nach einer ganz besonderen Specialität 
fürstlichen Schmuckes verlangend, an die (Toldschmiede zu Ilermaunstadt sich wandte, deren 
seltene Kunstfertigkeit früher bereits von den moldauischen Fürsten vielfach war in Anspruch 
^^onommen worden. 

Seine Hoten übergaben dem Hernuinnstädter Zunft- oder Gildeuvorsteher der Goldschmiede 
imn das Edelmetall, die Perlen und das Edelgestein zur Herstellung eines Kreuzes, dessen 
Kinge mit Perlen besetzt sein sollen. An Arbeitslohn wurden 300 Gulden deponirt und das ge- 
lieferte Werk, nachträglich, auf die zu jener Zeit riesige Summe von 80.000 Gulden Werthes 
tce^ichätzt. Fürst Alexander bekam es jedoch nie zu (lesichte, viel weniger in Besitz. 

Johann Sigisnnmd Zapolya behielt es wegen der in der Moldau durch den von ihm ge- 
bansten, aljeuteuerlicheu Prätendenten um das Fürstcnthum, durch Heraclides Despota veran- 
la.sstcn, Alexanders Vertreibung nach sich ziehenden Fnruhen im Lande, wohl in der Absicht, 
dasselbe, wenn die von ihm Job. Sigismund Zapolya) bei der Pforte waruj befürwortete Wieder- 
oinsetzimg des gewaltsam Depo.ssedirten gelingen sollte, dem Eigenthümer zustellen zu lassen, 
was jedoch nicht hinderte, bei dem Besuche des Sultans Suleiman zu Belgrad mit diesem um 
<lcn Hals gehängten Kreuze zu erscheinen, dessen Kostbarkeit und kunstfertige Herstellung 
zierten es doch unter Anderem Neun Diamante nebst Vier Rubinen ungewöhnlicher Grcsse, - den 
prachtgewohnten, grossherlichen HJ^flingen und Würdenträgern Rufe 'des Erstaunens und der 
Bewunderung entlockte. Hierauf übergab er das Kleinod der Huth des Hermannstädter Stadt- 
rathes fli>r»*2), in dessen Verwahrung es bis auf die Zeiten Sigmund Bathory's blieb, dem 1571 
die zu Mediasch NTrsammelten siebenbürgisclien Stände dieses Kreuz, über flehentliches Bitten, 
zur Tilgung seiner Schulden überliCvSsen. Mit welchem Rechtstitel und warum .\lexander nach 
>einer Wiedereinsetzung oder seine wegen Erfolglassung seines Nachhisses aus der Zecha 7a\ 
Venedig nicht müssigen Erben, nach seinem T«)de die W^iedererlangung dieses Schatzes gar nicht 
oder vielleicht vergeblich verfochten, darülier fehlen alle verlässliehon (^iiellenberichte gerade so 
sehr, wie über die weiteren Schicksale dies<'S hochberiihmfcen K'uister/eiignis.ies, 

G'anz genau gleichzeitig wenden sich die Blicke des (Jeschichts- und Kunstfreundes einem 
anderen Kreuze zu, welches den hohen Schmuck und, traditionell, einen der wesentlichen \u- 
ziehungsgegenstände der Suczawer Metropolitankirche für die frommgläubige Menge l>ildete. 

Wir wissen aus den chronistischen l'eberlieferungen anderer Länder, was ein solches 
Kreuz zu bedeuten hatte, wie zugleich, welch grossartigen nuiteriellen Werth es repräsentirte. 
Das Pretium aflTectionis war dabei sicher aller Berechnung entzogen. Erzählt doch die verbürgte 
Tradition, da.ss einzelne Domkirchen Eurojia's aus.ser unzähligen Votivgeschenken in (iold und 
Silber, an denen Edelsteine funkelten, auch kostbare Geräthe, Gewänder, Teppiche und C'ruci- 
tixe besassen. die, mit (loldplatten überzogen, in der lebensgrossen (iestalt des Gekreuzigten, in 
Gold und Juwelen gefasste Reli«|uien in sich schlössen, so dass nur das tToldgcwichtdes Ganzen 
in Mainz z. B. Sechshundert^ Pfund betrug; ein ähnliches, mit feinster Filigranarbeit ver- 
liehenes, unschätzbares Kreuz bewahrt noch heute die Kathedrale von Hildesheim. 

Dieses c o 1 1 o s s a 1 e , silberne, nach dem Herkommen der gr.-or. Kirche, der Figur des 
de« Gekreuzigten entbehrende Kreuz, dem zur Seite zwei, verhältnismässig grosse, gleichfalls 
i^ilbeme Leuchter standen, hatte der. nach Verdrängung Alexander's zur Herrschaft gelaugte 
und zur Festigung derselben durch bewaffnete Macht in Geldnoth belindliche Usurpator Hera- 
dides an sich gezogen, um es dur<"h den herbeigerufenen Hermannstädter Münzer, Wolf^ zu j 

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80 Zwei Krbuze. 

Thalern umwandeln zu lassen, welche Münzsorte, gerade zu diej»er Zelt, durch die von dem 
Grafen Schlick zu loachimsthal geprägte Geldsorte war in Umlauf gesetzt worden. 

Dieser* kirchenschänderische und kirchcnräulierische Vorgang, welcher bei des Despiien 
hoch tragischem Ende wesentlich verhängnisvoll mitwirkte, schien den Zeitgenossen derart unge- 
heuerlich, dass die hervorragendsten und einflussreiclisten Persönlichkeiten aller linder — w\i 
noch vorhandene Correspondenzcn derselben ausser Zweifel setzen — alle Mühe und sell»^i 
namhafte Kosten sich nicht reuen Hessen, um in den Besitz einzelner Exemi>lare dieser vom 
Landesclerus unter Bann verprmten Münze zur wechselseitigen, werth vollen Beschenkung. zu gelang«! 

So gehen unschätzbare Kunstwerke rettungslos im Strome der Zeiten unwiederbringlicl» 
verloren und eben ihr tief beklagenswerther V^erlust legt uns die Mahnung und Pflicht nilw- 
nach allen Kräften mitzuwirken, dass von solchen Gegenständen gerettet und erhalten werde. 
was eben noch zu retten und zu erhalten uns vergönnt ist, um durch systematisch geordn^tt 
Zusammenstellung derselben, wie solche nur ein „viribus unitis** zu Stande gebrachtes Lande? 
museura bieten kann, einen höchst instructiven Blick in die Cultur- und Sittenverhältnisse dfr 
in der engsten Heimat sich abwickelnden Folgenkette jeweiliger, durch den allbeherschendea 
(ieist der Zeit oder durch zwingende Verhältnisse derselben eingetietene Phasen der social«' 
Entwicklung nachgehen zu können, zum Steigern des in uns mächtig pulsirenden Triebes tu 
höherem Aufschwünge. 



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Vermischtes- 



(Die feierliche Eröffnung der Sammlungen) des I^ukowiner Landesmuseums fand imi 
Sonntag, den 14. Mai 1893. 11 Uhr vormittags, in Anwesenheit des k. k. Kegierungsi-urlifS 
.J. S t r o n e r als Vertreter des am Erscheinen verhinderten k. k. Landespräsidenten Frriherni 
V. K r a u s 8 . dann des gr.-or. EncbischofB Dr. Sylvester M o r a r i u - A n d r i e w i e i£ . des 
k. u. k. Brigadiers und Militärstations-Commandanten, Generalmajors E. Kitter M a y e r von 
Marnegg, des Landwehr-Brigadiers, Generahnajors von J o r k a s c h - K o ch, des lülrgur- 
meisters Anton K o c h a n o w s k i Ritter von Stawczan, der Vertreter des Landesau88i"huH8**ii* 
des gr.-or. Consistoriums. des Czemowitzer Magistrates, der k. k. Franz-Josefs- üniversit;U, diT 
Biikowiner Sparcassa, der Mittelschulen, endlich von Landtagsabgeordnetf^n und Mitgliediern di*^ 
Museunisvereines durch den Obmann des C'uratoriums, I^andeshauptmann Johann Lupul, r^Uilt- 
In seiner Ansprache begriisstc Letzterer die Erschienenen, hob die besondere Bedeutung tWs neu- 
gegründeten Museums in archäohigischer, etlmographischer, euUur- und naturwissenschiirtlieher 
und kuDsthistorischer ]{e/jehung hervor, indem er dieser scliönen Institution im Lande dn^ beste 
Gedeihen wünschte. Mit einem dreimaligen, von den .Anwesenden niit Begeisterung auf^tHiosii- 
menen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser erklärteer <las Museum fUr eröffiiet. Schulrjith Ue- 
meter Isopescul gab sodann in seiner Festrede vorerst eine eingehende Darstellung der 
Entstehung des Bukowiner Laudesmuseums. wies auf die Unterstützung und Forderung hin, 
welche diesem Institute seitens des k. k. Ministeriums für Cultus und ünterriclit, der k. k. T.un- 
desregierung, des Bukowiner Landesausschusses, der k. k. ('entral-C'ommi.ssion für Kuusl- rmd 
historische Denkmale, des Bukow^iner gr.-or. Consistoriums, der anthropologischen Gesr-Ilsrluift 
in Wien, der hiesigen Sjtarcussa und einzelner Personen zu Theil wurde und sprach die llulT- 
nung aus. dass das Museum auch für die Zukunft allseitige Unterstützung Hndeu möge. Nsali 
Besichtigung der Sammlungen trugen die meisten der Anwesenden in das aufgelegte Getleuk- 
buch ihre Namen (38) ein. 

(Besuch der Sammlungen.) Für den öffentlichen Besuch sind die Sammlungen unenl- 
geltlich jeden Sonntag von 3 bis .") Uhr nachmittags zugänglich. Die grösste Besucherzahl war 
bis jetzt I4(} (am 28. Mai), die geringste 32 (am fi. August). In Summa besuchten an 15 Sonntagen 
1162 Personen das» Museum, so dass im Durclischnitt auf einen Sonntag 77 Personen entfallen. Au 
einzelnen Wochentagen wurden die Samudungen überdies noch für corporativeu Besuch geöfTnei. 
insbesonders den Theilnehmern des L Bukowiner Gewerbe-Oenossenschaftstages und den des 
Czernowitzer Sängerfestes, wovon 16',) Personen ihre Namen in das Besuchsbuch eintrugen, 
während circa 90 Besucher, mangels der nöthigen Zeit, dies nicht thun konnten. — Am 16, Augimt 
besnchte femer noch Herr Josef Szorabathy, Custos am k. k. Hofmuseum in AVieu das 
Bukowiner Landesmuseum, in welchem er eingehende Studien machte. — Die Gesammt^nbl der 
Besucher erreichte demnach im Zeiträume von 37^ Monaten die Höhe von mindestens 1 HSH Ks 
wäre wünschenswert, dass dieser ausserordentlich zahlreiche Besuch in der Zuknnft iinhalcpu 
würde. ^ , 

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82 Vermischtes. 

(Das SchaufU88*8Che Museum.) Im Wege des liukowiner k. k. I^iidespräsidiam» Irt 

Director C a in i 1 1 o SchaufuBs seine von 8eineni Vater und ihm '^usammengeätelilaSt 5* 
Colin an der Elbe befindlichen, mit '1- UU 300.000 Mark bewertheten Haramlungen. zum gr^tssenc 
Theile naturhit*torischer Objcete, dem Hukowiner Landesmuseum als Schenkung angeboten uatfr 
der Bedingung, dass das Bukowlnor IjandeHuiuseum Sorge trägt, die Sammlungen unter der OiivB' 
tion von Schaufuss aufzustellen und zu conserviren. Teber die Annahme dieser werth\xī 
Schenkung, welche allerdings nicht unbedeutende T'nterhaltungskosteu erfordern durfte, wird d« 
Curatorium des Landesmuaeums zu entscheiden haben 

(Vereinigung des Bukowiner Landesmuseums mit dem Bukowiner GewerbemaseHL) 

Vom ('uratoriumsuiitgliede beider Museen, Herrn Nicolaus Kreiherrn von M u t« t a t s a , gini|r 
die Anregung aus. die beiden hiesigen Museen räumlich zu ven^inigen, in der Art, dasf* d» 
vom (j'enerbemuseum geplante Musealgebäude eine solche (Grösse erhalten solle, dass in dHir- 
selben auch die Sanmdnngen des Landesmuseums für immer und kostenlos untergebracht wrr- 
den können. Eine Besprechung von Vertretern l)eider Museen am 7. Mai d. J. ergab, d^^m Art 
(»edanke nicht nur durchführbar sei, sondern dass es aus vielerlei (rründen im einioentea la- 
teresse beider Institutionen gelegen wäre, wenn derselbe zur Ausführung gebracht werden kr»Batl 
und es wurde nun über einstimmigen Beschluss dem Bukowiner Landtag eine Eingabe mde^ 
breitet, mit der Bitte, die Ausführung des Gebäudes durch Zuwendung einer Subvention t« 
lO.OUO zu ermr>glichen. Leider konnte der Bitte für heuer nicht willfahrt werden. — In d^ aa 
H. August unter Vorsitz des k. k. Liindespräsidenten Freiherrn von Krauss abgehaltenen CV 
ratoriumssitzung des (ieweriiemuseums brachte der Schriftführer des Landesmuseuma, Profe«* 
('. A. \\ o ni st o rf e r, die Frage der Unterbringung des Landesmuseums in dem zu errichteaalM 
(iewerbemuseumsgebäude zur Sprache, worauf seitens des Vicepräsidenten des Gewerbemnseiuö»» 
Ilaudelskammerpräsidenten F. ('. Langen h a n hervorgehoben wurde, dass die bereits begonnenr 
gemeinschaftliche Action behufs Ausführung des (iebäudes im nächsten Jahre auch ii 
der Folge eine gemeinschaftliche sein wird. C. A. R 




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JAHRBUCH 



des 



Bukowiaif £i%idt@-Mii@tims 



Zweiter Jahrgang, ^^^y; 

1894. !;■;' : ; ^.| 

(X-da.t e .A.-b'blld.-va.iigrea..) %,^ •' '^ *^ 

Redactions-Comit^ : 

E. Maximowicz, A. Mikulicz, Dr. J. ^olek, 

(Ouratoriuiiis-Mitglieder) ' 

und 

C. A. Romstorfer, 




Czernowitz, 1894. 

C o n c. T y p o- u. L i t h o g r. den E r z I». S i 1 v. M o r a r i n - A n d r i e w i c z. | 

Verlag des Bnkowiner Landcs-Museums. 



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JAHRBUCH 



des 



Zweiter Jahrgang. 

1894. 

Rodactioiis-Comite : 

E. Maximowicz, A. Mikulicz, Dr. J. Poiek 

(Curatoriums- Mitglieder) 
und 

C. A. Romstorfer 

(Schriftführer). 





Czernowitz 1894. 

Conc. Typo- u. Litliogr. des Erzh. Silv. Mor ariu- A n <l r i p tv m'/. 



Verlag des Biikowiner Landes-MuBeums. 

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Für den Inhalt der Artikel sind die Verfasser allein verantwortlich. 



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Die ehemalige russische Münzstätte In Sadagdra. 

Vortrag, gehalten in der Hauptversammlung der Mitglieder des Bukowiner 
LandeS'Museums am 6 Mai 1894, von Dr. J, POLEK. 

Die Einmischung dei' Czarin Katharina II. m che Ang(*legenheit(»n Polens 
ftihrtc im Herbste 1768 zu einem Kriege zwischen der Türkei und Russhmd. *) 

Die eigentHche Action begann im Frühjalu^e 1769. Die Russen waren vom 
Glück begünstigt Sie besetzten am 21. September die Festung Chotin, naiimen 
fiinf Tage später die Hauptstadt der Moldau, Jassy, ein und bemächtigten sich 
am 17. November desselben Jahres Bukarest's, der Hauptstadt der Walachei. 
Beide Donaufüi-st^ntlmmer huldigten der Czarin. 

Wemigleich Katharina II. damals luu' scherzweise d^m Feldmarschall Ru- 
manzow sclmeb, er solle ihr doch, imchdem sich schon beide Hospodaren in 
Petersburg befänden, auch den Grossvezier und, wenn mögUch. selbst den Sultan 
als Kriegsgefangenen schicken, so war sie doch im Enist entschlossen, den Krieg 
bis zur völligen Niederwerfung der Türken fortzusetzen. *) 

Der zweite Feldzug (1770) war ganz darnach angethan, die Czarin in ihren 
Hoffnungen zu bestärken. Die Russen siegten nämlich zu Wasser und zu Lande 
und nahmen den Tüi'ken die meisten Festungen diesseits der Donau weg. Aber 
jetzt envachte die Eifersucht der Nachbarn, besonders Preussens, Fi-ankreichs und 
Oestenrichs. Friedrich der Grosse ennahnte am 4. Jänner 1771 die Kai- 
serin Katharina, allen Absichten auf die Krim sowie auf die Donaufürstenthümer 
zu entsagen ; dränge man die Pforte zu sehr, so könne es, meinte er, leicht 
geschehen, dass diese Macht sich dem Wiener Hofe in die Anne werfe.*) Auch 
in Russland hielt man den Bruch mit Gestenreich für nicht imwahrscheiidich, 
Katharijm IL wusste ihn aber diu-ch die Vereinbarung in Betreff Polens hint- 
unzuhalten. 

Die erste Theilung Polens ei'A^eckte bei der Pforte che Besorgnis, djiss auch 
in Betreff ihrer zwischen den Git)ssmächten Vereinbanmgen geü'offen seien. Sie 
war daher gerne zu Friedensunterhandlungen geneigt. Trotzdem verhelfen die 
riougresse zu Fokschan (im Juli 1772) und Bukarest (im Herbste desselben Jahres) 
nsultatlos. Nach neuen Niederlagen streckt*»n die Türken endlich doch die Waffen, 
und Russland begnügte sich im Frieden zu K utschuk- Kai nard sehe 



*) Üeber diesen Krieg siehe Hammer, „Gesciüchte des Osmanischen Reiches**. IV. Bd. 
2. Ausg. Pesth 1830, S. 570 ff., Herr mann, „Geschichte des russischen Staats". V. Bd. 
Hamburg 185a, S. 607 ff. and Brückner, „Katharina die Zweite«. Berlin 1883, S. 269 ff. 

*) Brückner, a. a. O. 8. 276. 

^) Ebenda, 8. 291. 



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4 POLEK : 

(21. Juli 1774) mit den Festungen Kertsch und Jenikale, mit Kimbum und 
Asow samnit Umgebung und mit der freien Scliiffahrt auf dem Schwarzen Meere. M 

Der Entschluss, die Türkei bis aufs Aeuserste zu bekämpfen, legte Katiia- 
rina II. den Gedanken nahe, ihr Heer auf dem kürzesten Wege mit dem Solde, 
insbesondere aber mit der mangelnden Seheidemünze zu versorgen. Sie ord- 
nete die Errichtung einer Münzstätte in der Moldau an und betraute mit deren 
Ijeitung den Ostseeländer Peter Freiherrn von Gartenberg (niss. Sada^cSrskii- 

Gai-tenberg fand sich im Herl)ste 1770 in der Moldau ein. Seine nächst«' 
Aufgabe war, sich den zur Anlegung der Münzstätte geeignetsten Platz auszu- 
suchen. Ohne Zweifel kam es dabei ausser dem Holzreiclitlmm ijislx*sondere auf 
die grösstmögliche Sicherheit vor dem Feinde an. Diesen Bechngungen entsjiracL 
am besten die Czernowitz gegenüber Hegende, damals mit undurclidringlicliem 
Ui-wnld bedeckte Pi*utheb(*ne unweit Kohozn«, dessen Besitzer gegen ein ontspn*- 
chendes Entgelt in die Anlegung der Münzstätte willigten. *) 

Die Ankönnnlinge verbreiteten bald reges Ix^hen in der bisher nur von 
Wölfen bewohnten Gegend. *Die alten Buchen wimlen gefällt, das Gestrüpp 
ausgehauen uiul der Waldgnmd urbar gemacht«. An dem Bache Tarnawa wunU- 
die Münze aufgebaut, und nahe dal)ei richt<'ten die Arbeiter ihiv Wohnun^ren 
her. GartcMilKTg's Ijeutseligkeit sowie die gmvisse Aussicht auf guttMi Venlieml 
locküMi alsbald auch HandwerkcT und tiewerbsleute herbei, die sich gleichfalk 
wo es ihnen beliebte, häuslich niederliessen und sowohl in Sadagöra — di(^ni 
Namen scheint die Colonie von alh^m Anfang an gi^führt zu haben — als anili 
in der Umg(»bung lohnende Arbeit fanden. '') 

Die Münzstätte war ^kaiserliche; ti*otzdem hatte Gartenberg hinsichtlich 
der Prägung fast völlig freie Hand. Er übernahm vom Staate die erbeuteten 
tüi*kischen Kanonen und liefeiix3 von den daraus g(»prägten Münzen eine dem 
Preise des Mati?rials entsprechende Menge an die Kriegscasse ab. Den Ri*st d«^- 
Münzen komite er b(»hufs Hereinbrigung der Prägungskosten durcli eigens von 
ihm im Lande ^aufgestellte Ijeute«^ gegen Gold und Silber wechseln; dcK'h sollti' 
die Gesannntsunnne des von ihm geprägten (ileldes den Betrag von 2 Millionen 
Rubel nicht übei^steigen. *) 

Die Sadagörer Münzen wurden bald zu einer drückenden Last für die 
Bevölkennig der beiden Donaufürstenthümer. Abgesehen davon, diiss sie in Bezug 
auf die Qualität des Materiah^s und des Gewichtes innner schlechter wurden, 
machte die in Undauf gelmichte Sunnne den Betrag von 3 Millionen RuIk4 aus. 
Das geschah, ohne dass Feldmai'schall Rumanzow, von dem »alles« abhieng. 
warnend oder sti-afend eingriff. Aber auch die übrigen Officiere sahen nicht nach ; 



1) Ebenda, S. 305. 

') In der Regietratur der k. k. Bukowiner Landesregierung beßndet sich die Copie einer 
aus dem Moldauischen ins Lateinische übersetzten Urkunde (Copia ex idiomate Moldavico in 
Latinum trauslata), worin die AntheUsbesitzcr von Koho/.na : Michahiki Krakalie, Gregorius ßrinzan. 
(Jabriel Kasaczeskul und Manoli Potlog aussagen, dass sie Baron Gartenberg für die Benutzung 
ihrer Erbgüter schadlos hielt (dabat ali(|uam partem ex nostris bonis haereditariis). 

^) Wi c k e n h au ser, die deutschen Siedolungen in der Bukowina. L Bdch. Czernowitz 
1885. S. 53 ff. 

*) Feldmarschallieutenant Vincenz Freiherr v. Barco an den Hofkriegsrathsprasidentev 
Grafen A. v. lladik, Jassy, 12. Jänner 1774 (bei Werenka, Bukowina's Entstehen und Auf- 
blühen. Wien 1892. S. 69.) 



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Die EHBMALiaE russische .Münzstätte in Sadaoöea. 5 

war ja die Sadagörer Scheidemünze nur für die Mainischaft bestimmt, während 
sie selbst iliren Gehalt in Gold und Silber diiect aus Russland bezogen. Sie 
mochten aber auch darum geschwiegen haben, weil sie »directe durch die dritte 
Hand« an dem Münzgewinne Antheil nahmen. So half sich den» die Bevölke- 
rung, so gut sie konnte. »Von der Zeit, wo dieses scidechte Geld mehr kenntbar 
worden, nahm sie es nicht mehr zum Xeiniwerte an, so dass zu Anfang des Jahres 
1774 v.n der Münzstätte 7, an anderen Oilen 6 fl. Scheidemünze für den Uu- 
caten gegeben wurden. *) 

Der schlechten Sadagörer Münze ist es auch zum Theile zuzuschreiben 
wenn sich die Zuneigung, deren sich die Russen zu Anfang des Krieges in den 
Donaufurstenthümern zu erfreuen hatten, zuletzt in Abneigung verwandelte ; 
mussten doch (he Kaufleute und Bojaren vom Divan zur Umwechselung 
der zur Zeit des Ausmai*sches der Russen in der russischen Kriegscfisse befind- 
lichen 800.000 fl. Scheidemünze dm'ch Execution gezwungen werden. *) That- 
sächUch gieng danmls der letzte Rest an Gold- und Silbennönzen aus dem 
Lfiwide, und es trat eine solche Geldnoth ein, dass alle Producte wie nie zuvor 
im Pn»ise sank(»n. ') 

Mit der Beendigung des Krieges fiel auch die Nothwendigkeit des Bestandes 
einer russischen Münzstätte ausserhalb der Grenzen Russlands weg. Die Saxla- 
görer Munzbeamten fiengen übrigens schon im April 1774 ihre Habseligkeiten zu 
verkaufen an. Jedesfalls war das Münzamt zur Zeit des Einmarsches der ösU^i- 
reichischen Truppen in die Moldau, d. i. am 81. August 1774, schon aufgelassen; 
denn am 4. Septem Ixn* 1774 bot ein gewisser Doering, so zu Satakura (Sada- 
göra) des Baron GartU^iberg sein ganzes Werk gefnbret, ein vernuigender Mann<v, *) 
dem Fehhnarschallieutenant Baron B a r c o eine Quantität von 5 bis 6000 Cent- 
neni Kanonenmetalls zum Kaufe an. ^) 

Die Sadagörer Münzen geben von der jeweiligen SU^llung Russlands zu 
den Donaufurstenthümern Zeugnis. Im Anfange äussert sich darin die Freude 
des Siegers und dessen Entschluss, diis Erob;»rte zu behalten; dann aber nehmen 
sie immer mehr moldauisch- walachisches Gepräge an. ^) 



>) Ebenda. 

») Bar CO an Hadik, Jassy, 6. December 1774. (Ebenda, S. 154.) — Vgl. auch Urica- 
riiil, hrag. von Theodor Codrescu, T. VI. (Jassi 1875,, 8. 430 f. 

*) Näheres bei V. A. Urechiä, „Memoriü asiipra periodei din istoria Rom&niloru de la 
1774__1786« in „Analele acaderaiei romane". Seria IL, Tom. XII. Bucuresci 189J p. 700 f. 

*) Barco an den cominandirenden General von Galizien FZM. Freiherr v. Ellrichshausen , 
Jskssyy 6. September 1774. (Werenka, a. a. O. S. 124.) 

*) Das Schreiben trägt die Aufschrift: Proraemoria an Ihro Excellence den Herrn General- 
lieutenant v. Barco und lautet: 

Bei Euer Excellenz wird hierdurch angefraget, ob Sie von einer Quantität ciroa 5—0 m. 
(5 bis 6 Tansend) Centner Kanonennietalle einen Gebrauch zu machen wissen. Den Wiener 
Centner liefre ich bis am Dniester für 10 :^ ^Ducaten); im zweiten Fall aber, wenn man für 
dero Hof fertige Kanonen nach vorgeschriebenem Kaliber inclusive aller Kosten verfertigte, 
könnte (ich) solches den Centner zu fünf unddre issig Ducaten liefern. 

Ich erwarte über beide Fragen von Euer Excollenz auf das baldigste Resolution. Sada- 
gnra den 4. September 1774. J. A. Döring. (Siehe Werenka, a. a. O. 8. 122.) 

«) Vgl. die Abbildungen 1 und 6. 



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6 



Polek: 





Bis jetzt kennt man 28 Typen dieser Münzen, nämlich: 4 Medailleii, 
4 silberne Prol)est(Mnpel ans den .Jahren 1771, 1772 und 1778 und 15 verschie- 
dene Kupfennunzen aus den Jahren 1771 bis 1774. ^) 

Am häufigsten sind die Münzen aus dem Jahre 1772 und 1778, seltener 
kommen die aus dem Jahre 1774, am seltensten die aus den Jahren 1771 vor. 

Im Jahre 1771 
wurden Fönfko- 
peken-, Dreiko- 
peken- und Drei- 
dengi- (oder auch 
Pard-)Stucke, in 

den folgenden 

Jahren nur Zwei- 

para- (Drei ko|K?- 

ken-) und Para- 

Fig. 1. (Dreidengi-) 

Stücke geprägt. — Den ältesten Tj7)us zeigt die Abbildung 1. ^) 

Die Mitti^ der Haui)tseite dieser Münze ninnnt eine Säule ein, an dert*n 
oberen, mit dem Herzogshute gekninU'n Ende innerhalb eines ausgeschweiften 
Zierrahmens ein ovaler Schild mit der Namenschiffre Katharina's II. (E IL iji 
einander gestellt) zu sehen ist. Hinter der Säule sind Waffen und Fahnen, an 
ihrem unteren Ende (rechts) eine Trommel und <lie Fasces mit dem Beile, (links) 
ein Kanonein*ohr und Lanzen gruppiert. Das Ganze ruht auf einer Doppelleist*' 
auf, unter der die Jahreszahl 1771 steht. 

Auf der Rückseite erscheint der gekrönte nissische Doppeladler mit Scepter 
und Schwell. Unterhalb der Fänge des Adlers nimmt man zwei ovale Schilde 
mit d(»n Wappen der Moldau (()chs(?nkopf) und der Walachei (auf einer Zackon- 
ki-one stehender Adler mit dem Kreuz im Schnabel und dem Halbmond zur Recht^Mi) 
wahr. Im Abschnitt, der auch hier durch eine Doppelleiste und zwar in gleicher 
Höhe wie auf der Hauptseite von der bildlichen DarsteUung getrennt ist, steht 
die Wertzahl: 5 Kou'beK'k (Kopeki) und unter dieser ein S, d. i. der Anfangs- 
buchstabe des Münzmeisters (Sadagörski) oder des Pi-ägeoites (Sadiigöra). *) 

Der älteste» Typus der kleineren Scheidemünze, des Dmdengistückes 
(= IVa Kopi»keii oder = 1 türk. Para), dürfte in Figur 2 (bei Chaudoir Nr. 3), 
zu erbHcken sein. 



*) S t u r d z a , Uebersichl der Münzen und Medaillen des Fiirstenthums KiimKnien. 8ep. -Ab- 
druck aus dem IV. Bande der „Numismatischen Zeitschrift **. Wien 1874, S. 84. 

•) Die .\bbildungen sind bis auf Nr. 5 und (5, denen Münzen aus der Sammlung des 
rumänischen archäologischen Vereins (derzeit im Rukowiner Landesmuseum) zur Vorlage dienten« 
nach Tafel 41 (Partie 11) in Chaudoir's Aper<;u sur les mounaies russes et sur les roonnaies 
etrangeres qui ont eu cours en Russie (St. Petersbourg lS3(i) hergestellt. 

') IrrthllmÜcli liest .los. Neu mann in seiner „Beschreibung der bekanntesten Kupfer- 
mfinxen** (I. Bd. Prag 18.')S, S. 102) 5 statt S. Hier sei noch erwähnt, dass die obbeschriehene 
Münze auf der von Cesarc Bolliac unter dem Titel «Daco Romane** herausgegelienen Tafel 
(Fig. 127) ohne Mi\nzzeichen abgebildet ist. Ob Iclztere Darstellung auf einem Versehen lieruht« 
oder ob sie einen neuen Typus veranschaulichen soll, wage ich nicht zu entscheiden, da mir 
bisher weder die eine noch die andere Münze zu Gesichte gekommen ist. 



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Die ehbmaligb russische Münzstätte in Sadaoöra. 







Die Hauptseite dieser Muiize enthält in der Mitte die gekrönte Namens- 
chiflfre Katharina'« II (E II), im Abschnitte die Jahreszahl 1771. Auf derRück- 
Reite ist der gekrönte russische 
Doppeladler mit Sceptt^r und 
Schwert und den obbe- 
schriebenen Wappenschilden, 
hier jedoch nicht unter den 
Fängen, sondern auf der Brust, 
dargestellt Im Abschnitte steht 

als Wertangabe 3 ;i,EHrM Fig. 2. 

(Dengi). 

Aus demselben Jahre stimmen auch die von den fiüheren sehr stark ab- 
weichenden Typen 8 — 5. 

Bei Figur 3 (Chaudoir 
Nr. 2) fällt zunächst die Um- 
schrift auf, die uns sowohl auf 
der Haui)t- als Rückseite ent- 
gegentritt Die der Hauptseite 
laut*»t: 3 ;i,EHrM 1771, die 
der Rückseite: UOÄJ[. 11 APA 
nOJlü (Mold. Para Polo). ») *^'g »• 

Aber auch noch andere Untei-scheidungsmerkniale sind vorhanden. Abge- 
sehen davon, diiss der Fui*stenhut nicht wie \m dem ei"stcMi Typus dieser Münze 
(Fig. 2) auf dem E aufruht, sondern darüber schwebt und das E links, rechts 
und unterhalb mit je einem Punkt versehen ist, hält hier der Adler nicht Scepter 
und Schwert, sondeni Scepter und Reichsapfel in den Fängen. Ileberdies 
findet sich unterhalb des Adlers der Münzbuchstabe S. 

Noch weiter entfernt sich 
die hier und ebenso bei Chau- 
doir mit 4. bezeichnete 
Münze von dem ersten Typus 
des Dreidengistückes. Auf 

ihrer Hauptseite grupi)ieren ^ ^ j^ \ wt^lp^ 

sich 4 doppelte und gekrönte ^ <» V^ X.^Ä«aiPms 

E, gerade und verkehrt hi 
einander gestellt, kreuzförmig 
um die Zahl II. Die Rückseite zeigt den fast um die Hälfte verkleinerten 
Adler der unmittelbar vorher beschriebenen Münze (Fig. 3). Dieser letzteren 
Münze sind auch Weiiangabe (IIA PA — 3 ;i,EHrM) und Umschrift (MOJW: 
1771 nOJIO:) entnommen. 





Fig. 4. 



') Ich gebe die Umschrift nach Chaudoir's Darstellung wieder. Ist diese Lesung richtig, 
dann muss der Prägojtempel fehlerhaft gewesen sein; denn die Umschrift hat nur einen Sinn, 
wenn BOJIO (Volo = Voloskia oder auch Vo?oscyna) statt POJ[0 (Polo) steht. Nur so wird 
die Para als eine moldauisch-walachische oder der Moldau und Walachei angehörende Münze 
bezeichnet Oder sollte Chaudoir falsch gelesen haben? Das werden die glücklichen Besitzer 
dieser Münze entscheiden können. 



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8 



Polek: 



Ein ganz neues Bild bietet der vierte Typus des Dreidengistuckes aus dem 
Jahre 1771, wovon die Abbildung 5. ein Exemplar gibt, dar. Von der Haupt- 
seite ist die NanienschiffiTe der 
Czarin, von der Rückseite der 
nissische Adler ganz ver- 
schwunden. Dafür sind auf 
ersterer die Wappen schilde der 
DonaufÜrstenthümer, von dem 
Fiirstenhut bedeckt, ferner die 
Jahreszahl und die Umschrift : 
MOH. MOJi;ii. H BAJIAK 





Fig. 5. 



(Mon. Mold. i Wahik.), auf letzterer, der Rückseite nämlich, innerhalb eines 

Quadrates, dessen Enden fast bis an den Münzrand reichen, die Wertangabe: 

RAPA 3 ;tEHrH zu sehen. ') 

Mit dem letztbeschriebenen Typus hatte das Divideugistück die l)leil>ende 

Fonn erlangt. Nur in der Umschrift fand noch eine Abänderung statt, indem 

im Jahi-e 1772 an die St^^lle von BAJIAK. die Bezeichnung BAJIOCK. trat 

(Vgl. Fig. 6.) 

Im Jahiv 1772 taucht als grössere Münzeinheit dtus Dreikopekenstück 

(Fig. 6) auf. Es gleicht hinsichtlich des Gepräges ganz dem letzten T>t)us des 

Dreidengistuckes und ruft 
den Gedanken wach, ob 
diese Gattung von Sada- 
g6rer Münzen nicht die 
gleiche Wandlung wie 
letzteres dm'chziunachen 
hatte. Wenigstens leuch- 
tet nicht ein, dass neben 
dem total veränderten, fast 
ausschliesslich raoldauisch- 
walachische Symbole zur 





Fig. 6. 



Schau tragenden Dreidengistucke das Fünfkopekenstück von durchaus russischem 
Gepräge in Geltung geblieben sei. Hofften wir, dfiss ein glücklicher Fund auch 
dieses Räthsel lösen werde. 

Die Sadagörer Münzstätte war auch für den Guss von Glocken und leichten 
Geschützen eingerichtet. 

Sicher ist, dass im Jahre 1778 eine 20 '/^ Centner, im Jahre 1774 eine 18 
Centner schwere Glocke für die Klosterkirche in Horecza (bei Czemowitz) in 
Sadagöia gegossen wurde. 



') Eine solche Münze nnd zwar aus dem J. 1772 gibt Brllckner fa. a. O.) S. 119 wieder, 
begeht aber dabei den Fehler, dass er sie als „in .Jassy geschlagen" bezeichnet. 

Die irrige Meinung, dass während der .Jahre 1771—1774 neben der russischen Münz- 
stätte zu Sadagt'ira noch eine zweite solche Münzstätte, und zwar zu Jas.-^y, bestanden habe, ist 
auch in Humänien verbreitet. (Siehe Urechiä a. a O. p. 700.) Sie ist vielleicht dadurch ent- 
standen, dass Chaudoir (a. a. O. Partie I. p. 192j Sadagora eine „kleine Stadt bei Jassy* (pe- 
tite ville pres de Jassi) nennt. 



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DiB SHEMALIOE BUSSISCHE MÜNZSTÄTTE IN SaDAGÖRA. 9 

Die grössere Glocke trug »oben« folgende Inschrift: »»Mich hat gemacht 
Johann Chrisian Valentin von Sadgöra ini J. 1773«« (lat); »unterhalb auf der 
Bilder Wandung« war zu lesen: >»Zu Ehren der heiligsten Dreifaltigkeit und zu 
Preis der liochgelobü^n Jungfrau Maria in der Wohnstätt ihrer verehrten Geburt, 
genannt Horacza, ist diese Glocke gegossen worden in Sadagöra unter General 
Peter Pi*eihen'n von Gartenberg auf Kosten des geehrten Iguniens dieser Be- 
hausung Artimons Kiuizki im J. 1773« < (russ.). Die »oben am Haubenband« 
l)efindliche Inschrift der kleineren Glocke lautete folgendennassen: »»Mich hat 
gemacht Meister (Meistor) Johann Christian Valentin in Sadagöra im J. 1774«« 
(russ.); »unterlmlb« stand: »»Zur Ehre der Geburt der reinsten Jmigfrau ist 
diese Glocke gemacht durch Vater Ailimon im Kloster Horacza, Igumen dieses 
Klosters, unter dem Schutze des Herrn Fieihenn Gartenberg (FapTeMÖepKa)« (russ.). ^) 

Dass in Sadagöra auch der Kanonenguss betrieben wm*de, erhellt aus dem 
oben (S. 5) citierten Briefe Döring^s; noch deutlicher spricht hiefiur ein in 
dem k. und k. Kriegsarchive aufbewahrtes, weiter imten citieiles hofkriegsrath- 
liches Rescript vom 15. Mai 1776. 

Nach der Aufhebung des Munzamtes drohte der jungen Ansiedlung, die 
unter Gartenberg selbst die Marktgerechtsame besessen hatte, der Untergang. 
Er wurde nur dadurch aufgehalten, dass General Gabriel Freiherr von Spleny, 
der erste Administrator der Bukowina, die zurückgebliebenen Arbeiter, so gut 
er konnte, unterstützte. *) Spleny empfahl überdies die Ansiedlung dem Schutz 
und Schirm des Hofkriegsrathes und der Kaiserin. »Unter diesen Dörfern« (der 
Bukowina), schreibt er im Sommer 1775, verdient das sogenaimte Sadagura, 
diisH von selbem eine besondere Erwähnung gemacht werde. Es ist dies der Ort, 
allwo während letzten Krieg ein sicherer Baron Gartenberg die Russische Münze 
und mit dieser eine neue Coloiüe von verschiedenen, meist protestantischen Hand- 
werkeni und Handlangem mid zum Theil auch von Juden angeleget hat Da- 
selbst sind von eben diesem Münzamt einige der obspecificierten Gattung Leute 
zurückgeblieben, welche sich mm bei mir gemeldet haben, dass sie unter ge- 
wissen Bedingnissen, wonmter jedoch die PVeiheit der protestantischen B^ligion 
die vornehmste ist, standhafte. Häuser erbauen, Fabriken anlegen und so succes- 
sive eine königliche Frei- und Handelstadt errichten wollen.« 

»Weilen nun die Lage dieses angetragenen Städteis in Ansehung des an- 
zuhoffenden Comercii dergestalten situieret ist, dass die aus der Moldau, Walla- 
chei, daim aus der Brazlavischen Woiwodschaft, polnisch Podolien und aus dem 
Kiowisclien Gouvernement, nicht minder mit der Zeit die aus Siebenbürgen nach 
Galizien, Polen mid auch weiters handeln wollende Negotianten daselbst als in 
einem Mittelpunkt, theils passieren müssten, theils ohne grosser Detour passieren 



*) Wickenhaaser, Horecza. (Czernowitz 1880). S. 14. 

•) Nach Wickenhauser, „Deutsche Siedelungen" I, S. 60, gewährte er ihnen am 
7. Juli 1775 Gewerbefreiheit, genehmigte ihre städtische Verfassung und räumte ihnen „überdies 
6 Freijahre von allen Lasten und alle Vorrechte gleich den Städten Galiziens und Lodomeriens 
ein". Dagegen wird in der schon (S. 4) erwähnten Urkunde von den Erbherren (Heredes) 8ada- 
göra's hervorgehoben, dass Spleny den Ansiedlern die Befreiung von den gutsherrlichen sowohl 
als auch den landesft&rstlichen Abgaben auf drei Jahre zugesichert habe (. . . libere habitent ac 
ab Omnibus vectigalibus sint excepti l.credura. Simili modo ac caesaria vectigalia per spatium 
triam annoram illis remittuntur.) 



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10 Polek: Dib bhxmaliob bussisohb Münz3t1ttb ik Sadaoöba. 

hönnen» so scheint mir, dass der Antrag, aus benanntem Sadagnra eine könig- 
liche Preistadt zu machen, nicht allerdings zu verwerfen sei«. ') 

Diesen Antrag lehnte der Hofkriegsrath am 15. Mai 1776 mit dem Be- 
merken ab, »dass Sadagura wegen seiner nahen Lage an denen Grenzen niemals 
für eine Handelstadt ein gelegener mid angemessener Ort« sein werde, umso- 
mehr als die von Baron Gartenberg dahin gebrachten Leute nur solche Hand- 
werker seien, die er »zur Vermtinzung der durch die Russen 
eroberten türkischen Kanonen und Giessung einiger leich- 
ten Feldstücken habe gebrauchen können, mithin auf eine Commercial- 
gemeinde keine Rucksicht verdienen«.^) 

Trotzdem wagte es General Spleny kurz darauf noch einmal zu Gunsten 
der jmigen Colonie ein Wort zu sprechen. Mit Bezug auf obige Entscheidung 
schreibt er nämlich am 9. Juni 1776: 

»Endlichen solle mich in Betreff des von mir zu einer Handelstadt ange- 
tragenen Orts Sadagura in Anterthänigkeit üussern, dass sich daselbst einige 
Handwerker, als: Schmied, Maurer, Müllner, Wagner, Fleischer, Backe, Schuster 
und Schneider annebst einer Anzahl Juden allschon niedergelassen luid einige 
gute, der Militärsbequaiiiening angemessene Häuser bereits erbauet haben. Gleich 
wie sie nun von mir keine positive Verheissung gehabt, so wird es von aller- 
höchst^ai Orten abhängen, selbes als eine Stadt, Marktflecken oder Dorf zu be- 
trachten. Wahrhaft ist es, dass uns überhaupt dieses Örtel zum guten Behuf 
dienet; denn ausser obigen Handwerksleuten werden wir von da mit gutem Bier 
luid gutem Mehl versehen, anerwogen nur daselbst eine gute Beutebnfthl und 
ein Bräuhaus vorhanden, welche seit der Zeit der anwachsenden Colonie erbauet 
worden sind< . ') 

Aber auch diese Fürsprache war von keinem Erfolg begleitet, und so blieb 
denn Sadagdra ein Dorf, bis es auf Ansuchen des nachmaligen Besitzers Theodor 
von Mustatza mit Allerhöchster Entschliessung vom 7. Dec^mber 1801 zu 
einem Marktflecken erhoben wurde. *) Heute zählt dieser Ort circa 5000 Ein- 
wohner. 



> ■ I ? !■ S£ ®ji> I 1» ■ < 



') 8 p 1 ^ n y*B Beschreibung der Bukowina, hrsg. v. J. Polek. (Czernowitz 1893), S. 28 f. 

«) Ebenda, 8. 29. Anmerk. 2. 

«) K. u. k. Kriegsarchiv, Sect. II. 1776— 53— Öl. 

*) Wickenhause r, deutsche Siedelungen, I. 127. 



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Prähistorische Recognoscierungstour nach der 
Bukowina im Jahre 1893. 

Von Josef Szombathy, 

k. u. k. Cu8to8 am Naturhistorischen Hof-Museum in Wien. 

Je weiter die prähistorische Foi*8chuiig in den am Nordsaume der Kar- 
pathen gelegenen Ländern unserer Monarchie und in Russland fortschreitet, desto 
deutlicher sehen wir, dass der weite NordosteJi Europas während der vorrömischen 
Culturperioden eine von der mitteleuropäischen wesentlich verschiedene Entwicklung 
genonmien hat. Die Unterscheidiuig der grossen Perioden der Bronzezeit, der 
Erston Eisenzeit (Hallstattperiode) und der Zweiten Eisenzeit (Lat^ne-Periode) 
lji8st sich hier nicht mit demselben Rechte oder wenigstens nicht mit derselben 
Schärfe wie im Westen durchführen. Die Cultur ist hier viel länger als in 
Mitteleuropa auf der neolithischen Stufe stehen geblieben, hat dann eine relativ 
kurze, in den verschiedenen Provinzen verschiedentlich, theils von der nordischen 
oder ungarischen Bronzecultur, theils von der keltischen (Lat^ne-)Cultur des Westens, 
theils wieder von der barl)ari8iei't griechischen Cultur der Pontusländer beeinflusste 
Metallperiode durchgemacht, um endlich durch die Aufiiahme der von dem römi- 
schen Weltreiche ausgesti'euten Industrieproducte eine wenigstens scheinbare An- 
näherung an die westliche Cultm' zu eireichen. 

Es ist eine der anziehendsten Aufgaben für den Prähistoriker mit Pickel 
und Spaten zu untersuchen, in welcher Art und in welchem Maasse die einzelnen 
Provinzen an dieser Culturentwicklung theil genommen haben. Nebenher haben wir 
darauf zu achten, ob die Ausgrabungen nicht vielleicht doch Spuren für einen in 
sehr frühen Zeiten nördhch der Karpathen sich hinziehenden Strom orientalischer 
Einflüsse auf die nordische Bronzecultiu-, welchen Worsaae und Sophus Müller sei- 
nerzeit in den Kreis ihrer Erwägungen gezogen hatten, an das Tageslicht bringen. 
Galizien hat zu diesem mosaikartig sich aufbauenden Bilde der Vorzeit bereits 
manchen wertvollen Sünn beigetragen, während die Bukowina bisher in der 
Erforschung ihrer archäologischen Denkmäler einigermaassen zurückgeblieben ist. 
Es entsprach dem Arbeitspläne der Wiener Anthropologischen Gessellschaft, auch 
dieses Land unter den eben skizzierten Gesichtspunkten in den Kieis ihrer prak- 
tischen Arbeiten einzubeziehen und durch einige kleine Untern ehnunigen die 
Anregungen zu umfassenderen systematischen Grabungen zu geben. Die Unge- 



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Cooglc 



12 Szombathy: 

wissbeit, ob ein solcher Versuch in dem vom Centrum des Reiches weit ent- 
fernten Ijande nicht etwa auf l>esondere Schwierigkeiten stossen oder gänzlich 
scheitern werde, hätte die Ausfiihning unserer Al)sichten vielleicht noch lanp^ 
verzögert, wenn nicht die nach so vielen Richtungen Segen verh(»is8ende Grün- 
dung des Bukowiner Landes- Museums gezeigt hätte, da^ss der Boden des Landen 
für ein solches ITnteniehmen vorbereitet ist Eine an das Curatorium des Landes- 
Museums gerichtete Anfrage der Anthropologischen Gesellschaft fand eine s«» 
freundhche Erwiderung, dass meine Entsendung zu einer Recognoscienings- 
toiu* in der Ausschusssitzung am 20. Mai 1893 zum Besclilusse erhoben 
wurde. 

Zu meiner Vorbereitung für die Reise war ich so glücklich, ausser dem 
grössten Theile der nicht sehr umfangreichen einschlägigen Literatur, über welche 
Herr Dr. Polek und HeiT Professor Romstorfer^) voitreff liehe UebersichteD 
gegeben haben, auch unpublicierte Behelfe benützen zu können. Von diesen sei in 
erster Linie eine von Hemi Olinsky-Olineskul mit grossem Fleisse entworfeiw^ 
und mit Bemerkungen versehene Karte der prähistorischen und rimiischen Fund- 
stellen der Bukowina, von welcher die Anthro[)ologisclie Gesellschaft eine Copie 
besitzt, erwähnt. Diese in den westlichen, gebirgigen Theilen des Landes fct 
jungfräuliclie Karte wies mir sofort den Weg in die mit Fundorten reich besäten 
breiteren Flussthäler und das Vorland der Kar|)athen. Von ebenso grossem 
Nutzen waren mir sodann die reichen handschriftlichen Notizen des Herrn 
k. k. Consei*vaü)rs C A. Romstorfer und die Samndungen des Landes- Museums, 
welche mir Herr Romstorfer während der ersten Tage meines Aufenthaltes in 
Czemowitz für das Stucüum zur Verfügung stellte. Diese Behelfe gaben mir 
weilvolle Belehrungen. Es kaiui jedocli nicht meine Absicht sein, an dieser 
Stelle, an welcher es sich um die Aufsammlung neuen vaterländischen Mate- 
riales handelt, über jene von fremder Hand gesanunelten Materialien näher zu 
l>erichten; ich werde mich hier auf die kurze Aufzählung dessen, was ich selbst von 
den vorchristlichen Alteithümern der Bukowina gesehen habe oder an dessen 
Aufsammlung ich theilzunehmen Gelegenheit hatte, beschränken. 

Ich traf am 15. August in Czemowitz ein und wurde durch Hemi Pn>- 
fessor Romstorfer sofort in medias res geführt. Er machte mich zunächst mit Herrn 
Landesausschuss- Beisitzer Baron Nikolaus Mustatza, dem verständnisvollen 
und eifrigen Förderer des Landes- Museums, bekaimt und theilte sich filrderhin 
mit diesem Herren in die liebenswürdige Aufgabe, mir meine Wege in der Bn- 
kowina zu ebnen. Ich werde nicht mnhin können, im Laufe des Be- 
richtes auch noch anderer zahlreicher Unterstützungen, welcher ich mich 
zu erfreuen hatte, zu gedenken. Zu ganz spcciellem Danke verpflichtete mich 
die Bereitwilligkeit, mit welcher der Hen- Landespräsident Baron Krauss 
die Organe der k. k. Landesregierung zur Fördenuig meiner Studien anzuweisen 
die Gute hatte. 



') Dr. Johann Polek, Repertorium der landeskundlichen Literatur der Bukowina, Cxer- 
nowitz 1892, und Carl A. RomBtorfer, Aus den Mittheilungen der k. k. Central-CoinniissioiL 
dieses Jahrbuch. 1893. p. 45. 



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PrÄHISTORISCHB REOOaNOSCIBRUNGSTOUB NACH DER BUKOWINA I. J. 1^93. 13 

An dem zwischen dem 19. August und dem 2. September gelegenen Theile 
meiner Excursion nahm auch Herr Dr. R. Kai n dl, dermalen Privatdocent an 
der Czernowitzer Universität welchen ich bereits in Wien zur Theilnahme ein- 
geladen hatte, regelmässig theil. Ich will schon an dieser Stelle mit gebührender 
Anerkennung erwähnen, dass er durch seine Kenntnis der ruthenischen Sprache 
meinen Verkehr mit ruthenischen Arbeitern, besonders bei den Grabungen in 
Hlibok<a, erleichterte. ') 

Meine Einführung war so ra*sch vollzogen, dass ich bereits am 17. August 
in Gesellschaft der Herren Baron Mustatza und IVofessor Romstorfer an einer 
Aasgrabung in Schipenitz theilnehmen konnte. Diese Ix)calitat erwies sich als 
l)e8onders interessant. Ich habe sie spätiM'hin noch zweimal und zwar am 
19. AugiLst luid in Gesellschaft des Hemi Baron Mustatza am 6. September 
inspiciert. Bei jeder dieser Gelegenheiten wurde ich durch die Gastfreundschaft 
der Frau Baronin Pulcherie Wassilko, des Herrn Baron Mustatza und 
des Herrn Basil v. Kostin zu herzlichem Danke verpflichtet 

Schipenitz liegt ca. 15 km WNW. von Czernowitz am Rande der AUu- 
>'ionen des linken Pnithufers. Der am Westende des weitläufigen Doj-fes wohnende 
Unterlehrer Basil A r e y c z u k (richtiger Arycz) hatte, geführt durch da« Märchen 
von einem vergrabenen Schatze, in seinem offenen Stalle eine Gmbe gegraben und 
war dabei auf eine alte Culturschichte mit Thongefössresten gekommen. Eine 
Partie dieser Reste nebst dem Bnichstücke einer Feuersteinsäge gelangte durch 
Herrn Baron Musbiza nach Czernowitz. Drei ganz erhaltene Gefösse dieses 
Fundes, welche sich dm'ch feinen, gelben, ziemlich gut gebrannten Thon und 
eine eigenthümliche, von einer R(»ihe polnischer Fundstellen bekannte Bemalung 
mit Spiraloid-Omamenten auszeichnen, ') konnte ich im Landes- Museum, die 
Reste einer grossen, ähnlich bemaltc^n Unie bei Herrn Baron Mustatza sehen. 
Das letzterwähnte Stück habe ich seither zusammensetzen lassen. Es gedieh zu 
einem GU^fösse von 64 cm Höhe und 67 cm Durchmesser und zeichnet sich durch 
seine seltsame Form mit schmalem Fuss, breitem Bauch und unverhältnismässig 
kleinem, sich Uiich oben verengendem Halstheile aus. 

Herr Baron Mustatza hatte dafür Sorge getragen, dass die Fundstelle nicht 
wieder verschüttet wurde und dass wir nicht imr an ihr selbst die Grabung fort- 
setzen, sondern auch in ihrer Nachbarschaft noch eine Anzahl anderer Versuchs- 
gräben eröffnen konnten. An allen diesen Stellen trafen wir unter einer Humus- 
decke von 20—50 c?w, eine circa 50 cm miichtige Culturschichte mit reich- 
liehen Aschen- und Holzkohlenresten und gebrannten Wandl)ewurfstücken von 
Hütten, deren Wände aus Reisig geflochten und mit Lehm verkleidet waren. 
Dies laast schliessen, dtiss hier die alte Ansiedelung durch eine Feuei^brunst 
zugnuide gegangen ist. Ausserdem führt diese Culturschichte verschiedenartigen 



*j Wie ich nach der Ablieferung des Berichtes erfuhr, hat Uerr Dr. Kaindl auch in ver- 
schiedenen Bukowiner Zeitschriften die Resultate meiner Excursion mitgetheilt. Ich bitte den 
Leser, dass mich entschuldige, wenn ich ihm nunmehr bekannte Thatsachen wiederhole. 

«J Romstorfer, Gefasse ans Schipenitz. Mittheil. d. k. k. Central-Coram. Bd. XIX. 
1893. Notiz Nr. 136, p. 243 und Fig. 29—31 p. 256. 



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14 SZOMBATHY : 

Wegwurf, wie zerschlagene Knochen von Hausthieren, besonders vom Rind, Schaf 
und Schwein, Thongefösscherben von der olK»n beschriebenen Art, Messerspähne, 
Schaber und sägeähnliche Bruchstücke aus grauem Feuerstein, Bruchstücke von 
thönemen Webstuhlgewichten u. a. m. Unter den Thongefassresten erscheinen 
auch jene seltsamen Zwillingsgebilde aus zwei offenen, an l>eiden Enden sieh 
erweiternden Cylindern, die durch zwei oder drei Querstege mit einander ver- 
bunden sind. Die Bestimmung dieser auch in CJalizien wiederholt gefiind(*nen 
Doppclgeiksse ist heute noch nicht erkaiu^t Die spät<»ren von Herrn Baron Mu- 
statza geleiteten Niicbgrabungen lieferten auch noch zwei kleine, leider keinerlei 
typologische Anhaltspunkte gewährende Bronzerestchen, u. zw. das Randfrap- 
mentchen einer Schale und ein geschmolzenes Kltimpchen. 

Das Gesammtbild, welches aus diesen Funden reconstiuieil werden kann. 
ist also das einer — wie bereits gesagt — durch Feuer vernichteten Ansie<k*- 
lung von dem überreif- neolitischen Chai'akter der analogen galizischen Funde. 
Welcher engeren Stufe der mitteleuro})äischen Metallperioden diese ihrer Cultur 
nach der jüngeren Steinzeit angehörende Fundstätte» zeitlich gleichzustellen ist 
kann nach den mir bisher lu^kannt gewonlenen Funden nicht bestimmt g(*sagt werden. 

Die von Hemi Areyczuk zuei-st aufgegrabene Stelle hat noch einen beson- 
deren Fund ergeben. Hier folgte unter der dem Niveau der alten Ansiedelung 
entsprechenden Culturschichte, und von ihr durch ein ciiva 80 cm mäclitiges 
Band von taubem, aber doch gemischtem Lehm getrennt, eine zweite Schichte 
von dicht gehäuftem, rotli gebraiuitem Wandbewurf und unter ihr eine bis jcii 
einer Tiefe von 2 m reichende und auf einer dünnen Aschen- und Kohlensclüchte 
aufhihende Ablagerung von massenhaften Thongefössresten. Diese Anhäufinig 
schien eine Langenausdehnung von etwas über 2 ?w, eine Breite von 1 m und 
eine Höhe von 50 cm zu haben und ganz in roth gebranntem Ijehni einge- 
schlossen zu sein. Die Stelle lässt sich nur als Ueberrest eines alten, unter der 
Erde angelegt gewesenen Töpfen)fens auffassen, und wir können sagen, das 
Finderglück hat uns direct an die Stelle der localen Erzeugung der merkwürdig 
ornamentierten ThongeßLsse, durch welche die Culturstufe von Schipenitz sich aus- 
zeichnet, geflihrt 

Einige kleinere Funde aus der Gegend von K o t z m a n erwarb ich für das 
Landes-Museum von Herrn Lehrer Prokopowicz, welcher sie mir am 1 9. August 
zur Ansicht überbrachte. Es befinden sich danmter 2 kleinei*e Meissel, 2 Schaber 
mit zugearbeiteten Enden, 1 zugearbeitc^te Spitze und 8 Spähne aus Feuerstein, 
welche durch den Sowitzabach von der Anhöhe Slata gora bei Kotznmn herah- 
geschwemmt wurden; dann 1 kleiner, flacher Feuei-steinmeisel, welcher l)ei Du- 
boutz vom Pruth ausgeschwenunt wiu'de, ferner 1 bmnzener Hohlkelt mit Oehr 
und 2 keltische und 8 römische Münzen von der vMohyla« SO. von Kotznian 
mld endlich aus einem Garten von Chliwestie 1 kleines gi-aues Töpfchen von 
neolithischem Charakter mit zwei vertical durchstochenen Ansätzen, 1 schwarzer, 
runder Schlagstein, die Hälfte eines dicken, weissen Feuersteinbeiles und eine sill>enie 
Hadriansmünze, welche (nicht ganz zuverlässig) in dem piimitiven Töpfchen ge- 
funden worden sein soll. Auf der mit dem Namen Mohyla bezeichneten Hügel- 
kuppe bei Kotzman steht nach Herrn Prokopowicz' Mittheilung ein gro^isa' 



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P&ÄHI8T0B18GHB ReOOÖNOSCIBBUNGSTOUB NACH DEE BüKOWINA I. J. 1893. 15 

ninder Tumulus (Mohyla), welcher auf drei Seiten von einem hohen Erdwalle 
umgeben ist, in welchem ein Stein mit Inschrift zu sehen sein soll. Auch ein 
Brouzekessel soll da gefunden worden sein. Es verdient angemerkt zu werden, 
dasj^ die Steinbeile in Kotzman Pliszkamen = Keilsteine heissen, und nach der 
Meinung der Ijcute bei Gewittern vom Himmel fallen; wir haben also auch hier 
die so weit verbreitete Deutung als Donnerkeile. 

Am 23. August konnte ich die Ausgrabmigen in der Gegend von Hli- 
b o k a beginnen. Die Tumuli dieser Gegend wurden von mehreren Localforschem 
einer sehr späten Zeit des Mittelalters zugeschrieben und man vennuthete in 
ihnen Massengi*aber der im Jahre 1497 in dieser Gegend gefallenen Polen, deren 
Heer hier von den Moldauern überfallen und vernichtet wurde. Der eifrige Local- 
forseher Heir Professor W. S c h m i d t in Suczawa hat auch einen dieser Tu- 
muli (meiner Meinung nach ganz unvollständig) untersucht und dabei wirklich 
die Ueberzeugung von der Richtigkeit jener Meinung gewomien. Mir ist nicht 
bekannt, welche thatsächlichen Beobachtungen ihn dabei geleitet haben. Meine 
Funde sprechen für ein viel höheres Alter. 

Die Tumuli liegen im Osten von Hliboka in mehreren Gruppen auf den 
in noixl-südlicher Richtung von Mihuczeny und Dymka gegen das Sereththal bis 
zu dem Oeitchen Slobodzia herabziehenden Hügelrucken. HeiT Julius Urycki, 
Mechaniker mul Gutsbesitzer in Dymka, welcher diese Grabhügel vortrefflich 
kennt, war so freundlich, mir die einzelnen Gruppen zu zeigen. Ich habe hier 
im Ganzen 86 Tumuli gezählt. Zwei derselben, welche zwei verschiedenen, ca. 
2 km S. von D}inka auf dem Hen*schaftvSgebiet(^ des Herrn BronisJ'aw Ritter 
von Skibniewski gelegenen Gru[)pen angehören, konnte ich ausgraben. Der 
erste gehört einer auf der Höhe des Hügelröckens, Yg km N. von der Cote 395 
der Specialkjirte (1 : 75.000) gelegenen Gnippe von 4 Grabhügeln, deren einer 
von Prof. Schmidt ausgegraben vviurde, zu. Er hatte eine Höhe von 1-8 m und 
einen Durchmesser von 14 w. Der zweite Tumulus gehört der auf dem West- 
abhauge desselben Rückens, ca. 7^ km, W. von der Cote 395 gelegenen Gruppe 
von 21 Grabhügeln an, hatte beiläufig dieselbe Höhe wie der vorige und einen 
Diux»hmesser von 12 w. Beide enthielten Brandgräber. 

Man konnte an einer die Basis des Tumulus im Niveau des gewachsenen 
Bodens bedeckenden dünnen Brandschichte von 2 bis 6 m Durchmesser erkennen, 
dass die Verbrennung der Leiche an Ort und Stelle stattgefunden hat. Die cal- 
cinierten Knochen^ sind in einer im Centrum des Tumidus angelegten kleinen 
Grube gesammelt, wo sie im ersten Tumulus direct in die Erde, im zweiten in 
einen als Ossuarium dienenden bauchigen Topf hinterlegt wurden. An Beigaben 
fanden sich im ersten Grabe 9 ThongefUsse, von welchen 8 töpfchen- oder 
schusselformige Geßsse in einem Halbkreise um die Brandgrube herumgestellt, 
das 9., eine kleine, spitze, rothgebrannte Amphora, in die Grube hineingestellt 
war. Im zweiten Grabe fand sich ausser einer kleineren Zahl leider gänzlich 
zerdrückter Thongefasse ein kleines, gerades Eisenmesserchen. Die Thongefösse 
sind sämmtlich auf der Drehscheibe erzeugt. Diese Fundumstände machen es 
höchst wahrscheinlich, dass die Tumuli bei Hliboka der Zeit des römischen 
Kaiserreiches, also den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung angehören. 



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16 Szombathy: 

Auf dem mit dem Flurnamen Putryna belegten Ostabhange desgleichen 
Htigelrttekens verräth sieh eine alte Ansiedelung durch einzelne Thonge&ssreste 
und zahlreiche geschlagene Feuersteinobjecte, von welch letzteren Herr Julius 
Urycki einige aufgesammelt hatte. Da auf den betreffenden Feldern die Feld- 
frucht ziu* Zeit meiner Anwesenheit noch nicht geerntet war, koinite ich keine 
Nachgrabung vornehmen. 

Ein weiteres Object meiner Untersuchung war die circa 1 km nördlich von 
Hliboka im herrschaftlichen Walde gelegene Wallanlage Zamczyste, welche 
mir Herr k. k. Postmeister Johann UrAcki zeigte. Es ist eine dreieckige, in 
Gestalt eines kleinen Plateaus gegen OSO. vorspringende Bergzunge des vom 
Plaiul Paltin herabziehenden bewaldeten Rückens Pat^iczynsUie. Sie ist gegen 
WNW., wo ihr Tcirain ohne natürlichen Absatz an den sanft ansteigenden Berg- 
rucken anschliesst, durch 3 concentrische Wälle abgeschlossen, während sie gegen 
S. und NO. von steilen AblUllen begrenzt mid längs des nordöstlichen Randes 
noch ausserdem mit einem ganz niederen Walle eingesäumt ist Der dreieckige 
Imienraum ist 30 m lang und 35 m breit und liegt circa 2 m tiefer als der 
übrige Raum. Dann folgt gegen den inneren Wall hin eine 10 m brtnt(\ erhöhte 
Terrasse. Die Wälle sind durch je einen Aussengraben vei*sturkt. Der innere 
W^all ist sehr steil und von der Sohle des Grabens an g(»rechnet 5 m hoch. 
Der mittlere Wall hat eine durchschnittliche Höhe von 3*/^ m, der äussere eine 
solche von 2^/^ w. Der ebene Raum zwischen je zwei Wällen ist 20 m breit Es 
ist wahrscheinlich, dass die Wälle nach rückwärts anschliessende Flanken hatten ; 
Theile davon sind an den Nordenden erhalten, der grösste Theil derselben scheint 
durch die an den Plateaumndern unentwegt vor sich gehende Abnitschung des 
Erdreiches zei-stört worden zu sein. 

Das Resultit zahlreicher Grabungsvei-suche ist folgend(»s: Am Zamczyste 
findet sich keine ausgesprochene, auf (»ine länger andauernde, intensive Besiede- 
lung deutende Cidturschichte. Vor dem äusseren, sowie zwischen dem äusseren 
und dem zweiten Walle wurde nichts gefunden. Im Innenraume sowie zwischen 
dem zweiten und dem Innen walle wurden in der 15 — 25 cm mächtigen ober- 
flächlichen Erdschichte vereinzelte ThongefHsscherben gefunden, deren einige hart 
grau gebrannt waren und von wahrscheinlich mitü^lalterlichen Drehscheil>en- 
geffissen herrührten, während andere schlechter gebrannte nicht genügend gut 
erhalten waren, urti beurtheilt werden zu können. Im Innenraume wurden in 
einer an Scherben etwas reicheren Schichte an einer Stelle noch drei kleine 
Feuersteinwerkzeuge, nämlich ein Schaber, das Bnichstück eines Messerchens 
und ein dreieckiges Werkzeug, gefunden. Ein Ausschnitt aus dem Innenwalle 
zeigte auch in dem lehmigen, gelben Anschnttungsmateriale einige Scherben. 
Ebenso wiu'den in dem grauen liehni des 2*4 m unter der Krone des Walles 
anstehenden m^prünglichen Bodens verschiedene Scherben und nel>en diesen ein 
Spinnwirtel aus schwarzem Thon gt^funden. 

Diese Fimde hissen sich am besten durch die Annahme erklären, dass ain 
Zamczyste einst eine wenig ben fitzte neolithische Cultus- oder Ansiedelungsstätte 
existiite, auf welcher in einer späteren Periode, vielleicht zu Vertheidigungs- 
z\vecken, die Wallanlage errichtet wurde. Nur durch diese Aimahme ist das Vor- 



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Pbahistobische Recognoscierüngstodb nach dee Bukowina i. J. 1893. 17 

kommen der alten Scherben an der Basis imd im aufgeschütteten Erdmateriale 
des ersten Walles zu erklnren. Welcher Zeit die ^A'nlle ihre eudgiltigo Ausge- 
staltung zu verdanken haben, ist nach meinen Funden nicht zu bestimmen. 

Bezüglich zwei weiterer Localitäten möchte ich ein ganz negatives Eesultat 
anmerken. Die eine derselben ist der zwischen Hliboka und Zamczyste gelegene 
Waldrand, an welchem sich unregelmnssig verlaufende grosse Erdwälle und Kuppen 
hinzielten. Diese wurden mehrfach ah alte Erdwerke angesprochen. Nach einge- 
hender Besichtigung glaube ich aber sagen zu köinien, dass sie keinen Anspnich 
Hilf diese Bezeichnung erlieben. Sie sind die Producte von kleineren und grösseren 
Bergabnitschungen. Die zweite Stelle ist die mit dem vielverspreclienden Namen 
Stary sad bezeichnete», jetzt in der Umwandlung zu einem Felde begriffene 
Waldparzelle der Hen'schaft, zwischen Hliboka und den von mir untersuchüMi 
Tiimulusgruppen. Hier sollen vor Kurzem zwei tordierte Goldringe von etwa 8 cm 
Durchmesser gefimden worden sein. Herr Postmeister Urycki hat diese Kinge 
gesehen, jedoch der jetzige Besitzer derselben wai* nicht dazu zu bewegen, sie 
uns zu zeigen. Man vermuthete auf dem Süiry sjul prähistorische Gräber, aber 
meine Versuche, bei welchen ich in dieser einen Parzelle 81 kleinere Gruben aus- 
heben Hess, brachten gar nichts, als an einer Stelle einige nichts sagende jüngere 
Thonscherben zutage. 

Diese Arbeiten waren trotz der Ungunst des Wetters bis 29. August so 
weit beendet, dass ich nur eine (am 5. September vorgenommene) Nachmessmig 
ftir die Planskizze der Tumuli nothwendig hatte. Diese rasche Erledigung wäre 
nicht möglich gewesen, wenn mir nicht von den verschiedenste]! Seiten die 
fix?iin<llichste Unteretützung zutheil geworden wäre. So wie ich Heirn Ritter von 
Skibniewski für die Erlaubnis zu den Grabungen auf seinem hen-schaftlichen 
Gnnule zu bestem Danke veri)flichtet bin, so schulde ich ihm, wie auch den 
Herren Gutsverwalter Karl Ludwig, Postmeister Johann Urycki imd Guts- 
l)esitzer tTuHus Urycki für ihre Gfustfreundschaft und ihre kraftige Förderung 
meiner Arbeiten, sowie der Frau Postexpeditorin Olga G r i g o r o w i c z und den 
Herrn Bahnbeamten der Station Hliboka für manche specielle Untei-stutzung 
meinen verbindlichsten Dank. Herr Professor Romstorfer war so freundlich, mit 
nach Hliboka zu kommen und seine Ortskeimtnis so wie sein Ansehen als 
k. k. Conservator fiir mich geltend zu machen. Nachdem meine Arbeiten in 
Gang waren, reiste er nach Radautz und Suczawa, wo er Vorbereitungen für 
meinen nachfolgenden Besuch traf und kam daini am 26. August wieder nach 
Hliboka zurück, um an der erst*Mi Begehung des Zamc?yste und dem Absei ilussc 
der Tiimulus-Ausgrabung theil zu nehmen. 

Die Zeit zwischen dem 80. August und dem 2. September widmete ich 
der Recognosciennig der Gegend von Radautz. Hier erwarteten mich sozu- 
sagen bereits die Unterstützungen, deren ich geni mit herzlichem Danke gedenke, 
von allen Seiten. Von der k. k. Bezirkshauptmannschaft erhielt ich durch den 
in Abwesenheit des Herrn Bezirkshauptmannes amtierenden Herrn Bezirks-Com- 
niLssar v. Mikuli ehie besondere Kmpfehlung für die geplante Ausgiabung in 
Unter- HoHKlnik, Herr Conservator, Schulrath Director H. Klauser erbot sich, 
mich trotz lU'berliäufung mit Amtsgeschätlen auf meiner ei-sten Recognoscicrungs- 



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18 SZOMBATHY : 

fahrt zu begleiten und Herr Dr. M. Kipper, welcher genaue Daten über die 
Verbreitung der Tuniuli in der ganzen Nachbarschaft gesammelt hattt\ stellte mir 
diese ziu- Verfügung und pn)tegierte mich bei der k. und k. GestüLsdirection, wo 
speciell Herr Wirtsclmftsinspector Schmetterlein die zuvorkommendsU» Un- 
terstützung meiner Arbeiten, soweit sie sich auf die ihm unterstehenden Gut^- 
gebiete erstivcken würden, auf sich nahm. 

Das wichtigste Untei-suchungsobject waren die Tumuli von Unter- H<>- 
rodnik, \V. von Radautz. Auch hier begegnete ich der festgewurzelten An- 
nahme, d«ss es sich um Massenbegräbnisse aus der Polenzeit handle. Die Tu- 
muli sind in kleinen (Tnqipen oder tnnzeln st^»hend über einen mehr als 10 Jbw 
langen, nördlich um das (lebiet von Unter-Horodnik sich h(»rumziehenden Streifen 
ausgestivut. Die ei'sten bildiMi eine (Gruppe von vier sehr abgeflachti?n Hügeln 
und liegen in den Feldern nördlich an der von Rjidautz htTausfülirenden Bi^zirics- 
strasse, beiläufig 1 km OSO. von dem Brücklein über den Posen-Bach. Eine 
zweite Grupp(» hegt '/^ km NW. von diesem Brücklein, ebenfalls an der Nonl- 
seite der Bezirksstrasse. Sie besteht uns 5 sehr ansehnlichen Grabhügeln. Den 
grössU'n von diesen hat HeiT ConservjJtor Klauser untersucht, indem er von 
seinem Gipfel aus einen 5 m tiefen Schacht abUnifen Hess; was wohl — nelien- 
bei bemerkt — nicht lege ai*tis ist. Man fand in der Tiefe eine Schichte mit 
»Spuren von gebranntem Kalk, Knöchelchen und einem Topfscherben ^ . In der 
Folge haben die Bauern die anderen vier Tunndi nach ihrer Art aufgegraben 
und von dem Inhalte* einen Schädel und ein topfförmiges Thongefass unzertrüm- 
mert zutage gebracht. Diese Funde wurden zwar abgeliefert, schienen aln^r nicht 
der Aufbewahnmg würdig. Vorher hatte auch HeiT OI)ei>}t Dokunal einen 
der Hügel bis zu eiiuT Tiefe von Vj^ Klaftern ausgegraben, ohne Funde gewahr 
zu werden. Diese Tumuli sind also gründlich zei*stört, ohne in ihrer Eigenschaft 
als wichtige und anziehende Documente aus weit entlegener Vorzeit auch wirklich 
gelesen worden zu sein. 

, Von dieser (liruppe aus geht der mit jdten Gral)hügeln besetzte Streifen 
über den N. von Unter-Horodnik bis gegen Voitinell hinziehenden, als Hutweide 
dienenden Höhenrücken Verfii Colnicu. Ich habe hier in 5 Gruppen 33 Tumuli. 
welche zum Theil bereits ausgegraben sind, gezählt Ferner sind längs der vom 
Gestütshofe Neu-Prädit nach Alt-Prädit führenden Strasse 12 Tumuli zu sehen, 
von welchen 5 vereinzelt stehen, während 7 bei Cote 478, N. von Mittel-Prädit 
zu einer Gruppe vei-sanunelt sind. Endlich li(^gen im W. von Horodnik, an der 
von Radiiutz nach Wikow führenden Reichsstrasse und zwar 400 Schritte SO. 
von dem Jägerhause Kalogorica (C^ote 495 der Specialkaiie) 3 Tumuli. Iiu 
Ganzen kennen wir hier also jetzt 57 Tumuli. 

Für eiiu^n Grabungsversuch wählt<* ich eine Gnippe auf der Hutweide von 
Unter-Hon>dnik. Ich öffn(»te hier, auf das In^stc* von dem Herrn Oi-ts vorstände 
Onofrei Teleaga unterstützt drei Tunmli. Der erste derselben mit 12 w Durch- 
messiT und 1*7 m Höhe enthielt zwei wohl untei-scheidban* Gräber. Das alten* 
von ihnen war ein im (Vntruin des Tumulus in (*ine 60 cm breite und 20 cm 
tief in den gewachsenen Boden eingesenkt*» Grube hinterlegtes Brandgrab, welches 
nebst (»iner massigen Menge von Holzkohlen resten und einigen calcinierten 



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Prähistobisohb Rbcognosciebungstoüe nach der Bukowina i. J. 1898. 19 

Knochenft^gmenten einen schönen Steinhammer, eine kleine, reclitc*ekige, an den 
\ier Ecken mit Löchern versehene, zngeschlifFene Stcinphitte und zwei Brucii- 
stöcke von Feuerstein laraeilen enthielt Das jüngere von ihnen lag in einer ca. 
50 cni über dera gewachsenen Boden hinziehenden hituniinösen Schichte, eben- 
falls gams nahe am Centrum des Tumulus. Es war ein Skeletgrab, in dem das 
Skelet in zusammengeknickter Lage (»liegender Hocker«) sich befand. Die 
Knochen konnten nicht conservieil werden; ans der ansehnlichen Stitrke der 
Röhrenknochen und der Länge eines Oberschenkels (54*5 cm) kann jedoch auf 
eine grosse und stai'ke Pei^son geschlossen werden. Ausser einigen in der bitu- 
minösen Schichte zerstreuten, schlecht erhaltenen Thonscherben wurde bei die+^em 
Gnil>e nichts gefunden. Der zweite Tumulus mit 14 w Durchmesser und l*.S m 
Höhe enthielt in seinem Centnun im Niveau des urspiiinglichen Bodens ein 
nicht conservierbares Skelet in geknickter Lage, sonst al)er keinerlei wichtigertMi 
Fund. Auch in ihm zeigt sich unter dem Skelet eine kohlenhältige, 90 cm unter 
das Bodenniveau hinabgehende Mulde, in der jcnloch keine Funde anzutreffen . 
waren. Im 8. Tumulus (mit einem Durchmesser von 7 m luid einer Höhe von 60 cm) 
Hess sich etwa>i unter dem Niveau eine Art Cultui'schichte erkennen, sonst aber nichts. 

Dieses Fundergebnis mit dem neolithiscben Brandgi-abe und den offenbar 
als Nachbestattung m die TumuU geratlienen charakteristischen Skeletgräbern, 
deren Alter noch nicht zu bestimmen ist, reicht nicht zur vollständigen Orientie- 
rung hin. Der Ungunst des Wetters wegen schloss ich am L September die 
Grabung ab; ich hoffe aber, diese Untei-suchung heuer fortvsetzen zu können. 
Vorläufig müssen wir uns mit der Kenntnis begnügen, dass in den Cirabhügeln 
von Unter- Horodnik Gräber einer Stufe der jüngeren Steinzeit und andere nach 
ihnen hinterlegte Gräber, welche aber nach der Skeletlage auch als von'ömisch 
anzunehmen sind, vorkommen. 

Um ein Stückchen von dem fruchtbaren Südosttheile der Bukowina kennen 
zu lernen, wendete ich mich von Radautz nach Suczawa und kehrte von da 
längs der Grenze Rumäniens über Sereth nach Czeniowitz zm-Uck. 

In Suczawa veqjfiichteten mich Herr Professor M a r i a n, welcher mir 
nebst den bedeutenden historischen Sehenswürdigkeiten Suczawa's auch die prä- 
historischen Stätten zeigte und Herr R. v. P r u n k u 1 , welcher freundhch hieran 
theilnahm, zu bestem Danke. Auf der (he Stadt von der Nordwestseite her be- 
herrschenden und das Suczawathal weithin überblickenden Anhöhe Zamka, auf 
welcher eine alte, mit Erdwällen nach dem Systeme V a u b a n s angeblich von 
S o b i e s k i befestigte Kirchenanlage nothdürftig erhalten ist, sind keinc^rlei Spiu*en 
prähistorischer Besiedelung zu erkennen. Auch die den Nordrand des Plateaus 
einsäumenden Wälle scheinen jüngeren Datums zu sein. Im SO. der Stiidt hegen 
auf einem l km NNO. von der Kuppe »Movile« entfernten Rücken (nicht wie 
der Name errathen üesse, auf dieser selbst) drei grössere, durch di(* früher hier 
l>etriebene Feldwirtschaft abgeflachte Tumuli. 

In dem zvidschen dem Suczawa- Flusse und dem Seivth liegenden Hügel- 
lande sind prähistorische Fundstellen nicht selten. In der NW. von Suczawa 
hegenden Gemeinde H a t n a sah ich auf der an der Hauptstrasse gelegenen 
und unmittelbar an die Gemeijide Merecei angrenzenden Hutweide 3 Tunmli. 



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20 Szombathy: 

4 grosse, tumulusälmlicho Hügel stehen am Fusse der Anhöhe Odaia, welche 
Hatna an der Ostseite übeirn^j^t In Danila, von wo Goldfnnde, u. zw. Ann- 
spiralen und Ohrringe bericliü»t werden, sollen auch noch 4 uneröifnete Tumuli 
stehen. 

In Calinesti Coparencu wurde unmitt^^lbar hinter dem Sciilosse des 
Herrn Gustav Marin bei der Abgrabung des sanft ansteigenden Termins ein 
Umengräberfeld angotrotfen. Ausser den keramischen Beigaben gab es hier keine 
auffallenden Funde, und von diesen konnte nicht mehr, als seinerzeit in die 
Hand des Herrn Hauptmann Gutter gelangte, gerettet werden. Herr Marin 
selbst, welcher sich für die Funde persönlich sein' interessiei-t, koimte von spä- 
teren Abgrabungen, bei welchen noch mehrere Gräber gefunden wunh^n, niu* 
eine einfache ti)i)ft()nnige l^rne retten. Icli habe dem Gutsherrt»n von Cahnesti 
die fivundlichste Aufnahme und Fühnnig zu danken. Er zeigte mir auch auf 
der Anhöhe Cote o.'JO der Specialkarte, O. vom Schlosse, drei alte, nicht un- 
mittelbar mit einand(»r zusannnenhängende Wälle, von welchen zwei quer ölier 
den Nordabhang der Kupjie laufen, Wtährend der dritte westlich von ihnen und 
senkrecht zu ihnT Richtung liegt. Es ist nicht unwalirscheinlich, dass bei Cali- 
nesti noch mancher interessante prähistorische Fund gemaclit werden wird. 

Bei dem NO. von Berkouc an der Strasse gelegenen Wirtshause stehen 
4 Tunmli im freien Felde, zum Theile durch einen Feldweg luul durch den 
Pflug deformiert. Die von 8 e r e t h nach Hadikfalva fahrende Strasse pas- 
siert SW. von den) Maierliofe Odaya 3 Tumuli. Weiter N. von dieser Stelle, 
bei der Cote 418 der Sp. K. stehen 2 Tumuli und auf einem dersell)en eine 
Bildsäule. Der gegen S. zu weiter entfernte Gii)fel Jankula scheuit auch einen 
grossen Tumulus zu tragen. Noch weiter südlich, auf dem Dealul Jancului l)ei 
Granicestie wurden bekanntlich im Jahre 1872 zwei Stein kistengraber mit 
Skeleten und neolithischen Beigaben aufgedeckt ') 

In Sereth selbst ist die Beiirsche Ziegelei als ergiebige Fundstelle be- 
kainit. ') Ich besuchte dieselbe unter der freundlichen Fühnmg des Herrn Beill, 
konnti» aber — wenn hier überhaupt vonnals mehrere Fundschichten zu unter- 
scheidt»n waren — nur mehr ansehnliche Reste der römischen Culturscliichte, 
die mächtige Brandspuren zeigt, und der noch immer zahlreiche ordinäre Thon- 
gefässi*este entnommen werden können, auffinden. 

Den Abschluss meiner Toureji bildete» eine Excursion, welche ich am 
7. Sei)t(»mber in Gesellschaft von Herrn und Frau Professor Romstorfer 
nach lllinitza machte, um der interessanten, grossailigen Wallanlage daselbst 
einen Besuch abzustatten. Herr Ritt^T von Flondor, auf dessen B(*sitz der 
ßurgwall li<*gt, lieh uns in der zuvorkommendsten Weise seine Unterstützung. 
Die dennalen mit Wald bedeckte Bergimse, welche dif^ Wälle trägt^ heisst Zamka 
und richtet sich, von einigen Vorbergen gedeckt, nach N., dem Tl ale des Pruth 
zu. Vorne hinaus ist eine beiläuüg 100 m breite und 60 m lange Fläche durch 



«) Gutter, Miuheil. d. k. k. Central-Comm, Bd. VI., IHftO, Notiz 45, p. I.XXXV; sani 
zweiten Male mit unwesentlichen Abweichungen publiciert in denselben Mittheil. Bd. VH, 1881. 
Notiz 49, p. I.XXX. 

*} Siehe besonders: C. A. Romstorfer, Serelh als Fundort archäologischer (iegeustande; 
>ütth. d. k. k. Central-Comm. B. XVII., p. 80. 



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PhähistobischeRecognosciehüngstoüb nach der Bukowina i. J. 1893. 21 

einen annähernd halbkreisftJnnigen Wall umgrenzt An sie schliesst sich, dem 
allmälig aufsteigenden Rucken folgend, eine beiläufig ebenso breite und ca. 30 m 
lange, rechteckige, von einem stärkeren Walle umgebene Fläche und an diese 
weiterhin eine etwa 120 m lauge, in der Breite bis zu 30 m abnehmende, eben- 
falk von allen vier Siiten mit Wällen umgebene Fläche au. Dort, wo diese 
uniwalltc^n Flächen an einander grenzen, laufen die Wälle in absichtlicher Unter- 
onlnuug des jeweils tiefer gelegenen Walles als Doppelwall neben einander. 
Hinter der dritten, langgesti'eckten Fh'lche folgt nach einem Tnten^alle von 8 m 
ein quer über den Rücken ziehender, gewissermassen die letzte Umvvallungslinie 
verdoppehider, mit seinem Vorgraben nach aufwärts (S.) gerichteter Wall, nach 
weiteren 50 m ein zweiter, hoher, und nach weiteren nahezu 50 m ein dritter, 
doppelter Wall. Das ist also eine recht wohl zur Veilheidigung taugliche An- 
lage mit fünf grösseren Abtheilungen. Der Besucher findet in den Wällen und 
zwischen denselben zahlreiche offene Ausgrabungsstellen, und kann da im Vorbei- 
gehen einigen Einblick in verschiedene Brandstellen mit grossen Mengen ver- 
kohlten Getreides und in Cultui*schichten anderer Art gewinnen. Zur genauen 
Beurtbeilung der ganzen Anlage werden aber noch weitere Grabmigen, welchen 
Hen* Professor R(mistorfer sich zu widmen gedenkt, nöthig sein. 

Mit diesem kurzen Fachberichte ist all das, was die Reise durch die Bu- 
kowina mir bot, noch lange nicht erschöpft. Es treten dem Wanderer ja aller- 
orten uaturhistorisch sowie kunst- und culturgesclüchtlich interessante Einzeln- 
heiten in solcher Fülle entgegen, dass man sich den mannigfaltigen Anregungen 
nicht verschliessen kann ; aber ich widerstehe der Versuchung, über meinen 
Rahmen hinaus zu treten, denn das durch das ganze Land vertheilte ausgezeich- 
net« Studiemnaterial hat das volle Reclit darauf, nur von Fachminneni, deren 
Kraft« ja dem Landes-Museums- Vereine in so beneidenswerthem Masse zu Ge- 
bote stehen, bearbeitet zu werden. 

Ich kann diese Reiseskizze nicht schliessen, ohne den Behörden und den 
zaidmchen Privat[)ersonen, deren freundliche Unterstützung mir zutheil wurde, 
ganz besondei-s aber Herrn k. k. Conservator, Pmfessor C. A. Roujstoi-fer, noch- 
mals meinen herzlichsten Dank auszudrucken. 



'^•-H-®4+- 



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Der rumänische archäologische Verein 

Von Dr. Raimund Friedrich Kaindl. 

Im ersten Bande unseres Jahrbuches hat Prof. Romstorf er über die 
Beziehimgen der k. k. Central- Commission zur Bukowina gehandelt, und der 
Schreiber dieser Zeilen berichtete über djis Verhältnis der Wiener Anthro- 
pologischen Gesellschaft zur Bukowina, über das ehemalige Landes- Museum, den 
Serether Museum- Verein und da.s Münzen- und AntiqiutÄtencabinet an der l^ii- 
versität Czeniowiti^. ') Es erübrigt nun noch einiges über den rumänischen arcliäo- 
logischen Verein in Czeniowitz mitzutheilen. ^) 

Dieser Verein wurde vom Herrn Finanzconcipisten Dionys O. Olinescu 
im Jahre 1886 begründet. Sein Zweck war >das Interesse der Rumänen für die 
Erhaltung ihrer nationalen, kirchlichen und weltlichen Antiquitäten wach zu 
erhalten; zur Verbreitung der archäologischen Kenntnisse nach Möglichkeit bei- 
zutragen; auf dem Boden der Bukowina oder auch anderwärts gefundene Anti- 
quitäten zu sammeln, zu beschreiben und zu consenieren ; für die Erhaltung der 
historischen Bauten, Monumente und Ruinen einzustehen, endlich archäologische 
Untersuchungen anzustellen. ^ 

Den Gmndst^K'k der Sammlungen des Vereines bildete eine bedeutende 
CoUection von Antiiiuitilten, welche die Gemahlin des am 8. Mai 1886 verstor- 
benen OonseiTatoi-s J. von Gntter Heirn Olines.cu übermittelte.") Durch 
diese reiche Spende sah sich der Verein instand gesetzt, seine Sammlung schon 
auf der im Herbst 1886, also noch im Gründungsjahre, stattfindenden Landes- 
ausstellung zu exi)onieren. Der Verein wiu'de für dieselbe mit einer silbernen 
Verdienstmedaille bedacht und seine Bemühungen fanden in mehreren Blattern 
lobende Anerkennung. 

Seither hatte sich die Sanunlung durch zahlreiche Geschenke vermehrt 
Die meisten dei-selben spendete der Schriftsetz(T der erzbischöflichen Druckerei 



^) Bei dieser Gelegenheit mag eine berichtigende Bemerkung über den in diesem Berichte 
8. 76 mitgetheilten Stand der Sammlungen des Cabinetes vom 1. April 1893 erlaubt sein. Statt 
3721 eingestellter Münzen etc. soll es heissen 3781, und statt 21 Wertnoten sind 25 anzusetzen. 
Die Zahl der am 7. April an das Landes-Museura abgetretenen Alterthumer belief sich auf 75 
Nummern in 04 Stucken, also um 3 Nummern und 3 Stücke mehr als airi 1. April. Man vergl. 
auch den Rectoratsbericht in der „Czern. Zeitung". 

•) Für die folgenden Mittheilungen sind zu vergl. der Bericht des Vereinasecrctärs C. 
Morariu in der Rom. Revue VI (1890) S 362 ff;, ferner die Vereinsnachrichten in der ,Ga- 
xeta Bucovinei" 1891 Nr. 64 und 1892 Nr. 3. 

') Daher finden sich in der Sammlung des Vereines einzelne Gegenstände, die nach Be- 
richten Gutters bereits in den Mittheilungen der Central-Commission beschrieben und abge- 
bildet sind, so z. B. die ThonHgur aus Sereth (Mitth. X. Notiz 135) u. A. 



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Dbb buhänisghb abghJLologisohb Vbrbin in beb Bukowina. 23 

in Czemowitz, Herr D. Bucevschi; ferner die Herreu: V. Morariu, Z. Vo- 
ronea, Pfarrer Sbiera, V. Vasiloschi, D. Nosievici, Onufreiu Miro- 
novici, F. A. Wickenhauser, E. Ciuntuleac, E. Cozub, M. Dra- 
cinschi u. A. Am Anfang des Jahres 1892 besass der Verein folgende 
Objecte. ^) 

I. 4 Urkunden, darunter eine vom Woewoden Constantin Michael Ra- 

covi^ ddto. 14. Mai 1756, imd die anderen vom Woewoden Gregor 

loan ddto. 14. Juni 1763. 

n. 1 armenisches Evangelienbuch mit 9 Bildern und 1 rumänisches 
Psalterbuch; beide Manuscripte angeblich aus dem XVII. Jahr- 
himdert 
in. 12 Copien von Grabschriften. 

IV. 9 Stück verschiedenartiger Werkzeuge (Messer, Beile, Hämmer etc.) 
und 2 Lehmgötzen aus der Steinzeit. 
V. 43 prähistorische Thon gegenstände. 

VI. 1 Nähzeug, bestehend aus Pischknochen, Thierhönieni, Vogelschna- 

bebi u. s. w. 
Vn. 3 fossile Gegenstände. 
Vrn. 1 silberner Ring. 
IX. 39 paläontologische Gegenstände. 
X. 16 Gegenj-tände aus der Bronzezeit (Ketten, Lanzen- und Pfeil- 
spitzen, Binge u. s. w.) 
XI. 1 Aschenunie, 2 Ziegeln, ferner 6 silbenie, 1 messingene, 1 kupferne 
Münzen; sämmtliclie Gegenstände aus der Römerzeit und in der 
Bukowina gefunden. 
XII. 101 Objecte aus der Eisenzeit, daiiinter alte Schlösser angeblich 
aus dem X. — XII. Jahrb., Pfeilspitzen, Säbel, Lanzen, Binichstücke 
von Panzerhemden, Signalraischen, Messer, Gabehi, Pferdezaum- 
gebisse, Sporen u. s. w. 
Xm. 1 silberner Ring. 
XIV. 1 kupferner Schlüssel. 

XV. 1 versteinerte hölzerne Börste angeblich aus der Mongolenzeit. 
XVI. 1 Reliquienbnistkreuz. 

XVn. 15 Gegenstände aus neuerer^Zeit, nämlich 1 Säbel, Pfeilspitzen 
Bogen, Gewelirschäfte, Kugeln, Pistolen, Messer, Gabeln u. s. w. 
XVin. 2 silbenie und 2 kupferne Gegenstände (Si)oren und Siegelstempel). 
XIX. 12 kupfenie und 8 silbenie nunänische Münzen, danniter die älteste 
aus der Zeit des Woewoden Peter Muschat (1375 — 1391) sein soll. 
XX. 18 silbenie und 29 kupferne polnische Münzen. 
XXI. 21 deutsche Münzen. 
XXn. 69 österreichische Münzen. 

*) Das Verzeichnis der Gegenstände ist nach den in der Anmerkung 3 citierten Berichten 
wiedergegeben. Die Bestimmung einzelner derselben dürfte wobl zweifelliaft sein. 



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24 Kaindl: Deb rumänische abchäologisghe Verbin in dbr Bukowina. 

XXni. 15 türkische Münzen. 
XXIV. 9 russische Münzen. 

XXV. 1 griechische, 1 spanische, 1 italienische und 1 schwedische Münze. 
XXVI. 5 Münzen unbekannten Ursprungs. 
XXVII. 10 Medaillen. 
XXVIII. 10 iStück Papiergeld. 

Um diese reichhaltige Sammlung jedermann zug«anglich zu machen, bt^schloss 
der Verein, dieselbe zur Aufstellung in den Räumen unseres Landes-Museuni« 
zu überlassen. Die Uebergabe erfolgte noch vor der am 14. Mai 1893 efolgteii 
Eröffimng des Museums. 



^^--*-^i'®-h"*-^ 



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Eine moldauische Sturmfahne drei- 
hundertjähriger Vergangenheit. 

Von Prof. -K^UJa.. ScOaLraid-t. 

Mit gei'echtfertigter Pietät sieht nicht nur der V^olksstamniesgenosse, sondern 
wohl jeder menschlich und ehrenhaft fühlende Mann auf ein aus längst ver- 
klungenen Zeiten stammendes militärisches, ohne allen Zweifel hochgelialtenes 
Palladium hin, welches ganze Ströme Blutes um sich herum in den Sand rinnen 
sah, bevor es den kraftlos gewordenen Händen des letzten, todesmuthigen Trä- 
gers und Beschützers entsank und in den schwererkämpften Besitz des triumphi- 
i-endeii Siegers gelangt sein mochte. 

Selbst das treue Bild einer solchen, gewiss seltenen und keineswegs aller 
Welt leicht zugänglichen, heiligen Relicpiie muss rührend, mahnend und wohl 
auch begeisternd wirken. 

Es bildet daher nicht nm* in instructiver, der sonst weitschweifenden Phan- 
Uisie die richtigen Schranken ziehender, sondern auch in manch anderer, nicht 
zu untei"sch ätzender Beziehung viel, ja sehr viel der Charakterbildung zugute 
kommenden Elementes, wemi heutzutage das allgemeine Streben productiver 
Geister dahin geht, den jeweiligen Kindern ihrer tiefen und mühseligen Studien, 
sobald sie dieselben der Welt zeigen, in das Wickelband auch Illustrationen mit- 
zugeben, geeignet, den I^eser in jene Sphären zu versetzen, in welchen der un- 
emitidete Forscher und Verfasser bis zum Fertigwerden seiner Schöpfung sich 
bewegte. 

Dieser lobens- und anerkennungswürdigen Gepflogenheit tiiig auch Ale- 
xander Mika volle Rechnung, u. zw. in seiner, zur Neige des vorigen Jahres 
(1893) herausgegebenen Monographie, das Leben und Wirken des auch in Volks- 
liedern bis auf die Jetztzeit, gepriesenen Kronstüdter Königsrichtei-s Michael 
Weiss besprechend. ^) 

Unter den Illustrationen, welche seinem reich ausgestatteten, mit vielem 
Forscherfleisse zu Stande gebrachtc»n, gründlichen, die historische Literatur wahrhaft 



») Mika Sandor: „Weiss Mihaly (1569 — 1612) Budapest 1893. 8. maj. magyarisch. 
— Zu bcdanern ist nur das Eine, dass Mika nicht auch die Volkssagen und Volkslieder mit- 
theüe, welche diesen keineswegs fUr die siebonbürgisch-sächsische Nation allein, sondern für die 
Geschicke des österreichischen Kaiserhauses thätigon, heldeaartig angelegten und seine Sache 
mit seinem Blute besiegelnden Mann verherrlichen und der Unsterblichkeit, nicht nur in der 
Geschichte, sondern auch im Herzen und Mundo seines Volkes Übergeben. Bei der notoriscli 
regen, alle rtihmiichen, volksthümlichen Raminiscenzen verwerthenden geistigen Rührigkeit der 
siebenb&rgisch sächsischen Ethnographen ist vorauszusetzen, dass Mika's Werk den Anstofs dazu 
geben werde, aach in dieser Richtung eine Lücke nicht klaffen lassen zu wollen. h. 2. 



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Cooglc 



26 Schmidt : 

bereicherndem Werke beigegeben sind, ist es namentlich das illuminirte Bild einer 
moldauischen Stumifahne des XVII. Jahrhundertes, welches, als unserer engeren 
Heimat — war ja doch Suczawa Füi-stenresidenz — nahestehend, unsere Auf- 
merksamkeit und unser ungetheiltes InttM'esse voll und ganz in Anspnich nimmt 

Unwillkührlich drängt sich hiebei die Frage auf : AVie kam diese Tro- 
phäe nach Siebenbürgen? Wie stand es um die kriegerische 
Tüchtigkeit der Moldauer jener Tage? 

Die Beantwortung der ersten Frage muss, ihrer inneren ^^eraidagung nach, 
als jeder näheren Besprechung sich in vorhinein entziehend, als unlösbar 
bezeichnet werden. Wenngleich die Geschichte unverkennbarer Fingerzeige genug 
bietet, wtirum die Moldau wider Siebenbürgen in dem Zeiträume zwischen 1569 
und 1612 die Waffen zu ergreifen sich gezwungen gesehen habe, bleibt es un- 
ausführbar, angeben zu sollen, wann, wo und wie diese Sturmfahne verloren 
gegangen sei. Wenn wir aber der zweiten Frage, wie es um die militä- 
rische Tüchtigkeit der Moldau gestanden, uns gegenüberstellen, 
wäre die Antwort sehr leicht und daher auch sehr schnell gefunden, wenn es 
um ein Jahrhundeil vorher sich handeln würde, mit einem einzigen, der mol- 
dauischen Kriegsgeschichte entnommenen Zuge, zumid aus einer Zeit, welche 
den Glanzpunkt dei-sellx^n bildet, vorzugehen. Viel richtiger wird es daher sein, 
ein gedrängtes Gesanjmtbild moldauischer Waffengänge bis hinab an die Neige 
des sechzehnten Jahrhundeils, wenngleich nur in rasch gezeichneten Contouren, 
uns vor Augen zu halten. 

Die allerälteste, historisch verbürgte Kunde moldauischen Kriegsruhnies fährt 
uns in die Zeit Alexanders des Guten, dieses Begründei^s der staatlichen Ord- 
nung des Füi-stenthumes und namentlich in das Jaln* 1425 zurück, währenddessen 
Verlaufes der i)olnische König Wl^adislaus, am Tage Johannis des Täufei^ (24. Juni) 
seinen, wider die deutschen Ritter gerichteten Zug in die Mark Brandenburg, welcJie 
der spätere Volkswitz als die Sandbüchse des h. römischen Reiches deutscher 
Zunge bezeichnete, angetreten hatte. ') Dem Banner des weissen Adlers hatte 
sich eine moldauische Kriegerschaar angeschlossen, welche Fürst Alexander der 
Gute, als Lehensti'äger Polens zm^ Heeresfolge veri)flichtet, *) beigestellt hatte und 
vei'schwiegen darf nicht werden, dass die Haltung dieses Contingentes durch eine 
Schilderung seiner findigen Geistesgegenwart, seines unerschütterlichen Muthes 
und seiner persönlichen Tapferkeit rühmlich her\orgehoben werde. Lesen wir doch, 
wenngleich in präganter Kurze Folgendes: ") 

* Vierhundert Wallachen wai*en zufällig ausgesendet worden, bei der Feste 
Marien bürg Beute zu machen. In grosser Zahl aus der Burg ausfallende 
deutsche Ritter beabsichtigten einen Angriff auf dieselben. Die bedeutende üeber- 
macht des heranstürmenden Feindes gewahrend, zogen sie sich zwar zurück, nicht 



») Dlugosz: Hist. Pol. ed Frankf., Hb. IX. p. 909 ad annum. Stryjkowski edit 
1582. p. 454. 

') BekaDntlich datirt der diesfällige Huldigungsact von Suczawa, 12. März 1402. Dogiel: 
Cod. Diplom. Reg. Polon. Tom. I. p. 600. Paprocki setzt den Lehnseid in seinem: «Ogröd 
krolewski** i. e. „Eönigsgarten" irrig in das .Jahr 1403. 

•) K romer: „De origine & gestis Polonorum" ed Colon. Lib. XIX p. 290. 



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Eine moldauische 8tüemfahne deeihündebtjIhe. Veegangenheit. 27 

aber mii zu fliehen. Im Gegentheile. Gewohnt auch als Fusstinippe zu kämpfen, 
sprangen sie aus dem Sattel, deckten sieb diu*cb die Stumme des nahe liegenden Wal- 
des und empfingen die Heranbrausenden mit einem so dichten Pfeilbagel, dass Jene 
zur Flucht sich wandten. Riusch heiTorbrechend und das Ross besteigend, setzten 
die \'ierhundert nach und kehrten mit reicher Beute und vielen Gefangenen in 
das I.ager zmück.^ 

Wenige Jahi-zehende später begann der Ruhmeslaiif Stephan's des 
Grossen, »des Türk^nhammei's«, wie vOr ihm Johannes H un yady und nach ihm, 
Eugen von S a v o y e n »der edle Ritter«, genannt wurden. Mit weit ausge- 
henden Hoheitsplänen sich ti-agend mid hiezu der Werthschätzung des ungarischen 
Wahlköniges Mathias C o r v i n u s^) in kluger Weise sich bedienend, ^) wurde 
dieser, heute noch den gerechten Stolz der eigenen Stammgenossen bildende, in 
Sagen und Liedern verherrlichte Held, nicht nm* zum Schrecken des Feindes, sondern 
zugleich zum vielumworbenen Gegenstande staatlicher Combinationen. Wenngleich 
in seinen Heerlagern die Zeltgassen von der Sprachen buntem Gemische wider- 
ballten, die Mehrzahl u. zw. die erdrückende Mehi-zahl seiner streitbaren Mannen 
waren seine Landeskinder, welche mit nationaler Streitlust und Tapferkeit 
die zum Siege führenden Schlachten entwürfe des eigenen, heldenhaften Füi'sten, 
in freudiger Todesverachtung zu verwirklichen, mannhaft redlich mithalfen. 

Ich sagte »mit nationaler S treitlust und T apfer keit« und 
mit vollem Bedachte. Demi, als nach Stephans des Grossen Tode (1505) dessen 
Sohn Bogdan zur Herrschaft gelangte und — angeblich dem politischen Te- 
stamente seines Vaters Folge leistend, der Pforte huldigte, kam zwar eine Zeit 
der Ohnmacht über die Moldau, währte jedoch, trotz der abhängig gewordenen 
Stellung, trotz des hohen Tributes und trotz anderer, durch die politische Ueber- 
gangsperiode geschafl'ener llebelstände, nicht lange. Peter R a r e s c h , der letzte 
männliche Muschat, später mazilirt, ') war es, der während seiner ersten Regie- 
rungsdauer, durch seine Theilnahme an den Kämpfen zwischen Ferdinand I 
und zwischen Johann Z a p o 1 y a , bezüglich der Thronfolge in Ungarn *) den 
alten Waffennihm der Moldau wieder bethätigte, der neuerdings aufleuchten 



*) Cf. Wenrich: „Die moldauische Lehensherrschaft in Siebenbürgen" im Archive des 
Vereines fQr siebenburgische Landeskunde. Neue Folge, Band VI. 

•) Polen, Europa's Vormauer wider die Tataren und Türken, wärmte zu jener Zeit, um 
sich Stephans zu yersichem, den alten Streit mit Ungarn um die Oberherrlichkeit um so eifriger 
au£, als Stephan dem polnischen Könige, dem Gebote der Staatsklugheit folgend, sogar gehuldigt 
hatte. (Dogiel Cod. Dipl. I. 693;, Mathias Corvinus wies jedoch alle derartige Zumuthungen 
mit Entschiedenheit zurück und sprach, wo es um Stephan sich handelte, jederzeit nur von: 
^vojeroda noster." Cf. „Epistolae Mathiae Regis Hungariae'*. Klausenburg 1745. 8 und insbe- 
sondere das hieraus bei Praj: „Disserl VI** und bei Benkö: „Milcovia** I. 31 abgedruckte 
Schreiben des Königs. 

■) M a z i l bedeutet nach türkischer Wortwurzel einen Abgesetzten, Ent- 
fernten, bei Seite Geschobenen und dient im Rumänischen zur Bezeichnung abge- 
setzter Fürsten nnd — urkundlich, zur Bezeichnung von Freibauern, als dem geringsten 
Landadel. 

*) Hiertiber Cf. besonders : S c h u 1 1 e r : „Ludwig G r i 1 1 i und sein Ende" in dem von 
der k. k. Akad. der Wissenschaften herausgegebenen Archive für österr. Geschichtsforschung" 
Band XXI und im Separatabdrucke. Ferner W i 1 1 s t o k ^im Programme des Bistritzer Ober- 
gymnasiaros von ISöS" und Kramer: „Aus der Gegenwart und Vergangenheit der k. Frei- 
stadt Bistritz" 1858 8^ neben den bekannten Quellenschichten eines Istvanfi, Simigian, 
Verantius a. A. m. 



3» 

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28 Sohmidt: 

sollte, als nach Alexander Lapuschnean, der erste fremde Prätendent auf 
den moldauischen Furstenstuhl, Johann Jacobus Heraclides (Despota), mme 
nach dem zu Lemberg hingerichteten Stefan Tomscha I, Johann Podkowa, 
beigenannt der Grausame, zur Herrschaft gelangten. ^) 

Für die Zeit Alexander's Lapuschnean sowie für jene des Despoten, vou 
dem wahriich nicht behauptet werden kann, ob er ein glucklicher, wenngleich tra- 
gisch endender Abenteurer oder ein verkannter und daher nicht gebührend gewür- 
digter Held gewesen, besitzen wir sehr gewichtige Zeugnisse, die, weil zeit- 
genössisch und von Augenzeugen stammend, keinem Zweifel können ausgesetzt 
werden. 

AVu* wollen mit Alexander Lapuschnean beginnen, dessen unglücklicher 
Kampf wider den fremden Usurjiator Johann Jacob Heraclides — bei Verbie — *) 
am 10. November 1561, wohl keineswegs zu Gunsten moldauischer Tapfericeit 
sprechen würde, weim nicht bezeugt wäre, dass der erste Angriff wie herkömmlich 
mannhaft abgeschlagen und erst der zweite, mit Zuhilfenahme einer gelungenen 
Kriegslist siegreich sei durchgeführt worden. 

Der Biograph des auf diese Weise zur Flerrschaft gelaugten Despoten, Gra- 
tiani,') welcher sein in elegantem Latein geschriebenes Werk dem polnisciien 
altadeligen Jünglinge Lodzia-Tomicki widmete, *) weiss der moldauischen Krie^- 
tuchtigkeit des Rühmlichen nicht genug nachzusagen. »Die Moldauer — schreibt 
er — beginnen den Kampf mit einer Verwegenheit, mit so grossem Selbstver- 
trauen und mit solch siegesgewisser Geringschätzung selbst der grössten Ueberzahl 
des Gegnei-s, dass von ihnen sogar die git)ssten Heereshaufen in schimpfliche 
Flucht gejagt werden . Dieses Zeugnis bestätigt — freilich in etwas anders lau- 
tender, wörtlicher Fassung, ein zweiter Zeitgenosse von keineswegs gering an- 
zuschlagender Bedeutung u. zw. der siebenbürgische Sachse Georg Reichers- 
torfer,*^) der Geheimschreiber der imgarischen Königin Maria, wie^ nach- 
träglich, deren kaiserlichen Biniders, Ferdinands L, von welchem derselbe sogar 
mit Gesandschaftsreisen an die hohe Pforte betraut wurde. Eine cUeser Gesandschafts- 
reisen ging über die Moldau, wobei der schai-fe Beobachter nicht nur Grele- 
genheit hatte», Land und Leute genau keimen zu lernen, sondern auch entspre- 
chende Müsse fand, diese seine Beobachtungen durch eine Beschreibimg sammt 
Karte der Moldau, der ersten ihrer Art, durch den Dmck l)ekamit werden zu 



>) Cf. Hajdeu: ,,Inon cel Cumplit'^ Bukarest 1865. 8 maj. 

*) Cf. Letopisetele etc. ed Kogalnicean. Bukurest 1872. 8. maj. I. Appendix pag. 
436 und Sinkaj's Chronik, Bukurest 1886. 8. maj p. 333 sq. 

») 6 r a t i a n i^s, des : „Episcopus Ameriniis** Werk führt den Titel : „De Joanne Hera- 
clide Despota libri tres Varsaviae, e typographia Mitlerinn4 1759. 8 min., e mannscripto K- 
bliothecae Zaluscianae. Diese Ausgabe liefert den Beweis, dass der berühmte Cardinal Mai irrte^ wenn 
er in seinem Spicilegium romanum die Ansicht aussprach, er publicire dieses Werk zuerst; tob 
diesem erschien Übrigens 1860 nach einem Exemplare der Göttinger Bibliothek eine neuerliche Aus- 
gabe, jedoch nur in der sehr beschränkten Zahl von vierzig Abzügen, von denen Einer, mit Nr. tfr6 
bezeichnete in meinen Besitz gelangte. Legrand veranstaltete 1889 eine weitere zu MaisooBe- 
nuve in 4^ min. 

*) Wahrscheinlich war das ein sehr naher Anverwandter des um jene Zeit so bervLiimten 
Staatsmannes und Bischofes von Krakau, Peter Lodzia Tomicki. 

«) Ueber ihn Cf. S c h u 1 1 e r : „Georg Reicherstorfer und seine Zeit" im XXI. Bande 
des von der kais. u. königl. Akademie der Wissenschaften herausgegebenen „Archiv" für Kunde 
österreichischer Geschichtsquel'en". Wien 1859. 8. maj. (Erschien auch im Separatabdrucke.) 



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Eine moldauische Stubmfahne dreihundebtjähb. Vergangenheit. 29 

lassen. ') Seine Worte über das Volk lauten:*) »Gens ista atrox est & admo- 
duni barbara, in rebus tarnen militaribus & bellicis, suo more exi- 
raie instructa«, d. h. »Es ist ein grausames und barbarisches Volk, in Waffen- und 
Kriegsdingen aber nach seiner Art hoch erfahren.« 

Ohne hier auf weitere Zeugnisse, deren es wahrhaft noch viele gibt, weiter 
eingehen zu wollen, dürfte uns der später aufgekommene Spruch genügend be- 
gründet erscheinen, welcher die kriegerische Tüchtigkeit der moldauischen Recken 
mit anderen vergleichend, sagt : »Fünf krimische Tataren gelten für 
Zehn B u d j a k e n, aber Fünf Moldauer überwinden Zehn wider sie kom- 
mende krimische Tataren«. 

Um dieses Bild, das ehrenhafte Gefühle berechtigten Stolzes in der Brust 
unserer Heimatskinder zu wecken und zu erhalten geeignet ist, mit den letzten 
Pinselstrichen zur Vollendung zu bringen, weise ich nur noch auf die Geschichte der 
unter ziemlich abenteuerlichen Umständen emporgekommenen Republik des hei- 
ligen Marcus, Venedig's hin. ^) 

Wie jede am Meere sich mühsam emporschwingende menschliche Siede- 
lung, auf Schiffahrt und Handel gewiesen, so gelangte auch dieser Staat, dessen Ober- 
haupt, der Doge, »nach Aussen Herr, zu Hause Gefangener« war, 
durch kluge Benützung der Umstände, namentlich zur Zeit der Kreuzzüge, zu 
präpondcrirender Machtentfaltung und politischer Bedeutmig. 

Dass auch die Moldau mithineingezogen wurde in die Kreise der specula- 
tiven Berechnung, konnte zu einer Zeit nicht ausbleiben, da dieses Fürstenthum 
bis zur Entdeckung des Seeweges nach Ostindien, welcher dem Welthandel andere 
Bahnen vorzeichnete, die vorzüglichste Etappe des damaligen Verkehres zwischen 
dem Oriente und zwischen dem Occidente bildete und an Naturproducten selbst 
reich, so mancher kaufinämiischen Unternehmung reichen Gewinn versprach. Immer 
freundschaftlicher gestalteten sich daher die Verhältnisse zwischen diesen beiden 
Staaten. Venezianische Aerzte besorgten, als Hofmedici, die leibliche Wohlfahrt 
des Fürsten, dessen Schätze mit Vorliebe*) in sogenannten Ducaten'*) oder Zecchinen*) 
in der venezianischen Bank fruchtbringend angelegt wurden ; venezianische Maler 
bedeckten die Wände der Kirchen mit kunstreichen Gemälden oder Goldschmiede 
lieferten den Gold- und Silber- Schmuck der Altäre und der Fürstinnen, da- 
gegen aber stillten moldauische Rosse ihren Diurst in der Adria, in deren AVellen 
sich die Kutschma ^) des in Sold genommenen moldauischen Kriegers spiegelte ®). 



>) Beides ist in dem bekannten Werke Papin's: „Tesaurulu". Bukurest 1864. 4^ wieder 
pablicirt worden u. zw. mit einer gleich anfangs beigebrachten, die Genesis früherer Publica- 
tionen beleuchtenden, sehr instructiven, interessanten und inhaltsreichen Note. 

«) l c. p. 137. 

■) Cf. „Saggio sopra i Veneti primi." Venedig 1781. 4^ (der Verfasser hat sich nicht 
genannt, gedruckt wurde das Werk bei Btampatore e librario Pietro Savioni,) 

*) Die ungarischen Goldmünzen galten als die schönsten, die venezianischen als die be- 
liebtesten. 

^ Der Name „Ducate** stammt von der Inschrift auf den Miinzen der Dogenstadt : ,,Tibi 
Christe sit datus, quem regis, iste ducatus", d. h. „Dir Christus sei geweiht, das Du regierst, 
dies Uerzogthum.** Da auch Silbermünzen diese Umschrift trugen, gab es auch Silberducaten. 

*) Von: „Zeccha" = Staatsbank. 

^ Kutschma hiess und heisst nach einer tatarischen Wortwurzel die spitz zulaufende 
Lamp^mütze. Nach Gol'Qbiowski: „Trachten in Polen". Krakau 1862. 8 min. p. 147 
aach in Polen bekannt u. zw. von wai>serblauem Zobel. 

») Beweise hiefUr finden sich zahlreich in Hurmuzaki*s bekannter Urkundensammlung, 
die speci^e Anführung ginge zu weit. ^^ 1 

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30 Schmidt: 

So blieb es lange Jahre hindurch und, in der moldauischen Heimat selbst 
gab es, namentlich in den Siebziger Jahren des sechzehnten Jahrhunderte», zur 
Zeit der Wojewodschaft Johajm Podkowa's, beigenaimt y-Der Grausame-f, 
dieser Törkengeissel, der Veranlassungen mehr als genug, den alten Waffen- 
ruhm zu vollen Ehren gebracht zu sehen. 

Leider war indessen die Moldau, wie der spottlustige Pole sie nannte, 
zum »Wach telfelde geworden, das Jedermann abj agen könuec, 
und unter Johann Zamojski's, des berühmten polnischen Kronfeldhauptnianm^s 
Schlitz und Schirme, war Jeremias M o h i 1 a ziu* Herrschaft der Moldau gelangt ; 
der Nachkomme kriegerischer, auf den Schlachtfeldern von l'ngani, sich unter 
Johann Hu ny ad y henorragend auszeichnender Ahnen ^) und der mit demWojt*- 
woden der Walachei, Michael dem Sieghaften, welcher eine walachiscbe Uni- 
versalmonarchie anstrebte, in blutige Kämpfe verwickelt wurde. ^) 

Und hiemit stehen wir vor der zu besprechenden Stiumfahne, deren Ent- 
stehung, wie sogleich soll dargethan werden, der Concertion nach, schon in die 
letztangedeutete Zeit, d. i. in die Neige des sechzehnten Jahrhundeiles ßlllt. Es 
ist ein schönes militärisches Heiligthum und besticht aus der Stange, mit einem 
umfangreichen, silbernen Knaufe, unter welchem, ein den KnautTials als Quaste 
umgebender gestutzter, schwarzer Rosschweif bis auf das Fahnentuch herabhängt 
welch Letzteres, mehr lang als breit, flaggenartig an die Stange genagelt, an 
den auslaufenden Enden nicht gezackt kt, sondern senkrecht sich abschliesst. 



*) Daten hierüber liefert Stupnicki in seinem „Polnisches Wappenbuch** Lemberg 
1855. 4* min. Tom. II. p. 158 sq., wo es auch heisst, die Mohila's seien die Nachkommen 
des römischen Rittergeschlechtes des Mutius (?!); Einer derselben sei nach Griechenland 
ausgewandert und habe daselbst in einer Schlacht, als Feldherr, nach errungenem Siege, die 
Gefallenen, Freund und Feind, in vielen und grossen Grabhügeln bestattend, zu der neuen Benen- 
nung der Familie den Anlass gegeben. Es sei vergönnt, hiebei auf Zweierlei hinzuweisen. Erstens, 
dass, die Auswanderung zugegeben, ^yohl erweisbar sei, dass in Griechenland und weit darüber 
hinaus, als in Constantinopel und weiter, die slavische Sprache, anlässlich dort verbreiteter «la- 
vischer Bevölkerung, gang und gäbe gewesen. (Cf. den Eccurs: „ lieber das slavische Element im 
Rumänischen", in Schmidt's: „Das Jahr und seine Tage in Meinung und Brauch der Ro- 
manen Siebenbürgens^*, llermannstadt 1866, 8^ min.); dass aber die griechischen hlstoriicben 
Quellen über einen, mit den angegebenen Umständen verbundenen Sieg, namentlich unter der 
Leitung eines Nichtgriechec, gar keine Meldung thun. Wohl sehen wir in dem Wappen d» 
Familie Zwei, mit den Griffen nach auswärts gekehrte, in der Scheide steckende, gekreuzte 
Säbel, also jedenfalls ein kriegerisches Emblem, allein- die Adjustirung dieser Hiebwaffe seboa 
an und für sich, d. i. das Vorhandensein zweier Ringe zur Einhängung derselben nicht in eine 
sogenannte Steck- sondern in eine, den Leib umspannende Hängekuppel, widerspricht, von dem 
späten Aufkommen der Säbel gänzlich abgesehen, der angeblich in Griechenland und in erwähnter 
Art erworbenen Nobilität, so sehr in Byzanz Rang- und Würdenunterschied blühtbn. Stap- 
nicki, oder wer sonst den Namen M o h i 1 a glaubte bis auf die veranlassenden, schanrigen 
Siegesdenkmale zurückführen zu müssen, übersah jedenfalls den Widerspruch, in welchem CT 
sich befinde, indem er den Namen der moldauischen Fürstenfamilie mit „y'* schreibt und ihr 
eine abgesonderte Adelsfamilie M o g i 1 a voraussendet. Scheinbar wäre Mohjla kleinrussisc)^, 
Mogila dagegen polnische Schreibart und Praumtiation und hatte somit nichts Weiteres aaf sich, 
wenn das Geschlecht, der, von Stupnicki Mogila Genannten, im Wappen nicht eben einen Grab- 
hügel führen würde, dessen Mitte ein stehendes, die Querseiten aber ein liegendes Kreuz schmücken 
so, dass gerade auf dieses Adelsgeschlecht, das jedoch — wie erwähnt — von dem mol- 
dauisch- wojewodalen vollständig isolirt wird, die griechische Schlachtenleitung, selbst wenn die- 
selbe begründet wäre, was jedoch nicht der Fall ist, schon des Wappenbildes wegen, besser 
passen würde. 

•) Cf. Teutschländer: Gesch. Michaels des Sieghaften, Wien, Gräser, neben den 
reichen und bekannten Quellen in deutschen, ungarischen, lateinischen, rumänischec, ja sdbat 
polnischen archivalischen Publicationen, deren Anführung über Zweck und Raumgebot dieses 
Aufsatzes hinausgehen würde. 



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Eine moldauische STaaMFAHNE dbrihundertjähk. Vergangenheit. 31 

Das Flaggen- oder Fahnentuch besteht aus zwei wagrecht sich abhebenden Fel- 
dern, deren oberes weiss, das untere dagegen roth ist. Im oberen, weissen Felde 
wird in schwarzen Lettern, in glagolitischen Schriftzügen gelevsen: »Jon Jeremija 
Mobila, Bozijo milostijo Hospodar Zemli Moldawskoj, wlet 7109 mies. Mart 15 
d.«, deutsch: Johann Jeremias Mohila, von Gottes Gnaden Hospodar (Hen*) des 
moldauischen Geländes, im Jahre 1601 im März am löten. 

Bevor wir dem imteren rothen Felde unsere Aufmerksamkeit zuwenden, 
wollen wir uns mit dieser Inschrift derart beschäftigen, um über die Bedeutung 
derselben vollständig uns klar zu werden. 

Dass die Inschrift slavisch und speciell ruthenisch laute, kann bei dem 
Umstände keineswegs beiremden, da bis um die Mitte des siebzehnten Jahr- 
hundertes, wie allgemein bekannt, die ruthenische Sprache die Curialsprache 
war, der wir auch in den, bis auf den heutigen Tag erhaltenen Lapidarepi- 
grammen der gr.-or. aus jenen Tagen datirenden Kirchen begegnen. Erst — wie 
bemerkt — um die Mitte des siebzehnten Jahrhundertes fahrte der damalige 
Wojewode der Moldau, Basil Lupu die rumänische Sprache ein, *) was jedoch 
nicht hinderte, dass die slavische Sprache noch bis an die Neige des XVII. Jahr- 
hunderts im Curialstyle fast ganz ausschliesslich und über diese Zeit hinaus insofenie 
bestand, als die jeweiligen landesfürstlichen Kundgebungen vor deren rumäni- 
schem Texte den rutheni sehen Fürstentitel als Eingang luid nach dem 
Texte die gleichfalls ruthenische Schlussformel aufwiesen: »Der Herr selbst 
hat es befohlen« oder: »Andei"s wollet ja nicht handeln!« und das Wort: »Im 
Jahre«, nebst dem weiteren: »Gelesen« vor dem Namenszuge des mitunterferti- 
genden Kanzlers oder Logopheten enthielten. Zuletzt wurde freilich die Jahres- 
zahl nicht mehr nach der sogenannten adamitischen- oder Weltschöpfungsära, 
deren Neujahr bekanntlich auf den 1. September fallt, sondern naeh christlicher 
Aera und nicht mehr durch einzelne, bestimmten Zifferwerth darstellende Buch- 
staben, sondern diux^h arabische Zahlen ausgedruckt. 

Die Inschrift unserer Fahne zeigt in der zeitfiblichen Bezeichnung .der 
Jahreszahl durch Buchstaben, das Jahr 7109, der als nähere Zeitbestimmung,^) 
der Monat März beigefugt wurde. 

Wir werden somit in das Frühjahr von 1601 gewiesen. Doch hierüber 
weiter unten. 

G^hen wir zu dem zweiten, dem unteren Theile des Fahnentuches Über. 

Es ist roth und zeigt in der unteren, ausflatteniden Ecke das moldauisclie 
Ijandeswappen, den Ochsenkopf mit einem Sterne zwischen den Hörnern, in 
einem Ringe, dem ein lateinisches Kreuz aufgesetzt ist. Alles in Gold gestickt. 

Zu bedaueni ist es, dass wir nicht in der Lage sind, dm'ch einen Vergleich 
mit früheren oder späteren militärischen Bannern feststellen zu köimen, ob die, 

*) Melchiaedek hat in seiner Huscher Chronik — Bukurest 1869. 8® — aus der, 
selbstverständlich unvermeidlich gewordenen Uebergangsperiode gar ergötzliche Sprachproben, 
darunter wahrhaft haarsträubende sinnlose Gebetforraeln der Geistlichkeit, in einem eigenen 
Anbange veröffentlicht. 

•) Bei der Reducirong der Schöpfungsära auf christliche, werden vor 1. September 
jeden Jahres 6508, nach oder mit 1. September 5509 abgezogen, da mit September die Welt- 
ära big z«m l. Jänner des nächsten Jahres um Eine Einheit voraus ist. Daraus erklärt sich die 
oothwendige Gepflogenhett, der Jahreszahl der Schöpfungsära das Monatsdatum beizufügen, was 
bei lat 1. a. Urkunden der Kalenderheilige ersetzte. 



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32 Schmidt : 

bei diesem Feldzeichen ziir Geltung gebrachten Farben »weiss, schwarz, roth 
und gokU, nicht etwa damalige Landes- und Nationalfarben gewesen seien, wie 
heute »blau, roth, gokU. Es ist ja doch ganz unzweifelbar die weisse Fari)e 
des oberen Fahnentuchfeldes keineswegs in der alleinzigen Absicht zur Verwen- 
dung gekommen, um die schwarze Inschrift kennbarer und weithin sichtbarer zu 
machen. Dies koimte denn doch eben so gut durch eine goldene oder sin>enip 
Inschrift auf dunklem Grunde bewerkstelligt und erreicht werden, wenn es über- 
haupt n ö t h i g gedacht werden müsste, die unter eine Feldfahne sich schaarenden 
Streiter, die denn doch wissen, wem sie Leib und Ijeben zugeschworen, durch 
eine besondere darauf hinweisende Fahneninschrift erst noch daran zu eriunem. 
Titel und Wurden des Kriegsherren auf dem flatternd vorangetragenen Panniere, 
sind — wenigstens unseren heutigen Begriffen nach — kein Ersatz für einen 
begeisternden Mahnmf, wie er jetzt auf jedem Bande miliUirischer Draj>eau's zur 
Losung für Tausende wird. 

Da Mohila gewiss keine Neuenuig einführte, denke ich meinestheils, es 
handle sich um ein Banner, welches nicht einem Natioimlaufgebote, son- 
dern Söldnerscharen vorangehen sollte, die geradezu nm* in persönlichem 
Abhängigkeitsverhältnisse zu Jeremias Mohila standen, d. i. von ihm für seine 
Zwecke besoldet wurden. Die Reisläuferei, das Söldnerthum, stand 1601 noch 
immer in voller Blüthe und die moldauische Geschichte der kurz vor Jeremias 
Mohila geführten Kämpfe, zeigt uns die von den beiden Frohnsperger ') 
gedrillten »frmnmen ^) Landesknechte neben deutschen Hackenschützen, unga- 
rischen Simenen*) und Abenteurern aus aller Herren Ijändern, besonders begehrt 
und gesucht jedoch deutsche Artilleristen, da dieselben die Ersten waren, welche 
die 1531 von dem Italiener Tartaglia gelehrten, auf Tragweite und Ziel- 
fähigkeit der Geschütze berechneten mathematischen Gnuidsätze sich zu eigen 
gemacht hatten.*) 

Da wir die Farben des um — beschäftigenden Banners im mohilanischen 
Wappen wiederfinden — weiss die Säbelscheiden, roth das Schildfeld, 
schwarz die Säbelgritfe, golden schliesslich die — man möchte sagen — pro- 
phetisch auf dem Schilde nihende Krone, so dürfte wohl kaum ein Zweifel darüber 
können erhoben werden, dass die Bestimmung des kriegerischen Ehrenzeichens die 
kiu-z zuvor angedeutete gewesen : sei. Söldnern als H a u s t r u p p e n sollte 
sie zum Sammelzeichen dienen. 

Die Inschrift, wenn nicht mthenisch selbst, ist keineswegs geeignet, Be- 
fremden -wv chzunifei i . 

Wissen wir es doch sell)st, weil wir es in den, über den Portalen älterer, 
gi'.-or. Kirchen, in der ehemaligen Rjidautzor gr.-or. Episcopalkirche sogar in 
einer ganzen, in einen Monolitli gehauenen Urkunde besehen und lesen, dass, 

*) So und nicht Frundsberg erscheint der Name im Berichte der mit des firanaö- 
sischen Königs Franz I. schliessenden Schlacht bei Paria — 1515 — wo die drei Waffengat- 
tungen: Fussvolk, Reiterei und Archeley zum ersten Male zusammenwirkten. Cf. Scherr^ 
„Geschichte der deutschen Cultur und Sitte". Leipzig 1870. 8 min. 

*) Lucus a non lucendo. 

') Nach Cantemir „Beschreibung der Moldau*'. Jahr 1861 8 min. p. 183 war das Wort 
„Simene" die landläufige Bezeichnung filr Söldner. 

<) 8 c h e r r l. c. p. 307. 



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EiNB MOLDAUISCHE StUBMFAHNE DBEIHUNDSaTJÄHB. VERGANGENHEIT. 38 

WO die Hand des Landesfürsten mitthätig gewesen, es an einer dessen Wir- 
ken kund gebenden, dauernden Inschrift nicht gefehlt habe. Landläuliger alter 
Brauch war es und blieb es, bis in die spätesten Zeiten herab. 

Etwas auflfallend ist der Platz, welchen das in Gold gestickte Landes- 
wappen erhalten hat und dies umsomehr, als durch Anbringung desselben in der 
untersten rechten Ecke der flaggenartigen Fahne, die Selbstentrollung dei-selben 
und somit auch dm Hervortreten des Wappens wegen der Schwere desselben, 
wesentlich behindert erscheinen. 

Minder befremdend ist das dem Ringe, welcher das Landeswappen um- 
gibt, aufgesetzte einarmige lateinische Kreuz, welches uns gar niclit 
so selten, als man eigentlich glauben sollte, auf älteren, zu religiösen Zwecken 
bestimmten Kunstgebilden der orientalischen Kirche begegnet. Ich selbst war 
vor wenigen Wochen so glücklich, der hohen k. u. k. Central- C/ommission für 
kunst- und historische Denkmale das photographische Bild eines, allen Anzeichen 
nach, viele Jahrhunderte zählenden Reliquiariums einzusenden, welches eine Kreuz- 
partikel bergend, bestimmt gewesen sein mochte, an der beigefügten Kette hän- 
gend, neben dem usuellen Pectoralkreuze, die Brust irgend eines gr.-or. Kirchen - 
forsten zu schmücken. Dies kostbare Kunstkleinod, bestehend aus einer 18 Cen- 
timeter im Umfange und 1 Centimeter in der Höhe messenden silbernen Kapsel, 
vereinigte vollständig in sich, was einer Kunstantike den fast unschätzbaren 
Werth verleiht. Der Stoff ist Edelmetall und im Inneren kostbai*es Sandel- 
holz. Die Veredlung dieses, an luid für sich werthvoUen Stoffes, konnte wohl 
kaum eine mehr künstlerische sein, da von Aussen verschiedene Rankenver- 
schlingungen u. dgl. in meisterhaflier Filigran- Ausführung, die beiden Kapsel- 
flächen decken, während biblische Scenen das, die innere Füttenmg bildende 
Sandelholz in zartester und bewunderungswürdiger Plastik en relief zu höherem 
Werthe steigern. Das hohe Alterthum unterliegt keinem Zweifel und ein 
pretium affectionis lässt sich schon deshalb schwerlich beziffeni, weil 
religiöse Pietät gegenüber dem in der Kapsel angebrachten Heiligthume und 
vielerlei sonstige, dem menschlichen Gemüthe unveräusserbare, an dieses herr- 
liche Pninkstück sich knüpfende Reminiscenzen zusammenwirken. Und auch 
dieses Kleinod der, wenngleich stumme, nichts destoweniger eine sehr eindringlich 
packende Wirkung übende Zeuge dahingeschwundener Herrlichkeit, hat an dem 
beim Tragen nach oben gerichtetem Rande das lateinische Kreuz. 

Der Schluss der Inschrift auf der Fahne, die nach Jahr und Monatstag 
angesetzte Zeitbestimmung der Beschaffung derselben, vei^etzt uns in die bewegte 
Zeit Michaels des Sieghaften, des Wojewoden der Walachei, der nichts Gerin- 
geres anstrebte, als die Vereinigung sämmtlicher Rumänen zu einem grossen, 
ehrfurchtgebietenden und mächtigen Gesammtstaate, von seiner Dynastie beherrscht 
und sein grosses Ziel hätte Michael nicht verfehlt, weim er von d(un kaiser- 
lichen, um Aas Interesse seines Herrn — Rudolph's II — besorgt<Mi Generalen, 
Georg Basta, nicht würde gewaltsam zur Seite geschafft worden sein. ') 



*) Wir besitzen zwei Monographien Über Michael. Die Eine von B . . . . in rumänischer, 
die Zweite von T in deutscher Sprache. Beide benützen das überaus reiche Quellen- 



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34 Schmidt; Eine mold. Stübmfahne DBEiHaNDBRTJ. Vebqangbnhbit. 

Dass bei diesen seinen unverkennbar zu Tage tretenden Grossmachtgelüsten 
die Moldau von feindlichen Angriifen nicht wenle verschont bleiben, war leicht 
vorauszusehen und veranlasste den Fürsten Jeremias, frühzeitig an erfolgreiche 
Mittel der Abwehr zu denken. Was war natürlicher, als dass er, der Unzuläng- 
lichkeit der eigenen, weinigleich notorisch tapferen Streitmacht sich bewusst, in 
erster Linie an Diejenigen sich wandte, durch deren kraftiges Zuthun er auf den 
Fürstenstuhl gelangt war, an die benachbarten Polen, denen schon wegen ihres 
Verhältnisses zur Pforte, sehr daran gelegen sein musste, den Einfluss in der 
Moldau zu behaupt(»n. *) 

Mitten in diesen Kriegstrubeln, zu deren Beschwörung die Werbung 
von Soldtruppen vorgenommen werden musste, nnisste wohl auch Jerennas Mohila 
zu solchem Abwehrmittel greifen*) und an einen derart gewoimenen Streithaufen 
mag, zum Untei-schiede von den heimischen Kriegern auch in dieser Beziehung, 
eine derartige Fahne gegeben worden sein, der ich den Namen Sturmfcihne bei- 
legte, weil es galt, dieselbe dem Anstürmer gegenüber im Gegenanstunne zu ent- 
falten und die ich für eine speciell mohilanische halte, weil nm* durch die 
Schärfe des Schwertt^s entschieden werden sollte, ob Jeremias Mohila die Moldau, 
dessen Bruder Simeon aber die Walachei werde behalten können. 

Zum Schlüsse werde mir die Bemerkung gestattet, dass ich angesichts der 
historischen Zeugnisse über die jederzeit anerkannte und ruhmlich hervorgehobene 
kriegerische Tüchtigkeit der Rumänen, von welcher auch die k. u. k. rumänischen 
Regimenter in den vielen Feldzügen vor und seit Napoleon I. mid erst körz- 
hch, gelegentlich der bosnischen Occupation, wo namentlich unser wackeres 
Hausregiment sich unvergängliche Lorbern holte. Beweise lieferten, dass ich, heute 
— ich wiederhole es — die Vollberechtigung des Titels anerkenne, welchen 
das 1762 als zweites Siebenbürger Grenz- Infanterie- Regiment errichtete, mit 
einer goldenen Medaille an der Leibfahne ausgezeichnete Regiment, anlässlich 
der Seculaifeier seines Bestandes, dem, an alle stammgenössischen Waffenbrüder 
gerichteten Festgedichte gab, des Titels: 

„ VirtuB romana rediviva,^ 



roaterial nicht in erschöpfender Weise, wobei noch den Einen übel verstandener Patrioüsmiu 
vom Standpunkte der Objectivität herab und in das vaste Gebiet der Phantasie drängt, dem An- 
deren die Furcht, in gewissen Kreisen missliebig zu werden, stellenweise unverzeihliches Schwei- 
gen auferlegt. Für Keinen von Beiden besteht Cicero's Gesetz für den HiRtoriographen lu 
Recht: „Ne quid falsi dicere audeat, ne qui veri non dicere audeat". Für strenge Wissenschaft 
sind sie als nichtbestehend zu betrachten. 

») Das umständlichere hierilber sieh bei Schmidt: „Suczawa's historische Denkwür« 
digkeiten". Czemowitz 1876. 8. min. p. 147 sq. 

•j In der Geschichte Polens führen dieselben den Namen: „Autorament" zum unter- 
schiede von den nationalen Bannerherrentruppen. 



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Die Anfange des k. k. Staatsgestutes Radautz. 

Von Dr. Jobann Polek. 

Nach dem siebenjährigen Kriege war es keine leichte Siiche, den jähriichen 
Pferdebedarf der Annee zu decken; denn viele Gestute waren eingegangen 
uiid die von Bauern gezüchteten Pferde unbrauchbar. 

Das schwere Material suchte das Aerar damals in der Regel im Lie- 
feningswege aufzubringen, die Beschaffung des leichten aber überliess es den 
betreffenden (Chevauxlegers- und Husaren-)Regimentern, indem es ihnen gegen 
einen von allen drei Stabsoflficieren unterzeichneten Revers die nöthigeu Geld- 
mittel zur Verfügung stellte. 

Die von den Regimentern mit dem Einkaufe betrauten Officiere besuchten 
alle inländischen Pferdemärkte und Gestüte, kamen jedoch häufig nur im Aus- 
lande, namentlich in Podoben und in der Tartarei, zum Ziele. *) 

Nach der Besitzergreifinig von Galizien dm'ch Oesterreich schmeichelte sich 
der Hofkriegsrath mit der Hoffnung, den Bedarf an Dienstpferden für die in die 
neuerworbene Provinz verlegten Chevauxlegers- und Husarenregimenter dort sowohl 
als in den anstossenden Landern leichter und wohlfeiler mit Hilfe von Liefe- 
i'anten aufzubringen. Er trug daher noch im J. 1772 dem galizischen General- 
comraando die Abschliessung von Verträgen mit verlässlichen Hiindlem auf 

Auf diese Weise sind bis Anfang 1774 529 Remonten erworben worden. 
Die letzte Lieferung (des Juden Isaak Hirschl) kam jedoch mir dadm*ch 
zustande, dass das galizische Öeneralcomnaando ein unter einem »geschickten« 
Oflicier, dem Oberlieutenant Joseph v. Cavallar vom Chevauxlegersregimente 
Kaiser Joseph IL (heute Uhlanenregiment Nr. 6), stehendes ^Commando« mit 
15.000 fl. i» Verlagsgeldern« mitgab. ^) 

Inzwischen hatte jedoch Kaiser Joseph II. den Befehl erlassen, auch die in 
GaUzien untergebrachten zwei Dragonerregimenter (Darmstiult und Modena) mit 
leichten (Chevauxlegers- )Pferden zu versehen. Dadiu'ch war das Erfordernis an 
Remonten auf ungeföhr 2000 Stück gestiegen. Eine so grosse Anzahl Pferde 
schien dem Hofkriegsrathe nm* mittelst eines Hauptlieferanten rasch und wohl- 
feil aufbringbar. Es fand sich jedoch niemand, der die Mittel hatte oder sich 
getraute, eine solche Liefenmg zu übi»rnehmen. Da sciilug das galizische General- 
commando vor, dass das Aerar nach dem Beispiele anderer Mächte, z. \\, Preussens, 
das damals durch Husarenconunanden in Podolien remontieren Hess, den Ankauf 
der abgängigen Pferde selbst besorge, und l)ezeichnete zugleich den Oberlieute- 



») «eil. 11. «} Beil. 1. 

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36 Polek: 

iiant Cavallar als den Mann, dem wegen seiner besonderen Geschicklichkeit 
sowie wegen seiner Kenntnis von den pferdereichen Gegenden das Ankaufs- 
geschaft übeiiragen werden könnte. 

Diesem Vorschlage stimmte sowohl der Hofkriegsrath als auch der 
Kaiser zu. ') 

Cavallar gab im Jahre 1774 766, im Jahre 1775 871 Stuck Remonten 
an die Regimenti»r ab. ^) 

Der verhältnismässig billige Einkaufspreis — im Jahi-e 1774 kam eine 
Remonte auf 56 fl. l'^f^ kr., im Jahre 1775 auf 55 fl. llVg kr. zu stehen, 
während sonst ein Chevauxlegerspfeixi 19, ein Husarenpfei-d 15, im r>urch- 
schnitte also eine Remonte 17 Ducatt»n oder 71 fl. 58 kr. kostete') — und der 
noch inmier bedeuteride Abgang an leichten Pferden — das galiz. Generalcom- 
mando beziiferte ihn njit 3490 Stück — bewogen den Kaiser einen »weiteren 
Remonteneinkauf« und zwai* von 8000 Stück und darüber unter der Leitmig 
des inzwischen zum Rittmeister ernannt(»n Cavallar zu bewilligen. '•) 

Diese Remontieimng nahm fast zwei volle Jahre in Anspruch und führte 
Cavallar bis in die am Nordabhange des Kaukasus gelegene Kabarda, *) Es 
wm-den im J. 1776 2677 Pferde (2619 Remonten und 58 Gebrauchspferde), im 
Jahre 1777 2911 Pferde (2843 R. und 68 G.), im Ganzen also 5588 Pferde 
(5462 R. und 126 G.) angekauft, wovon man im J. 1776 2520, im J. 1777 
2425 Remonten assentierte. ^) 

Schon im Jahre 1775 hatten viele der von Cavallar gekauft^en Pfeixle nicht 
das vorgeschriebene Mass. Cavallar hatte sie angenommen, tlieils weil sie jimg 
und schön, theils weil ohne sie die grossen Pferde nicht erhältlich waren. Dazu 
kam noch eine erhebliche Anzahl von dem Einkaufe des Jahres 1776. Auf 
Cavallai-'s Rath wurden diese Pferde im J. 1776 in die Bukowina abgeschickt 
und daselbst mit sehr geringen Kosten unterhalten. ') 

Im Ganzen belief sich die Zahl der im J. 1776 in der Bukowina imter- 
gebrachten Pferde auf 539 Stück. Davon befanden sicli ®) 

in Sereth 132 Stuck 

> Kuczunnare . . . . . 107 ^ 

» Jurkoutz . . . . . 66 s^ 

* Tereblestie . . . . . 66 » 

* Sadagöra . . . . . 64 » 
» Wolowetz und Suczawitza . . . 54 » 
» Fratautz . . . . . 50 » 

Durch den Einkauf des Jahres 1777 wurde nicht nur der momentane Ab- 
gang an leichten Pferden vollständig gedeckt, sondern es blieben auch noch 
503 Stuck (458 Remonten und 45 Gebrauch si)ferde) übrig. *) 

Diese überzähligen Pferde sollten in der Bukowina überwintern. *In Rück- 
sicht dessen«, dass Cavallar »lUe beste Einsicht und Kenntnis^ hatte, wie dies 
»zum Nutz(»n des Aerars und des Dienstes« gescheh(Mi könnte, trug ihm das 

>) Beil. I. «) Beil. III u. LH. ') Beil. IV. -•) Beil. III. ») Beil. VI u. XII. •> Beil. 
V. u. XII. ^) Beil. VII., VUl. 8j Beil. X. ») Beil. XI. u. XII. 



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Ddb AnfInqb DBS K. K. Staatsgestütbs Radaotz. 37 

galiz. Geiieralcommaudo auf, hierzu aii Ort und Stelle unter Mitwirkung des 
Generals Baron v. Spleny, der damals die Bukowina verwaltete, die nöthigen 
Einrichtungen zu treffen. ^) 

Cavallar liess sofort — es war Mitte November — in den am Flusse Sereth 
gelegenen Ortschaften Czerepkoutz und Styrcze je einen halbgedeckten 
Stall (Okol) erbauen und stellte darin die Pferde 2u fast gleichen Theilen (in 
Czerepkoutz 229 R. u. 23 G., in Styrcze 229 R. u. 22 G.) auf. Zur Wartung 
der Pferde theilt<^ er jedem Stalle 1 Corporal, 1 Schnued, 16 Gemeine und 
16 Bauemknechte, ziu* Aufeicht 1 Oberlieutenant zu; er selbst nahm sein Quar- 
tier in dem nahen Stadtchen Sereth.*) 

Sollte der Pferdestand der leichten Reiterei in Galizien complet erhalten 
werden, dann durfte das Remontierungsgeschäft weder im Jahre 1778 noch in 
den darauf folgenden Jahren ruhen. 

Das Generalcommando bezifferte in seinem Berichte vom 31. December 
1777 den jährlichen Abgang mit 1500 Stück. Davon, meinte es, Hessen sich 
zwei Drittheile in Oesterreich und der angrenzenden Moldau aufbringen, die 
übrigen aber konnte man in Russland und zwar in der Weise beschaffen, dass 
man ein ftir allemal einen Freipass für ein paar hundert Stück erwirkte und, 
da sich die Handelsleute wegen des bestehenden Ausfuhrverbotes zu keiner con- 
tractlichen Lieferung verstunden, im Herbste oder Winter 500 bis 600 »auser- 
lesene* Stück bestellte, die im Fruhlinge durch einen Officier mit Hilfe von tar- 
tarischen Knechten oder Commandierten über die Grenze zu befordern wären. So 
wurde es, besonders wenn es möglich wäre, die dreijährigen Pferde, die immer unter 
anderen angenommen werden müssten, durch ein Jahr im Temeser Banat und 
in der Bukowina ^ohne besondei*en Aufwand zu halten und zu pflegen^, ein 
Leichtes sein, das jährliche Remontenerfoixleniis zu decken. ^) 

Kaiser Joseph war nicht abgeneigt, diesen Vorschlag zu genehmigen; er 
hielt es jedoch für nöthig, darüber vorher den Rittmeister Cavallar »mündHch 
zu vernehmen*. *) 

Während seiner Anwesenheit im Mäi*z 1778 in Wien arbeitete Cavallar 
einen Plan für die weitere Remontierung aus. Darin empfahl er zum Ankaufe 
sowie zur Wartung der Remonten die Zusammensetzung eines besondeivn Per- 
scmales, das nicht wie bisher jährlich wechseln, sondern, wenngleich aus verschie- 
denen Regimentern ausgewählt, beständig beisammen bleiben und bei einem 
jährlichen Erfordernisse von 1300 bis 1400 P*fenlen aus 1 Commandanten, 
3 Ober- und 3 ünterlieutenanten, 3 Wachtmeistern, 3 Fourieren, 3 Feldscheren), 
3 Schmieden, 3 Sattlern, 24 Coq^oralen und 360 Gemeinen bestehen sollte. Für 
den Anfang hätten alle Individuen ihre Montur vom Regimente, dem sie bis 
dahin angehörten, mitzubringen, später seien sie gleichmässig zu montieren. Zur 
Verpflegung des Personales hielt der Rittmeisttn* im Quartier, d. i. bei der W^ar- 
tung der Pfeitle, den »Cavalleristeiigehalt*, l>ei auswärtigen Diensten auch noch 
eine Zulage für dringend nöthig; in Hinsicht auf die Verpflegung der Pferde 
aber uberliess er es der hohen Behörde, zu entscheiden, ob das Futter von den 



>j Beil. XIII. «) Beil. XI, XII. II. XIII. ») Beil. XIII. *) Beil. XIV. 

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38 Polbk: 

k. k. Magazinen geliefert oder von dem Remontierungspersonale selbst gekauft 
werden sollte, und bemerkte nur, dass es am wiilsehaftlichsten wäre, sämmt- 
liche Pferde in Podolien, Pokutien und in der Bukowina aufeustellen, weil in 
diesen Ländern »gute, mehrere und wohlfeilere Fom*age< zu finden sei. ') 

Dem Hofkriegsrathe schien dieser Vorschlag beacVtenswert. Er würde, 
berichtete er am 28. März dem Kaiser, »das Gute« mit sich bringen, dass 
die Remonten vor der Abgabe an die Regimenter gereinigt und etwas zugeritten, 
somit gleich bei der Assentierung in Gebrauch genommen werden könnten. '') 

Joseph II. entschied, dass Cavallar, nachdem ihm bekannt gegeben worden, 
wie viel Remonten beiläufig erforderlich seien, um 5 Chevauxlegers- und 7 Hu- 
sarenregimenter besUindig in completem Stande zu erhalten, unverzüglich nach 
Galizien zurückkehre, sich daselbst jede Gelegenheit zum Einkaufe von 
Pferden zunutze mache und berichte, wo und wie viel Pferde er alljährlich auf- 
zubringen imstande sei ; übrigens habe er für die Zukunft dortlaudes aus- 
schliesslich und allein den Ankauf der Dienstpferde zu besorgen. ^) 

Diese kaiserliche Entsciiliessung dürfte auch noch durch den Umstand beein- 
flusst worden sein, dass bei dem letzten Cavallar'schen Einkauf (in den Jahren 
1776 und 1777) für das Aerar ein Ersparnis von 91.304 fl. 4778 kr. eraielt wor- 
den war. *) 

Cavallar erstattete* noch vor seiner Abreise von Wien, am 3. April, den 
abverlangten Bericht. Er erkläitc^ dass er, falls er in Russland nicht remon- 
tieren dürfe, auf GaliziiMi, Polen und die Moldau angewiesen sei. In letztere« 
Lande hätten die Armenier von Tismenice und Stanislau (in Galizien) einige 
Gestüte, was ihnen die Herbeiziehung anderer Pferde ermögliche. Es seien idso 
inmierhin viele Remonten aufzubringen ; doch lasse sich ihre Zahl — der Hof- 
kriegsrath hatte ihm am 30. Mäi-z das jährliche Erfordernis mit 1610 Stück 
(560 für die Chevauxlegers- und 1050 für die Husaren regimenter) beziffert *) — 
im voraus nicht bestimmen. Schliesslich bat er um Ergänzung des ihm bereits 
unter-stellten Personals und um dessen Ausstattung njit den nöthigen Requi- 
siten. *) 

Aber Cavallar wartete vergebens auf eine endgiltige Entscheidung; daher 
suchte er am 11. Juni geradezu um die Bestätigung seines »Planes« an. 

Damals machten 588 Remonten und 75 Gebrauchspfei-de den eff*ectiven 
Pferdestand in der Bukowina aus. Die VV^m-tung dieser Pferde wurtle von 116 
Gemeinen (zumeist vom 2. tjarnisonsn^gimente) besorgt, so dass ein Mann 6 
Pferde zu lK»dienen hatte. Die Aufsicht lag 2 OberlieuÜMuinten und 10 Corpo- 
ralen ob. Mit Recht drang daher der Rittmeistei* auf die Vermehrung des Re- 
montierungspersonals. ^) 

Doch erst Mitte Juli kam die Angelegenheit in Fluss. Es ist bekannt, 
dass damals des Wittelsbachischen Erbes wegen ein Krieg mit Pi-eussen drohte. 
Schon standen die beiderseitigen Armeen, von Joseph II. und PViedrich II 



') Beil. XV. ») Beü. XVI. ») Ebenda. *) Bnil. XVII. «) Beil. XVIII. •) Beil XIX. 
^; Beil. XX. 



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DiK Anfänge de» k. k. Staatsgestütbs Radautz. 39 

gefuhrt, einander gegenüber. Joseph II. sah den Ereignissen mit geringer Zu- 
versicht entgegen. Diese wuchs ei'st, als er wahrnahm, dass auch in dem preussi- 
schen Heere nicht alles so wohlbestellt sei, als er glaubte. Am 13. Juli bat er 
die Kaiserin um Ven'ollständigmig seiner Truppen, um Pferde, Waffen und Ge- 
schütze. *) An demselben Tage trug er dem General der Cavallerie Grafen C a- 
r a m e 1 1 i , der während des Feldzeugmeistei's Grafen H a d i k Abwesenheit beim 
Heere im Hofkriegsrathe den Vorsitz führte, auf, dass allen Hindernissen, die 
dem Remontierungsgeschäfte des Rittmeisters Cavallar, woran ihm »sehr viel ge- 
legen <f sei, entgegenstünden, »vorgebogen und obbemeldtem Cavallar zu noch stär- 
kerer Betreibung dieses dennalen so wichtigen Geschäfts alle Unterstützung ver- 
schaffet werde«. ^) 

Unter solchen Umständen konnte ein Antrag auf Errichtung eines eigenen, 
dem Rittmeister Cavallar zu unterstellenden Remontierungscommandos auf keine 
Schwierigkeiten stossen. Und dieser Antrag wurde vom Hofkriegsrathe mittelst 
Vortrages vom 14. JuH dem Kaiser unterbreitet und sofort genehmigt. *) 

Diese Allerhöchste Enischliessung machte der Hofkriegsrath dem galiz. 
G^ueralcommando am 22. Juli mit dem Bemerken kund, dass die zu dem Re- 
montienmgscommando bestimmten Individuen nicht, wie es Cavallar am 11. Juni 
vorgeschlagen hatte, bei ihren Regimentern völlig in Abgang zu bringen seien, 
sondern in deren Stand weiter zu verbleiben hätten. *) 

Cavallar, der nunmehr in K o t z m a n seinen Wohnsitz nahm, erhielt noch 
im Juli und August 1778 einen Theil des von ihm verlangten Pei-sonals 
sowie der nöthigsten Requisiten zugewiesen. Auch wurden auf General Baron 
E n z e n b e r g's Befehl in der Bukowina 4 neue Stallmigen, nämlich 2 in Wasz- 
koutz, 1 in Sadagöra und 1 in Styrcze, dann 2 Quasikasei'nen, 1 in Waszkoutz 
und 1 in Styrcze, und in letzterem Orte auch noch 1 Officiersquartier erbaut. ^) 
Dass unter solchen Umstanden der Einkauf und die Abgabe der Remonten nicht 
stockte, ist selbstverständlich. *) 

lui Jänner 1779 bestand das Remontierungscommando aus 1 Commandanten, 
2 Rittmeisteni, 1 Oberlieutenant, 2 Fourieren, 8 Schmieden, 26 Corporalen, 309 
Gemeinen und 40 bäuerlichen Knechten, zusammen also aus 384 Köpfen. Die 
Zahl der Pferde belief sich damals auf 648 Stück, wovon 512 Remonten mid 
136 Gebrauchspferde waren. '^) 

Die Vertheilung des Personals und der Pferde auf die einzelnen Stationeji 
ist aus der folgenden Tabelle zu einsehen : 



») Arneth, Geschichte Mari« ThereBiJi^s, Hd. X., S. 450. «) Beil. XXl. *) Beil. XXII. 
*) BeiL XXIII. *) Btil. XXIX u. XXXIX. ^) Siehe Beil. XXIX u. LH. ^) Beil. XXVII u. 
XXVIII. 



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40 



POLBK: 







Officiere 


Mannschaft 


Knechte | 


Pferde 


l 

a 
'S 


9> 

'S 

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Stationen 




1 

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1 
1 


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1 
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1 

1 

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1 


2 
1 

1 


1 


'S 

1 

1 


Kotzman 
Kuczurroare . 
Lask6wka 
Rohozna 
Sadagöra 
Sereth . 
Styrcze . 
Szubranetz 
Walawa . 
Waszkoutz a. Cz. 
Zadobr6wka . 




1 
1 

1 


1 


2 


1 
1 

1 


5 
2 
2 
2 
5 
1 
2 
2 
2 
2 
1 


43 
26 
28 
27 
49 
17 
20 
22 
25 
39 
13 


1 


1 


6 

3 

20 
3 

7 


33 
26 
38 
51 

82 

39 

29 
75 

28 
28 
66 
17 


10 
7 
11 
14 
26 

11 

8 
8 

8 

8 

20 

5 


3 

4 
5 
4 
4 

2 

1 

5 
5 
2 
2 


1 


Zusanimer 


. 


3 


1 


2 


3 


26 


309 


1 


t 


38 


512 


136 


37 


1 



Die Vervollständigung des Conimandos sollte jedoch nicht so bald eifolgen. 
Im Gegentheile, es droht*^ ihm sogar die Gefahr der Auflassung. 

Mit Rücksicht auf den Umstand, dass die Pferdelieferanten beim Beginne 
des bairischen Erbfolgekrieges mit der Remontenabgabe im Rückstand ))lieben, 
hatte der Hofkriegsrath am 16. Juli 1778 durch das galizische Generalcommando 
von Cavallar die Aeusserung abverlanget, ob er, falls ihm auch in Ungarn und 
Siebenbürgen zu remontieren gestattet würde, in Kriegszeiten 900 Chevauxlegers- 
und 1000 Husaren-, in Friedenzeiten 620 Chevauxlegers- imd 1B80 Husaren- 
pferde von fünQährigem Alter zu verechaffen sich getraue. *) 

Darauf erwiderte Cavallar am 29. Jänner 1779, dass er bis zum Frühjahr 
1300 bis 1400 Pferde beisammen zu haben hoffe und daher der Ergänzung 
seines Commandos entgegensehe. Sollte er auch in Siebenbürgen reniontieren 
dürfen, so könne man auf 1800 bis 2000 Pferde sicher rechnen. In diesem Falle 
wunle jedoch die Verstärkung seines Commandos bis auf 549 Köpfe und zu 
dessen Veq)flegung die damals beim Fuhrwesen gebräuchliche doi)pelte Lohnung 
nöthig sein. ^) 

Dieser Bericht fand in Wien eine gänzlich geänderte Situation vor. Es 
waren nämlich in Ungarn mid Siebenbürgen nicht nur die in Aussicht gestellten 



1) Beil. XXX. «) Beil. XXIX. 



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Die Akfäkob des k. k. Staatsgestütbs Radautz. 41 

Remont^n noch rechtzeitig während des Krieges geliefert worden, sondern die 
liefenmten erboten sich eben jetzt, mehrere Tausend im Jahre 1779 beizu- 
stellen. ') Zudem waren die Friedensverhandlungen eingeleitet und in kurzem 
die Beendigung des Krieges zu erwarten. ') 

Der Hofkriegsratli schlug daher in seinem Vortrage vom 15. April die 
Fortsetzung der Remontierung fdr die Friedenszeit in der bisherigen Weise vor. 
Demnach sollti^ Cavallai' nur den jährlichen galizischen Bedarf von ca. 800 Pferden 
mittels eines schwächeren Commandos aus der Moldau, Polen und Galizien 
decken. Für den Fall aber, dass er die Bewilligung zum Ankaufe des ganzen 
Abganges, also von 1800 Remonüni, erhi(4te, empfahl der Hofkiiegsrath, die 
Kostrn des Commandos dadurch zu vermindern, dass in jedem Chevauxlegers- 
und Husarenregimentc; eine mit dem Stande des Remontienuigscommandos proportio- 
tionierte Zahl von Ofticiers- und Unterofficiersstellen offen bliebe und die Mann- 
schaft grösst(mtheils dem zweiten Garnisonsregimente entnommen würde. *) 

Joseph II. zögerte diesmal mit seiner Resolution. Er wollte vorher in die 
Kostt*nUl>erschläge für die einzelnen Projecte Einsicht nehmen. *) 

Diese Kosten Ubei-schläge fielen nicht zu Gunsten des Remontierungscom- 
mandos aus; denn darnach würden die Cavallar'schen Rcmonten künftighin in 
Friedenszeiten weit mehr als die während des Krieges in Ungarn und Sieben- 
bürgen im Liefemngswege erworbenen gekostet haben. ^) Dass die Cavallar'schen 
Reraont(*n zur Zeit ihrer Eintheilung in die Regimenter bereits gereinigt, an hartes 
Fatt<»r gewöhnt, etwas zugeritten, kurz dienstfiihiger waien, darauf nahm der Hof- 
kriegsratli in seinem Vortrage vom 15. Mai keine Rücksicht Kein Wunder also, 
da«s der Kaiser »den Vorschlag zu einem eigenen Remontieiningscommando« 
nicht mehr billigte. ^ Infolge dieser Allerhöchsten Entschliessung trug der Hof- 
kriegsrath dem gaJiz. Generalcommando die Einstellung des Pferdeankaufes bis 
auf weiteres auf. ') 

Euie andere Gefahr drohte dem Cavallar'schen Remontieiningscommando 
von Seite der Bukowiner Districtsverwaltung. In seinem Eifer für das Wohl der 
ihm unterstehenden Provinz stellte General Karl Freiherr v. E n z e n b e r g unter 
gleichzeitiger Henorhebung der hohen Verdienste Cavallar's dessen Commando 
nicht nur als eine die Bukowiner Bevölkeiiing schwer druckende Anstalt, sondern 
auch ^Is ein grosses llindeniis der dem I^mde nützlichen Ansiedelung hin und 
sprach auch wiederholt die Meinung aus, dass die Bukowina durchaus keinen 
rel>erfluss lui Heuwiesen und Weiden habe. ®) 

Diesen Angriffen suchte Cavallar dadurch zu begegnen, dass er auf die 
geringe Inanspruchnahme der Bevölkenmg bei der Erbauung, bezw. Ausbesse- 
nmg der Stallungen sowie auf seine bedeutenden Heuvonüthe hinwies und der 
damab'gen Zuwanderung aus Galizien jeden Wert absprach. ®) 

Trotzdem wurde Cavallar die seinem Conunando drohende Gefahr niclit 
abgewendet haben, wenn ihm nicht von anderer Seite Hilfe gekommen wäre. Es 
stellte sich nämlich heraus, dass die ungarischen und siebenbüigischen Regi- 



») Beil. XXXI. «) Arneth, a. a. O. «. 582 ff. ^) Beil. XXXI. *) Beil. XXXI. *) Beil. 
XXXII-XXXV. «) Beil. XXXVI. ^) Beil. XXXVII. ^) Beil. XXXVIII und XLIL ») Beil. 
XXXIX. 



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42 Polek: 

menter nicht imstande waren, die ihnen nothigen Reiuonten durch eigenen An- 
kauf aufzubringen. Daher genehmigte Kaiser Joseph II. fiber X'ortrag des Hof- 
kriegsrathes vom 14. October 1780 und 29. Jänner 1781 für Ungarn und Sieben- 
bürgen die Errichtung von 3 aus Chevauxlegers- und HusarenoflScieren beste- 
henden Remontierungscommanden (2 für Ungarn und 1 für Siebenbürgen) und 
ordnete in Betreff* Oaliziens an, dass es daselbst »einstweilen« bei der bisherigen 
Beschaffung der leicliten Remonten »unter der Aufsicht des Rittmeisters Cavallar^ 
verbleibe; sobald aber »die Umstände in der Bukowina die Verpflegung der 
Remonten daselbst nicht mehr zuliessen«, sei auch in Gahzien ein gemischtes 
Commando zu errichten und die Aufsicht darüber dem Rittmeister Cavallar, der 
»ohnehin die dortigen Gegenden, Märkte und übrigen Umstände bcit langer Zeit 
her am besten kennen müsse«, zu übertragen. *) 

Da es nicht sicher war, ob die in Ungarn und Siebenbürgen angekauften 
Remonten die für die leichten Carabiniersescadronen erforderliche Qualität be- 
sitzen würden, setzte der Hofkriegsrath den bei Cavallar beständig zu haltenden 
Remontenvorrath unter Annahme eines zehnpercentigen Abganges auf 400 Olie- 
vauxlegers- uiÄ 690 Husarenpferde fest *) 

Demgemäss schlug das Generalcommando im Einvernehmen mit Ca- 
vallar die Zusammensetzung des Rcmontienmgscommandos aus 246 Köpfen 
(grösstentheils vom 2. Garnisonsregimentc-) und 182 Gebrauchspferden vor. Zur 
Unterbringung der Pferde erklärte es (he Erbauung je eines Okols für 300 Pferde 
zu Bajaschesti, Bojan und Fratautz sowie eines Stalles für 100 Pferde nebst 
einer Commandantenswohnung zu W a s z k o u t z für dringend nöthig, wobei es 
bemerkte, dass in der Bukowina »ausser einem besonderen Misswachs« kein 
Futtermangel zu besorgen sei. ') 

Sowohl die bedeutende Verminderung der Kosten, welche die Heranziehung 
des Gamisonsregimentes zum Zwecke der Remontierung zur Folge hatte, *) als 
auch die Versicherung des Generalcommandos, dass es in der Bukowina nie an 
Futter für die Remonten mangeln werde, veraidassten den Hofkriegsrath, das 
Cavallar'sche Commando »für ein beständiges Commando« anzusehen und ui 
seinem Vortrage vom 31. October 1781 dessen ordentliche Regidierung als ebenso 
»nützlich als nothwendig« hinzustellen. Kaiser Joseph genehmigte sofort den Vor- 
schlag und eniannte unter einem den Rittmeister Cavallar »wegen seiner bereits 
geleisteten Dienste und zu noch iuehrerer Aneiferung« zum Major »mit der 
ganzen Gage«. *) 

Die rasche Vermehrung des Pferdestandes durch den Kauf sowohl als 
auch diu'ch die mit den erkauften Remonten überkommenen und von diesen 
selbst in den Depots geworfenen Fohlen bewogen den Hofkriegsrath im J. 1792 
nebst der Herrschaft Waszkoutz die dem Bukowiner gr.-or. Rehgionsfonds gehörende 
Domäne Fratautz (auch Radautz genannt) in Bestand zu nehmen und das 
Cavallar'sche Remontienmgscommando zu einem »Bukowiner Beschäl-, Gk^tüts- 
und Remontierungsdepartement« zu erheben. 



») Beil. XLIII, XLIV, XLVI. «; Beil. XLVU. ») Beil. XLVIII. *) Beil XLIX. ») BeiL L. 

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Die Anfänge des k k. StAATsaBSTüTES Radautz 43 

Dieses Departement hatte auch für die Verbesserung und Verbreitung der 
Pferdezucht in der Bukowina und in Gahzien zu sorgen. Deshalb wurden von 
nun an auch Vaterpfenle von guter Race herbeigeschaffi und die besten Stuten 
aus den in den Depots befindHchen Renionten sowohl fiir das eigene Gestüt als 
auch für den änneren Landinann (fiir letzteren gegen Verbindlichkeitsrevers) aus- 
gewählt. 

Im Jahre 1812 wurde der Sitz des Departements von Waszkoutz nach 
Radautz verlegt. In demselben Jahre trat Cavallar {damals bereits in den 
Preihemistand erhoben) als Feldmarschallieutenaut in den wohlverdienten Ruhe- 
stand. ^) 



^) Beil. LH. Vgl. A 8 b 6 t h ) Kellgionsfondsberfdchaft Radautat) HMg. v. J. Poiek, Czer^ 
ttowitz 1891, S. 17 ff. 



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44 Polek: 



Beilage n/) 



Vortrag des Hofkriegsrathes. 

Orig. (K.-A. II. Sect. 1774—98—197.) Wienn, 24. Marx 1774. 

Von der Zeit an, wo Euer Majestät Truppen in Fehlen vorgerucket Bind und ^on Gallizieo 
und Lodomerien Besitz genommen hatten, mnchte der Hofkriegsrath sich die Rechnung, daM 
die darunter befindliche Chevauxlegers- und Husarenregimenter ihren Abgang an Pferden aus 
dem Lande selbst und den umliegenden Provinzen mit kürzerer Hand und im wohlfeileren 
Preise leichtlich würden erholen können. Man trug also dem dortlandes bestellten Generalcom- 
mando bereits im Jahr 1772 auf, sich um tüchtige Lieferanten umzusehen und über eine dem 
gesammten Abgang angemessene Anzahl Kemonten zu oontrahieren. 

Unter denjenigen, so sich lim die Lieferung meldeten, war ein Jude Namens Isaak 
Hirschl der einzige, welcher annehmliche Hedingnisse eingieng, mithin das Chevauxlegerspferd 
zu 18 und das Husarenremonta zu 14 Ducaten, folglic'i um 2 und respective 3 Ducaten wohl- 
feiler, als man sie von anderwärtsher überkommet, bis auf den Assentaplatz und z^-ar ohne 
Anticipation zu liefern accordierte. 

Da man mit der ersten Lieferung dieses Juden, welche er im Anfang vorigen Jahres mit 
181 Stück bewerkstelligte, in Ansehung der Qualität zufrieden zu sein Ursache hatte, inzw^iscben 
aber die 2 Dragonerregimenter in Gallizien Modena und Darmstatt auf den Ohevaux'egersfn« 
zu setzen der Antrag gefasset wurde, wodurch die Zahl der erforderlichen Kemonten nunmehr 
bis gegen 2000 Stück anwuchs, so wünschte man die Lieferung zu verstärken, und obschon sich 
um diese Zeit ein zweiter Lieferant, nämlich der Jud Daniel Mannheimer, in einem gleichen 
Contract auf 200 Stück Kemonten eingelassen hatte, wurde aus der nicht ungegründeten Bei- 
.sorge, es möchte, wenn mehrere Particularlieferanten angenommen würden, einer dem andern 
den Handel im Einkauf verderben, mithin die Liefernng noch langsamer werden, dem General- 
commando von hieraus aufgetragen, sich vielmehr um einen tüchtigen Hauptlieferanten zu be> 
werben, und weil der Hofkriegsrath den allerhöchsten Dienst, mithin die Ergänzung der Regi- 
menter, deren Stand von einer Musterung zur anderen sich sonst immer mehr geschwacbet 
haben würde, allen anderen Betrachtungen vorziehen zu müssen glaubte, so gab man ihme 
Generalcommando mit, sich an den wohlfeileren Preis eben nicht zu binden, sondern nur auf 
die Beförderung und auf die Güte der Kemonten das hauptsächliche Augenmerk zu richten. 

Nach Äusserung des Generalcommando sind jedoch bis hieher alle Versuche, um durch 
Lieferanten zu der benöthigten Anzahl Kemonten zu gelangen, unkräftig geblieben, theih weil 
es an Leuten fehlet, die eine solche Lieferung entreprennieren können, und jene, die es könnten, 



*) Bis auf die eigenhändig geschriebenen Allerhöchsten EntSchliessungen in Nr. I u. V und die 
Allerhöchsten Handschreiben Nr. XXI und XLIV, dann die eigenhändigen Schreiben Enzen- 
berg*s Nr. XXIV und Cavallar*s VII und XXXIX gebe ich alle Urkunden mit moderner Recht- 
schreibung wieder. Nur bei Eigennamen habe ich durchwegs die ursprüngliche Schreibung bei- 
behalten. 

Für die in zuvorkommendster Weise erfolgte Zusendung der Originale — sie ruhen bis 
auf eines (Nr. LH), das sich bei der k. k. Kadautzer Gestütsdirection befindet, in dem k. n. k. 
Keichskriegsarchive in Wien — sage ich an dieser Stelle sowohl dem Director des k. u. k. 
KeichskriegsarchivB Herrn Generalmajor Leander Rittir v. Wetz er als auch dem Director 
•^es k k. Staatsgestütes Kadautz Herrn Oberstlieutenant Maximilian N a s k e den wärmsten Dank. 



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DiK ÄNFÄXaB DES K. K. STAATSGESTtTES RaDAUTZ. 45 

unbillige Bedingnisse forderen, theils weil das Land selbst und die benachbarte Gegenden «hucb 
die furgeweste Unruhen von cavalleriemässigen Pferden entblösset worden und dagjeaAgt, wmt 
sich vorfindet, für Remonten entweder eu klein, zu alt oder zu jung iai, 

Dpf Jud Hirschl hat zwar bis nunzu drei und Mannheimer erpt eine Lieferung gemacht, 
beede jedoch haben in allem nicht mehr dann 529 Stück Remonten zusammengebracht, wovon 
die zwei Regimenter Modena und Darmstatt lediglich 52 Stück Chevauxlegerspferde haben 
überkommen können, und Hirschl würde mit der letzten Lieferung gar in das Stocken gerathen 
sein, wenn nicht das Generalcommando demselben einen ^schickten Officier, nämlich den 
Oberlientenant Cavallar von Euer Majestät allerhöchsten Namen führenden Chevauxlegersregi- 
ment, nebst einem Schmied und einigen Commandierten auf Kosten des Lieferanten in die Moldau 
beigegeben und diesem Commando aus der Kriegscassa 15.000 fl. Verlagsgelder zum Einkauf 
erfolget hätte, womittels dann der Lieferant und hauptsächlich durch die Bemühung des be- 
nannten Oberlientenants eine Anzahl von 226 Stück theils Chevauxlegers-, theils Husarenre- 
monten aufzubringen imstande gewesen ist. 

Da nun die Erfahrung zeiget, dass die Contrahierung mit Lieferanten in Gallizien der 
Weg nicht sei, mit Remonten in ergiebiger Anzahl aufzukommen und unter anderen die ober- 
wähnten 2 Regi munter Modena und Darmstatt mit Pferden vom Chervauxlegersschlag, woran 
über obige 52 allein noch 146G Stück abgehen, beritten zu machen, damit selbe ihre dermalige 
Pferde an die Dragonerregimenter, denen solche sehr gut zustatten kommen werden, abgeben 
können, so hat mehrberührtes Generalcommando den zur allerguädigsten Einsicht in original! 
anverwahrten Vorschlag an den Hofkriegsrath gelangen lassen, worin dasselbe auf den selbst- 
eigenen Ankauf nach dem Beispiel anderer Mächte, sowie derzeit wirklich preussische liusaren- 
coromandi in Podolien remontieren, umsomehr antraget, als selbes eben den Oberlieutenant 
Cavallar wegen seiner besonderen Geschicklichkeit und weil er bei seiner letzthinigen Reise 
diejenigen Gegenden, wo noch gute Pferde anzutreffen sind, auszuforschen sich bemühet hat, 
für den Mann hält, der dieses Ankaufsgeschäft auf Rechnung des Aerarii mit Nutzen besorgen 
konnte. 

Das Generalcommando gedächte also erholten Oberlieutenant mit einem dem vorhaben- 
den Einkauf angemessenen Geldverlag in die Tartarei abzusenden, demselben noch ein paar 
andere pferdverständige Officiers, dann einen erfahrnen Schmied und die erforderliche Com- 
mandierte beizugeben, annebst auch den Juden Hirschl nicht zwar als Lieferanten, sondern nur 
als Mäkler oder Unterhändler gegen einer täglichen oder von jedem erkauft werdenden Stück 
ihme abenreichenden Belohnung mitzuschicken, wo sodann der einkaufende Oberlientenant Ca- 
vallar jedes Remonta in dem wahren Ankaufspreis dem Aerario zu verrechnen hätte. 

Nach dem letzteren Versuche ist das theuerstc Remonta auf BO Rubeln oder 52 fl. 
30 kr. Rh. auf der Stelle, dann mit Einbegriff der übrigen Unkosten gleichwohlen nicht 
b9her als der mit denen Juden Hirschl und Mannheimer angestossene Contract zu stehen ge- 
kommen, woraus das Generalcommando den Schluss machet, dass wenn auch alle übrigen Un- 
kosten mit Einbegriif der Diäeten und Zulage für die Commandierte zu sothanem Preise deren 
30 Rubeln geschlagen würden, dennoch eine Wirtschaft pro aerario und fUmehmlich die Erlan- 
gung einer ausgebigen Anzahl Remonten zu erreichen sein dürfte. 

Der treugehorsamste Hofkriegsrath muss bekennen, dass dem Allerhöchsten Dienste an 
dem Erfolg der schon in das dritte Jahr sich verziehenden Remontierung in Gallizien gelegen 
sei und man also bei dem Umstand, wo kein antleres Mittel, zum Zweck zu kommen, vorhanden 
ist, nicht abgeneigt wäre, dem Generalcommando die Einleitung dieses eigenen Ankaufs nach 
dem vorstehenden Antrag zu überlassen, wenn auch der Preis inclusive aller Kosten auf jenes, 
waa man dem Lieferanten Bogdanovich in Hungarn, nämlich 1 1 Ducaton für ein Husaren- und 
20 Ihicatcn für ein Chevauxlegerspferd bezahlet, ansteigen sollte. Nur will man sich hiezu 
von Euer Majestät die allergnädigste Bedeckung in tiefster Ehrfurcht hiemit erbitten. 

In Abwesenheit des Kriegspräsidenten 
Jos. Baron Siskevics. 

{Eigenh. Ritldbemerkung) : Bey den angezeigten Umständen begnehmige fch das 
Einnithen des Hofkriegsraths; dessen Überlegung anbey jedoch überlassen will, ob es thunlich sej; 



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46 Polek: 

in Gallizien, Siebenbürgen und Hnngarn einen gewissen Preiss zu bestimmen, nach welchem von 
demselben auf denen in den lindem errichteten Pferdmärkten, oder zu benennenden SteHoogt- 
örtem taugliche Landpferde Ubemomroen werden könnten. 

Jotaph Correfem. 

XX 

Vortrag des Hofkriegsrathes. 

Concept. (K.-A. II. 8ect. 1774-98-197.) Wienn, 2. April 1774. 

In pfliehtschuldigfeter Folge der Allerhöchäten Bewilligung und Anordnung hat sich der 
treugehorsamste Hofkriegarath sogleich gegenwärtig gehalten, an das Generalcommando in Gal- 
lizien die nöthige Verfugung ergehen zu lassen, wornach der ßinkauf deren Remonten für die 
Chevauxlegers- und Husarenregimenter durch eigene in die Tartarei abzuschickende Officiers 
und Commandierte nach dem Vorschlag des Generalcommando eingeleitet werden m5ge. 

Über den zweiten Absatz der diestallig Allerhöchsten Resolution, womittelst Euer Ma- 
jestät der Überlegung dieses treugehorsamsten Hof mittels zu überlassen geruhen, ob es thunlich 
sei, in Gallicien, 8iel>enbUrgen und Hungarn einen gewissen Preis zu bestimmen, nach welchem 
auf donen Pferdemärkten oder zu benennenden Stell ungsörtern taugliche Landpferde übernommen 
werden könnten, findet man sich verpflichtet, Euer Majestät folgende allerunterthänigste Vorstel- 
lung zu machen. 

Die Husarenregimenter remontieren sich selbst gegen Einlegung ihres von allen 3 Subs^ 
officiers gefertigten Keraontarevers und mittelst der ab aerario empfangenen Anticipation. Sie 
besuchen also durch ihre abgeschickte Officiers schon von selbsten nicht nur alle Pferdemärkte, 
sondern auch alle im ganzen Lande nur immer zu erfindende Gegenden, wo sich noch einige 
Pferdzügel von dem erforderlichen leichten Cavallerieschlag ausforschen lUsst. 

Es ergiebet sich hieraus, dass nicht allein der Preis, den sie für ein Remontapferd zu 
bezahlen pflegen, allerorten zur Genüge ohnehin bekannt ist, sondern auch, dass sie durch diese 
Ausforschung nichts unversucht lassen, was immer in oder ausser denen Pferderoärkten ange> 
IrofiTen werden kann, eine Bemühung, welche weit ausgiebiger ist, als wenn diese Pferdüber- 
nahm nur auf einige Stellungsörter beschränket würde. Sie ist aber auch dem Aerario weit 
nützlicher, weilen manches Pferd wohlfeiler, ein anderes wiederum theurer ohne allen Zwang 
und bloss nach der mit dem Eigenthünier trefi'enden Behandlung erkaufet und eben dadurch der 
mät^sigste Preis erlanget wird, weilen eines das andere überträgt. 

Dieser Vortheil würde sogleich verloren sein, aUbald man einen gewissen Preis und ge- 
wisse Örter bestimmet hätte; dann jeder EigenthUmer, welcher sein Pferd höher als um diesen 
Preis schätzte, würde solches gar nicht dahin bringen, aus Beisorge, er müsse es um den ge- 
setzten Preis geben. Es würden also nur solche N'erkäufer sich einfinden, welche selbst bei sich 
überrzeugt wären, dass ihre Pferde nicht so viel wert seien als der gesetzte Preis ansmachet, 
und eben weil der Preis vorgeschrieben wäre, würden sie es doch nicht geringer veränsseren 
wollen, mithin das Militare gezwungen sein, schlechtere Pferde um theueres Geld zu erkaufen, 
weilen keine andere an dem Stellungsort vorhanden wären. 



III. 

Vortrag des Hofkriegsrathes. 

Orig. (K.-A. II. S. 1770-78-40.) Wienn, 3. Februarii 1776. 

Es ist der Rittmeister C a v a 1 1 a r von Euer Majestät allerhöchsten Namen fuhrenden 
Chevauxlegcrsregiment, wehher infolge der auf den hofkriegsräthlichen Vortrag vom 28. Jänner 
1775 erflossencn alleriiöchstcn Kesolution zum Kemonteneinkanf für die iu Gallizien liegende 
Chev-auxlegers- und Husarenregimenter niehrmaleu in die auswärtige l^ovinzen abgewhicket 



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DiB Anpänqb des k. k. Staatsgestütes Radaütz. 47 

wurde, nunmehro zurSckgekommen und hat über das diesfällige Remontierungsgeschäft und 
sonstig verschiedene dahin einschlagende Umstände seinen Bericht mittelst des gallizischen 
Oeneralcommando eingereichet. Der Hofkriegsrath verweilet dahero nicht, sothanen Bericht 
Euer Majestät zur Allerhöchsten Einsicht zu unterlegen und von dem Ausschlag dieses neuer- 
lichen auswärtigen Remontenankauf folgendes zu bemerken. 

Vermög des von dem gallizischen Oeneralcommando eingesendeten Rapport bestehet die 
Anzahl der vom Rittmeister Cavallar erkauften Pferden in 910 Remonten, 47 Gehrauchpferden. 

Zu Zalleszick ') auf dem Assentplatz eingetroffen sind 806 Remonten und 47 Gebrauchs- 
pferde. 

Von diesen 896 Remonten wurden bei der durch den Generalmajor Kiss vorgenommenen 
Superarbitrierung als diensttauglich befunden, sofort zu denen in («allizien liegenden 5 Chevaux- 

legersregimentern 538 

und in den dasigen 5 Husarenregimentem 333 

zusammen also assentiert 871 

und Untauglichkeit halber sind plus oiferenti verkauft worden ... 25 

facit obigen Stand per 896 Remonten. 

Die mitgebrachte obige 47 Gebrauch pferde aber sind an die Regimenter zur einsweiligen 
Dienstleistung etngetheilet worden und durften bei einem etwaig künftigen weiteren derlei Ein- 
kauf wieder zu verwenden sein. 

Nach Aeusserung des gallizischen Generalcommando und des superarbitrierenden General- 
major Kiss sind vorberührte, in einem Alter von 3 bis 7 Jahren be6ndliche für die Regimenter 
wirklieb assentierte 871 Remonten zwar von dem weiten Marsche und rauhen Wetter mager 
und langhaarigty sonsten aber kurz gefesselt, stark knochigt und gut gestellet, auch durchaus 
von besserer Consistens und weit dauerhafter als die durch Lieferanten in der Moldati theuerer 
erkaufte Pferde und versprechen überhaupt gute diensttaugliche Pferde zu werden. 

Obgleich der Rittmeister Cavallar sich alle MUhe gegeben hat, mit den Pferdhändlern in 
denen von ihme betretenen auswärtigen Landen einen weiteren Contract auf Pferde, wie er 
solches bei dem vorigen Einkauf erwirket hat, vorläu6g anzustossen, so ist doch ihme dieses 
derroaleo nicht möglich gewesen, weilen der Verbot bestünde, mit fremden Nationen derlei 
Contracte zu machen. Er getrauet sich aber auf den Fall eines fernerweit vorhabenden Ein- 
kaufs in dem Donischen bei den ihme sciion bekannten Pferdelieferanten heuer noch eine 
grossere Anzahl Remonten aufzubringen, wofeme deren freier Einkauf bei dem russischen Hof 
erwirket wird, nnd es findet derselbe zu dem Ende nöthig, dass der in drei Ahtheilungen zu 
setssende Transport mit 3 besonderen Pässen, in welchen alle nissische kais. l^ndc ohne Aus- 
nahm oder wenigstens die Länder Saporogien, Klein- und NeurusMland, das Donische Kosaken- 
gebiet and die Kovanner ') Tartarei ausdrücklich zu benennen wären, von dem russischen Hof 
versehen und die Commandi mit Anfangs Mai abgehen gemacht werden, damit selbe mit den 
Pferden gegen Enie Oetobris wiederum zurück eintreffen mögen, wo hiernächst auch Cavallar 
sehr furträglich hält, wenn bei dem Fürsten der Moldau die Erlaubnis des freien Durchgangs 
der Pferden effectuieret würde, massen hiedurch die Pferde beständig auf der Weide bis auf 
den Assentaplatz zu Szaleszick getrieben, mithin in bessere Beschaflenheit und Aussehen erhalten 
werden könnten. 

Nun ist zwar die Berechnung des Rittmeisters Cavallar über den dermaligen aufgehabten 
neuerticheti Remontenankauf noch nicht eingelanget, mithin der Preis, wie theuer ein Remonta 
ausfalle, hierorts derzeit noch nicht bekannt, man zweiflet jedoch nach der mittelst des obge- 
dachten Bericht vorläufig eingelangten Versicherung gar nicht, dass derlei auswärts aufgebrachte 
Pferde, ohnerachtet solche diesesmal nicht wie vorhin nÜerorten, sondern lediglich an den 
polnischen Grenzen roautfrei passieret worden sind, dahingegen von selbigen an der Ottschakow- ') 
oder Nahejer Tartareigrenze ob jedem Stück 30 kr. an türkischer Maut hat bezahlet werden 



>) Zaleszczyki, Stadt in Galizien (am Dniester). 

^) Kovanner = Kubaner, d. i. am Flusse Kuban (im NW. des Kaukasus) gelegen. 

*) Otschakow, Stadt im Gouv, Cherson. 



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48 Polek: 

müssen, gleichwohlen nicht so hoch zu stehen kommen werden, als der für die in Gallizien 
liegende Chevauzlegers- und Husarenregimenter ab nerario verwilligte Remontenpreis a 19 und 
respective 16 Ducaten betrHgl. 

Gleichwie dahero einestheils der diesfallige auswärtige Remonteneinkauf den Vortheil des 
AerarJi allerdings hoffen lässt, anderentheils aber vermög der Anzeige des galliziscfaeD General- 
comroando denen dortländigen 5 Chev.iuxlegcrs- und 5 Husaren regimentern über Abschlag der 
dermalen erhaltenen Ca vall arischen Remonten annoch auf den resolvierten Kriegsfass 3490 
Pferde ermanglen, welche Anzahl Pferde durch die eigene inländische Remontierung nebst deme. 
dass solche dem Aerario kostbarer zu stehen kömmt, sehr schwer und langsam aufzubringen . 
sein wird, dahingegen dem Dienst darangelegen ist, dass die Regimenter mit allen Kräften auf 
den bestimmten Stand an Pferden gesetzet werden, wo sodann, wann die Regimenter einmal 
corap'et sind, der jeweilige geringe Abgang ganz leicht durch den inländischen Ankauf wird 
erholet werden können : so traget der Hofkricgsrath kein Hedenken Euer Majestät allerunter- 
thänigst einzurathen, dass ein weiterer Remonteneinkauf in den auswärtigen Landen auf Kosten 
des Aerarii veranstaltet und zu Besorgung dieses Geschäfts mehrmalen der Rittmeister CavalUr, 
welcher sich bishcro in der Sache mit besonderem Eifer und Geschicklichkeit zum Nutzen des 
Aerarii gebrauchen lassen und von der Beschaifenheit der Länder, wo die Pferde zu verkaufen 
sind und Überhaupts von dem ganzen Werke die geprüfte Kenntnis und Erfahrenheit, auch nach 
seiner gethanenen Aeusserung zur ferneren Übernahm dieser Commission sich nebst denen bei- 
gehabten 2 Officiers, benamtlich dem Oberlieutenant Schmidt von Modena und Unterlieutenant 
Dachner von Daruistadt Chevauxlegers willig erkläret hat, verwendet, sofort demselben der 
Auftrag zur Erkaufung einer neuerlichen Anzahl von etwa 1500 Pferden, sonderlich aber vom 
Chevauxlegersschlag, zuma'.en die Chevauxlegersrcgimenter alleinig noch 1868 Pferde abgängig 
haben, gemacht werden könnte. 

Wenn über den gegenwärtig alleroh nmassgebigsten Antrag die Allerhöchste Begenehroi- 
gung erfolgen sollte, wird der Hofkriegsrath nicht entstehen , 

allenthalben das Behörige dergestalten fürzukehren, damit der Rittmeister Cavallar mit Anfang 
des künftigen Monats Maii in Marsch gesetzet imd demselben a proportione der anzukaufenden 
Anzahl Pferden ein hinlängliches Commando, mithin nebst den bereits bei dem letzten Einkauf 
verwendeten obbenannten 2 Officiers noch weiters nach dem Ermessen des gallizischen Genfml- 
commando ein und anderer tüchtige Oberofficier und mehrere vertraute, wohl conduiaierte und 
der pohlnisch und wallachischen Sprache kundige Unterofficiers und Gemeine sowohl von 
Chevauxlegers- als Husarenregimentern beigegeben werden, auf dass die Pferde, sowie sie in 
den auswärtigen Landen erkauft und gesammlet werden, immer gleich nach und nach trans- 
portsweise bei annoch guter Jahreszeit und Witterung abgeschicket werden und somit sämmUich 
eingekaufte Pferde bis Ende Octobris zu Szaleszick zur Superarbitrier- und Assentierung dn- 
treflfen mögen. Wo im übrigen der Hofkriegsrath sich vorbehält, sobald die von dem gallizischen 
Generalcommando untcreinstens abgefordert werdende Berechnung des Rittmeisters Cavallar 
über den letztbewirkten Remonteneinkauf einlangen wird, Euer Majestät die Anzeige des eigent- 
lichen Geldbetrags, welchen diese Rcmonten gekostet haben, sogleich allerunterthänigst nach- 
zutragen. 

A. 6. V. Hadik. 

{Randbemerkung) : Den Mir in gegenwärtigem Vortrag einberichteten Einkauf einer 
Anzahl Remontapferden in denen russischen Provinzen nehme Ich zu Meiner Wissenschaft und 
gewärtige nur noch die hierüber von dem Rittmeister Cavallar einzuschickende Berechnung. 

Ich begenehmige hiernächst den von dem Hofkriegsrath Hir dieses Jahr abermalen da- 
selbst angetragenen Pferdeeinkauf, mit dem Unterschied, dass, da die in Gallizien Hegende 
Cavallerieregimenter bemerktermassen einen so beträchtlichen Abgang an Pferden auf den der- 
maligen completen Fuss haben, anstatt 1500, wie der Hofkriegsrath vorschlägt, der Antrag aaf 
3000 Pferde gerichtet, dem zu diesem Geschäft mehrmalen verwendet werdenden Rittmeister 
Cavallar aber mitgegeben werde, so viele dem Dienst angemessene I^ferde, als solcher nur 
immer aufbringen kann, zu erkaufen. Daher hat der Hofkriegsrath auch die Anzahl der diesem 



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Dir Anfänge des k. e. StaatsoestOtes Radautz. 



49 



erstgedachten Rittmeister mitzugebenden Commandierten nach Verhältnis der einzukaufen oban- 
getragenen Pferden zu bestimm«»n. 

Soviel aber die zu diesem Ankauf wie auch zur freien Mautpassierung erforderliche 
Pässe, dann den Durchzug, der zu erkaufenden Pferde durch die Moldau betrifft, trage Ich unter 
einem das Nöthige der Staatskanzlei wegen Loswirkung aller dieser Gegenständen auf, mit 
welcher also der Hofkj-iegsrath, da der Rittmeister Cavallar mit seinem Commando schon mit 
Anfang Mai aufzubrechen hat, unverzüglich hierwegeo das nOthige Einvernehmen zu pfegen, 
zugleich aber derselben die Namen derjenigen Officiers, welche zu diesem Ankauf befehliget 
werden, anzuzeigen hat, damit solche in denen von dem russischen Hofe abverlangt werdenden 
Pässen namhaft gemacht werden können. 

* Joseph Corr. 



ITT". 

Ausweis 

deren von dem Herrn Rittmeister Cavallar erkauften Remontenpferden, dann wie hooiijedwe- 
deres zu stehen kommet und welche Erspaning dadurch dem allerhöchsten Aerario zufliesset. 



Orig. (Kr.-A. II. S. 1776—78-89.) 



Vermög Geldausgab sind anerkauft worden .... 
Hievon wurden laut ausgestellten Assentlisten au nachbenannte 
Regimenter abgegeben, und zwar 

Ihro Majestät des Kaisers 

Löwenstein- 

Darmstadt- 

Modena- 

Kinskj- 



Lemberg, 9. Februar 1776. 

Stück 
944 



Chevauxlegers 



84 
111 
97 
1-24 
. 122 
538 
Da aber hierunter auch die von denen von voriger Stellung 
entloffenen 36 Pferden wiederum eingebrachte 13, dann das zu 
Mickulincze ruckgelassene und nach de^en erhaltener Dienst- 
tauglichkeit für das Nadasdjsche Hosarenregiment assentierte eine 
Gebrauchpferd miteinbegriffen ist, als wird sowohl hierorts 
als nacbstehendermassen bei denen Hubarenregimentem von 
diesen zasammen ausmachenden 14 Stück die Hälfte abge- 
schlagen mit 7 

mithin verbleiben 

73 

48 

60 

66 

■ —AL 

334 

7 



Ihro Majestät des Kaisers 

Haddik- 

Esterhazy- 

Nadasdy- 

Barco- 



Husaren 



HievoD werden obangefUhrtermassen decontieret 

dahero restieren 
Von denen von voriger Remontastellung beigehabten Gebrauch- 
pferden II 45 und dermalen weiters angekauften 47, zusammen 
aosmacheoden 92 Pferden sind denen Regimentern zugetheilet 
worden, als 

Darmstadt- \ ^ , 21 

Modena- /Chevauxlegers ^^ 



531 



327 



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50 



Polbk: 



Ihro Majestät des Kaisera \ 10 Stück 

Nadasdy- 5 

Haddik- \ Husaren .... 5 

Esterhasj- 8 

Barco- ) 5 

~77~~ 

Hievon gehören znr vorigen Stellung 33 

folglich in die dermalige 44 

Untaaglichkeit halber sind verkauft worden 31. Davon betreffen die 

jetzige 29 

Femers werden in Abgang gebracht und zwar 

an ersoff'enen ....... 3 

„ entloffenen 6 

n todtgeschossenen i 

S. V. crepierten . . . . . . . 11 

"~22~~ 
Hierunter sind einbegriffen, so in die vorige Stellung gehörig . 9 

Ueber Abzug werden zur gegenwärtigen ausgesetzet . 13 

Summa obetehender' . . 944 

Jenseits ausge wiesend 944 Remonten kommen verm?)g der von eröffneten ff. kr. 

Herrn Rittmeister Cavallar gelegten Rechnung summariter in Geld zu stehen 50343 31 

Um dargegen darzuthun, wie hoch eines deren assentierten 858 Remon- 
ten zu stehen komme, will man den Satz annehmen, als wann die denen Re- 
gimentern zugetheilte 44 Gebrauch pferde, und zwar jedwederes nur zu 8 Ducaten 
verkaufet worden wäre, welches betraget und von obiger Ausgab zu decordieren 

kommet 1490 fl. 8 kr. 

Für die Uutauglichkeit halber verkaufte 31 Pferde sind ge- 
löset worden 510 fl. 50 kr. Hievon betreffen nach dem 

Dividenten für 29 477 „ 53 „ 

Der in Empfong genommene MQnzgewinn betraget . 1025 „ 25 „ 

Summe des Abzugs . 2994 26 

Combinando bestünde die Ausgab annoch in 47349 5 

Wann dahero dieser Betrag mit denen erwähnten 858 wirklich assentier- 
tierten Remonten dividieret wird, zeiget sich, dass eines zu stehen komme 

auf 55 fl. llVe ^' 

Worbei bemerket wird, dass 

1. Die Chevauxlegerepferde solchergestalten mit denen Hnsarenremonten 
einen gleichen Preis bekosten. 

2. Weilen die abgängige, so unter obiger Geldauslag einbegriffen «nd, 
nicht mit in die Repartition genommen worden, und folgsam von denen wirklich 
assentierten übertragen werden müssen, diese letztem eben dadurch etwas 
mehreres bekosten. 

3. Sofeme diese 858 wirklich assentierte Remonten hierlandes wären 
anerkaufet worden, solche nach dem denen Regimentern bewilligten Remonta- 
geld gekostet hätten, und zwar 

531 Chevauxlegerspferde i 19 Ducaten oder 80 fl. 26 kr. . 42710 fl. 6 kr. 

327 apjajdudissnH ^ 15 Ducaten oder 63 fl. 36 kr. . 20764 fl. 30 kr. 

zusammen . 63474 fl. 36 kr. 

Es haben aber ein solche noch gekostet .... 47349 fl. 5 kr. 

folgbar erweiset sich Ersparang 16125 fl. 31 kr. 

J. Jos. Carpeitier 

Obercommissär. 



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Die Anfänge des k. k STAATsaESTüTES Radautz. 51 

Vortrag des Hofkriegsrathes. 

Eigeoh. (K.-A. II. S. 1776-78—89. Wien, 28. Februar 1776. 

{Randbemerkung) : Diese berechnung dient zur guten nachricht, und sind dem Ca- 
vallar 2000 fl. wegen so mühsam als gut verrichteten Coramission anzuweisen als eine remu- 
neration. 



Fürst Lobkowitz an Joseph II. 

Copie. Auszug. (K.-A. II. S. 1776—78-129.) Petersburg, März 1776. 

Wenn meine in Betreff des bewussten Pferdankaufes bei allhiesiegem Hofe gepflogene 
Unterhandlungen einen günstigen Krfolg anhoffen lassen, so musi ich solchen grossentheils dem 
Grafen v. P a n i n und noch mehr dem Herrn v. Potemkin zueignen. Die Befehle, die 
letzterer bereits au den Chef der Kosaken ausgestellet, sind eine deutliche Probe seiner will- 
fährigen Gesinnung. Ich zweifle auch nicht, der Feldmarschall Romanzow werde ebenfalls 
seinerseits zu dieser vorhabenden Absicht sich bereitwillig finden lassen. Indessen lässt sich vor- 
sehen, dass es schwer halten wird, eine so beträchtliche Anzahl von Pferden aufzubringen. Ich 
glaubete daher, dass das zu diesem abgesehenen Ankauf bestimmte Detachement nicht nur den 
Winter zu Cx^rkosk *) zubringen, sondern dass auch ein Theil davon durch das Gouvernement von 
Astracan durchpassieren und sich an den Fluss Yaik *) begeben sollte, wo man nicht nur gute 
Pferde, sondern auch sobhe in zureichender Anzahl finden und anbei derer Ankauf dem all hie- 
sigen Hofe ganz gleichgültig fallen würde; wo aber im Gegentheil derselbe wohl darauf auf- 
merksam 8ci.i düifie, dass nicht allzu viele Pferde aus Klein- und Neurcussen, von wannen die 
in häufiger Anzahl dermalen bestehende leichte Truppen sich zu remontieren haben, ausser 
Landes gebracht werden mischten. Wenn Eure Majestät diesen meinen unterthänigslen Vorschlag 
Jhro allergnädigsten Beifall gönnen, so werde ich mich eifrigst verwenden, dass die zu dieser 
Abmcht erforderliche Ordres an den Chef der an besagtem Yaikfluss wohnenden uralischen 
Horden von hieraus ergehen mögen. Der Zug bis dahin ist sonder Anstand seiner weiten Ent- 
legenheit halber sehr beträchtlich; ich bin aber versicheret, dass die Pferde allda um einen ganz 
leichten Preis zu haben sein und die Transportierungskosten ganz gering ausfallen würden. 
Aussemeni könnte derjenige Officier, der sich den Winter hindurch zu Czerkosk aufzuhalten 
liatte, während der Zeit, als das vorerwähnte Commando an den Yaikfluss abgienge, jemanden 
in dieCabarda') absenden, um zum Gebrauche Eurer Majestät seligsten einige Pferde auszuwählen, 
die, wenn sie g^t ausfielen, allerhöchst Ihro gewiss zum Vergnügen gereichen würden. 



Cavallar an FZM. Graf Siskovics. 

Eigenh. (K.-A. II. 8. 1776-78—346.) Feldlager bei Ruskovka im Donischen, 2. August 1776. 

Euer Excellencz hoch-gnädiges Befehl Schreiben von dato Lemberg 21. May, nebst denen 
Iktröflfenden Pohlnischen Bässen ist mir aller erst den 9. Jully durch Herrn Rittmeister v. Ka- 
nisiaa Behändiget worden; Worauss mit äusserster BestUrtzung zu entnehmen gehabt, das die 
▼origcs Jahr überbrachte Kiuionta Pferdte Bey der Lezthinig vorgewesten Musterung übermessen, 
und Bey denen Chevaux Legers Regimentern unter der Maass Befunden worden; Die annebst 



') Tacherkask, Kreistadt am Don. *) Yaik = Ural. ^) Kabarda, Berglandschaft am 
IfordabbaDg des Kaukasus. 



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52 PoLEK : 

gegebene hohe Rieht Schnor, ist denen aussw^rtd Commandirten Herren Officiers abgegeben, 
und ich werde nach änsserster Möglichkeit auf den unterthOnigsten Befolg Bedacht seyn. Abge- 
wichenes Jahr habe vermög dem eingeschUkten Summarischen Extract 45 Stuck Pferdte mit 
14 Faust 1 Zohi angezeugt, auch nach der mithabend Kais. KOnigl. Hof-Kriegs-Räthlichen Maaas 
also Befunden, solche aber in Handel, um andere grosse Pferdte nicht auss zu lassen, die Han- 
dels Leuthe nicht zu Disgoustiren, und zugleich auch weillen solche Besonders Jung und Schßn 
waren, auch ferneren Wachsthum anscheinen lassen, angonohmen; welche hohe Ahndung mir 
auch anheuer werde auf BUrden müssen; alleinig nach meinen ausweiss wären bey voriger 
Assentirung vermög denen Samentlichen Assenta Listen dannoch so viellc Dragoner Pferdte, als 
in dem ein gesandten Summarischen Extract angezeUgt habe, ausgefallen, wann denen Drago- 
nern Dragoner und denen Houssarn Hussarnmässige gegeben und Sammentliche Pferdte durch 
eine Hände gemessen und zugetheillet worden wären. 

Euer Excellencz solle also zum Vorauss unterthönigst gantz gehorsamst Bitten, damit hin- 
künftig dieserwegen alle Zufriedenheit seye, Bey Vorgang dieser Assentirung deren nun an- 
kauffenden Pferdten dem hochgnädigen Befehl zu ertheillen, dass Samentlicho Rimonta mit der 
Kays. Königl. Hof-Kriegs-Käthlichen Maass durch eine Hand gemessen und in nach Befund 
derselben und nach hoher Vorschrift denen Lribl. Regimentern zugetheillt; die allenfahls zu 
klein Befundente Junge aber über WUnntter an einen Orth in der Bukowina aufgestolL und 
nach in Frue Jahr erreichenden Gross allererst an die Regimenter abgegeben werden möchten; 
dann ich binn versichert, dass von all jennen so ich übernohmen nur wenige allzu sehr wilde, 
doch besonders Schöne l^erdte, ohne Maass angenohmen. 



FZM. Graf Siskovics an den Hofkriegsrath. 

Orig. (K.-A. n. S. 1777-48—94.) Lemberg, 22. Februar 1777. 

Das Superarbitrier- und Assentierungsgeschäft zu Zalesczik über den durch den Rittmeidter 
Cavallar in denen kais. russischen Landen für das jüngst abgewichene 1776te Militäijahr pro 
aerario besorgten Remontenankauf hat sich von darumeu bis anhero verzogen, weilen der durch 
des Modenaischen ChevauxlegersregimentsOberlieutenant Schallmayer den 28. Octobris 
el. a. expedierte und in Marsch gesetzte 7. Transport nach Anzeig gedachten Rittmeisters Ca- 
vallar gleich in denen betretenen ersten Tagen entftert scheue geworden und ohngeachtet aller 
durch die beigehabte Commandierte und Kosaken angewendeten Mühe die Pferde jedoch voll- 
ends entloffen und allererst rückwärts 2 Meilen an Miusfluss bis auf 75 Stück wieder zusam- 
men gebracht worden sind. 

Derlei Hindernissen haben sich nicht wenige in dem ferneren Anherozug ergeben, wodurch 
dahero sowohl als auch durch die nachgefolgte rauhe Witterung, dann anmit sich ergebener 
Passierungen und allenthalben erwachsene unwegsame Strassen die Zeit dergestalten sich ver- 
spätet hat, dass dieser Transport erst den 10. gegenwärtigen Monats mit 255 Remonten in be- 
rührtem Zallesczick eingetroffen ist. 

Die Assentier-, Superarbitrier- und Vertheilung desselben hat sich bis den 15. ejusdem 
erstrecket, und nachdeme mit selbem für heuer das Ende vollends erreichet worden ist, worde 
Herr Generalfeldwachtmeister K i s s nebst dem Feldkriegscommipsario H ö l z I , welch beeden 
diesfalliges Geschäft obgelegen hatte, instande gesetzet, den in der gehorsamst nebenfolgenden 
Anlag erstatteten Finalbericht enhero zu unterlegen. 

Nach Inhalt desselben belaufet sich die Anzahl derer erkauften Remonten und Gebraudi- 
pferden zusammen auf 2677 Stück. Hieven wurden denen diesseitigen Cavallerieregimentem and 
Ihre Majestät des Kaisers Allerhöchsten Namen führenden Chevauxlegersregiment auf den Ab- 
gang des completen Standes abgegeben 19B1, als dermalen noch zu jung, theils schwach and 
gebrechlich zur winterlichen Pfleg- und Wartung in die B u c k o v i n a abgeschickef und denen 
Regimentern nur einsweilen zugetheilet 539, Un tau glich keit halber wieder verkauft 6, dunh 



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DiB Anfänge des k. k. Staatsgestütes Badaütz. 53 

Deserteurs entführt 2, als marode zarückgelassen 3; dagegen sind mit Ein begrifT deren Eingangs 
erwähnten 75 des 7. Transports in allem enlloden 79, crepiert 12, dann sonsten auf zerschiedene 
Art verunglücket 8. 

Hierunter ist die Anzahl derer entlofienen vorderist beträchtlich, da aber er Rittmeister 
Cavallar damalen, als erwähnter 7. Transport, gleich anfänglich noch zur Hilfe beigekommen (sie), 
so sind verm5g dessen sub 9aa verflossenen Monats Novembris abgestatteten Berichts bereits nach 
der Hand anwiederum 34 zusammengebracht worden, und verhoffet anbei durch die allenthalben 
gemachte Furkehrung, wo nicht alle, jedannoch die meiste zurückzubekommen, die er demnach 
gegenwärtigen Winter ilber bei sich behalten würde. 

Bei der beträchtlichen Anzahl deren in der Buckovina vorhandenen jungen und schwachen 
Remonten hat man der Nothwendigkeit zu sein befunden, zur Oberaufsicht derselben und derer 
von jeglichem Cavallerieregiment dabei befindlichen Commandierten einen eigenen StabsoÜlcier, 
und zwar von dem Esterhazischen Husarenregiment den Herrn Obristwachtmeister P a 1 1 a s t i 
anzustellen, ihne darumen behöfig zu belehren, wie zugleich auf dass mau von Zeit zu Zeit ab- 
seiten dieses Generalcommando die erforderliche Wiasenschaft und Kenntnis habe, zu Abstattung 
eine«« monatlichen Rapports, wo es aber auf sonderheitliche Vorfälle ankommet, auf unverlangte, 
de casu in casum abzuführende Berichte anzuweisen. 

Die Fütterung bestehet in einer halben I*ortion geschrotenen Habers, in der gewöhnlichen 
Heaportion, und weilen in diesem pistrict das vorgeschriebene Häckerling nicht eneeuget werden 
kann, in Verabreichung des daselbst vorfindigen Haberstrohes. Man führet hiernäch^t dabei die 
fernere Absicht, dass wie von diesen Remonten ein so andere sich erholen, zu Kräften und zur 
Diensttauglichkeit oder respective zur Abgab an die Regimenter gelangen werden, ein solche 
hinkÖnftiges Frühjahr von dar abzuschicken, um fUr jene, welche etwa mit der heurigen Ritt- 
meister Cavallarischen Stellung einkommen dürften, den nöthigen Raum zu gewinnen. 

In Betreff der diesjährigen Remontierung hat oftwiederholter Rittmeister Cavallar sub 
5ta Novembris vorigen Jahrs einberichtet, dass er sich l>ei vorgefundenen Zeitraum nacher 
Astracan verfüget wegen einigen sowohl am Yaickfiuss als in der Cabarda heuriges Frühjahr 
2u unternehmenden Pferdeankauf Kundschaft eingezogen, theils auch einen Commandierten bis 
Saratow gegen den eben berührten Yaickfiuss seitwärts abgeschicket, andurch aber in glaubwür- 
dige Erfahrenheit gebracht habe, dass am Yaickfiuss die Pferde sehr klein beschaffen seien, so 
dass selbte sich nicht einmal nach der Husarenmass auswachsen; ausserdeme seien sie von einem 
besonderen Clima und bei ihrer Uebertreibung in die europäische Lande zu befahren, dass sie 
fneistens umfallen, wie femers die Transportierung vom Yaick- bis an den Donnfluss sehr 
beschwer- und gefährlich. 

In der Cabarda dagegen findeten sich zwar wenige zugleich im Preise theurere Pferde, 
doch von grösserem Schlag vor, und der Weg sei ebenfalls beträchtlich. Seinem Antrag nach 
kommete der Sammelplatz zu Mostock zu machen, von wannen die Transporten recta über Stepp 
nacher Czirkasko eingeleitet und somit die Halbscheid gegen den Hinweg ersparet werden 
kannte. 

Es scheinet derselbe sonach dasiger Enden so viele Pferde, als er für den Allerhöchsten 
Dienst angemessen befinden würde, anzukaufen und die übrige Erfordernis, sobald ihme dies- 
fällige Anzahl bestimmet würde, in dem Cuban- und Donischen oder sonstenwo in dasiger 
Gebend aufzubringen. 

S<»viel nun es den anheuer zu besorgenden ferneren Remontenankauf belanget, hat man 
ihme Rittmeister Cavallar bereits mitgegeben, wienach bei denen angezeigten Umständen ein 
solcher am Yaickfiuss vorzüglichst vermieden werden müsse, und weilen auch von hieraus die 
Anzahl der Pferde, welche er dasigerenJen aufbringen dürfte, nicht bestimmet werden kann, so 
vennOge man sich lediglich dahin zu äusseren, dass nach Ihro Majestät allerhöchster Intention 
der femerweite Ankauf zwar allerdings auf 2000 Pferde, wann nämlich ein solche in der Ca- 
barda, dann in dem Cuban- und Donischen oder sonstwo dasigerenden aufzubringen thunlic!i, 
gerichtet werden könne; sollten sich dagegen unübersteigllche Hindernissen ergeben, müsse man 
sich ohnehin nur mit der anzukaufen thunlich gewesten Anzahl begnügen, hierbei aber komme 



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54 Polbk: 

vorderist in dem Anbetracht, dass mit denen voriges Jahrs eingekommenen Transporten allschoo 
eine sehr betrachtliohe Anzahl an jungen und schwachen Pferden eingelanget ist, auch nuo- 
mehro die hierendige Regimenter allbercitH completieret sind, die Annahme weiterer so vieler 
derlei Pferden nach möglichster Thunlichkelt zu vermeiden. 



Vortrag des Hofkriegsrathes. 

Orig. (K.-A. II. Sect. 1777-43—94.) Wien, 15. Mänc 1774. 

(Randbemerkung) : Den Bericht wegen des vorjährigen Remontaeinkaafs des Ritt- 
meislers Cavallar in denen russischen Landen nehme Ich einstweilen und bis zu Rinlangiing 
seiner diesfalls zu legenden Berechnung zur Nachricht. Nur ist der Verlust der 45 entloffeneii 
Pferden belrächtlich und hätte durch sorgfältige Fürsicht allerdings vermieden werden sollen. 
Dahero bewillige Ich auch, dass bei dem diesjährigen, mit 2000 Stück angetragenen und etwa 
künftigen fernem Einkauf der Rimonta in denen russischen Landen zur diesfälligen desto iiche- 
reren Transportierung auch kosak- und tartarische Knechte in der n<5thigen Anzahl verwendet 
werden können. Es ist jedoch immer auf die eigene Commandierte am meisten sieh zu ver- 
lassen, mithin sind diese letztere nicht sehr zu verminderen, damit, wann unter denen Kosaken 
und Tartaren Misshelligkeiten oder Unruhen entstünden, hierbei derTtansport nicht etwa Gefahr 
laufe und hierdurch der Verlust ungleich grösser als der Aufwand, den man hierbei hatte 
ersparen wollen, ausfallen möge. Wie dann auch dem Cavallar durch die Behörde mitzugei)en 
ist, mit denen hierzu aufgenommen werdenden tartarischen und kosakischen Knechten ausser 
dem t.äglich ihnen accordierten («ehalt auf den Fall, wann der Transport ohne Schaden und 
Verlust an Ort und Stelle einträfe, pr Kopf eine Krgölzlichkeit besonders noch zu bedingen, 
welche ihnen sodann auch zu v<;rabreiclieu ist. Nebst diesem ist annoch dem Cavallar aufzu- 
tragen, dass er sich bewerbe, ein oder andere armenisch oder jüdische Lieferanten zu finden, 
welche, wann es auch eine gerin^t^o Anzahl nur wäre, hinfüro nlljährlicli dergleichen Pferde ans 
diesen Gegenden gegen einen zu machenden Preis nacher Szalecik richtig und gewiss ablie- 
ferten, damit die Regimenter complet erhalten und auch für alle mögliche Fälle immer eine 
Correspondenz zu Vergrösserung auch deren Einkäufen erhalten würde. 

Joseph Corr. 



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Die Anfänge des k. k. Staatsgestütes Radautz. 



55 



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56 Polek: 

2S:i. 

Instruction 

an die zwei Herren Oberlieutenants Schollmeyer von Modena Chevauxlegers- und S«e- 

detzki von Hadik-Husarenregiment, welche mit denen anno 1777 pro aerario erkauften, 

annoch uneingetheilten bi» weiteren hohen Befehl sur Pflegung über Winter in der Buco- 

wina verbleibenden Renionten, neu und alten Gebrauchpferden coinmandiert sind. 

Eigenh. (K.-A., IL S. 1773-43-31.) Tzerepkivska, «) 5. December 1777. 

Es ist dieser antragende Dienst so neu als vielfältig, dass nicht möglich, alle Vorfallen- 
heiten vollkommen zu beschreiben und hierüber Erläuterung zu geben, hingegen aber auch dem 
Allerhöchsten Aerario so vorzüglich angemessen, dass durch bezeigenden Fleiss und Eifer dieser 
einer der merkwürdigst und verdienstlichsten sein kann. Daliero habe (ich) zu solchem obbe- 
sagte 2 Herren Oberlieutenants, welche schon 2 Jahre sothanen Kemontierungsgeschaft mit 
möglishster Sorgfalt und bezeigter Geschicklichkeit abgewartet, vorgemerket und das Zutrauen 
gefasset, dass sich selbe in jenen Fällen, welche diese Instruction nicht erörteret, nach Dienst- 
angelegenheit gegenwärtig halten und Selbsten regulieren werden, mithin nur höchst nöthig zu 
bemerken finde, dass 

dem Herrn Oberlieutenant Schollmeyer zur Verwahr- und üeberwinterung seiner von denen 
ersten 6 Transporten übrig verbliebenen 118 Remonten, dann 19 neuen und 4 alten Gebrauch- 
und von dem 7ten Transport zugegebenen 111 Remonten, mithin in Summa 252 ärarischcn 
Pferden die allererst aujetzo neu erbauende Okol Nr. 1, so an der Slowoda Tzerepkivaka unweit 
dem Fluss Szired *) auf der Anhöhe lieget, übergeben werd, allwo der Herr Oberlientenant die 
Ausfertigung sothaner Okols nach meiner Angab, auoh allenfalls bni findender kleinen Verbes- 
serung nach Dienstange messenheit zeitlichst, und solang man noch die dermaligen Arbeitsleute 
beihanden hat, zu verfertigen trachten wolle. 

Der Herr Oberlieutenant Szedetzki hat zu seinen, vom 7ten Transport übrig verbliebenen 
229 Remonten, 17 neuen und 5 alten Gebrauch-, in Summa eben 261 Pferden die Okol Nr. 2 
gleichfalls am Fluss Szired herwärts Stirtza ') nahe bei der Überfuhr bereits angelegter übernommen 
und mit nämlichen Maßsregeln im Stande setzen zu lassen. 

Die übrig verbleibende 13 alte Gebrauchpferde sind dem Wachtmeister Kaol von Kaiser 
Chevauxlegerregiment zu übergeben, welcher seinerzeit für denen Commandierten erMigt lob- 
lichen Regiments zu dem Rückmarsch Gebrauch machen, indessen aber selbe in einem Qnaitier- 
stall zu Szired pflegen lassen solle. 

Der damalige Stand aller übrig ärarischen Pferden ist also 







RemoDU 


Gebntaebpferde 
nene alte 


bei Herrn Oberlieutenant Schollmeyer . 


19 


4 


„ „ Szedetzki 




229 


17 


5 


„ Wachtmeister Raul . . 




— 


~ 


13 




Summa 


458 


36 


22 



516 Stück 
Jedem Herrn Oberlieutenant wird 1 Corporal, 1 Schmied und 8 Gemeine von ihrem 
Regiment, dann 3 Gemeine von Kaiser Chevauxlegers, femers 5 Gemeine vom 2len Gamisons- 
regiment und 8 Strusch-Bauern zugegeben, welch letztere all Wochen, nämlich an Sonnabend 
abgelöst werden. Wovon die Commandierte von der Cavallerie, solange es dermalen thunlicfa ond 
dann auch bei Zulaf^sung des Wetters und in Frühjahr, die Pferde auf der Weide zu futtenm 
und zur Tränke zu treiben, die Gemeine vom Iten Garnisonsregiment zur Zubringung der Fou- 
rage und die 8 Struschen bei Tag und Nacht zu Tragung des Futters und möglichster Reini- 
gung der Okol zu verwenden der Antrag ist. 



*) Czerepkoutz, Dorf im Ger.-B. Sereth. 

«) d. i. Sereth. 

«) Styrcze, Dorf im Ger.-B. Sereth. 



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Die Anfänge des k. k. Staatsgbstütes Badautz. 57 

Wobei ich zu erinneren nOthig finde, dass unter diesen zu gebenden Militare und Civile, 
insoviel es der Dienst erforderet, genau auf der Schuldiglieit zu halten, übrigens aber wohl zu 
betrachten seie, das« diese Arbeit besonders beschwersam, mithin wegen der grossen Strapaze 
ein so anderes Individuum nach Möglichkeit zu menagieren und selbe mit gelinder Art zu be- 
handlen nOtzlicher sein werde, weilen bei solchen Umständen die Liebe das meiste arbeitet. 

Was aber denen Herren Gificiers und übrig Benannten zu einer täglichen Diät oder 
Zulag hoherorten ermessen wird, werde nach erhaltend hochgnädigen Befehl von Lemberg aus 
sogleich bekannt machen, wornach sohin ohne Anstand die allseitige Abgab zu veranlassen 
kommet. 

Die Futter- und Tränkung sammentlicher Pferden kommet bei dermalen noch gelinder 
Witterung und auch dann, wann in Winter dergleichen Zeit einfallen solle, nachstehendermassen 
zu regulieren: Frühe zwischen 5 und 6 Uhr wird Heu aufgegeben, dann nach Aufgang der 
Sonne die Pferde in die Tränke getrieben und nach solcher Tränkung mit 4 Mann auf die 
Weide gelassen, abends bei Sonnenuntergang wiederum getränket, allwo inzwischen bis deren 
Rückkunft in der Okol schon Heu aufgestreuet sein muss. 

Bei der Tränkung recommandiere vorderist, die erste Tage genau darauf zu sehen, dass 
die Pferde einen Weg gehen lernen und nicht eines da, das andere dorten über Berg oder 
Hügel laufen, wo sohin die Gewohnheit sicher einen beständigen Weg machen wird. 

Ingleichen empfehle jederzeit bei Tag und Nacht, wann Heu vorgegeben wird, eine 
gleiche Mass zu halten, diesen die Nothwendigkeit hinlänglich, niemals aber einen Ueberfluss 
zu verabfolgen. 

In harter Winterszeit, allwo nicht mehr auf die Weide getrieben werden kann, wird eben- 
falls frühe zwischen 5 und 6 Uhr Heu vorgegeben, nach Sonnenaufgang getränket, in Zeit der 
Trankung Heu aufgestreuet, nachmittag 2 Uhr mehrmalen Heu gefuttert, mit Sonnenuntergang 
wiederum getränket, auch während solcher Zeit Heu getragen und nachts 12 Uhr desgleichen 
Heu vorgegeben. 

Hier ist zu bemerken, dass für jeden Tabon 200 Schock Habergarben zu füttern ange- 
tragen, welche Fütterung aber allererst a Imo Januarii ihren Anfang nehmen und bis ultima 
Februarii daueren solle. Dahero wollen sich die Herren Gberlieutenants sodann berechnen, was 
auf einen Tag komme. Und dieses tägliche Haberfutter solle allezeit nach der Abendsträukung 
auf einmal gegeben werden; mithin bleibet zu solcher Abendzeit das Heufutter zu unterlassen 
and allerst wiederum mitternachts zu geben. 

Jedem Herrn Gberlieutenant werden zu Erkaufung sothaner 200 Schock Habergarben 
200 fl. Rhn. zu verwenden erlaubt; es ist aber wirtschaftlich darob zu halten, dass ein Schock 
nicht höher dann per ein Gulden erkauft werde, und wann der Preis geringer als ein Gulden 
kommet, wäre der Ueberrest auf mehrere Schock zu verwenden, mir aber hierüber seinerzeit 
der Ausweis zu erstatten. 

Wann das in denen Stalleren, besonders für die marode Pferde höchst nöthige Streu- 
strebe nach vorheriger Ansuchung bei die Herrn Commissarii nicht gratis erlangt wird, können 
doch sothane Herrn Commissarii einige Hilfe geben, dergleichen um einen geringeren Preis zu 
erkaufen und in letzterem Fall wird der Betrag in künftige Rechnung angesetzet. 

In die an denen Okols angebaute Ställer kommen marode und allenfalls gar schwache 
Pferde nebst 4 Gebrauchpferden aufgestellter zu füttein und nach Nothdurft in Stall zu tränken. 
Das Wasser tragen die Struschen, die Pflegung dieser Pferde aber bleibet denen Regimen ts- 
i;emeinen, wie dann auch nur diese wechselweis auf denen Gebrauchpferden mit dem Tabon in 
die Tränke zu reiten, übrigens aber seinerzeit bei allen Pferden mit denen Struschen die 
Wacht zu halten. Die 4 Gebrauchpferde werden alle Monat oder nach Gutbefund des Herrn 
Okolscommandanten auch nach längerer Zeit ausgelassen und wiederum aufgestellt, wobei aber 
in Obacht zu nehmen, dass jedem solchen auslassend beschlagenen Pferd vorhero die Eisen ab- 
genommen werden. 

Die Tabons sind öfters wohl in Augenschein zu nehmen, die mit diesen oder anderen 
Zuföllen be6ndende marode auszufangen, aufgestellter so lang zu fütteren und zu curieren, bis 
selbe vollkommen reconvalesciert werden, für denen mit verdächtigen Drüsen oder Wurmb aber 



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58 Polek: 

einen Eztrastand zu wählen, solche besonders zu fUttern, zu tränken und alle Sorgfalt zu Ver- 
hütung einer Ansteckung vorzukehren. 

Die Reinhaltung des Okols ist eine nutzlich und schöne Sache, verlasse mich des Be- 
folgs auch gänzlichen, doch erinnere anbei, dass bei manchmal einfallender Ohnmöglichkeit die 
Leute nicht fibertrieben werden sollen, wie ich dann auch gar nicht alle Tag, sondern nur wann 
es möglich, wochen- oder halbmonatweis, solches wünsche, um welche Zeit die Commandierte 
und Struschen zusammen helfen müssen. 

In Betreff des nöthigcn Heues wollen sich die Herren Oberlieutenants nach huhem Befehl 
Titl. Herrn Generalmajor Baron v. Spleni bei denen betreffenden Herrn Commissarien erkun- 
digen, in welchen Dörfern und wie viel in jedem derenselben annoch Falsclien vorrHthig seien, 
hierüber auch die Anweisung abforderen, sohin aber die Mühe auf sich nehmen, daj Heu an- 
noch auf der Heide sowohl wegen der Güte als in anderer Erfordenus zu besichtigen, das un- 
geniessbare bezeichnen und sohin bei gutem Wetter einen oder auch 2 Mann von dem zweiten 
Oarnisonsregiment zur Aufladung und Anherotransportierung abschicken, welchen aber in spede 
zu explicieren kommet, dass die obere Decken und der Boden, wann solches nicht geniessliar, 
auf die Seite gelegt, das reine Heu besonders und doch auch dieser Auaschuss anhero gefuhret 
werde, welch letzterer zur Reparation der doppelten Verzftumung und des Daches gebraucht 
werden kann. Nach vollkommener Ablieferung eines Dorfes Schuldigkeit kommet jeden deren- 
selben besonders nach beiliegendem Formulare Quittung zu verabfolgen. 

Weilen Herrn Oberlieutenant Schollmeyer die sammentliche Marodi von die G ersten 
Tabons belassen sind, hat hingegen Herr Oberlieutenant Szedetzki die beim Cabardiner Trans- 
port befindliche Fohlen auszufangen, aufzustellen und mit gutem Heu, dann auch Schrot oder 
Kleien zu fütteren, damit selbe von der Muttermilch abgespindelt werden und das harte Futter 
lernen. 

Ich kann es denen Herrn Officiers nicht zumuthen, dass bei Nachtzeit bei der Fütterung 
jedesmal Selbsten zugesehen werde, bin aber durch den bekannten Fleiss ttl)erzeugt, dass solches 
zu unterschiedlicher Zeit beschehe, damit der betreffende Unterofficier und auch die Gemeine 
ihrer Schuldigkeit geprüft und beständig in Obachtsamkeit gehalten werden. 

Boeden Herrn Oberlieutenants und zwar jedem besonders sind 400 fl. Rh. unter heutigen 
Dato gegen empfangenen Quittungen abgegeben worden, womit anvorderist der Haberankauf zu 
veranlassen und der Rest auf andere Verwendung vorzubehalten, künftig aber mir sammentlich 
zu verrechnen ist. 

Der Quasifeldscherer, Vicecorporal Steiglehner, befindet sich in meinem Quartier zu 
Szired, welcher in allen NothfXllen sogleich mit einem Gebrauchpferd abgeholet werden kann. 

Der Rapport mit angehängtem Stand kommet mir diesmal nach beiliegendem Formulare in 
duplo einzuhändigen, sohin aber alle Monat auf der gleichen Art zu verfassen, in Zeit meiner 
Abwesenheit durch Titl Herrn Generalmajor Baron v. Spleni mit einem Begleitungsbittschreiben 
und ebenfalls hochdemselben unterbiegenden Rapport und Stand, nur einfach an meinen Auf- 
enthaltsort dergestalten zeitlich zuzusenden, damit solchen jedesmal bis 28ten empfangen könne, 
und zugleich Titl Herr Generalmajor Baron v. Spleni als Landesbrigadier sich zur gefälligsten 
Wissenschaft einsehen möge. Wenn aber beim Commando an Mann oder Pferd etwas Neues 
vorfallet (ist zu verstehen in Sterbfall oder Desertion erster und Umstehn oder Entlauf ung letz- 
terer) wäre mir solches durch einen Extrabrief sogleich zu melden. 

Anbei recommandiere nochmalen, sorgfältigst darauf zu halten, dass mit denen Landes- 
inwohnern sowohl als in allen übrig vorfallenden Gelegenheiten sich freundschaftlich compor- 
tieret werde. Auf Feuer und Licht ist zu Verhütung allen Unglückes besonders Obacht zu 
halten. Das Tabakrauchen in der Okol, in dem Heumagazin, auch in dem Stall und beson- 
ders bei dem Heutragen solle gänzlich verboten sein. In Betretung eines Mannes, so den 
Befehl nicht haltet, wäre selber das erstemal nachdrücksam zu ermahnen, sohin aber das zweite- 
mal dienstangemessen exemplarisch zu bestrafen, welcher Fürgang und Anordnung bei allmä- 
liger Ablösung der Struschbauem denenselben wohl begreiOich einzuprägen ist. Schliessliche-n 
wollen t>eede Herren Obarlientenants die unterhabende Commandierte von löbl. Regiment visi- 
tieren und die in diesem Dienst zugrunde gegangene Monturs, Pferd und andere Rüstungsaorten, 
welche ausser der vorgeschriebenen Dauerzeit abgenützct worden, in einer formierenden Tabella 



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Die Anpänöb des k. k. Staatsgbstütes Radautz. 59 

coDsignieren, 8ohin aber eine an das betreifeud löbl. Kegimeut und eine directe an mich^baldigst 
uberschicken, damit hoherorteo die Ansachung des Ersatzes baldigst bewerken kann. 

Uebrigens werde mich besorgen, bei meiner Ankunft in Czemowitz von Titl Herrn Ge- 
neralmajor Baron v. S|ileni iür die al hier über Winter verbleibende Mannschaft die nöthige 
Bettfournituren zu erwirken , westwegen eben von dorten aus die Abssignation dieser sowohl als 
über die Struschen zurücksenden werde. 

Sigl. Tzerepkivska, den 5. Decembris 1717. J. Cavallar, 

Rittmeister. 



22111. 

Cavallar an das galiz. Generalcommando. 

Orig. {K.-A. II. S., 1778—43-31.) Lemberg, 27. December 1777. 

Unterthänigst gehorhnmster Totalrapport. 
In unter! hü nig.*t gehorsamster Folge der von Einem hochlöblich in denen Königreichen 
Gallicien und Lodoroerien aufgestellten Generalmilitärobercommando erhaltenen hochgnädigen 
Instruction ddo. Lemberg, 28. Aprilis 1776, wormittelst mir mit einem zugegebenen Commando 
der hohe Auftrag beschehen, in denen r issisch-kaiberlichen Provinzen a conto des allerhöchsten 
Aerario so viele Pferde anzukaufen, als nur immer dienstangomessen aufzubringen sein können, 
habe zwar sogleich den Marsch angetreten, weilen aber die Entferntheit allzuweit, mithin sich 
lang ausgedehnct hat, wodurch das Frühjahr (wo die meisten Pferdemärkte gehalten werden) 
verstrichen ist, habe in sotlian 177Gsten Juhre mit all angewandter MUhe und seitwärts ge- 
schickten Herren Oflficiers nicht raehrers dann 2619 Stück ßemonten und 58 neue Gebrauch- 
pferde aufbringen können. 

Weilen aber durch anfangs gedacliter hochgnädigen Instruction § 8vo mir die hohe Wei- 
sung gegeben worden, in Fall solchen Jahres nicht die hinlängliche Anzahl Pferde zusammen- 
zukaufen imstande wäre, mich wegen einer allenfallig thunlicheu Winterung in russisch-kaiser- 
lichen Landen und wegen dem Ankauf einiger Pferden am Yaiktluss oder in der Cabarda ein- 
zuvemehmen nnd hoherorten hierwegen den unterthänigst gehorsamsten Rapport zu erstatten, 
als habe sub dato Czirkaskoj in Donischen den 20. Juli 1776 den befundenen Plan unterthänigst 
gehoniamst eingeschickt, hierauf aber durch mehrmalig hochgnädigen Befehl von Lemberg 5. Oc- 
tobris zu vernehmen gehabt, dass mich mit denen bei mir verbliebenen Commandierten Ober Winter in 
Russland aufhalten und durch diese W^ege den zeitlicheren Ankauf deren Remonten veranlassen solle. 
Wie ich mir nun diese Winterszeit mit Aufsuchung genügsamer Handelsleute sorgsamst 
zunutzen gemacht, auch mit theils derenselben wirklich contrahiert habe und dadurch versi- 
cheret sein können, dass gleich .Anfangs des FrUhjahrs 1777 die nöthige Pferde in Bereitschaft 
sein werden, so habe den 4ten Aprilis 1777 mit 1 Corporal und 2 Gemeinen mittelst der russi- 
schen Post die Reise nacher Cabarda angetreten und durch einer zurückgelassenen schriftlichen 
Instniction den neuerdings mit einem Commando in Russland abgegangenen Herrn Rittmeister 
V. Canisius zu allen Vorfallenhelten belehrnet. welcher dann nach seinem mir erstatteten Rapport 
in der Gegend Czirkaskoi am Donnfluss über Abzug deren von denen voriges Jahr vom 7ten 
Transport verlorenen 77 über Winter eingebrachten 47 Stück Pferden neuerdings 2484 Stück 
Remonten, dann 51 neue Grebrauch- und von denen mitgegangenen Lieferanten 18 Remonta in 
Szalitschek übernommen hat. 

Und ich habe in der Cabarda ebenfalls 341 Remonten und 17 Gebrauchpferde eingehan- 
delt, da86 also in diesen 2 Jahren für dem allerhöchsten Aeratio nachstehende Remonten in 
Emp&og zu nehmen kommen. 

Benanntlich Remonten 

Anno 178C 2619 

Anno 1777 mil denen ersten 6 Transports nach Abschlag der 47 gefunde- 

denen von anno 1776 2484 

von denen Lieferanten auf dem Assentplatz nachgenommen 18 2502 

mit dem 7ten Transport 331 

Summa des zweijährigen Remontaeinkaufs . . . 5462 



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60 



Poler: 



Abgang. 

.Anno 1776 sind marode unterwegs eingestellt worden .... 3 

Vom 7ten Transport sind verloren gewesen 77, weilen aber anheuer 47 

nachgebracht worden, verbleiben HO 

8. y. crepiert 12 

von Wolf zerrissen 1 

ersoffen 1 

in Szalitscbek den Hals gebrochen ....... 1 

verkauft 4 

Anno 1777 auf dem Marsch crepiert 18 

in Szalitscbek „ 5 

„ „ todtgeschoBsen 2 

in der Buccowina den 26. November S. v. crepiert .... 
vom 7ten Transport auf dem Marsch den Fuss gebrochen . 

Summa des Abganges 
Wann von vorigem Einkauf deren 5462 gleich l)esagter Abgang defal- 
eiert wird mit .... 79 

verbleiben zu verweisen 

Hier ist um Richtigkeit willen der Umstand anzumerken, dass von 
denen heuerig erkauften Gebrauch pferden 20 Stück diensttauglich be- 
funden und assentiert worden, welche also denen Kcnionten zuzuschla- 
gen mit 

Ist also der Kemontastand 
Verweisung. 

Anno 1776 sind assentiert worden: 

Chevauxlegere . . , 1301 

Husaren 1219 

Anno 1777 Carabiniers 1.30 

Chevauxlegers 865 

Husaren 1430 

Von denen heuerig 6 ersten Transporten schwach unl defectuos llbrig 
verblieben und mit dem 7. Transporte nachgebracht, über einen vor- 
bemerkt den 20ten November crepierten, befinden sich zur PAegung in 

der Buccowina annoch uneingetheilt 118 

vom 7ten Transport über Abzug 1 Stück, so vorberaerktermassen den 
Fuss gebrochen, sind in der Buccovina uneingetheilt . . . 340 

Facit ". 
An Gebrauchpferden sind mitgenommen und neu verkauft 

Anno 1776 alt in Gebrauch geweste Pferde mitgenommen 

dortmals darzu gekauft 

Anno 1777 bei denen 6 ersten Transporten erkauft .... 
bei dem 7ten Transport . . .~ 



Remonten 



52 



25 
1 
1 



79 



5383 



20 



5403 
Remonten 

2520 
2425 



458 



5403 
worden, wie folgt. 

Gebrauchpferde 
68 
58 X 
51 
17 ' 



126 



Summa . 
Hievon kommen vorderist abzuschlagen Vorstehendermassen zu Re- 

monta assentierte 

Verbleiben . 
Ausweis. 

Anno 1776 S. v. crepiert 

durch Deserteurs entführt 

entloffen 2, wovon aber mit dem 7ton Transport anno 1777 1 Stück 

nachgebracht worden, verbleibt 

verkauft 



194 
20 



174 



16 



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Die Anfänge des k. k. Staatsgestütks Radaltz. 61 

Gebrauchspferde 
Hebert rag 16 

Anno 1777 verkauft in Szalitschek 63 

do. bei denen Regimentern in Qallicien zugeth^lt geweste . 28 , 

zum Verkaufen dem Kaiser Chevauxlegersregiment nacher Mähren mit- ' 

gegeben 13 

auf dem Marsch crepiert 4 

beim Klnskischen Chevauxlegersregiment gestohlen .... 1 

zu Grewen-Husaren abgegeben , 2 

vom 7ten Transport bei der Biszar Simnik in Saporogien wegen starker 

Krfirope zurückgelassen 1 

in der Buccowjna aufgestellt mit Zuwachs: 1 Stück, vom 7ten Trans- 
port nachgebracht, hingegen Abzug: 13 Stück, zu Kaiser Chevauxlegers 
zum Verkaufe nacher Mähren mitgegeben, verbleil>en .... 45 

Sage . 174 

Uebrigens habe mir zwar dem hochgnädigen Befehl von ddto Lembarg den öten Aprilis 
1777 in Betreff eines fernerhin anzustossen suchenden Contracls mit dortendig armenisch oder 
jüdischen Handelsleuten recht sehr angelegen gehalten 

Ich bin die bekannte grössere Pferdehändler angegangen, welche alldortcn zur Antwort erlheilet, 
das» sie allerst hören wollen, wie es denen anheuer bis Szalitschek mitgegangenen Cameraden 
abgelaufen seie, an welchen selbe mir auch Briefe mitgegeben. Derowegen habe nach meiner 
Ankunft in Szalitschek die 2 wohlhabende Handelsleute um ihre Gesinnung nochma'.en befragt, 
welche nach gemachter Ueberlegung den Kntschlnss gegeben: Wann auch russisch- kaiserlicher- 
seits die allerhöchste Erlaubnis ergienge, über denen Grenzen frei Pferde verkaufen zu dürfen 
(welches aber dermalen noch eingeschränket und auf jedes Stück 10 Rubel Maut geschlagen ist), 
so wäre ihnen doch wegen vielen zu passieren habenden Länderen und Mauten fast ohnmöglich 
die Lieferung auch gegen einen grösseren Frei« einzugehen; hingegen sind sie erbietig, wann 
denenselben in vorhergehendem Herbst aviso gegeben würde, und dann ein Oflficier im Früh- 
jahre allhin kommete, so die Pferde alldorten übermesset und bezeichnete, sofort al>er mit denen 
Transports zurückgienge, solche bis in das republicanische Fohlen auf ihrer Gefahr zu treiben 
und auch das halbe Geld allererst alldorten zu empfangen. 

Diese Nation bestehet aus Russen, Tartarn und Kalmuken, so zwar alle Soldaten, aber 
ausser Kriegszeiten und besonders im Handel sehr forchsam sind. Armenier befinden sich dies- 
seits des Donnflufises, ausgenommen in der Moldau und Wallachey, wenig, hingegen bei Astracan, 
Kislar und Mostok in Asiatischen genug, ist aber mit selben nichts Verlässliches zu machen 
and sehr hart sich mit ihnen in einen Contract einzulassen. Von Juden aber ist in diesem 
Land, ausser auf der pohlnischen Grenz, aichts zu sehen, weilen selbe schon längsten aus dem 
russischen Reich verbannet worden. Derowegen bin auch unvermögend gewesen, diesen hohen 
Befehl in uoterthänigst gehorsamstschuldigste Erfüllung zu bringen. 

Gleichwie mir übrigens der hochgnädige Auftrag beschehen, für denen gegenwärtiges 
Jahr von die 6 ersten Transports übrig verbliebenen und dann für den ganzen 7ten Transport 
in der Bnecowina einen tauglichen Platz zu suchen, damit sothane Pferde über Winter nach 
Möglichkeit beqaemlich untergebracht und gefüttert werden kennten, als habe nach unterthä- 
nigst gehorsamst beiliegender fnslruction nicht nur 2 gedeckte Okols, allwo in jedem deren 
300 Pferde zum Unterkommen vollkommen Platz haben, ohnentgeltlich des allerhöchsten Aerarii 
durch die Landesinwohner neu aufgestellt, sondern auch denen bei sammentlichen Pferden Com- 
mandierten 2 Herren ObeiUeutenants die Mannschaft und Pferde eingetheilt und selbe in allen 
Stücken zum Dienst des allerhöchsten Aerario belehrnet. wobei mich aus Erfahmis und Kennt- 
nis deren bereits schon 2, 3, auch 4 Jahr mit mir gewesten, ausgesuchten, guten Commandierten 
der Cavallerie versichere, dass mit sothanen geringen Commando der zwar beschwersam, Tag 
und Nacht danemde Dienst daiinoch vollkommen erfüllet werde. 



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62 Polek: 

Hierbei finde aber zu meiner Schuldigkeit die unteribänigst gehorsamste Vorstellung und 
Bitte zu machen, dass die bei diesem Commando annoch commandiert befindliche Individuen 
der Cavallerie nicht nur wegen dem starken Dienst, sondern auch wegen ihrer schon lang in 
diesem Geschäft vorzUglich bezeigten Eifer wenigstens bis ultima Mai 1778 einer sidi würdig 
gemachten Zulag erfreuen könnten. 

Nach welch ein so anderer hoclignädigen Ermessung um die Ausfolgung deren erforder- 
lichen Verlagsgeldem die unterthänigst gehorsamste Bitte unterlege. 

Wollte hingegen hoherorten hochgnädigst begnehmiget werden, fQr jeden in der Bacco- 
wina verbleibenden aerarischen Pferde a dato ihrer dortländigen Aufstell- und Fütterung von 
15. Novembris 1777 bis 15. Mai 1778 incl. eine tägliche Verpflegung per Stück a l'/i Portion 
Heu und */, Portion Haber auszumes^en, welch letzterer aber ausgedroschener nicht angebracht, 
sondern (weilen die Pferde frei und unangebunden sind) in Garben gefüttert werden muss, 
könnten nach meiner unterthänigst gehorsamst ohnmassgcblichen Ant^'ag sammentliche Pferde bis 
zu ihrem Ausgang auf die Weide täglich zweimal mit Habergarben gefuttert werden, wodurch 
selbe besser zu Kräften kommen und in Frühjahr }>ei erreichendem Gras umso viel ehender das 
ansehnliche Wachsthura erreichen würden. 

Und weilen ohne Zweifel das schon dermalen fütternde kais. königl. Heu*) der Buceowiner 
Cassa zu l>ezahlen sein wird, die unausgedroschene Ilabergarben aber von denen Landesinwohnem 
erkauft werden müssen, könnte durch Auswerfung deren Portionen in Geld nach Bezahlung 
aller Fourage eine Ersparung ausfallen, wormit nicht nur die erforderlichen Unkosten bestritten, 
sondern auch die Zulagen abzureichen hinlänglicher Vorrath verbleibete, mit der unterthänig 
gehorsamsten Versicherung, dass hierdurch kein Pferd sich einigen Abgangs des Futters be- 
klagen würde und auch die Commandiertc verdienstUchcrmassdn befriedigt werden könnten. 

Hiermit wäre zugleich imstande, mein 2jährig aerarisches Kemontierungsgeschäft schon 
dermalen vollkommen abzuschliesscn, und bleibete in Hinkunft nur über den Gelderempfang auf 
Naturalien der unterthänigst gehorsamste Ausweis zu erstatten. 



FZM. Graf Siskovics an den Hofkriegsrath. 

Orig. (K.-A. II. S. 1778—43—31.) I^mberg, 31. December 1777. 

Es zeiget sonach (der) Remontenrapport, dass die Chevauxlegers- wie die Hnsarenregi- 
menter auf den damalig bekannten Abgang nicht nur completiert, sondern auch mit denen an- 
getragenen supemumerarien k 90 und 120 Pferde vollständig versehen worden und nur lediglich 
denen Carabiniersregimentem die denen jedem derselben zugedachten 30 supemumerarien ni(^ 
haben ganz verabfolget werden können, sondern ein jedes hie von anstatt 30 nur Stück über- 
kommen habe. 

Endlich bemerket (der) Remontierungsbericht, dass sammentliche G Remontentransports 
nicht nur von gut- und dienstbarer Gattung, von schönem Schlag und Wachsthum gewesen 
seien, sondern auch alle Regimenter die Zufriedenheit finden müssen, indem heuer nicht so viele 
schwache, gar zu junge und unter der Mass wie sonstige Jahre vorgefunden worden. 

Bevor als die Remontenübemalime der ersten G Transporten in Szallescdk geendiget 
wäre, träfe der Rittmeister Cavallar für seine Person daselbsten ein. Nachdeme aber von diesen 
6 Transperten nicht nur 119 Remonten, sondern sein ganzer aus der Cabarda anmarschierender 



*) Die Heuabgabe wurde in der Bukowina im Jahre 1769 von den Russen, die damals, 
im russisch -türkischen Kriege, von diesem Landstrich Besitz ergriffen, eingeführt. Sie blieb auch 
unter der österreichischen Herrschaft fortbestehen, wurde aber vom Jahre 1780 angefangen in 
Geld reluiert (Polek, die Bukowina zu Anfang des Jahres 1783. Czemowitz 1894. S. 78). 



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Die Anfänge des k. k Staatsgesi>üte9 Radaütz. 63 

Tabao zur Ueberwinterung in der Biiccowina ansfiel, so hat man in Rucksicht dessen, dass der 
Rittmebter die beste Einsicht und Kenntnis habe, auf welche Art ;e.um Besten des Aerarii und 
des Dienstes die Remonten allda überwinteret werden könnten, demselben die Ordre ertheilet, 
sich in die Buccowina zu begeben und durch Mitwirkung des hievon glf^ichfalls verständigtea 
Herrn Generain Baron v. S p 1 e n y zur diesfäUigen Ueberwinterung die nöthigen Einrichtungen 
zu machen, nach deren Vollendung besagter Kittmeister anerst hieher gekommen ist, um seine 
weitläufige Rechnungsrichtigkeit in Ordnung setzen zu können. 

Auf den holien Erlass von 22ten Martii wurde dem Rittmeister Cavallar untern 5ten April 
allbereits der Befehl zugefertiget, womit er sich bemuhen solle, einen armenisch- oder jüdischen 
Pferdlieferanten z i Anstossung eines Contracts auf einige 100 Pferde zu vermögen. Er äusseret 
sich aber hierüber, dass sich niemand lierbeigelassen habe. 

I • • 

Ob Seiten des Generalcommando ist man der ohnmassgebist-gehorsamsten Meinung, dass, 
da nach der Einrichtung Russlandes ohne Bewilligung des Hofes auch die Lieferanten keine 
Pferde aus diesem Gebiete herausfuhren können, und sie auch wegen der Erhöhung der Maut- 
abgaben nie sicher sind, derowegen auch keinen Contract eingehen können, kein anderes Mittel 
übrig sei, als wann es anderi thunlich wäre, von dem russischen Hofe semel pro semper einen 
freien Pass auf einige 100 Pferde jährlich zu erwirken, wornach das allerwohlfeilste Mittel pro 
aerario wäre, im Herbste lediglich einen Officier mit ein paar Commandierten und der Geld- 
halbscheid in diese Lander abzuschicken, sodann die durch den Winter bestellte nur auserlesene 
Pferde im Frühjahr zu accordieren, auf Gefahr der Pferdhändler bis an die Grenzen von Pohlen 
darch ihre tartarische Knechte treiben zu lassen, allda die andere Halbscheid des Betrags zu 
bezahlen und entweder durch neubestellte eigene derlei Knechte oder Commandierte weiters 
anhero zu beforderen. Es scheinet, dass eine Anzahl von 5 bis 600 Pferden so gering ange- 
sehen werden dürfte, dass vielleicht weder Russland den Ankauf noch Pohlen den Transito 
diffieultieren werde. Ich rechne die Erfordernis beiläufig für die leichte Reiterei jährlich auf 
1500 Remonten, und wann man deren 600 aus der Tartarey haben kann, so dürfte man wohl 
in denen Erblanden mit Hilfe der nächst an uns liegenden Moldau die übrigen aufbringen, be- 
Rooders wann Mittel vorhanden sind, iu der Ti mesvarer Banatsgrenze und in der Buccowina die 
3jähiigen Pferde durch ein Jahr ohne besonderen Aufwand zu halten und zu pOegen, weil die 
dreijährigen Pferde immer unter a öderen mit angenommen werden müssen. 

Vermög voran bemerkter Ausweisung des Rittmeisters Cavallar sind an Remonten dato 

uneiDgetheilet in der Buccowina aufgestellt 4.58 

und an Gebrauchpferden dabei 4.5 

zusammen . 503 Stück. 

Zu deren Unterkommen hat besagter Rittmeister 2 Okols deren ein jeder 300 Pferde 
fassen kann durch die I^ndesinwohner ohne Kosten des Aerarii aufgestellt und den Okol Nr. 1 
dem Oberlieutenant Schallmayer von Modena und den sub Nr. 2 dem Oberlieutenunt Szedetzky 
von Hadik übergeben, welch einem jeden 1 Corporal, 1 Schmied und 8 Genjeine von ihren 
Regimentern, dann 3 von Kaiser Chevauxlegers, ferners 5 Gemeine vom zweiten (»arnisonsregi- 
ment und 8 Stnische-Bauern zugetheilet werden. Es bestehen sonach die Commandierte bei 
diesen beeden Okols in 2 Oberlieutenants, dann 30 Köpfen von Wachtmeister an abwärts und 
1<» Bauern, welche zur Versehung obangezeigter Anzahl Pferde von ihme Rittmeister sufilcient 
befunden worden. 

Weichergestalten derselbe die Wart-, Pfleg- und Fütterung der aufgestellten Remonten 
angeordnet und hierüber denen beeden Oberlieutenants Schollmeyer und Szedetzky die Instruc- 
tion schriftlich ertheilet hat, enthaltet die seinem TotJ».lrap|>ort anverwahrte Beilage des mehreren. 

Bei dem Umstände, wo der 7te Remontentransport erst den 12ten Novembris in der 
Baccowina eingetroifen ist und nämlichen Tages auch die von Szallesczik dahin abgeschickte 
J 19 Remonten nebst 41 Gebrauch pferden von dem Rittmeister Cavallar in seine eigene Verpfle- 
^asg übernommen worden und nur lediglich jene 13 Gebrauchpferde, die mit so viel Comman- 
dierten von Ihro Majestät des Kaisers Allerhöchsten Namen führenden Chevauxlegersregiment 
nacher Mähren abgehen, aus dem Verpflegsmagazin vom 20ten Novembris an gegen Quittung 



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64 PoLEK : 

verpfleget werden, hat man dem Rittmeister Cavallar verordnet, seine Rechnung bis «um Ein- 
tritt in die Buccowina zwar ahzuschh'eHsen, zugleich aber aufgetragen, da»8 er vom Eintritt in 
die Buccowina sowohl über die FUtterungs- als anderweit unvermeidliche Kosten eine Nachtrags- 
reehnung zu erlegen haben werde. 

Aus dem Anlass, dass sowohl der Rittmeister Cavallar als die beeden Oberlieutenants 
Schollmayer und Szedetzky und die Unteroflficiers wie die Gemeinen von dem RemoDtierungs- 
gcschäft noch nicht entlediget und ein wie andere bei denen aufgestellten Remonten noch immer 
Schwerer Arbeit ausgesetzet sind, hat man auf das gemachte Ansuchen des Rittmeisters Cavallar 
einem jeden derselben noch femers bis ultima Mail 1778 die bishero genossene Zulage verab- 
reichen zu lassen ilirae Rittmeister die Bewilligung ertheilet, wohingegen respectu der Schreib- 
materialien und Postspesen, die sich ohnehin nicht auf vieles belaufen kennen, keine weitere 
Aufrecbnung passieret werden wird, weilen eine solche die Officiers von den beziehenden Liefer- 
geldern gar füglich werden bestreiten können. 

Ueber die in der Buccowina aufgestellte 458 nneingetheilte Remonten, dann die allda 
verbleibende 45 Gebrauchpferde wird man infolge hoher Anordnung von 8ten Octobris anni 
hujus bei Ausweisung des Standes der Regimenter auch jedesmal den angeordneten Ausweis 
gehorsamst einreichen. 

Man wollte zwar Ober die diesfällige Remonten die kriegscommissariatische Revision an- 
ordnen; nachdem aber der Rittmeister Cavallar die Vorstellung machte, dass es für jetzo nicht 
wohl möglich seie, weilen die Pferde ausgefangen, beschrieben und abgemessen und doch nach- 
hero wiederum freigelassen werden niUssteu, und man aus diesem Grunde überzeugt ist, dass 
sothane Revision für jetzo zu keinen weiteren Gebrauch dienen könne, so hat man auch dies- 
fällige Revision bis zur Zeit, wo mentionierte Remonten unter die Regimenter za vertheilen und 
formlich zu assentieren sein werden, anstehen zu lassen befunden, zugleich auch dem Rittmeister 
Cavallar in dem Anbetracht, dass er die Fütterung der Remonten nach Verschiedenheit der 
Zeiten einzurichten gedenket, gestattet, den Einkauf an Heu- und Habergarben Selbsten zu be- 
streiten. 

Uebrigens ist man der unterthänigst ohnmassgebigsten Wohlmeinung, dass, wenn der BiU- 
meister Cavallar seine Rechnung vollständig erleget und es sich hieraus verofTenbaret haben 
wird, was für ein Nutzen durch dessen eifrige Verwendung bei dem aufgehabten Remontenein- 
kauf dem Aerario zugegangen ist, demselben, wie denen sich sammentlich mit besonderem 
Diensteifer verwendeten Officiers und übrigen Commandierten eine allergnädigst zu bestimmende 
Douceur angedeihen zu machen sein dünle, wie solche denenselben Inhalt hohen Decrets vom 
16. Februarii zugedacht worden. 



Vortrag des Hofkriegsrathes. 

Orig. (K.-A. II. S. 1778-43—31.) Wienn, 21. Jänner 1778. 

( Randbemerkung) : Der Inhalt dieses Vortrags dient Mir einstweilen zur Wi^enschafl; 
soviel aber den darinnen vorkommenden künftig ferners fortzusetzenden Einkauf der Remonten 
in denen dortigen Landen betrifft, finde Ich für nöthig, den Rittmeister Cavallar selbst anher 
kommen zu lassen, um denselben dieses Gegenstandes wegen mündlich zu vernehmen. Der Hof- 
kriegsratli hat dahero demselben durch das Generalcommando anzubefehlen, dass solchcT seine 
Rechnungen über das aufgehabte Remontierungsgeschäft auf das fördersamste abschliesse, die 
Oberaufsicht über die Wart- und Pflegung der in der Buccowina zum üeberwintem befindlichen 
Hemonta einem andern von dem Generalcommando hierzu schicksam befunden werdenden Offi- 
cier übergebe, diesem die gehörige Anleitung hierzu ertheile und sich sodann ungesäumt anhero 
zu verfugen habe. J086ph Corr. 



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Die Anfänge des k. k. Staatsgestütbs Radautz. 65 

Cavallar an den Hofkriegsrath. 

Orig. (K.-A. n. S. 1778-43—116.) WienD, 26. März 1778.- 

Wann Ein hochlöblicher kais. königl. Hofkriegsrath zu immerhiniger Completierung der 
leichten Cavallerie femers den Ankauf auf ärarische Kosten fortzuführen und mir dieses Geschäft 
hochgnädigst zu übertragen geruhen wollte, finde meiner Pflicht gemäss, Nachstehendes zu hoher 
Einsicht unterthänigst gehorsamst zu unterlegen. 

Dermalen sind sammentliche leichte Cavallerieregimenter per 6 und respective 8 Esca- 
drons (nämlich ohne der allererst errichtenden Reserv) meistens durch meinen Pferdeankauf und 
zwar die Chevauzlegers per 90 und die Husaren per 120 Stllck übercomplet gemacht worden. 
Zademe befinden sich annoch in der Buccowina unter meiner Obsorg 500 Stück uneingetheilt 
ärarische Pferde, wovon die meisten remontamässig, einige aber, welche bei letztvorgewester 
Assentierung wegen Zufälligkeiten und schlechtem Ansehen und einige, weilen selbe in Gebrauch 
auf dem Marsche sehr abgenutzt waren, dortmals nicht überc^eben werden können. Wann nun 
diese in FrUl\jahr nach etwas genossenem Gras zu deren Ausreinigung in denen in der Bucco- 
wina und Galliczien dermalen genugsam vorräthig leeren Stallungen aufgestellet und zum harten 
Futter gewöhnet, darzu annoch diesen Sommer in der Moldau, dem republicanischen Pohlen 
und in Galliczien eben 500 Stück nachgekaufet und in ordonanzmässiger Portion gehalten 
würden, könnten sohin in künftigem Winter oder Frühjahr sothane Remonten in gutem künftigen 
iStand und auch schon etwas zugerittener successive an die Regimenter oder Reservescadronen 
abgeschicket und hoffentlich durch Fortsetzung des ferner mehr oder wenigeren Ankaufes die 
leichte Cavallerie in beständigem completen Stand erhalten werden. 

Zndeme aber wäre erforderlich, dass ein a parte Personale zusammengesetzet und ohne 
Vermischung mit einem Regiment einen besonderen Namen erhielte, damit diese Leute, vom 
Oberofficier bis zum Gemeinen, in eine Forme und ohne von solchem Dienst verwechselt zu 
werden, zur ordentlichen gleichen Futter- und Pflegung belehret werden könnten. 

Dieses angetragene Personale besonders zu bestimmen und beständig zu behalten ist zu- 
gleich von darumen der nützlichste Umstand des ganzen Werkes, damit nicht wie bishero ge- 
schehen, mit jährlicher Zurückeinrückung deren Individuen zu denen Regimentern, wo meisten- 
theils in nachgefolgtem Jahr andere Leute geschicket worden, die beschwersam und gefährliche 
Verlegenheit vorkomme, selbe ihrer Geschicklichkeit und Treue allererst zu prüfen, welches in 
einer so kurzen Zeit nicht wohl probmässig erforschet werden kann, und wodurch also der aller- 
höchste Dienst um nöthiger Sicherheit willen Hindernis im Wege hat. 

In dem Fall sothaner Zusammensetzung wäre es einerlei, ob von denen Feldregimentern 
die unansehnlich und zum Kriegsdienst untaugliche Gemeine oder auch diese sammentlich von 
denen halbinvaliden Cavalleristen deren Gamisonsregimentern, weilen solche ohnehin in kaiser- 
Hchem Brot stehen, die Bestconduisierte abgegeben würden. Wie dann ebenfalls die meiste Cor- 
poralen von dieser Gattung sein könnten. Sattler, Schmied, Feldscherer, Fourier und Wacht- 
meister aber niussten wohlgeubte, annoch kräftige lieute sein. Von denen Oberofficiers hätte 
wenigstens 4 Individuen erforderlich, welche mir kennbar und zu dem Dienst des beständigen 
Ankaufes tauglich befindete. Die übrigen zur Pferdewartung könnten ebenfalls von der Garnison 
genommen werden. 

Hierbei wäre der Umstand in Betracht zu nehmen, dass dem ganzen obligaten Dienst- 
personale Reitrequiidten gegeben werden müssten, weilen durch selben die Remonten zuzureiten, 
in die Tränke zu führen und nach erhaltendem hohen Befehl an die Regimenter oder Deposi- 
torien abzuschicken antrage. 

Eine Montur würde für das erstemal jedes Individuum mitbringen, sohin aber würde 
dieses Personale eine egale Montur kennbar machen. 

Die Verpflegung könnte in der Zeit, da nur Pferde gewartet werden, also in Quartier, 
wegen vieler Arbeit dem Cavalleristengelmlt gleich gerechnet werden; auswärtige Dienste aber 
würden auch gebührende Zulagen nöthig haben. 

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66 Polkk: 

Wie ich nun vermuthe, dass jährlich wenigstens 1000 Pferde Nach wachs erforderlich 
seie, also mache meinen Ueberschlag, das» zu sothaner Pflegung und genauer Uebersehung 
1 Commandant, 3 Rittmeisters, 3 Oberlieiitenants, 3 Unterlieutenants, 3 Wachtmeisters, 3 Fco- 
rier, 3 Feldscherer, 3 Schmied, 3 Sattler, 24 Corporalcn, 360 Gemeine, wordurch auf mehrers 
anwachsenden Reroonten, auch auf einen Erkrankungsfall etwas beigesehlageu, 409 Köpf in 
Summa erforderlich wären. 

Dermalen sind vor 1000 Pferde nur 3 auf einen Mann zur Wartung gerechnet; sollten 
aber ein- oder anderesmal die Remonten mehrers wachsen, könnte auch jeder Mann 4 Stuck 
pflegen, dass also zu 13 bis 1400 Pferde, genügsame Mannschaft ausgesetzet. Wann hingegen 
der jährliche Nachwachs auf einer noch höheren Summa hochgnädigst ermessen werden wollte, 
wäre nach Anzahl der mehreren Stück auch das Personale mit allen dazu gehörigen Indiridaea 
zu verslärkeren erforderlich. 

Wie nun der fürwährende Ankauf der grösste und vorzüglichste Dienst sein würde, zu 
sothanem Geschäft hingegen nicht jedwederes Individuum angemessen ist, als würde dem aller- 
höchsten Aerario sehr vortraglich sein, ^l7lnn einige bekannte, geschickte, schon mehrere Jahre 
in diesem Geschäft sich sehr beeifert, wohlerfahren und getreue Ober- und Unterofficiers, auch 
Gemeine mit Avancement dabei belassen würden. 

Da übrigens die nachzukaufen gedenkende Remonten sogleich von dem Tag des Ankaufes 
in ärarischen Futter kommen, wäre hochgnädigst zu entschliessen, ob die Pferdeportiones aus 
denen kais. königl. Magazinen gefas.set und quittieret oder aber durch diesen Personale selbeten 
erkaufet werden sollen. Nur finde noch beizurUcken nöthig, dass eben wegen der Fourage am 
wirtschaftlichsten sein würde, wann sammentliche Pferde in Podolien, Pokutien und in der 
Buccowina aufgestellet würden, weilen alldorteu gute, auch mehrer und wohlfeilere Foura^ zu 
finden ist. 

Mit welchem diesen verfassten Plan Einem hochlüblichen kais. königl. Hofkriegsrath zu 
hochgnädigst beliebsamster Einsicht hiemit in Unterthänigkeit gehorsamst einreiche. 

Sigl. Wienn, den 2(5. März 1778. 

Unterthänigst gehorsamst 

J. Cava Mar 

Rittmeister. 



Vortrag des Hofkriegsrathes. 

Orig. (K.-A. II. S. 1778-43—116.) Wienn, 28. Mira 1778. 

Dieser Vorschlag würde das Gute mit sich bringen, dass die Remonten vor der Abgabe 
an die Regimenter gereiniget und etwas zugeritten würden, somit gleich bei der Aasentiemng in 
Gebrauch genommen und auf den dienstbaren Stand der Regimenter richtige Rechnung gemadit 
werden könnte. 

Es würden die Remonten, wenn nur ein Käufer sich einfindet, im Preis nicht geetei- 
geret, dann die Regimenter die Remontierungscommandi und die Leute zu Wartung der jungen 
Pferden ersparen. 

Das Personale, so der Rittmeister Cavallar zur Remontierung antraget, konnte aus pen- 
sionierten Officiers, dann halbinvaliden Gemeinen und Unterofficiers des Gamisonsregimenta, die 
vorhin bei der Cavallerie gedienet haben, genommen, somit ein Theil des neuen Aufwands 
dadurch verminderet werden. 

Man vermeinet jedoch, dass, noch bevor diesfalls eine Einleitung geschiehet, der Ritt- 
meister Cavallar Gallizien, die Moldau und das republicanische Pohlen zu bereisen, so viel« 
Pferde, als er brauchbar fiodet, zu erkaufen und sodann die Relation zu erstatten hätte, wie 
viele gute Remonten er jährlich aufbringen zu können, vermeine. Zu welchem Ende der Hof- 
kriegsrath ihn Cavallar sogleich abzuschicken gedenket. 



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Die Anfänge des k. k. Staatsöbstütbs Radautz. 67 

SoUteo Euer Majestät nachhin den Vorschlag des Rittmeistor^ Cavallar zu begnehmigen 
gerahen, so könnte dem diesortig ohnmassgebigsten Erachten nach 

a) Cavallar für die Remonten die Fourage selbst anschaffen oder das ärarische Heu in 
der Buccowina fibemehmen, 

b) könnte demselben zum Ankauf der Remonten der dermalige Husaren- und Chevaux- 
legerspreis per Pferd dergestalt pasitteret werden, dass in der Totalite sothauer Preis per Pferd 
nicht überstiegen, ihm jedoch gestattet werde, das bei einem Rimonta Ersparende an ein an- 
deres zu verwenden. 

c) Scheinet, dass die Superarbitrierung der Pferden in der Buccowina und in Pokutien, 
welche dem Aerario vielen Aufwand venirsachet, bis zur Abgabe und Eintreffung der Pferden 
bei den Regimentern verschoben bleiben könnte. 

A. G. V. Hadik. 

(Randbemerkung): Ehe und bevor zur Ausübung des Cavallarischen Vorschlags ge- 
schritten werden kann, ist erforderlich zu wissen, wo er den Ankauf dieser Remontapferde zu 
veranlassen gedenke, und auf wie viel Stück dergleichen Chevauxlegers- und Husarenremonta 
sich Rechnung jährlich gemacht werden dürfe. Beiläufig kann dem Cavallar eine Berechnung 
gegeben werden, wieviel, um 5 Chevauxlegers- nnd 7 Husarenregimenter beständig in completem 
Stand zu erhalten, an jährlicher Remonta erforderlich sei, und ist nothwendig dabei eher auf 
etwas mehrers als weniger anzutragen, damit auf die gedachte jährliche Erfordernis eher ein 
geringer Ueberfluss als ein Mangel sich ergebe, und nachdem zur Aufstellung und Fütterung 
dieser Pferde, bis sie zur Remontierung tüchtig sind, Pokutien, Podolien und die Bukowina als 
diejenige Gegenden angegeben werden, wo das Aeranum hierbei am wohlfeilsten fähren dürfte, 
so sind auch allerdings nach der Hand diese erkaufte Pferde dahin und zugleich zu bestimmen, 
ob sie mit 4 oder 5 Jahren an die Regimenter abgegeben werden sollen, wovor das letztere 
Alter vorzüglich festzustellen zu sein scheinet. 

Wann dieses erst richtiggestellet sein wird, so hat in Ansehung des Personalis, und soviel 
die Officiers betrifft, Cavallar diejenigen namhaft zu machen, die er zu diesem Greschäft zu ver- 
wenden gedenket. Wachtmeister aber, Corporalen, Fouriers, Feldscherer, Schmiede, Sattler müssen 
theils aufgenommen, theils von denen Regimentern und halbinvaliden Mannschaft herbeigebracht 
werden; soviel liingegen die Gemeinen überhaupt betrifft, ist dem Cavallar in Ueberlegung zu 
geben, ob es nicht besser sei, nur eine proportionierte Anzahl altgedienter gleichen gemeiner 
Mannficbaft hierzu zu verwenden, die übrige Mannschaft aber zur Wartung dieser Pferde von 
denen Landleuten auf gewisse, zu bestimmende und zu capitulierende Jahre aufzunehmen. Die 
Montierung der Mannschaft ist ein Gegenstand, der sich seinerzeit leicht wird bestimmen lassen. 
Vorzuglich ober ist es nothwendig, den Cavallar von hier abzuschicken und seinen Vorschlag 
wegen dem zukommenden Einkauf der Pferde abzuwarten, und muss derselbe auch für das 
Gegenwärtige die Weisung erhalten, insofern sich bei seiner Zurückkunft in Gallizien die Gele- 
genheit äussern sollte, Pferde durch eigenen Einkauf oder auch durch Contracte aufzutreiben, 
er sich solche zunutzen zu machen nicht verabsäumen, sondern sich äusserst angelegen halten 
sollte, Chevauxlegers- und Hiisarenpferde herbeizubringen, worzu der Hofkriegsrath ihn dann 
auch mit Geld zu unterstützen hat, und da allerdings, wann nur ein Einkäufer vorhanden ist, 
die Pferde umsoweniger im Preis übertrieben werden, so hat der Hofkriegsrath auf dasjenige, 
was dem galUzischen Generalcommando wegen Ausfindigmachung mehrerer Lieferanten bereits 
mitgegeben worden, dasselbe dahin zu verständigen, dass, insoweit als daselbst einige Contracte 
mit derlei Lieferanten seither schon geschlossen worden, solche zwar in Erfüllung bringen zu 
lawen getrachtet werde, für die Zukunft aber dortigerenden der Ankauf der Pferde für den 
Dienst dnrch keinen andern als den Rittmeister Cavallar zu besorgen sei. 

Joseph Corr. 



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68 Polbk: 

Siskovics an den Hofkrtegsrath. 

Orig. (K.-A. n. S. 1778—43—117.) Leraberg, 28. Februar 1778. 

Es wird Einer hohen Instanz . . . die von dem Rittmeister Cavallar über die zum Behuf 
des pro ao. 1776 et 1777 aufgehabten Remontierungsgeschäfts empfangenen Gelder pr. 289.495 fl 
ölVe kr. erlegte Berechnung . . . überreichet. 

Die von dem erdeuten Rittmeister Cavallar erkaufte Remonten sowohl als die Gebrauch- 
pferde pr. 5588 StUck sind sammentlich rechtens ausgewiesen, und es kommet nach der dem 
Ausweis beigefügten Eventualausrechnung jedes der assentierten 4947 Remonten ohne Unter- 
schied, ob es an die Chevauxlegers- oder Husarenregimenter abgegeben worden, auf 52 fl. 547? kr. 
zu stehen ... Es veroffenbaret diesfällige Ausrechnung noch femers, dass, wenn diese Anzahl 
Remonten gegen den sonst hierauf verwilligten Remontageid a 19 und respective 15 ord. Du- 
caten wären gestellet worden, dieselbe um 91.304 fl. 47*/8 kr. höher zu stehen gekommen wären, 
und ist dahero in dem Anbetracht, wo dem allerhöchsten Aerario durch diesen Cavallariscben 
Remonteneinkauf eine so beträchtliche Ersparung zugehet, des . . . Dafürhaltens, dass, wie denen 
sammentlichen Remontierungscommandierten vermög hohen Decrets vom 16. Febr. 1776 eine 
Remuneration zugedacht worden, mehrwiederholter Rittmeister Cavallar wie denen sich sammenl- 
lich mit besonderem Diensteifer verwendeten Officiers und übrigen Commandierten eine «llergnä- 
digst zu bestimmende Douceur angedeihen zu lassen sein dürfte. 



Hofkriegsräth an Cavallar. 

Concept. (K.-A. IL S. 1778—43-116.) Wienn, 30. März 1778. 

Vermög herabgelangtem Allerhöchsten Befehl solle derselbe sogleich nacher Gallicien 
abgehen und sich äusserst angelegen halten, so viele Chevauxl egers- und Husaren pferde, es seie 
nun durch eigenen Ankauf oder durch Contracten aufzubringen, als es möglich sein wird, ond 
hat sich derselbe um Erlangung der dazu nöthigen Verlagsgelder an das Generalcommando 
in Gallicien zu wenden, welches hierwegen unter einem den Auftrag erhaltet. 

Was dessen Vorschlag wegen des beständigen Remonteneinkaufs betrifft, wird von ihm 
über folgende Gegenstände die Aeusserung gewärtiget: 

a) wo derselbe den Ankauf der Remonten zu veranlassen gedenke, 

b) wie viele Stucke an Chevauxlegers- und Husarenremonten derselbe jiüirlich «icher 
aufbringen zu können sich Rechnung mache. Wobei ihm zum Nachverhalt zu gereichen hat, 
dass man jährlich 560 Chevauxlegers und 1050 Husaren (sie) brauche, welche Summa etw» 
über 15 procento für den completen Kriegsstand der 5 Chevauxlegers- und 7 Hu^arenregimenter 
gerechnet ist. Jedoch ist der Antrag, die Remonten erst mit completem 5ten Jahr an die Re- 
gimenter abzugeben und bis zu Erreichung dieses Alters in Podolien, Pocutien und in der Bn- 
covina zu belassen. 



Cavallar an den Hofkriegsräth. 

Orig. (K.-A. U. 8. 1778—48—132.) Wienn, 3ten Aprü 1778, 

Unterthänigst gehorsamste Äusserung. 
Auf dem sub dato Wienn, den 30ten März, von Einem hochlöbl. k. k. Hofkriegsräth an 
mich herabgelangten hochgnädigen Befehl werde . . . ohnermangeln, den 6ten dieses nacher 



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DiB Anfänge des k. k Staatsoestütes Radautz. 69 

Leiuberg in Galliczien abzugehen und sohin nach äussersten Kräften mir angelegen halten, so 
viele Pferde von Chevauxlegers- und Husarenschlag, aU nur immer aufzubringen sein können, 
zu erkaufen. 

Mein Antrag des Pferdeankaufes ist, wann in russischen Reiche nicht remontiert wenlen 
solle, die Moldau, das republicanische Pohlen und Galliczien. In letzteren zwei Ländern 
wird wohl nicht nel zu machen und die wenig findende Pferde sehr theuer sein; doch konnte 
eine öilenüiche Bekanntmachung des an mir hochgnädig herabgelangten hohen Auftrages durch 
das galliczische Landesgubernium einigen Vorschub machen. In der Moldau kann, ohne ein 
Aufsehen zu machen, mich ohne Pass nicht wohl hineinbegeben. Es haben aber die in Disme- 
nitz ^) und Stanislau beOndÜche Armenier einige Gestüter in der Moldau, welche durch machende 
Contracte auch noch mehrere an sich ziehen und herausbringen könnten. Wann hingegen nach 
hocbgnädigem Gutbefund wenigstens von der Krön Pohlen ein Pass erhalten würde, könnte zu 
Mojhilow ') eine Pferdwerbung aufgestellt und sowohl aus dem Republicani sehen als auch aus 
der Moldau Comerz getrieben werden, weilen es alldorten Leute gibt, so ohne Pass in weitere 
fremde Länder gehen können, welches aber mir jederzeit gefährlich füllen würde. 

Dieser Gegenstände wegen, und da zugleich Hungarn und Siebenbürgen für denen Regi- 
mentern zu eigenem Ankauf vorbehalten werden solle, kann für dermalen die Aufbringungszahl 
nicht sicher aussetzen und zwar umsomehr, da, wie bishero geschehen, die königlich- preussischo 
und eh urfurstl ich -sächsische Truppen ihre Remonten ebenfalls in diesen Ländern geholet, welche 
mit polnisch und moldauischen Pässen versehen waren. 

Die zu diesem Geschäft erforderliche Ofliciers bin derselben Ursachen unvermögend der- 
malen zu benennen, indeme solche Individua zu erhalten wünschte, so zu diesem Geschäft 
Selbsten inclinierten und mit freiem Willen darzu herübergiengen; dero wegen vorhero ein Nach- 
frag machen zu können mir unterlhänigst gehorsamst verbitte. 

Weilen übrigens hochgnädigst bekannt, dass in der Buccowina 500 Stück aerarische 
Pferde vorrathig, welche nach etwas genossenem Gras zu deren Ausreinigung künftigen Juni 
aufzustellen und zum harten Futter zu gewöhnen wünschte, zu solcher Pflegung aber nur 
2 Oberofficiers, 2 Schmied, 4 Corporals und 22 Gemeine von denen Feld regi meutern dermalen 
darbei commandiert sind, als würde es ein Ueberfluss sein, wann wegen der mchrers nöthigen 
Commandierten die unterthänigst gehorsamste Anfrage machen solle, sondern ich halte mich in 
Gegentheil versichert, dass auf schon gemachte hochgnädige Vorsorge durch das hochlöbliche 
galliczische Generalcommando sowohl zu oben benanntem Vorrath als künftig immerhinigen 
Nachkauf die erforderlichen Individuen erlangen werde. 

Da für derzeit kein besonderes Personale hoclignädigdt anbefohlen ist, als wünschte mir 
nur die hochgnädige Erlaubnis, wenigstens 2 Fourier und einen Schmied sogleich von hier aus 
mitnehmen zu dürfen. 

Und gleichwie mit dem Ankauf und Pflegung deren Pferden genügsame Arbeit, so dass 
jeder Mann seine Ausmessung haben wird, als fallet mir fast ohnmöglich, mich mit einer Wer- 
bong abzugeben. Hingegen wäre es einer hohen Stelle sehr leicht, wenigstens 200 mährisch und 
schlesssche landständische Recruten (so zur Abgab an die Regimenter nicht angemessen, jedoch 
weilen solche meistens bei denen Pferden aufgewachsen, zu diesem Geschäft wohl abgerichtet 
werden können) anzuhoffen und an Behörde abzuschicken. Den nöthigen Rest der Mannschaft 
aber mit denen bereits vorspecificiert in der Buccowina befindlichen Individua und die übiige 
Unteroflficieni und Gemeine von denen Reservescadronen oder auch denen Cavalleristen des 
xweiten Gamisonsregiment hochgnadigst completieren zu lassen. 

Wegen welch ersterer Montur, und ob solche militärisch oder auf andere Art gekleidet 
werden sollen, Einem hochlöbl. k. k. Hofkriegsrath unterthänigst gehorsamst anheimstelle, doch 
finde dabei ... zu erinnern, wann dieses Geschäft in einem besonderen Personale verfasset 
werden wollte, dass ich mir selbes nach dem Militärfuss und Disciplin auch in egaler Montur 
za commandieren wünschte. 



'; Dismenitz = Tysmienica, Stadt in Galizien. 

*) Mogilew = Mohilew, Hauptstadt des russ. Gouvernements gleichen Namens. 



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70 PoLEK : 

In Angemessenheit dieses Dienstes, und damit die Pferde rittig gemacht werden könnea^ 
wäre erforderlich, sammentlich darzu Icommende Mannschaft mit Reitrequisiten und Stiefel m 
versehen. , 

Ich zweifle übrigens nicht, dass sothan zwar schwer anscheinendes Geschäft, wann alle 
hierzu erforderderliche Hilfe hoherorten herab gedeihe, den gewünschten Fortgang und guten 
Ausschlag erlange, besonders wann in liochgnädiger Rücksicht geuommcp wird, dass andnrch 
ein beständiger rfenlenachwachs und -Vorrath vorhanden, und dahero niemalen eine Verlegen- 
heit sein, in Nothfall allererst mit vielen Kosten und in theueren Preis solche zusammensuchen 
zu dürfen, auch dass mittelst solcher Aufstellung kein jünger a's 5jährige8 Pferd in Dienste 
komme, wodurch solche zu längerer Dauer auswachsen und kräftiger erscheinen würden. 



35:35:. 

Cavallar an das galiz. Generalcommando. 

Orig. (K.-A. II. S. 1778—43—373.) Czemowicz, 11. Juni 1778. 

Ein hochlöbliches in denen Königreichen Gallicien und Lodomerien aufgestelltes Oeneral- 
niilitärobercommando wird die Mittheilung und Kenntnis desjenigen Plans haben, den ich infolge 
eines Zeit meiner Anwesenheit in Wienn an mich herabgediehenen hohen Rescripts, inhalt 
dessen die Aeusscrung von mir anverlangt worden, wie die Remontierung für die leichte Ca- 
vallerie am füglicbstcn fortzusetzen seie, dem bochlöblichen kais. königl. Uofkriegsrath in Un- 
terthänigkeit gehorsamst unterleget habe. 

Da nun die gänzliche Bestätigung dieses Plans von hohen Orten noch nicht erfolget, so 
habe hiemit Einem hochiöbl. (ieneralmiliiärobercommando meine unterthänig gehorsamste Vor- 
stellung machen und diese an den hochlöblichen Hofkriegsrath zu begleiten, bitten wollen. 

Vermög letzterem Rapport befinden sich von dem 7ten Cabardiner Transport Remonten 

in der Bukowina 339 

von denen 6 ersteren Transporten, welche dazumal wegen ihrer Jugend zu klein 

und anderen Defecten der Assentierung nicht angemessen waren . . . 114 

453 

Unter letzteren 114 Stücken haben sich bei dermaliger Revidierung des Gestüts 
30 Stück vorgefunden, welche niemals zur Assentierung tauglich, um sie an die 
Regimenter als Rcmonta abzugeben, wohl aber als Gebrauchpferde Dienste leisten 
können, kommen also von obigen Remonten abzuschlagen . . . .* 30 

Verbleiben 423 

Hierzu die in Brodi erkaufte 166 Stück, wovon 1 Stück auf dem Anheromarsch 

crepiert 165 

Summa deren Remonten 588 

Hierunter befinden sich Chevauxlegers 339 

Husaren 249 

588 

Hierzu die alte Gebrauchpferde 45 

Dann die dermalig oben hierzu angetragenen , . . . . 30 

Summe der Gebrauchpferde 75 

Summe des dermaligen effectiven Standes 603 

Da ich bis Ende Augusti sehr gerne diese 663 Stück Pferde, worunter sehr wenig sein 

werden, so 3 .Jahre haben, aufstellen möchte, um selbe in den Stand zu setzen, bis Monat 

Septembris an die Regimenter die betreffenden abgeben zu können, so habe zugleich um die 

gnädig hohe Verfügung von einer hohen Stelle zu treffen, ganz gehorsamst bitt*»n wollen, womit 



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DiB Anfänqb DBS K. K. StaatsoestDtes Badautz. 71 

die Regimenter alBdeon eingeleitet werden möchten, solche ganz alihier oder doch nvenigstens 
auf der Hälfie des Weges von mir abzunehmen. 

> i . . 

Weilen mir von dem löbl. 2ten Gamisonsregiment erstlich mehr als 114 Köpfe zuge- 
schrieben worden, und ich ohne Nachtheil des allerhöchsten Nutzens jedem Mann zur Wartung 
nicht mehr als höchstens 3 und 4 Pferde zutheilen kann, umsomehr, da die noch ber uhrlichsten 
und tauglichsten Leute, in 200 Mann bestehend, an das errichtet wordene Stabsdragonerregiment 
abgegeben worden sind, so zeiget sich von selbsten, dass diese 114 Köpfe nicht einmal hin- 
länglich sind, die allschon im Vorrath beHndliche und fast meistentheils aufzustellende 663 
Pferde, vielweniger aber die noch in diesem Jahre ankaufenden zu versehen. Aus Ursache 
dessen habe sammtliche Pferde die vorjährige, um sich noch etwas erholen und die in Brodi 
erkaufte, um sich von dem vielleicht genossenen falschen Futter ausreinigen zu können auf 
einige Zeit auf die Weide gelassen. 

Indeme nun jedem dieser schon sehr enervierten Mannschaft *} zur Wartung 3 und 4 
Pferde angetragen sind, so befinde unlerthänigst vorzustellen und ganz gehorsamst zu bitten 
für nolhwendig, womit eine hohe Instanz dem gesammten Remontierungspersonali die GebQhr 
wie jenem beim kaiserl. königlichen Mililärfuhrwescnscorps allergnädigst verabreichen zu lassen 
geruhen wolle. Dahingegen wären keine Diäten und Zulagen zu verwilligen als nur jenen, 
welche die Pferde an die Armee oder botretfende Regimenter transportieren, und in dem Fall, 
wenn welche in fremder Puissancen Länder, wo man auch sogar Dach und Fach aus Eigenem 
bestreiten muss, auf Remontierung abgeschicket wUrden. 

Das gesammte Personale wünschte ich mir nun, wie schon in eröftertem Plan ange- 
suchet habe, von denen Regimentern völlig aus- und zu dem Remontierungscommando Ober- 
zutreten, massen, wenn die Individua bei denen Regimentern, die dermalen weit entfernt stehen, 
Kugetheilt bleiben, wegen so vielerlei separierten Berechnungen und Entwürfen in die Länge 
sich eine Confusion ereignen könnte. 

Mit denen aufzunehmenden Landleuteu habe ich zwar auch eine Probe gemacht, dereu 
aber auf gewisse zu capitulierende Jahre gar keinen, sondern nur 44 Köpfe, insolange es selben 
gefällig, a täglich 15 kr. Bezahlung, hier und in Brodi bekommen können, wovon aber aus 
äaseerster Furcht, unter das Militare genommen zu werden, ohngeachtet alles Zuredens, solche 
bis auf 18 Mann anwiederum ihre Entlassung genommen haben. 

Nachdeme die von dem 7ten Cabardiner Transport über Winter alihier gestandene Stuten 
bishero 24 Fohlen bekommen haben, so ermangle ich nicht, mich . . . anzufragen, ob diese ent- 
weder plus offerenti verkauft oder irgendswohin abgegeben werden sollen. 



Joseph li. an den General der Cavallerie Grafen Caramelli. 

Orig- (K.-A. II. S. 1778—43-325.) Ertina, 13. Juli 1778. 

Lieber Graf Caramelli! Da Mir an dem Remontierungsgeschäft, so der Rittmeister Ca- 
valLar in der Bnccowina und den dortigen Gegenden zu Meinem Vergnügen betreibet, sehr viel 
gelegen, Ich aber erfahre, dass es demselben theils an der erforderlichen Mannschaft zur War- 
tung der Pferden, theils an den Pferdsrüstung-' und Montursstücken annoch gebricht, p.ucli ihm 
auf dem Sammelplatz wegen der nöthigen Grasfatterung und wegen denen zur künftigen Auf- 
stellang der Pferde sehr schlecht qualificierte Stallungen verschiedene Hindernisse im Wege 
stehen, so will Ich Ihnen hiemit aufgetragen haben, dass von Seiten des Hofkriegsraths allen 



«) Die Gamisonsregimenter boten zugleich Ruheposten für minder kriegstaugliche Mann- 
schaft und Officiere der Armee. (Feldzüge des Prinzen Eugen voj Savoyen. I. Serie, 
1. Bd. 8. 208.) 



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72 Polek: 

diesen Hindernissen bestmöglichst vorgebogen und obbemeldtem Cavallar zu nocb stärkerer Be- 
treibung dieses dermalen so Avichtigen Geschäfts alle Unterstützung verschaflet werde. Ertina, 
den 13. Juli 1778. 

Joseph Corr. 



Vortrag des Hofkriegsrathes. 

Orig. (K.-A. II. S. 1778—43-373.) Wien, 14. Juli 1778. 

(Randbemerkung) : Bei dem Umstand, wo nach Anzeige des Hofkriegsraths der dem 
Rittmeister Cavallar mitgegebene Ankauf der Pferden einen guten Fortgang nimmt, mithin 
darauf Rechnung gebchiehet, dass durch ihn in Kriegs- und Friedenszeiten die angeschlagene 
Zahl von I^erden herb< igebracht wird, ist es auch nothwendig, dass Cavallar das zur Ausfuhrung 
des gefassten Antrags nöthige Commando erhalte. 

Soweit es um Unterofficiers, Pi-imaplanisten und Gemeine sich handelt, muss der Hof- 
kriegsrath, nachdeme derzeit aus dem Feld von ein- und andcrm nichts detachieret werden 
kann, die Erfordernis theils von dem 2ten Garnisonsregiment, theils von denen Reserveesca- 
dronen abgeben machen, hingegen verwillige Ich nicht nur dem pensionierten Rittmeister 
Stetten auf die Zeit, als er bei diesem Geschäft verwendet wird, das Supplement zur Ergänzung 
der Rittmeistersgebuhr, sondern auch deuen beeden Oberlieutenants Schollmayer und Szedeczky, 
dem Unterleutenant <ajatzeck und dem Wachtmeister Kaul speciali das angetragene Avance- 
ment zu Secondcapitains, zum Oberlieutenant und zum Unterlieutenant solchergeslalten, dass 
sie bis zu ihrer bei erster Apertur zu geschehen habenden Kinbringung in die Wirklichkeit den 
der Charge anklebenden Gehalt extraordinarie beziehen sollen. 

Ich lasse, soviel das obberührte Avancement betrifft, dahier die nöthige Verfügung er- 
gehen und versehe mich, es werde der Hofkriegsrath das zur Erreichung der Absiebt allenthalben 
Erforderliche einzuleiten besten beflissen sein. 

Joseph Corr. 



Hofkriegsrath an das galizische Generalcommando. 

Concept. (K..A. II. S. 1773-43—373.) Wienn, 22. JuU 1778. 

Hieraus ergibt sich also auch, dass sämmtliche zu bemeldtem Kemontierungscommando 
bestimmte Individuen nicht so, wie es der Rittmeister Cavallar in seinem . . . aro 24 piaet. 
hieher einbegleiteten Vorschlag angetragen hat, bei ihren Regimentern völlig in Abgang zu 
bringen und zu gedachtem Remontieiungscommando gänzlich zu transferieren .^ien, sondern 
nach dem Sinn dieser Allerhoch.sten Resolution bei ihren Regimentern fortan in Stand zu ver- 
bleiben haben. Inzwischen kommt es nur darauf an, dass erwähnter Antrag des Cavallar in der 
zu entwerfen kommenden Instruction, wozu . . . unterm 6ten hujus die Anleitung gegeben 
worden ist, ausilruoklich bestimmet werde, um sodann den weiteren Allerhöchsten Entschluss 
darüber einholen zu können. 

In Ansehung der Unterofticiers und Gemeinen, so der Rittmeister Cavallar nebot den 
schon beihabenden und von dem 2ten Gnmisonsregiment noch erhaltenden Leuten zu Coinple- 
tierung dieses Commando nöthig hat, ergehet an die allhier und in Ungarn verlegte Reserve- 
escadrons der IJefehl, so viele unl)eritteno Kröpfe dahin abzugeben, als das . . . von jeder Esoa- 
dron verlangen wird, weswegen sich dann dasselbe mit dem hiesigen und dem ungarischen 



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Die Akfäkgr des k. k. Stäatsqestütes Radautz. 78 

Generalcommando einzuvernehmen, hiemächst der Jaroslower Oekonomiecommission die Erfolg- 
lassun^ all jener ROstungBsorten, die Cavaliar verlanget, aufzutragen und überhaupt die Beförde- 
rung des KemontierungsgeschäfteH bestmöglichst zu betreiben hat. 



22:3s:xT7-. 
General Enzenberg an das galiz. Generalcommando. 

Eigenh. (K.-A. II. S. 1779—43—400) Lemberg, 18. Jänner 1779. 

Mittels des U. Rittmeister v. Cavaliar an mich herüber gegebene Eisserung verlanget 
der hochlöbl. k k. Hoff K. Rath zu wissen, wo her oder aus was vor einen Fond die Remonta 
Stählung in der Buccovina unterhalten, dan die stahlerfordernusen, so aus schaffen, schauflen, 
gablen, Latem und der erforderlichen Bcleirhtung in der nachl, dan sonstigen erfordernusen 
überhaupt hergenommen werden. 

Von 2 Jahren her hat jeder Buccoviner Contribuent per Familie auf das ganze jähr 
he.y gelegenheit der eingetrieben wordenen Contribution 3 fl. contribuiret, und da disses jähr 
nun mehro pro 1778 erst die Contribution eingebracht wird, und die Contribuirende Summa 
auf 18000 Familien sich erstrecket, so wird hinlänglicher Fond eingehen, umb nicht nur disse 
aosgaaben zu bestreitten, sondern auch die annoch zu erbauen kommende stahlungen hiervon 
zu bestreiiten, 4o wie alschon aus dissen Fond die disses verflossene 1778te Jahr erbaute 3 
grosse Stahlungen und wacht heusser nebst allen erforderlichen einrieb tungen besiuritten 
worden seind. 

Sigl. Lemberg den 18len Jener 1779. Enzenberg 

GM. 

Cavaliar an den Hofkriegsrath. 

Orig. (K.-A. II. S. 1779-43—400.) Lemberg, 29. Jänner 1779. 

Unterthänigst gehorsamstes Promemoria. 

Ich würde mir Vorwürfe machen, wenn ich mich denjenig thätigen Bemühungen, in 
welchen dermalen ein jeder ehrliebende Soldat überhaupt und insbesondere jeder rechtschaffene 
Officier birh zu Glück und Beförderung verdienstlich zu machen Gelegenheit hat, durch freie 
Wahl entrissen hätte. 

Aber Ihre kaiserl. kcnigl. Apostolische Majestät allhöchst selbsteigeaen und Eines hoch- 
löbl. kaiserL königl. Hofkriegsraths gnädigsten Befehle haben mich nach einer schon mehr als 
ojührigen Dienstleistung bei Erkaufung leichter Remonten neuerdings zu diesem Geschäfte aller- 
gnädigst zu bestimmen geruhet. 

Da ich das Glücke nicht habe, nach meinem Beruf in allerhöchsten Felddiensten meines 
Monarchens (wie ich wünschte) Blut und Leben auszusetzen, sondern vielmehr meinen Ruhm 
nicht änderst als in Erfüllung der allerhöchsten Aufträge, von der gnädigsten Einsicht hoher 
<ir»nner entfernet und unbemerkt, suchen kanp, so gelanget meine unterthänigst gehorsamste 
Bitte an Einen hochlöbl. kaiserl. königl. Hofkriegsrath, mir huldreichest nicht sowohl für meine 
bislierig wenigen Verdienste als vielmeiir zu wirksamerem Nachdruck auf das unterstehende 
Coiuniando und milhiniger Beförderung dieses mir allergnädigst aufgetragenen, gleichfalls zum 
allerhöchsten Erspriessen gereichenden Geschäfts eine Stabsofficierscharge aus höchsten Gnaden 
zu verleiben. 

Der mich solcher durch unermüdete Beeiferung forthin verdienstlich zu machen, äusserst 
bestreben werde. 

Sigl. Lemberg den 29ten Januarii 1779. unterthänigst gehorsamster 

J. Cavaliar 

Rittmeister. 

8 



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74 Polek: 

XXVI. 

Cavallar an das galiz. Generalcommando. 

(Aus den Anfragen zu den vorläufig verfasHten Instructionspuncten.) 
Orig. (K.-A. U. S. 1779—43—400) Lemberg, 29 Jänner 1779. 



Ein eigenes Renionticrungscommando ist sowohl bei Friedens- als Kriegszeiten fast 
ohnentbehrlich, indeme lüerdurch nicht nnr die mehreste Anzahl der Ikeinonteii aufgebracht, 
Kaum gemacht und grösstentheils angeritten werden, sondern es über dieses auch zur nicht ge- 
ringen Bequemlichkeit der Armee gereichet, wenn diese liemonten wenigstens immer bis Halb- 
scheide des Weges an die Regimenter transportieret werden, diese mithin wenig Zeit verlieren 
dürfen, selbe zum allerhöchsten Dienste vollends abzurichten. 

So kann ich nicht länger mit dev unterthänigsten Bitte zurQckhalten, allerhöchsten Orta 
gnädig zu erwirken, damit die mir zugetheilte Mannschaft bei ihren Regimentern ausser Stande 
gebracht werde, sofort selbe ein eigenes, von mir als Commandanten abhängendes, besonderes 
Corpeto zu formieren habe, und ich hiernächst mit der Stabsofficiers-Graduation (um welche 
ich nicht sowohl für meine bishero wenigen Verdienste als vielmehr wegen wirksameren Nach- 
druck auf das mir unterstehende Officierscorps mittelst nebengehenden Promemoria den unter- 
thäuigsten Anspruch zu machen mich unterfange und selbes an den hochlöbl kais. königl. 
Hofkriegsrath zu überreichen submissest bitte) allergnädigst consolieret werde. 

Die Mannschaft ist bishero durchgängig nach dem gewöhnlichen Cavalleriegehalt in Gal- 
licien mit täglich 6 kr. Löhnung und 2 kr. Brotgeld verpfleget worden, weilen jedoch dieselbe 
stets 3 und 4 wilde Pferde zu versehen hat, mithin mit sehr schwerer Arbeit beladen, dahero 
dieserwegen bei mir bittlich eingekommen ist, selber den (Jehalt in etwas zu verbessern, so 
unterlege ein solches der hochgnädigsten Entschliessung hoher Behörde und bitte . . . für diese 
Mannschaft ... im Quartier das tägliche Supplementum zum Fuhrwesensgehalt, auf dem 
Marsche und Transportierung aber (wo ohnedies vermöge hoher Verordnung ddto. 12teo De- 
cembris 1778 selber die doppelte Löhnung exclusive der in Ungarn gewöhnlichen Contractions- 
zulage passieret wird) die in dem . . . Fntwurfe . . . angetragene Zulage . . . auszumessen. 



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Die Anfänge des e. k. StäatsobstOtbs Radaütz. 



75 



xxvn. 
Ausweis 

fiber das RiUmeüter Cavall»ri«che KemontieruDgücommando, wie aolches heutdato bestehet. 
Orig. (K.-A. 11. 8. 1779—43—400.) Lemberg, 29. Jänner 1779. 



Benanntlich 


Obcrofficiers 




von Wachtmeister an 






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Erfordernis zur Errichtung 

Hierauf befinden sich dabei 

von Ihro Majest. des Kai- 
sers Cbevaiuilegers 

von Mondena Chevauxleg. 

von Hadick Husaren 

von Iten Gamisonsregim. 

von 2ten Gamisonbregim. 

nen aufgenommen . 

neu, in der Pferdcurschule 
zo Wienn 


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4 

20 


360 

6 

9 

8 

59 

227 


409 

7 

12 

11 

63 

248 

2 

1 


Suroma, eeffective 

Abgang auf den completen 
Stand des eingereichten 
Plans .... 


1 


2 
1 


1 
2 


3 


3 


2 
1 


3 


2 


1 


3 


26 


309 
51 


344 

67 


Summa des coropl. Standes 


1 


3 


3 


3 


3 


3 


3 


2 


1 


3 


26 


360 


411 



Unterthänigst gehorsamste Anmerkung. 

Aus vorstehender Summa ist zu ersehen, dass 2 Corporals über den completen Stand bei 
dem Commando vorßndig sind, welche indessen zu Versehung der Wachtmeistersdienste ver- 
wendet werden. 

Dann befinden sich aus denen Landleuten 1 Oberknecht, I Bereiter und 38 Wartknechte, 
zusammen 40 Köpf, bei diesem Commando, welche zu Anfang des Mai dieses Jahres in Er- 
manglung genügsamer Leute zur Wartung deren Pferden successive aufgenommen worden und 
«war in dem eingereichten Plan nicht begrifl!en sind. Da aber diese Leute bei dem Kemontie- 
ningsgeschäft besser als die Mannschaft von Iten und 2ten Garnisonsregiment zum Zureiten der 
wilden Pferde verwendet werden können, indeme von denen letzteren sehr viele mit Leibschäden, 
sehr hohem Alter und andern Defecten behaftet sind, so solle unterthänigst gehorsamst bitten, 
dtas das Commando mit solchen verstärket oder doch wenigstens statt deren so viele Gemeine 
weniger anhero beigegeben werden mögen. 

Siirl. Lemberg, den 29ten Januarii 1779. 
^ J. Cavallar, 

Bittmeister. 



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76 



Polek: 



XXVIII. 



Orig. (K.-A. II. 8. 1779—43-400.) 



Dislocationstabelle 

wie das mir allergnädigst anvertraute Remontierungscommando in nachstehenden Ortschaften 
des Bukowiner Districts mit Begnehmigung Titl. Herrn Generalens Baron von Enzenberg be- 
quartieret lieget, dann die pro aerario verkaufte Pferde aufgesteilet und untergebracht werden 

können, als 



In denen 
Ortschaften 


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Wasskowetz «) 








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28 




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65 


30 


38 11 


Wallowa *) 








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25 


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5 





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27 


28 8 

[ 


Schobranez *) 








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2 


22 


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3 


27 


5 


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28 8 


Sadobrifka«) 








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1 


1 


13 


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2 


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17 5 


Sattagura ') 




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(v. Sta- 
detiky) 




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51 


14 


Kutschurmare ®; 
Sterza ^^) 




1 
Zajat. 
sohek 


— 


-^ 


2 
2 


26 
20 


1 




20 


29 
44 


4 

1 


1 


64 

56 
250 


29 
44 


26 

29 
75 


7 


Seret 








— 


- 


1 


17 


~ 


- 


— 


18 


2 


— 


50 


18 


39J 11 




1 


2 


1 


2 


3 


26 


309 


1 


1 


38 














Summa 


4 


340 


1 40 




384 




384 


37 


1 


1000 


384 


512 136 



Unterthänigst gehorsamste Anmerkung. 

E}8 würde dem allerhöchsten Dienst angemessen und sehr zuträglich sein, wenn in dem 
Orte Sastavna, welches nur 1 Meil von dem Assentierungsplatz Szalesczik entlegen ist, auch 
ein Officiersquartier und 2 Stallungen auf 100 Pferde erbauet würden, indeme hierdurch nicht 
nur die Communication aller anderen Ortschaften von Szalesczik bis an die Stadt und Fluss 
Seret stationatim erreicht würde, sondern auch anderentheils in diesem Ort und um die Gegend 
vieler und guter Wieswachs vorhanden und genügsames kais. königl. Heu gefechset wird, 
welches dermalen in andere Ortschaften verführet werden muss; überdiese« auch wäre es sehr 



*) Kotzman. ') Waszkoutz a. C. ') Laszk6wka. *) Walawa. ^) Szubranetz. ^) 
br6wka. ') Sadag<Sra. ®) Rohozna. ®) Kuczurmare. ^°) Styrcze. 



Zado- 



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Die Anfänge des k. k. Staatsobstütes Radautz. 77 

besonders bequem, wegen Nähe der Post ^) und des Assentterungsplatz die Expedition selir zu 
erleichtern und viele weite Ritte zu ersparen, wenn ich mein Quartier daselbst nehmen könnte. 
Sigl. Lemberg, den 29ten Januarii 1779. J. C a V a 1 1 a r, 

Rittmeister. 



XXIX. 

Cavallar an das galiz. Generalcommando. 

Orig. (K.-A. IL S 1779—43—400.) Lemberg, 29. Jänner 1779. 

Vermög in Unterthänigkeit ganz gehorsamst anverwahrtem Anschluss ermangle ich nicht, 
die mittelst Eines hochlöbl. hofkriegsräthliciien Kescripts vom 6teu und hoher Generalcom- 
mando- Verordnung vom löten Julii und iSten Novembris 1778 gnädigst anverlangte Instruc- 
tionspuncta sammt angefugten . . . Anfragen für das mir . . anvertraute Remontierungsjom- 
mando der hochgUHdigsten Einsicht submissest zu unterlegen, ferner aber in Verfolg hoher Ver- 
ordnungen den anuoch ermanglenden Bericht über gleich nachfolgende Gegenstände ... zu 
erstatten, und zwar: 

a) Wie viele Pferde im Winter unterzubringen seien? 

Auf welches . . . erwidere, dass vermöge beiliegender Dislocationstabcila in denen theils 
neuerbauten, theils vorhin erbaut gewesenen kais. Stallungen der innbenannten Ortschaften füg- 
lich 1000 Pferde untergebracht werden können. 

b) Wie hoch sich die etwan gleich nöthige Reparation der 
Scheuern zu Salesczik und anderer zu Unterbringung der Pferden 
erforderlichen Gebäude, dann deren selben künftige jährliche Unter- 
haltung belaufen dürfte? 

Zu Balesczik befinden sich zwar 2 Scheuern, welche dem Acrario zugehören, nachdem 
aber eine hievon das kais. königl. Militürverpflegsamt innehat und in selber das Magazin ver- 
wahret, so ist bei der im September a. p. vorgehabten Assentierung einstweilen nur eine zur 
Einstellung der Pferde von dem löbl. Districtsamt reparieret und auf diese Reparation vermög 
anherogegebener Berechnung 102 fl. rh. verwendet worden. 

Da aber diese Scheuem durchaus von Holz erbauet und die Standsäulen fast gänzlich 
verfaulet sind, so dürfte fürs künftige nicht mehr thunlich sein, selbe zu reparieren. 

Es gelanget daher mein . . . Vorschlag dahin, statt dieser Reparation eher eine ganz neue 
biä zum Dach von Stein aufgeführte Scheuer zu erbauen. 

Die übrigen zur Unterbringung der Pferden erforderlichen Gebäude und Ställe in der 
Bukowina sind scithero theils von dem Land, theils von der löbl. ßukowincr Districtsadmini- 
stration bestritten, gleichwie auch die l)etreffenden Lichter in die Stallungen von daher aus 
einem Extra-Landesfundo, wie die von Titl. Herrn Generalen Baron v. Euzenberg herüber- 
gegebene Beilage des mehreren ausweiset, bezahlet worden. 

Was nun in deren Betreff fernerhin gnädigst verfüget werden wolle, da die Remonten in 
1 1 Ortschaften verleget sind, hierüber entstehe nicht, mir die hochgnädigste Anleitung ... zu 
erbitten. 

c)Wie viele Pferde annoch in der Bukowina mit Rücksicht auf 
den heurigen Misswachs und wo überwintert werden könnten? 

Weilen für heuer von der löbl. kais. königl. Districtsidministration das anno praeterito 
gefechste Heu, bestehend in 779*/« n. ö. Klaftern, vermög hoher Verordnung ddo. 12ten De- 
ceml»ri« 1778 ii 19487.^ Portionen, sodann das von dem Herrn Administrationssecretär v. Mi- 
chalakj auch vermög Contract überlassene k 45000 Portionen, zusammen in 230875 Portionen 
übernommen worden, sodann in Pohlen zu Snyatin und Horodenka und in der Bukowina zu 



*) D. i. in Zaloszc/.vki, denn in der Bukowina ist die Post erst zu Anfang des Jahres 
I7d3 eingerichtet worden. (Vgl. Polek, die Bukowina zu Anfang des Jahres 1783. S. 48 f.). 



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78 Polek: 

Czernowics and Saczawa in denen allda befindlichen Magazinen hierzu genagsamer Haber ror* 
banden ist, so können bis zu der nachfolgenden Heuernte 1200 Pferde von danimea fuglich, und 
ohne einen Mangel zu besorgen zu haben, überwintert werden, weilen solche von Zeit au Zeit 
wieder abzunehmen kommen. 

Gleichwie nun infolge einer fernerweiten hohen Verordnung ddo. 26ten Decembris abge- 
wichenen Jahres von mir die Aeusserung anverlanget wird, wie viele Pferde ich vor heuer auf- 
bringen und an die Regimenter abgeben zu können vermeine, so solle . . . einbe ächten, daas ich 
von Anfang Msi 1778, seitdeme mir nämlich die Rcmontierungscommission wieder neuerdings 
aufgetragen worden ist, bis heutigem Dato Pferde pro aerario erkaufet habe . 1117 Stuck 

dann sind voriges Jahr in der Bukowina zurückgeblieben . , . . . 498 

zusammen 1615 Stück 

Von diesen habe an die Regimenter abgegeben, und zwar: 

an die Carabiniers 60 ^ 

„ „ Chevauxlegerg 476 „ 

„ „ Husaren 417 ,, 

und künftiges Monat werde annoch an das O' Donellische Freicorps abgeben . 200 ,, 
Ansonsten sind s. v. crepiert, entloflfen und gestohlen worden . . . . 14 „ 

Summa des Abgangs 1167 Stück 

Wenn nun diese von obstehender Summa defalcieret werden, so verbleiben annoch 

unter meiner Aufsicht 448 „ 

unter welchen sich Gebrauchpferde befinden 136 

Verbleiben Remonten . 312 8töct 
Von kaum gesagten 312 Remonten hoffe ich bis Ende Martii annoch 100 Chevauxlegers- 
pferde, auf welche sich verläesliche Rechnung zu machen ist, abzugeben. 

Gleichwie ich aber annoch auf 700 Stück, wo nicht mehrere, Bestellung gemacht und 
zum Theil auch schon besichtiget, jedoch solche Jugend halber, und weilen für derlei 2Yjjährige 
Pferde theils nicht genügsame Unterkunft vorhanden ist, theiU einige vorhero gereiniget werden 
müssen, selbe noch nicht habe übernehmen können, so ist die Zeit der Uebernahm mit Einver- 
ständnis deren Verkäufern bis auf künftigen Mai verschoben worden. 

Wenn mir übrigens der hochgnädige Auftrag annoch ertheilet werden sollte, anch in 
Siebenbürgen zu remontieren, so wollte nächstkUnftiges Frühjahr (im Fall ich so glücklich sein 
sollte, die complete .Anzahl deren angetragenen Herren Officiers zu erhalten) einen Versuch all- 
dort machen und glaubte sodann mit Inbegrifl* dessen, ohne Ungarn zu betreten, welches ich 
denen Regimentern, deren Escadrones ohnedies alldort verleget sind, überlassen möchte, dass 
ich jährlich 17 oder 18 Hundert Stück Pferde aufzubringen imstande sein würde. In welchem 
Falle sodann nicht nur das vermög meinen Plan unterthänigst angetragene Commando xa 
ergänzen, sondern solches* auch auf den in nebengehendem Ausweis klKrlich angeführten Stand 
zu vermehren eine ohnumgängliche Nothwendigkeit wäre. 

Sollte mir al>er eine hohe Stelle annoch gnädigst erlaul>en, auch HfKustige I^erde im 
Nothfall an die Husarenregimenter abzugeben, so würde mit Zuziehung Siebenbürgen aach 
jährlich auf 2000 Siück und mehr der sichere Antrag gemacht werden können. 

Weilen hiernächst die allhier befindliche 24 Fohlen vergangenen Herbst z i schlecht aus- 
sahen, als dass solche nach ihrem echten Werte hätten verkauft werden können, so habe für 
nützlich zu sein erachtet, diese Fohlen beizubehalten, jedoch sind solche abgespindelt, die Stuten 
aufgestellt und die Fohlen zu einem nöthigen Nachwuchs im Okol untergebracht worden. 



XXX. 

Galiz. Generalcommando an den Hofkriegsrath. 

Orig. (K.-A. II. S. 1779—43—400.) Lemberg, 3. Februar 1770. 

Eine hochlöbliche Instanz gcruheten unterm I6ten und 22ten Julius des vorigen Jahres 
durch dieses Generalcommando dem Herrn Rittmeister Oavallar aufzutragen, dass er in Anse- 



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Die Anfänöb des k. k. Staatsgestütes Radautz. 79 

hung des zasammenzusetzen bewilligten Kenioiitierungscommando auf nachfolgende Gegenstände 
Kucksicht zu tragen bedacht sein möge, nnd zwar 

Imo sollen diese Instructionspunkten die vollkommene Anleitung fiir den Coromandanten 
imd all übrige aufzustellen nöthige Ober- wie auch Unterofficiers und Gemeine zu Vermeidung 
känftiger Anfragen erklärter vorgetragen werden, 

2do mussten alle an die Regimenter abgegebene Pferde das Alter von 5 Jahren erreichen, 
mithin die 3- oder 4jährigen Pferde bis zu diesem Alter in dessen Obsorge verbleiben, 

3tio würde ihm in Siebenbürgen und Hungarn mit Ausschluss aller andern Ankäufern so- 
wie in der Bukowina und deien angrenzenden Ländern Pferde zu kaufen erlaubet werden, wenn 
er in Kriegszeiten 900 Chevauxlegers-, dann 1000 Husarn-, in Friedenszeiten aber 620 Chevaux- 
legers- und 1380 Husarnpferde von complet 5jährigem Alter zu verschaffen sich getraue. 

In Abwesenheit des commandierenden Generalen: 
Freiherr von Schröder, FML. 



XXXI. 

Vortrag des Hofkriegsrathes. 

Orig. (K.-A. IL S. 1778-43-400.) Wien, 15. April 1779. 

In dem zuliegenden, vom Generalcommando in Gallizien einbegleiteten Bericht des Ritt- 
meisters Cavallar tragt er unter anderem an, die Mannschaft, die zum I*ferdeeinkauf gewi«lmet 
wird, in ein eigenes Commando zusammenzusetzen, diesem Commando eine besondere Montur 
zu gel>euy selbes mit hinlänglichen Gebrau chpferden zu versehen und einige neue Gebäude 
aufzuführen. 

Bevor der Hofkriegsrath seine unra^issgebige Meinung darüber anführet, muss derselbe 
der Allerhöchsten Entscheidung unterthänigst unterziehen, ob Cavallar allein die Remontierung 
für alle leichte Cavallerie besorgen solle, und ob zu Friedenszeiten die Pferde bloss in der 
Moldau, dem republikanischen Pohlen, in Gallizien und Siebenbürgen oder auch in Hungarn 
zu erkaufen seien. 

Die jährliche Erfordernis für 6 Chevauxlegers- und 8 Husarenregimenter dürfte sich zu 
Friedenszeiten beiläufig auf 1800 Remonten belaufen. 

Cavallar meint in der Moldau, in Pohlen und Gallizien jährlich 13- bis 1400 und in 
Siebenbürgen 3- bis 400 aufzubringen; somit würde die Erfordernis bedecket, Hungarn aber 
ganz ausgeflchlossen sein. Hiebei kann man unterthänigst zu erinnern nicht umgehen, dass mit 

dem Ausbrach des Kriegs in Hungarn von den Comitaten 1228 

von den Magnaten 2826 

von zerschiedenen Lieferanten und von dem Stabsdragonerregiment erkauft worden 343 

Zusammen 6136 

Das Generalcommando in Hungarn zeiget unterm 3ten dieses Monats an, dass der Lie- 
ferant Molnar erbietig seie, in Zeit eines Jahrs 4000 Pferde zu Pest zu stellen. Obschon er 
sich dabei rorbehaltet, einen Theil der Pferde aus Siebenbürgen und aus l'ohlen zu nehmen, 
8o ist doch zu vermuthen, dass er die meisten in Hungarn aufsuchen durfte. 

In Siebenbürgen sind seit dem Ausbruch des Kriegs vom Obersten Baraniay 1670 

von den Ständen 1200 

von den Sachsen 600 

and von dem Lieferanten Marco 1968 

zusammen 5438 
gesteüet worden. Letzterer ist auch erbietig, bis Ende des Jahrs noch 2- bis 3000 zu stellen. 
Auch bei diesem ist zu vermuthen, dass er mehrere Pferde aus fremden Landen an sich zu 
ziehen trachten dürfte; demungeachtet ist sehr wahrscheinlich, dass allda weit mehrere, als der 
Kittmeister Cavallar antraget, aufgebracht werden mögen. 

Wann nun in Erwägung gezogen wird, dass durch den Ankauf der Pferde in Hungarn 
imd Siebenbürgen das Geld in den kaiserlichen Landen verbleibet, die Pferdzucht beförderet 

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L 



80 



POLEK : 



werde und bei ausbrechendem Krieg die Leute an der Hand seien, die Armee mit tuchdgeD 
Pferden in der erforderlichen Zahl, mit welcher das Cavallarische Commando allein in Krieg 
nicht aufkommen dürfte, zu versehen: so kann man nicht umgehen, den unterthKnigsten Vor- 
schlag zu thuen, dass zu Friedenszeiten etwa 4 Regimenter aus Hungam, 4 andere au« Sieben- 
bürgen, die in Gallizien liegende 6 Regimenter und die Chevauxlegersescadrons der Carabiniers 
aber durch den Cavallarischen Ankauf remontieret werden sollen. 

Der eigene Regimentsankauf in Hungam und in Siebenbürgen hat vor dem Krieg den 
erwünschten Fortgang nicht gehabt; man meinet dahero unmassgebig, dass in diesen 2 Ländern 
sich an verlässige Lieferanten zu halten wäre, denen allenfalls der bisherige in Hungam pas- 
sierte Preis a 19 Ducaten für ein Chevauxlegers- und 17 Ducaten für ein Husarenpferd gegen 
deme erfolget werden könnte, dass die Pferde durchaus im Alter zwischen 6 und 7 Jahr im 
Frühjahr und im Anfang des Herbstes gestellet werden sollen. 

Diese Pferde werden nicht mehr als jene des Cavallar kosten, der zwar die Husampfenk 
um 2 Ducaten weniger bezahlet, jedoch die jüngere Pferde eine Zeit lang vor der Abgabe im 
Futter halten muss, und dessen Remonten durch die Liefergelder und Zulagen, durch die An- 
schaff- und Erhaltung vieler Gebrauchpferde und durch andere Nebenauslagen kostbarer werden. 

In Abwesenheit des Kriegspräsidentea: 
Carl Graf Caramelli. 

{Randbemorklivg) : Bevor Ich auf gegenwärtige Nota Meine Knt Schliessung erthc" c. 
hat der Hofkriegsrath einen Entwurf der Beköntigung für dieses Cavallarsche Remoniierur ,«- 
commando verfassen zu lassen, uud das zwar erstlich nach dem Antrag des Rittmeisters Ca- 
vallar selbst und dann zweitens nach denen ModiHcationen, welche der Hofkriegsrath hierbei zu 
machen anträgt. Diese beide Entwürfe müssen sich aber auf alles und jedes : Geld Natural- Ver- 
pflegung, Armierung. Rüstung, Montur, Diäten, Zulag, Gebrauchpferde und deren Remontierung 
und was nur immer Namen haben mag, erstrecken, damit hieraus der Aufwand sich standhaft 
erweisen lassen möge, den das Aerarium seinerzeit zu tragen haben dürfte. Und diese so gear- 
tete, gründlich ausgearbeitete PIntwürfe wird der Hofkriegsrath Mii* sobald möglich unter Re- 
producierung der gegenwärtigen Nota heraufzugehen haben. Joseph Corr. 



XXXII. 



Orig. (K.-A. II. S. 1779—43-400.) 



Aufsatz 

was die Errichtungsspesen eines besondem Remontierungscommando nach dem Antrag dee 

Rittmeisters Cavallar betragen, als 





Errichtungsspesen 


fl. 1 kr. 


Obschon das Remontieningscommando meistens aus der von 
Regimentern abgebenden Mannschaft bestehen würde, so wird hier- 
orts dannoch das Handgeld für gesammte Obligate angesetzet, wei- 
len die abgebende Zahl denen Regimentern entgehet, folglich daselbst 
der Aufwand an Remontierungsgelder nothwendig wird. Solchemnach 

betragen diese Spesen für 517 Köpf a 3 fl 

an Monturs- und Rüstungsgeldern 

für 517 Paar Pistolen ä 4 fl. 61 kr 

für 530 Gebrauchpferd a 42 fl. 40 kr 


1 

1551 
3247G 43 

2507 1 27 
22613 1 20 


zusammen 

Ausserdeme wird noch nach dem Rittmeister Cavallarschen 
Antrag ein Officier^quartier zu erbauen nothwendig sein, welches bei- 

läußg zu stehen kommet auf 3000 fl. 

desgleichen 2 Stallungen auf 100 Pferde . . . 26000 fl. 

28000 fl. 


59148 [ 37 



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Die AnfIhoe des e. k. Staatsobstütbs Radadtz. 



81 



XXXIII. 



Orig. (K.-A. IL S. 1779—43-400.) 



Aufsatz 

wa» die Errichtungsspesen eines besonderen Kemontierungscommando nach dem hofkriegs- 
räthlichen Antrag in Geld betragen, als 





Errichtungsspesen 


fl. 


kr. 


An Recrutierungsgeldern für 246 Köpf an Hand- und Anbringgeld 

ä 3 fl 

an Montur und Pferdrüstungen 

für 246 Paar Pistolen k 4 fl. 51 kr 

fdr 252 Gebrauchpferdo i 42 fl. 40 kr. 


738 

15446 

1193 

10752 


22 

6 


zusammen 

Notandum. Da Cavallar nach dem hohen hofkriegsräthlichen 
Antrag nur 800 Pferde anzukaufen hätte, mithin auch das hierzu 
erforderliche Officierspersonale schwächer ist, als dor Cavallarische 
Antrag enthaltet, so dürfte die Erbauung eines Officiersquartiers und 
deren Stallungen auf 100 Pferde, welche Cavallar antraget, nicht 
nothweudig sein, dabero auch hierauf nichts angetragen ist. 


28129 


28 



XXXIV. 



Orig. (K.-A. n. 8. 1779-43—400.) 



Wenn bei den Regimentern so viele Ofiicierschargen offen gelassen würden, als bei dem 
Cavallarischen Commando stehen, und wenn die Unterofficiers und Gemeine durchaus von den 
Qamisonsregimentem genommen würden, so wäre eine Verminderung des neuen Aufwandes 





bei dem 


Ankauf 


der 1800 Pferden 


der 800 Pferden 


fl. 


kr. 


fl. 


kr. 


An der Oage .... 




11437 


18 


5163 


10 


, LdhnuDg .... 




26596 


20 


12762 


50 


, Service .... 




8254 


35 


1539 


5 


„ Medicamenten 




258 


30 


123 


— 


„ Montur die Halbscheid 




6193 


— 


2946 


— 


zusammen 


47739 


43 


22534 


5 


Es würde demnach jedes der 1800 


Pferde wohlfe 


1 
iler zu stehen komn 


len 


Dm ..... 


. 


. 


. 26 fl. 30 kr. 


eines der 800 aber um 


... 


... 




28 fl. 1( 


) kr. 



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82 



Polbk: 



XXXV. 

Orig. (K.-A. II. S. 1779—48—400.) 

Ausweis 

des Preises der leichten Reraonten. 



Chevauxlegers 



' fl. 



kr. 



Husaren 



a. 



kr 



Während dem Krieg sind den Lieferanten in Hungarn be- 
zahlet worden 

in Siebenbürgen wäre der höchste Preis .... 

durch den Ankauf des Rittmeisters Cavallar, wann er ein 
abgesondertes Commsndo und 1800 Pferde einzukaufen hätte, 
wUrde eines zu stehen kommen auf ..... 

wann Cavallar mit einem minderen Commando 800 Pferde 
einkaufet, auf 

wann bei den Regimentern so viele Chargen offen gelassen 
werden, als bei dem Cavallarischen Commando stehen, und 
wenn alle ünterofficiers und Gemeine von den Gamisons- 
regimentern genommen werden, so wird beim Ankauf der 
1800 Pferden eines um 26 fl, 30 kr. weniger kosten, 
mithin .......... 

und beim Ankauf 800 Pferden weniger um 28 fl. 10 kr., 
folglich 



81 
76 



128 
132 



4 
12 



101 
103 



30 
60 



72 
76 



122 
125 



32 
12 






96 l»/f 
96 51 7, 



XXXVI. 

Vortrag des Hofkriegsrathes. 



Orig. (K.-A. II. S. 177—43—400.) 



Wienn, den Iten Mai 1779. 



{Randbemerkung) : Da dieser Vorschlag zu einem eigenen Remontieningscommando 
dem Aerario zu hoch zu stehen kommen würde, so ist von selbem kein Gebrauch zu machen. 
Hingegen wird Mir der Hofkriegsrath die Anzeigen der hungarischen und siebenbürgiBcben 
Kanzlei, sobald sie eingelaufen sein werden, inwieweit auf den inländischen Pferdemkaof 
Rechnung gemacht werden dürfte, nebst Keproducierung der gegenwärtigen Nota heraufgeben, 
damit Ich hiemach die abzufassende Entschliessung bestimmen könne. 

Joseph Corr. 



XXXVII. 

Galiz. Generalcommando an den Hofkriegsrath. 



Orig. (K.-A. U. S. 1779—43—456.) 



Lemberg, 10. Juni 1779. 



Gleich nach Empfang der hohen Vorordnung von 25ten Mai dieses Jahres ist man . . . 
hierorts nicht entstanden, dem Rittmeister Cavallar aufieutragen, dass er mit dem Pferdeinkaaf 
bis auf weiteren Befehl innezuhalten habe. 



Freiherr von SohrUer 
FML. 



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Die Anfäkge des k. k. Staatsqestütes Badaütz. 83 

XXXVIII. 

General Baron Enzenberg an den Hofkriegsrath. 

Orig. (K.-A. II. S. 1780-23—11.) Czernowitz, 30. October 1779. 

Unterthänigst gehorsamst und unzielsetzliche Meinung 

auf die hochlJSbl. horkriegsräthliche Verordnung vom 25. August und praes. den Uten September 

1779 in Ansehung der Regulierung des Buccoviner Districts. 

2do. Ob eine Ansiedlung und aus was vor Absichten solche, das ist, ob sie zur Beförde- 
rung der Population, zur Erweiterung des Feldbau oder zur Anlegung einer Pferdgestiiterei 
gemacht werden sollte. 

Wie dermalen die Buccovina lieget, und wie solche betrachtet werden kann, folgsam nach 
der Lage des Landes noch respectu der Nachbarschaft sehe nicht, wie in der Buccovina eine 
reguläre Besiedlung nur mit dem geringsten Grund und nützlich erfolgen könnender Wahrschein- 
lichkeit bestimmet werden könnte, Abermal gehete hiezu das Höchsterforderliche ab, nämlich 
dass der Landesherr keine eigenthUmliche Ländereien habe, ohne welchen eine Ansiedlung nicht 
radideret werden kann. Mir scheinet, dass nur in jenen Landen eine Ansiedlung angetragen 
werden könnte, wo Überfluss deren unbebauten Ländereien bestehen, und wo es an Menschen 
gebriebet. Nun weder das eine noch das andere gründet sich in der Buccovina. Es scheinet, 
und jene die nur die Buccovina überhaupt durchreisen, wollen behaupten, dass in der Bucco- 
vina ein Überfluss an unbenutzter Erden vorfindig wäre, weiln sie ganze Strecken Land, und 
zwar an der I^indstrassen, meistens nur mit Grns bewachsea sehen; sollten aber diese in dem 
späten Herbst oder Frühjahr das Land mit Bedacht durchwandern, so werden sie sehr wenig 
Ueofelder ohnabgemähet sehen, die etwan stehen bleiben müssen, oder weil sie keine Zeit zum 
Machen hatten, oder etwan ein oder der andere entflohen. Nur an der Strassen rechts und links 
bleibet etwan 40 oder 50 Klafter breit das Gras stehen, welches vor das wandernde Zug- und 
Reitvieh zur Weide in allen diesen Landen bestimmet ist, und wo würde oder der Reisende 
oder der mit Vorspann fahrende Fütterung haben, da keine förmliche Wirts-, sondern nur Brant- 
weiobäuser in der ganzen Moldau existieren. Das Bauernvolk und die Dorfschaften lieget nur 
an und meistens in denen Waldungen, gegentheilig die Gebirgsin wohners sehr in Waldungen 
und Klippen zerstreut, hiemit nicht wohl die Stärke der Bevölkerung in der Buccovina beur- 
theilet werden kann. Sicher ist aber auch, dass das Landvolk nicht im Lande nützlich und zu 
ihrer Wirtschaft vorträglich sich angesetzet habe. Ein grosser Theil, und zwar die alten walla- 
chischen Moldauerfamilien wohnen nach ihrer alten Gewohnheit bloss der Sicherheit weegen in 
dem wild- und rauhesten Gebirg, um von Tartarn und Türken gesichert zu sein; ein anderer 
noch grösserer Theil, so aus Pohlen und Rusniaken und die sich seit wenig Jahren nach der 
Buccovina übersetzet haben, bestehet, wohnet an der Grenze der Moldau und an der Chotimer 
Raja und Galliyien, in der Absieht und aus Forcht, in Fall sie aufgehoben und restituieret 
werden sollten, sich nach der Moldau flüchten zu können. Ich habe verflossenen Jahr conscri- 
bieren lassen und pro anno 1778 einen Zuwachs von mehr als 3000 Familien gefunden, was 
sich aus der Contributionsaccresccnz klar verofl'enbaret, und ich hoffe, dass auch dieses Jahr 
einiger Zuwachs sein wird, ohngeacht auch gesichert bin, dass mehr eis 1000 Familien caeliret 
haben, die aber seinerseit und vermög meiner schon eingeführten Familien-, nicht aber Seelen- 
conscription eruieren werde. Entzwischen das aerarium nichts verlieret, als der grössere Theil 
annoch die Freijahre gaudieret. Wann dann gewiss ist, dass seit wenig Jahren laut beigebo- 
gener Consignation von anno 1774 bis 1779 10942 Familien sich angesetzet haben, und solche 
natürlich auch sich vermehren, und nur eine Familie in die andere zu 5 Seelen gerechnet wird, 
und eine Familie in die andere nur 8 Stück Vieh unterhaltet, was gewiss nicht zulanget, ohn- 
geacht 8 Stück Schaf- oder Geisvieh nur als ein Stück Homvieii anrechne, so zeiget sich, dass 
bis 64710 Seelen und 87536 Stück Hornvieh zugewachsen seien, und mittelst der jährl. Ver- 
mehrung in 20 Jahren sicher das Doppelte p.n Menschen, und in 6 Jahren das Doppelte an 
Vieh zuwachsen müsse. Andurch erprobet sich von Selbsten, dass die Buccovina keine Ansied- 



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84 Polbk: 

lung benöthige, und ohngeacht dieses Stuckel Land nicht klein ist, in wenig Jahren sich zu 
viel mit Menschen aufUllen wird und (insofeme das dermalen bestehende Volk nicht auszu- 
wandern Ursach haben sollte, was von der gegenwärtig hnld- und gnadenreichen Regierung 
nicht einmal gemuthmasset, vielmehr dass mehrere Volk anhero ge reizet zu werden, mit Grund 
gehoffet werden kann) schwerlich den bestehenden und nachwachsenden Seelenstand nach der 
hierländisch üblen dermal angewohnten Wirtschaftsart unterhalten wird können. Allein die 
mehrere Bevölkerung zeiget und lehret von sich Selbsten eine wirtschaftlichere Art anzugewöhnen 
und sich zu unterhalten. Ich habe in einer unterm 15. Juli a. c. gehorsamst unterlegten Aeosse- 
rung von Ansiedlung auch 18 Tausend Familien gesagt. Sicher seheinet zu sein, dass in der 
Buccovina wohl annoch wenigstens ohne Nachstand der Beholzung Ys ^^^ Waldungen ausge- 
rottet werden kann, und wozu nur Menschenhände erfordert werden. Dann ist bekannt, dass die 
Viehzucht zu unterhalteu, 2 und 3 mal mehr Terrain als die Unterhaltung deren Menschen 
erfordert, folglichen auch gewiss wäre, wann die Agricultur vorträglicher als die Viehiucht wäre, 
diese Menge Familien auch existieren könnten. Es lasset sich aber auch und mit gutem Grand 
hoffen, so das Volk sich von Selbsten vermehret, wie die Ezstirpierung deren unglaublich gross 
und unnuzbaren Waldungen, woher das Landel Bnccovina ihren Namen hat, auch annoch auf 
viele Tausend Familien mit der Viehzucht den Unterhalt zu erlangen, gehoffet werden kann: 
ja dato hat man schon da und dorten hiervon Beweise, aber nur in kleinen : die aus andern 
Landen anhero Emigrierten haben schon angefangen nach ihren Kräften auszurotten, und in die 
Zukunft wird das mehrem von sich selbsten folgen. 

Nun entstehet die Frage, ob in der Buccovina darauf gedrungen werden sollte, den 
Ackerbau zu erweitern. 

Gleichwie mir gewiss sehr halte angelegen sein lassen, die Beschaffenheit des Landes nnd 
gleiche Kenntnis von der Nachbarschaft aus dem Grund zu erlangen, so 6nde, dass ein propor- 
tionierter Ackerbau zur selbst eigenen Erfordernis eben so nutzlich als eben gewiss ist, dass der 
stärkere Ackerbau der Buccovina (obwohlen der Terrain hierzu vollkommen und so gut als in 
Gallizien und Hungarn, ausser dem Gebirgstheil, ist) schädlich werden mUsste, und zwar bloss 
aus der Ursache, weiln das l)enachbarte Gallizien, Moldau, Siebenbürgen und Hungarn selbst 
Überfluss von diesem Product hat, und folglichen die Buccovina keinen Verschleiss haben 
könnte. Auch dieser Satz ist mit deme bewiesen: Man hat die Buccovina liei ihrer Besitz- 
nehmung angeeifert, viele Brodfrilchten anzubauen, vielleicht in der Absicht, um das in der 
Buccovina so sehr schädliche Remonta damit unterhalten zu können. Das Volk gehorsamte, 
bauete sehr vieles an, da aber das Proviantwesen sich aus andern Landen, und meistens durch 
die jüdische Lieferanten verpflegte, was die Buccoviner dann bemerkten, und folglichen Ihre 
erzeugte Früchten ihnen erübrigten und nicht verschleissen konnten, so waren sie genöthiget. 
den Ackerbau nur zu ihrer eigenen Erfordernis zu betreiben, so wie solcher dato betrieben wird. 
und kein Buccoviner aus andern Landen Brodfruchten anhero bringet und erkaufet, wann aber 
verboten werden sollte, dass aus der Ukraina und Fohlen kein Brantwein zum Verkauf anhero 
transportieret, und dass das Getreid zu Verpflegung des Militare in der Buccovina erkaufet 
werden sollte, so wurde natürlich der Feldbau von selbsten sich verbreiten, und das unglaublich 
viele GeW, so jährlich vor den Brantwein nach der Ukraina bar, als kein Gegenhandel bestehet, 
hinausgehet, als auch jenes Geld, so aus andern Kriegscassen vor die Unterhaltung des Militare 
vielleicht nach Fohlen gehet, in der Buccovina verbleibet, so wUrde dieses Stückel Land sich 
sehr bereichem. Da dann eben auch bewiesen ist, dass die Verbreitung der Agricultur hier- 
landes nicht anwendbar ist, so ist die Buccovina genöthiget, auf jene Producta sich zu ver- 
legen, was Absatz findet und die Landeslage an Händen giebet, das ist die Viehzucht, und diese 
Viehzucht bestehet aus Hörn- und Schafvieh und etwas Pferden. Das Hornvieh hat seinen 
guten Verschleiss nach Preslau, das Schafvieh nach Constantinopel, und die nicht sonderlich viel 
bedeutende Pferdzuchts-Erzeuguag w^ird meistens auch an die Armenier verhandelt, die die jun- 
gen Pferde aufkaufen und in der Moldau bis in das 4te und 5te Jahr erziehen nnd weiters ver- 
handien, und da die Hornviehzucht, wie bekannt, bis es zu ihrem Wert anwachset, Zeit und 
vielen Unterhalt erfordert, hinlängliche Fütterung eben aber in der Buccovina nicht vorfindig 
ist, um auch Winterszeit das so sehr anwachsende und sich vermehrende Hörn- und Schafvieh, 
dann PferdgestUter zu unterhalten, so wird alle Herbste, wie nun allschon der Anfang genoacht 



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Die Anfänge des k. k. Staatsöbstütes Radautz. 85 

wird, und täglich Pässe hierwegen abgebe, eine sehr grosse Menge von obbesagten Viebgat- 
tnngen, sogar von dem Banemvolk selbst nach der Moldau ab- und in Frühjahr, wenn die 
Weidung angehet, wiederum zurückgetrieben, wovon die eben in der Buccovina zerschiedentlich 
aufgestellte Mautämter (wo dieser Vieh-Aus- und Eintrieb, respectu der Vermautung vorgemerket 
ist) das mehrere bezeugen können. Zum Stärkesten Beweis rouss dienen: die Armenier, Griechen 
und sonsten mit dem Viehhandel sich abgebende Handelsleute, so in der Buccovina wohnen, 
seind aus Abgang der Putterung genöihiget, ihre Vieh- und Pferdzuchten nach der Moldau zu 
überwintern zu treiben, und muss vor das Stück Vieh oder vor das Winterfutter 1 Ducaten, 
dann dem Moldauer FUrst vor die Erlaubnis, so Comarit heisset, wann er hineintreibet, 2 fl. 
17 kr. und wann er zurUckkehret, 1 fl. 15 kr., vor ein gross oder klein Pferd aber, so Corniza 
genennet wird, 1 fl. 9'/} kr. und extra die Maut mit 1 fl. 30 kr. bezahlen, wann dann der 
Handelsmann, vordersauMt der wirtschaftliche Armenier, in der Buccovina Fütterung hätte, so 
würde er gewiss die merkliche Ausgabe nicht machen, und welche Ausgabe sich wegen denen 
Menschen, so er bei jeder Herde unterhalten muss, sehr vermehret. Mittelst diesem ist dann 
auch dargethan, dass kein Überfluss an Terrain a proportione der vielen, actu bestehenden und 
sich täglich mehr vermehrenden Menschen und den hierzu erforderlichen Nahrungszweig, das 
ist die Viehzuclit und etwas wenig Wachs und Honig, genrtheilet werden kann; und so auch 
eine Ansiedlung allhier bestimmet werden sollte, so würde solche aus teutschen Landen anliero 
angetragen werden, und das leutsche Volk würde durch den Ackerbau nicht ihre Erfordernis 
erlangen, noch die harte und hierlandes schon übliche, zum Theil auch roh und wilde Lebens- 
art angewöhnen, welche die Viehzucht verursachet und keinen niedlich, bequem und guten 
Unterhalt verschaffet. Man hat in der Buccovina den Beweis, dass öfters eine Fuhr Heu, so 
gewöhnlich nur 30 Port, a 10 Pf. gerechnet, geladen hat, in FrUhjahr auch 2 und 3 fl. koste, 
und alljährlich ist das Hornvieh in Frühjahr (was In der Buccovina überwintert wird) aus Ab- 
gang der Winterfütterung sehr elend und also abgemattet, dass es nur aus Haut und Bein be- 
stehet und das X«eben erhaltet, was eben die Ursache ist, dass in Anbetracht des sehr matt und 
entkräfteten Vieh erst nach Georgi zu ackern angefangen oder schwere Arbeit mit solchem vor- 
richtet wird, wovon ich den Beweis habe, als erst dazumal die Jommunicationstrassen herz4i- 
stellen continuieren kann, wann das Zugvieh auf den Feldern die Fütterung überkommet. Alles 
wahrhaft Vorerzählte wird doch bestätigen und sicher glauben machen, dass die Buccovina 
Überflnss an Heu habe und der mehrere Theil der Buccovina unbenutzet verbleibe, ganz und 
gar falsch und ungegründet seie. Ich will zugeben, dass vor 6 und mehrere Jahren und während 
letzten rus8i8chen Krieg ein grosser Theil der Buccovina und der Moldau aus Forcht des Kriegen 
unbevölkert, folglichen auch uubebauet wäre, so auch selbst anno 1773, als einen grossen Theil 
der Moldan, während dass die russische Armee allhier stunde, auf Allerhöchsten Befehl durch- 
reisete, bemerket habe. Eine Ansiedlung kann dann nicht änderst erfolgen, als dass dem An- 
siedler kostsplitterische Hilfe und Vorschuss gemacht und so zu sagen auch die Wohnungen 
erbauet weiden, und zwar auf die Art, wie in dem Bannath. W^ie kostbar und wie mühsam und 
kommer- und sorgenvoll eine Ansiedlung mit Nutzen zustande gebracht werden möge, kann 
eben auch am verlässlichsten und aus der Erfahrung hiervon sagen, als in dem Rodnaer sieben- 
bürgischen Militärdistrict 4 Dorfschaften erbauet und mit Emigranten aus der Moldau besetzet 
habe, die anfänglich nebst ihren Familien, bis sie zu Kräften kamen, erhalten und sodann erst 
mit Mühe der Vorschuss successive eingebracht werden musste, und auch diese Ansiedlung nicht 
mit gutem Erfolg erzwungen haben würde, so nicht in der Moldau der Krieg continuieret hätte, 
in welcher Zwischenzeit diese Ansiedlers sich mit guten Häusern und zureichender Wirtschaft 
verseheten und wiederum auszuwandern abgehalten wurden. 

Nu folget die Erörterung der Frage, ob in der Buccovina eine Pferdgestüterei anzulegen, 
dem höchsten Dienst vorträglich wäre. 

Sowie ich verrauthe, ja sogar gesichert bin, dass die höchst und hohen Stellen viel- 
mehrers mir gut als abgeneigt anrechnen werden, so alle nur untefthänigst und getreu zu be- 
antworten aufgetragene Fragen, ohne aller Schmeichelei oder Verblümelung erörtere, so rouss 
auch ich in dieser Frage mich ganz aufrichtig und so, wie die Sache ist, äussern. 

Da dann mittels all Vorgehenden sattsam dargethan ist, wie in der Buccovina keine 
förmlich teut^he und etwan kostsplitterische Ansiedlung Platz greife, sondern es bei der selbsti- 



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86 Polkk: 

gen Iropopulierung zu belassen wäre, und die bestehende Ländereien nur kümmerlich zum Un- 
terhah vor den dermaligen und von sich selbst zuwachsenden Seelenstand zulangen, so ist 
ohnehin vor sich, dass keine Aerarial-GestUterei hier angebracht, errichteti noch nnterhaltel 
werden konnte ; es wäre nur, dass nützlicher zu sein scheinete, Menschen und Landwirte abzn- 
schafien und hiervor Pferd gestutercien anzulegen. 

Es ist bekannt, dass nur in jenen Landen derlei GestUtereien angebracht sind, wo es an 
Menschen gebricht, und wo eonsten auf keine andere Art der Terrain in etwas benutzet werden 
kann. Der klare Beweis ist Hungarn. Noch vor Jahren existierten in Hungam viele wilde 
OestUter; da nun aber sich Hungarn sehr bevölkerte, so sind die mehresten GestGtereien einge- 
gangen, und auch die Viehzucht hat sich gar um ein merkliches verringert. Dessenungeacht 
geniessen die Herrschaften doch von ihren Gütern dermalen 100 procento mehr als in vori- 
gen Zeiten. 

Vor 50 Jahren wäre die Herrschaft Gyula vielleicht nicht vor 60 Tausend fl. in Anschlag, and 
nun dOrfte sie aoch vor 5000 Tausend fl. nicht hindangegeben werden wollen, weile diese Herr- 
schaft nun mit Menschen anstatt bevor mit wilden Thieren bewohnet ist. Die hier unterhalten 
werdende Cavallarische Remonta wird allerdings denen hohen Behörden ganz wohlfeil scheinen, 
weilen in der Unterhaltung dieser )*ferde wenige Unkosten sich veroffenbaren, und wann icli 
alles betrachte und auch jenes, was die Buccovina beitragen mnss und nicht bezahlet wird, mit- 
anrechne, und dass wegen dieser Remonta so viel weniger Menschen in der Buccovina sich 
unterhalten können, und dass denen Grundherrn widerrechtlich und ohne aller Bezahlung das 
Gras zum Heumachen abgenommen und zum Unterhalt der Remonta abgegeben wird, dvs 
das Land die unausgesetzte neue Erbauung und Reparierung der Stallungen ohnentgeltlich be- 
streiten müsse, sowie seit der hier existierenden Remonta sicher 30 Tausend Handlangers und 
eben auch 15 Tausend Fuhren, wo nicht mehr, ohnentgeltlich hierzu verwendet worden sind, 
dass der 4te Mann und der 2te Wagen von der ganzen Buccovina 4 ganzer Wochen, um das 
Heu zu macheu und zu denen Stallungen, wie es auch diesen Herbst nach der l>elegten Re- 
partition geschehen musstc, von denen iiussersten, an der siebenbürgischen (Srenze liegenden 
Dorfschaften Dorna, O^okaneHti etc. bis Stirzo und Kutschur 20 und 31 Meilen weit, folglichen 
in Hin- und Herweg auch so viel Tag zubringend (zu geschweigen, dass der Bauer auf dieser 
langen Reise, wo er auf dem Felde keine Nahrung für seine Ochsen findet, aueh natürlich von 
diesen aufgeladenen 3 Centner fütteret und beim Abladen, wie ich Selbsten gesehen, höchstens 
10 Portionen noch übrig hat, was aber, um eine Fuhr zu dingen, mit 12 fl. bar Geld nicht 
finden könne) zuzuführen, ohne aller Bezahlung angestellet worden sind, und zwar in der besten 
Arbeitszeit, und folglich vor sich das Heu zu machen sehr viele Zeit benommen wird (wie aus 
dem untern 2C. Januar a. c. gehorsamst eingereichten Commissionsprotokoll und demselben bei- 
gefügten gutachtlichen Vori»chlag weitläufiger gnädigst beurtheilet werden kann); wann mehrem 
in Erwägung gezogen wird, dass die jungen Pferd, deren Zahl sich bis 300 belaufet, den ganzen 
Sommer in Gebirg weidete und hiervor vielleicht nicht 100 fl. jenem Armenier und Buccovioer 
Handelsmann bezahlet wird, der diese Gebirge in Bestand hatte, um seine eigene Viehzucht 
und Gestüterei zu erhalten, wovon er seinen Handel machet, die Contribution abführet und 
mit seinem Viehbandel das Mautgefall ziemlich vermehret; wann endlichen betrachtet wird, 
dass verliossenen Jahr eben diesem Remontgeschäft 779 Klafter Heu, jede Klafter «a 
250 Portionen, jede Portion zu 1 1 V4 Pf- gerechnet, abgegeben nnd gewiss jede Klaftw 
mehr als 400 Portionen zu 10 Pf. austragen würde, so nicht einen ganzen Schoh rund 
herum das Heu bevor der Abwägung abgeschlagen wäre worden, und vor diese 194450 
Portionen, die Portion k l'/a kr. gerechnet, der dieses Commando besorgende Herr Ritt- 
meister v. Cavallar mit 4327 fl. 46 kr. an die Buccoviner Provincial-Cassa bezahlen wird, 
das Land aber, um von der Heumachung befreiet zu sein, 18000 fl. bar ad Cassam er- 
legte, die Grundherren aber, um damit sie kein Gras abgeben dürften, sich anerboten haben, 
von denen Bauern ein Drittel lOma weniger abzuverlangen: so ist sogleich bloss iu dieser Hen- 
abgabe ein aufgelegter Schaden von mehr als 13000 fl. Ich übergehe, dass, und soferne kein 
k. k. Remontabeu gemacht wird, wenigstens 1000 Familien mehrer angesiedelt und dotieret und 
die Viehzucht vermehret und besser gepfleget werden könnte, massen eine mitte Imässige Hauern- 
familic mit 4 Faltschen Terrain sehr gut auslangen kann, und da dies Jahr 4300 Fahachen 



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Die Anfänge des k. k. Staatsgestütes Radautz. 87 

Hea gemacht wurden, so wurden auch 1000 Familien damit leben können, was andurch dem 
höchsten Aerario in der Contribution und den Mautregale respectu des Viehaustrieb mehrer zu« 
gehen könnte, und wie andurch der Landmaun gelbsten zu besseren Kräften gelangen und end- 
lichen in allem das höchste Aerarium profitieren mQsstef ist sehr leichte, nur in kurzem be- 
trachtet, zu beurtheilen. Ich übergehe, dass ausser vorbemerkten Belästigung, die dieses Re- 
moDtageschäft zum Nachstand des Landmann verursachet, auch noch zerschieden andere 
Praestationen vorkommen, als da ist: die Transportierungen des Haber, der Montur, der Kran- 
ken, die Bequartierung des Remontacommando und deren Officiers, die BeischafiTung des Holz, 
Licht, Latem, Kandel und sonstige Stallrequisiten und endlichen das Streustroh, so allhier am 
mehresten gebricht, ja in einigen Gegenden gar nicht zu überkommen ist, weswegen auch schon 
genöthiget wäre, junges Rohr mähen, troknen und als Streustroh von Land ohnentgeltlieh zu 
denen Stallungen zuführen zu lassen. Ich übergehe, dass in Frühjahr, und bevor in dem Ge- 
birg das Gras zur Abweidung vorkommet, die jung, krank und drüsigten Pferde oder die tra- 
gend und Fohlenstutea auf denen nächst an denen Stalhingen vorfindenden Wiesen mit merk- 
lichem Schaden deren Dorfsgemeinden das junge Gras ohnentgeltlieh abweiden. All dieses 
zusammengerechnet und in das Geld entworfen, und der Schaden, so dem Landmann zugehet, 
mitcombinieret, muss sich veroffenbaren, dass diese Remonta ohngemein hoch zu stehen kommen 
müsse, massen die Entkräftuog des Landmann auch die Entkräftung des Aerarii nach sich 
ziehet, so aber nicht comparieret. Gleichwie mir aber sehr wohl bekannt ist, dass Allerhöchst 
die Majestät absolute nicht zugeben wollen, dass der Landmann ausser denen landesgewöhn- 
lichen Schuldigkeiten und Abgaben mit was mehrern, und besonders mit solchen, so nicht in das 
Aüg fallet, belästiget werden solle, so rechne es vor einen Theil meiner Pflicht, hierwegen eine 
Erwähnung zu machen, und kann auch nicht wohl dem das Remontageschäft besorgenden Herrn 
Rittmeister keine, und nicht die geringste Schuld zumessen, massen er gewiss mit dem lobens- 
uDd belohnungswürdigen Eifer das ihm anvertraute Geschäft zu beförderen, sich alle erdenkliche 
Muhe giebet, auch sonsten in allem seinen Betragen sehr bescheiden, und an seiner Ehrlich- 
keit nicht wohl gezweifelt werden kann, folglichen ihme nur daran lieget, das Landet zu con- 
servieren, wodurch eben das Aerarium den wesentlichen Nutzen erwartet. Ich will auch keines- 
wegs in jene sonstig, so sehr merkliche Unkosten und Aufwand eingehen, die dieses Remonta- 
commando mittelst der Verpflegung und sonstigen Unterhalt von 360 Mann, dann 150 Brauch- 
pferden, welche letztere sehr wenige zur Remonta als schon defectuose Pferde abgegeben werden 
können, doch eben so kostsplitterisch als die Dienstpferde unterhalten werden, verursachen 
mnss, ich aber andurch nur pflichtmässig erwiesen haben wollte, dass dieses Geschäft sowohl 
dem höchsten Aerario als vorzüglich dem Land hier zu unterhalten sehr nachtheilig seie und in 
die Lange auf keine Art bestehen kann. 

und endlichen, so auch gewiss wäre, dass aus Abgang der Menschen und wegen unbe- 
ntttzet li^;enden Feldern eine Pferdgestüterei hier in der Boccovina unterhalten werden könnte, 
was könnte der Monarchie vor ein Nutzen andurch zugehen, sobald der Landesfürst den Unter- 
halt und die Weidung hierzu erkaufen und noch die Winterfütterung in der Moldau bezahlen, 
Menschen und Aufsehers unterhalten und sich allen Unglücksfällen unterziehen müsste ? Ich 
glaube, kein Nutzen, vielmehr müsste Schaden am Ende sich zeigeu. Ein Grundherr kann sich 
hienron etwas und auch nicht sonderlichen Nutzen versprechen, ohngeacht solcher seineu Unter- 
thanen zur Wartung, so wie die Unterhaltung ohnentgeltlieh hieran verwendet. Nun hoffe und 
wünsche verbreitet genug erwiesen zu haben, dass in keiner Betrachtung in der Buccovina eine 
förmliche und kostsplitterische Ansiedlung noch Pferdgestütereien applicabel noch eine merkliche 
Verbreitung der Agricultur anwendbar, ja alle 3 Gegenstände vielmehr schädlich wären. 

Ja mir scheinet in der politischen Betrachtung vielmehr übel gerathen zu sein, eine 
förmliche und, wie vermuthe, teutsche Ansiedlung hier zu. etablieren. Man l)enehniete der 
Moldauer Nachbarschaft die Gelegenheit, sich anhero anzusiedlen, desnen Ansiedlung doch dem 
Btaat keinen Kreuzer kostet, sondern jederzeit Nutzen verschaffet, und ich glaube auch keines- 
wegs zu irren, dass und in Fall der teutsche Regierungsform in der Buccovina wie bis anhero 
eingeführt und continuieret wird, und so auch die Contributionsabgabe annoch so hoch, wie nun- 
mehro, angeschlagen würde, in wenig Jahren man mehr Menschen überkommen wird, als man 
sich wünschet. So wie voraus gesagt und erwiesen ist, so kann auch dermalen in der Bucco- 

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88 POLEK : 

vina nicht sonderlich viel mehrers Volk untergebracht werden. Siebenbürgen wurde gerne annoch 
auch etlich Tausend Familien, und die Marmarosh, so auch an die Buccovina grenzet, annehmen 
und unterbringen. Es könnte ja gehofifet werden, dass, wann in der Buccovina das Volk zu 
viel wQrde, so nicht alle, doch ein grosser Theil sich nach Siebenburgen und Hungam uber- 
siedlen würden, und da die Buccovina einem Theil von Siebenbürgen und der ganzen Mar- 
marosch vorlieget, und diese 2 Länder ihre Bevölkerung wenigstens aus der Moldau groasenthdl 
anhoflTet und auch zum Theil herholet, so wäre nicht klug gehandelt, wann nicht die Buccovina 
so dirigieret und beherrschet würde, womit fremde Nationen dahin gereizet, und Hungam und 
Siebenbürgen hiervon auch so wie das Aerarium vorzüglich merklichen Nutzen ziehen konnte. 



XXXIX. 

Cavallar an das galiz. Generalcommando. 

Orig. (K-A. ir. S 1779—43—757.) Kotzman, 29. Novemb. 1779. 

Es ist zwar das mir allergnädigst anvertraute Remontengeschäft von dem politischen 
Fach zu weit entfernt, als dass ich Einem hochlöbl. . . . Gencralmilitärobercommando einige 
Kemarquen hierüber zu unterlegen mich anmessen sollte; allein da die etwan ausbrechende 
Landes-Reclami praeparatorie schon auf das Remontierungscommando abgewälzt und denen Re< 
montenstallungen eine ursprüngliche Last an^Gratisroboten aufgebürdet wird; da femers aus der 
Lieferung des für die ärarischen Pferde erforderlichen, im Lande überflüssig vorhandenen Heues, 
welches ich für bares Geld bezahle, eine Landesbeddlckung und Verhinderung der BevOlkerang 
hergeleitet werden will: so sehe mich bemüssiget (und bitte unterthäoigst gehorsamst mir dieses 
nicht in Ungnaden zu bemerken), dass ich einestheils zur Ablehnung dieser Gravaminum, an- 
dererseits zum Beweis des Gegentheils in Gemässheit Eines hochlöblichen hofkriegsräthlichen 
Rescripts ddo. 13ten und hoher Generalcommando- Verordnung vom 25. September a. c nur 
etwelche Einheiten der politischen Behandlung des Landes anführe, die eben von der hierläo- 
digen Interimal-Landesadministration in ihren Beschwerden gegen dai Remontierungscommando 
mit demselben so genau verbunden worden, und zwar: 

Ad Lit. A. Wird Einem hochlöbl. Generalmilitärobercommando noch bestemuissen in An- 
gedenken sein, wie sehr Seiner Mijestät dem Kaiser und dem hocblübl. kaiserl. königl. Hof- 
kriegsrath während vorgewestem Kriege die Stellung deren Remonten angelegen wäre. Da es 
nun für die beigehabten Pferde an hinlänglicher Unterkunft gebrochen hat, so wäre ich ge- 
nT^thiget, den Herrn Generalmajor Baron v. Enzenberg um die diesfällige Abhilfe bittlich anzu- 
langen, welcher einestheils zu bestmöglichster Beförderung des Remontagescbäftes als anderen- 
theils (da vorhin das kaiserliche Heu aus dem Czercraoscher Thal mit unsäglich vieler Mühe 
der Unterthanen sehr weit zugeführt werden musste), zu Verschonung des Landes 4 ganz neue 
Stallungen, nämlich 2 in Waskowetz, 1 in Sattagura und 1 in Störza, dann 2 Quasikasemen, 
1 in Waskowetz, die 2te in Störza, und in letzterem auch 1 Officiersquartier zu erbauen ange- 
ordnet hat, zu welchen Gebäuden also wie auch zu der vor- und diesjährigen Reparierang 
saramentlicher alten Stallungen und des Okols von Seiten des Landes 18312 Hand- und 8195 
Zugroboten pr. 2 Jahre abgereichet worden, wie solche bereits vermög Bericht vom 26ten 
September ca.... klärlich ausgewiesen sind, und in Anbetracht deren im Lande errichteten 
Proviantmagazins und hergestellten Quartiersgebäuden, dann des Strassen- und Brückenbaues 
kaum angemerkt zu werden verdienen. 

Zwar sind auch anno 1777, mithin zu des Herrn Generalwachtmeisters Baron v. Spleni 
Zeiten, 2 neue Okols, einer zu ('zerepkautz und einer zu Störza, für diejenigen Pferde, welche 
bei der selbesjährigen Assentierung denen Regimentern nicht mehr zugetheilet werden konnten, 
weilen sie ohnedies alle übercomplet gemacht waren, auf hohes Gutbefinden Eines hochlöbl. 
Generalmilitärobercommando erbauet worden, um diese Pferde unterbringen zu können, davon 
einer voriges und einer dieses Jahr auch bereits wieder eingefallen, welches wohl wegen dem 
grünen Holz, das in der Eil und im Nothfall darzu genommen werden musste, nicht änderst 
hat sein können, und zu jedem sothaner 2 Okols gegen 1200 Hand- und bis 300 Zugrobotstage 



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Die Anfänge des k. k. Staatsgestütes Radautz. 89 

verwendet werden; jedoch weilen der Herr Generalmajor Bar. v. Knzenberg in seinen einge- 
sendeten Beschwerden nur von Jahr und Tag die Anzeige machet, so kann ich umsoweniger 
vermuthen, dass solche in dem Summario anzuführen erforderlich gewesen wäre. 

Ad Lit. B. Nun tritt diese wichtige Betrachtung anvörderist bei, ob diejenigen 2000 Fa- 
milien, wovon der Herr Generalmajor Bar. v. Enzeuberg in seinem Berichte erwähnet hat, auch 
wirklich aus dem Türkischen oder anderen fremden Ländern aohero emigrieret und nicht viel- 
mehr dem sicheren Vernehmen nach wegen der letzten Recrutenaushebung aus Gallicien anhero 
entwichen sind und sich hier niedergelassen haben, welch letzteres, wenn auch noch einige 
Familien zugegen wären, dennoch in allem Verstände dem Staat somehr nachtheilig ist, als 
solche bieriandes 3 freijahre geniessen und in dem gallizischen Contributionali einen Abfall 
verursachen. 

Um aber Einem hochlöbl. . . . Generalmilitärobercoramando umso verlässlicher zu unter- 
legen, dass die Unterhaltung deren Hemontapferden den dermalig wirklich ansässigen Bukowiner 
Bauernstand an seiner benöthigtcn Flltterung nicht verkürzen, ja vielmehr über diese Remonta 
alljälirlich noch ein beträchtliches Quantum im Lande zu sonstigen Militär-Heuerfordernissen 
eiTibrige, zeige, 

Imo dass die Interimal-Landesadministration, sowie andere Jahre, auch heuer über das 
meinem unterstehenden Commando bereits abgegebene Heuquantum annoch gegen 1000 Faltschen 
mehr anrepartlert und erzeuget hat, von welchem Ueberfluss die immiltelst in die Bukowina ver- 
legte lOO Fuhrwesenspferde einen Theil ihrer Erfordernis beziehen, ohne ein weiteres Aerarial- 
ConBamo im Lande ausweisen zu kiinnen. 

2do. Geruhe Ein hochlöbl. Generalmilitarobercommando gnädigst zu erwägen, dass das 
kaiserliche Heu nicht auf deren Unterthanen Gründen, sondern auf jenen deren Grundherren 
erzeuget zu werden pflegt, welche Gründe nach Abschlag der denen Unterthanen jedenorts aus- 
kömmlich zugetheilten Heuschlägen als ein Ueberland erübriget und denen Grandherren anheim- 
fallen, und dass hinfolgsam der Unterthan zu dem kaiserl. Heu weiter nichts beitraget als die 
Arbeit der Erzeugung und der Zufuhr. 

Es lieget der unwiderlegliche Beweis dessen darinnen, dass jene Ortschaften, welche 
keine derlei überländige Heuschläge besitzen, mithin von ihren Gründen nichts entbehren können, 
mit dem nach der Hauptrepartition sie betreffenden Faltschenquanto in andere grasreiche Dorf- 
schaften auf 4, 5 und 6 Meilen weit angewiesen und ihr Heuquantum auf fremden Gründen 
zu erzeugen angehalten werden. 

3tio. Wird das sammentliche kaiserliche Heu eingangs berUhrtermassen ab Seiten des 
Remontacommando bezahlt. Ich glaube dahero, dass umsoweniger eine Bedrückung der Unter- 
thanen hievon abgeleitet werden könne, als denen Unterthanen, wenn ihnen solches nicht etwan 
statt deren schuldigen Steuern eines Theils abgerechnet wird, auch die Arbeit annoch vergütet 
werden kann. 

Ad Lit. C. wird die in der Beilage erscheinende oekonomische Tabella mit mehreren! 
bestätigen, dass zur Unterhaltung der bisherigen Anzahl kaiserl. Remontapferden nicht die ganze 
Bukowina erforderlich, sondern nur einige 30 Dörfer imstande sind, ohne mindester Verkürzung 
der Unterthanen, bloss von denen Ueberlandsheuschlägen das benöthigte Heu auch auf 1500 
Pferde gänzlich gratis und 27548 n. ö. Metzen Haber, ä 15 kr. gerechnet, aufzubringen. 

Ich kann dieses Einem hochlöbl. Generalmilitarobercommando mit so mehrerer Gewiss- 
heit unterlegen, als heuer der Grundbesitzer von Kitzmann, wo ich mein Standquartier habe, 
nach reichlicher Befriedigung seiner Unterthanen und nebst 200 Faltschen kaiserl. Heues annoch 
andere 200 Faltschen für sich erzeuget hat, zu geschweigen deren in vorgedachter Tabella ange- 
führten anderen derlei grasreicben Ortschaften jenseits der Pruth, wo in manchen wegen der 
anermesslichen Grösse der Heiden vieles Gras stehen bleibt, welches nicht abgemähet wird. 

Ein welches meines Erachtens zureichend sein wird, den von der hierländigen Literimal- 
Administration so dringend beklagten Heumangel zu widerlegen und statt solchen vielmehr 
hieran einen Ueberfluss, mithin auch grundbeständig zu erweisen, dess die angebliche Ansiedler 
durch das Kemontierungsgeschäft an ihrem nöthigen Unterhalt niemalen aufliegen und deswegen 
verdrangen werden. 



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"Uoogic 



90 PoLEK : 

Mir ist desseutwegen gar nicht begreiflich, was dem Herrn Generalmajcr Baron v. £n- 
zenberg, welcher doch sonst für das Wohl des allerhöchsten Dienstes so gerecht und unermudet 
besorgt ist, oder vielmehr einer löbl. Landesadministration auf einmal eq diesen Beschwerden 
wider das Bemontencommando die Veranlassung müsse gegeben haben, da ich doch jederzeit 
die Ordnung als die Grundfeste des Dienstes ansehe und hierauf mit besonderer Attention halte^ 
auch mir nicht bewusst bin, jemals einen Excess im Lande verursachet zu haben. 

Ich nehme nun auch den Fall (welcher zwar, wie ich voraussehe, nur noch mehr dienet, 
mich andurch je unangenehmer zu machen), dass das Remontierangsgeschäft nicht in der Buko- 
wina wäre, so würden doch wohl wenigstens wie vorhin zu Deckung des Landes 1 oder 2 Di- 
visiones Cavallerie hieher dislocieret worden sein, durch welche in Anbetracht der Stallungen für 
die Pferde, der Zufuhr des Heues imd der übrig erforderlichen Vorspann das Land gar nicht 
erleichtert, sondern wegen der Unterkunft der grösseren Anzahl an Mannschaft noch um ein 
mehreres belästiget sein und dem allerhöchsten Aerario nicht minder einen Aufwand verur- 
sachen wurde. 

In dem ferneren Verfolg eingangs berührten hohen Rescripts und Verordnung ist aucli 
in auswärtigen Ländern kein Haber für mein unterhabendes Commando erkauft worden, sondern 
solcher wird aus dem Snyatiner und Horodenker Magazin, so in Gallicien liegen, und hier 
landes aus dem Czemowiczei empfangen. Jedoch werden sowohl der Herr Generalmajor Baron 
v. Enzenberg als auch der hier angestellte Herr Verpflegsverwalter v. Circo bestätigen müssen, 
dass aus dem Czemowiczer Magazin, welcher zwar aus dem Horodenker uberbracht sein soUle, 
dumpfiger Haber für die Remonten verabreichet worden seie; woher aber eine löbl. Verpflegs- 
direction solchen genommen habe, ist mir unbewusst. 

Gleichwie es aber mir höchst angelegen sein musste, diesem Uebel so eher abzuhelfen, so 
habe mich an die I^mberger löbl. Verpflegsdirection verwendet, von woher auch . . . die schleu- 
nige Remedur getroffen worden. 

Ad Lit. D. Ist nicht nur der Okol, sondern sammentliche alte Stallungen so gut wie 
möglich repariert und für diesen Winter in annoch brauchbaren Stand gesetzt worden. 

Was nun aber die Anzahl der Pferde belanget, die in der Bukowina unterhalten werden 
können, davon ist schon oben einige En^ähnung beschehen. Ich nehme also in Antrag 1500 
Stück Pferde (zu denen vermög beiliegender Standesausweis ein Personale von 547 Köpfen, wie 
ich bereits unterm 29ten Januarii a. c. angezeiget habe, erforderlich wäre) je mehr festzusetzen, 
als solche in hiesiger Gegend und in der Moldau alljährlich erkauft werden können. 

Nachdeme nun endlichen (wie in meinem diesfälligen Berichte ersichtlich ist^ ich 1000 
Pferde in denen Stallungen aufzustellen und 500 in denen Okols zu überwintern antrage, so 
kann nicht vorbeigehen, bei Einem hochlöbl. Generalmilitärobercommando meine submisseste 
Bitte . . . vorzutragen, womit Eine hohe Stelle für diese letztere junge Pferde, so vom Iten Mai 
bis Ende Octobris auf der Weide unterhalten werden, die Lutschina-Gebirge, zwischen der Mar- 
morosch und Siebenbürgen an dem Gerliba-Fluss *) gelegen, zu dieser Weide von dem Kloster 
Putna alljqhrlich zu erstehen und anzuweisen gnädigst zu reflectieren geruhen mögte. 

Sigl. Kitzmann, den 29ten Novembris 17779. 



*) d. i. Kirlibaba-Fluss. 

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Die Anfäkge des k. k. Staatsgestütes Radautz. 91 

XL. 

Oekonomische Tabeila 

Orig. (K,-A. IL S. 1779—43-757.) 

Vorläufige Expiication 
nach welcher sich in folgender ökonomischen Tabeila bei Berechnung der diesfälUgen Robots- 
tage und Erzeugung des Habers benommen worden. 

Als: Tage 

Jeder Unterthan ist schuldig an Robot jährlich 12 

den Zehent von allen vegetabilischen Producten, den er eingefuhrtermassen gern 

redimieret mit 12 

die Gespunst, die er ebenfalls lieber erlöst mit 2 

an Klaka oder Grattsrobot verrichtet selber dem Grundherrn willig des Jahres . 2 

Summa der Prästation eines Unterthans 28 

Diese werden verwendet: 
Zu Mach- und Einführung einer jeden Faltschen Heu 8 

1 Tag Acker erfordert zu ackern und zu säen 4 

Hierauf werden erzeuget 10 Schock Garben, welche an Schnittern erfordern . 4 

zur Einfuhr 2 

10 Schock auszudreschen erfordern 5 

Summa der Arbeit auf 1 Tag Ackerbau . 15 

A u 8 w w e i s 
was durch obetehende 15 Robotstage an Frucht erzeuget wird 

n. 5. Hetzen 

Auf 1 Tag Acker wird gesäet Haber 3 

Davon werden eingeerntet 10 Schock Garben, deren jedes in mittelmäßigen Jahren 

2 Metzen Haber abwirft, folglichen producieren 15 Robotstage ... 20 

Hievon den Samen pr. 3 

Verbleiben . 1 7 



Digitized by 



Google 



92 



Polek: 



Oekonomische 

Über nachstehende Ortschaften nach dem wahren Bestand ihrer Gründe und anderen Dominiealien 

kais. königl. Hemontierung in Pacht zu nehmen 

d.iesseit8 









9> 


H 1 e TT ( 


5_ rj 


r e- 










Was die 




e 

.2 


Ortschaften 


der 

Grund- 

herrschaft 


der 

dermalloen 

Pächter 


Wie viel Pachtschilling jede 
stehenden Ortschaften ihre 
Grundherrn bezahlen 


Juden in jedem Dorf 

uad wofür an Arrenda 

bezahlen 


n 


c 

1 

st 
' PC 

-£ 
.S 


« 
C 
ai 


haben in Arrenda 


ll: 


*S 


fl. 


kJ 


f. Ikiil \'u 


56 


Luschan *) 


Lucas Armas in 
Jassy 


Administrations- 

Sccretär Micha- 

laky 


600 




1 Wirtsh., 2 Milhl, jede 
mit 2 Steinen, dann den 
ganzen Zehent vom Dorf 


350 




1 
58 


ßojana«) 


Basili Mutenko 


Ivan Miteskul 
Capitän 


1000 




5 Wirtsh., 4 Milhl., jede 
mit 1 St., 15 Falts. Heu 
extra den Zehent 


700 
800 


- 


1 
250j 30 


Kitzmann ') 
Laskiwka *) 


Herr Bischof von 
Radautz 

n 


Administrations- 

Secretfir 

Michalaky und 

Compagnie 






1 Wirtsh., 1 Mühl mit 

2 St., auf 60 Metz. Aus- 
saat und 10 Fattsch. Heu 

1 Wirtsh., 1 Mühl mit 

2 St. auf 60 Metz. Aus- 
saat und 10 Faltsch. Heu 


400 
425 


- 


i 

60 67 
45 36 


Suchower- 
cha*) 


n 


n 


3000 


— 


1 Wirtsh., 1 Mühl. mit 

2 Stein und den Zehent 

von denen Bauern 


300 




1 

30, 13 

1 


Kliwodin«) 


» 


n 






1 Wirtsh., den Zehent, 

5 Faltsch. Heu und auf 

12 Metzen Feld 


260 


. 


t8 


26 


Dawidovce ^ 


n 


n 






1 Wirtshaus, den Zehent 
und 5 Faltschen Heu 


220 


— 


38 


32 


Kisselieu «) 


Lesczeskul v. Hu- 
destie in d. Moldau 


Pächter Secr. Mi- 
chalaky, Afterp. 
Herr v. Eder 


600 




1 Wirtshaus, 1 Mühl mit 
1 Stein und den Zehent 


400 




50 


20 


Borouz «) 


Igumen Formosky 
in Jassy 


n 


1100 




l Wirtshaus, 1 Mühl mit 

1 Stein, den Zehent und 

12 Faltscheu Heu 


280 


. 


45 


30 


Cadubestie »O) 


Blascha in der 
Moldau 


Paul Asianczuk i 
Armener von , 
Snyatin 


700 




1 Wirtshaus, den Zehent, 

auf 46 Metz. Felder und 

10 Faltschen Heu 


400 


1 

-i 


t 
7l' 54 






Latus . . 


7000 


— 


14 Wirtsh., U Mühl. mit 
16 St., 67 Faltsch. Heu, 
einigen Zehent u. Feldbau 


4535 


_| 


675 

j 


364, 

1 



') Luian. •) Bojan. ') Kotzman. *) Laszköwka. *) 



S«chowerch6w.^^;T^^g^^ 



^ Dawideßiie 



DlB AMFÄNaB DES K. K. STAATSeSSTÜTES RaDAUTZ. 



93 



Tabella 

wie auch ihrer gegenwärtig wirklichen Revenüen-Erträgnis, welche pro aerario zum Nutzen der 
angetragen werden könnten, und zwar 
cLer Fr-vxtDa. 



ZI. i e 


s s 


e ZI 


d. e I^ e TT e 


ZI -C5. 


1 




n 


deren nach vorUufiger Explication schul- 
diger Robotstage 


Wie viele ackerbare Felder and OrQnde zor 
Frnchtbanang vorhanden nnd wie viel Metseu 
naeh Absoblac demjenigen, so die Banem be- 
nutzen, die Herrsobaft anatäen kann 


c 
fl 

J 

tS 

3 
S 

1 

o 

© 
o 

1 

1 

© 


§ 
"So 

© 

fl 

© 

^^ 


•^ Betragen in Geld, den Metzen k 15 kr. 

^ gerechnet 

-« - 


Wie viele Heuschläge und 
auf wie viele Faltschen 
in jedem Ort vorhanden 


Anmerkung 
anderer Neben- 
nutzungen 

Benanntlich 


O 
a 

fl 

P 

17|Tr 


1 

fl 
© 

X3 

C 
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fl 
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1 
1 

B 
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a 
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i fl. jkr 


tu 

111 
iH 


fl 
® 


-fl oj 

J.i 
it 

e © 


Betraget in Geld, die Faltsche 
oder 90 Portions a 2 fl, 
gerechnet 


n. o. 
Metzen 


Metzen 


fl. 'kr 


! 

! 

1824 


200 


1000 


1133 


283 


15 


45 


— 


360 


90 


— 




— 


- 


723 


15 


4480 
3556 


260 


1300 


1473 


368 


15 


30 


- 


240 


60 


— 


1 Teicli in Kitz- 
mann i. 3 J. 800 fl. 
1 Teich in Habri- 
lovce i. 3 J. 400 fl. 


400 


— 


1928 
2067 


15 
30 


2268 






















1 Teich, ertraget 
alle 3 Jahr 800 fl. 


266 


40 


691 


40 


688 


380 


1650 


1870 


467 


30 


200 


200 


3200 


800 


— 


1 Teich, ertraget 
in 3 J. 1800 fl. 


600 


— 


900 


— 


864 






















— 


— 


- 


260 


— 


1120 






















— 


— 


- 


220 


— 


i 

i 1120 


100 


500 


566 


141 


30 


— 


— 


— 


— 


— 


2 T., welche aber 
nicht mitverpacht. 
sind, in 3 J.I 80 fl. 


- 


- 


541 


3€ 


1200 


40 


•2(M • 


226 


56 


30 


300 


300 


4800 


1200 


— 


1 ~" 


— 


— 


1536 

1 


30 


2000 


100 


500 


566 


141 


30 


70 


70 


1120 


280 




1 kleiner Teich, 

ertraget in 3 J. 

20 fl. 


6 


40 


1 
1 
i 828 


10 


19120 


1030 


5150 


5834 


1458 


30 


645 


570 


9720 


2480 




5 Teiche ertragen 
1 in 3 J, 3820 fl. 

1 


1273 


» 


9696 


50 

I 



V Kieseleu. ») Boroutz. ") Kadobestie. 



Digitized by 



Google 



u 



Polek: 









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o X gr e- 


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Was die 




S 

e 
o 

C 


Ortscliaftei) 


der 

Grund- 

herrschaft 


der 

dermalioen 

Pächter 


Wie viel Pwhtschilling jede 
stehenden Ortschaften ihre 
Grundherrn bezahlen 


Juden in jedem Dorf 

und wofür an Arrenda 

bezableu 


11 


haben in Arrenda 


zahlen 
jährlich 
an Geld 


mit 
ohne 


fl. 


kr 


fl. \kr^ 


Vieh 




1 


"ranslatus . . 


7000 


- 


14 Wirtsh., 11 Mülüen ra 
16 Steinen, 67 Falt. Hea, 
einigen Zehent u. Feldbau 


4535 




675364 


Weruzanka») 


Bojar Paskann 
in Jassy 


Ivann Sott 


700 




l Wirtshaus, den Zehent, 

auf 30 MeUen Aussaat u. 

6 Faltschen Heu 


500 


. 


120 40 

1 


Walliowa*) 


Jonaty Motenko 


Administrations- 

Secretarius Mi- 

chalaky 


1 
1 
600 


_ 


1 Wirtsh., 1 Muhl mit 1 
Stein, 17F. Heu, auf 120 
Metz Feldbau u. d. Zehent 


450 





1 
73 


1 

42| 


Waskowetz ') 


Nicolay Rossno- 
wan 


Ivann Miteskul, 
Capitän 


1200 





l Wirtshaus, 3 Mühlen, 
jede mit 2 Steinen 


700 




1 162 


.5?i 















3er 


IBi 


9lte 




Kutschur- 
raare *) 


Kloster Putna 


1 
Administration s- 
Secretarius Mi- 
chalaky 






3 Wirtshäuser und jähr- 
lich 15 Faltschen Heu 


iooo 




200 


i 
60 


Walloka») 


n 


n 






" 






170 


26 


Korrovla«) 


n 


n 






1 Wirtshaus und den 
Zehent 


260 


— 


58 


— 


Molodia 


n 


» 


1200 


— 


1 Wirtsh., 1 Muhl mit 
1 Stein und den Zehent 


350 


,^ 


182 


■J 


Czahor 


Tt 


n 






1 Wirtsh., 1 Muhl mit 
1 Stein und den Zehent 


170 


— 


65 




Ostriza ^ 


n 


n 






2 Wirtshäuser u. 4 Mühlen 
mit 1 Stein 


300 


— 


100 


15 


Mahala 


n 


»» 






l Wirtshaus, 2 Mühlen 
mit 1 Stein, u. den Zehent 


500 


— 


162 


•20 


Hluboka ») 


SUrost Thadeus 
Turkul 


Armener Cajetan 
Theodorowics 


350 


— 


1 Wirtshaus u. den Zehent 
von Tabak 


120 


— 


50 


5<» 


Petroutz 


« 


unterhaltet sol- 
ches selbst Herr 
V. Tnrkul 


500 





1 Wirtshaus, 1 MOhl mit 
1 Stein 


200 





' 96 

i 


_ 






Latus . . 1 


11550 


— 


128 Wirtsh., 24 Mühlen m. 
32 Steinnn, 104 F. Heu, 
einigen Zehent u. Feldbau 


9085 


1 


2113 


703 



Die Anfänge des k. k. StaatsobstOtes Radadtz. 



95 



aa.l««ae3a.d.e Z^e^eaa.'Q.ezx 




1 


nach vorläutiger £xplioiition schul- 
r Itubotstage 


HS 

tut 

£|f| 

m 

im 


s 

3 

S 

1 

% 
f 

0) 

1 

1 


s 

1^ 


Betragen in Geld, den Metzen a 15 kr. 
gerechnet 


Wie viele Heuschläge und 

auf wie viele Falschen 

in jedem Ort vorhanden 


Anmerkung 
anderer Neben- 
nutzungen 

ßenanntlich 




Deren Betrag in Geld 


Summa der ganzen Revenüen-Erträgnis 


Was nach Abncblag der diesfälligen Er- 
fordernis tiir die Untertbanen dem 
Gmndberru frei eigen übriggeblieben 


08 

1 

.2 

H 


Zu dessen Fechs- und Einfüh- 
rung benöthigte Robotstage 


Betraget in Geld, die Faltsche 
oder 90 Portions ä 2 fl. 
gerechnet 




n. 0. 
Metzen 


•s 


Metzen 


fl. 


kr 


fl. 


kr 


fl. 


kr 


fl. !k.| 


19120 

2660 

1840 
6440 


1030 

120 
40 


5150 

600 
200 


5834 

680 
226 


1458 

170 
56 


30 
30 


645 
100 

300 


570 
100 

300 


9720 
1600 

4800 


2430 
400 

1200 




5 Teiche, ertragen 
in 3 Jahren 3820 fl. 

2 Teiche, so wenig 
ertragen u. nur zu 
eigenem Gebrauch 

2 Teiche, ertragen 

alle 3 Jahren 

150 fl. Rh. 


1273 
50 


20 


9696 

1070 

566 
1900 


50 
30 


cLer Fr-CLtli. v | 


7280 
5488 

928 

3200 
1040 
3220 
2912 
2800 

2688 


' 2000 

100 

200 
100 

200 
60 

60 


10000 

600 

1000 
500 

1000 
300 

300 


11333 

666 

1133 
566 

1133 
340 

340 


2833 

141 

283 
141 

283 

85 

85 


15 

30 

15 
30 

16 


' 100 
20 
60 

50 
70 

800 

100 


— 


800 
160 
480 

400 

560 

6400 

800 


200 

40 

120 

100 

140 

1600 

200 


~ 


Vor die allda be- 
findliche Mühl 
zahlet jährl. 4 Duc. 


16 




4033 

457 
753 

311 

400 

923 

1805 

485 


16 

30 
16 

30 
16 


59516 


3910 


19550 


22151 


5537 


45 


2246 


970 


25720 


6430 


- 


7 Teiche ertragen 
i. 3 J. 3970 fl. u. 1 
MOhl jährl. 4 fl. 


1339 


20 


22392 


6 



fwia. *) Ottrica. •; Hliboka. 



96 



Polbk: 









e. 


1 


H 1 e TT o r gr e 


' 


deren nebei 
?m respect. 


1 
Was die , 


•s 


Ortschäfteo 


3Sra.zxiezi 
der 
Grund- 
herrschaft 


der 

dermaligen 

Pächter 


Wie viel Pachtschilliug jede 
stehenden Ortschaften ilm 
Grundherrn bezahlen 


Juden in jedem Dorf 
und wofür an Arrenda 

bezahlen i 


ä 

II 

^ 1 


haben in Arrenda 


zahlen 
jährlich 
an Geld 




§1 










1 fl- 


kr 




fl. Ikr 


Vieh ! 






IVanslatus . . 


11550 


- 


28 WirlHh.724 Mühlenm. 
32 Steinen, 105 F. Heu, 
einigen Zehent u. Feldbau 


9085 


i 


2113 


703' 


Gorgye»tie *) 


Kloster Dragomie 


Jonati Kodresko 


50 


— 


- 


— 


— 1 




Czerepkoutz 


Kloster Slatina im 
Türkischen 


» 


80 


— 


2 Wirtshäuser 


100 


1 


1 
50 16* 


Obreschan *) 


Klos .er Moldovice 


Armener Stephan 
et Ursul 


100 


— 


1 Wirtshaus, 1 Mühl m. 
1 Stein und dem Zehent 


100 


— 


1 
27 17| 


Rogosche- 
stie ») 


Joniza Cantoko- 

sonna, Iwornik in 

Jassy 


r> 


180 





1 Wirtshaus und dem 
Flachszehent 


190 


i 
i 

-i 


21 21 


Boschanze *) 




Popp Magary 






2 Wirtshäuser 




1 


176 24 


ügyestie *) 


Metropolit von 
Jassj 


1200 


— 


— 


390 


1 


160 40 


Trebulestie«) 


Klofiter Putna 


haltet derCaluger> 
selbst, voriges J. 
Herr Kitt. Nagel 






1 Wirtshaus und 20 F. 
Heu 


80 


1 


80 40 


Kamenka 


n 


n 


450 


— 


1 Wirtshaus und 6 Fal- 
tschen Heu 


50 


— 


50 16 

j 


Szutzaven '') 1 


n 


n 






1 Wirtshaus 


15 


~i 


1 
20', 7 


Kupka 


ji 


n 






l Wirtshaus und dem 
Zehent 


70 


J 
i 


1 

! 

40 - 

1 




Sonima . . .13610 

11 


1 


38 Wirtsh., 25 Mühl. mit 

33 St , 131 Faltsch. Heu, 10080 ~ 

einigen Zehent u. Feldb. | 


2737884 


3621 



Sigl. Kitz mann den 29ten Novembris 1779. 



») Jordanestie. *) Opriszeny. ') Kogozestie. *) Bosancze. *) üidesti. •) Tereblestie. ^ Suc&awenjr. 



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Die Anfäkoe des k. k. Staatsgestütes Radadtz. 



97 



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1 


Wie viele HeuschJäge und 
auf wie viele Faltschea 
in jedem Ort vorhanden 


Anmerkung 

anderer Ne)>en- 

nutzungen 

Benanntlich 


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Was nach Abschlag der diesfalligen Er- 
fordernis für die Untertbanen dem 
Grnndberru frei eigen übriggeblieben 


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II 


Zu dessen Fechs- und Einfüh- 
rung benöthigte Robotstage 


3s 1 Betraget in Geld, die Faltsche 
oder 90 Portions ä 2 11. 
^~\ gerechnet 




n. 0. 
Metzen 


TS ' 


Metzen 


fl. 


kr 


1 

59516' 


3910 


19550 


22151 


5537 


45 


2245 


970 


25720 


6430 




7 Teiche ertragen 
in 3 J. 3970 tl., 1 
Mühljährl.4Duc. 


1 

1339 


20 


1 
22392 


5 


- 


400 


2000 


2266 


566 


30 


1000 


— 


8000 


2000 


- 


— 




— 


2566 


30 


IH48 


200 


1000 


1133 


283 


15 


,200 


- 


1600 


400 


— 


— 


- 


- 


783 


15 


704 


40 


200 


226 


56 


30 


150 


— 


1200 


300 


- 


— 


— 


— 


4:)6 


30 


1176 


14 


70 


73 


18 


15 


150 


— 


1200 


300 


~ 


— 


— 


— 


508 


15 


5600 


200 


1000 


1133 


283 


15 


300 


- 


2400 


600 


_ 


— 


- 


— 


1273 


15 


5600 


40 


200 


226 


56 


30 


10 


— 


80 


20 


_ 


— 


- 


- 


76 


30 


1 
3360 

1 


60 


300 


340 


85 


— 


50 


— 


400 


100 


— 


— 


— 


— 


265 


— 


1848 


, — 


— 


— 


— 


— 


100 


— 


800 


200 


— 


— 


- 


- 


250 


— 


840 

1 


— 


- 


— 




— 


— 


— 




- 


^'i 


- 


- 


15 


— 


640; 




- 


— 


— 


— 


— 


- 


- 


— 


— ll — 


- 


— 


70 


- 


r 

8113-2 


4864 


24320 


27548 

1 


6887 




4205 
— 517 


970 
5 


41400 


10350 

1 


1 


.7 Teiche ertratren' 
in 3 J. 3970 H., 1, 
,Mühljährl.4Duc., 


1339 


1 

•20i 

1 


1 
28656 


20 



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Gbogle 



98 



POI.BK: 



Recapitulation 

der in vorstehender ökonomischen Tabella aasgewiesenen Bevenuen-Ertragnis. 



a 1 s 


Specifice 


Summariter 1 


fl. kr. 


fl. 


kr 


Der jährliche Pachtschilling ertraget .... 




— 


13610 


— 


Hierauf gehet ein 










an Schank- und Mühlenarrenda, dann einigen Zehent 


10080 


— 


— 


— 


für erbauet werdende 27548 n. 0. Motzen Haber k 15 kr. 
gerechnet 


6887 


— 


— 


— 


für gemacht werdende 2175 Faltschen Heu pr. 90 Por- 
tiones k 2 fl 


10360 


— 


— 


— 


an anderen Nebennutzungen 


1339 


20 


— 


— 


Summa der Revenüen-Erträgnis 


— 


— 


28656 


20 


obstehenden Pachtschilling hievon abgezogen mit 


— 


- 


13610 


— 


verbleibt an klarem Nutzen 


— 


— 


15046 


20 


Für diese werden gratis erlangt 5175 Faltschen Heu nebst 
Streustroh und hingegen abgezogen an Geld 


— 


— 


10350 


— 


womach auf Besoldung deren zu Besorgung der Pachtgüter 
angestellt werden müssenden Beamten, denen verlas- 
liehe Unterofficiers und Oemeine von Seiten des Be- 
rn ontierungscommando beigegeben werden, und zu an- 
deren, nicht vorhersehen könnenden Ausgaben erübrigen 




— 


4696 


20 



Ausweis deren Kobotstagen 


Tage 1 


Speci6ce 


Summariter 


An Robotstagen sind die Unterthanen nach eingangs ersicht- 
lichen Explication berechnetermassen schuldig 

Diese werden verwendet 
zu Bebauung der Felder auf 4864 n. 0. Metzen Aussaat 

zu Machung deren obigen 5175 Faltschen Heu 

Werden annoch erübriget und können zum Stallbau und an- 
deren verwendet werden 


24320 
41400 


81132 

65720 
15412 



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DiB Anfänob des k. k. Staatsobstütes Radautz. 



99 



Ausweis 

Wie viel Haber- Dod Henportiones fQr 1500 Pferde jiUirlicli erfordert werden, was hierauf 
erbauet werden kann und folglicben annoch zu erkaufen wäre. 



als 



Haber- 



Heu- 



PorUones 



Die jährliche Erfordernis fiir 1500 Pferde pr. 365 Tage ist. . 

Hievon kommen abzuziehen für 500 Pferde, welche den Sommer pr. 
6 Monat oder 180 Tage auf «He Weide gehen .... 

Verbleibt an Erfordernis 

Hierauf werden vermog Recapitulation erbauet 27548 n. ö. Hetzen 
Haber und 5175 Faltschen Heu 

mithin wird erübriget 

hingegen wären annoch zu erkaufen 



547500 



90000 



457600 



220384 



237116 



I 



547500 



90000 



457500 



465750 



9250 



Aus vorstehender Recapitulation ist also ersichtlich, dass jährlich auf 1500 Pferde das 
Heu ganz gratis und 27548 n. ö. Metzen Haber, deren jeder ä 15 kr. angerechnet wird, erbauet 
werden können. 

Bei denen berechneten jährlichen Kobotstagen, welche zwar in ein und anderen Rubriken 
etwas knapp, hingegen in anderen wieder desto reichlicher angesetzet worden, so dass sich 
solche ausgleichen, muss angemerket werden, dass in denenjenigen Ortschaften, wo der Zehent 
dem Juden mitverarrendieret ist, nicht 28, sondern nur 16 Tage Robot angerechnet, mithin 
12 T&ge für den Zehent abgeschlagen worden. 

Femers kommt noch anzumerken, dass des grösseren Nutzens wegen nöthig ist, auf 3 
Jahre zu pachten, weilen der Nebennutzen jahrweise nicht beigelassen wird, widrigens ansonsten 
diese Rubrik ganzlich wegfiele. 



XLI. 

Ex t r a et 



aas dem von dem siebenbUrgischen Generalcommando eingereichten Rapporten über die dort- 
landes abgehaltene Pferdmärkte und den durch die Officiers bewirkten Einkauf. 

Orig. (K.-A. IL S. 1780—43-380.) 

Pferdmarkt zu Csik-Szereda und Kronstadt. 
Vermög Rapport des Kalnocki'schen Rittmeisters Mosatics seien daselbst keine zu Re- 
luonten taagliche vorgefunden worden. Die meisten Pferde wären von sehr kleinem Schlag, bis 
30 Stück zu 14 Faust und nur 3 remontenmässige, jedoch mit Defecten behaftete, vorhanden 
gewesen. 

Marus Vasarhely. 
Vermög Rapport des 8avoy*schen Oberlieutenants Uhl seien allda 21 diensttaugliche 
Pferde, die meisten hievon aber zu jung, vorhanden gewesen und von einem Kalnocki'schen 
Wachtmeister 2 sechsjährige Chevauxlegerspferde, jedes pr. 18 Ducaten, und ein Husaren pferd 
ä 17 Ducaten erkaufet worden. Es seie Hoffnung, künftighin mehrere Pferde zu überkommen, 
jedoch wäre von den herrschaftlichen Gestüten kein Pferd auf den Markt gebracht worden. 



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100 Polek: 

Thordae. 
YenuiSg Rapport des Savoy'schen Oberlieutenants Uhl ist der gante Markt aus schlechten 
Bauempferden bestanden und von allen nur etwelche zu Chevauxlegers taugliche vorhanden 
gewesen, welche aber wegen den allzu hohen Preis nicht erkaufet worden seien. 

Sepsi St. Gyorgy. 
Yermi^g Rapport des Kalnockischen Rittmeisters Mosatics ist allda kein taugliches Re- 
montapferd angetroffen worden. 

Reteck und Csik-Szereda. 
Verniög Rapport des Savoy^echen Oberh'eutennnts Uhl und Kalnockischen Rittmeisters 
Mosatics seien zu Reteck in allem 9 Stuck Pferde von einem guten Schlag vorhanden, die 
übrigen aber alle abgenutzt und veraltet gewesen, wegen welchen Ursachen denn auch kein 
Remonta allda erkaufet worden wäre. Man habe wenig Hoffiiung, im künftigen Jahre mehrere 
taugliche Pferde anzutreffen, weilen sehr wenig junge im Vorschein kommen. Auf dem in C*ik- 
Szereda fürgewesten Jahrmarkt hingegen seie kein einziges zum Remonta taugliches Pferd vor- 
handen gewesen. 

Szamoss Ujvar. 
Vermiig Rapport des Savoy'schen Oberlieutenants Uhl habe sich auf dem ganzen Jahr- 
markt kein einziges zu einem Remonta taugliches Pferd vorgefunden, weder seie Hoffnung, auf 
künftiges Jahr etwas Vortheil hafte res zu bekommen. 

Clausenburg. 
Verniög Rapport des Savoy'schen Oberlieutenants Uhl seien auf dem ganzen Markt nur 
2 Stück Pferde vorhanden gewesen, welche, wenn sie nicht im Preis Qbrtrieben gewesen wären, 
zu Husarenrcmonten hätten gebraucht werden ktlnnen. Es lasse sich auch ins künftige wenig 
Besseres versprechen, wenn nicht mehrere GestiUpferde auf den Markt gebracht werden. 

Bistritz. 
Vermag Rapport des Savoy'schen Oberlieutenants Ubl seien auf diesem Markte über 
1000 Pferde vorhanden gewesen, jedoch wegen ermangelnder Tauglichkeit keines erkaufet worden, 
und es lasse sich auch künftighin wenig Besseres anhoffen, da bishero roeistentheils fehlerhafte 
und von der kleinsten Gattung Pferde auf die Märkte gebracht werden. 

Fogarass. 
Vermög Meldung des Kalnockischen Rittmeisters Mosatics haben sich zwar einige 14f&a- 
stige Pferde allda vorgefunden, jedoch seie wegen überstiegenen Alter keines hievon zum Re- 
monta angenommen worden ; es stehe aber dennoch zu hoffen, dass in künftigen Jahren mehrere 
taugliche l*ferde im Vorsehein kommen werden. 

Hermannstadt. 
Vermög Rapport des Kalnockischen Rittmeisters Mosatics seie nur ein einziges Pferd für 
tauglich erkennet unb für ein Husarenremonta assentiert worden. 



XLII. 

General Baron Enzenberg an das galiz. Generalcommando. 

Orig. (K.-A. n. S. 1780—43—380.) Sucevice, ») 28. August 1780. 

Ich würde die hohe Generalcommando-Verordnung vom 20ten Mai a. c. in Belang des 
Remontageschäfts . . . schon längstens . . . beantwortet haben, so nicht vor not big erachtete, 
bevor und umsomehr mit dem Herrn Rittmeister v. Cavallar mich zu benehmen und von ihme 
in die Gewissheit gesetzet zu werden, ob er die Verpflegung deren Remonten seibat besorgen. 
oder ob er diese Verpflegung aus denen k. k. Magazinen empfangen wolle. Da er dann nun 
retoumieret und sich dahin geäussert, dass er sein Remontageschäft Selbsten verpfl^^en wolle. 

*) Suczawitza. 

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Die Anfänge des k. k. Staatsgbstütes Radaütz. 101 

Es ißt die Frage vorzüglich, inwieweit es respectu des Habers, Heu, Streustroh, Hut- 
weide, Bi^nunkosten, Stallbeleuchtung und -Requisiten, dann der Vorspann es seine Richtig- 
keit habe. 

In Belang des Haber so wird Herr Rittmeister jederzeit, ausgenommen in gar sehr grossen 
Fehljahren solchen in der Buccowina um einen sehr billigen Preis aufbringen; in Betreff des 
Heues aber stehet doch zu besorgen, mit solchem schwer aufzukommen, als bekanntermnssen die 
Viehzucht der einzige Buccowiner Nahrungszweig ist, a proportione des vielen Viehes der Heu- 
überflass nicht bestehet und die täglich zunehmende Ansiedlung in der Folge auch die Heuerzeu- 
gung sehr verringern wird. Dermalen annoch ein, bOchstens zwei Jahre durfte, um 1000 Pferde 
mit Heu zu unterhalten, nicht sonderliche Schwierigkeit entstehen, in der Folge aber wird sehr 
schwer diese Anzahl Pferde mit Heu mittelst ohngezwungenen Ankauf unterhalten werden 
können. In Belang des Streustroh wird sich in der Zukunft kein Anstand ereignen, massen, 
sobald das Remontacommando in der Buccowina den Haber ankaufet, auch die Agricultur 
mehrer zunehmen, folglichen auch Stroh zu überkommen sein wird. Mit der Hutweido dürfte 
es Anstände geben, und schwer und umso weniger wird die Hutweide und Gebirgsweide in 
Bestand ohne Zwang zu überkommen sein, als die Menschen und folglichen auch das Vieh zu- 
wachset und ohnehin actu aus Abgang der Gebirgs- und Hut weide eine grosse Menge Vieh 
bekanntermassen aus der Buccowina nach der Moldau auf die Grasweide überführet wird. In 
Belang der Bauunkosten kommet es bloss darauf an, ob die erforderlichen Hand- und Fuhr- 
roboten hierzu gegen Bezahlung von der Obrigkeit beordert und wie hoch ein Handlanger und 
wie hoch ein Fuhrrobot mit 2 Ochsen auf den Tag bezahlet werden sollen. Ausserdeme und 
wenn es dem Buccowiner freistehet, ob er gegen bestimmte Bezahlung arbeiten könne oder 
nicht, ißt zu besorgen, wie man keine Roboten ausser gegen grösseren Lohn wird Oberkommen 
können. Meine unmassgebliche Meinung wäre, in Betracht dass die Stallerbau- und Reparie- 
rung ein aerarischer Gegenstand ist, der Landmann hierzu und zwar dergestalten beorderet 
werden könnte, dass ihme vor eine Handrobot 9 kr. und vor eine mit 2 Ochsen bespannte 
Fuhrrobot 16 kr., vor eine mit 4 Ochsen bespannte Fuhr umsomehr das Doppelte solle auf die 
Hand bezahlet werden, als der Landmann mittelst Bezahlung des Heugulden allschon auch sich 
von allen Roboten reluieret hat. 

Mit der Vorspann scheinet aber, dass dieser Gegenstand einer andern Betrpchtung unter- 
liege. Nachdeme das Land mit den Heugulden, so doch nebst dem Service- und Strohgeld sich 
von allem loskaufet, und diese Heureluierung ein Jahr in das andere bis 22.000 fl. und mehr 
abwerfen wird, folglichen von allem andurch, was das Remontacommando Belästigungen verur- 
sachen mag, sich loskaufet, die zu dem Remontagescbäft aber unzählbare Fuhren ohnausgesetzt 
benöthigt werden, und solche als Vorspann anzurechnen eben in Betracht der Reluierung un- 
billig wäre, so wäre der unmassgeblichen Meinung, dass das Remontacommando keine Vorspann 
anverlangen, sondern die Fuhr per Tag mit 6 kr., was in der That ohnehin wenig ist, auf den 
Tag be^ablen oder dem Remontacommando ganz überlassen sein sollte, wie es wolle oder könne. 
sich selbst die Handlangers und Fuhren zu accordieren. 

Wann dann die von dem Herrn Rittmeister v. Cavallar in der Berechnung aufgefuhret 
und sodann wiederum abgeschlagen werdende 5 Posten so 41588 fl. 12 kr., dann die ohnent- 
geltUche Abgabe der Gebrauchpferden, welche, wann sie auch ausgemustert, doch pro aerario 
plus licitanti hintangegeben werden, nicht mit in den Kostenüberschlag zu nehmen verdienen, 
so bin auch der gehorsamst und unzielsetzlichen Meinung, dass ein öjähriges.Remontapferd, be- 
sonders in Friedepszeiten, sehr leichte vor 103 fl. 47Vio ^r. wird angeschaffet werden mögen, 
besonders die sammentliche Mannschaft, die zur Wartung der Pferde bestimmet wird, nicht in 
Betrachtung gezogen wird. 

Szucewice, den 28. August 1781. 

Enzenberg, 
GM. 



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102 Polek: 

XLIII. 

Vortrag des Hofkriegsrathes. 

Orig. (K.-A. II. S. 1780-43-380.) Wien, 14. October 1780. 

Wie es sich . . . aus dem zur Allerhöchsten Einsicht hier angebogenen Extract der seit- 
hero eingelangten Rapports veroffenbaret, sind sehr wenig ^ugliche Pferde auf diesen Märkten 
angetroffen und jrne, welche die erforderliche Tauglichkeit gehabt hätten, zu thcuer geboten, 
dahero in allem nur 2 Chevauxlegers- und 2 Husarenpferde bis nunzu erkaufet worden. 

Da es aber nothwendig ist zugleich fUrzudenken und sohin die Modalität festzusetzen, 
wie in Friedenszeiten die nach Erfordernis des Dienstes benöthigte leic!ite Iferde beigeschaffet 
werden mögen, so nimmt man sich die allehrbietigste Freiheit, Euer Majestät folgenden Vor- 
schlag ... zu submittieren. 

Aie Anschaffung der leichten Pferde in der Buccowina, wie solche bishero geschehen ist, 
wird noch so lange nothwendig bleiben, bis man in Ungarn und Siebenburgen mehrere der- 
selben durch den eigenen Ankauf aufzubringen vermögend sein wird. 

Es ist hier von daruroen bloss die Rede von <}em eigenen Ankauf, weil . . . Euer Ma- 
jestät in der über den hofkriegsrnthlichen Vortrag vom 23. März dieses Jahrs geschöpften 
.Allerhöchsten Resolution unter andern ausdrUckÜch verboten haben, sich in Friedeuszeiten der 
Lieferanten zu gebraueben. 

Die Nebenunkösten des Cavallarschen Remontierungscomraando nebst der Fourage machen 
jedes unter der Obsorge des Rittmeistern Cavallar stehende Pferd im Preise namhaft steigen 
und da laut obiger Aeusnerung des Generalmajors von Enzenberg nach einem Paar Jahren das 
erforderliche Heu und die Weide für diese Remonten in der Buccowina wegen der immer mehr 
zunehmenden Anzahl von Einwohnern nicht mehr zu haben sein soll, folglich das Commando 
nicht für beständig beibehalten werden dürfte, so wäre damals, wann solches eingestellet und 
nicht etwan den Regimentern, wie es sonst geschehen ist, der eigene Ankauf ihrer Remonten 
überlassen werden sollte, ein Stabsofficier oder Rittmeister zur Besorgung des Remontaankaufes 
in Gallizien anzustellen, der den Markt in Brody zu besuchen und die Armenier, deren sich 
Cavallar dermalen bedienet, beizubehalten hätte. 

Es könnte hierzu umsomehr der Rittmeister Cavallar selbst gewidmet und allenfalls mit 
dem angesuchten Avancement zu einem in Gallizien liegenden Regiment übersetzet werden, ab 
er die dortigen Gegenden am besten kennet, wo die meisten und tauglichsten Pferde zu be- 
kommen sind. Zu jeder Uebernahm hätten ihm die in Gallizien liegende Regimenter die be- 
nöthigten Commandierten mitzugeben und die gebührenden Zulagen aus denen Regimentsunkosten 
zu erfolgen, wodurch sodann das allerhöchste Aerarium die dermaligen bei dem Commando in 
der Buccowina vorfallenden Nebenunkösten, als: Gebrauchpferde, Beschlag, Halfter, Stricke, 
Medicamenten, Stallrequisiten, Diäten und Zulagen, die kostbare Erbauung der Stallungen und 
derselben Unterhaltung, Schreibmaterialien, Postporto, Extraordinarien und nebst diesen die 
F'ourage für 1000 uneingetheilte Pferde ersparen würde. 

Es belaufet sich die Remontaerfordemis jährlich auf H80 (Jhevauxlegers- und auf 1400 
Husarenpferde. Zu Ergänzung dieser Anzahl hätten die 4 Chevauxlegersescadronen von den 
beeden Carabinierregimentern, dann die in Gallizien selbstliegende 3 Chevauxlegers- und 4 Hu- 
sarenregimenter ihre Remonten aus der Buccowina, 2 Chevauxlegers- und 8 Husarenregimenter 
aus Hungam, dann ein Chevauxlegers und ein Husarenregiment aus Siebenbürgen zu nehmen, 
womach dann 

aus der Buccowina 480 Chevauxlegers- und 700 Husarenpferde 
„ Ungarn 270 „ „ 525 „ 

„ Siebenbürgen 130 „ „ 175 „ 



angeschaffet würden. 



800 Chevauxlegers- und 1400 Husarenpferde 

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DiB Anfänöb des k. k. Staatsgestütbs Radautz. 103 

Jedem Chevauxlegers- und Husarenregipent wäre sein District) wo selbes den Ankauf zu 
besorgen hätte, anzuweisen, welches von dämmen nöthig ist, damit nicht mehrere Käufer sich 
in einem und dem nämlichen District einfinden und sich also selbst die Preise der Pferde ^ 
vertheuern. 

Ebendahero aber, weil ein Regiment in den District des andern nicht gehen durfte, 
hatten die Chevauxlegers allemal auch die in ihrem angewiesenen Bezirk vorhandenen dienst- 
taugliche Husam- und die Husamregimenter zugleich Chevauxlegersremonten anzukaufen, doch 
so, dass letzteren die Beibehaltung der Chevauxlegersremonten ausdrücklich dabei untersagt bliebe. 

Die, obschon filr andere Regimenter erkaufte Pferde hätte sodann jedes Regiment zwar 
für sich zu assentieren, nachher aber so, wie es der Hofkriegsrath anordnen wurde, an andere 
zu transferieren, zu welchem Ende alle Monate die Rapports einzureichen wären, worin die 
erkauften Pferde mit Unterscheidung der chevauxlegers- von den husarnmässi^en zu erschei- 
nen hätten. 

Zum Ankauf hätte jedes Regiment ein beständiges Conimando zu widmen, und obzwar 
das Haddikische Regiment in Gallizien stehet, so könnte selbes dennoch bei dem Kauf in 
Ungarn mitwirken. 

Zur Sicherheit, dass keine aus Mangel des Masses für den Dienst unbrauchbare Pferde 
Obemommen werden, wäre das Mass, von welchem man während dem Krieg Jn etwas abge- 
wichen iBt, neuerdings bekannt zu machen, nämlich dass 

ein 3jähriges Chevauxlegerspferd 14 Faust 2 Zoll 

n 5 n n 15 „ — „ 

ein Sjähriges Husarenpferd 14 „ In 

. 4 n .« 14 „ 2 „ 

n 5 „ „ 14 „ 3 „ 

haben müsse. 

Die dermaligen Preise könnten einsweilen bleiben, nämlich 

in Ungarn ein Chevauxlegerspferd 17 :^, für ein Husarenpferd 15 ^ 

n Siebenbürgen „ „ 18 „ , „ „ 18 „ 

„ Gallizien „ „ 19 „ „ „ „ 15 „ 

Da aber hei dem für Ungarn ausgesetzten geringeren Preis meistens 3jährige aufge- 

suchet werden dürften, so wäre festzusetzen nöthig, dass kein Commando mehr als das Drittel 

derlei 3jahrigen Pferde zu kaufen befugt sein solle. 

A. G. V. Hadik. 



XLIV. 

Joseph IL an den Hofkriegsraths-Praesidenten Grafen Hadik. 

Qrig. (K..A. II. 8. 1780—43—380.) Wien, 25. October 1787. 

Lieber Feldmarschall Hadik ! Ehe ich über die künftige Rimontirung der Chevauxlegers- 
und Hnsarenregimenter meine EntSchliessung ertheile, gebe ich dem Hofkriegsrath meine Ge- 
danken hierüber mit, dass im Fall er etwa ein oder andern Orts ein Bedenken finden sollte, 
derselbe die diesfällige Anzeige bejbringe und Mir seine Meynung cum reproductione dieses 
V^ortrags gutachtlich heraufgebe. 

Weil der Hofkriegsrath den Einkauf der Rimonten Regimenter- und districtsweise besor- 
gen lassen will, so folgt nothwendig hieraus, dass in einem District sowohl Chevauxlegers- als 
auch Hnsarenpferde vorhanden sind, ein Husaren regiment den Einkauf nicht allein von Hu- 
saren-, sondern auch von Chevauxlegerspferden und vice versa nach seinem Antrag l>esorgen 
muas. Es ist aber leicht vorauszusehen, dass ein Chevauxlegersregiment mit dem Ankauf des 
Hnsarenregiments nicht zufrieden sein wird, und dieses zu billigen oder unbilligen Klagen und 

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104 PoLKK : 

Beschwerden Anlass geben wird. Um dieses zu vermeiden, wird wohl nichts besseres nein, als 
wenn Chevnuxlegerspferde von Chevauxlegers und Husarenpferde von Husaren oingekaufet und 
darzu solche Commandi, die aus Husaren und Chevauxlegers vermischt bestehen, aufgestellt 
werden, wovon 1 in Siebenbürgen und 2 in Hungarn, deren jedes aus 1 Officier von den 
Chevauxlegers und 1 Ofticier von den Husaren nebst den hiezu gehörigen Unteroföciers, Schmied 
und übrigen Mannschaft zu bestehen hätte, zu stehen kommen müsste. Diese hätten zur ge- 
hörigen Zeit die Pferdmärkte und Gestüte zu besuchen und dasjenige, was sich zum Ankauf 
tauglich vorfindet, und zwar der Officier von den Chevauxlegers chevauxlegersmnssige und der 
Husarenofficier husaren massige Pferde einzukaufen. Die eingekauft werdende Pferde mussten 
alsdann, um nicht uneingetheilte Pferde führen zu dürfen, für da8Jenige Cavallerie-, es seie 
Curassiers-, Dragoner-, Chevauxlegers- oder Hnsarenregiment assentiert und demselben zur Wart- 
und Pflegung zugeschickt werden, welches dem Ort des Einkaufs am nächsten liegt. 

In 80 weit dieser Gegenstand hauptsächlich Gallizien betrifft, da kann es diesfalls einst- 
weiten, und solange bis die Verpflegung der Rimonten in der HukowinaJ sich nicht mehr thnn 
lässt, bei demjenigen verbleil>en, wie es bishero in BetreflT der Hcrbejschaffimg der leichten Ri- 
monten unter der Aufsicht des Rittmeisters Cavallar geschehen ist. Sobald aber die Unistande 
in der Buccowina die Verpflegung der Rimonten daselbst nicht mehr zulassen, so wird alsdann 
in Galli/ien das nämliche mittelst einem aus Chevauxlegers und Husaren zusammengesetzten 
Commando, wie in Hungarn und Siebenbürgen zu veranlassen sein, und da dem Rittmeister 
Cavallar ohnehin die dortige (legenden, Märkte und übrige Umstände seit so langer Zeit her, 
als er in diesem Geschäft verwendet worden ist, am besten bekannt sein müssen, so wird es 
auch am sicherst und rathlichsten sein, ihm die Aufsicht über dieses vermischte Commando mit 
der oben angeführten Belehrung zu ül>ertrageu, da im Ganzen immer der richtige Bedacht ge- 
nommen werden muss, so viel leichte Rimontapferde^ für Chevauxlegers und Husaren im Vor- 
rath, seie es in der Buccowina oder vertheilter in Hungarn, Siebenbürgen und Oallizien, zu 
haben, um bei entstehendem Krieg gleich mit selben den vermehrten Kriegsstand in diesen 
leichten Truppen beritten machen zu können. 

Wegen Avancement des Cavallar erwarte noch den hierüber mir das Ganze zu macheu. 
den Vorschlag. 

Joseph Corr. 



XLV, 

Galiz. Generalcommando an den Hofkriegsrath. 

Orig. (K.-A. H. S. 1781—43—32.) Lemberg, 5. Jänner 1781. 

Eine hohe Instanz geruhete mittels des hohen Decrets ddo 29. Octobris et praes. 17ten 
Novcmbris erst verflossenen Jahrs aus Anlass des Allerhöchsten Entschluss Sr. kaiser). königl. 
Apostol. Maiestät, womach zu Completierung der leichten Cavallerie auf den Kriegsfuss eine 
Anzahl von 7000 Remontapferden in Hungarn, Siebenbürgen und Gallizien vertheilet werden 
solle, von dem hierländigen Generalcommando die Auskunft abzuforderen, wie viel dergleichen 
Remonten gegenwärtig in der Buccowina Platz hätten. 

Da ein das anderweite ebenfalls vom 21Uen Octobris a. p. erlassene hohe Decret die 
weitere Allerhöchste Entschliessung dahin zu vernehmen gegeben hat, dass zur Zeit, wann der 
von dem Herrn General Baron Knzenberg angezeigte Heumangel sich bestätigen sollte, der 
Ankauf der Pferden hierlnndes auf die nämliche Art, wie es in Hungarn angeordnet worden, 
unter der Direction des Rittmeisters Cavallar, jedoch mit dem Unterschied eingeleitet werden 
solle, dass nicht, wie in Hungarn, zwei, sondern nur ein Commando aus ein Chevauxlegers- und 
ein Husarenoflicier und beederseitigen Coraniandierte in Gallizien zu stehen komme, so habe 
ich für nöthig befunden den Rittmeister Cavallar anher zu berufen und die Art und Weise, wie 



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Die Anfänge des k. k. Staatsgestütes Radaütz. 105 

diese zweifache Allerhöchste Gesinnung am besten erfüllt werden möge, commiqsionaliter in 
Cberlegung zn nehmen. 

Nach dem Inhalt des erst angezogenen zweiten hohen Befehls solle der in Hungarn und 
Siebenbürgen angeordnete Remontaeinkauf nur alsdann auch hierlandes unter der Direction des 
Rittmeister Cavallar eingeleitet werden, wenn der vom Herrn General Br. Enzenberg im Sep- 
tember vorigen Jahrs besorgte Heumangel sich wirklich bestätigen sollte. Nun bin ich nicht nur 
allein von dem Gegentheile dieser Br. Enzenberg'schen Anzeige während meiner im Novembri 
vorigen Jahrs in der Buccowina gemachten Keise durch den Augenschein überzeugt worden, 
sondern es hatte auch schon damals der Rittmeister Cavallar auf 1200 Pferde die Heuerfor- 
demiH für das ganze erst eingegangene 1781te Jahr, die Portion k P/s kr., und die Erfor- 
dernis an Haber bis Ende März, die Portion ä 27i6 ^i*- angeschaffet. Es versicherte auch ersagter 
Kittmeister sowohl mit den übrigen pro 1781 auf 1200 Pferde noch erforderlichen Haber als 
Überhaupts mit der Fourage für eine grössere Anzahl Pferde aufzukommen, ohne dass diesert- 
halben die mindeste Beschwerden von dem Land zu befahren sein werden. Bei dieser Beschaf- 
fenheit dürfte es also nach dem Sinn vorberührter Allerhöchster Resolution hierlandes von der 
in Hangam angeordneten Bemonteneinkauf wieder abkommen; in der Erwägung aber, dass an 
der auf den Kriegsfuss erforderlichen Anzahl von 7000 Pferden durch den eigenen Einkauf in 
Hungarn et annexis provinciis nicht so leicht 2- oder 3000 Pferde von der vorgeschriebenen 
Ma» und Fähigkeit aufzubringen sind, unterfanget man sich. Einem hochlöbl. k. k. Hofkriegs- 
lath mit dem unmassgebigsten Vorschlag wegen Unterbringung einer zu Oompletierung des 
Kriegsfuss erforderlichen Anzahl leichter Cavalleriepferde auch jenen zugleich vorzulegen, wie 
der gröflste Theil dieser Kriegserfordemis am leichtesten und geschwindesten aufgebracht wer- 
den könne. 

Die eigene Remontierung der Regimenter kann alsdann, wann sie inner den Erblanden 
vorgenommen würde, an sich sehr viele Vortheile für den Dienst und das allerhöchste Aerarium 
haben. Denn das Ungemach, welches die Regimenter durch den eigenen Einkauf der Pferden 
and durch die Verrechnung der diesfälligen Kosten haben, wird durch den Vortheil überwogen, 
welcher ihnen von daher zugehet, dass sie alsdann keine Ursache mehr haben, sich über ihre 
Pferde zu beklagen. Weil aber die inländische Pferdezucht derzeit noch nicht so beschaffen 
ist, dass man daraus leichte Cavalleriepferde, wie sie der dermalige Dienst erforderet, nach den 
Tausenden ziehen könue, so ist doch kein anderes Mittel, als den Abgang an leichten Caval- 
leriepferden wie bisher aus fremden Landen einzukaufen; denn so eine grosse Menge Pferde 
es hierlandes gibt, so sind doch sehr wenige darunter, die zu unserem Cavalleriedienst taugen, 
und die wenige dienstbare Pferde in einem übertriebenen hohen Preis. 

Einer hohen Instanz sind die Vorzuge des bishero von dem Rittmeister Cavallar besorgten 
Remontaeinkauf am besten bekannt; ja 8e. Maiestät Selbsten haben darüber ihre allerhöchste 
Zufriedenheit erkennen zu geben geruhet. 

Bei einer solchen Überzeugung kaun das Generalcommando nicht wohl irregehen, wenn 
das^lbe auf die Fortsetzung des Cavallarischen Remontaeinkauf unterthänigst einrathet. 

Man misskennet nicht, dass, je stärker der Einkauf der auswärtigen Pferden betrieben, 
umso inehrere Barschaft dem inländischen Geldumlauf entgehet. Man stellet sich auch vor, 
dass von ein- cder anderem Cavallerieregiment Klagen wider die Cavallarische Remonta vor- 
kommen werden. Dem ersten und nothwendigen Übel kann derzeit nur der Wunsch zu einer 
ergiebigeren inländischen Pferdezucht begegnen, hingegen die Klagen über die den Remonten 
Kustossendeu Krankheiten oder Defecten dadurch grösstentheils, weil Pferde wie andere Crea- 
turen ungefähren Zufallen ausgesetzet sind, vorgekommen werden, wann sich bei der Unterbrin- 
gung, Wart- und Futterung der Pferden nach der vom Rittmeister Cavallar hinausgegebenen 
Bemerkung benommen würde. Sollte aber auch unter den im letzten Krieg erkauften mehreren 
Tausend Pferden ein oder andere etwas unter der Mass sich vorgefunden haben, so wird die 
Zahl sehr gering und die Pferde dennoch brauchbar ge weben sein. 

Die Unterkunft einer gewissen Anzahl von den auf den Kriegsfuss erforderlichen 7000 
Pferden kr>nnte hierlandes und in der Buccowina für beiläufig 3000 Pferde verschaffet werden, 
ond zwar 1500 in die Buccowina und 1800 in Gallizieu und Lodomerien. 



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Jtoogic 



106 Polek: 

Von de^en in der Buccowina angetragenen 1500 Pferden wären 1000 Stück in den theils 
vorhandenen und theils noch zu erbauenden Stalhingen aufzustellen und 500 Stucke, vfie bishero 
geschieht, auf die Weide zu lassen. 

Die vorberührte 1000 Kimonten können in der Buccowina an nachbenannten Ortschaften 
in Stallungen aufgestellet werden, und zwar zu 

Sastafna 1) oder Kutcherraik «) .... 100 Pferde 

Luschan 100 

Waskowez 200 

Sattagura 100 

Bohjana ■) 50 

Kutscharmare 100 

Sterza*) 100 

Seret 100 

Boinze 100 

Fradauz**) 50 1000 

hierzu die auf die Weide gehende 500 

welche im Winter in die Okols zu Bohjana und Fradautz untergebracht werden. 

Was nun die Stallungen betrifft, so sind in der Buccowina zwar auf 700 Pferde Stal- 
lungen erbauet worden, die meisten aber drohen den Einsturz, dass man derzeit nur 200 Pferde 
wohl unterbringen kann; es müssten also annoch auf 800 Pferde einige Stallungen er- 
bauet werden. 

In der Buccowina, wo das Holz im ÜberHuss vorhanden ist, kann die Erl>auuug derlei 
Stallungen gar nicht viel kosten; hingegen wird in Gallizien dazu ein grösserer Aufwand er- 
fordert werden, welcher sich aber dermalen nicht bestimmen lässt, weil die diesfalls mit Ingen.- 
Officiers vorzunehmende Beaugenscheinigung in einem jeden Ort nicht so geschwind und 
auch bei gegenwärtiger Jahreszeit sehr hart vorgenommen werden kann. 

In Ermanglung des commandierenden Generalen 

Freiherr von Schröder 

FML. 



XLVI. 

Vortrag des Hofkriegsrathes. 

Orig. (K.-A, 11. S. 1781—43-32.) Wienn, 29. Jänner 1781. 

(Randbemerkung): ich begnehmige, dass die Kemontierungscommandi nach dem An- 
trag des Hofkriegsraths zusammengesetzet werden. 

Die Auswahl des nach Pest zu Dirigierung dieser Commandi angetragenen Staahsofficiers 
kann unter denjenigen Individuis vom hungarischen Generalcommando getroffen werden, welche 
im Vortrage benannt worden. 

In Siebenbürgen darf dermalen und solang bis nioht etwa die dortigen Einwohner zur 
Pferdzucht mehr aufgemuntert werden und sich selber mit Werkthätigkeit widmen, kein eigenes 
Remontierungscommando aufgestellet, sondern dieser Ankauf allda einsweilen durch einen 
Officier von Savoye und durch einen von Kalnocky besorget werden. 

Solang als die vom Rittmeister Cavallar herbeigeschafft werdende Kemonten in der Buc- 
cowina zu verpflegen thunlich sein wird, bleibt es in Rücksicht auf Gallizien bei Meiner dies- 
falls bereits ergangenen Resolution, und nur im entgegengesetzten Falle wurde alsdann erst 
nöthig sein, in Gallitzien ein eigenes Remontierungscommando aufzustellen. 



*) Zastawna. •) Kuczurraik. ^) Bojan. *) Baince. *) Fratautz. 

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Die Anfänge des k. k. StAATSGBSTüTEs Radaütz. 107 

Was übrigens die auf den Fall eines ausbrechenden Krieges nöthige Anzahl leichter 
Pferde betrifft, so wäre Meine Gesienung keinerdings, dass solche schon in Friedenszeiten an- 
gekaufet und unterhalten werden sollten, sondern dass die bei den Remontierungscomraandi in 
HaDgam aufzustellende Officiers sich bei ihrem Geschäfte die Kenntnissen von den an guten 
Pferden reichesten Gegenden beizulegen hätten, damit man im erforderlichen Falle die nöthige 
Anzahl leichter Pferden herzunehmen wisse; welchen Endzweck man umsoweniger verfehlen 
dürfte, als die Einwohner, sobald sie sehen werden, dass es mit dem inländischen Einkaufe ein 
Ernst ist, ohne Zweifel dadurch zur besseren Pferdzucht aufgemuntert werden, und man wird 
in der Zeitfolge den auswärtigen Einkauf leichter Pferden nach der inländischen Ergiebigkeit 
abmessen, und sowie diese zunimmt, jene verminderen kennen, wornach es dann von dem be- 
trächtlichen Aufwände sowohl der Anschauung als der Unterhaltung von 7000 Stück Pferden in 
soweit abkömmt, als Ich in der Buccowina unter dem Rittmeister Cavallar nur den alljährlichen 
Friedensabgang aller gallitzischen Regimenter allzeit im voraus allda auf ein Jahr beisammen 
zu halten gesinnt bin. 

Joseph. 



XLVII. 

Hof kriegsrath an das galizische Generalcommando. 

Concept. (K. A. II. 8. 1781—43-38.) Wien, 17. Februar 1781. 

Wie bekannt, soll pach der Allerhöchsten Absicht Seiner Majestät so lang, bis sich die 
Verpflegung in der Buccowina nicht mehr wird thun lassen, es bei demjenigen verbleiben, wie 
es bishero in Betreff der Herbeischaflfung der leichten Remönten unter der Aufsicht des Ritt- 
meisters Cavallar geschehen ist, und unter dem Rittmeister der alljährige Friedensabgang aller 
galizischen Remönten jederzeit im voraus auf ein Jahr beisammen gehalten werden. 

Nun wird infolge einer andern Allerhöchsten Resolution der Abgang zu Friedenszeiten 
jährlich k 10 procento gerechnet, folglich würden für die drei dortlandes verlegte Chevauxlegers- 
regimenter und für die zwei Carabiniersdivisionen, die man auch mit Cavallarischen Remönten 
versehen zu lassen antraget, jährlich . . . . . . . 401 Chevauxlegers 

-und für 4 Husarenregimenter 584 Husaren 

mithin zusammen . 985 Remönten 
erforderlich sein, welches also die eigentliche Zahl ist, die der Rittmeister Cavallar beständig 
vorrathig zu haben und, wie eine Abgab an die Regimenter erfolget, gleich wieder ergänzen muss. 

Nach dieser zum Grundsatz zu setzenden Zahl ist nun der Stand des Commando und der 
erforderlichen Stallungen zu regulieren. 

Seine Majestät haben über den Vorschlag des Rittmeisters Cavallar, ein eigenes Remon- 
tencommando zu errichten und demselben eine besondere Montursfarbe zu geben, nichts resol- 
vieret; es bleibt also dabei, dass dieses Commando aus Leuten von verschiedenen Regimentern 
zusammengesetzet werde. 



XLVIII. 

Galiz. Generalcommando an den Hofkriegsrath. 

Orig. (K.-A. II. 8. 1781—43-390.) Lemberg, 30. September 1781. 

Ein hochlobl. Hofkriegsrath beliebte Ober den von diesem Generalcommando wegen Re- 
gulierung de« Cavallarischen Remontierungsgeschäftes unterm lOten April a. c. gemachten Vor- 
schlag und die zugleich entworfene Instruction die Verfassung der Plans und Überschläge über 
die zu erbauende Stallungen und Kasems anzubefehlen, zugleich aber auch über zerschiedene 
Gegenstände Auskünften abzuforderen. 



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108 Polek: 

Da nun der Ing.-Oberlieutenant Grotger, welchen man diesertwegen eigeods in die Buko- 
wina abgeschickt hat, sothane Plans und Überschläge zustande gebracht, so verweilet man nicht. 
Ober das Ganze den abgeforderten Bericht punctatim abzustatten. 

Ad Imum könnte die Zahl der 236 Gebrauchpferden ohne Nachtheil des Dienstes nicht 
auf 200 herabgesetzet werden, wenn nach dem Vorschlag vom lOten April 600 Remonten in 
Stallungen aufgestellt werden sollen, weil diese Remonten immer mit Gebmuchpferden spazieren 
gefUhret werden müssen, und dazu keine Remonten gebraucht werden können, ohne dies^be 
der Gefahr einer Beschädigung auszusetzen. 

Um aber die nicht allein in diesem StQck, sondern bei dem ganzen Remontiemngs- 
geschäft auf alle mi^gliche Wirtschaft abzielende hohe Gesinnung desto sicherer zu erreichen, 
hat man das ganze Werk nochmal mit dem Herren Rittmeister Cavallar in Überlegung genom- 
men und für gut befunden, die meisten Remonten Sommer und Winter in den Okols frei 
füttern zu lassen. 

Die Fütterung der Remonten in den Okols ist der Natur dieser Pferden mehr ange- 
messen; sie gibt denselbeu mehr (Tesundheit und Kräften und verminder:, die Unterhaltungs- 
kosten fast um die Hälfte, weil die Remonten beständig in der freien Luft und natürlit^n 
Bewegung verbleiben und im Sommer auf der gesunden Weide und bei frischem Wasser, im 
Winter aber bloss mit Heu unterhalten und auf diese Art nicht allein die mit 236 Stück ange- 
tragene Gebrauchpferde bis auf 182 vermindert, sondern auch der mit 400 Köpf angeschlagene 
Stand der Commandierten auf 246 herabgesetzet werden kann. 

Ad 2dum zweifelt man nicht, dass die beede Gamisonsregimenter bei einem ausbrechenden 
Krieg, wo sie zum Theil zur Completierung der Stabsregimenter und zu anderen Diensten be- 
stimmt sind, auch hinlangen werden, uiu das Remontierungscommando bloss aus Leuten vom 
2ten Gamisonsregiment zusammensetzen zu können, nachdeme dieses Regiment allein 3600 8u- 
pemumerarien zählet und bei mehreren Cavallerie- und Infanterieregimenter viele Halbinvslide 
zum Garnisonsregiment praenotieret sind. 

Das Generalcommando ist vielmehr der Meinung, dass bei einem ausbrechenden Krieg 
Cavallar aus seinen Commandierten gleich eine Division des Stabsdragonerregiment« werde 
formieren und mit ihr ins Feld marschieren, vorhero aber wegen ununterbrochener Fortsetzung 
des Remontierungsgeschäfts die nöthige Ankehrungen ti*eifen können. 

Aus dieser und der weiteren Betrachtung, dass die Cavallarische Remontierungsmann- 
schaft im Sommer bei dem Gestüte und im Winter in den Okols aller Witterung ausgesetzet 
ist, traget man kein Bedenken, die wiederholte Bitte des Rittmeister Cavallar zu untenttützen, 
auf dass seinen Commandierten die blaue Muntur nach dem Stabsdragonerfuss abgemchet 
werden möge. 

Ad 3tium. Der zu Szaleszik auf 130 Pferde erbaut werdende Stall ist eigentlich der 
Ort, wo die wilden Pferde vor der Abgabe an die Regii^enter das erstemal an die Halfter ge- 
wöhnet und angebunden werden, weil bio sonsten bei dem ersten Anbinden eine nicht sehr 
befestigte Krippe oder Verzaumung zusammenreissen und sich dadurch beschädigen, wessetwegen 
diese Stall ung mit keinen Krippen und Barren versehen und daher mehr ein Stadl als ^tallung. 
dabei aber nach Versicherung des Rittmeisters Cavallar höchst nöthig ist. 

Ad 4ten. Man hat zwar in dem Vorschlag vom lOten April angetragen, nur 400 Re- 
monten in die Okols unterzubringen und 600 nebst den Gebrauch pferden in Stallungen aufeu- 
stellen, zu diesem Ende nebst den vorhandenen brauchbaren Stallungen 

200 



zu Waskowecz auf 




100 


„ Satagura und Sterza 




100 


noch zu Kitzmann 


auf 


100 


„ „ Waskowez 


n 


100 


„ „ Kutschermik 


» 


100 


„ „ Kutschermare 


n 


100 


n . Sereth 


n 


60 


„ „ Boinze 


n 


150 



600 

Pferde neue Stallungen und einen neuen Okol zu Fraudauz zu erbauen. 



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Die Anfänge des k. k. Staatsgestütes Eadaütz. 109 

Aus denen ad Imum angeführten Betrachtungen hat man diesen Antrag dahin abzuändern 
für rathsamer erkennt, dass 900 Remonten in den Okols und nur 300 Pferde in Stallungen 
unterhalten, zu dem Ende 3 neue Okols, und zwar zu Bojana, Fraudauz und Bajacestie, jeder 
zu 300 Pferden, errichtet und nebst den zu Waskowez, Sattagura und Sterza auf 200 Pferde 
vorhandenen Stallungen noch ein neuer Stall zu Waskowez uebst dem Quartier für den Cora- 
mandanten und die Commandierte erbauet werde. 

Zu Waskowez hat man die Stallung auf 100 Pferde und das Stabsquartier von darumen 
angetragen, weil allda ein guter Stall auf 100 Pferde und schon einige Quartiere vorhanden, 
auch der Commandant zur Besorgung des Dienstes allda besser als zu Kizman untergebracht wird. 

Die Okols sind in solchen Gegenden ausersehen worden, wo frisches Wasser und Über- 
fluss an Grasfutter vorhanden ist. 

Unter andern ist Baja und Bajacestie nicht weit von guten Waldungen und des Moldau- 
flusses entlegen; es wird auch der Ankauf aus der Moldau Ober Baja nach Bajacestie sehr 
eiieichteret; es stehet auch zu hoffen, dass durch die ohnehin näclistens in der Bukowina für 
sich gehenden Untersuchung der Grundeigenthumsrechten ein und anderer Terrains und mit 
solchen ein schöner Wiese wachs dem Aerario anbei m gebracht werde. 

Der Ing. -Oberlieutenant Grotger hat zwar nach Ausweis der hier angebogenen Plans und 
Überschläge die Baukosten für den neuen Okol zu Fraudauz mit EinbegrifF des Quartiers für 
l Rittmeister, 1 Lieutenant, 2 Unterofficiers und 24 Mann auf 3.696 fl. 47 kr. 

für den zweiten Okol zu Bojana und für den dritten zu Bajacestie 6.324 „18 „ 

für den Stall auf 100 Pferde zu Waskowez und die Kaserne auf . . 2.915 „ 61 „ 

dann für das Stabsquartier dallda 4.557 „ 44 „ 

17.494 fl. 44 kr. 
berechnet; Herr Generalmajor B. Enzenberg versicheret aber, dass der Bau bei weitem 
nicht so hoch zu stehen komme, und dass er den ganzen Bau von dem jährlich zu diesem 
Ende von jeder Familie mit 5 kr. entrichtet werdenden Beitrag bestreiten werde, besonders da 
fast alle Materialien schon vorhanden seien. 

Ad ötum werden keine Hand- oder Zugroboten zu dem Gebäude verwendet werden, 
welche die Unterthanen nicht zu leisten schuldig sind. 

Ad 6tum hat Herr General B. Enzenberg sich erkläret, die Reparation bei ein- und 
anderen Gebäude jährlich mit 1500 fl. und aus dem nämlichen Fundo besorgen zu lassen. 

Ad 7mum. Die Anlage erweiset, wie die Officiers und übrige Commandierte bei dem Re- 
montierungsgeschäft einzutheilen dem Dienst angemessen befunden worden ist. 

Ad 8vum. Die Remonten werden, wie vorbesagt, in den Okols im Sommer auf der 
W^eide getrieben, im Winter mit blossem Heu, und zwar jedes täglich mit einer doppelten 
P. P. Portion gefüttert, hingegen bekommen die in den Stallungen aufgestellte Remonten ohne 
Untenichied, ob sie zum Chevauxlegers- oder Husarendienst geeignet sind, im Winter eine ganze 
Haber- und 1 P. P. Heuportion, im Sommer aber nur Vs Haber und 1 ganze Heuporlion. 
Ueberhanpt aber ist es die Sache des Rittmeister Cavallar das Futter nach den Kräften der 
Pferden abreichen zu lassen und darüber Rechnung zu legen. 

Ad 9num. Sobald die Mannschaft nach diesem unmassgeblichen Vorschlag in Kasemes 
befiuartieret wird, welches wegen Abgang anderer Unterkunft unumgänglich nöthig ist, so wird 
Cavallar der Mannschaft vom Wachtmeister abwärts den Service gegen Schlaf kreuzer ver- 
schafi'en. 

Da die Kasemes von den anderen Örtem und besonders von den Verpflegsmagazinen 
entfernt sind, so dürfte der Service von dem Verpflegsamt wegen der Zuftihrunkosten nicht 
wohlfeiler verschaffet werden können. 

Ad lOmum. Der Aufsatz über die Erfordernis an Montur und Rüstung wird hier nach 
dem ersteren und dem gegenwärtig antragenden Stand mit Bemerkung der nach letztem aus- 
fiftllenden Ersparang gehorsamst angeschlossen. 

Ad llmum. Zur Ausmessung des auf Zulagen jährlich erforderlichen Geldbetrags ist kein 
richtiger Satz vorhanden. Anno 1778, wo das Remontierungsgeschäft stark betrieben worden, 
haben die Zulagen 5154 fl. 32 kr., anno 1779 5058 fl. 9 kr. und anno 1780 1250 fl. 47 kr. 
betragen. 



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110 Polek: 

Durch die Unterbringang der Pferden in die OkoU werden die Commandierte zw«r künf- 
tig verminderet, hingegen wird ihre Dienstleistung umso beschwerlicher, weil sie Tag und Nacht 
wirksam sein müssen. Um also die Leute doch besser leben zu machen und dienstbar zu er- 
halten, könnte auf Zulage 4500 fl. angetragen werden. 

Ad 12dum. Bishero haben die Wartknechte nichts mehr als täglich 15 kr. Liohn, und 
von diesem müssen sie »ich den Unterhalt und die Kleidung verschaffen. 

Die Wartknechte werden weder gegen Capitulation engagieret noch in Eid und Pflicht 
genommen, weil eine solche Behandlung diese Leute, die mit den wilden Pferden wohl umgehen 
können, folglich unumgänglich nöthig sind, abhalten wurde,^ sich bei dem Remontienings- 
gcschäft zu engagieren. 

Gleichwie nun das Generalcommando der zuversichtliehen Hoffnung lebet, durch gegen- 
wärtigen gehorsamsten Bericht die hohe Gesinnung Eines hochlöbl. kaiseri. königl. Hofkriegs- 
raths erfüllet zu haben, also bleibet demselben nichts weiteres übrig, als sich tiberhaupts auf 
seine in dieser Materie unterm 5ten Jänner und lOten April a. c. erstattete Berichte nochmal 
geziemend zu beziehen und das für das Avancement des Herrn Rittmeister Cavallar wiederholt 
eingelegte Vorwort gehorsamst zu erneuem. 
Ijemberg, den 30ten September 1781. 

In Ermanglung des commandierenden Generalen 
Freiherr v. Schröder 
FML. 



XLIX. 

(Ueberschläge.) 

Orig. (K.-A. IL S. 1781-43-390.) Wienn, 19. October 1781. 

Über die von Einem löbl. kaiserl. königl. Hofkriegsrath brevi manu anhero roitgetheilt. 

hiemeben rückschlUssige 3 Plans und Überschläge einiger in der Buccovina zu errichtenden 

Gebäude befindet die Hofkriegsbuchhalterei Nachfolgendes zu erinnern. 

Imo. Wird zu Fradautz ein Okol auf. 300 Pferde, dann eine Quasikasem für die 
daselbst commandierte Mannschaft von 24 Gemeinen und 2 Unterofficiers, dann 
einen Lieutenant, auch einen Rittmeister angetragen mit 369G fl. 47 

Desgleichen werden zu Bojana und Bajascre (sie) zwei Okols nebst Käsern und 
respective Unterkunft für die dabin commandiert werdende Mannschaft, jedoch 
ohne des Rittmeisters Quatiers angetragen und jeden Orts auf 31G1 fl. 9 kr., 
beide zusammen also gerechnet auf 6324 „ IH 

2do. Zu Waskowiz wird ein Remontenstall auf 100 Pferde, desgleichen die Unter- 
kunft für die dahin commandiert werdende Mannschaft nebst einem Officier an- 
getragen mit 2915 r. 51 

3tio. Wird ebenfalls zu Waskowiz ein Remontierungs-Stabsquartier sammt Kanzlei-, 

Fouriers-, Wachtmeisters- und Domestiquenwohnung angetragen mit . 4557 „ 44 

Summae el Latus . 17494~?L 40 

Weilen aber in diesem Überschlag bei der Schlosserarbeit für 42 Stück 2flüglichte 
Fensterstöck mit dem nöthigen Beschlag zu versehen pr. Stück ä 2 fl. 20 kr. 
anstatt des eigentlichen Betrages von 98 fl. nur 35 fl. angesetzt werden, so 
kommen annoch dieser Erfordernis nachzutragen die zu wenig angesetzte . 63 fl. — 

Solchemnach betraget die ganze Erfordernis zu den obenannten Objecten . 17567 fl. 40 

Für die Steine zum Mauern wird bloss das Fuhrlohn pr. Klafter li 1 fl. 30 kr. und die 

Mauerziegel das Tausend Ji 5 fl. sammt Fuhrlohn l)erechnet, der Kalch zu denen Gebäuden bei 

Waskowiz wird pr. Korez a 38 kr. zu erkaufen, zu jenen Gebäuden aber bei Fradauz von dem 

zum Behuf des Verpflegsamtes in Seret erliegenden Vorrath pr. Korez k 17 kr. herzunehmen 

angetragen; wegen des Sfinde» wird nur auf die Vergütung des Brodea für die Robotfuhren 



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DiB Anfänge des k. k. STAATSG£STt3TES Radautz. 111 

gerechnet, die Mauerarbeit und zwar die Steinmauer wird pr. Cubikklafter mit 2 fl. 50- kr., die 
Ziegelmauer aber mit 2 fl. 33 kr. angesetzt; für das Holz werk wird ebenfalls nur auf die Ver- 
gütung der Robotfuhren angetragen und auf das Anarbeiten für jede Currentklafter 6 kr. ge- 
rechnet. Man findet sowohl das Materiale regelmässig berechnet als desselben und vorberührte 
Arbeitspreise, wie jene derer Tischler-, Schlosser-, Glaser- und Hafnerarbeiten der Billigkeit 
angemessen. 

Auf die erforderliche Requisiten zu Fradauz, Bojana und Bajasere werden jeden Orts 

100 fl., zusammen also 300 fl. — 

zu denen beiden Objecten bei Waskowiz aber . . . ' . . . . 158 fl. 20 

in Summa also auf Requisiten 458 fl. 20 

dann auch auf Besoldung deren Mauer- und Zimmerpoliers für jedes Object 100 fl., 

zusammen also angetragen 500 fl. — 

Bei diesen beiden Articuln kann man nicht umhin zu bemerken, dass durch Beobachtung 
einer genauen Wirtschaft sich eine merkliche £r8parung machen lassen werde. 
Wienn, den 19ten October 1781. 

Jos. Ant. Paumann 
Vidi Paohmann Regierungsrath und Hofbuchhalter. 

Hofrath. Joach. Friedr. Holzius 

k. k. Hofkriegsbuchhaltungs-Raitofiicier. 



L. 

Vortrag des Hof kriegsrathes. 

Orig. (K.-A. n. 8. 1781—43 390.) Wien, 31. October 1781. 

Euer Majestät haben über den diesseitigen Vortrag vom 29ten Jänner anni currentis zu 
befehlen geruhet, dass in der Buccovina unter dem Rittmeister CavaUar der jährliche Friedens- 
abgang an Pferden von allen in Gallizien verlegten Cavallerieregimentern allzeit auf 1 Jahr im 
voraus beisammen gehalten werden solle. 

Da es nothwendig war, den jährlichen Abgang nach einem sichern Satz zu berechnen, 
80 hat man sich bei dessen Bestimmung an die dem Hofkriegsrath am 29ten November 1780 
zugekommene Allerhöchste Resolution gehalten, mit welcher der Antrag der Hofrechenkammer, 
den Abgang an Pferden mit 10 Procento zu berechnen, allergnädigst begnehmiget worden ist. 

In der Ungewissheit, ob die in Hungarn und Siebenbürgen aufgebracht werdende Re- 
monten von der Qualität sein werden, die fUr die leichte Carabiniersdivision erforderlich ist, 
wurde einsweilen die Ergänzung dieser Divisionen aus der Buccovina angetragen. 

Nach diesem Antrag ist sodann der beim Cavalar beständig zu haltende Remontenvor- 
rath beiläufig mit 400 Chevauxlegers- und 600 Husarenpferden ausgefallen. 

Die Erfordernis dieses Vorraths hat der Hofkriegsrath dem gallizischen Generalcom- 
mando mit dem Auftrag bekannt gemacht, einverständlich mit dem Rittmeister Cavalar dea 
hierzu angemessenen Stand seines Commando inclusive der Gebrauchpferden und die nöthige 
Stallungen festzusetzen, bei letzteren aber die Rücksicht 2u nehmen, dass kostbare Gebäude 
annutz errichtet werden Würden, wenn es nach der Hand an der Fourage mangeln und das 
Bemontiemngsdepöt aus der Buccovina weggezogen werden sollte. 

Hierüber sind die hier in originali an verwahrten zwei Berichte eingelanget, worinnen 
das Generalcommando versichert, dass, so wie es demselben bekannt seie, und der Rittmeister 
Cavalar wiederholt bestätige, in der Buccovina ausser einem besondem Misswachs kein Mangel 
an Fourage jemalen zu besorgen seie. 

EXen Stand, die Gebühr des Commp.ndo und die Erfordernis an Stallungen und Quar- 
tieren hat selbes mit dem Bericht vom 30ten September a. c. rectifideret und die Gebäude- 
übeTBchläge zugeleget. 

Nach der gleich vorerwähnten Zusicherung des Generalcommando, dass die Fourage nie- 
mals mangeln werde, siebet der Hofkriegsrath das Cavalarische Commando für ein beständiges 

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112 Polkk: 

Commando an, wornach dessen ordentliche Regulierung so nützlich als nothwendig wird, wes- 
wegen man die angefahrte zwei Generalcomniando-Berichte mit nachfolgender ohnmassgeblicb- 
sten Meinung Euer Majestät allerunterthänigst vorzulegen nicht ermanglet. 

Was endlich noch die Rechnungsrichtigkeit anlanget, wird man nach Yemommener Buch- 
halterei die Einleitung so treffen, üaäs alle eigentliche Kemontimngsunkosten besonder» ausfallen 
und jenes, was die Officiers und übrigen Leute beim 2. Gamisonsregiment ohnehin gekostet 
haben würden, den Reraontirungsauslagen nicht zugeschlagen, somit der wahre Betrag sichtbar 
gemacht werde; inzwischen aber wird ein Aufsatz, was dieses Commando auf sothane Art bei- 
läufig jährlich kosten dürfte, mit der unterthänigsten Erinnerung hier beigebogen, dass der dies- 
fällige Aufwand von dem Militarfonds Yorgestrecket und, im Fall die Militardotation andorch 
überschritten werden sollte, um den allergnädigsten Zuschufis werde gebeten werden. 

Wien den 3lten Oktober 1781. 

A. 6. V. Hadik. 

(Randbemerkung) : Den Stand und die Gebühr dieses Cavallarschen Rlroontierungs- 
commando sowie den Aufwand zu Herstellung der Gebäuden begnehmige Ich vollkommen, und 
da selber nunmehro ganz recht bloss aus Commandierten vom 2ten Garnisonsregiment zu be- 
stehen hat, so werden die geschicktesten, vom Cavallar auszusuchende und anjetzo bei ihm com- 
mandierte Individuen von andern Regimentern das erstemal zu Formierung dieses Commando 
zum zweiten Gamisonsregiment zu übersetzen, jene aber, die nicht dazu ausgewählet werden, zu 
ihren Regimentern zurückzuschicken sein. 

Auf den Antrag des Genenilcomniando, wornach bei einem entstehenden Kriege Cavallar 
sogleich eine Division des Stabsdragonerregiments werde formieren und mit solcher zu Felde 
marschieren können, wird sich nicht sehr zu verlassen sein, weil zu einer solchen Zeit eben 
der Remontae.'nkauf am stärksten und eifrigsten betrieben werden muss, mithin er auf einer 
andern Seiten genug beschäftiget werden würde, jedoch kann der ausführlichere Vorschlag des 
Generalcommando diesfalls erwartet werden. Den Lieutenant Höpler und Adjutant Bauer will 
Ich, da sie zu Beförderung des Geschäfts besonders anempfohlen werden, auch wider die be- 
stehende Regel atis besonderer Gnade das angetragene Avancement verleihen und sie beim Be- 
montierungscomroando femershin angestellet lassen, sowie Ich das vom Cavallar vorgeschlagene 
Avancement der Corporals begenehmige und diese sammentlich zum zweiten Gamisonsregiment 
zu übersetzen gesinnet bin. 

Der vom Hofkriegsrath unterstützte Antrag, diesem Remontierangscommando blaue Mon- 
tierung, wie das Stabsregiment hat, ist weder nöthig noch fürträglich. Es hat also bei der 
Farbe der Montierung des zweiten Gamisonregiments zu verbleiben, in dessen Stand und Ge- 
bühr dasselbe steht, umsomehr, nachdem immer von Zeit zu Zeiten Officiers und Gemeine vom 
Regiment zum Commando und vom Commando zum Regiment übersetzet werden, auch bei 
dem Antrag die Beköstigung höher steigt. 

Da der Dienst dieses Commando von jenem, der im Cavalleriereglement vorgeschrieben 
ist, die Subordination allein ausgenommen, sehr unterschieden ist, so finde Ich diese 3 anver- 
langte Exemplaren umsomehr unnöthig, als eine besondere Instruction für dieses Commando 
bereits entworfen ist. 

Den Cavallar ernenne Ich wegen seinen bereits geleisteten Diensten und zu noch mehrerer 
Aneiferung zum Cavalleriemajor mit der ganzen Gage. 

De cactero placet. Joseph. 



LI. 

Hofkriegsrath an das galiz. Generalcommando. 

Concept (K.-A. II. S. 1781—43-390.) Wien, 7. November 1781. 

Seine Majestät der Kaiser haben den Stand und die Gebühr des Biiccoviner Remonten- 
commando sowie den Aufwand zu Herstellung der Gebäuden nach des Generalcommando Vor- 



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Die Anfänge des k. k. Staatsgestütes Radautz. 113 

schlag vom 30ten Septemlwr allergnädigst begnehraiget, ausserdem anch den Rittmeister Cavallar 
wegen seiner bereite geleisteten Diensten und zu noch mehrerer Aneifernng zum Cavalleriemajor 
mit der ganzen Gage ernannt. 



LH. 
Historische Beschreibung. 

über die Entstehung des Bukowiner Militär-Gestüts-, Beschäl- und Remontierungsdepartements. 
Concept ? (Archiv der k. k. GestüUdirection in Radautz.) 

Vor dem Jahre 1774 hal>en die Cavallerieregimentcr den jeweiligen Abgang an Dienst- 
pferden durch eigens eingeleiteten Remontenankauf gedockt, zu welchem Zwecke selbe 
Officiere nach verschiedenen Ländern und damals besonders nach Galizien und der Bukowina 
comroandierten, unter welchen zur Zeit auch der Herr Oberlieutenant Cavallar von Kaiser 
Chevauxlegersregiment sich befand, welcher durch seine thätige Bemilhung. verbunden mit der 
Pferdskenntnis, stets besonders ausgezeicimet gute Remonten filr sein Regiment aufbrachte, so 
zwar, dass dieses auch bei andern Regimentern nicht unbemerkt blieb, und dieserwegen auch 
von mehreren derselben nach der Hand der Remontenankauf an besagten Herrn Oberlieutenant 
übertragen wurde. 

I>ie nun von envähntera Herrn Oberlicutenant in grü8.seror Anzahl erkauften und zu 
denen verschiedenen Cavallerieregimentern gelangten Remonten entsprachen in jeder Hinsicht 
der allgemeinen Zufriedenheit so sehr, dass dei; hochlöbliche Hofkriegsratli fllr gut fand, dem- 
selben im Jahre 1774 den Remontenankauf für die ganze Armee zu übertragen und ihrae zur 
Leitung und Aufsicht dieses bedeutenden angefangenen Geschäfts die n<Hhige Mannschaft von 
andern Regimentern als zugetheilt beizugeben, welche iosgesammt damals den Titel Cavallari- 
sches Remonteneinkaufscommando führte, und das Stabsetablissement zu Kotzmänn stand. 

Auf diese Art wurde von dem Jahre 1774 bis 1792 in diesem Geschäfte manipuliert und 
die Armee mit Remonten und sonstigen zu Kriegsdiensten erforderlichen Pferden aus Galizien 
und der Bukowina, dann aus der Moldau und aus den tiefsten Theilen Russlands versehen. 

Eintretende Umstände geboten es, hie und da in der Bukowina grosse Remontendepots 
zu anterhalten. Die Wohlfeilheit ihrer Unterhaltung mit Rauhfutter und Weiden, die vor- 
trefflichen, hie und da gefundenen Anlagen zum Gedeihen deren Pferdezucht und endlichen sowohl 
die mit denen erkauften Remonten zugleich vielen überkommenen als auch die von Remonten 
im Depot selbst häufig geworfenen Fohlen von besten Pferdracen waren die Hauptveranlassung 
und machten den Anfang zu der Bukowiner Gestütsanstalt. 

In dem Jahre 1792 wurde dies bishero sogenannte Cavallarische Remontenankaufscom- 
mando vom hochlftblichen Hofkriegsrath zu einem selbständigen Körper unter dem Titel: Buko- 
«•nner Beschäl-, Gestüts- und Remontierungsdopartement mit einem bestimmt bemessenen, eige- 
nen Stand von Mann und Pferden organisiert, wobei der mittlerweilen successive bis zum 
Olierstlietitenant avancierte Oberlieutenant Cavallar als förmlichen Commandanten angestellt 
blieb nnd selbem instructive von höchster Stelle besonders die Verbessenmg und Verbreitung 
der Pferdezucht in Galizien, dann der Bukowina anempfohlen und zu diesem Zwecke zugleich 
anch die Herrschaft Waskoutz und Fratautz in Pacht genommen wurde. 

Es wurde gesucht sowohl fürs eigene Gestüt als die Landesbeschälung Vaterpferde von 
guter Kace herbeizuschaffen; die besten Stuten aus denen in Depot befindlichen Remonten 
iheils fürs eigene Gestüt, theils für den armem Landman ohne Bezahlung, nur gegen einen 
Vorbind Hchkeitsrevers, wurden stets fürgewählt, und sohin allenthalben möglichst getrachtet, das 
}?ute Gedeihen der Pferdezucht nebst einer guten Race hervorzubringen. 

Wegen der zu sehr ausgedehnten Geschäftsführung wurde im Jahre 1809 die Beschäl- 
anstalt Galiziens von der Bukowina getrennt und in Galizien ein eigenständiges Beschäl- und 
Keraontierungsdepartement errichtet, welches bis dato dergestalten noch bestehet. 

In dem Jahre 1805 wurden dem Departement in der Moldau zwei Güter und respective 
Odayen Namens Draguscheny und Stubieny nach Auflösung einer, unter Commando des dama- 



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114 Polek: Die Anfänge des k k. Staatsoestütks Radaütz 

ligen Rittmeisters Traun gestandenen Annee-Fleischregie zur Fortsetzung und Benutzung des 
schon von der Kegie eingegangenen Pacht von drei Jahren sammt den hierauf betindlich Mast- 
ochsen und sonstigen Hornvieh Obergeben'! und da man in den ersten Pachtjahren sicli von 
dem Nutzen zum Vortheil des allerhöchsten Aerars überzeugte und auch hiedurch die fliglichste 
Gelegenheit hatte, in der Moldau selbst die besten Kemonten in grösserer Anzahl zu erhalten, 
und daselbst in DepCit fiir die Armee in ungemein wohlfeiler Fütterung zu unterhalten, k> 
wurden diese Güter nach Verlauf der ersten drei Jahren Pachtzeit auf weitere 3 Jahre in Pacht 
genommen, doch musste derselbe nach diesen 6 Jahren, anno 1811, wegen verschiedenen zur 
Zeit eingetretenen politischen Verhältnissen aufgehoben werden. 

Das Stabsetablissement dieses Departements blieb bis anno 1812 jn Waskoutz; da aber 
der Grundherr daselbst mit dem Pachtzins später steigen wollte und die Herrschaft Fratantz 
angemessen war, die sämmtliche Anstalt in sich aufzunehmen, so wurde das StAbsetablissement 
zu Ende des Jahres 1812 noch Radautz übersetzt und in diesem .Jahr auch der Errichter dieser 
Militär-Gestütsanstalt und bisher Departementscommandant gebliebene Herr ^Generalmajor Baron 
Cavallar als Generalfeldmarschallieutenant in Ruhestand übersetzt und das weitere Commando 
anno 1812 provisorisch vom Herrn Oberstlieutenant Bukowski, vom Jahre 1813 bis zu Ende 
August 1822 vom Herrn Oberstlieutenant Hoifmann, vom September 1822 bis Ende August 1«23 
nur als Interim durch Herrn Rittmeister v. Köntzöl, dann vom Iten September 1823 und dato 
vom ganz unterthänigst in Ehrfurcht Gefertigten *) fortgeführt. 

Seit Errichtung des Departements bis inclusive 1825, mithin durch 51 Jahre her, wurden 
in allem 104.681 Stück Pferde von allen Gattungen an verschiedene Regimenter, Corps imd 
Branchen der Armee abgegeben, welche in folgenden Jahrgängen und Anzahlen sich ergaben. aU. 



Anno 


Pferde 


Anno 


Pferde 


Anno Pferde 


Anno 


Pferde 


Anno 


Pferde 


1774 


766 


1784 


310 


1794 4739 


1804 


1456 


1814 


967 


1775 


871 


1785 


2164 


1795 J276 


1805 


1159 


1815 


91 


1770 


2520 


1786 


878 


1796 4040 


1806 


3238 


1816 


103» 


1777 


2425 


1787 


2508 


1797 5880 


1807 


1609 


1817 


647 


1778 


703 


1788 


3212 


1798 2250 


1^08 


1944 


1818 


20^ 


1779 


775 


1789 


2231 


1799 2740 


1809 


5066 


1819 


1191 


1780 


610 


1790 


5937 


1800 6350 


1810 


3411 


1820 


.S86 


1781 


977 


1791 


201 


1801 5070 


1811 


600 


1821 


790 


17H2 


615 


1792 


1303 


1802 636 


1812 


933 


1822 


615 


1783 


1483 


1793 


6440 


1803 1307 
Anno 1824 1106 
„ 1825 1219 


1813 


5023 


1823 


383 



Summa 104681 Pferde. 

Auf der Herrschaft Fratautz sind dermalen folgende GestütshAfe, als: zu Wadu Wladiki. 
Milleschout/. Mittoka, Okruch, Tokmitura, Woitinel, Hardeggthal, Ober-Wikow, Frasin, Bojaiia. 
Merlowa, in welchen die silmmentlichea GestUtspferde und Fohlen nach allen Jahrgängen durch 
die Wintermonate sich befinden; im Sommer sind dieselben in dem Weidgebirge Luczina und 
Bobaika, allwo sich auch Wohnungen von Holz für die commandierte Ofiiciers und übrige 
Mannschaft befinden. 

In Ort Radautz selbst befindet sich der Stab der ganzen Militäranstalt nebst dem Menschen- 
und Thierspital, wohin alles, was vom Departement in denen Gestütsh^fen an Menschen und 
Pferden erkranket, zur zweckmässigen Heilung abgegeben wird. 

Die Landesbeschäler werden ausser der Beschälzeit im Gestütshof zu Ober-Wikow aufge- 
stellt, allwo auch alljährig die 4jährigen Hengste von eigener Zucht vor deren Abgabe an an- 
dere Ikschäldepartements früher zur Bezähmung, dermalen bloss um Ausbildung aufgestellt stehen. 

Ausser denen zur Beschälanstalt gehörigen Lande8l)eschälern und Gebrauchspferden liefert 
die Herrschaft Fratautz zur Unterhaltung der sämmtlichen GestOtspferde das noth wendige 
Haber-. Heu- und Strohijuantum, dann die Sommerweidungen und unterhält auch die Reparatur 
sämmtlicher Gebäude zur Unterbringung der Mannschaft und Pferde; die zeitweise nothwendig 
werdenden neuen Bauführungen werden aber vom allerhöchsten Aerar extra bestritten. 



*) Die hier benutzte Handschrift ist nicht unterzeichnet, aus obiger Angal>e folgt jedoch, 
dass Oberst Martin Ritter von Hermann, der vom 1. September 1823- bis 26. März 1867 dem 
Radautzer Gestüt vorstand, der Verfasser ist. 



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Aus den „Mittheilungen der k. k. Central-Gommission". 

(Fortsetzung aus dem Jahrbuche 1893). 

J 
1893. Band 19, Notiz 130, Seite 242. 

{Menschliche Gerippe in Suczawa,) „Conservator Komstorfer hatte mitge- 
tbeilt dass ihm angezeigt wurde, dass bei dem Umbaue des griechisch-orientalischen Klosters 
zu Suczawa unterirdische Gewölbe aufgedeckt \yorden wären, was ihn veranlasste, über 
diesen Fund nähere Erhebungen zu pflegen. Diese ergaben, dass bei den bisher durchgefillirten 
ErHaoshebungen für zwei Kalkgruben (mit dem Fläcbenmasse von 60 nM. und der Tiefe von 
•2 M.) und der Kellerräume für die Priorswohnung mit der Fläche von 500 QM. und in der 
Tiefe von 1 — 1 Ys M., zwar kein altes Mauerwerk, wohl aber über 300 menschliche Gerippe 
ausgehoben wurden." 

1893. Band 19, Notiz 135, Seite 243. 

{Gefässe aus Schipenitz,) „Nach Mittheilungen des Professors E. Kolbenheyer 
und des Landesnusschuss-Beisitzers Nicolaus Freiherrn von Mustatza wurden vor kurzem 
in Schipenitz, einem kleinen, im breiten Pruththale in der Nähe der galizisch-bukowini- 

schen Gränze fast 
eben , gelegenen 
Orte, vom dorti- 
gen Lehrer in- 
teressante Gefässe 
aufgedeckt. Letz- 
terer stiess näm- 
lich, als er im In- 
nern seines Vieh- 
stalles ein Loch 
behufs Aufstei- 
lens einer Holz- 
säule aushub, vor- 
erst auf eine ziem- 
lich verwitterte 




Fig. 7. 



Ziegel- (oder gebrannte Thon- y)Hchichte, deren seitliche Begränzung er, nachdem er das Loch 
bis an 2 M. Durchmesser verbreitert hatte, noch nicht erreichen konnte. Der Boden erwies 
sich bis auf die Oberfläche, d. h. bis zum Stallboden als fester Letten. Unterhalb der erwähnten 
ersten Ziegelnchichte stiess er wieder auf eine Lettenschichte, dann auf eine zweite Ziegel- 
Mihiehte. unter welcher er einen mit lockerem Material, Thonscherben und Ziegelbrocken er- 
föHlcn Kaum aufdeckte, der überdies mehrere ganze oder aus den Scherben ergänzbare Thon- 
g<>fas8e enthielt. Die Sohle dieses Raumes lag c. 2 M. unter dem Stallfussboden. Von den Ge- 
fässen äbemahm vorläufig E. Kolbenheyer eine Schüssel und zwei Töpfe, dann Baron 
Mustatza zwei Töpfe. Diese Gefasse, atis feinem Thon mit freier Hand angefertigt und 
Mch dem Trocknen mit einem scharfen Instrumente nachgebessert, sind unglasirt; ihre Ober- 
ääcbe ist jedoch mit einer eigenartigen Ornamentirung versehen, welche in den Abbildungen 

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116 



Aus DEN MlTTHSILÜNOEX DEB K. K. CENTRAL- CoMMISSION. 




developpirt und ziemlich charakteristisch zur Anschauung gebracht ist. Der Hauptsache nach 
besteht das Ornament aus verschieden breiten, flott mit dem Pinsel gezeichneten, sich kreuzen- 
den und verschlingenden, mehr oder 
weniger geraden und Kreis-Linien und 
sind die dicken Linien mit theils 
schon verwitterter schwarzbrauner, die 
dünnen Linien mit rothbrauner, besser 
erhaltener Farbe hergestellt, lieber 
die dünnen Striche, welche ein noten- 
iinienartiges Aussehen zeigen, sind 
bei dem einen Oefässe kurze breitere 
Querstriche mit schwarzbrauner Farbe 
gezeichnet. Das erste Gefaaa, Abbil- 
dung Fig. 8, ist eine Schüssel mit 
etwa 5—6 Mm. starken Wänden; der 
lichte Durchmesser beträgt 27 Cm., 
die Höhe 7*5 Cm. Die Bemalung ist 
äusserlich angebracht und zieht sich 
sowohl an den »Seiten herum als über 
den Boden. Die Töpfe Fig. 7 und 9. 
haben einen lichten Durchmesser von 
10. bezw. 8*5. einen Bauchdurchmes- 
ser von 15, resp. 11, einen äusseren 
Bodendurchmesscr von 5*5 und 4 und 
eine Höhe von 15 und 12 Cm.; die 
Wanddicke beträgt 3—4 Mm. am Bo- 
den und in den Ecken entsprechend 
mehr. Bei den Töpfen ist nur die 
obere, äussere Hälfte bemalt. — Von 
Knochen wurde nichts vorgefunden, dagegen soll ein weisses Feuersteinmesser von 9 Cm. Länge, 
durchschnittlich 2 Cm. Breite, und einer grössten Dicke von 05 Cm., desesn beide Längskanten 
sägeartig ausgesplittert erscheinen, ebenfalls aus dieser Fundstelle stammen. Das Terrain neben 

der letzteren, derzeit mit 
Kukunitz bebaut ißt ganx 
eben und zeigt keinerlei 
hügelartige Erhebungen, da- 
gegen ündet man hier leichte 
Schlacken u. Asche. Schrei- 
ber dieser Zeilen wird dem- 
nächst mit Br. Mustat 7. a 
den Fundort besuchen und 
für das Bukowiner Landes- 
Museum mit grösster Vor- 
sicht weitere Grabungen vornehmen lassen. Es sei bemerkt, dass Schipeuitz in der Nähe von 
Hlinitza liegt, in welchem Orte sich das sogen. Tartarenlager betindet. woselbst ebenfalls weisse 
im Bukowiner Landes-Museum deponirte Feuersteinsplitter aufgedeckt wurden. Carl A. R o ui- 
s t o rf e r.** 

1893. Jahresbericht, Seite 86. 

„Dr. R. F. K a i n d 1 legte das fünfte und sechste Heft seiner Publication »Der Buchen- 
wald« vor,** 

„Conservator Profebsor Komstorfer übersendete ein Exemplar seiner Publication 
»Typen der landwirthschaftlichen Bauten in der Bukowina«.** 



Fig. 8. 




Fig. 9. 



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Aus DEN MlTTHEILÜNGEN DER K K. CeNTBAL-CoMIHSSION. 117 

1893. Jahredbericht, Seite 40. 

„Conservator Professor Eomstorfer berichtete über die Eröffnung und das erste 
Wirken des Landes-Museums für die Bukowina zu Czernowitz." 

1893. Jahresbericht, Seite 52. 

„Dr. R. F. K a i n d 1 berichtete über das Mün^-Cabinet der Universität zu Cze r n o w i tz.** 

1893. Jahresbericht, Seite 62. 

„Dr. R. F. Kaindl übermittelte einen Bericht über prähistorische Forschungen in der 
Bu k o win a.** 

1893. Jahresbericht, Seite 113. 

,,Das Ministerium machte Mittheilung über die beabsichtigte Restuurirung der Miroutz- 
Kirche zu S u c z a w a. Das der Central-Commission übermittelte Kestaurirungs-rroject wurde 
^Is durchaus entsprechend anerkannt.^ 

„Conservator Professor Komstorfer berichtete über die Klosterkirche zu W o r o- 
n e t z und über Funde in Schipenitz. Bezüglich der ersteren Kirche theilte das Ministe- 
rium mit, dass es dieser Kirche wegen und wegen jener zu W a t r a - M o 1 d a w i t z a die An- 
träge der Central-Commission zur vollen Würdigung empfohlen hat.** 

„Das Ministerium machte Mittheilung über einige Massnahmen an der griechisch-orien- 
talischen Kirche zu R e v n a.** 

1894. Band 20, Seite 43. 

(Die griechisch-orientalische ehemalige Klostericirche in Woronetz.) von 

Conservator Carl. A. Romstorfe r. (Mit 2 Text-Illustrationen und 1 Tafel). 

1894. Band 20, Notiz 2, Seite 49. 

(Neuere interessante Funde in der Bukowina^ beziehungsweise Erweichungen 
des Landes-Museums.) „in Fortsetzung meiner im Jahrgang 1889 der „Mittheilungen- 
13. Band, S. 32 „Funde in der Bukowina" und Notiz 36, S. 54), 1890 (16. Band, Notiz 6, 
S. 69 und Notiz 18, S. 77), 1891 (17. Band, Notiz 175, S. 183 und Notiz 196, S. 188) und 
1893 (19. Band, Notiz 1, S. 65) erschienenen Fundberichte, sowie der Abhandlung: „Sereth 
als Fundort archäologischer Gegenstände" (1890, Band 17, S. 80), endlich meines jüngsten Be- 
richtes über „Gefasse aus Schipenitz" sei im Nachfolgenden über einige neuere interessante 
Funde in unserem Kronlande, beziehungsweise über neue Erwerbungen des Bukowiner Landes- 
Museums kurz berichtet. Vorausgeschickt sei, dass die Anthropologische Gesellschaft in Wien 
im Einvernehmen mit unserem Museums-Vereine im August und September 1893 durch den 
Custos am k. und k. Hofmuseum Herrn Josef Szorabathy prähistorische Forschungen vor- 
nehmen Hess, an welchen in Vertretung des Landes-Museums das Curatoriumsmitglied Nikolaus 
Freiherr von M u s t a t z a und ich als Schriftführer des Museums nach Thunlichkeit theil- 
nahmen und, im Vereine mit einzelnen Herren in den verschiedenen Orten, dem Forscher hin- 
sichtlich der localen Vorarbeiten an die Hand zu gehen trachteten. 

Szombathy setzte zuerst die Grabungen in Schipenitz fort, an welchem Fundorte 
er neben zahlreichen Gefässen von 10 Cm. Durchmesser an und Scherben zu Gelassen bis zu 
70 Cm. Durchmesser, Asche. Kohlenresten, gebrannten Thonstücken und Feuersteinsplittern und 
Werkzeugen noch eine Feuersteinschlagkugel, Thierknochen und kleine Broncestückchen fand. 

Von den Mobilen, deren die Bukowina wohl einige Hundert (ausser den zahlreichen 
lediglich als „Gränzhügel** bezeichneten) besitzt, u. zw. mit ciuem Durchmesser zwischen 15 
und 20 M. und einer durchschnittlichen Höhe von etwa 1*/« M., wurden fünf Tumuli in H 1 i- 
boka und Horodnik von H. v. Szombathy vollständig durchforscht. Die Ausgrabung 
ergab, das» dieselben keineswegs, wie vielfach angenommen wurde, Massengräber aus der Zeit 
der polnisch-walachischen Kriege, sondern vielmehr weit älteren Datums sind und wohl immer 
nur die Ueberreste je einer, selten mehrerer Personen enthielten. Es fanden sich, m<,'ist unter 
einer nur 1 bis 2 Cm. dicken bituminösen Schichte, theils gebrannte Thonstücke, zahlreiche 
Gefissscherben und mehr oder weniger erhaltene Thonuruen mit Leichen b ran d, theils ein 



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118 Aus DEN MlTTHEILüNGEN DER K. K. CENTRAL- COMMIS8ION. 

Skelet ohne, bzw. mit tiefer liegendem Leichenbrand, ein Steinhammer, eine an den Ecken 
durchlochte nur 10 Cm. lange Steinplatte, einige Feuersteine und in einem Falle ein kleinesi 
messerartiges Eisenwerkzeug. — Zahlreiche früher theils vom Conservator K 1 a u s e r, th^8 
auch von Bauern, von letzteren allerdings unvollkommen durchgeführte Grabungen an Mobilen 
ergaben meist ein negatives Resultat. — Die Grabungen an den mit drei gerundeten unter sich 
nahezu parallel laufenden Wällen des Hügels „Zamczyste" bei Hliboka ergaben Scherben älteren 
Charakters und ein leider in Trümmer gegangenes Spinnwirtl aus gebranntem Thon, dann Topf- 
Hcherben und drei Feuerstein späne. Am „Sad** bei Hliboka, an welchen Ort sich wie an die 
Tumuli dieser Gegend Volk&sagen knüpfen und welcher speciell ein „uralter Friedhof-* sein solK 
fanden sich nur einige TopfstOckchen aus jüngerer Zeit. 

In dem südlich den 8ad abschliessenden Wasserriss haben Hauern vor xwei Jaliren nach 
einem Regengüsse zwei grosse Goldringe gefunden, welche nach Angabe 4 Cm. im 
Durchmesser hatten und nach der Beschreibung genau die Fonn und Omamentirung durch 
eingegrabene kurze Striche besassen, wie sie an den meisten broncenen Amispangen vorkommen. 
An ihrer dicksten Stelle betrug ihr Durchmesser etwa 4— 1> Mm. Sie gelangten in den Besitz 
des F<)rsters Julius E 1 n e i n in Hliboka, welcher angibt sie an einen Goldarl>eiter verkauft 
zu haben. 

Alis derselben Gegend, nämlich aus dem Walde von Hliboka« stammen fünf offene 
kleinere Goldringe mit einem Durchmesser von 1 7* bis 1 7« Cm. und einer groästen 
Dicke von 27^ Mm. Die Form einschliesslich der Omamentirung gleicht ebenfalls der der 
meisten Bronce-Armspaugen. Man fand die Ringe, welche sich dermalen im Landes-Museum 
befinden und Eigenthum der Frau Olga von Grigorcea sind, vor einigen Jahren. 

Zahlreich sind die .Steingeräthe, von welchen einiger bereits oben Erwähnung geschah. 
Das Interessanteste dürfte wohl das von Fmu S. Za/oziecka gespendete Steinbeil sein, 
welches eine sehr regelmässige Bearbeitung bei der bedeutenden Länge von 23 Cm. zeigt. Drei 
andere Steinbeile kleiner Sorte stammen aus der Gegend von Kotz man; eines hievon 
wurde 1872 vom Lehrer Procopowicz gefunden, von den beiden übrigen, wohl auch zur 
selben Zeit aufgefunden, sind nur Stücke vorhanden. Nicolaus Baron Mustatza widmete 
ein hübsches aus O n u t h stammendes schlankes Steinbeil, das lOV«' Cm. lang ist und 
eine grösste Dicke von nur l'/4 Cm. besitzt, sowie ein zweites, in Czernowitz (Waggasse) 
ausgegrabenes von plumper Form und 12 Cm. Länge, 4 Cm. Schneidelänge und 27s Cm. 
grösster Dicke. Eine Feuersteinschlagkuge'l stammt aus Kotzman, Feuerstein- 
splitter, mehr oder weniger bearbeitet, kamen dem Museum eben aus Kotzman und Dymka 
(Huf dem Felde des J. Frycki im heurigen Frühjahre ausgeackert) zu. Ein grosser grüner 
Steinhammer, Eigentbum A. IsseccscuTs, bereicherte kürzlich die Sammlungen; eine 
S t c i n k u g e 1 jüngeren Alters spendete W. Schmidt in Suczawa. 

An B r o n c e n sind ein aus Kotzman stammender K e 1 1, dann ein von Frau C. von 
B u b e r 1 in Bol>estie gespendeter Armring zu verzeichnen. 

Ausser den bereits eingangs erwähnten Thongefässen und Scherben ist noch ein ganz 
kleines ca. 8 Cm. hohes Gefdss mit zwei durchlochten als Oehren dienenden Ansätzen versehen, 
aus Kotzman stammend, interessant. Carl A. Rom st orfer, k. k. Conservator.** 

1894. Band 20, Seite 80. 

(Die Kirchenbauten in der Buicowina.) vonConser\ator cari a. uomstorfer. 

I. (Einleitung, 1. Geschichtlicher Überblick). Fortsetzung folgt. 

1894. Band 20. Notiz 77. Seite 115. 

(Bericht über im August 1893 in der Bukowina vorgenommene prähisto- 
rische Forschungen.) ^Die Anthropologische Gesellschaft in Wien hat schon im Jahre 
1892 den Beschliiss gefasst, in der Bukowina Ausgrabungen vorzunehmen. In diesem Friib- 
linge leitete sie sodann durch den Unterzeichneten mit dem Bukowinaer Landes-Museum die 
bezüglichen Unterhandlungen ein. Am 15. August traf Herr Ciistos J. Szombathy hier ein, 
um in Begleitung des Unterzeichneten die Forschungen in Angrirt' zu nehmen. Zunächst wurde 
l)fschlo^sen, in S c h i p e n i t /., wo um Ostern mehrere Funde gemacht worden waren, syste- 
matische Grabungen vorzunehmen. Diesielben wurden am Donnerstag den 17. und hierauf am 
19. August durchgeführt. Die Forschungen ergaben, dass im nordwestliche» Gebiet» von Schi- 

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Aus DKN MiTTHBniüNGEN DKP K. K. CeNTRAL-CoMMISSION. 119 

penitz eine Ansiedlung (wohl aus der älteren Bronzezeit) durch Feuer zerstört worden Bei. In 
einer Tiefe von 50 Cm. his 2 M. finden sich urtzählige gut gebrannte Gefässscherben, femer 
beträchtliche Mengen von durch daB Feuer gerötheter Lehmverkleidung ruthengeflochtener Wände, 
bedeutende Aschenlager, Thierknochen, endlich spärliche Feuersteinsplitter. Spätere von Baron 
MttBtatza vorgenommene Nachforschungen fitrderten auch das Bruchstück eines kleinen 
Bronzegefässes und ein zusammengeschmolzenes BronzestQck zutage. 

Vom 23. bis 29. August wurden hierauf die in H 1 i b o k a und den Nachbardörfern 
vorhandenen Tumuli — etwa 80 — aufgenommen und zwei derselben durchforscht. Dieselben 
maiisen etwa 15 M. im Durchmesser. Es sind Brandgräber; zwischen dem anstehenden Ertl- 
reiche und dem aufgeschaufelten Hügel war die Brandschichte deutlich bemerkbar. In einem 
derselben fanden sich ausser Kohle, Asche und zahlreichen Topfscherben ^or allem neun Thon- 
gefanse, welche im Centrum des Tumulus standen und imter denen in einer kleinen Vertiefung 
sich die zusammengescharrten caicinirten KnochenUberreste fanden. In dem zweiten Grabhügel 
fanden sich, abgesehen von Kohle, Asche und den Scherben, noch ein eisernes kleines Messer 
und Bwei Thongefässe, von denen das eine mit den Knochenresten gefüllt war. Femer würde 
in H 1 i b o k a die als „Starvisad** }>ezeichnete Oertlichkeit untersucht und daselbst an einer 
Stelle in der Tiefe von etwa 80 Cm. mittelalterliche Topfscherben und gebrannte Wandbewurf- 
stücke gefunden. Hierauf wurden Ausgrabungen am sogenannten Zamczeszcze ausgefilhrt. 
Dasselbe besteht aus drei concentrisch angeordneten Wällen, welche das abstürzende Ende eines 
Bergrückens abschliessen. Gefunden wurden Feuersteinspäne, zum Theil sehr dicke Gefass- 
scherben und Kohle. 

Schliepslich wurden von den zahlreichen Grabbügeln (etwa 50), welche sich von üntcr- 
Horodnik gegen Voitinell hinziehen, in der Zeit vom 30. August bis 1. September drei unter- 
sucht. Es sind Skeletgräber aus der jüngeren Steinzeit. Gefunden wurden ausser einzelnen 
KnochenstUcken noch Kohle, Topfscherben, Feuersteinsplitter, ferner eine Steinplatte mit vier 
Bohr)r>chern und ein durchbclhrtes steinernes Hamnierbeii. 

Alle Fundgegenstände wurden zunächst nach Wien an das k. k. naturhistorischc Museum 
gesandt; doch wird ein Theil an das Landes-Museum zurückgelangen. Dr. R. F. Kaindl." 



der Conservatoren und Correspondenten der k. k. Central-Commission. 

In dem Stande äer Conservatoren und Correspondenten in der Bukowina ist seit dem 
Vorjahre keine Änderung eingetreten. Zu dem im Jahrbuche 1893 enthaltenen Ver/^ichnisse 
ist zu bemerken, dass der ehemalige Conservator A. M i k u 1 i t s c h als solcher l>ereit« im .lahr- 
biiche 185G der k. k. Central-Commission genannt wird. 

a) Conservatoren. 

Isopescul Demeter, k. k. Schulrath, Director der Lehrerbildungsanstalt in Czemowitz; 
nir die III. Section, seit 1875; wiederbestätigt mit Min.-Erl. vom 24. März 1890, Z. 3278. 

Klauser Heinrich, k. k. Schulrath, Gymiiasial-Director in Kadautz; für die 1. Serlion, 
«eit 1887; wiederbestätigt mit Min.-Erl. vom 20. Jänner 1892, Z. 27489 ex 1891. 

Romstorfer Carl A., Architekt und k. k. Gewerbeschul- Professor in Czemowitz; für 
die II. Section, seit 1888; wieder bestätigt mit Min.-Erl. vom 27. April 1893, Z. 7804. 

b) Correspondenten. 
(i e t z 1 i n g e r Leopold, Dr., k. k. Bezirksarzt in WiÄnitz, seit 1881. 
Neu mann Ferdinand, k. k. Baurath i. Pi in Czemowitz, seit i871. 
Kluczenko Basil, Dr., k. k. Sanitätsrath in Czemowitz, seit 1883. 
Stefan clli Theodor, k. k. Bezirksrichter in Kimpolung, seit 1880, 
Laizner Josef, k. k. CJewerbeschul-Director in Czemowitz, seit 1888. 
Schmidt Wilhelm, k. k. emer. Gymnasial -Professor in Suczawa, seit 1889. 
Olinski-Olinescu Dionys, k k. Finanz-Concipist i. F., z. Z. in Bukarest, seit 1891. 
Polek Johann, Dr., k. k. Universitäts-Bibliolheks-Custos in Czemowitz, seit 1893. 

.^^ — - 

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Vermischtes. 



(Alexander Freiherr von Wassilko-Serecki.) Das Hnkowiner Landes-Miiseum erlitt einen 
»ehr schweren Verlust durch das am 20. August 1893 in Lopuszna l>ei Berhometh a. S. erfolgte 
pliUzliche Hinscheiden 8r. Kxcellenz des Herrn Alexander Freiherrn v. Wassilko- 
Screcki, welcher in seiner Eigenschaft als Landeshauptmann, u. zw. Im Jahre 1892, als 
erster die Stelle eines Obmannes des Curatoriums des Landes -Museums bekleidete und als solcher 
das Museum in thatkräftigster Weise unterstützte. — Alexander Freiherr v. Wassilko-Serecki 
wurde als Sohn des Freiherm Georg Wassilko am 29. Dezember 1827 in Berhometh am Sereth 
geboren, studirte das Gymnasium und die Philosophie in Czemowitz und absolvirte im Jahre 
1849 die juridischen Studien an der Universität in Lemberg. In die Heiraath zurückgekehrt, 
vermählte er sich mit Katinka von F 1 o n d o r und widmete sich der Verwaltung seines (»iil*- 
liesitze«. Auf die politische Bühne trat Alexander Baron Wassilko bald nach Beginn der ver 
fassnngsmjissigen Aera; im Jahre 1862 wurde er als Landtagsabgeordneter ans dem zweiten 
WahlkiVrper des Grossgrundbesitzes, seit dem Jahre 1870 als Vertreter der Landgemeinden des 
Bezirkes Wi^itz gewählt. Im Jahre 1870 wurde er zum Landeshauptraanne ernannt, welchen 
Posten er bis zu der im Jahre 1871 erfolgten Auflösung des Landtages bekleidete. Vom Jahre 
1884, neuerdings zum Landeshauptmanne ernannt, hatte er diese Stelle bis zu der im Febniar 
1892 erfolgten Auflösung des Landtages, beziehungsweise zu dem im September 1892 erfolgten 
Zusammentritt des neugewählten Landtages inne. Im Jahre 1808 wurde Alexander Baron Was- 
silko-Serecki zum lebenslänglichen Mitgliede des Herrenhauses berufen, im Jahre 1885 mit dem 
Orden der eisernen Krone zweiter Klasse ausgezeichnet und im Jahre 1888 zum wirklichen ge- 
heimen Rathe ernannt. 

(Zur Errichtung eines Landes-Rluseumsgebäudes In Czernowitz.) In der am 6. Mai i894 
abgehaltenen dritten Curatoriumssitzung nahm Herr i^nton Ritter von Kochanowski, Bür- 
germeister von Czemowitz, welcher als erster Stellvertreter des in Folge der Reichsrathssession 
eben in Wien gewesenen Obmannes des Curatoriums, Herrn Landeshauptraanne Johann L o p u 1. 
den Vorsitz führte, vor Übergang zur Tagesordnung das Wort zu dem nachstehenden, von den 
Anwesenden mit grösstem Beifalle begrüssten und ohne Debatte einstimmig zum Beschlüsse er- 
hobenen Antrage: „Das Bukowiner Landes-Museum wird alle seine Kräfte aufbieten, um d»s 
fünfzigjährige Regierungs-Jubiläum Seiner Majestät unseres Kaisers und Herrn Franz Josef L. 
des ersten Förderers von Wissenschaft und Kunst in unserem Vaterlahde, durch Errichtung 
eines der Wissenschaft und der Landeskunde gewidmeten Museumsgebäudes zu feiern, welches 
den Namen des Allerhöchsten Herrn — Francisco-Josephinum — tragen soll*. 

Die Idee, das Bukowiner Landes-Museum in dem in Krrichtung begriffenen Gewerbe- 
Museumsgebäude unterzubringen,*) musste, in Anbetracht des für da88ell>e zur Verfügung ste- 
henden, verhältnismässig kleinen Bauplatzes fallen gelassen werden. 

Das mit der Durchfllhrung der Vorarbeiten für den Museumsbau betraute Comite. beste- 
hend aus dem Obmanne des Curatoriums, Herrn Landeshauptraanne Johann L u p u 1 als Vor- 
sitzenden und der Museunisleitung, d. i. den Herren Museumsleiter Demeter Isopescul und 
den Custoden Dr. Josef Frank, Erich K o 1 b e n h e y e r, Dr. .Johann P o 1 e k und Carl A. 
Romstorfe r, das sich durch die Landes-Museums-Mitglieder Anton Ritter von Kocha- 



*) Vergleiche die bezügliche Notiz im Jahrbuche 1893 Seite 82. 

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Vermischtes. 121 

n o \v s k i, NicolaiiB Fretherm von M n s t a t z a, Dn Josef R o 1 1 und David T i 1 1 i n g e r ver- 
Ktärkie, beschloss in seiner Sitzung vom 20. Juni v. J. einstimmig, den Gemeinderatii von CV.er- 
nowitz um kostenlose Überlassung des für den Museumsbau in jeder Beziehung als am geeig- 
netst erscheinenden in der Siebenbörgerstrasöe, Orient.-Nr. 35 und 87 gelegenen Bauplatzes unter 
Vorlage eines Bauprojeetes anzugehen. Gleichzeitig wurden die Herren Ingenieur Prof. K o 1- 
benheyer und Architekt Prof. Romstorfer ersucht, im Einvernehmen mit den übrigen 
Oiistoden, Herren Dr. Frank und Dr. P o 1 o k, das Bauprojekt auszuat betten. Bei Verfassung 
des letzteren nun kamen den Projectanten die Kathschläge zu Gute, welche von dem eben in 
Czemowitz anwesenden k. u. k. Custos vom Nalurhistorischen Hofmuseum in Wien, Herrn Josef 
Szoroba.,hy, erbeten und von demselben in bereitwilligster Weise ertheilt wurden. Da« 
Gesnch an den Gemeinderath wurde am ü. .August Olierreicht; es ist zu hoffen, dass es im gün- 
stigen Sinne Iwld erledigt wird. 

(Prähistorische Forschungen in der Bukowina, 1893.) In dem Jahresberichte der An- 
thropologischen Gesellschaft in Wien für 1893 bemerkt hierüber der Präsident Herr Ferdinand 
Freiherr v. A n d r i a n - W e r b u r g. folgendes : „Die Angriffnahme der prähistorischen Studien 
in der Bukowina wurde langst von unserem Specialcomite für praktische Arlieiten als eine der 
dringendsten Aufgaben unserer Gesellschaft bezeichnet. Herrn Custos Szorabathy, dem thä- 
thigsten Mitgliede dieses Comites, gebührt das Verdienst, dieses Postulat durchgeführt zu haben. 
Von Behörden und Privaten in reidistem Masse unterstützt, besuchte derselbe von Czemowitz 
aus die Punkte Hliboka, Kadautz, Horodnik, Suczawa, Hatua, Calinesti, Sereth. Hadikfalva, 
Schipenitz und Hlinitza. Kr eriiifnete die ncolithischen Tumuli von Horodnik bei Radautz und 
die grossartige, durch verschiedene Perioden reichende Ansiedelung von %Schipenitz und unter- 
suchte die riSmlschen Tumuli von Hliboka, sowie die ßurgwälle von Hliboka und Hlinitza. Als 
l>e»onders werthvoll erwies sich dabei die Mithilfe des Herrn Conservators C. Romstorf er, 
dnrch dessen Localkenntniss eine rasche Orientirung behufs Eröffnung von aussichtsreichen 
Grabungen ermöglicht wurde. Dank diesem einträchtigen Zusammenwirken der verschiedenen 
liemfenen Factoren wurde in relativ kurzer Zeit ein Forschungsgebiet erschlossen, welches sich 
viel ergiebiger zeigte, als man früher anzunehmen geneigt war. Sollte Herr %Szombathy, 
wie wir hoffen, auch in diesem Jahre seine Arbeiten in der Bukowina fortzusetzen in der Lage 
sein, so wird bei dem lebhaften Interesse aller Kreise in der Bukowina ein Centrum für nclho- 
dische und prähistorische Forschung entstehen, welches die Entwicklung des Landesmnseums 
auch nach dieser Richtung hin kräftigst fördern kann.** 

(GoldSChmuck aus Merizei.) über denselben, welcher im Jahrbuche 189.3, Seite 70, be- 
gehrieben und abgebildet erscheint und welchen das Bukowiner I^ndes-Museum über gutige In- 
tervention seines Mitgliedes, des Herrn k. k. Bauadjunkten A. Issecescul erworben hat, 
schreibt Herr Dr. M. Much in den ,,Mittheilungen der Anthropologischen Gesellschaft" 1894, 
Seite [28]: „Conservator Romstorfer Ijerichtete an die k. k. Central-Commission Ql>er den 
Fond eines Goldschmnckes aus Merizei in der Bukowina, in welcher Gegend schon früher Gold- 
g^enstande an den T)Rg gekommen sind. Bemerkens wer th an diesem Funde ist wesentlich die 
technische Herstellung der Ornamente, welche aus in Zellen eingefügten Almantinplättchen be- 
stehen und lebhaft an den Goldfund auf der Puszta Bakod bei Kalocza in Ungarn und an den 
l>ernhraten Fund von Petroasa in Rumänien erinnern. 

(Die Bukowina im Kronprinzen werke.) Unter dem Vorsitze des Leiters der k. k. Bukowiner 
Landesregierung Herrn k. k. Hofrathe Grafen G o e ß fand am 7. .luli die constituirende Versamm- 
lang der literarischen Mitarbeiter für den Band Bukowina des Werkes: „Die österreichisch- 
angarischen Monarchie in Wort und Bild" und im Beisein des Redakteurs des Werkes, Herrn 
k. k. Hofrathe Dr. Ritter v. Zeissberg statt. Herr Graf GoeO begrüsste die anwesenden 
Herren and kennzeichnete unter besonderer Hervorhebung der Bedeutung des Kronprinzenwerkes 
für jeden Österreicher den Zweck der Versammlung. Er verlas sodann ein von Ihrer k. u. k. 
Hoheit der durchlauchtigsten Frau Kronprinzessin- Wittwe Erzherzogin Stefanie aus Fran- 
zensbad eingelangtes Telegramm, welches lautet: „Frohen Herzens ergreife ich wieder die Gele- 
genheit, da eine Reihe bewährter Kräfte sich zu einem vaterländischen schönen Zwecke ver- 



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122 Vermischtes. 

einigt, um alle Jene, die sich an der heutigen Sitzung betheiligen, uiit hestein Grusse wärniatens 
willkommen zu heissen. Seien Sie, meine Herren, überzeugt, daüs ein jeder neu entstehende 
Band unserem Werkes mein Interesse unverändert rege liält und mich Ihre Arbeiten, Ihre Bemü- 
hungen, Ihre Ausdauer fortdauernd mit patriotischer Genugthuung und neuer, aufrichtiger 
Freude erfüllen. Stephanie/' IJer Herr Landeschef übersendete hierauf das nachstehende Dauk- 
telegramm an Ihre k. u. k. Hoheit ab: .,Die Mitarbeiter an dem der Bukowina gewidmeten 
Bande des Werkes „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild'* erlauben sich 
hiemit Euerer kaiserlichen Hoheit den unterthänigsten Dank für die so überaus ehrende Begrus- 
sung ihrer constituirenden Versammlung darzubringen; sie fühlen sich ■ dadurch ermuntert im 
Dienste jener schJ^nen Aufgabe, die ihnen im Hahmen des grossen, patriotischen Untemehmenh 
zufallt, ihre besten Kräfte zu erproben mit jener Hingebung und Begeisterung, die den erhabenen 
Intentionen Euerer kaiserlichen Hoheit entspricht/' 

Die einzelnen Arbeiten wurden nun in nachstehender Weise endgiltig vertheilt: 
Landschaftliche Schilderung, Professor Ludwig Adolf S i m i g i n o w i c z - S t a u f e ; 
Vorgeschichte; Custos Josef Szombathy in Wien; 
Landesgeschichte, a) vor der Vereinigung (bis 1775), Professor Dr. Demeter v. O n c i u I. b» die 

Besitzergreifung, Custos Dr. Johann P o 1 e k, c) bis zur Gegenwart, Kegierungsrath. 

Prof. Dr. Ferdinand Zieglauer v, Blumenthal; 
der hukovinisch gr.-oi*. Heligionsfond, Prof. Dr. Isidor Ritter v, Onciul; 
Volkskunde, a) physische BeBchafi*enheit der Bevölkerung, Regierungsrath Dr. Basil Kluczenko. 

b) Volksleben der Humanen, Prof. Dr. Johann S b i e r a und Prof. S. Fl. M a r i a n u. 

c) Volksleben der Kuthenen, gr.-or. Pfarrer Alexander Manastyrski in Slobodzia- 
Banilla, d) Volksleben der Huzulen, Dr. K. F. K a i n d I, e) die Lipowaner, gr.-or. Pfarrer 
Demeter D a n in Lui»n, f) Armenier und Zigeuner, derselbe, g) die Deutschen. Cnstoe 
Dr. Johann P o 1 e k, h) die Ungarn und Slowaken, derselbe, i) Ortsanlagen und Woh- 
nungen (alle Nationalitäten), Architekt Professor ('arl A. Komst orfer; 

Musik, Professor Isidor Worobkiewicz; 

Literatur, a) rumänische Literatur und Dialecte, Prof. Dr. Johann S b i e r a, b; ruthenische Li- 
teratur und Dialecte, Prof. Dr. Emil Kafuiniacki, c) deutsche Literatur, Dr. Rudolf 
W o l k a n ; 
Bildende Kunst: Architektur (einschliesslich der Burgen und Schlösser;, Malerei und Plastik. 

Architekt Professor Carl A. R o m h t o r f e r; 
Hausindustrie, Ingenieur, Professor Erich Kolbenheyer; 

Volkswirthschaften, a) Landwirthschaft und Viehzucht, Landesrath Anton Zachar, b) Forat- 
wirthschaft, Forstrath Vincenz E c k l, c) Jagd und Fischerei. Nicolaus Freiherr v. M u- 
s t a t z a, d) Bergbau und Hüttenwesen, Regierungsrath Prof. Friedrich Kleinwächter. 
e) Gewerbe, Industrie, Handel und Verkehr, Handelskammer-Secretär Dr. Hubert Wi- 
g I i t z k y. 

Von den 22 Mitarl^itern sind neun Mitglieder des Landes-Museums. Eine Anzahl Objecte 
des Landes-Museums wird im Kronprinzenwerke bildlich zur Aufnahme gelangen und machte 
Herr Hofrath R. v. Z e i s s b e r g gelegentlich seines Besuches der Sammlungen selbst noch auf 
ein oder das andere diesbezügliche Stück aufmerksam. Custos Josef Szombathy veranstaltete 
für diesen Zweck eine fotografische Aufnahme interessanter Fundgegenstände. Zahlreiche foto- 
grafische Aufnahmen, ca. 140 Stück, aus allen Theilen der Bukowina, zumeist von Bau- and 
Kunstobjecten, fertigte Professor C. A. Romstorfer an. 



'-^l^ß--^ 



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Inhalts -Verzeichnis. 



Seite 
Vortrag:*) 

Dr. Jobano Poiek: „l^ie ehemalige russische Münzstätte in Sadagura*", 
abgehalten in der zweiten Hauptversammlung des Bukowiner Landes-Museums am 
6. Mai 1894 (mit 6 Abbildungen) 3 

Josef Szombathy : „Prähistorische Recognoscierungstour nach der 

Bukowina im Jah re 1893" 11 

Dr. Raimimd F. Kaindl: «Der rumänische arehäologiscbe Verein in der 

Bukowina« 22 

Wütela Schmidt: „Eine moldauische Sturmfahne dreihundertjähriger 

Vergangenheit** 25 

Dr. iobaiin PoIek: „DieAnfängedesk. k. StaatsgestUtesKadautz''. . 35 

Carl A. Roastorfer : Aus den „Mittheilungen der k. k. Centrai-Commission'* 

(mit 3 Abbildungen) 116 

Vermischtes 120 



^'^'^cS^f^iri^^^ 



^^^^^ 



*) Der filr das heurige Jahrbuch zum Abdrucke in Aussicht genommene, am 26. März 1893 
I>. Olinski-Olinescu abgehaltene Vortrag: „Ergebnisse der archäologischen For- 
Bchung in der Bukowina** entfällt, da Herr Olinski-Olinescu nach Rumänien übersiedelte 
und in seinem neuen Wirkungskreise nicht die entsprechende Müsse fand, den Vortrag nieder- 
ximch reiben. 



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ini--^ .'rymtif/ ^ 



A 



fl/hrf^^^'^^^lXÖ'h^ 



JAHRBUCH 



des 



likowme; Laadts-MQSiims 



* 7 '■ 




Dritter Jahrgang. 

1895. 

Reclactions-Coniit^ : 



C. Mandyczewski, A. Mikulicz, Dr. J. Poiek 

(Curatoriums- Mitglieder) 
und 

C. A. Romstorfer 

(Schriftführer). 






Czernowitz, 1895. 

Co/nc T j p c)- u. L i t h u j< r. des E r z b. 8 i 1 v. M o rii r i u - A n «l r i e w i <; z. 
Verlaj? «les Biikowiner I^ind<\<5-Mnseunis. 



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JAHRBUCH 



des 



Dritter Jahrgang. 

1895. 

Redactioiis-Coniit^ : 

C. Mandyczewski, A. Mikulicz, Dr. J. Poiek 

(Curatoriums-Mitglieder) 

und 

C. A. Romstorfer 

(Schriftführer). 





^ 



Czernowitz, 1895. 



C o n c. T y p T)- u. L i t li o ;r r. «l es Er z b. S i 1 v. M o r ii r i u - A n d r i e w i <• z. 

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Vorlag de» Bukowiner [^ndOvS-Museums. 

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Für den Inhalt der Artikel sind die Verfasser allein verantwortlich. 



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Ueber die Grenzregoliernng der Bukowina zur Zeit 
der Vereinigung mit Oesterreicli.'' 

Vortrag, gehalten am 24. März 1895 in der III. Hauptversammlung des Ver- 
eines y^Bnkowiner Landes- Museum^ von Dr. DANIEL WERKNKA. 

Bekanntlich erwarb Oeston'eich im J. 1772 einzelne Theile des fiiiheren 
Königreiches Polen, die vereinigt den Namen Königreich Galizien und Lodo- 
merien erhalten haben. Durch diese Erwerbung sah sich Oesterreicli in die 
Xothwendigkeit versetzt aus strategischen und politischen Rücksichten auch einen 
Theil der Moldau zu erwerben. Die damaligen i)olitischen Verhältnisse ermög- 
Uchten auch dieses, so dass am 7. Mai 1775 zwischen Oesten-eich und der 
Türkei ein darauf bezüglicher Vertrag zustande kam, der die Grundlage zu weiteren 
Verhandlungen bildete. Dieser Vertrag besteht aus 4 Artikeln,^) von denen uns 
hauptsächlich der erste interessiert, weil er im allgemeinen alles enthält, was 
die Regulierung unserer Grenze betrifft. 

Dieser Artikel lautet in deutscher Uebersetzung folgendermassen : 
i>In Hinsicht auf die freundschaftlichen Vorstellungen Ihrer k. und k. k. 
aiK>stolischen Majestäten, betreffend das Bedürfnis einer leichten Verbindung und 
eines unmittelbaren Angrenzens zwischen Siebenbürgen und den Provinzen von 
Galizien und Lodomerien, welche gegenwärtig zufolge ihrer Wiedererlangung von 
dem polnischen Könige und der polnischen Republik im Besitze des kaiserlichen 
Hofes sind; und um einen unzweideutigen Beweis von Freundschaft, Zuneigung 
und guter. Nachbarschaft zu geben, überlässt die hohe Pforte und tritt ab dem 
kaiserlichen Hofe die Landstriche, welche sich erstrecken einestheils zwischen 
dem Dniester, Pokutien, den Grenzlanden Ungarns und Siebenbürgens, und 
welche anderntheils begrenzt sind durcli die im nachstehenden erklärten und 
dargelegten Grenzen derart, dass das oberwähnte zwischen den genannten Grenz- 
linien eingeschlossene Gebiet von nun an für immerwährende Zeiten voll in den 
Genuss und in das Eigenthum des kaiserlichen Hofes übergeht Demzufolge 
werden sowohl Ihre k. und k. k. apostolischen Majesüiten, als auch die hohe 
Pforte C o m m i s s ä r e bestimmen und a b s e n d e n, um eii»e Grenzlinie 
festzusetzen, welche in klarer und genauer Weise die Gebiete der beiden Kaiser- 
reiche scheidet und um Grenzen zu bestimmen und festzustellen, welche in Zu- 



M Die darauf bezügliche Karte wird HpHU^r j^druekt wiM-den. 

*) Dr. 1). Werenka. >Bukowinafl Entstehen und Aufbhihen^ I. Theil, Archiv fiir «'»sterr. 
«•'»»fi^-h. Bd. lAXVlll. 1. }Vd\ne 1892, ö. 181, 182 (279, 280): Avant egard aux n>imWnfc\tionj; 

aink-ales de L. L. 31. M. I. et I. R. A. etc ' r^^^r^T^ 

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2 Werenra : 

kiinft den wechselseitigen Besitzungen als dauernde Scheidelinie dienen sollen; 
und da ausgemacht wurde, dass die genannten beiderseitigen Commissäro sich 
von der Grenze Siebenburgens bis zum Gebiete von Chotzim an die Karte halten 
sollen, welche seitens seines Hofes der Internuntius und bevollmächtigte Minister 
Ihrer k. und k. k. apostolischen Majestäten vorgewiesen, und die die hohe Pforte 
ihrerseits gleichfalls angenommen hat, so sollen zwei authentische Copien l)e- 
sagter Karte gemacht werden, von welchen die eine den Commissären Ihrer k. 
und k. k. apostoHschen Majestäten und die andere den Commissären der hohen 
Pforte übergeben werden soll, so dass, wenn sie an das Werk der Grenzbestim- 
mung gehen, indem sie am äussei-sten Ende Siebenbürgens, bei dem Bache 
^>Tesna impuziti« beginnen, und nacheinander die Dörfer Kandreny, Stulpikani. 
Kapokodrului, Suczava, Siret und Tschernovitze einbeziehen und jenseits des 
Prut vor Tchernauka, einem im Tchernovitzer Bezirke gelegenen Orte, der inner- 
halb der kaiserlichen Grenzen bleiben soll, bis zum Gebiete von Chotzim, sie 
sich an die oben erwähnte Karte halten sollen, und ohne über die Ländemen 
hinauszugehen, welche daselbst bezeichnet sind, sollen sie zur Festsetzung der 
Grenzen geeignete Punkte auswählen, um neue Streitigkeiten zu venneiden, zu 
welchen Zweifel und Unsicherheit Anlass geben könnten, und sollei» Sorge 
tragen, die vereinbarten Grenzen in der besten und passendsten Weise festzu- 
setzen. Was die weitere Abgrenzung der Ländereien bis zum Dniester Ix^tritR. 
von der Stelle an, wo das Gebiet von Chotzim mit dem Czernowitzer Kreis 
sich vereim'gt^ hat man sich in Uebereinstimmung mit den zwei Parteien dies- 
bezüglich dahin geeinigt unter der B(»(lingung, wenn die Commissäre der hohen 
Pforte ausserhalb des Gel)ietes von Chotzim vom genannten Punkt<^ bis zum 
Dniester gut kennbare Grenzlinien angel)en, welche denjenigen gleich kommen, 
welche gegenwärtig die Offiziere des kaiserlichen Hofes festgesetzt haben, die 
Commissäre des genannÜMi Hofes weder Schwierigkeiten, noch Einspnich er- 
helxMi werden dagegen, dass die zur Festung Chotzim gehörigen Grundflächen 
wie früher im Besitze der hohen Pforte verbleiben.« 

Die in diesem Artikel erwähnte Karte, ^) welche der Pforte vorgelegt wurde, 
wm* von Major v. Mieg ausgearl)eitet und mit Anmerkungen bezüglich einer 
natürlichen Grenzlinie gegen die Türkei versehen. Zur Markierung dieser Linie 
bestimmte Mieg auch 19 Punkte, welche in eineiu anderen Zusammenhange 
bereits dargestellt und veröftenthcht wurden.*) 

Auf Grund der Conventions-Kai-te erstreckte sich die Grenzlinie von der 
Quelle der Tesna impuzita, längs dieses Baches, fenier Dorna niare, gtddene 
Bistritza, Valea Arama, Raren, Toderescu, Valea Riiboja, Valea Gemene, Stul- 
))ikani, La Rus, Dorothea, Woronez, Capu Codrului, Stupka, Tolowa, ül>er Mogila, 
dann den Bergrücken, welcher sich bei Suczawa gegen die Ruine hinzieht. Jen- 
seits <les Suczawatiusses über Burdujeni und den Bergrücken, welcher bis Gni- 

*) (fcnoml-Plan «lor nou fixirti'n (träntzlinio (U\s l^ukowinaor Districts von 8if»lK*nhui>!t*n l'i- 
('/•'mauka als deu l«4ztrii Ort <l«'s Czomowitzcr Distr'cts mit Ik^niorkimjjim der ersten P(ws«^^ii »n- 
linie. dann einer zweiÜMi Linie naeli dor Conventions-Karte, endlieh der leUt ausj^^telltoii uvw^u 
(kränze, v. Major Miejr des (ieneralstahs Ix'arbeitet und «^'zeiehnet.* 1775. 1« = 1820". 1 : 130.«HM». 

♦) Dr. I). Wrrenka lJukowina.s Kntstelirn und Aufblühen^. Beila^»e». i 

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Uebeb die Grenzreüuliebung. • 3 

meschti bei Siret reicht. Von letzterem Orte über den Siretiluss, den Berg- 
lüeken, der bei Sinouz gegen Prohorod streidit, längs des Nikolniza- und De- 
rehluibaches bis zur Mündung desselben. Ferner längs des Prutflusses bis zur 
Einmündung des Stanalionibacbes ; dann diesen aufwärts bis zur Quelle und 
den Bergrücken bis zur Vereinigung der Quellen des Hukeubacbes. Die Grenze 
von diesem Punkte bis zum Dniesterflusse blieb noch unentschieden. 

Die Pforte gieng auf die Intentionen Oesterreichs ein, acccptiei-te im all- 
gemeinen alles und bestimmte, dass eine gemischte Commission im Sinne des 
I. Artikels der Convention die Grenzlinie genauer feststelle. 

Vor der Ernennung der Commissäre erheischten aber mancherlei Rück- 
sichten ein Vorschieben der österreichischen Truppen über die erwähnte Linie, 
infolge dessen wir eine zweite Grenzlinie erhielten. Diese begann am Dniest^r 
von Prewoi-odek {bei Chotzim) und zog sich hin über die Kammhöhe und Dial 
Marc Beresowa bis zur Quelle des Rakitnabaches, diesen abwärts bis zur Ein- 
mündung in den Prut; den Pnit abwäi'ts bis zum Einflüsse des Ternaukabaches ; 
diesen aufwärts bis zur Quelle. Die Gewässer Turiatka-Molniza, Siret, Sa- 
muschu mare bis in die Gegend von Sanmscliin und ein unbedeutendes Thal 
ergänzten die TJnie bis zum Moldauflusse, wobei der wichtige (3rt Baja in diese 
ein bezogen wurde. 

Von der Mündung des Bogat'i bis zum Einflüsse des Slatiniascabaches 
in die Afoldau, bildete letztere die Grenzlinie. Slatiniascabacli, Muncelberg, Vadu 
Ne^lesi, Negi'ileasa, Gemene- und Rabojathal, Todorenscaberg, <ler Bergrücken 
des Rai*eu, Arama, goldene Bistriza-, Niagra Dorna- und KiHmanelthal ergänzten 
die Grenzlinie.^) 

Durch letztere Darstellung erfäln't aucli das Oilsverzeichnis des k. k. Ge- 
neralmajors V. Spleny vom J. 1775 eine Beleuchtung.") 

Zur Regelung der Grenzverhältnisse wurden Commissäre gewählt. Oester- 
reich wählte den Feld-Marschall-Lieutenant Br. Barco, die Pforte Tahir Agha. 
Dem ei-steren wurden Major v. Mieg, Hofsecretär Jenisch, Hauptmann Scherz und 
Dollraetsch Klezl beigegeben, dem letzteren der Ijegist Molla Mehmed Effendi 
und Secretär Emin Effendi. 

Von der Ernennung der Grenzcommissäre bis zu ihrer Zusammenkunft, 
die am 1;]. Sept 1775 in Baja ') stattfand, vergingen ungefähr V/^ Monate. 

Am 13. September traf Tahir Agha mit seinem Gefolge in Baja ein und 
wurde von Barco, Mieg, Jenisch und andern Offizieren empfangen. Nach gegen- 
seitiger Begrüssung und Auswechslung der Vollmachten brach die Ommiission 
am 17. Sept. auf und en^eichte am 19. Sept. Campidung. 

Am 21. Sept bestiegen Barco und Tahir den Gipfel des Giumrdeuberges, 
um die Grenzlinie von dem Tesnabnche bis zum Moldauflusse besser in Augen- 



**) Splonv >TiiMla", Narhbonannt<'r in doni Kav«. Könijxl. Buki>\viiu»r District sicli Ih'HihI- 
lirlien Ortwbaft<»n 

^) Dr. I). WVrenka -I)m' Vi*rhaii<l'.unj^'ii Oostoni'ii-lis mit thr Türkoi' hozüj^lirh der Er- 
w»'rbun|^ <l<»s Hukowinor Dis^trictÄ nach der Convention vom 7. Mai 1775. 8«'paiMt-AlMlnick ans 
«U-ni 17. .JalmMlx'ricbti' dvr k. k. Stiiats-rnt*»m'alschule im V. Bezirk«« von Wien. Wien 1S92. 
S. 7 ff. . « . ^-^ I 

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4 Werenka 2 

schein nehmen zu können und Hessen auf den dominierenden Punkten Feuer 
anzünden. 

Da Tahir an Fiel)er erkrankte, wurde vereinhart, dass Mieg und JenLsch 
einei-seits, Molla Mehmed ^ffendi und Emin Effendi andererseits nach Ma«?uni 
Calului (an der Quelle der Tesna impuzitTi) sich begeben und von diesem Punkte 
die GrenzreguHenmg in Angriff nehmen. Barco und Tahir kehrten vom Giu- 
mrden nach Campulung zurück. Auf Miigura Calului entstanden aber wegen 
der zu bestunmenden Linie zwischen den östenoichischen und türkischen Sul>- 
delegierten einige Difterenzen, die ei-st nach Einholung weiterer Befehle seitens 
der Connnissäre ausgeglichen wurden. Die türkischen Subdelegierten wollten 
nändich die auf der Conventions-Kai-te eingezeichnete Grenze als giltig an- 
nehmen ; während die österreichischen auf eine entsprechendere besU^nden ; und 
zwar auf eine Linie, die von llagura Calului quer über den Oberlauf der Dor- 
nischora und Dorna Marc auf die Kamnduihe, von hier über Pietrile Ros*'h. 
Lukacz, Poiana Venatoriului zur Quelle des Serischor Marc, diesen Bach ab- 
wärts bis zur Eiimiündung in die goldene Bistriza sich hinzog.^) Tahir acee^>- 
tieiie die Grenzlinie im Sinne der (isterreichischen Subdelegierten und befahl 
dieselbe mit Grenzzeichen zu versehen. AVährend Barco und Tahir nach Vania 
reisten, setzten die Subdelegierten die Grenzregulierung fort. Von Dorna Vatr« 
ei-streckte sich die Linie längs der Bistriza bis zur Einmündung des Arama- 
Thales in das Bistriza-Thal. Dieses wurde verlassen und die Grenze durch das 
Arama-Thal gezogen, fei'ner über Raieu, den Kamni dieses Gebirgszuges. T<>- 
dorefusca (Toderescul), Obcina Kirilu, Tarniza, Vervu Klitile (Klifi), Alunisch. 
Muntele Lung (picioinil Lung), Obcina rea (Butka reu), Capu Baiaschesku (ar- 
schiza Baiasch.), ferner über den Grund des Dorfes Stulpikani, Vadu Negrilesi. 
diesen Bach durchschneidend auf Obcina Czumerna, von hier über PQetita Mari\ 
Rotunda, Capu Pleschi, dann gerade auf Valea Saca und den Moldaufluss; 
ferner längs dieses bis zur Einmündung des Valea Saca-Baches. 

Am 10. October kam die ganze Commission in Baja an, um ül)er die 
Grenzlinie zwischen dem Moldau- und Suczawafluss ein Einverständnis zu er- 
zielen. Es ergab sich diesbezüglich keine Differenz, so dass am 15. October in 
Liten Marc die Commission den Namenstag der grossen Kaiserin Maria Tlie- 
resia feiern konnte. 

Vom Moldauflusse wurde die Grenzberichtigung wieder aufgenommen : 
wobei die Linie durch Samuschelgraben, einen Theil des Sanmschel, Samusch 
Marc, Sanuisch Mik, Hreaska, Dialu, Hirtop, Plavalar und Rakowabach bis zum 
Suczawafluss markiert wurde. 

Zwischen dem Suczawa- und Prutfluss zog sich .die Linie von der Ein- 
mündung des Suczawaflusses in den Siret, diesen aufwärts bis zur Einmündung 
des Molnizabaches in jenen, ferner den Molnizabach aufwärts bis zu seiner 
Quelle, dann über einen Bergrücken, der sich zwischen Prohorod und Buda 
gegen Lukawiza- oder jVLamoniizabach hinzieht, diesen abwärts bis zu Einmün- 
dung in den Prut.^) 



®) Ibidem. 

») Ibidem. r^^^r^T^ 

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Ueber die Grenzbegülieeüng 5 

Obwohl auf dieser Strecke die Grenzregiilienuig ohne besondere Schwierig- 
keiten vor sich gieng, so niuss doch bemerkt werden, diiss die neue Linie nicht 
l)ehauptet werden konnte. Denn auf Grund eines neuen Uebereinkonimens vom 
2. Juli 1776 wurde die Siretlinie seitens Oesterreichs aufgegeben und die Su- 
czawalinie bis zur Einmündung des Mitokabaches acceptiert. Von diesem Punkte 
bis zum SiretHuss stimmt die neu aufgenommene Grenze mit der auf der Con- 
ventions-Karte fast ganz überein. Aber die zwischen Siret- und Prutfluss ent- 
spricht der GrenzHnie auf der Conventions- Kai*te nicht. 

Bis Ende October 1775 war die Grenze zwischen Prut und Czernauka in 
der Weise festgestellt, dass der Sttiiuthorabach aufwäi*ts bis zur Quelle, dann 
der in der Verlängenmg streicliende Bergrücken bis zur Vereinigung der Quellen 
Hukeubaches und der Salonizagraben Bukowina vom türkischen Gebiete trennte. ^^) 

Wegen der von Czernauka bis zum Dniester zu ergänzenden Grenzlinie 
entstanden grosse Streitigkeiten, die nur in Constantinopel geschlichtet werdeu 
konnten. Am 14. November 1775 war die Arbeit unterbroclien und erst am 
\H. .Jänner 177t> wieder aufgenommen. Xacli AViederauf nähme der Grenzl)erich- 
tigung tniten neuerdings zahlreiche Zweifel auf, welche die Beendigung der 
Grenzn^gulierung bis zum 2. Juli 1776 vei-zögerten. An diesem Tage wurde die 
Grenze vom Stanahonibach bis Rakitnabach erweitert, jedoch die bis Prevorodek 
vorgeschobene Grenze bis zum Chrinowa- und Onutbach zurückverlegt,") 

Auf diese Weise wurde die scliwierige Arbeit der Grenzregulierung zur 
Zufriedenheit beider Mächte beendet. I^nter dem Schutze des Habsburgischen 
HeiTscherhauses erlangte die Bevölkerung der Bukowina die lang ersehnte Ruhe 
wieder und das Land ejitwickclte sich allmählich in erfreulicher Weise. 



->--f~4^.. 



»<*; Ban*«>. „(tränz-Bcschivibun«; von der Tesnu iinpntzitu bis zur Czornauka . IVvorotlok 

'^. Xo\. 1775: Jian-o ^SjH'dlicijtion dortMi <rränz-A<U(T, \vt*l<-lio in Bfvsoyn donm Tiirkisclion (Jränz- 

''<rtnrais*^ion8<lelogirten aiifjtn.'SM'zot wurd^'n. Pn^vorodt^k, d«'!i Dton 9bns 1775. 

**) *ln nonifi di dio Altissimo . Palaiuutca 2d() Julio 1776, 

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Altere Vertheidigungsanlagen in der 

Bukowina. 

Vortrag^ gehalten in der 3. Hauptoersammlang vom 24 März dp» Biikowiner 
Landes Museums von CARL A. ROMSTORFER. 

Seit der Übenialinie unseres Kronlandes in die österreicliisclie Verwaltung, 
d. i. seit 12 Decennieii, hat sich die Bevölkerung, die damals ziemlich spärlich vertre- 
ten war, nahezu verzehnfacht. Daraus kann allerdings nicht geschlossen wenlen. das> 
die Einwohnerzahl auch vor dieser Zeit in gleich rapider AVeise zunahm, denn dann 
hätte es im .Tahre 1300 ungefähr nur 7 Personen hier gegeben ; im Gegentheile 
mag vielleicht eliedem ab und zu die Population in der Bukowina aii Zahl griiMser 
gewesen sein, als Osterreich zu Untei-thanen erhielt, und jedenfalls gab es schon 
vor R<3merszeiten hier ein sesshaftes Volk, w.as wol auch durch die 400 bis 500 
Tumuli bestätigt ei'scheint, die in der Bukowina existiren, und deren Entstehen, 
wenigstens eines Theiles dei-selben, in diese Zeit verlegt wird. Ja, es wird si»gar 
behauptet, dass lange vor dem Beginn der cln'istlichen Zeitrechimng die eliedem 
sumpfige Dubowa bei Sereth — und diesfalls wol auch noch andere Gebiete der 
Bukowina — bevölkert waren, was allerdings bis heute noch keineswegs er^aesen 
ist, immerhin aber möglich sein könnt(\ Diese Bewohner, — so nimmt man au 
— hätten in Pfahlbauten gewohnt, wie man solche bekanntlich seit dem Jahre 
1854 mit den interessantesten, über das Leben und Treiben der Bewohner Auf- 
schluss gebenden FundgegcMJständen zahlreich, namentUch in den Schweizer See'n 
entdeckte. Diese Pfahlbauten nun wären dann wol an die Spitee unserer heutigen 
Betrachtung zu setzen, denn sie stellen völlig zur Vertheidigung gegen Thiere 
und Menschen eingerichtet« Ansiedelungen dar, welche behufs Eri*eichung dieses 
Zweckes nicht auf dem Lande, sondern im AVasser, u. zw. in der ISähe von 
See-, seltener Flussufern auf Pfählen errichtet wurden, und zu jenen Zeiten wol 
als vollkommen gesicherte Plätze gelten konnten, wenn man den Verbindungssteg 
zwischen Ufer und Pfahlbau gegen letzteren zurückzog. 

Abgesehen von diesen, in ferner, vorgeschichthcher Zeit hier etwa bestan- 
denen, leicht zu veiiheidigenden Wohnsitzen begegnen uns in historischer Zeit 
wahrhaft gi'ossai*tige Veilheidigungs werke, welche die Römer zu Ende des ersten 
und zu Beginn des zweiten »Jahrhunderts unserer Zeitrechnung zur Sicherung 
des von Trajan untenvorfenen, bis gegen den Dniester reichenden Theiles des 
Dakerlandes in unserer Gegend, wenngleich nicht direct in der Bukowina, errich- 
teten. Es sind dies gewaltige, unter dem Namen Traj ans wälle l>ekaiuite. 
noch jetzt bestehende Erdaufwüife. von denen ^ich einer in Bessarabien von 

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Roiistorfeb: Ältere Vbrtheidigüngs anlagen in der Bukowina. 7 

I^ieowa am Pruth bis Cirkajestie hei Bender am Duiester, ungefähr 110 Kilo- 
meter lang, ein zweiter ebendaselbst von AVadylui Isaki am Pruth bis zum Salz- 
see am Schwarzen Meere, circa 130 Kihmieter lang ei^treckt, ein dritter, sich 
schlingenartig entwickelnder und vierter in der Dobrudscha, welche beide von 
der unteren Donau zwischeji den heutigen Oilen Tscheniawoda und Medschidieh 
in der Richtung der Eisenbahnlinie bis Küstendsche am Schwarzen Meere laufen; 
Die dritte Wallaidage mit nnhezu 90 Kilometern Länge wird viermal von der 
Bahnlinie durchschnitten; der vierte Erdaufwurf ist 70 Kilometer lang und 
durch einen an 20 Kilometer langen AV^all mit dem dritten Erdaufwurf ver- 
bunden. — Es wird noch eines römischen AValles Erwähnung gethan, welcher 
sich vom buken Dniesterufer durch Podolien nordwestlich bis nach (iralizien 
hinein ei-streckt und speciell einiger AV^älle gedacht, welche im Bezirke Rawa 
ruska bei Magieröw (in der Nähe von Zolkiew, nördlich von Lemberg) bestehen, 
eine Breit(^ voji migefähr 50 Meter besitzen und el)enfalls von Trajan, aus dem 
Jahre 105 n. Chr., heiTühren sollen. 

Diese mächtigen Veitheidigungsardagen, welche an ähnliche Bauten des 
alten Babyh)n erinnern, wurden mehr oder weniger im Zusammenhango mit der 
den Donauübergang herstellenden, an und für sich durch Schanzen gesicherten 
Trajansbriicke beim heutigen Turn-Severin errichtet, welche als ein Weltwunder 
galt, aber schon von Trajans Nachfolger, Hadrian, zerstört wurde, um nach dem 
Aufgeben der am linken Donauufer gelegenen Provinz Dacien durch den Bestand 
des Donauüiwrganges nicht die am rechten Ufer der unteren Donau sich 
erstreckende Provinz Mösien zu gefährden. Hier errichtete auch, beiläufig 
bemerkt, Trajan, u. zw. bei Adamklissi in der Dobrudscha, nach den dakischen 
Kriegen, einen mächtigen, in den jüngsten Jahren erst aufgedeckten Rundbau 
mit Trophäen. Reste der riasigeu Ijandpfeiler der vom Erbauer der Trajanssäule 
in Rom, dem berühmten Appolodorus, ins Werk gesetzten Trajansbrücke bestehen 
noch heute. 

Gehen wir nun speciell auf unser Kronland über, so begegnen wir wol als 
ältester, geschichtlicher Ansiedlung und seinerzeit wichtigstem Orte daselbst, dem 
heute ziendich unbedeutend gewordenen Städtchen S e r e t h. Die Lage des- 
selben an dem durch Bachschluchten zerklüfteten Noixlabhange des hohen, an 
dieser Stelle steil gegen das breite Sereththal uiul gegen den knapp herantre- 
tenden Fluss abfallenden Hochplateau Horaica zwischen dem Sereth und der 
Suczawa, ermöglicht an und für sich schon eine voraigliche Yeitheidigung, 
welche noch erleichtert wird durch eine im Osten das Plateau dominirende 
Kuppe. Noch heute führt diese den Namen Ruina und nach Berichten sollen 
noch im Jahre 1756 daselbst Tilauern bestanden haben. Im vorigen Jahre 
besuchte ich die Ruina und fand von Mauenverk keine Spur, dagegen aber zahl- 
reiche zu Tage liegende, ausgeackerte Scherben von Thongefässen der verschie- 
densten Art, von denen ich typische Stücke für das Tjiindes-Museum mitnahm. 
Der Sage nach bestand auf der Ruina ein befestigtes Schloss, von welchem aus 
unterirdische, zu Vertheidigungsz wecken dienende Verbindungsgänge nach anderen 
wichtigen Punkten der Ansiedlung hinführten. Der I'mstand allein, dass die 
Sage von solchen unterirdischen Gängen erzählt, bietet einen sicheren Beweis 



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8 ROMSTORPEB : 

für den dereinstigen Bestand eines festen Schlosses an dieser Stelle. Ahnliche 
Sagen knüpfen sich nänilicli - theilweise vielleicht mit voller Berechtigung — 
an viele Burgen und Schlösser, wie beispielsweise an das später noch zu erör- 
ternde Füi-stenschloss in Suczawy, das mit der durch das tiefe Thal des Ksdcaina- 
baches von ihm getrennten Miroutzkirche in Verbindung gestanden sein soll ; in 
ähnlicher Weise an die Burg Xeamtz in Rumänien ; an den Bergfrit ') am Cecina 
nächst Czernowitz ; ferner an Rauhenegg, Rauhenstein und Scharfeneck l)ei Baden, 
und an das Breiten further Schloss bei Liesing und Kloster HeiHgenkreuz, welche 
miteinander durch unterirdische (liänge verbunden gewesen sein sollen ; — an 
die Karlsbnrg in Böhmen, welche mit der wol drei Kilometer entfernten SUult 
Bergreichenstein ; an die prähistorische Bm'g Nachod ^) in Böhmen, welche mit 
dem 1270 erbauten Schlosse in Xachöd; an die nach der Mitte des zehnten 
Jahrhunderts so kunstvoll befestigte, am Ai-patschaisHuss gelegene Königsstadt 
Ani, dem -armenischen Palmyra«, welche mit dpui aiuleren Ufer des Flusses 
eine unterirdische Verbindung gehabt haben soll, u. s. w. 

An der Südseite der Stadt Seivth befindet sich der Burghügel Saska, 
welcher den Namen vom Woewoden Sjis, Sohn des Dragosch, besitzen dürfte, 
der in der Mitte des 14. Jahrhunderts hier re-.idirte. Am Nordfusse dieses Hügels 
fiiesst der tief in den Ijehmboden eingeschnittene Kakainabach, welcher sich mit 
dem nordwärts gerichteten Solonecbach, unweit der Einmündung desselben in 
den Sereth, vereinigt. Von dieser Stelle aus führt gegen die Saska zu ein etwa 
8 Meter hoher Erdrücken, der in den dreissiger Jahren durch die neu angelegte 
Strasse durchschnitten wurde. Mindestens zwei Meter seiner Höhe sind künstlich 
aufgeschüttet und erscheint derart der Wall fiir Vertheidigungszwecke einge- 
richtet worden zu sein. Er trägt an seinem östhchen Ende den alten jüdischen 
Friedhof, während anderei-seits an demselben die BeilFsche Ziegelei liegt die 
zur ausgiebigsten Fundstätte Sereths wurde. ^) Wie berichtet wird, erbauten zu 
Anfang des dreizehnten Jahrhunderts die deutschen Ritter auf der Saska 
eine kleine Burg, ähnhch der noch jetzt erhaltenen, ebenfalls den deutscheu 
Rittern zugeschriebenen Burg in Neamtz. Noch im Jahre 1819 fand man auf der 
Saska Mauerreste vor. Späteren, eingehenden wissenschaftlichen Forschungen 
wird es vorbehalten sein, die frühere Bedeutung Sereths, ehemals einer der wich- 
tigsten, auf dem Verkelu^wege von der Moldau nach dem Norden gelegenen 
Handelsplätze, als befestigten Punkt zu würdigen. Gelegenheit für Forschungen 
wird wol auch die Erbauung der projectierteji Localbahnstrecke Czerepkoutz- 
Sereth bieten. 

Ich habe bereits ol)en des B e r g f r i t s am Cecina Erwähnung getlian. 
Der Cecina, der höchste nordöstliche Punkt der Ausläufer der Bukowiner Wald- 
karpathen, noch im Gebiete der Stadt Czernowitz und, mit seiner Höhe von 
539 Meter über dem Meeresspiegel, ungefähr 380 Meter über dem Prutliilusse 
liegend, hat die Fonn eines sehr schmalen, langgestreckten Kammes, der an 



*) Berj^rit = Wiiilthimii. Vor^l. Xotiz 246 zum Aiiff^itze Tymler Bui^fii von Paul 
Cloinon in den Mittheilun^ni <l«'r k. k. (Vnitnil-Conunission, 1894, St»ito 26. 
*) Mittboilunp-n «kr k. k. Contral-Connnission , SiMto 95, 1895. 
') Zalilroichc Kunilobjectc aus der Bciirschcn Ziejreloi iM'finden sk'h im Ixin^U^-Museum, 



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Ältere Veetheidigunosanlagen in der Bukowina. 9 

seinem südöstlichen Ende mit einer steilen Spitze abschliesst, sich aber anderer- 
seits mit dem breiten, westlich gegen Hlinitza gerichteten Rücken verbindet. Hier 
bestand ein Bergtnt, dessen Eirichtung, »»ach den gemacliten Funden zu schliessen, 
ebenfalls dem deutschen Ritterorden, oder den »rohannitern zugeschrieben werden 
köniite; Wickeidiauser aber hält den Hthauischen Füi'stensohn und Fürsten der 
Moldau Georg Koriatowicz (1874—1377?) für den P^rbauer. ^) Nachdem in 
neuerer Zeit daselbst ein Steinbnich angelegt wurde, vei-schwand nach und nach 
(las Gemäuer und nur noch die Reste einer sehr breiten, mm umgestürzten 
Mauer bedecken die Spitze, sowie knapp darunter zahlreiche Löcher, weK4ie von 
Grabungen heniihren. ^) Reitersi)orne und Waffen, der Form nach deutsche 
Rittei"scliwerte, wurden hier aufgefunden, von denen ein Theil im Landes-Museum 
seine gesichei*te Aufbewahnmg besitzt Weitere Grabungen sind verboten und es 
hat die Gemeinde Czernowitz vielmehr bereits die Aufforstung des Cc(!ina in 
dankenswertlier Weise eingeleitet. 

Der Bergfrit am Cecina, sowie die etwa vor der Erbauung desselben hier 
vorhanden gewesene Sicherungsanlage, ist indess blos als der Endpunkt einer 
Reihe von Bauten anzusehen, welche auf dem zur Pruthebene steil abfallenden 
Bergrücken errichtet ei-scheinen. Bildete doch dieser an und liir sich schon eine 
ffist uneinnehmbare Veste und eine wohlgeschützte Verbindung^ zwischen den 
wichtigen Handels- und Heereswegen, welche aus Polen nach Süden lührten 
und den Pruth bei Czernowitz, bezw. bei Hlinitza übei-setzten, von denen der 
letztgenannte Fbergang seinerzeit der wichtigste und, — nach den in Hlinitza 
gemachten prähistorischen Funden und der neuester Zeit auf dem entgegen- 
gesetzten Pruthufer bei Schipenitz aufgedeckten, längst untergegangenen Ansied- 
lung ^ zu schliessen, — auch der ältere war. Über 13 Kilometer ist der Berg- 
rücken von der Cecinaspitze bis zu dem westhchen Endpunkte, dem an der 
Einmündung des Hlinitzaflüsschens in den Pruth steil abtallenden, 130 Meter 
über dem Wasser gelegenen Pohar lang und im Süden überdies noch durch 
den Dialu dracului (Teufelsberg) geschützt, während seine Mitte durch die 
Spaskahöhec (Verhack- oder ZuHuchtstätte) bezeichnet erscheint 

Längs des Rückens des Pohar, von welchem das Auge ebenso wie vom 
Cecina das breite Pniththal, ja die ganze Gegend nordwärts bis über den 
Duiester nach Galizien hinein beherrscht, besteht nun ein Schanzgraben, der 
möglicherweise als Waldgrenze aufgeworfen worden sein mag. Neben demselben, 
u. zw. etwa 200 Meter vom abfidlenden Ende des Pohar entfernt, bemerkt num 
einen 5 — 6 Meter im Durchmesser haltenden Hügel, der vielleicht ebenfalls blos 
zur Grenzbezeichuung dient, aber angegraben erscheint, was beweisen kömite, 
«lass man ihm eine andere Bedeutung als die eines gewöhnlichen Grenzhügels 



*) In soiner kürzlich erschionenen (irschithte (Ur BukowiniK IL, ho/Aicbnet Dr. R. F. 
K a i n d 1 den ixdnischen Könij,' Kasimir III., den Grossen als den Erbauer des IJerjjrl'rits 
am Cei'ina. 

*) Der verstorlx»ne Finanzratli Wiekenliauser tlieilte Hemi Dr. Kaindl (vei^rl. des l«'tzteivn 
Biuhenwald' Nr. 1, 8tMte ^) mit, dass ungt^fähr im .Jahn.^ 1S46 ein (ir»'is aus Kt>s(h «»r/äldte. er 
'rinnea» sieh, auf dem Gemäuer des (Veina einst Reste eines Daehes ^nveben zu liahen. 

*> Auch die Sage spricht von einem vei"sunkenen Dorl" bei Scliipenitz; über die neob'tbi.scbc 
Ansiedlunj^ 1mm .Schii>enitz berichtete ausbibrlicb der k. u. k. Cu^to.s J<iseF S z o m b a t li y im 
•IihrlMiche 1H94 <Ies Bukowiner Iiandes-Museums< . St^te i:^ fl", 



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10 Romstorfee: 

beimisst. XhcIi weiteren 700 Metern bemerkt nuui, bereits schon im Walde, 
einen südwestlieli verhiufenden kleinen Zweiggraben mit Wall, dem Avir auch 
noch keine besondere Bedeutung zusprechen wollen, obwol Graben und \Vall 
derzeit mit Buchen bewachsen sind. 900 Meter weiter und mitten im Wahk 
begegnen wir indess einem (juer über den Rücken lautenden, von einem starken 
Graben begleiteten Wall, der seiner Form und Lage nach wohl nur für Sicbe- 
rungszwecke ernchtet worden sein dürfte, wie ein zweiter ähidicher, etwa 1500 
Meter entfernt und schon gegen Spaska zu gelegener Wall mit Graben vor- 
handen ist, in dessen NiUie nun ein schimder, rund 1)^00 Meter langer Rücken 
gegen Nordnordwest abzweigt. Dieser eigenthündich geformte, nach allen Seiten 
steil abfallende Rücken bildet den Hinteigrund der engen Schlucht des Koriwati- 
baches und besitzt mu- von Süden her einen Zugang. Von ihm aus ist ebenfalls 
ein weiter Ausblick gegen Norden möglich, insofern dies der mächtige Bucheii- 
bestand von heute zulässt. Auf demselben, der die Bezeichnung Miserdziw 
z a m k i (nach Wickenhauser richtiger Myserdshiu zamki, aus dem Kunmnischen. 
d. i. Bollwerk bei der ('b(»rffduv) führt, befindet sich nun eine ausgedehnte Wall- 
burg, die unter dem Volke die Bezeichnung Tatarenlager führt. Möghcher- 
weise wurde sii* von den Tatm'en benützt, welche in der ei-sten Hälfte des 
1.'5. Jahrhunderts in Kumanien einfielen, das Ijand ein Jahrhundert lang fast in 
völligem Besitz b(»hielten und dann wiederholt die nachniidigc Moldau beunru- 
higten, - errichtet wurde sie W(d schon früher. 

Der Rücken steigt von seinem südöstlichen Ende in einer Ausdehnung 
von ungefähr 500 Meter sanft bis zum höchsten Punkte und fällt von hier sehr 
massig in einer Länge von rund 800 Meter bis zur Nase. In der Entfernung 
von 200 Meter vom höchsten Punkte aus beginnt die Wallburg, welche ül)er 
300 Meter lang, am rückwärtigen Ende durchschnittlich 50, an der vonlereu. 
gegen die Nase zu gerichteten Seite aber 130 Meter breit ist Fünf Querwälle, 
darunter drei als Doppelwälle, mit Gräben, theilen die Anlage in vier Felder, 
deren gWisstes, zwischen dem dritten und vierten Wall liegendes, als eigentüches 
Lager zu gelten hat, das wohl 9000 Quadratmeter gross ist, und von welchem 
aus die Wälle nach auswärts, d. h. einei^eits gegen den Zugang, auderereeits 
g(\gen die N.ise zu gerichtet sind. Dort, wo die einzelnen Felder seitlich nicht 
schoji durch den steilen Absturz allein genügend gesichert erscheinen, sind auch 
Längswälle angeordnet, welche mit den Querwällen, namentlich was die Lauf- 
gräben anbelangt, in entsprechender Verbindung stehen. Ein Laufgraben des 
Lageri'eldes geht in einen an dem steilen Ostabhange gelegenen sanft verlau- 
fenden Einschnitt über, der als ehemaliger Auffahrtsweg fiir die Wasserzufuhr 
u. dgl. gedeutet werden köinite. Die Entfernung vom letzten AVall bis zur Nase 
beträgt ungefähr noch 300 Meter. ^) 

Namentlich die dem Hauptlagerfekle am nächsten hegenden WiUle sind 
an ihrer Aussen-, d. i. der dem Angreifer zugekehrten Seite, wie Untersuchungen 
ergaben, die ich im vorigen Jahre im Auftrage der k. k. Central- Comniission 
für Kunst- und historische Denkmale, und welche später noch derk. u. k. Custosani 

') l)«'r Situati« ns|)lan «lirstT MMsrlu'in«Mi(l naclirr»niisclien Wallbui'g \\inl mit eiiuMu ausfuhr- 
liclion H»Ticlit<' «loninäcliht in <K»n MittlH'ilinijxiMi <Ut k. k. (Vntral-Coinmission erscJu^inen. 



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Ältere Vertheidigüngsanlagen in der Bukowina. 11 

Naturhistorischeii Hofmuseuin in Wien, Herr Josef S z o ni b a t li y . liierüber 
anstellte, vei*schlackt, um gegen Geschosse und eventuelles Abrutschen möglichst 
widerstandsfähig zu sein, ~ d. h. es wurde der Lehm, nach seiner, zumeist auf 
einer Steinunterlage erfolgten Aufschüttung gebrannt. Derartige Wallburgen 
(Hradiszte) bestehen zahlreich, namenthch in Böhmen. Professor Dr. J. N. 
Woldrzich beschrieb solche in den Mittheilungen der Anthropologischen Gesell- 
schaft^ (Jahrgang 1893) und setzt sie theilweise, nach den erzielten Funden, in 
die ältere Metall- oder La Tene-Zeit. Er fand indess bei einzelnen Wällen der 
sog. Glasburgen, speciell der vei-schlackten Wallburg Na Hradu^ bei Litoradiic, 
die Verschlackung mehr an der Lmenseite vorgenommen. 

Die in der WalUmrg bei Hlinitza genmchten Funde : zahlreiche Topf- 
scherben der vei*schiedensten, vielfach piimitivsten Art, rauchgeschwärzte Ix»hm- 
platten, gebminite Blockwand-Rewiu-fstücke, Feuersteinsplitter, Knochenstückchen, 
gebrannter Weizen u. s. w. übergab ich dem Bukowiner Landes- Museum. 

Eine in der Anlage mit dem sog. Tatarenlager äbnhche Wallburg 
von allerdings geringerer Ausdehnung befindet sich auf dem Z a m c z y s t e i n 
Hliboka, den l'bergang aus dem Dehreluithale ins breite Serethtlial und 
di(*se^s selbst beherrschend. Ks ist bemerkenswerth, dass im Baimkreise dieses 
verschanzten lüigei-s ebenfalls, u. zw. im nahen Orte Presecareni, prähistorische 
Funde (Broncekelte) genuicht wurden. ^) Die AVallburg li(»gt auf einer ainiähernd 
g(»gen Osten gerichteten Nasö mit sehr steilen Hängen, welche gegen Westen 
hin in ein sanft ansteigendes, breites Plateau übergeht. Ich habe das ver- 
schanzte Liiger ZamczystI' im Jahre 1898 in Gesellschaft des k. u. k. Custos, 
Herrn Josef S zo m b a th y besucht und aufgenommen. °) Der genannte Herr 
hat späterhin noch Grabungen vorgenommen, welche nur unbedeutende Funde 
ergaben, u. zw. wenige Topfscherben und drei kleine Feuerstein Werkzeuge '°). 

Das Ende der Nase, den Innonraum des Lagers bildend, hat nahezu die 
Fonn eines Dreiecks und erscheint durch einen segmentfiinnig nach auswärts 
(^egen Westen) gerichteten Wall und Graben abgeschlossen. An der Bogen- 
sehne ist das Lager an 40 Meter breit, während die grösste Länge sammt der 
etwa 10 Meter betragenden Pfeilhöhe des Segments ebenfalls 40 Meter misst ; 
der Wall selbst ist ca. 45 Meter lang. In der Entfernung von ungetähr 80 Meter 
ist ein zweiter, mit dem ei*steren mehr oder weniger concentrisch verlaufender 
Wall mit (iraben von 80 Meter Tünge angeordnet, während in der weiteren 
Entfernung von etwa 30 Metenj ein dritter, fast geradliniger Wall von 80 Meter 
Länge enichtet erscheint, welcher sich an der Nordseite, wo der Abhang nicht 
mehr genügend steil ist, rechtwinkelig abbiegt und mit seinem 21 Meter hingen 
Schenkel an den zweittMi Wall anschliesst. In der Nähe dieses Lagei^ belindet 
sich im AValde noch ein hoher Erdrücken, von welchem vorläufig nicht bestimmt 

*> In «Uomt (Je^'inl. H. zw. juil' diT scIiw.ir/An Alm zwischen l{lil)(»ka un<l Korowia wiinlcn 
»«•kanntlirli die Pulon unter Könijr Juhann AlUredit im .Jalm» 14U7 «hin-h Stefan den (irussen 
;i*'M'liIa^'n. 

•) Der Situalion8|)hin wird demnäehst in den !Miltheilunj::en <ler k. k. Central-Commissii»!;' 
efM-lieinen. 

*") Wrj^l. »Jahrbuch 1S94 des Buk. binde.s-Mupeums«, S^ite 16. ^^ I 

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12 Romstorfee: 

ist, ob ('v auf kiinstlicho Weise entstand oder doch für Vertlieidigungszwecke 
benutzt wurde. 

Südlich von Hhboka, im Suczawathah», Hegt der langgestreckte Ort X e u- 
Fratautz, bei welchem sich, u. zw. auf der Ciemeinde- Hutweide, gegen ^0 
Tumuli befinden sollen. Nach li'eundhcher Mittheilung des Hen'u Dr. Isidor 
Ritter v. Onciul bestehen in dem zu Neufratautz gehörigen ^yalde auf der 
Cet^itea (Schloss) benannten Anhöhe am steilen Bachufer Gräben und 
alte Mauerreste, welche sicher für Vertheidigungszwecke dienten. Eine 
eingehende Untersuchung dies<*r Anhige ist in Aussicht genommen. '') 

P^inem Ijericlite des k. u. k. Oustos, Herrn Josef Szombathy zufolge '^) 
betinden sich in C a 1 i n e s t i bei S c h e r b o u t z, u. zw. auf der Anhöhe, 
(\)te öliO. etwa 1 '/j, Kilometer westlich vom Schlosse, drei Wälle, von denen 
zwei (juer über den Nonhibhang der Kuppe gelagert ei'scheinen, wähi-end der 
dritte siMikrecht gegen die ei*stei*en und mit seiner Front ungelalu* gegen das 
Scbloss bin situirt ist Es ist hier zu bemerken, dass knapp lünter dem Schlosse 
vor etlichen .Jahren durch unser Vereinsmitglied, dem Gutsbesitzer Heirn Gustiiv 
Marin ein rrnen gräberfei d aufgedeckt wurde, und dass ungefähr 2'/, Kilo- 
meter südlich bievon eine, das Hatnabachtlial beheiTscliende Anhöbe mit der 
Cote 508 den bezeichnenden Namen Z a m c z y s z führt, auf welcher, nach Mit- 
tbeilung unseres Vereinsmitgliedes Herrn Ingenieurs Aleko Isecescul, Spuren 
von Gräbern bemerkbar sind. Bekanntlich wurden « im Hatnabache, namentlich 
nach 'Hochwässern, zu wiederholten Malen Goldfunde gemacht, so u. Ä. im 
Jahre 1892 der Fund von Merizei ^^). 

Nach einer Mittheilung des gr.-or. Pfarrei"s, Herrn Vasile T o m i u k in 
ililleschoutz soll am linken Ufer der Suczawitza, dem Orte Badeutz gegenüber- 
liegend, wie eine Sage hiiitet, Stefan der Grosse auf dem Felde V a r n i t z a 
einen Theil der Tatnren vernichtet haben. **) Als man vor Jahren die Weide in 
Ackerboden verwandelte, stiess man beim Pflügen auf einen backofenähnlichen 
Raum, in welchem sich noch Kohlen befanden und auf einen Keller, ui dem 
allerdings bereits in Verwesung übergegangene Hirse lagerte. Auf dem Felde 
wurden ferner Münzen, Pfeilspitzen, SäbelkUngen und Sporne ausgeackert, welche 
Objecte von den Landleuten zumeist verarbeitet wurden. Bis vor 4 — 5 Jahrzehnten 
waren daselbst auch Verschanzungen sichtbar, die aber heute bereits verschütte 
und ausgeglichen sind. 

AVeit nachhaltiger als Sereth entwickelte sich in der Folge, der günstigen 
geogratischen Lage wegen, Suczawa, das mit der Ausbreitimg des Handels, 
namentlich auch'gegen Siebenbürgen und Ungarn zu, dor Hauptstappelplatz des- 
selben wurde. Hier wechselten zahlreiche Waren, einerseits von Braila über 
Berlad, Bakau, Roman, mit dem Wege über Neamtz und Baia und von Akjer- 

»M Wie mir «Icr «.T.-or. PlarnT Herr I. Poru ml) e s cn in Neu-Fmtautz eben mittlieilte, 
knü|>ren sicli an ilie Wiildhir»sH' Cetateii eini^'»^ Vulkssa^^^n. 

»5) Vei^rl. >Jalirl)Urli lx\)4 des Jliik. Landes-Museums«. SiMte 20. 

»») Verjrl. ».Fahrbueh ist)8 des Ibik. huides-Mu.s«Mims<, Seite 70, mit Al)büdun;j. 

'*) Ani^a'blieh ihr dicsrn ^'\v<x stirtet4* Stefan der (Jrosse das Klcster Putua (ver^l. aiieh 
Wirkenbausor *Mnlda^ 1, 1. Heft. S^'it*' 81. 



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Ältere Vertheidigungsanlagen in der Bukowina. 18 

man über Bender und Jassy, andererseits nach Bistritz und Hermannstadt über 
Wama; nach Ijemberg über Sereth und Czernowitz und nach Kamjeniec über 
Chotin und Dorohoi. Die Terraingesüiltung bei Suczawa hat gi\)sse Ahnhchkeit 
mit jener Sereths und bietet eine mindestens gleich günstige natürliche Siche- 
nmg, die nicht unwahrschein Heb schon frühzeitig durch Erdwerke u. dgl. erhöht 
wurde. Ein Punkt ist es namenthch, der Schlossberg (Cetatea), welcher im Norden 
und Osten schroff gegen den Suczawafluss und im Westen gegen den tief ein- 
geschnittenen Kakainabach abtällt, während er gegen Süden durcli seine kuppen- 
fönnige Gestalt eine dominirende Lage erhält. An .der nordöstHchen, etwas 
zurückspnngenden Ecke liegt die ausgedehnte, heute völlig verfallene, s. z. mäch- 
tigste Burg der Bukowina, das ehemahge Füi^tenschloss, viellei(*lit an Stelle einer 
schon von den Johannitern, welche im Jahre 1247 Kumanien von Bela T\. zu 
liehen erhielteji, aber kaum zwei Decennien im Lande verbheben, errichteten 
Befestigung. Im vorletzten Decennium des 14. Jahrhundeils verlegte der AVoje- 
wode Peter IL Muschat (der Schöne) die Residenz von Sereth nach Suczawa; 
nach Anderen hat vor ihm Georg Koriatowicz bereits in Suczawa residii*t, wo 
er vergiftet wurde. Es ist indess noch fraglich, ob die jeti^ige Ruine des Füi-sten- 
schlosses im Osten Suczawa's die ui-sprüngliche Residenz war, denn ausser dieser 
Ruine bestehen in Suczawa, u. zw. ungefähr in der geraden Linie zwischen dem 
Bahnhofe Itzkany und der aniienischen Kirche zum hl. Axentius, Zamka genamit. 
mächtige Reste von Mauerwerk aus alter Zeit. Nun berichtet Gabriel Freiherr 
v. Spien y in seiner Beschreibung der Bukowina"^) bezüglich Suczawa: »Es 
findet sich diiselbsten ein altes Schloss, welches die ganze Stadt dominieret Bey 
Besichtigung dieser Antiquitaet fand ich über einem Fenster die hungarischen 
AVappen in Stein ausgehauen«. Unter diesem alten Schloss, wclclies über die 
Stadt dominirt, können wol nur die ausgedehnten Ruinen im Osten der St^ult 
gemeint sein. Er erwähnt zwar, dass auch noch Mauen^este von Kirchen, Häusern 
und Kellern vorhanden seien, hebt aber die oberwähnten Reste von Mauerwerk 
am Abhänge der Zamka nicht besonders hervor. Dagegen schreibt General Karl 
Freiherr von Enzenberg in seiner Denkschrift: '") > Annoch werden in Suczawa 
siebzehn grosse demolirte Kirchen, vielleicht hundert der kost- 
barsten, auch 80 Staffeln tiefen gewölbten Kellern, eine sehr weitläufige, und 
zusammengefallene Residenz und eine grosse, auch zusammengefallene B e r g- 
festung gezählt«. Unter der »Re.sidenz« ist nuu wol unzweiheliiaft das jetzige 
ruinenhafte sog. Fürstenschloss zu verstehen, während unter der »Borgfestung« 
die erwähnten Mauerreste am Abhänge der Zamka — und nicht vielleicht letztere 
selbst, welche hauptsäclüich aus noch vollständig inüict gebliebenen AVällen als 
ältere Befestigung besteht — gemeint sein werden. Zur Zeit Enzenberg's 
mögen aber die Mauerreste noch sehr umfangreich gewesen sein, welche jedoch 
bald infolge der Entimhme von Baumaterialien mehr und mehr vei*schwanden. 
Untersuchungen an Ort und Stelle, welche ich im Verlaufe des heurigen Jahres 
im Auftrage des k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht in Suczawa, in 



^^) Vom Jahn? 1775: herausf^ef^^bcn von Dr. Johann P«»lok. 1^93. 
") Vom Jahre 1779: horauflf^et^'bon von Prof. Dr. v. Zio^laiuM- ((Joschuhtliche PiMor 
aus (W Bukowina zur Zeit <ler östtuT. Oc<-uiMition), 1894. r^^y-./^!^ 

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14 Romstorfer: 

erster Linie am sog. Füi'steiischlosse, vorzunehmen lial)e, werden wol einige Klar- 
heit in die noch ziemUch ungelöste Frage hringen und düi'ften inshesonders auch 
sicherstellen, inwieweit die vorhandene Handzeichnung, betitelt ^das Fürsten- 
schloss von Suczawa im Jahre 1536« auf Authenticität Anspruch erhel)en kann. 

Im Xachstehenden bringen wir das AVichtigste von dem, was über diesem 
Schloss bis jetzt bekannt^ resp. beobachtet wurde; möghcherweise wäre einiges 
hievon auf diis von Enzenberg als » Bergfestung «^ bezeichnete Bauwerk zu beziehen. 

Ob Suczawa schon unter den Dakern oder Römern bestand, ist nicht 
erwiesen; bisher hat man keinerlei darauf hindeutende Funde gemacht Nach 
einer Sage hätte Dragosch Alt-Itzkany gegründet, welches sich nach und nach 
zur Stadt Suczawa erweiterte, indem ans Siebenbürgen deutsche und später un- 
garische Handwerker und Geschäftsleuti» '^) und hauptsäddich aus Lemberg und 
Sereth armenische Kaufleute einwanderttMi. Den verhältnismässig grössten Auf- 
schwung und neue Besiedelungen erhielt Suczawa wol zu Beginn des 15. Jahr- 
hundeils unter dem AVqjewoden Alexander dem Guten, der bekanntlich dem 
Fürstenthume Moldan ei-st eine staatliche Begründung gab, die Gebeine des hl. 
Johaimes Novi (1402) nach Suczawa in die alte, der Sage nach von Dragosch 
wahrscheinlich aber erst von Juga, dem Vorgänger Alexanders, im letzten De- 
cennium des 14. Jahrhundeits erbauten, dem Schlosse gegenüber gelegenen Me- 
tropolitankirche l)rachte und hiedurch jahraus jahrein zahlreiche Pilger heranzog, 
endlich eine detaillirte Zollrolle festsetzte. Diese ITrkunde gewährt, Iwiläufig 
bemerkt, einen überaus instructiven Einblick in die damaligen Handelsverhält- 
nissc». Es ist nicht erwiesen, ob Koriatowicz den Bau des Suczawer Schlosses 
begann und Peter II. dasselbe im Wesentlichen vielleicht vollendete. E. R, Neu- 
bauer erwähnt, dass der Woewode Roman T. in) Jahre l,-593 Sucz^iwa als 
Residenz neu herrichten liess. wo auch seine Scihne und seine Mutter r.^sidirten. 
Die Sage aber meldet dass bereits Alexander in den ausgedehnten unterirdi- 
schen Gewölben des Schlosses ungeheure Schätze verborgen hielt, ein Beweis, 
dass das Schloss unter diesem Fürsten gewiss schon der Hauptsache nach voll- 
endet war. Indess scheinen spätere Fih-sten noch mancherlei Bauveränderungen 
behufs Wrstirkung des Schlosses vorgenommen zu haben. So Stephan der 
Grosse in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts während seiner rund vierzig- 
jäbrigen Regiennig, welcher für derlei Arbeiten auch gefangene Tataren verwen- 
dete. In einer Urkunde vom 31. August 1458 eitheilt er dem Dorfe Borginestie 
ausser sonstigen Freibeiten auch die, dass die Bewohner desselben bei der Burg 
Suczawa nicht zu frohnen hätten. Unter dieser, für andere Orte demnach beste- 
henden Frohnde sind vielleicht hauptsächlich Erd- und Bauarbeiteji zu verstehen. 
Auch von Petn- Raresch, im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts, wird ei-\i'ähnt 
dass er das Schloss weiter befestig(Mi liess, währ.Mid »Tacob Heraclides D(*sj)ot 
dasselbe nach der Mitte des 1(5. Jahrhunderts nach All der deutsehen Ritter- 
burgen umgebaut und daselbst einen Thnrm mit seinem in Stein gemeisst4ten 
Namen erriditet baben soll. 

'") Schdii i!iit4M- Kr.jiiV [j<.i;i IV. uMiil.Tli'ii Sit'lMMilnir-r*M- 8ai-!iH«'n zablroidi, naiut^ntlH-h iu 
«lio Wahi'lipi. :ni^, \i\\<\ «v, crlhss chsliaHi «b'r Küiii^ im .Jahr.' 1247 ein W^rhot t^i'i^^n «liest» Ait- 
waihlerun^' (F. Miilh'r: D'w liinhliclK« naukmist «Irs n.jnanisclu'n Stiles in 8ielH»nhrir«i«in. 



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Ältere Vertheidigungsanlagen in üer Bukowina. 15 

Nach den lückenhaften geschichtlichen Aufzeichnungen üher die Moldau 
und den sich nicht selten widei^prechenden Angaben hält es schwer, auch in 
Bezug auf das Suczawer Fürstenschloss vollständig verlilssliche Daten festzusteHen. 
Durch meine detailliiien Aufnahmen der ruinenhaften Miroutzkirche und wieder- 
holte, vergleichende Studien in den Trümmern des ehemaligen Schlosses, scheint 
die Annahme bestätigt, dass der Baubegimi beider Denkmale ziemlich zusammen- 
fällt. Andererseits erkennt man genau, dass einzehie, vielleicht mehr oder we- 
niger nur unwesentliche, Bautheile am Schlosse nachträglich Jiergestellt w^urden, 
u. A. ein niedriger, breiter Pfeiler in der äusseren einspnngenden, annähernd 
gegen Norden gelegenen Ecke Jieben der Kapelle. Die Aussenwand der Haupt- 
apsis derselben erscheint lerner mit theilweiser Verwendung älteren Bau- 
materials autgefiihrt und es lassen sich leicht und sicher sieben profilirte 
Steine nachweiseji, welche als gewöhnhches Baumaterial in der Bnichsteinwand 
vermauert wurden, früher aber, wie ihre Form zeigt, an einem anderen Object(\ 
u. zw. h()chstwahrscheinlich an einem grösseren, reicher gegliederten Gotteshause, 
theils als Thünerdachungsgesims, tlieils als Gewölbrippen oder Dienste Verwen- 
dung fanden. Aus der Miroutzkirche, welche um das Jahr 1513 durch ein un- 
bekanntes Ereignis devastiil worden sein soll, worauf die Metropolie (sammt den 
Reli<piien des heiligen Johannes Novi) in die ungelähr ein Decennium späU^r 
vollendete St. Georgskirche verlegt wurde und welche in ihren wesentlichen 
Mauern noch heute besteht, stammen sie indess nicht, denn hier wurden derlei 
profihrte Steine nicht benützt. Vielleicht gelingt es gelegentlicli der im Zuge 
!>efindlichen stilgerechten ResUuirirung dieser Kirche die Inschrifttafel aufzudecken, 
welche nmn in der Nälie der Kirche vei-sohültet wähnt und hiedurch, oder sonst 
viie, weitere Daten zu gewinnen, vielleicht auch durch die Ikonosasis der Mii-outz- 
kirche, die heute noch bestehen soll, u. zw. einer allerdings unverbürgten Aus- 
sjige nach, in einem Filialkloster des rumänischen Kloster Neamtz. Bemerk(Mis- 
werth ist, dass theilweise mit Ziegelmehl hergestellter Mörtel zur Verwendung 
gelangte. 

Die heutigen Ruinen von kolossalen Mauern und starken Thürmen, in 
denen eine vielhundertköpfige Schar von Dohlen die einsam hausende Eule aus 
ihrem Schlupfwinkel vei'scheucht, — der riesige, die Burg von drei Seiten um- 
gebende Graben, sowie der steile mit Mauertrünnneni übei-säte Abhang auf der 
vierten Seite zeugen noch von der einstigen Stäi'ke des Fürstenschlosses, welches 
zahlreichen Belagerungen während der seit seinem Bestünde bis zum vorigen 
Jaiu-huudert auf der Tagesordnung gewesenen Kriegs- und Greuelthaten im 
Luinde überdauerte und nur durch Ven'ath, List und durch Aushungerung der 
Belagerten ab und zu in die Hände der Feinde kam, und welches deshalb eine 
sichere Schatzkammer der oft sehr reichen Wojewoden bildete, unter den(Mi ins- 
besondei-s noch Peter Raresch und Basil Lupul genainit werden. Seine 
Bedeutung verlor das Schh)ss, von dessen Ausstattung noch eiinge Rudimente 
figiiraler Frescomalerei in der Schlosskapelle Proben liefern, noch lange nicht, 
als nach der Mitte des 16. Jahrhunderts der Wojewode Alevander Lopusch- 
nean**^ Jasny ziu* Residenz wählte und nachdem im .Jahre Ki.iO unter Miron 

") Ver«?!. Dr. 1). () n <• i u 1 : „Zur (iosrlnVIit** (l»r Buk«»\viiia". f^ r^^r^]r^ 

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16 Uomstorfer: 

Baruowski ebenso die Metropolie nach Jassy verlegt wurde, mit welch letz- 
terer auch die Reliquien des heilij^en Johannes dahin gelangten. Suczawa ind(*ss 
ging auf diese Weise als Süidt und Handelsplatz langsam zurück, das, einer 
Aufzeichnung aus dem 17. Jahrhundert zufolge, zu jener Zeit doch noch mehr 
als 20.000 Einwohner gehabt haben soll, d. i. fast dreimal soviel als heute, fer- 
ner 17 Kirchen. Nach einer bereits citirten Denkschrift des Generals Enzen- 
berg zählte man in Suczawa zur Zeit der Übernahme der Bukowina in die 
(isterreichische Verwaltung, u. zw. im Jahre 177 1 aber nur mehr 59, im Jahn» 
1779 allerdings schon wieder 417 Famihen. 

Unter Kcinig Johann S o b i e s k i s Zügen gegen die Türkei wird zwar der 
bereits früher einmal, 1485, durch die Türken in Bi-and gesteckten, nun, 11)75, 
Hbernnils durch Feuer verwüsteten Stadt Suczawa gedacht, des Schlosses sell>st 
aber gescbieht, wie auch in der Folge, keine Erwähnung mehr. Alexander Lo- 
puschnean soll, 1507, das Schloss, wie alle Vesten des Landes, haben zer- 
stören lassen, worauf dasselbe leremia Mogila nochmal herstellte. Nach 
W i cke nha user*'-*) wäre es endlich im Jahre 1677 durch den Wojewoden 
Demeter K a n t a k u z i n o, welcher die Türken gegen die Polen zu Hilfe rief, 
verwüstet worden, welches Datum aber Schmidt ^^) als verfrülit bezeichnet. 
Erwähnt wird, dass bereits im Jahre 1672 infolge eines Erdbebens ein Schloss- 
thurm einstürzte. Indess ist gewiss keine der vereinzelten Zerstöiningen am 
Füi^tenschlosse für den Bestand desselben so schädigend gewesen, wie die spä- 
teren nachhaltigen Devastationen durch unl)efugte Raubgräbei'eien und haupt- 
sächlich durch Vei^chleppung der Bausteine zur Herstellung neuer m^issiver 
Häuser. General Enzenberg hebt nämhch in seiner Denkschrift u. A. hervor, 
dass die Armenier, die er gerne zunickhalten wollte, die Bitte um Entnalime 
von Steinen von den demolirten Kirchen und der zusammengefallenen Residenz 
an ihn stelltc^n, welcher Bitte er aus dem Grunde nicht Folge leisten und deren 
Gewähining er nicht befürwoi-ten koinite, weil man, wie er sagt, „selbst ab aerario 
Niederlagen, Häuser und Gewölbe, daim öftentliche Gebäude aufliihren wenle. 
folglich dieses sehr schöne Material, so allschon in loco ist, sehr benöthigen 
dürfte". Trotzdem wurde, wie wir wissen, dem Armenier Iwan Kapri gestattet. 
Steine vom Bergschlosse zur Erbauung des jetzigen Hotels Ijanger zu verwenden. 
eines umfangreichen Gebäudes, dessen weitvei'zweigte unterirdische Keller und 
Gänge wohl Waaren-Lagerräume darstellen. Pietät wunle also den frühereu 
Baudenkmalen zu jener Zeit auch seitens der einflussreichen Persöidichkeiten 
nicht entgegengebracht. Heute ist dies glücklicherweise anders und es bleiben 
wenigstens die noch vorhandenen geringen Reste des einst so stolzen Berg- 
schlosses, Dank der vereinigten Fürsorge seitens der Gemeinde Suczawa und der 
Bezirkshauptmannschaft daselbst, der Nachwelt erhalten. 

AVir kommen nun schliesslich noch zu einer ganz besonderen Art von Ver- 
theidigungsanlagen, welche, wie im Oriente überhaupt, auch in der Bukowina 
sehr häufig angetroffen wird und hier noch bis in's 17. Jahrhundert zur Ausfiili- 
nmg gelangte, nämlich zur Befestigung der wichtigeren und speziell 
der Klosterkirchen. 



) ..Siiczawa's historische I)onl\Wür(li«^k«'it<^n, Seite 180 unn '1^ W. o 



Ältere Vertheidiqünosaxlagen ix der Bukowina. 17 

Bereits im Alterthum legte man geheiligte Stätten und Tempel gerne an 
^gesicherten Punkten an, umgab sie mit Mauern u. dgl.; die Tndier namentlich 
erbauten um ihre Tempel hemm starke, mit Thürmen versehene Ringmauern. 
Audi im Mittelalter, z. B. in Deutseldand seit Kaiser Heinrich, finden >yir, 
hauptsächlich um bei feindlichen ÜbeiftUlen das Leben und die wichtigste Habe 
retten zu können, in Dörfern und kleineren Städten die Kirche und den dieselbe 
Uiiigebenden Friedhof als khnne Veste ausgebaut. Im „burgenreichen" Sieben- 
bürgen legttm sich die ersten deutschen Einwanderer neben gewöhnlichen sog. 
ßauendmrgen bald auch starke Kirchburgen an, und, um die Ansiedlung in dem 
fremden, unruhigen Lande entsprechend zu schützen, 'in möglichst vollkommener 
Weise, indem sie um die freistehende Kirche Ringmauern mit Thürmen, Schiess- 
schart<Mi, Wehrgängen und Ausfallsthüren, sowie Vertheidigungsgräben zogen. ^^) 

Bei keinem Volke findet man den religiciscn Fanatismus so sehr «ausge- 
bildet, wie beim Orientalen, der sich einei-seits gerne dem beschauhchen Leben 
hingibt, andererseits aber zum erbittertsten Verfolger Fremdgläubiger wird, — 
Eigenschaften, die heute allerdings schon wesentlich von ihrer Intensität einge- 
büsst haben. Kein Wunder^ dass die für die neue Lehre gewonnenen Anhänger 
lies Christenthums, - welche fiir ihnMi (ilauben selbst oft den schnun-zlichsten 
Tod erduldeten, — um der Verfolgung möglichst zu entgehen, zu jener Zeit die 
unwirth liebsten Gegenden und sichei-sten Versüvke aufsuchten. So find(Mi wir 
im Balkan, in Serbien, (liriechenland, Kleinasien, namentlich auch in Annenien, 
(Trusien und Georgien das Einsiedler- und Mönchsh^ben bald in höchster Blüte 
und in d(T Folge die ei*sten und ältesten Kirchen und Klöster in Schluchten 
vei-steckt oder auf felsigen, schwer zugänglichen Höhen emchtet, und in späterer 
Zeit von den Laiulesherren oder sonstigen Grossen des Ijandes entsprechend 
fortiticatorisch verstärkt und zur Bergung der Schätze sowohl als der eigenen 
P(*rson, wenigsti»ns nach dem Tode, benützt. 

Ganz ähnliches vennögen wir in den Donaufiii-stenthümern, einschliesslich 
unserer Bukowina, nachzuweisen. Gar manche Sage über bedeutendere Kloster- 
gründungen knüpft an Einsiedler, so die bezüglich Woronetz an den Einsiedler 
Diuiiel, welcher am Abhänge des gegen Gurahumora zu gelegenen Falkensteins 
in einer aus dem Felsen gemeisselten Zelle hauste, — und nächst Putna ist 
noch sehr wohl erhalten die Kilia in peatra, welche eine aus dem Felsen ge- 
ineisselte Zelle und eine über ihr liegende Kapelle darstellt, woran sich genau 
ixK-h Sactuariun), Naos und Pronaos nachweisen lassen. Im oberen Ijaufe des 
Piitnahaches, ganz versteckt im Gebirge, in der kleinen Thalenveit<^»rung Zaha- 
stria, Iwmerkt man die Ruinen ein(»r wenig umfangreichen, zu dem ehemals hier 
bestandenen Einsiedlerkloster oder Skit gehörigen Kirche; und so findet nmn 
au(*h im Dragoschathale oberhalb des IXirfchens Dragoscha auf der den Namen 
Einsiedelei (Zahastria) ftihrenden Stelle altes Mauerwerk, ferner weiter hinauf in» 
Gebirge an der Waldstelle Kiha Mauerreste, ül)er welche Niemand nähere Aus- 
kunft zu geben vermag.^^) Die Sage aber erzählt speziell hier von grossen 



'*) A c k n e r, M. J. „Dit» rüniisclu'ii Alt^MihünuT und (Icut.sThcn Huix«'n in Siclxnibür^^'ii'* 
Wun 1K>7. 

«> Wick>*nhau8t'r: Bmhi^tin, Hint*^ 14. Digitized by 

2 



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18 I^omstorfrr: 

Schätzen, welche, in dieser Ge^^end verhörten, aus Stefan des Wojewodeii Zeiten 
stammen sollen, und sie wirkt noch so nachhaltig, dass sicli vor vier Jahren 
Bauern zu geheimen Nachgrahungen veranhisst fiihlten. Sie sollen allerdings 
nur einen 26 Meter langen unterirdischen (iang aufgefundeu haben und in die- 
sem ledigHch Erde und Steine. 

Derartige? Sagen knüpfen, wie wir zun» TheiU» schon gesehen haln^n, noch 
an manche andere Punkte, und der im Jahn* 18H7 auf dem BtTge Istritia IkI 
Petnisa in Rumänien gelegentlich des Brech(»ns von Steinen entdeckte IxTühmte 
Goldschatz beweist u. A., dass ähnliche Sagen wohl nicht immer ganz unl)e- 
gründet sind. 

Da.ss jene durch die Einsiedler und Mr»nchsvereine geheihgten, versttM^kten 
Olle uamentlich in den unruhigtMi Zeiten der fioiheren Jahrhunderte auch bei 
uns an Bedeutung gewinnen mussten und mit ihnen Einfluss und Macht der 
Kaluger, ist leicht erklärlich, und so giengen denn die moldauischen Hospoilan^ 
bald daran, neue Klöster an derlei Oiix^n zu gründen oder bestehende KU^ster 
zu enveitern und reich zu b(*stiften, — namentlich auch wüi'dige Klosterkin heu 
zu errichten, oft als Dank für erfochtene Siege, dann für ihr und ihrer Familie 
Glück uiul S(H»lenheil, hauptsächlich aber auch, um in der Klosterkin^he eine 
gesicheile Grabstätte zu Ix^sitzen. Gleichzeitig aber sollte das Kloster einen 
UK'iglichst festen Zufluchtsort in Feindt^snöthen bieten und der walachische Woje- 
wode Neagoe, welcher mit grosstnu Aufwände zu Anfang dc^ 16. Jahrhunderts 
die Kirche Curtea de Argesch eiTicht^'te, beschwört^^ ausdrücklich seine Xach- 
folger, die Schätze der vor dem Feinde flüchtenden Bojaren schützend zu empfan- 
gen, sowie die Kirche zu hüten.^') 

Damit nun das Kloster dieser Aufgabe gewachsen sei, musste es zu einem 
förmlichen festen Platze umgestaltet werden, und so finden mr denn in der Bu- 
kowina die meisten ehemaligem Klöster mit oft klafterdicken, stockliohen, mit 
Wehrgängen, Schiessscharten und vorspringenden Thüraien versehenen Ring- 
mauern umgeben, so insbesonders Putna, Watra-Moldawitza, Suczawitza, welche 
an Stelle früher bestandener Klöster neu emchtet wurden, dann Solka, etc. 
Ein altes, aus dem vorigen Jahrhundert stammendes Bild des Klosters Putna ^*) 
zeigt letzteres noch mit den die Ringmauern umfassenden, allerdings nicht 1k*- 
deutenden Wassergräben. In der Thorhalle des Eingangsthurmes zum Kloster- 
hofe sieht man ferner überall noch die Vorrichtungen zum Verrammeln dt*s 
Thores, sowie man besondere Vorbauten mit Schiessscharten behufe Enfilirens 
der Mauern und hie und da auch Machikuhs bemerkt Die Kirche selbst aber 
diente als letzter Zufluchtsort, gewissermassen als Citadelle, und besitzt deshalb 
mächtige Mauern, ganz kleine, fest vergitterte Fensterchen, sichere Gewölbe und 
stets nur eine einzige niedrige, schmale Thüre, welche von iinien mit starktm 
Vorlegbalken vei-schlossen werden koimte. Viele Kirchen besitzen femer noch 
einen, mittels einer ganz schmalen Wendeltreppe zugänglichen, blos von einem 
einzigen, lochartig(Mi Fensterchen beleuchteten, gewölbten Raum über einem nie- 
deren Zwischenschifi*e, der noch heute den Namen Schatzkammer fuhrt, 

*') H (• r j^ n e r. „Kumänion". ^^ 

*^) V(»ii mir puhlicirt in d<'n „MittluMlunj^on «irr k. k. ^'^'iitn^-|fV]jmmb^|^*^^t5H|^-^^^ S. 47. 



ÄliTEBE VeRTHEIDIOUNGSANLAGKN TN DER BUKOWINA. 19 

Die jüngste derartige Befestigung wurde bei der prachtvollen, im Jahre 
1602 erbauten Klosterkirche Dragomirna ausgeführt, und zwar erst nachträglich, 
um das Jahr 1630. 

Wir haben nun noch einer jüngeren Vertheidigungsanlage in der Bukowina 
zu gedenken, das ist jener des armenischen Klosters zum heiligen Axeuti, das im 
♦Fahre 1551 gegründet wurde und dessen Umfassungsmauern allerdings kaum 
einen Meter dick sind, aber Strebepfeiler besitzen. Es liegt ausserhalb und im 
Westen der Stadt Suczawa am Steilnnule des luichsten Punktes der Umgebung 
der Statlt Zamka genannt Johann Sobieski hat nun im Jahre 1686, als er 
aus Jassy zurückkehrte,^^) das Kloster in der Weise befestigt, dass er, mit Aus- 
nahme der Nordseite, lun die Maueni Aussen wälle und Gräben anlegen liess, 
welch erstere eine Höhe von inind 8 Meter besitzen und sich an den vier Ecken 
hastionenartig verbreitem. 

Auch in der Umgebung von Gui^ahumora sind Verschanzungen zu 
sehen, welche, wie auch anderweitige Verschanzungen in der Bukowina (beispiels- 
weise bei Lenkoutz, Czernauka, Zwiniacze u. a. O.) vielleicht aus neuerer Zeit 
stammen, hier möglicherweise aber an Stelle älterer Erdwerke errichtet worden 
waren.^^) So findet man am Abhänge des Piciorul Nald eine Vei'schanzung, 
innerhalb welcher ein mit Bruchstein eingewölbtes Kellergelass angeordnet ist, 
f(Tner eine ausgedehnte Verschanzung mit riesigen Gräben auf dem PrunkuFsclien 
Felde. Es wird erzählt, djxss man vor etwa einem Decennium eine Messerklinge, 
ein altes Gewehr u. dgl., aber auch eiserne Pfeilspitzen fand, und djiss nicht 
seiton Ijeute Grabungen vornehmen, in der Antwju^tschaft, auf Schätze zu stossen. 

So hätten wir demi in unserem kleinen Kronlande eine ganz ansehnliche 
Reihe von älteren Vertheidigungsanlagen kennen gelernt Eine zielbewusste 
Forschung wird wohl noch manches hier Gesagte ergänzen oder richtig stellsn; 
das gewonnene Material aber wird gleichzeitig auch die Landeskunde in histo- 
rischer und kunstgeschichtlicher Hinsicht bereichern. 



*— ^^JP[§^— ' 



'^) Kr ♦'ntfiihrt«^ b«'i difstT (Jt'l«'pnihoit iM'kanntlidi dio li(»Ii<(ui«'n «les hl. Joluinii^s ans .Ia>sy 
fiinl bnK'lit*' si«' iiiich Z(»Jkicw, von wo sü» (»rst uut4'r KaisiT Jost'l' II. wie<lor an ihn»n ursprün^- 
Iw-b'-n Ort niU'h fcfmrzawa, zurückkamen; sie bolimlcn sich (hisclbst ncK'h beute in der Klosterkirche 
iiini hl. <iet»r^. 

•*) Die Schanzen bei Ix^nkoutz wurdtii nach F. A. Wickenhauser (BiK'hotin, Seite 21) im 
Jahn' 1497 durch die Masuron «»rrichtet welche Konrad, Fürst Masoviens, <h'm Könige .Johann 
Albn*<*lit eutf^e^ensiuulte, als letzterer, von Stefan d. (Jr. verfolj^t, mit siMuem llet^n' aus Snczawa | 
na^h Polen zurückkehrte. Digitized by VriOOQlC 

2* 



Zweite Reeognoseirungstour in die 
Buko>A^ina/^ 

Vom k. u. k. Gustos Josef Szombathy. 

Molno vorjährige Reise diente huuptsäclilich der Durclunusteniiig der süd- 
östlichen Bezirke des Landes nach praliistorischen Fundstellen. Für die di(*s- 
jährige Reise hatte ich mir die Untersuchung des nördlichen, zwischen Prntli 
und Dniester gelegenen Landestheiles als Hauptaufgahe gestellt Leider niiLsste 
di(» {[ir den Frühling geplante Fahrt der Ungunst des Wetters wegen 1ms in den 
Hochsommer vei-schohen werden, wo sie daini durch die in unseren östlicluMi 
Provinzen zum Aushmclu» gelangte Cholera-Epideniie eine empfindhehe Beein- 
trächtigung erlitt. 

Die ansehnlichste Ausheuti» ergah mir die FoHsetznng der (iral>ung(»n in 
Schipenitz (ßez. Kotznian), wo auf den (innulstücken des Ijehivi^; Basil Aricz 
(— Areyczuk) im westlichsten Theile des Dorfes weitere Antheile der im Vor- 
jahre aufgefundenen neolithischen Ansiedelung durchgegralMMi wunlen. Es wunlf 
unter An<lerem die Spur einer zweitiMi viereckigen Hütte, deren Wände iu\< 
Reisiggefiecht errichtet und mit Lehnd)ewurf verdichtet wai-en, gefunden. Die 
Ij(*hnd)ewurffragmente waren wied(»r ziegelroth gehrannt und an zwei Stellen des 
Innenraumes Ingen, von einer Y^ vi mächtigen Humusschichte hedeckt, Thon- 
scherhenhaufen von CJehrauchsgeschirnMi, welche erkennen Hessen, dass da ver- 
schiedene Gefäss<» an ihrem alten Platze stehen gehliehen und durch den dariilKT 
sich anhäufenden Schutt zcM'drückt w(»rden waren. Ausser dem charakteristi- 
schen hemalten Geschin* aus hellhraunem, gut g(\glättetem Thon konnt(Mi wieder 
ziendich viele geschhigene Feuei^stein Werkzeuge gesammelt werdcMi. Den Ver- 
suchen, die (irahungen auf henachharte Grundstück«» und entfenit<'iv Theih* des 
weitläutigen DoHes auszuhreiten, um di(^ Ausdehnung der alten Ansi<^leluni,' 
kennen zu lernen und vielleicht die dazugehörige Begrähnissstätte ausfindig zu 
machen, setzten trotz der üh(Maus chink(MJswei*then Protecti(»n des einflussivichei» 
Heirn Baron Nikolaus Mustatza der tief eingewurzelte Aherglauhen und ver- 
schiedene Eigenthunisinteressen unüherst(Mgliche Hindernisse entgegen. Auch der 
unhesieghehe Mangel an geeigneten Arheitskräft4'n und die Vei-schleppung inter- 
essanterer Fundstücke ist zu heklngen. 

Um üher die Fundstidlen des [Bezirkes Kotzman (von welchen die in un- 
serem Besitz(^ hefindliclie Manuscript-Fundkarte des H(»iTn O 1 i n s k i - 1 i- 

*) Nach dem in ihr Afonats-Vi'rsainmluiijr drr Antlin»])Ml(.^is(]i<'n (JcwUschaft in Wien v« ni 
Vi. l)t*(vnil)cr 1H94 Y(»if^«'traf^<"mMi lii'riclili' des Vcrtassn-s. ^ * 

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Szombathy: Zweite KECoaNOsoiRUNasTOü» in die Bukowina. 21 

II es c 11 1 etwa ein Dutzend anfuhrt) eine Uebersiclit zu gewinnen und die in 
Stefanovka aufl)ewalirte Sammlung präliistorisclier Funde des Herrn Dr. Johann 
V. Zotta kennen zu lernen, unternahm ich in Gesellschaft des Herrn Professors 
C. A. Romstorfer eine mehi-tägige Wagenfahrt durch dieses Gebiet Unser 
Weg fülirte über Sadagora, Waslowce, Kuczunnik, Zastawna, Kadobestie, Krisz- 
czatek, Zjdeszczyki am Dniester und Zwiniacze nach Stefanovka. Mehrere 
(lieser Orte sind als Fundstätten von Alterthümern l)ereits bekannt. Eine südlich 
von Waslowce gelegene Anliöhe, namens Horodlszcze, verräth sich durch den 
ahgeflachten Scheitel und teirassiile Abhänge schon von weitem als idte Ansie- 
delung. Rohe ThonscherlxMi sollen hier gefunden worden sein. Von Zastawna 
werden die Funde dacischer, rönnscher und späterer Münzen gemeldet. Die 
nonliistlich von diesem Orte gelegenen Hachen Hcihenrücken tragen eine ganze 
Rt»ihe Tumuli, zu gross, um als gewöhnliche Grenzhügel, wie sie hierzulande 
sehr häufig sind, angesehen zu werden und dennoch venlächtig durch den Um- 
stund, dass sich denselben Rücken entlang, über die Hügel die heutige Ge- 
meindegrenze, die vielleicht einer uralten Gemarkung entspricht, hinzieht. Auch 
die südwestlichen Hügelketten zeigen solche Tumuli vereinzelt oder in Gruppen 
von zwei oder dixn Stücken. Zwiniacze ist nnt neolithischen Funden, Thon- 
scherben, Feuers teinmessern uijd geschliff(»nen Steinhännnern verzeichnet. Diese 
Funde sind zum Theile in Dr. Zotta's Samndung aufbewahil. 

In Stefanovka wurden wir nicht inn* von der das Schloss bewohnenden 
Familie Leon Wassilko auf da,s (lastfreundlichste aufgenommen, sondern der 
B«*sitzer. Herr Dr. v. Zotta, welcher jetzt in Nowosiehtza wohnt, war sogar 
><> irtK»raus liebenswünlig, den eine volh^ Tagreise ausmachenden Weg per Wagen 
lileher zu machen, um s(»ine Funde und die Hauptfundst<»ll(^ pei-sönlich zefgen 
zu können. An die bereite; erwähnten Fund(» von Zwimacze reihen sich an : 
(In-i runde Klopfst4»ine, vier grosse, kegelfiirmigt», thöncTue Netzsenker oder Web- 
stuhlgewichte, ein Spinnwiiiel und primitive Thongefässscherben mit Wülsten 
ini«l Fingernagelvei-zierungen, wahi-scheinlich aus dem benachbarten Orte ßabin, 
ferner ein ungarisches ßronzezierbeil von 28*5 cm Ijänge mit runder, gestielt(»r 
Kopfplatte und nihrenai-tig verlängertem Stielloche, wahi-scheinlich dem Depot- 
funde aus dem nahen Orte Prelipcze zugehörig. Die interessantesten Stücke der 
Sammlung stammen aus dem von Dr. v. Zotta neu angelegten 40 eFoch 
grossen Parke auf der dem Scldosse Stefanovka benachbarten Haideka (Ge- 
meinde Kissileu), wo beim Abtragen einer massig geneigten Terniinwelle in (Ut 
Mitte des Parkes verschiedene recente Säugethierknochen, zwei eiserne Lanzen- 
spitzen nachrömischen Charakters, vei'schiedene Thongefässe und zwei charakte- 
ristische Ija Tene-Stücke getiinden wurden. Die letzteren sind eine 9 cm lange 
Mittel-La Tene-Fibula aus Bronze mit prächtig verziertem Fussknopfe und ein 
T'/j cm langes Fragment eines blauen Glas-Anni-eifes. 

Die Rückfahrt führte uns über Borowce, Kissileu und Werenczanka nach 
Kotzman. Von Kissileu ist seit 1865 eine St(^*inaxt bekannt. Die Höhen zwi- 
schen diesem Orte und Werenczanka, sowie die weiter südwestlich gelegenen 
flachen Rücken bis Stiiwczan und Dawidestie hinab tragen wieder zahh'eiche, 
WHthiii sichtbare Tumuli, unter welchen besonders eine Gruppe von drei grossen 

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22 SZOMBATHY : 

Hügeln bei Stawczan auffällt. In Kotzman besitzt Herr Bezirkshauptmann 
Zachar eine den bemalten Thonj^efässen von Scbipenitz anjüoge grosse Unie 
von Doroscboutz am Dniester. Hen* Lebrer Prokopowicz in Kotzman. 
welolier im Vorjabre durcb meine Vermittbmg eine kleine Collection präbistori- 
seber und römiscber Antieaglien an das Czernowitzer Äfuseum abgab, bat seiner 
kleinen Sanunlung neuerlieb eine Anzabl präbistoriscber Funde einverleibt, dar- 
unt4T aueb mebren* interessante kl^^ine Gef'ässe von unserer Scbii>enitzer Fund- 
stelle. Ibm verdanke ieb aueb Naebriebten üIhm* Fundstellen in Cblibestie und 
Dawidestie bei Kotzman. 

Wie man siebt, ist di<»ser Bezirk nicbt arm an Pimkten, welebe zu Narli- 
grabungen einladen. Ix'ider batten in den Tagen meiner Anwesenbeit die v<ir- 
ausgegangene abnornu? Witterung, die den Feldarbeiten sebr binderlieb gewissen 
war und nun alle Arbeitskräfte auf die Aeeker fordeile, und der Einbnicb der 
Cbolera-Epidemie, für welebe besonders das nabe Zaleszczyki einen gefährlicben 
Herd bildete, Verbältnisse gescbaffen, unter welcben es trotz der speeiellen freund- 
lieben Vermittlung des Herrn B<»zirksbauptmannes Zacbar niebt uiöglieb w;ir. 
eine grössere Ausgrabung in Angntf zu nebnien. 

Die vorjäbi-igen (Grabungen zu IJ nterborod n ik Inn lljidautz liatten 
uns Tumuli mit neolitliiseben Gräbern kennen gelebrt Diese Tumiüi sind in 
seebs Gnippen über den von Unterborodnik gegeti Voitinell sieb binziebendon 
Höbenrüek(Mi vei-streut. ßisber waren durcb Herrn Scbulratb Klauser ein 
Tumulus der ersten und durcb mieb drei Tumuli der vierten Gruppe luiter- 
suebt, anden» durcb die Bauern geöH'net wonlen. leb niacbtc micb beuer daran, 
die aus zwei Grabbügeln bestebende zweite und die aus drei soleben bestebende 
dritte Grupi)e zu untei-sucben. Wie im Vorjabre erfreute ich mich \\ieder der 
werktbätigen Unterstüty.ung der HemM) Bezirkshauptmann Wilhelm Rothen- 
burg, Dr. Michael Kipper in Radaiitz und Gemeindevorsteher Onofrei Te- 
leaga in Horodnik. Auch Herrn Professor Siegfried Leder er in Radautz 
verdanke ich mannigfache Fördeiiing. Mein bescheidenes Resultat ist, dass ich 
in zwei Grabhügeln der dritten Gruppe Brandgräber mit sehr schlecht erhal- 
tenen, einfachen neolithischen Thongeschirren und zwei Feuersteinspänen, in 
einem Tunmlus der zweiten (Truppe jc^doch ein Steinkisten grab mit Skelet ohnt^ 
Beigabe (den vorjährigen Erfahrungen nach wabrscbeinbcb einer jüngeren Stufo 
angehörig) fand. 

Von Satulmare, einem zur Hälfte von Rumänen, zur Hälft*» von 
Deutschen bewohnten Dorfe, 5 km östlich von Radautz, sind im Czeniowitzor 
Musi^um acht dreitiügelige, zum Theile vom Feuer defonnirte und zwei zwei- 
flügelige Bronzepfeilspitzen mit Dülle auflx^wabrt Dieser Fund deutet auf ein 
Bnmdgrab einer unserer Hallstatt-Periodc^ entspn»chenden Stufe. Ich spürte dem 
Funde nach und brachte bc^raus, dass er 1866 auf dem nönllich vom Dorfe in 
einer Länge von etwa 1 km sich ausdehnenden isolii-ten Höhenrücken, und zwar 
auf dem F(dde des Gabriel Lopanko gemacht wurde. Der Bruder des Be- 
sitzers erinnert sich noch eines grossen Steinsatzes, der die Fundst^dle imigaK 
und dass ausser den Pfeilspitzen noch ein Thongefäss und eine lange (vennutLlitli 
eiserne) Lanzenspitze gefunden wurde. Herr Pfarrer Polonjk von Satuhnar»' 



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Zweite Recognoscirungstoür in die Bukowina. 28 

roiii. war so frouiHllioli, mir dio Goh'gtMilieit zur Nitchgrabuii": zu veniiittehi. 
Ich fand an der liöelisten Stt^lle dos genannten, quer ü!)er den Hügelzug verlau- 
fenden Feldstreifens in einer Tiefe von 80 cm eine 35 cm dicke, IGO cm lange 
und 45 cm breite Scliiclite giusser Klaubsü'ine mit einigen unbestimmban^n 
Topfseherben, an einer zweiten circa 20 m nordöstlich davon gelegenen Stelle 
eine ähnliche unt(»rirdische Steinansamndung und 40 m nordwestlich, nelien dem 
vor Kurzem emchti»ten zweiten Trianguliningszeichen dieser Anhöhe, einen 
inuldenfiirmigtMj St(*insatz von circa 1 m Dicke, 5 m Länge und 8*5 m Bivite, 
welcluT an den Rändern bis zu 80 cm unt<'r (He Oberliäclie und in der Mitü* 
bis 2*8 m tief reichte, aber auch nichts als einigte Topfscherben enthielt. Meine 
Wahrnehmungen Hessen mich bezweifehi, dass ich es mit intacten Fundstellen 
zu thun habe, und die ei nchin glichen Nachfragen bei den Besitzern erzielten 
endlich das Geständniss, dass sie nach dem Pfeilspitzenfunde heimlich alle ihi-e 
(ii-undstücke mich Schätzen durchgraben hätten. Mittheilungen über ihre etwaigen 
Funde konnte ich nicht erhalten. Nur eine von dem ersten Funde heiTÜhrende 
Pfeilspitze brachte man mir noch. Die (Grabungen setzte ich natürHch nicht 
weiter fort 

Hen* Schulrath Klauser machte mich auf eine bisher nicht bekannt 
gew(*sene Tumulusgruppe in Wolowetz, circa 5 km südsüdwestlich von Ra- 
dautz aufmerksam. Ihre Haupthügel sind von Radautz aus auf der als Hut- 
w(»ide dienenden, südöstlich von Wolowetz sich erhebenden Anhöhe (östHch von 
der Cote 510 der Specialkarte) zu sehen. Ich fand dort drei sehr grosse, drei 
mittelgrosse und 16 — 17 kleinere Tumuli, zum Theilc intact, zum Theile vom 
(Tipfei aus angegraben. Gegen Westen schliesst sich an diese Tumulusgnippe 
ein mehrfach terrassirtcs Terrain an, vielleicht die alte Ansiedelungsstätte. Auch 
hier waren Ausgrabungen wegen des augenblicklichen Arbeitermangels unmöglich. 

Die 8 km südlich von Radautz gelegene grosse Hutweide der Gemeinde 
Burla hat den Flurnamen Mohyla (= Tunmkis) und wird diesem Namen 
durch zwei Tumulusgnippen, deren eine östlich von der Strasse drei grosse und 
deren zweite westlich von derselben zwei mittelgrosse Tumuli umfasst, gerecht. 
Von da aus sind auch auf den den Gesichtskreis begrenzenden Hcihenzügen 
einige den Gemeinden Mileschoutz und Bodnareni angehöiige grosse Tumuli zu 
erldicken. 

Die letzten Tage meines Aufenthaltes in der Bukowina widmete ich einem 
zweiten Besuche der Wälle auf der Aidiöhe Zamka misargiu bei Hlinitza 
am Pruth. l>ber eine frühere Untei'suchung dieser Localität durch OberHeute- 
nant Kruzlewski hat Conservator Romstorf er in den Mittheilungen der 
k. k. Central-Couunission, Bd. XV, 1889, berichtet. Er unternahm heuer im 
Auftrage <Ueser Commission weitere eingehende Nachgrabungen daselbst welche 
interessante Details über die in den Wällen eingeschlossenen gebrannten Scliichten 
ergal}en. Seine Funde weisen in ihrer Hauptmenge auf eine nachrömische Pe- 
riode, was eine gewisse Altersübereinstimmung dieser Anlage mit der von mir 
im Vorjahre bei Hliboka untereuchten Wallanlage ergibt. Es war Hemi Pro- 
fessor Romstorfer's Wunsch, djiss auch ich mir durch eigene Grabung eine 
Ansicht über die Wälle von Hlinitza bjlde, und ich konnte diesem Wunsche 



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24 Szombathy: Zweite Recognoscirungstoue in die Bukowina. 

um so leichter entsprechen, als ich der zuvorkommendsten Unterstützung des 
Besitzei*s, Herrn Alexander v. Flondor, sicher war. Meine Resultate stimme» 
mit jenen Romstor fer's — me vorauszusehen war — überein; für einige 
Einzelnheiten des Baues der theilweise gebrannten Wälle stel^pn al>er unan- 
fechtbare Erklärungen noch immer aus. 

Bei dieser Gelegenheit will ich einen Irrthum meines vorjährigen Be- 
richtes ^) verbessern. Ich habe dort den am weitesten vorgeschobenen Tlu*il der 
aus fiinf längs dos Bergrückens aufeinanderfolgenden Abtheilungen bestehenden 
Wallanlage, welcher von dem zweiten Theile durch einen theils doppelten, theil> 
dreifachen Wall getreiuit ist, als zwei selbstständige Abtheilungen beschrieben, 
was sowohl dem von Professor Romstorfer gezeichneten Plane als auch 
meinen genaueren Aufnahmen widerspricht. Er ist nur als eine einzige Al>- 
theilung aufeufassen. 

Intensiver als im Vorjahre drängte sich mir bei der diesjährigen Reise 
die Beobachtung der interessanten und mannigfaltigen ethnographischen Momente 
auf, welche das Land auf Schritt und Tritt dem Reisenden darbietet Eiiiij^e 
Mittheilungen werde ich mir bei anderer Gelegenheit gestatten. 

Mir erü])rigt noch, an dieser SkA\v den zahlreichen, zum Theile bei^its 
namhaft gemacht^Mi Herren, welchen ich eine bereitwillige Förderung meiner 
Aufgabe nachzurühmen habe, an ihrer Spitze Herrn Ijandespräsidenten Gmfeu 
G e s, meinen verbindlichsten Dank auszusprechen. Es ist wahrlich nicht Schuld 
dieser eifrigen Freunde der LandeseHbrschung, dass sich die ganz ungewöhnliche 
Häufung von Hindernissen auf dieser Reise nicht besser bewältigen Hess. 



1-^^ 



') .lahrburli (\v^ HnkowiivT buKlesmusnimR, II. ('zoniowitz 1894, paj^. 21. 

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Joseph's II. Reisen nach Gallzlen und der Bukowina und Ihre 
Bedeutung für letztere Provinz. 

Von Dr. Johann Poiek, 

Gustos der k. k. Universitäte-Bibliothek in Czernowitz. 



Einleitung. 

tloseph IL zählte das Reisen zu den Ptiichten eines Herrschers. Dass 
dieser dabei immer alles unverhüllt zu sehen bekonmie und die offenkiuidigen 
Schäden schon durch seine blosse Gegenwart heilen könne, das glaubte der 
grosse Kaiser nicht; er huldigte nur der gewiss uiumfechtbaren Ansicht, dass 
man lM*i öfterer Wiederkehr das Wahre von dem Falschen unterscheiden und 
die Dinge und Pei^sonen richtiger beurtheilen und verwenden lerne. Thatsächlich 
verstrichen wenige Jahre, ohne dass er ein auswärtiges Land oder eine öster- 
reichisch-ungarische Provinz besuchte.') 

Wie Kaiser Josc^ph IL auf den Reisen seine Zeit vei^wendcte, darüber ist 
in einer zeitgenössischen Quelle folgendes zu lesen : >Er besuchte allerley Per- 
sonen, betrachtete viele Sachen von mannigfaltiger Ai-t um sich als Regent, 
als Staatsma!)!!, als Soldat und Feldherr, als Liebhaber, Betörderer und Be- 
schützer der Wissenschaft^Mi, Künste, Manulacturen, Gewerbe, als Oekonom, als 
Bürgerfreund, als Mensch, nicht sowohl nur so zu ergötzen, als vielmehr, worauf 
es einzig und allein bei ihm ankam, zu unterrichten.« ^) 

Aber nicht allein bei längerem Aufenthnlte nahm er allenthalben das 
Nützliche und Sehenswürdige in Augenschein ; er sah sich auch bei kuraem 
Verweilen nach dem und jenem Merkwürdigen uni.^) 

Die tagsüber gemachten Wahrnehmungen brachte er abends zu Papier. 
Damit waren sie keineswegs begraben imd vergessen ; im Gegen theile, aus ihnen 
ei-M-uchsen die grossen Veränderungen und Verbessenmgen, die sich an Jo- 
seph's IL Namen knüpfen. Hiefür bieten die Kaiserreisen nach Galizien und 
der Bukowina besondei-s lehrreiche Beispiele dar. 



*) Siolic die ^-Denkschrift des Kaiw.TK .Joseph fiber den Znstand der (»steriviehisehi'n M«>- 
min-hie in ^Mariii Then'sia nnd Joseph 11. Ihre CorreHi>on<lenz sjinnnt Briefen Josephs jin Feinen 
Bruder Iieo]whl^. Herausf;e<(«'hen von A. Ritt«T v. Arneth. 111. S. .335 flF. 

') Antholo;risehe Beschnnbung der Reise des Herrn (Jrafen v. Falkenstein naeh Fraiika'ieli 
1777. S^hwabaeh 1778. S. 73. 

',> Ebenda. 



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26 Poi EK : 

I. 

Reise nach Siebenbürgen und Galizien 1773. 

Am 5. Februar 177;^ richtete Kaiser Joseph II. au den Hofkriegsmths- 
Präsideiiten folgeiules Haiulhillet : *) 

> Lieber Feldin arseha 11 Graf Ijiiey! Aus uebenfolf^jender nur obenhin ent- 
worfener Marsch-rotite werden sie (M*sehen, auf was vor Alt und mit was für 
einem CJefolg Ich gesinnet bin, Meine R(»ysse durch tiallizien, Ludomerien und 
Siel»enbiirgen anzutretten. Sie werden demnach alsogleicb an das Cieneral-Com- 
mando in (Tallizien den Befehl ertlieih^i, djuss es eine d<»taillirte Marsch-nmte 
mit Benennung der stMti<»nen von Tag zu Tag, und der dabey zu sehenden ver- 
schie<lenen Objecten entwerfe, und Ilinen, so bald alss möglich ist^ hieher schicke. 
Ich erlasse d:us nemliche durch den Fürsten von Kaunitz an den Grafen von 
Pergen,'^) welcher zu selben hilf liehe Hand zu leisten, sich aber in die Einthei- 
lung und Anordnung nicht mengen wird. Zu mehrerer Erleichterung schliess(» 
Ich Ihnen endlich hier noch bey die Abschriften der vonn .lahr in Siebenbürgen 
getroffenen Veranstaltungen und erhtssenen Expeditionen, damit sie tlieils dar- 
nach auch in Gallizien eingerichtet, und tlieils, nur mit Abänderung der Tagen, 
bey der nachhero durch Siebenbürgen zu machenden Reysse, wirklich ihr Ver- 
bleiben haben. 

Wienn den 5t4'n Februarii 177.*5. 

.Joseph Corregens.v 

Nach der beigeschlossenen Marschroute sollte die Reise am If). April 
von Wien aus angetreten werden und nach Passierung von Brunn, Olmütz und 
Bielitz, »ohne Unterlassung aller deijenigen seitwärts liegenden Orter, Berg- 
werke und Festungen wie auch anderer merkwürdigen Sachen^, längs der Nord-, 
Ost- und Südgrenze Gahziens bis gegen Sniatyn, dann, >Pokutien in der Mitte 
durchschneidend«, auf dem »geradesten und kürzesten Weg^^ nach Ijembei^g und 
von da ^nach dem noth wendig findenden Aufenthalt ^ über Jaroslau, Przemysl, 
durch den Lupkover Pass und das nordöstliche Ungarn nach Siebenbürgen 
gehen, wo der Besuch aller bedeutenderen Ortschaften, insbesondere an der Süd- 
und Ostseite, beabsichtigt war.") 

Noch vor Ablauf eines Monats hatte der Kaiser seinen Reiseplan ge- 
ändert. W(»il es die Zeit nicht gestatte, ; in dem Friihjahr die angetragene 
Tour durch Galizien und Siebenbürgen zu machen und gleichwohlen zu recliter 
Zeit in dem Lager Ijei Pest einzutreffen^^ — schrieb er zu Anfang des März 
an den Grafen Lacy — müsse er es >fur diesmal bei der Reise durch l'ngarn, 
da« Ranat und Siebenbürgen «> bewenden lassen.'') 

*) K. u. k. Krie<ri^irchiv, II. S., 1778—98-69. (OriK.) 

^) Johann B. Anton (traf v. Person war vom 20. Octohor 1772 bis .Jännor 1774 Ih»- 
volhnächti^tcr Commi.Hsiir nnd (iubeniator (Irr h«'i dor crston Tlu'ilun^ Polens (1772) n<Mionr4»r- 
bonon Krtni«,nvicbo (Jalizion und bKloniorion. 

ß) Ko.vss- und Stations-Lista (K.-A. II. S. 1778 -98— ()9) und HrM-ript dtvs Hofk^i.'J:^- 
rathfs an das jrali/jscho (i»'n"ralroinnmndo. (K.-A. 11. S. 1773—77 — 2). 

') ll<»rknV^sratb an das j^alizische (icncralronnnando, 11. Mäns 1773. (K.-A. II. S. 
1778_77__18.) 



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Joskpf's II. Reisen nach Gauzcen und deb Bukowina. 27 

Diese Sinnesänderung hatte Maria Theresia, die den Reisen ihres Sohnes, 
insbesondere einer Reise nacli Gahzien, abhohl war, bewirkt.®) 

Docli nur ungern liatte Joseph IL auf den Besucli Gahzicns verachtet; 
kein Wunder also, dass er sclion nach kui-zeni wieder daran dachte. Am 
20. April 177)5 trug er nämlich dem Grafen Lacy auf, ihm, ungeachtet dass 
die Reise nach Galizien »bis auf künftigen Herbst verschoben -^^ bleibe, dennoch 
die Eintheilung der Reyss-Täge'<, wenn sie von den Generalcommanden einge- 
langt sei, zu seiner Einsicht gleich dermalen« zu übei*senden.°) 

Die ungarisch-banatisch-siebenbürgische Reise wurde am 6. Mai von Wien 
aus angetreten.'^) Sie gieng über Pest (0. und 7. Mai), Szegedin (8.), Arad (9.), 
Teniesvar (10. bis 12.), Werschetz (13.), Pancsova (14.), Kubin (15.), Mehadia 
(18.), Karansebes (U).) und Marga (20.). Am 21. Mai traf Se. Majestät zu Li- 
vadia in Siebenbürgen ein und besuchte Deva (23.), Karlsburg (24. bis 26.), 
Mülilbach (27.), HermannsUidt (28. bis 31.), Reps (31.). Hierauf folgten die 
Nachtstiitionen : Ebesfalva (1. Juni), Tahnacs (2.), Also-Porumbak (3.), Fogaras 
(4.), Csany (5.), Kronstadt (6. und 7.), Hossufalu (8.), Buza (9.), Zagon (10.), 
Bereczek (11.) und Väsärhely.*') 

In der letztgenannten Süidt fasste der Kaiser den Entschluss, diese seine 
Reise dennoch auf Galizien auszudehnen. Doch wollte er diesen Schritt nicht ohne 
die Einwilligung seiner Mutter thun. Wie schwer es ihm auch ankomme, schrieb 
er ilir (am 12. Juni), sich von ihr und idl dem, was man AnnehmHchkeiten 
des I^bens nenne, entfernt zu sehen, so vermöge er dennoch nicht den Wunsch 
zu unterdrücken, Galizien zu sehen, wo er durch seine Inspicierung ihr und 
dem Staate wahre Dienste leisten zu können glaube. Er opfere sich einzig und 
tdlein für das Staatswohl, weim er, auf den Besuch des Lagers verzichtend, sich 
durch die Marmarosch direct nach Pokutien begebe und die Tour durch diese 
neuen Länder mache. Rire Majestät werde zu beurtheilen wissen, was ihrem 
Dienste fromme; er, der Kaiser, kenne nichts als diesen. Käme es nur auf sein 
Vergnügen an, so würde er sicherlich lieber ins Lager, insbesondere aber nach 
Wien gehen. Uebrigens würde die Reise im Spätherbste mit noch mehr Schwie- 
rigkeiten verbunden sein. Alles hänge von ihren, der Mutter, Befehlen ab.^^) 

Nur höchst ungern willfahrte Maria Theresia dem Wunsche ihres Sohnes. 
Meine Ruhe, meine gute Laune<, schrieb sie ihm am 20. fluni 1773 von 
Scbönbninn, >haben nicht lange gedauert An demselben Abende, an welchem 
ich Dir scherzend schrieb, erhielt ich den Courier, der mich in die tiefsten 
Triiumereien vei-senkt hat. Denn ich kann weder diese schreckliche Reise noch 
irgend eine andere, die Du mit so vieler Beschwerde unternimmst, durch welche 
Du Deine schönsten Lebenstage abnützest und mir nicht nur die wenigen Augen- 

«r) Arnoth, G(whirhte Maria Tliorosia's. Bd. VIH. S. 409. 

») Vortra«,' tle.; Hofkriof^'firatheH, 21, April 1773. (K.-A., IL 8., 1773-77—18.) 

»*>) Wienor Diarium 177.3, Nr. 37. 

") \Vr/.»'ichni8 (lon*n von Stnner Rom. KavB. Majestät .Tost^ph dorn II. auf Al!erliöclist«lori> 
K*'iVn p^nommciien Nachtstatiunon vom Jahn^ 1764 bis 1790. Von L. de Selliers Chevalier 
dl' Moranrille. (Manusc. Nr. 7427 der k. k. Hofbibliotliek in Wien.) Siebe au»b Radics. Reir^en 
J<«M*]ih 1I.< in der »Oesti^rr.-unj^ar. Revue , Bd. IX. S. 9. 

'*) Briefe der Kaiserin Maria Theresia an ihn» Kinder imd Frinrnde. Heraus<,a»«roben von 
A, v. Arneth. I. (Wien 1881), Ö. 8 f. 



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2S PoLEK : 

blicke raubst, die mir noch übrig bleiben, sondern sie auch mit Kummer er- 
füllst, aus dem gleichen Gesichtspunkte betrachten wie Du. Hill mir lieher den 
Provinzen, die Du schon durchreist hast und welche unter unseren Augen sich 
befinden, bessere Einrichtungen zu geben. Wenn dies bei ihnen in dauerhafter 
Weise geschehen sein wird, dann sollen Siebenbürgen und Polen an die Reihe 
kommen; wenn nmn sich aber vorei^t mit diesen letzteren beschäftigt, en^eicht 
man keinen so wichtigen Zweck als es bei jenen der Fall wäre. Verzeih mir. 
aber ich bin es, die Dir die Wahrheit sagen niuss. Es ist tmtz Deines Scharf- 
sinnes und Deines unermüdlichen Fleisses unmögHch, dass Du auf diesen Reisen 
von zwei oder drei Monaten alles zu sehen und daraus die noth wendigen Fol- 
gerungen zu ziehen vermagst, insbesondere in Polen, wo niemand, die Einge- 
bornen noch weniger als die anderen. Dir die erforderlichen Aufschlüsse gel>en 
kann. Und in welcher Krise verfügst Du Dich dahin ? Weder die Zarin nwh 
der König von Preussen waren bis jetzt dort. Du hast diesen Winter gestehen, 
dass er selbst eine solche Rt^ise nicht als piussend betrachtete, und dwh bi>t 
Du so grausam, von mir das Jawoil zu verlangen ! Du rt^chnest immer auf 
meine Zärtlichkeit, welche es jederzeit mit Dir hält wider mein eigenes Herz. 
Da ich gegen meine Ueber/eugung keinen Beschluss fassen konnte, zog ich 
Kaunitz zu Rathe. Hier ist seine Note; in Gemässheit dei-selben habe ich idle 
Schreiben vei*sendet Idi hoffe, dass dadurch Dein Wille erfüllt wird, und Gott 
möge das Opfer annehmen, das ich ihm darbringe, nicht Dir, sondern ihm allein, 
auf dass er Deine Absichten und Unternehnmngen segne. Du wiret wie ge- 
wöhnlich weder Klagen noch Murren von mir hören, alles dies bleibt einzig 
und allein für mein eigenes Herz. Urfheile über den Zustiind der Kränkung, 
in welchem es jetzt sich befindet nach der Ti-östung, welche Du ihm wälmMid 
des vergangenen Wintei-s durch den Vorschhig bereitetest, nicht mehr an diese 
Reise zu denken, wodnrch ich zu dem guttMi Glauben verlockt wurde, es werde 
von ihr nimmer die Rede sein. Trotz der dumpfen Gerfichte, welche sich vor 
zwei Wochen hier verbreitettm, sie werde gleichwohl stattfinden, war ich die 
Einzige ruhig; jety.t ist sie zugestanden und ich rede nichts mehr davon, alK»r 
meine Qual wird nicht enden. Ich nniss nur noch hinzufiigen, dass. wenn Du 
durchaus noch in diesem Jahre die Reise unternehmen willst, solches jetzt nicht 
passender ist als im September. Denn der Eid der Treue, der nm-h nicht ge- 
l(»ist(»t werden konnt<^, ist nichts als eine Ceremonie, da er immer imr eiv.wungen 
und diesen armen Ijeuü^n al)genöthigt sein y\in\.< *^) 

Wie sehr die ei-habene Kaiserin von den hier zum Ausdruck kommenden 
Gefühlen durchdnnigen war, zeigt uns ein Brief, den sie an demsell>en Tage 
an ihre Schwiegertochter Erzherzogin Marie Beatrix, Er/her/og Ferdinand's 
Gemahlin, richtete. Darin sagt sie wörtlich: »Die Reise des Kaisers kostet 
mich mindestens zehn Jahre meines lA4)ens. Er will den Weg weiter nach 
Polen nehmen und durch Mähren heimkehren. Er ermüdet sich zu sehr und 
wird die Nachwehen davon verspüren; in wenig Jahren wird er alt und ge- 
brochen sein.« ^*) 



") Arn»»tli, (;.'S(hi<'litt* Maria Tliorosias. VIII, S. 409 f. 

") Brirli' (|<T Kaist'rin Maria TIxTfsia an ihn* KIndtT und KnMiinlo. Urs;;, von A riif'tk 
HI. S. 1(50. 

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Joseph's II. Reisen nach Gauzien und der Bukowina. 29 

Vier Tage später, am 24. Juni, klagt sie dem Erzherzog Ferdinand ihr 
Leid mit folgenden Worten: »Ich bin seit sechs Tagen in einer wahren Ver- 
zweiflung; der Kaiser meldet mir dm-ch einen Eilboten, dass er es unbedingt 
nothwendig finde, die Reise nach Polen sofort zu unteriiehmen und nicht bis 
auf den October zu vei-schieben. Ich hatte darauf gerechnet, dass er heuer 
nicht dahin gehen werde, da ich es für mizeitgemäss, ja sogar für sehr gewagt 
halte. Aber er hat vorausgesehen, dass wir ihn, wenn er einmal zurückkommt^ 
nicht sobald fortlassen werden; darumhat er seine Vorsichtsmassregeln getroffen, 
indem er alle Lager abbestellte.« ^^) 

In der That hatte Joseph IT. auf die Nachgiebigkeit seiner Mutter mit 
Sicherheit gerechnet; deim an demselben Tage, an welchem er sie um ihre Zu- 
stimnmng bat, sandte er an den Hofkriegsratlis-Prilsidenten folgendes Hand- 
schreiben *^) ab : 

:> Lieber Feldmarschall Lacy ! Da Ich des Dienst« Ihro Majestät der Kay- 
serin zu seyn gefimden, bey diesen geänderten Umständen Midi nacher Galli- 
zien zu verfugen; So werden Sie, so viel als noch immer möglich ist, zu Er- 
sparung der Kosten, die abzuhaltende Liuigers KHiaffetaliter abstellen, und die 
Regimenter, nur ein jedes sich in seinem Numero *') zu üben, veranhissen, zu- 
gleich den General Hadick ^^) bedeuten, dass Ich zu sicherer Bc^fiirderung die 
eingeschickte Marche Route und Njicht- Stationen, da sie in ganz andern Ord- 
nung gt*setzt sind, m'cht weiters zu befolgen gedenke, sondern die Reserve-Sta- 
tionen von Wirowa angefangen, rukwei^s nur bis nacher Lemberg halten werde,'^) 
also zwar, dass ich, da doch mehrere innere St^itionen zu fahren gedenke,^'') 
auch geschwinder als diese ausgesetzte Tage sind, mit Beybehaltung der nem- 
hchen Route und Reütung in denjenigen Oertern, wo Gebürg oder der Weeg 
ül)e], (Hier Situationen zu sehen sind, zu machen gesinnet bin ; Darnach ist der 
Hadick zu instniiercn; Von Lemberg aus wird ei*st die weitere Tournre, weldie 
wohl anwiederum verkehiix^r nemlich in Pokutien bey General Fabris anfangend 
und bei d' Alton aufhörend,^') entschieden, und dessen eigentliche Tage beneimet 



»») Ebenila. I. S. 213. / 

**^) Das Orif^'nal di«*M<*s Handschii'ilw'ns — es hofindot sich in dorn k. und k. Kricj^wircliiv 
(II. 8. 1773 77- 2G) — ist vom 12. Jidi datifit. Dass dies nur ein Seh riMhfe hier ist, dafür 
«priebt, ali^'sehen von dem iVusstellunj^orte - in Kezdi-Vasarhely hielt sieh der Kaiser am 
12. Juni (nieht Juli) auf ~ der Fmshmd, dass am oberen Kande der ei-sten SeiU' des Hand- 
?s<'hivil>ens die Worte: Hend>^elan«;t am 19. Juni stehen und dass die infolge dieses Hand- 
^•hivilM*ns vom Hofkrie^rathe an das j,'aliz. Generalefunmando erlassene Vrronlnun«^ j^leiehfalls 
Irtztert's iJat^mi träj^. 

"^) d. i. in seinem \Verbl>ezirke. 

") Oeneral der Cavallerie Andn'as (iraf v. Hadik war damals ctnnmandiertMider (ieneral 
in <>alizien. 

*•) <iemäHs der ihm unterm S. Febniar 1773 übennittelten Mai"s<*hroute hatte II a d i k am 
24. Mai für die Tour vou I^-mbeix an di»' <^aliziseh-unfr'U'i<^<lH* (in^nz«» fbl^'ude (Kesen'e-)Naeht- 
Ktati«»nea vor«res<-hla^'n : Jaw(»r«»w. Przemvsl, Sambor, Tstvanowa, Lisko und Szezawne. (K.-A., 
U. S. 1773-9X-2H7. 

»**) Na«-h der am 12. Jum' dem Ilorkriej^sratbe übermittelten Taj^s Lista^ (K.-A.. II. S. 
1773 — 77 — 2f>) sollte von Vin>va bis liend>er;^ <lurehaus «,'eritten werden. 

*') (ieneral (Jraf Fabris eonmianilieile die zwis<"hen b^ml)ep^ und Sniatvn, <ren«'ral 
d' AI ton die zwischen Bielitz und Mielee (an der Nord«^renze (Jabziens) liej^ende Iiri«;ade. Zwi- 
M-hen IxMflen wan^n an <ler Nord- und Ostj^n'uze die lU-i«raden der (Jenerab* Sehrr»der. (Jri^ 
vi'o und .Vlmasy (letzteiv v(»n Mibio bis Zaleszezyki) aufirestellt. (Hadik an d. H<»rkriejr.s- 

ralb. 24. Mai 1773.) * C^ r\r\c^\o 

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30 Polek: 

werden können. Icli werde über Caschau, Eperies, Haraona nadier AVirowa, 
inid so weitei^, wie es die hieme})en folgende Tags Lista zeiget in Gallizien 
eintreffen. Die fernei>i beygebogene Lista zeiget Ibneii, was loh in einer jedeu 
Nacbt- Station an Victualien und zu weiterer Fortkomniung an Pferden brauche.**) 

>^Es n)uss auch auf einer jeden solchen Nacht Station ein Ofäcier mit 
HO Mann von den nächst gelegenen Truppen, scye es Infanterie oder Cavalleric 
connuandiret werden, sowie unterwegs zu Ueberniaass der Sicherheit einige Vor- 
sichten in Wäldern und andern abseitigen Gegenden durch Patrouillen, oder in 
gefährlichen Oertern auch Convoyinnigen leichter Truppen zu nehmen wären. 

>ner General Hadick soll luich nur in Ijeiuberg, wohin ich mich ohne- 
diess schier grad verfiigen werde, erwai*t<^n. Die Brigadiei's und unterschied Hohe 
Stabs-Officiers, durcli deren Numero ich reysen werde, hätten mich allezeit, 
längst ihrer Brigade oder Regiments-Xumero zu begleiten. Das übrige der 
Reyse, wo gefahren oder geritten werden wird, werde ich erst in Lemberg besser 
ausmachen kommen, da ich den Aufenthalt allda noch nicht bestimmen kann. 

»Den hier beygeschlossenen Brief werden Sie den Feldzeügmeister Loudon 
allsogleich überschicken, da ich Selben auf dieser neuen Towmee mitzunehmen 
gedenke, und Ihn auf den 2H. July nacher C.^aschau dadurch bestellet habe. 
Bey den übrigen in allen Meinen Reysen gebräuchlichen Verordnungen ^') hat 
es innner sein Verbleiben. 

Kesdl Vasavhdy^ den 12. Julii 1773. 

Joseph CoiT.' 

Von Kezdi-Vasärhely reiste der Kaiser über Szepviz (13. und 14. Juni). 
Bereczk (15.), Gyergyo-Sz. Miklos (IG.), Parajd (17.), Szäs-Regen (18.), Bistritz 
(19.), Borgo (20.), Rodna-Contumaz (21.), Rodna-Dorf (22.), von da zurück über 
NaszcSd (23.), Dees (24.), Klausenburg (25. und 26.) und Thorda (27.) nacli 
Hennannstadt, wo er vom 28. Juni bis 10. Juli blieb. Hierauf besuchte er 
Maros-Väsäriiely (11. Juli), Tötsch (12.), Banya (13.), Szigetli (14., 15. und 17.). 
Kfirösmezö (16.), Huszt (18.), Hidegpatak (19.), Munkacz (20. und 21.), Kaschau 
(22. bis 24.), Hanusfalu (25.) und Virova (26.), überschritt am 27. Juni die 
galizische Grenze, passierte Lisko (27.), Dynöw^ (28.), Jaroslau (29.) und erreichte 
am 30. JuH Lemberg, das er am 5. August verHess, um die Rundreise durch 
das neuerworbene Land, und zwar über Stiv.cliska (6.), Stanislau (7.), Zabtot^Sw 
(8.), Sniatyn (9. und 10.), Zaleszczyki (11.), Boryszkowce (12.), Skahi (13.), Ka- 

**) Diosor >I.ista<' zufolge sollteu in jedor Nachtatiition an >Victimb'en< vorhandon sein: 
70 Pfun(l Rincltti'isch, ein ganzes Kalb, ein ganzes Lamm, dann 24 junge und 2 alte Hühner. 
3 (länse und 2 Indianer (sämmtlieli gerupft), ferner 24 l*f. Sehmalz, 6 Pf. Butter, 40 Eier. 
2 Achtel Mundmehl, 2 Pf. Zucker, 8 Citronen, 4 Pf. S|H'ek, 4 Pf. Knwliemuark und vcrsehi»*- 
denes Grünzeug, als: Zeller, Petersilie, Zwiel»eln, 100 Stück Kohl, 2 Pf. Sauerkraut oder elnn- 
soviel anden^s derartige (leniüse. endlieh Weisshrot, ordinärer Wein, Küehengeschirr, zinnern»* 
Si'hüsseln und Teller. Messer, (iabeln, Liiffel und (iläser. Die Zahl der an jeder Station ben'it- 
zuhaltenden Pferde war auf 58 Zug- und 2 Kritpfenb' festges,»tzt. (K.-A. IL S. 1773—77-2(5.) 

*^) Daraus sei hii'r nur folgt nde angeführt: K-^ >\nr<l kundz»miach(-n sein, dass einem 
jeden fii'i stünde, seie er Militär oder Civil, Mir seine Klagen oder Hesebwerden sehriftlieh ein- 
zun'icben. nur mit diesem Beisatz, dass sie mit seinem Namen bezeichnet si'in niüs*>i'n, un<l als<» 
Ich weder anonymisehe noch virsteckte Anzi'igeu annehmen werde, da eln<'m je<len mit uuver- 
hehlteni Namen d'c Wahrheit anzuzeigen frei .^tehet. Diese Angaben wenb» leb sämmtlich unter- 
suchen bissen und Ihro Maje;t:it der Kaiserin vorlegen . (K.-A. IL S. 1773^ OS 69 J 

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Joseph's II. Reisen nach Gamzien und der Bukowina. 31 

laharowka (14.), Oszo^owcy (15.), Milno (16.), Brody (17. und 18.), Byszow (19.), 
Sokal (20.), Hnibieszow (21.), Dnbionka (22.), Bukoliipy (28.), Zaniosc (24. und 
25.), Goray (27.), Kosin (29.), Nadbr/ezie (29.), Zaduszniki (30.), Boslestaw (31.), 
Niepolomic« (1. September), Kaziniierz (2. und 3.), Kalwarya (4.), Oswiecini (5.) 
und Wleliczka (6. und 7.). Am 8. September eneichte er Bielitz, am 9. Weiss- 
kirchon, am 10. war er bei Kaunitz in Austerlitz zu Gaste, am 11. übernacbtete 
er in Pohrlitz, am 12. in Stammersdorl* und am 13. kam er in Wien an,*^) 
•zur allgemeinen Freude, in höchstem Wohlsein.« ^•') 

»Mit einem Eifer, einer Unermüdlichkeit ohne gleichen« suchte Joseph in 
Galizien die inneren Zustände des Landes zu erforschen und sich mit dessen 
Bedürfnissen vertraut zu machen. 

Gleich nach seiner Ankunft in Tjemberg schrieb er seiner Mutter, er sehe 
voraus, dass eine unermessliche Arbeit seiner harre. Neben grosser VcrwiiTung 
in allen öifentlichen Angelegenheiten heri'sche dort ein walirhait ei^ch recken der 
Parteigeist Im allgemeinen aber scheine das Land von gutem Willen erfüllt 
zu sein. ^^) 

Doch es liegt nicht im Plane dieser Arl)i»it, die Veränderungen zu be- 
trachten, die diese Kaiserreise für Galizien zur Folge hatte ; nur ihix3 Bedeutung 
für die Bukowina soll uns hier beschäftigen. Zu diesem Zwecke sei es ge- 
stattet, etwas weiter auszuholen. 

Es ist bekaimt, dass Katharina's IL Einmischung in die Angelegenheiten 
Polens im Herbste 1768 zu einem I^iege z\Nnschen der Türkei und Russland 
führte. Die Russen besetzten im »Jahre 1769 die beiden Donaufürstenthümer 
und nahmen im folgenden Jahre den Türken die meisten Festungen diesseits 
der Donau weg.*^) 

Diesen Ereignissen gegenüber konnte der Wiener Hof nicht nihig bleiben. 
Er Hess nicht nur einen Militärcbrdon durch Ungarn und Siebenbürgen ziehen 
und das dort streitige Grenzgebiet besetzen, sondern suchte auch eine Verstän- 
digung mit der Pforte. *®) 

In der Convention vom 6. Juli 1771 erklärte sich letztere zur Zahlung 
von 20.000 Beuteln (circa 11 7^ Millionen Gulden) und zur Abtretung der 
kleinen Walachei bereit Dafür versprach ihr Oesten-eich einen annehmbaren 
Frieden mit Russland zu vermitteln.^*). 

Die im Jahre 1772 eingeleiteten Friedensunterhandlungen scheiterten an 
dem Widerstreite der russischen und türkischen Begehren. Dieses Resultat kam 
selbst dem Sieger unerwünscht, so dass auch dieser jetzt die guten Dienste 
Oesterreichs in Anspruch nahm. 

Fürst Kaunitz schlug damals vor, der Pforte fünf bis sechs Millionen 

•*) il Soll icr .s, a. a. 0. 

«*) Wit'iior Diarium. 177.S. Xr. 74. 

W) Arnoth, (iosi-hichte Maria Thoivsia's. VIII. S. 413. 

«7) ßrücknor. Xatluinna dio Zwcito. UtTÜn 1888. S. 2m. ff. 

**) Arnt'th, a. a. O. S. 170 f., Polok. Dio Envorhunj^ der Bukowina durch ()<\stor- 
n'ich. (Vrnowitz 1S89, 8. 6 und K a i n d 1, Die Knvor1>un.!i: dvr Bukowina durch Ocstcrrcich. 
(•/>.'mowitz 1H94. S. 9. ^^ i 

f) A rneth. a. a. O. S. 290 f. Digitized by GOOglC 



32 l^OLEK : 

Gulden anzubieten, damit sie sich billigere Friedensbedingungen erkaufen könne ; 
dagegen sollte sie die kleine Walachei an OesteiTeich abtreten. ^°) 

Nur mit Widerstreben stimmte Joseph II. diesem Plane zu. Er hielt die 
kleine Walachei weder in militärischer noch in politischer und commercicUtT 
Hinsicht eines solchen Geldopfers wert*') Die Wahrnehmungen, die er auf der 
siebenbürgisch-galizischen Reise machte, bestärkten ihn noch mehr in seiner 
Meinung; dagegen lenkten sie seine Aufmerksamkeit auf einen anderen Theil 
des türkischen Grenzgel)ietes : auf den nordwestliclien Theil der Moldau, d. L 
die heutige Bukowina. Durch den Besitz dieses Landes hoffite er die Herstel- 
lung einer directeren und bequemeren Verbindung zmschen Siebenbürgen und 
Ostgalizien zu en^eichen.^^) 

Hierüber schricl) er am 19. Juni 1S73 von Szäsz-Regen an seine Mutter: 
*Wir haben soeben die Csik und Gyorgyo mit allen ihren nach der Moldau 
führenden Pässen sowie einen Theil des wiederbesetzten Gebietes besichtigt 
Letzteres ist eine wahre Wildnis, bedeckt mit den schönsten Bäumen, die aber 
unbenutzt verfaulen. Wenn man durch die Zurückgabe dieser ziemlich ausge- 
delniten, aber ohne Beurbann)g und Besiedelung fast wertlosen Gebietstheile a» 
die Moldauer jene Ecke gewinnen köimte, die an Siebenbürgen, an die Marma- 
roscli und an Pokntien stösst, so würde man sicher etwas sehr Nützliches voll- 
bringen.«^ Er bittet die Kaiserin, diese Angelegenheit von dem Füi'sten Kaunitz 
in Erwägung ziehen zu lassen und fährt dann also fort: Diese Erwerbung 
(cela) würde nicht nur unsern Handel und Verkehr erleichtern, sondern tür die 
Truppen, die jetzt behufs ihrer Vereinigung einen furchtbciren Ihn weg nmchen 
müssen, fiir den Kriegsfall Ausgänge aus einer in die andere diesen* Provinzen 
schatt\ni.« 

Als erwerbenswert bezeichnet Joseph IL den inzwischen dem Rodnapass 
un<l den Strassen von Horodenka, Sniatyn und Zaleszczyki längs des Sert»tli 
bis zum Pruth und Dniester und ganz Pokutien enthnig« gelegenen Theil der 
Moldau. Dies« würde, meint er schliesslich, »in militärischer und politischer 
Beziehung zum mindesten der kleinen Walachei gleichkommen.« ^') 

Bei dem Hinweis auf den zur Eraielung einer besseren Verbindung der 
beiden Provinzen Siebenbürgen und Gtdizien lu'ithigen Landstrich und der An- 
gabe der Art und Weise, wie dessen Erwerbung zu bewerkstelligen sei, liess es 
Joseph ir. nicht bewenden. Er traf sofort Anstalten, um eine genaue Keimtnis 
von dem ins Auge gefassten Gebiete zu erlangen. Zu diesem Zwecke schickte 
er den Obei-sten des 2. walachischen Infanteriereginientii Karl JVeiherrn von 
Enzenberg mit einem Officier und zwei Unt^Toflicieix^n zur Recognoscieioing 
in die Moldau wh.^*) 

Heber fünf -Punkte^ sollte die Expedition Auskunft bringen: ül)er die 
M(iglichkeit der Hei-stellung einer dauerhaften, fahrbaren Strasse aus Sieben- 

="•) P^heinhi. S. 455. 
»') KluMula. S. 457. 
") Polck, II. a. (). S. 11. 

") Polck, a. a. (). S. 12. f. un.l Arnetli, a. a. O. Vill. 8. 613. 
»*) Sirlu» «las w.'ittT inin^n t .l'^t-iile kaistTÜi-h' HandMlH iiTnl v^'l. l\uj r k, a. ji. O. S. i:U. 

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JosEPH^s 11. Reisen nach Oalizien und der Bukowina. 33 

bürgen über Doma nach Galizien, zweitens ül)er die Ausdehnung der Besitz- 
ergreifung mit Rücksicht auf die Gewinnung einer leicht zu vertheidigenden 
Grenzlinie, dann über die Beschaffenheit und den Wert des benöthigten Land- 
striches, fenier über die \ ortheile dieser »Acquirierung« für die Monarcliie, 
endlich über die Haltung der Bevölkerung im Falle eines Regierungswechsels. 

Nach Verlauf von ungelähr sechs Wochen hatte Enzenberg die ihm über- 
tragene schwierige Aufgabe gelöst. Sein Bericht '^) sprach laut für das Project 
des Kaisers. Dieser war denn auch, wie das folgende, am 10. August von 
Sniatyn an den Hofkriegsraths-Präsidenten gerichtete Haiidbillet l)eweist, mit 
dem Ergebnisse der Expedition zufrieden. Er schrieb: 

»lieber Feldmarschall Graf von Lacy! Da dem Obristen des zweyten 
Wallachischen Infanterie Regiments Baron von Enzenberg der Auftrag von 
Mir geschehen ist, sich mit einem Oflicier und zweyen Unter Officieren in die 
Moldau zu begeben, derselbe auch bereits mehrere Zeit allda zugebracht, wie 
es ihnen schon bewust ist, und die ihme «auferlegte Commission auch wirklich 
gut vollendet hat; So werden sie dem General Commando in Siebenbürgen 
den Befehl ertlieilen, dass selbes gedachten Obristen Enzenberg alle zu sothaner 
Reyse gemachte Ausgaaben, Unkosten und diurna^ ohne hierüber von ihme eine 
liesondere genaue Berechnung zu fordern, ohnaufhaltlich verabfolgen lasse. 
Sniatyn den 10. August 1773. 

Joseph Con\ : ^'') 

Eine weitere Massnahme des Kaisers war die Anordnung der kartho- 
graphischen Aufnahme des an Gahzien und Ungarn stosseiulen Gebietes. Diese 
Aufgabe fiel dem Generalstabs- Hauptmaime Friedrich von M i e g zu, der schon 
am 17. September 1773 eine »Generalkarte« von dem zwischen dem Pruth und 
Dniester gelegenen Landstriche nebst Specialplänen von Chotin und Kamieniec 
an das galizische Generalcoramando sandte, indem er gleichzeitig in einem bei- 
gefügten Berichte ebenso wie wenige Wochen früher Enzenberg die grossen 
Vortheile einer Grenzerweiterung nach der Türkei hin auseinandersetzte.^^) 

.Schliesslich liess der Kaiser »zur Erweisung der diesseitigen Anspiüche 
und Gerechtsamen auf die Moldau« durch den geschieh tskundigen Obersten 
Baron von S e e g e r eine Geschichte dieses Landes schreiben, die denn auch 
darthat, dass der Bukowiner Wald und der von Czeniowitz gegen Sereth uiul 
Borgo laufende Bergrücken die Grenze zwischen der Moldau und Pokutien, also 
Galizien, gebildet habe.*®) 

Staatskanzler K a u n i t z zollte dem Projecte Joseph's Beilall. Schon im 
Juli 1773 hatte er den österreichischen Geschäftsträger in Constantinopel Franz 
Freiherrn von Thugut davon unterrichtet, und obwohl dieser in seinem Be- 



•*) Er ist unter dem Titel: »Von und aus der Bukow-ina. Im September 1781 < (anonym) 
in Schlözer s »Stiiais-Anzeij^en«, Bd. I, Heft 1, S. 38 ff, dann in Hurmuzakis ^Dofu- 
menie la istoria Rot/ianihro^y Vol! VII, S. 488—496 und im Auszuj^e bei Pole k, a. a. S. 14 ff 
veröffentlicht. 

**) K.-A. n. S. 1773—62—33. (OriJ,^) 

■0 Werenka »Bukowinas Entstellen und Aufblühen, I.*^ im Archiv fiir östeiT. (ie- 
M-hichte. LXXVm, Beilage I. 

") Bei Werenka, a. a. 0. Beil. II. u. XUI. 

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84 PoLEK : 

richte vom 3. August die Willfährigkeit der Pforte sehr bezweifelte, kam er 
dennoch sofort auf die Sache neuerdings zurück.^^) Ein Jahr später wjir der 
YOni Kaiser ins Auge gefiisste Landstrich, die Bukowiiui, von Oesterreich besetzt**] 



II. 

Reise nach Gaiizien und Russiand 1780. 

Nach allen aus der Zeit der Besitzergreifung stammenden Berichten *^) 
war die Bukowina damals grösstentheils mit Wald bedeckt 

Und wie spärlich war das Land bevcilkert! Auf den 10.456 QKilometenj. 
die es mnfasst, wohnten nicht mehr als circa 12 bis 15 Tausend Familien oder 
60 bis 70 Tausend Seelen.*^) Demgemäss lagen auch die kleinen, zumeist niu* 
eine einzige Stube enthaltenden, aus Holz aufgefuhii^n Häuser überall, besondei^ 
aber im Gebirge, weit auseinander.**) 

Der Nationalität nach gehörte die Mehraahl der Bewohner dem rumäni- 
schen Volksstamme an. Im Russisch-Kimpolunger Bezirke (Gerichtsbezirke 
Wiznitz und Putilla) sassen neben den Rumänen auch Ruthenen.**) Auch zwei 
kleine deutsche Colonien waren schon vorhanden : Prelipcze und Sadagora.**) 
Ausserdem gab es in Suczawa eine ziemlich starke Gemeinde von orientidischen 
Armeniern *^) und im ganzen fjande zei'streut Juden und Zigeuner.*') 

Die Rumänen bekannten sich sämmtlich zur griechisch-orientilischen Kirche. 
Dieser Kirche hiengen aus Mangel an eigenen Priestern auch die ehedem grie- 
chisch-katholischen Ruthenen an. Doch hatten weder die einen noch die an- 
deren einen rechten BegriflF von ihrer Religion.*^) 

8») Arncth, (Joschicht*^ Maria Thm-sia's. VIIT. S. 463 f. 

*°) üeber die Ei-werbunj? der Bukowina siebe A r n e t b, a. a. 0. VIII, 8. 369 ff sowie die 
bt^reits citierten Arbeiten von K a i n d 1, P o 1 e k und W e r e n k a. 

*^) (ianz (xler theilweise sind davon veröffentliebt : 1. General Baron Spien y's »ohnmass- 
j^eblicher Entwurf zu einer inilitäriscben Einriebtung des k. k. enelavirten Moldauischen AdUkmIs- 
vom 10. Deeember 1774 (bei Pn>f. Dr. v. Ziej^lauer, Der Zustand der Bukowina zur Z*»it d-T 
österreichiscben Oc<*upation. Czemowitz 1888.), 2. Spien y's ^Be.*5chi-eibung des Bukowiner I)i- 
stricts nach der vorberiji^m und jetzo n^wh bestehenden Beschaffenheit'^ aus d. J. 1775 (unter dem 
Titel: ^General Spleny's Beschi-eibunj^ der Bukowina<^ und »Ortschafb^verzeichnis der Bukowina-, 
hi-sj?. von Polek. Czemowitz 1893.), 3. General Baron Enzenberj^s Ik'nkschrifben vom 
30. October 1779 (bei Ziej^lauer, Geschichtliche Bilder aus der Bukowina zur Zeit der öster- 
reidiiscben Oecupation, CzemoM-itz 1893) und 4. die ^Beschreibiuijc d(?s Buew\iner Distri<-tä^ de^ 
Mappierung8dire(^)rs .1. B u d i n s z k v aus d. J. 1783 (l)ei Polek, Die Bukowina zu Anfanp 
des Jahres 1783, Czemowitz 1894.) 

*") Spleny's BescbriMbunji: der Bukowina, S. 166^ f., dann Orisciiaftsverzeichnis S. 4 ff. 

*') Spleny's Besehreibung der Bukowina, S. 25 ff und 66 f. 

**) Werenka, »Maria Theresia und die Bukowina«, Wiener Zeitung, 1888 Xr. 107. Vgl. 
auch Polek, Die Anfangs» des Volksschulwesens in der Bukowina. Czemowitz 1891. S. 42. 

**) Ueber Prehj)cze u. Sadagora siehe W i c k e n h a u s e r, Die deutschen Siedelungen in 
der Bukowina. 1. (Czemowitz 1885), S. 34 ff, über Sadag<'>rd auch Polok, Die ehemalige rus- 
sische Münzstätte in Sadagc'mi. Czemowitz 1894. 

*«) Siehe D. Dan, Die orientalischen Amienier in der Bukowina. Czemowitz 1890. Vgl 
auch Zieglauer, Geschichtliche Bilder, S. 61—63. 

*') Ueber die Juden siehe Polek, Statistik des Judentbunis in der Bukowina (S.-A. aui^ 
d. Statist. Monatschrift. Wien 1889), über die Zigeuner: A. Ficker, Die ZigiMiner in der Bu- 
kowina (S.-A. aus d. Statist. Monatschrift 1875) und Dan, Die Zigeuner in der Bukowina. Czer- 
nowitz 1892. Vgl. auch Zieglauer, a. a. 0. S. 69 ff. 

*®) S p 1 e n y, Beschivibung der Bukowina, S. 34. 

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Josbph's II. Reisen nach Galtzten und der Bukowina. 35 

Um Schulung und Bildung stand es überhaupt sehr schlecht in dem neu- 
ei-^^'orbenen Lande. Von den Adehgen pflegte nur ein einziger (der Bojar Ba- 
silius Bai seh) »die Rechte und die Wissen schaftejK, die Geistlichen waren 
zufrieden, wenn sie nur lesen und schreiben konnten, und die grosse Masse des 
Volkes genoss gar keinen Unterricht*^) 

Den Hauptnahrungszweig der Bewohner bildete die Viehzucht, deren Pro- 
duete (Rinder und Pferde, Schafe und Ziegen, Häute und Wolle etc.) von den 
Juden und Armeniern aufgekauft und theils nach der Türkei, theils nach Schle- 
sien verhandelt wurden. Der Ackerbau bestand hauptsächlich im Anbau von 
Kukuruz, und zwar für den eigenen Bedarf '*^) 

Der ganze Gnnul und Boden eines Dorfes war dem Grundherrn eigen. 
Der Bauer besass nicht eine Handbreit eigenen Ten-ains. Er erhielt jährlich 
soviel Grund, als er zum Unterhalt des Viehes und zum Anbau brauchte. Dafür 
hatte er dem Grundherrn von allen seinen Erzeugnissen den Zehnt zu geben, 
12 Tage im Jahr zu frohnen, eine Fuhr Holz zuzuführen und bei der Ausbes- 
serung der herrschaftlichen Gebäude mitzuwirken.^') Im übrigen war der Bauer 
fi*ei ; leibeigen war nur ein Theil der Zigeuner, die sogenannten Roby.**) 

Von den weltHchen Grundbesitzern hatten die meisten ihren bleibenden 
Wohnsitz ausserhalb des Landes. Aber auch die innerhalb des Cordons be- 
güterte Geistlichkeit gehörte nicht ausschliessHch der Bukowina an. Ein grosser 
Tlieil von Grund und Boden war nämlich dem Metropoliten von Jassy und 
moldauischen Klöstern eigen. Anderer;;eits hatte sowohl der Radautzer oder 
BukoH-iner Bischof als auch die Bukowiner Klostergeistlichkeit in der Moldau 
Güter. ") 

Wenn schon aus .diesen eigentliümlichen Besitzverhältnissen mannigfache 
Irrungen entsprangen, so nmsste das äussere Gefüge der Kirche — es reichte 
nämlich einerseits die Radautzer Diöcese weit in das moldauische Fürstenthum 
hinein, während andererseits nicht nur viele Seelsorgstationen, sondern auch alle 
Kliister der Bukowina dem Jassyer Erzbischofe unterworfen waren — noch 
grössere Uebelstände zur Folge haben. Die Weltgeistlichen (Popen und Dia- 
konen) machten sich bei dem Abgang von Pftiinden und Stolgebühren durch 
unerlaubte Mittel fiir ihre geistlichen Verrichtungen bezahlt, die Mönche aber 
führten, da ihre Vorsteher das Eiträgnis der Klostergüter vergeudeten, entweder 
ein erbarmungswürdiges Dasein oder gewannen ihren Lebensunterhalt ausserhalb 
der Klostermauem.'^*) 

Nicht besser war die Verwaltung des Landes beschaffen. Sie bestand 
eigentlich nur in der Einsammlung der Steuern und in der Pflege der Justiz. 
Dazu war in Czerno^itz ein Starost (Aeltester), in Suczawa ein Isprawnik (Ver- 
walter), in jedem Okol (Bezirke) Namestniks (Stellvertreter) imd in den Dörfern 



**) P o l c k, Aiifiingp d. Volkssehulwesens in <1. Buko>rina. S. 6 ff. 
***) S p 1 o n v' ß Beschreibung d. Bukowina. 8. 35 ff. 

»») Spleny, a. a. 0. S. 64 f. — V^rl. auch Zieglauer, a. a. 0. S. 16 ff. 
**) Zieglauer, a. a. 0. S. 71. 

**) N<H-h im Jahre 1788 zählte man 80 OrtschafUm, dei-en Eigenthünier sicli theil>» in der 
M«44biii. theils in der Walachei aufhielü^n. (Polek, Die Bukowina zu Anfang 1783. 8. 62.) 

**) Spien y' s B«?s<*hrtMhung d. Bukowina. 8. 51 f un<l Z i e g 1 a u e r, a. a. 0. 8^4 ff, - 

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36 Polek: 

Dwoniiks (Richter) angestellt Dem Starosten und dem Isprawnik waren je 
drei Ix)gofeten (Srhreil)er), einer fiir die Steuersachen luid zwei fiir die Gerichts- 
pHege und die Corresi)ondenz, den Namestniks je zwei Zlotaschen (Steuerein- 
nehmer), den Dwoniiks je nacli der Grösse und Ausdehnung des Dorfes 1, 2 
oder 3 Wat^imans (Gehilfen) zugetlieilt. Dem Starosten standen überdies eine 
Anzahl Gerichtsdiener (Barans, Umblators) und Amanten, letztere zumeist zu 
auswärtigen Dienstverrichtungen und zur Ueberbringung der Berichte nach Ja^j, 
zur Verfügung. Die Aufsicht über die Grenze besorgten 100 Kalaraschen oder 
Grenzwächter unter einem Capitän und 4 Vicecapitäns. 

Nur die Amanten erhieltcMi ihren Sold vom Fürsten; das ganze übrige 
Verwaltungspersonale, vom Starosten angefangen, war auf sogenannte Sportein 
angewiesen. Uebrigens waren die vornehmeren Aemter nicht auf Lebenszeit 
sondern nur auf 2 oder 3 Jahre und meistentheils an den Meistbietenden ver- 
handelt Kein Wunder, dass (he Bemühung solcher Beamten dahin gieng, das 
für das Amt ausgelegte Geld sobald als möglich herauszuschlagen und sich 
während der kurzen Amtszeit auf Kosten des armen Volkes zu bereichem.**) 

Die Steuem waren maimigfach. Vor allem ist der Tribut zu nennen, der 
zumeist die Aenneren drückte; denn der höhere Adel und die Klostergeistlich- 
keit war davon befreit Dann gab es eine Gostina (Weidegeld fiir fremde Schafe), 
eine Desetina (Zehnt von Borstenvieh und Bienen), ein Solarit (Salzsteuer, nur 
im Czernowitzer District), eine Starostie und Isprawniksie (Steuer fiü* den Sta- 
rosten und Isprawnik von allen ausgeführten Waren), eine Kapitanie Dikitzman 
(Steuer für den Grenzcapitän von Kotzman von dem ausgeführten Vieh), eine 
Dworniksie mare und eine Schartrarie (ebensolche Steuer für den Gross-Dwomik 
oder Obei*st- Hofmarschall, bezw. für den Schartrar oder General-Quartiermeister), 
ein Boeritul (Steuer von jedem Schank- und Brantweinhaus für den Gross- 
Mundschenk), ein Venitul Metropolitului (Steuer, welche die Juden für ihre Dul- 
dung dem Metropoliten zu entrichten hatten) etc.**) 

Was die Rechtspflege anbelangt, so war für den processierenden Baueni 
der Dwornik die ei-ste, der Namestnik die zweite, der Starost bezw. der Isprawnik 
die dritte Instanz. Der Adel brachte seine Klagen sofort bei letzterem vor. 
Die Geistlichen aber unterstanden in Temporalibus wie in Spiritualibus der 
Jurisdiction des Bischofs. 

Alle Processe wurden ohne Advociiten, ohne Beisitzer, ohne Protokoll, 
bloss nach der natürhchen Einsicht oder Willkür des Richters durchgeführt; 
doch stand es dem Bauern, dem Edelmann und auch dem Geistüchen frei, gegen 
den Aussi)mch des Starosten, bez. Isprawniks und Bischofs die Entscheidung des 
Füi'sten anzumfen, der die Streitsache von dem in Jassy eingesetzten Divaii 
(Gerichtshof) untersuchen Hess. 

Criminalfälle konnten nur in Jai^sy zur Verhandlung kommen, Todes- 
urtheile nur mit Zustinmmng der Pforte vollzogen wenlen ; die Verbrecher waren 
jedoch »meistens so glücklich <, sich untenvegs oder im Gefängnisse mittels eines 
Geldgeschenkes von ihren Fesseln zu befreien.*^^ 



W) Spion V, a. a. O. S. 45 ff. 
^) KiM'iMla/a. a. O. S. 53 ff. 

»0 Elxnula, S. 50 ff. 

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Josbph's II. Reisen nach Galizien und der Bukowina 37 

Von der Handhabung der Polizei war keine Rede. Im gajizen Lande gab 
es keinen Chirurgen, keinen Arzt und keine Apotheke. Nirgends war man 
seines Eigenthums imd Lebens sicher, da die in und an den Wäldoni einsam 
lebenden Bewohner aus Furcht, misshandelt oder getödtet zu werden, dem räu- 
berischen Gesindel allzeit Unterkunft gewährten. Die Landstrassen waren der- 
gestalt vernachlässigt, dass die Reisenden alle AugenbUcke in Morästen stecken 
blieben. Auch Brücken fehlten, so dass man zur Zeit des Regenwetters an 
Flüssen und Bächen warten musste, bis das Wasser sich etwas verlaufen hatte. 

Dieselbe Fahrlässigkeit, die auf dem Lande überall in die Augen sprang, 
herrschte auch in den Städten. Keine Vorsicht gegen Feucrsbiamst, kein ordent- 
liches Mass und Gewicht, keine Reinlichkeit, überhaupt nichts, was den Auf- 
schwung einer Stadt befördert, war daselbst zu finden.'^^) 

Das war der Zustand der Bukowina zur Zeit, als Oesterreich von diesem 
Land Besitz ergriff. 

Die erste Frage, die hinsichtlich des neugewonnenen Gebietes zu lösen 
war, betraf die Art und Weise seiner künftigen Verwaltung. Es musste ent- 
schieden werden, ob dieses Land eine selbständige Provinz bilden oder zu Ga- 
lizien geschlagen oder etwa zur Verlängerung der siebenbürgischen Militärgrenze 
verwendet werden sollte. Dann kamen die einzuführenden Verbesserungen in 
Betracht 

Der commandierende General in Galizien, Feldzeugmeister Freiherr v. 
Elrichshausen, redete der Grenzeinrichtung das Wort und rieth, sie da- 
durch anzubahnen, dass man das Land gleich anfangs unter militärische Ijei- 
tung stelle.^®) Die Beschaffenheit und die Ziele dieser Verwaltung legte er in 
einer vom 6. Jänner 1775 datierten Denkschrift dar.^°) Er schlug die Einthei- 
lung des Landes, fiir welches er den Ausdruck »moldauisches Generalat« ge- 
braucht, in 2 Kreise oder Regimentsstände (Czernowitzer und Suczawer Regi- 
mentsstand) vor. An der Spitze des Generalats sollte ein Feldmarschall-Lieu- 
tenant •*), an der Spitze der Regimentsstände je ein Officier mit dem Titel 
Standespfleger stehen. Das Generalat sollte vom Hofkriegsrathe abhängen und 
mittelbar an das galizische Generalcommando angewiesen sein. Generalat und 
Regimentsstände sollten auch die Justiz ausüben, und zwar ersteres als Appel- 
lationsgericht für alle Stände, letztere als Gerichtshöfe ei-ster Instanz fiir die 
Edelleute und zweiter Listanz fiir die Bauern, die Bürger und die Judenschaft, 
die ihr Recht in erster Listanz von ihren Richtern (Dorf-, Stadt-, Judenrichtern) 
zn nehmen hätten. Das bisherige Abgabensystem wollte der Feldzeugmeister 



w) Ebenda, S. 52 f und Ziüj,Mauer, a. a. 0. S. 117 ff. 

*•) Btrirht an den Hofkriej^srath, Lt>ni])ei^ 14. DecembtT 1774. (Orij^. K.-A. IL S. 
1774—23—24.) 

*>) Sie befindet sieh unter dem Titel: »Entwurf auf was Art der enelavirte Kays. Könlj^l. 
Mcjlilauische Bezirk unter der militairisehen Direetion zu verwalten soyv^ in dem k. u. k. Kriej??- 
art-hive (II. 8. 1775 — 879) und stimmt bis auf wenij^o, zumeist nur stilistische Aendenmgen mit 
«lern ebendaselbst (I. S. 1774—23 — 31) aufbewahrt(»n. oben (Anmerkun<jj 41) erwähnten Hpleuy'- 
M-hen >Entwurfe« vom 10. December 1774 nahezu wörtlich übercin. Auf <licsp Uelx'nnnstimmimg 
hat übrigi?ns 8pleny stdbst in einem unterm 9. Juni 1776 an den Ifofkriejjsraths-Präsidenten 
^Irafen v. Hadik ^reriehteten Schreiben hinj^^wiesen. (Vj^l. auch Anmerkunj^ 67.) 

•') Nach (lem Spleny* sehen Entwürfe sollte ein (Jeneral die Oberleitung^ haben. 



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88 Polek: 

bis auf die Steuer für Bienenstöcke, Schafe und Boi'stenvieh, deren Abschaffung 
er beftirwortetOj beibehalten wissen ; ebenso wideriieth er jede Aenderung an 
dem Verhältnisse der Bauern zu den Grundherren. Dagegen sprach er sich für 
die x\nlegung von Strassen, in erster Linie fiir die Enveiterung des von Pozo- 
rittta (unweit Kim polung) nach dem Borgopasse führenden »Fusssteiges^ zu 
einem »ordentlichen Fuhi^ege« aus, empfahl zur Abwehr der von der Türivci 
her beständig drohenden Pest die Errichtung von 5 Quarantaineanstalten und 
zur Hebung des Verkehrs zwischen Galizien mid Siebenbürgen die Herstellung 
einer regelmässigen Postverbindung, betonte die Nothwendigkeit, die Bauern zum 
Anbau von Korn und Hafer sowie zur Schonung der AVälder zu verhalten, 
rietl», durch Gewähnmg von Freiheiten Handwerker herbeizulocken, und hob 
schliesslich die Vortheile hervor, die dem Lande aus der Errichtung zweier ade- 
liger Convicte und Lateinschulen (in Czernowitz und Suczawa) erw^achsen wünlen. 

Wenngleich Verbesserungen nicht abgeneigt, hielt Kaiser Joseph doch die 
Umwandlung des Landes in eine Militärgrenze, ja selbst die Feststelliuig einer 
bestimmten Regierungsform noch fiir verfrüht »Diesen (District) anjetzo zu einer 
gränitz zu machen und zu bewaffnen, wäre nicht rathsam.« So hatte er im De- 
cember 1774 über Elrichshausen's Vorschlag resolviert^') Ueber dessen «Ent- 
wurf« schrieb er eigenhändig folgende Entscheidung nieder: i>Da die um- 
stände noch nicht so beschaffen sind in diesen tlieill der 
Moldau eine Regierun gs Form einzuführe n, so ist des Elrichs- 
h ausen Ei fer z war zu beloben, ihme aber aufzutragen, alles 
in statu quo zu belassen und nur interimaliter durch das darin- 
nen befindliche Militare die gewöhnlichen Steuern eintrei- 
ben zu lassen, die höchst nöthigen Sanitäts anstalten zu 
treffen und die bestmöglichst und leichtesten defensions und 
zugleich am eliora tions anstalten zu treffen.« ^^) Diesen Befehl 
wiederholte der Kaiser am 8. Febniar 1775 unter Beifügung der Gründe, die ihn 
dazu bewogen. Er trug nämlich dem Hofkriegsrathe auf, dem galizischen 
G.eneralcommando »zur unverbrüchlichen Regel vorzuschreiben, 
dassnoch dermalen und bis auf wei tere n Befehl in dem ge- 
dachten enclavirten Bezirk (d. i. in der Bukowina) nichts neues, 
als was die äusserste und unvermeidliche Nothwendigkeit 
erfordert, verordnet, alles übrige in statu quo belassen und be- 
sonders die Publicirung solcher öffentlichen Patente oder die Verfugmig solcher 
Anordnungen vermieden werden solle, welche die mit der Pforte wegen des 
erwehnten besetzten Districts vorhabende Unterhandlung ®*) erschweren, die dor- 
tigen Unterthanen missmuthig machen oder denen in den benachbarten Gegen- 
den annoch befindlichen Kussischen Truppen zu Beschwerden Anhiss geben« 
könnten.'^'') 

Dasselbe Schicksal wie der von Elrichshausen vorgelegte »Entwurf-, hatte 



") Vortra«,' dos Hofkric^rsrathes, 27. IVcvnibor 1774. (Orij?. K.-A. II. S. 1775— 23--24.) 

ßJ») Vortiiij?, 15. Jänner 1775. (OriK- K.-A. II. S. 1775—87-9.) 

**) (ienieint sind die Unterliandliinj^'im in Botroff der Abj^^a'nzun«? der Bukowina. 

^^) Werenka, a. a. ()., Boil. lA'XXIII. 



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Joseph's II. Eeisen nach Galizien und der Bukowina. 39 

das umfangreiche Elaborat, ^^) das der seit dem Eiumareche in die Bukowina 
daselbst ad Interim mit der Militär- und Civilgewalt ausgestattete General Frei- 
herr von Spleny am 10. Februar 1776 dem Präsidenten des Hofkriegsrathes 
übersandte, und worin im grossen und ganzen das in dem ebengenannten »Ent- 
würfe« dargelegte Reformprogi'amm weiter ausgefiihrt und begiündet wird.^^) In 
dem darüber abgegebenen Gutachten sprach sich nämlich der Hofkriegsrath, 
auf Joseph's Befehle in Betreff der Aufrechterhaltung des Statm quo verwei- 
send, dahin aus: »es könne und müsse das, was der Bukowina 
^schädlich« und gegen deren »vorige Gewohnh ei ten* sei, »hint- 
angehalten^ und alles, was den' Ein wohnern »zum Vortheil« 
gereiche und »keine wesentliche Veränderungen« nach sich 
ziehe, zur Ausführun g kommen; »alles übrige« dagegen, »was 
auf die künftige Dist ri ctsverwaltung und auf die vorgeschla- 
genen neuen Einrichtungen einen Bezug habe, könne »so 
lange nicht zur Deliberation und Ausübung gebracht werden, 
bis die eigentliche Grenze des Districts (d. i. der Bukowina) 
festgesetzt und in Betreff dessen künftiger Administration 
die Allerhöchste Gesinnung bekannt sein werde«. Dieser An- 
sicht pflichtete auch Kaiserin Maria Theresia bei. »Bevor nicht die 
vollständige Grenzberichtigung erfolget«, entschied sie, 
^kann dem Spleny lediglich die Weisung, worauf Hofkriegs- 
rath ganz wohl anträgt, gegeben werden.« ®®) 

Die Grenzverhandlungen fanden am 2. Juli 1776 in der Convention von 
Palamutka ihren Abschluss. Trotzdem verstrichen, da die l}aierische Erbfolge- 
frage um jene Zeit auftauchte, noch drei volle Jahre, bis man hohenorts »die 
Regulierung des Bukowiner Districts« in enistHche Ersvägung zog. Aber gleich 
nach Unterzeichnung des Teschener Friedens ergieng an General Baron En- 
zenberg — dieser hatte am 6. April 1778 an Spleny's Stelle die interimi- 
stische Leitung der Bukowina übernonmien — von Seite des Hofkriegsrathes der 
Befehl, über den Zustand des Landes zu berichten und Verbesserungsvoi-schläge 
zu unterbreiten. In letzterer Hinsicht sollte der General insbesondere darüber 
seine Meinung äussern, »ob in der Bukowina eine »Grenzmiliz« »mit Nutzen« 
erichtet werden könne, oder ob es genüge, die Bevölkenuig »zu Erhaltung der 
Sicherheit im Land und an denen Grenzen zur Dienstleistung« beizuziehen.*^) 



••) Herausgegeben von m i r unter dem TiU^l : »General Spleny's Beschreibung der Buko- 
wina*. Czemowitz 1893. (Vgl. Anmerk. 41.) 

•^ Spleny selbst äussert sich darüber in dem BegleitscJirelben folgendermassen : »Ich 
hatte zwar einen TheU dieses Werks, wiw? nämlich die zukünftige Verfassung dieses Districts an- 
belangt auf An verlangen meines vorhinigen commandirenden Ucneralens, Herrn Feldzeugmeistt^rs 
B. Ellrichshausen Excellenz, nur bald nach der von mir in dieser Gegend angetretenen 
AnsteDung einzureichen die (inade gehabt, nachdem ich aber damals die gehörige Zeit nicht 
hattt\ <las innerliche jeden Gegen.standes verlässig einzusehen und diesemnach die vorhinige Ge- 
wohnheiten oder die sonstige liage aller Dingen mit dem, was künftig mit Nutzen des Souverains 
veranstaltet werden könnte, zu combiniren, so konnte sothan meine ei-ste Bemühung natürlicher- 
weise nicht anders al \ ohn vollkommen gerathen ; welch fehlorhaftt^s zu ver)je-wem, zugleich aber auch 
«im lias jetiige Werk so viel möglich in Vollkommenheit zu bringen, erdcht<» ich fiir nöthig, auch 
•iiej5<3n, obschon einmal abgehandelten Theil in einer verbesserten Gesüilt gleichsam zu wiederholen.« 
(Orig. K.-A. n. S. 1776—53-42.) 

^ Vortrag d. Hofkriegsrathes, 13. April 1776. (Orig. K.-A. H. S. 1776-53-42.> j 

«») Rescript vom 25. August 1779. (Protok. d.Hofkriegsr. 1779, G., Nr. 6376.) jOOglC 



40 PoLKK : 

Aus Enzeiibergs » System isierungsplano« — so bezeichnet der GenenJ 
selbst sein aus sieben, vom 80. October 1779 datierten Denkschriflen bestehendes 
Elaborat — ist zunächst ersichtlich, dass trotz des im allgemeinen noch auf- 
rechterhaltenen Status quo die ersten fiinf Jahix? österreichischer Ven^altung in 
der Bukowina nicht erfolglos waren; denn die Einwohnerzahl hatte sich tlieils 
auf natürlichem Wege, theils durch Zuwanderungen nahezu verdoppelt, der Ver- 
kehr hatk* sich durch die Hei*stellung der Verbindung zwischen Siel)enl)ürgen 
und Galizien gehoben, die Justiz wurde nicht mehr willkürlich, sondern nach 
Gesetzen gehandhabt, und die Enichtung von Scliulen war durch die Giündung 
eines Schulfonds angebahnt.'^) 

Die Vorschläge Enzenl)erg's zur Beseitigung der noch bestehenden Uebel- 
stände gehen über die Elrichshauseji'schen, l)eziehungsweise Spl^ny'schen Re- 
formgedanken weit hinaus. Die Meinungsverschiedenheiten betreffen insbesondere 
die grundherrlich-bäuerlichen Verhältnisse und das Steuerwesen. In ersterer 
Hinsicht schlägt Enzenberg, um den Landwirt an die Scholle zu fesseln m\d 
zur Erbauung besserer Wohngebäude anzueifern, vor, dem Grundherrn zu ver- 
bieten, den einem Unterthan einmal zugewiesenen Grund diesem oder dessen 
Nackkommen wieder abzunehmen oder ^o^^cn einen anderen zu vertauschen. 
Dafür sollten die Prohnen (Hand- und Spanndienste) grösser als bisher sein 
und überdies nicht mehr von allen Tlnt^iihanen in gleichem Ausmasse, 
sondern dem zugetheilten Besitz entsprechend geleistet werden. In Hhisicht 
auf die laudesfüi-stlichen Abgaben empfahl der General, an Stelle der Mehr- 
heit der Steuern eine einzige, auch vom Adel und der Geistlichkeit zu 
entrichtende Steuer einzufiihreri und zu ihrer Bemessungsgiimdlagc Grund und 
Boden anzunehmen. Grösstentheils neu sind Enzenberg's Vorschläge in Betreff 
der Verbesserung des Kirchenwesens. Damach sollte im Einverständnisse mit 
dem Patriarchen die Bukowina zu einer Diöcese allein bestimmt, die geistliche« 
Güter eingezogen, der Biscliof und die Mönche vom Staate besoldet und der 
Unterhalt der Weltgeistlichen durch Feststellung von Stolgebühren, sowie durch 
Zuweisung von Wiesen und Feldern (portio canonica) seitens der Grundherren 
gesichert Averden. Was endlich die Grenzmihz betrifft, konnte Enzenberg zwar 
nicht umhin, auf die Abneigung der Bukowiner gegen den Militärdienst hinzu- 
weisen ; ein wirkliches Hindernis für die Errichtung einer solchen Miliz erblickte 
er jedoch vorläufig nur in dem Mangel der zur Dotierung der Grenzer nötliigen 
landesfüretlichen Ländereien. Diesem Mangel sollte dadurch abgeholfen w^erden. 
dass die weltlichen und geistlichen Grundbesitzer zum Nachweise ihres Besitz- 
rechts verhalten und jene Güter, für welche dieser Beweis nicht , zu erbringen 
wäre, confisciert w^ürden. Unterdessen, meinte der General, würde es genügen, 
das Bukowiner Landvolk unter der Leitung von Soldaten %Qg'^^\ einen täglichen 
Sold von je G kr., sowie gegen Befreiung von den öffentlichen Arbeiten zur Be- 
wachung der Grenze zu verwenden.^') 

Diesen Systemisierungsplan unterbreitete der Hofkriegsrath am 15. Jäjmer 
1780 dem Kaiser mit dem Antrag, dass sowohl General Enzenberg als 

'°) Dazu sowie zu <lom F()l«^^n(lim \\i\. Z i c j? 1 a u o r, Gt^chichtlicbe BiUk^r aus der Bukowina. 

'*) DenkBtlirift Nr. 1 : ;>UntcrthäniK ^ebor?amst und unzielsetzliche Meinung... in Ajisefaun^ 

der I^^ulinint? des Bukowiner üistricts.« (K.-Ä. Memoiren. Abth. 2.3, Nr. 32 und U. S. 1780— 62- 3.Vk 



Joseph's II. Reisen nach Gai.izien und der Bukowina. 41 

auch der in Tjeniberg angestellte Oberkriegscomniissär W a g ra u t h, letzterer 
in Vertretung des mit d3n Enzenberg'schen Ideen nicht ganz ein versUm denen 
Coinnijuulierenden in Galizien, des FeldTnai*schall-Lieutenants Bai'on Schröder, 
behufs endgiltiger Feststellung des Bukowiner Regulierungsplanes nach Wien 
benifen werde. Diesem Antrage stimmte Josei)h zu.*^^) 

Es ist nicht unwahi-scheijdich, dass sich der Kaiser schon damals mit 
dem Ginlanken tiug, im Fnihjahre 1780 die Bukowina zu besuchen, um sich 
ül)er die Wünsche und Bedürfnisse dieses Landes an Oit und Stelle zu unter- 
richten. Jedenfcills war er Ende Jänner zu dieser Heise fest entschlossen, ja er 
knü])fte daran noch ganz andere Pläne. 

Während Maria Theresia die Allianz zwischen Oesterreich und Frankreich 
noch immer für die natürlichste und passendste (la plus naturelle et la plus 
convpnable) ansah, ^''^) hielt es Joseph seit dem Ende des baierischen Erbfolge- 
krieges für die Aufgabe der östen*eichischen Politik, Russland von Preussen ab- 
zuziehen und ein österreichisch-russisches Bündnis zustande zu l)ringen.^*) Als 
er daher zu Anfang des Jahres 1780 von Katharina's II. Absicht, in den Mo- 
naten Mai und Juni eine Reise nach Weissrusshmd zu untiTnehmen, hörte, 
glaubte er die Zeit und Gelegeidieit zu pei-söidicher Annälienuig an die giT)sse 
Kaiserin gekommen. Den entscheidenden Schritt wollte er jedoch nicht ohne 
Vorwissen seiner Mutter thun. Er Uieilte ihr also mit, dass er die Czarin an- 
lässlich ihrer Reise auf russischem Gebiete zu begrüssen gesonnen sei, indem er 
sich zu gleicher Zeit in die Bukowina beigeben wolle. Diese Mittheilung hielt 
Maria Theresia für einen Scherz ; umso betiiibter war sie, als sie sah, wie ernst- 
haft der Kaiser die Sache behandelte.^'') 

Am 1. Februar 1780 machte Joseph auch den i*ussischen Botschafter 
Fürsten Galitzin mit seinem Plan bekannt. Er fügte hinzu, dass diese Ange- 
legenheit durchaus zu keiner Staatsaction werden solle; er wünsche nichts als 
die i-ussische Kaiserin zu sehen.^^) 

Katharina nahm das Anerbieten des Kaisers in den verbhidlichsten Aus- 
drücken au und bezeichnete die Stadt Mobile w, wo sie am 7. Juni einzu- 
treffen gedachte, als den geeignetsten Ort für die Zusammenkunft.^^) 

Jetzt eret, am 29. Februar, erhielt Fürst K a u n i t z von den Absichten 
des Kaisei-s Kunde. Dass er sich darüber empfindlich zeigte, ist begreiflich. 
Noch mehr aber fiihlte sich Maria Theresia gekränkt. »Das ist ein neuer 
Beweis«, schrieb sie vier Tage nach dem Eintreffen der Antwort aus St. Pe- 
tersburg an den französischen Botschafter Grafen Mercy- Argen teau, »wie wenig 
ich imstande bin, den Ideen meines Sohnes Einhalt zu tluui, obwohl ich dann 
iumier in die Lage komme, einbezogen zu werden in dere^n Tadel«. ^®) 



'«) OriK. K.-A. ü. S. 1780-23-6. 

"•) Maria Therosia an Mario Aiitoinotto. 1. .Tiinner 1780. (Ihr Briefwochsel, heraiis- 
^'.•j,n»}H'ii von A. V. Arno ib. 2. AiiH. lA])zh^ 1866. 8. 811.) 

•*) A r II e t h, Oosohielite Maria TlioivHia>. X. S. 667 und H u b o r, OosU'rroicliisobe Roiebs- 
^'H^obirbt*', Pmg, Wien und IxMpzijif 1895. ö. 186. 

») A r u e t h, a. a. 0. S. 668. 

■«) Ebentbi. S. 668. 

") Ebonda. S. 669. 

") Eb<-nda. S. 671. C r^r^n]o 

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42 J'OLEK : 

Inzwischen war der Kaiser mit seinem Heiseplan schon vollauf beschäftigt. 
Das zeigt das folgende Handbillet an den Präsidenten des Hofkriegsrathes.") 
Er schrieb : 

»Lieber Feldmarschall Graf von Hadick ! Die Wichtigkeit einer zu er- 
richtenden graden und so viel möglich gemächlichen Communic ation zwischen 
Olmütz und Gallizien durch Hungarn rückwärts der Jablunka, dann die ein- 
malige Bestimmung derjenigen Beschaffenheit, so einmal 
die Buccowina überkommen muss, veranlassen Mich anheuer in diesem 
Frulijahr und Sommer zu Beaugenscheinigung dieser beeden Objecten allhin eine 
Reise zu unternehmen. Sie werden dann in Gemässheit dem FML. Schnkler 
als Interims Commandirenden Generain in Gallizien den Auftrag machen, dass 
er so bald als mögHch und aufs schleunigste deii Bericht erstatte, ob bevge- 
schlossene ideale Marche-Route leicht zu bewerkstelligen möglich seye, oder was 
er daran wesentUches abzuänderen für notliwenig hielte, damit Ich darnach Meine 
weitere Anstalten treffen köime. Zu Gewinnung der Zeit aber wird zugleich 
dem Oberst Lieutenant Mieg in BieUz zuzuschreiben, und ihm die Liste von 
OUmütz bis Wielizka zuzuschicken sejii, damit er wegen der von Wallachisdi 
Meseritz aus bis Oswiezin durchaus zu Pferd angetragenen Route seine Meynung 
alsogleich hier einschicke, weil ihm am besten der Weeg wegen der allda neu 
zu errichtenden Strassen bekannt seyn muss. In jede Nacht Station werden von 
dem nächsten Militari, seye es Cavalerie oder Garnisonß-Regiment, 12 Mann 
commandieret werden. In die Buccowina vom Niester an bis nach Siebenbürgen 
werde ich durchaus reuten, und werden entweder gute Bauern oder Dienstpfenle 
in Bereitschaft seyn. Die Quartiere werden schon von meinen eigenen Leuten 
gemacht und besorget werden. 

^Iden Tag meiner Abreise kann ich noch nicht bestimmen, ich werde ihn 
aber l>ey Zeiten durchaus avisiren lassen, so wie ich auch eine lista von einigen 
Victualien, die man in den Nacht Stationen wird in Bereitschaft halten müssen, 
früh genug übei'scliicken werde. Alle zwey Meiln werden frische Pferde müssen 
in Bereitschaft gehalten werden, deren Anzahl bey läufig 50 machen wird. 

»Wenn General Enzenberg in Lemberg mit dem Schröder könnte 
die Sache ausgearbeitet haben und noch ehender hieher kommen, so könnten 
mündlich mit ihm einige Sachen abgeredet werden, und er nachhero noch zeitlich 
genug in die Buccowina, um mich allda zu empfangen, sich wieder zurück verfugen. 

»Da, wo die Wägen in der Buccowina und anfangs von Wallacliisch Me- 
seritz aus vennuthlich nicht werden folgen köinien, so wird vor selbe eine andere 
Route einzuleiten seyn, fiir Mich und eine kleine Suite aber, die ich in solclien 
Gelegenheiten mitnehme, einige gesattelte Reitpferde und einige Saum- oder 
Tragpferde bereit seyn, um einige Bagage fortzubringen, wann nicht auf Landes 
Art einige Karren oder Leitenvagen dennoch von Station zu Station könnten 
geführet werden, wo alsdann dergieich vorzüglich zu bestellen wären. Es ver- 
steht sich, dass aller Orten gute und ausrichtsame Bothen zu Pferd müssen be- 
stellet werden. 



'») OnV- K.-A. II. S. 1780-49—1. 

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Joseph's II. Reisen nach Gauzibn und der Bukowina. 43 

»Zu Beschleinigung dieser an verlangenden Auskünften können Sie aucli 
eine Estaffette damit au FMK Schröder abschicken und ihm diesen Brief von 
Mir beyschhessen. Diese nemHclie Estaffette kann auch dem Obirst Lieutenant 
Mieg dasjenige, was ihn betrift, übergeben. Wien den 3. März 1780. 

Joseph Corr.<? 

In der »Marschroute« werden Brunn, Olmütz, Wall. Meseritsch, Ober- 
Beczwa, Wisoka, Csacza, Jablunkau, Skalice, Milöwka, Saybusch, Kety, Oswie- 
cim, Wieliczka, Bochnia, Mielec, Rmlomysl, Tarnogrod, Zamose, Hrubieszöw, 
Sokal, Brody, Lemberg, Zboröw, Ti-embowla. Sniatyn, Zaleszczyki, Okopy, Wer- 
lK>utz, Czeniowitz, »Molesick« (Molnitza), Sereth, Suczawa, Baya, »Ottumori«, 
(Gurahumora), Kirapolung und Rodna als »Nachtstationen« angeführt, und es 
wird nur noch bemerkt, dass über die Strecke von Wall. Meseritsch bis Oswie- 
cim OberstUeutenant Mieg, über die von Zaleszczyki bis Rodna Genend Enzen- 
berg zu veniehmen sei.*®) Russische Ortschaften®') sind darin ebensowenig wie 
in dem kaiseriichen Handschreiben genannt Der Grund hiefiir liegt in dem 
Umstand, dass die beabsichtigte Reise Joseph's nach Russland vorläufig noch 
geheim gehalten werde.®*) 

Noch an demselben Tage, an welchem er das kaiseriiche Handschreiben 
erhielt, d. i. am 3. März, schickte der Hofkriegsrath sowohl an den Feldmar- 
schall- Lieutenant Baron Schröder als auch an den Obei^stlieutenant v. Mieg 
durch Eilboten die entsprechenden Befehle ab. 

Mieg berichtete am 6. März von Biala aus, dass vor Ende April weder 
der Bergrücken zwischen der Beczwa und der Waag, noch der Ucbergang vom 
Waag- ins Czeniathal passierbar seien, imd dass auch in dem Falle, wenn der 
Kaiser später durch jene Gegend reise, einzelne Strecken Weges, wie z. B. in 
den sumpfigen Wäldeni am Kisucza- und am Czemabach würden ausgebessert 
werden müssen. Er bat daher um die Erlaubnis, in einer den Absichten Seiner 
Majestät »angemessenen Zeit« 2 Officiere abzuschicken, um »die üblen Wege 
in den obbesagten Wäldeni vor Seine Majestät nur zimi Reiten« herzurichten. 
Die Wägen, fiigte er hinzu, köimten von Wall. Meseritsch über Neutitschein, 
Friedeck, Teschen, Bielitz nach Oswiecim »geleitet« werden. Diesem Antrage 
stimmte der Kaiser zu. Er hätte zwar, heisst es in der hierüber erfolgten Aller- 
höchsten Entschhessung, »noch nicht den Tag bestimmt«, wann er die Reise 
antreten werde, glaube auch nicht, dass dies »vor Ende April« geschehen werde; 
aber er gedenke »immer von Czaza nach der Jablunka zu gehen, allda zu 
schlafen und von da wieder zurück nacher Skalice zu gehen und so weiter« 
seine Reise fortzusetzen. »Gegen die Mitte des Aprils« solle jedoch Oberst- 
lieutenant Mieg immerhin die 2 Officiere abschicken, »um die Wege zum reiten 
yracticabU zu machen «.^^) 

Am 11. März erstattete auch FML. Schröder seinen Bericht Darnach 
stiess die vorgeschlagene »Marschroute«, soweit sie Gahzien betraf, auf keine 



»•) EbcTula. 

*») Tani<^^(l, Zaniosc »ind Hnil)u»sz6w j,^'höi-ttm damals zu Galizion. 

»») \>L Arneth, a. a. 0. S. 671. 

") Vortrag deH Hofkrie^^^nithes, U. Miirz 1780. (Ori^'. K.-A, II. S. 1780-49-2.) ^^ j 

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44 PoLEK : 

Hindeniisse. Ueherdies, erklärte Schröder, werde »alle Aufmerksamkeit dahin 
getragen werden, damit allda, wo sich etwa ein oder andere mindere Anstände 
ergebe^l möchten, solchen in rechter Zeit und nach Seiner Majestät Allerhöch- 
sten Tntention, das ist ohne dem Land einige Unkosten zu verursachen abge- 
holfen werden.* In Hinsicht auf die Bukowiner Route seien jedoch einige Ab- 
änderungen nöthig. Vor allem gebe es in der Bukowina keinen Ort, der den 
Namen >Molesik« führe. Demnach müsste die Reise längs des Prutli nach 
Molnitza geheji. Da Baya sich ausserhalb des Cordons l>efinde, könnte daiur 
Litten mika (Liteni) als NachtsUition gewählt werden. Damber werde übrigens 
General Enzenberg, der von Czernowitz schon abgegangen sei und denniächst 
in Lemberg erwartet werde, das Nähere angeben. 

Darauf erfolgte nachstehende Allerhöchste Resolution : »Die zwey An- 
merkujigen und Abändeiningen der zwey Stationen sind ganz wohl vom Feld- 
marschalleütenant Schröder gemacht worden, und hat es bey selben sein Be- 
wenden. Die Bestinnnung der eigentlichen Tage wird ei-st erfolgen ; und soh:Jd 
(Jeneral Enzenberg hier anlangen wird, hat sich solcher bey Mir hierwegen 
zu Ttielden. 

Joseph Corr. • ®*) 

Wenige Tage später schrieb der Kaiser an den Hofkriegsraths- Präsidenten 
Grafen Hadik : ^') 

»Lieber Feldmai-schall H a d i c k ! Beigeschlossene Liste enthält diejenige 
Marche Süiüonen, so Ich für meine Reise nach Gallizien entworfen habe. Sie 
werden in Gemässheit allsogleich den Betehl ergehen lassen, damit iüler Orten 
das schon Anbefohlene in Bereitschaft seye. 

)^ Oberst Lieutenant Mieg wird sich in OUmütz oder zu Wallachiscli 
Meseritz einzufinden haben, und mit mir die Reise bis Oswieczin fortsetzen. Er 
kaiui auch noch einen Oflicier vom General Staab, wann er es fiir nöthig findet, 
mit sich nehmen. 

>In Radomischel, in Zamosc, dann in Rubieschow werden entweder gute 
Dienst- oder Landpferde, 4 in einem jeden Ort, gezäumter ohne Sattel in Be- 
reitschaft gehalten werden, auch mit den ncitliigen Connnandirten, sie zu fuhren, 
und wird sich Oberst Lieutenant Mieg von Wallachisch Meseritz bis Oswieczin. 
und nachhero in allen Nacht Süitionen von ein paar verlässlichen berittenen 
Bothen zu versicheni haben. 

»Auch folget hierneben bey, was ich an die Böhmisch OesteiTeichisclu*. 
dann Hungarische Kanzley wegen Bestellung der Pferden und allen andeni An- 
stalten erlasse, welches Sie auch den betreffenden General Commandis zu Missen 
machen werden. 

An eijier jeden Nacht Station, ansgenonnnen in dem Gebürge von Me- 
seritz bis Kentj, also von Kentj aus kann von dem nächstgelegenen Militiiri 
ein geringes Commando von 12 Mann zu Bewachimg der Bagage bestinnnet 

8*) VortniK <les Hufkrioj^^ratlies, 17. Mür/.. lier.il)j,n^lanf^ 20. Miii-z 1780. (Grit?. K.-A. H. 
S. 1780-49-8.) 

•*) ()ri<r. K.-A. U. S. 1780-49-4. 

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Joseph's II. IIeisen nach Galizien und der Bukowina. 45 

werden, seye es nun nach ihrer Lage von Infanterie, Cavalerie oder Garnisons 
Regiment. 

Wien den 29. März 1780. Joseph Corr.« 

Das an den obersten Hofkanzler gerichtete Allerhöchste Handschreiben 
zählt die weiteren Reise Vorkehrungen aiif; es sei darum gleichfalls mitgetheilt. 
Es lautet: 

»Lieber Graf Blümegon! Da Ich gesinnet bin eine Reissc durch 
ilälmMi nach Gallizien zu unternehmen, so schHesse Ich Ihnen hier die bey- 
läufig entworfene Mai-sch- Route bis nach Lemberg bey. Auf einer jeden Station 
weitlen ^forderlich seyn 5 angeschinte Züge zu G- und 3 zu 4 Pfenlen, also in 
allem 42 Zugpferde ; da aber in der Reise einige Abänderungen vorkommen 
können, so ist nur diese Anzahl Pferde in der Nachbarschaft der ausgemessenen 
Haupt- und Zwischen- Stationen zu bestimmen, da Ich immer 1 oder 2 Tage 
voraus mittelst EstafFette die eigenthche Eintreffung zu deren Zusammenruckung 
bestimmen werde, damit der Landmann nicht unnütz zu warten habe, und von 
seiner Wirthschaft entfernt bleibe. 

»Von Wallachisch Meseritsch aus werden gesamte Wägen über Miestek, 
Frideck, Teschen, Schkotzau, Rielitz den Weg nach Kenti nehmen, und werden 
in dem Gebürge bis Kenti in einer jeden angezeigten Nacht- Station, wo es 
raöghch seyn wird, 4 auf Landes Art gebräuchliche Leiter Wägen, und imr avo 
es gar nicht möglich ist, mit Wägen fortzukommen, eine Anzahl von 12 Saum 
Pferden in Bereitschaft seyn, in einer jeden aber, es mögen nun Leiter- Wägen 
oder Saum Pferde vorhanden seyn, müssen doch noch 12 gesattelte Pferde zum 
reuten für die unterschiedliche Ijeüte und Bediente vorhanden seyn. 

» Wegen der Quailieren in den Nacht Stationen, diese werden schon immer 
Selbsten ausgesucht werden, nur wird in selben auf Lieger Stroh, dann etwas 
an lauter allgemeinen Victualien in Bereitschaft zu seyn der Bedacht genom- 
men werden. 

»Die weitere Reise wird von Lemberg aus erst bestellet werden.« ®^ 

Die diesen Handschreiben beisgeschlossene »Marschroute« enthält nur die 
Nacht- und Raststationen A^on Brunn bis Lemberg. Ausserdem weicht sie von 
der fi-ühcrcn noch dadurch ab, dass sie nicht nur mehr Zeit der Besichtigung 
des Jablunkapasscs widmet und die Station Skalice beiseite lässt, sondern auch 
von Bochnia ostwärts über Oströw, Debica, S^dzitzöw, Rzeszöw, Lancut, Prze- 
worsk nach Jaroslau und ei-st von dieser Stadt aus über Radomysl und Zamosc 
nach Hrubieszöw ftihil. Weiter ist aus ihr ei*sichtlich, dass der Kaiser am 26. 
April von Wien abzureisen, am 14. und 16. Mai in Jaroslau zu übernachten 
und am 25. Mai in Lend)erg anzukommen gesoimen war. 

Von Lemberg nach Mohilcw wollte Joseph den kürzesten Weg — über 
Broily, Mir, Minsk — benützen ; die Rückreise sollte über Kiew und Brody 
erfolgen. Dagegen hatte Katharina von allem Anfang an den Weg über Kiew 
als den besten und becpiemsten vorgeschlagen und hier auch Vorkehrungen zur 

»•) Copio. K.-A. II. S. 1780-49 -4. 

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46 PoLEK : 

ErrichtuDg von Poststationen trefTen lassen.®^) Der Umweg betrug beiläufig 200 
Kilometer ; seine Wahl musste daher die völlige Aenderung des Reiseplanes zur 
Folge haben. Kein Wunder, dass der Kaiser, der übrigens in Russland nur als 
Privatmann (en particalier) unter dem Namen eines Grafen Falkenstein reisen 
zu können wünschte und auch Unbequemlichkeiten zu ertragen sich nicht scheute, 
dem schL»chteren, aber kürzeren W^eg vor dem besseren, aber längeren den 
Vorzug gab. Nur auf des Fürsten Kaunitz Bitten nahm er den \ erschlag der 
Czarin an.^^) 

Dass durch die Aenderung der das i-ussische Gebiet betreifenden Marschroute 
die Zeiteintheilung, ja selbst der ganze Reiseplan wirklich ins Schwanken gerieth. 
davon zeugt zunächst ein Allerhöchstes Handschreiben vom 10. April 1780,**) 
womit der Kaiser dem Grafen Hadik auftrug, »an den General Schröder in 
Lcmberg den Befehl sogleich zu erlassen, dass er den in der Bucco^vina befind- 
lichen Rittmeister C a v a 1 1 a r ^") anweise, sich mit einem Kalesch versehener . . . 
auf deji 18. May zu Jaroslaw einzufinden«, um ihn, den Kaiser, 
»allda zu erwarten ^< und auf seiner »weiteren Reyse« zu begleiten. Noch deut- 
licher aber spricht die folgende, einem Briefe Maria Theresia's an die Erzher- 
zogin Marie Christine vom 12. April entnommene Stelle. »Die ganze Reise-. 
heisst es dort, »ist geändert. Er (der Kaiser) geht über Holitsch nach Tren- 
tschin. Der Tag der Abreise ist noch nicht bestimmt; ich werde ihn Dir be- 
kannt geben, sobald ich ihn weiss.« ®^) 

Am 14. April ist der Reiseplan endlich festgestellt vich reise«, schrieb 
Joseph an diesem Tage seinem Bruder Leopold, »am 26. April ab und rechne, 
dass ich am 6. Juni, am Tage vor der Ankunft der Kaiserin, in Mohilew bin.« **) 
Gleichzeitig benachrichtigt Maria Theresia hievon den Erzherzog Ferdinand, 
aber als glaube sie selbst noch nicht daran, fiigt sie hinzu : >Das wechselt je- 
den Augen bhck; es hegen schon drei Marschrouten vor.« '*) Allein noch vor 
Ablauf einer Woche muss sie diese Nacliricht bestätigen. »Ich gestehe«, tügt 
sie hinzu, »diese Reise macht mir Kummer. Ich fiihle mich ganz nieder- 
gedrückt.« ®*) 

Während der Kaiser die Anstalten zu seiner Reise traf, wurden, und zwar 
vom 4. bis zum 15. April, im Schosse des Hofkriegsrathes in Gegenwart des 
Generals Baron E n z e n b e r g und des Oberkriegscommissärs W a g m u t h 
die Berathungen über die der Bukowina zu gebende »Einrichtung« gepflogen. 



*^ Joseph IL an Kaunitz, 1. und 15. März 1780. (Joseph IL, I^eopold 11. und Kaunitz. 
Ihr BricfwechseL Heraus«,^;^bon von A. Beer. Wien 1873. S. 3—7.) 

88) Kaunitz an Joseph IL, 8. April, und Joseph U. an Kaunitz, 7. April 1780. 
(Ebenda. 8. 7 f.) 

M) Orig. K.-A. IL S. 1780-49 6. 

^) Ueber Cavallar, den Bejirriinder des k. k. 8üuits*j:t^stütes Radautz, siehe Polek, 
Die Anljint^i des k. k. 8taatsjr<^^tütt^s Radautz. (S.-A. aus dem ^Jahrbuch dt^ Bukowiner I^ndes- 
nuiseums'-, IL Czemowitz 1894.) 

»») Briefe der Kaiserin Maria Then»sia an ihre Kinder und Freunde. Herau8g»»f?eben von 
A. V. Arneth. IL 8. 458 f. 

®*) Maria Theresia und Jost^ph 11. Ihre Correspondenz. Herausgi^ben von A. v. Arneth. 
m. (Wien 1868.) 8. 241. 

«>') Briefe der Kaiserin Maria Theresia an ihre Kinder und Freunde. Herausg. von A. v. 
Arneth. IL S. 263. 

»*) Ebenda. 8. 265. 



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JoSEPH's IL liEESEN NACH GaLIZIEN UND DKR BUKOWINA 47 

Im grossen und ganzen pflichtete die Commission den Enzengberg'- 
schen Vorschlägen bei; nur wahrte sie nicht immer deren bestimmte Form, 
sondeni machte sie durch mannigfache Zusätze zweifelhaft. Hier sei nur der 
erste Berathungsgegenstand hervorgehoben. Er betrifft die Beschaflfenheit der 
künftigen Regierung. In dieser Hinsicht stimmten alle Meinungen darin überein, 
dass in der Bukowina sowohl die »poHtische« als auch die militärische Ver- 
waltung statthaft sei. Letztere würde jedoch, heisst es in dem Protokoll ®^) 
jedenfalls dann platzzugreifen haben, wenn das Land in eine Militärgrenze um- 
gewandelt würde. Aber auch bei Einfühning der Civilvenvaltung würde die 
Besorgung der Cordons- und Contumazanstalten dem Militär obliegen müssen. 
Doch welche Regierungsform man auch immer wähle, in keinem Falle lasse sich 
die Bukowina »ihrer Lage imch« ganz mit Siebenbürgen oder Galizien ver- 
einigen; allenfalls könnte der Theil »von der galizischen Grenze bis an den 
Moldaufluss an Galizien, der übrige Theil aber, vom Moldaufluss angefangen 
bis an die siebenbürgische Grenze, an Siebenbürgen abgegeben werden.« 

Selbstverständlich lag es nicht in der Absiöht des Monarchen, sofort seine 
Willensmeinung kundzugeben ; er wollte sich vielmehr über die Richtigkeit und 
Ausführbarkeit der ihm unterbreiteten Vorschläge an Ort und Stelle überzeugen. 
Beweis hiefiir ist ein am 21. April, 4 Tage nach Einreichung des Protokolls, 
an den Hofkriegsraths-Präsidenten gerichtetes Handschmben. Es lautet: 

»Lieber Feldmarschall Graf Hadik! lieber das Mir wegen künftiger Ein- 
richtung des Bukowiner Districts hinaufgegebene, hienieben zurückfolgende Pro- 
tokoll bleibt Meine Entschliessung annoch in suspenso^ weil Ich bekanntennassen 
ohnedies an dem bin. Mich in das Land selbst zu verfiigen und die Möglichkeit 
der vorgeschlagenen künftigen Einrichtungen in loco einzusehen. Einstweilen 
sind aus diesem Protokoll alle Hauptpunkte zu extrahieren und diese Extracte 
sammt dem ganzen Protokoll, dann unterschiedenen Meinungen Mir wälirend 
Meiner Reise, bevor ich noch in die Bukowina : elbst gelange, nachzusenden ; 
zugleich aber ist dem General Enzenberg und Oberkriegscommissario AVagmutli 
von nun au zu bedeuten, dass sie sich sogleich auf ihre Posten zurückverfügen, 
sich mit allen nöthigen Beilagen und Auskünften zu der Sachen gründlichen 
Erörterung und Auseinandersetzung versehen und, solchergestalt wohl instruirt 
und gefasst, um Mir über alles Auskunft zu geben, Mich eniv^arten mögen. 

Joseph Correg.« ^*) 

Zur Zeit als der Hofkriegsrat!) »das in Angelegenheit der Bukowiner 
Districtseinrichtung verhandelte Commissionsprotokoll« mit dem »hierüber ver- 
fassteu Auszug« ^^) dem Kaiser zurücksandte — es geschah am 13. Mai 1780 
— war dieser bereits in der Hauptstadt Galiziens angekommen. Er hatte am 
26. April Wien verhissen und den weiten Weg mit vielen Mühen und Beschwer- 
den zurückgelegt 



«) Siehe Beilage I. 

») Copie nach dem HofkriegHraths-ProtokoU, 1780, Lit. G. pa*^. 1294. (K.-A.) . 
*^ Eine AbHchrift diesem >Au8Zuj?i*8* befindet sich unter der Sij^. II. A 6. 1780 Nr. 10 
in dem An^hive des k k. Ministeriums des Innern. ^ j 

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48 PoLEK : 

FjV selbst besclireiht die Reise in seinem Tagebuche °^) folgendennassen : 

»Hol i CS den 20. April. Tn der Pndi um 8 Uhr fuhr ich von Wien 
fort, den gewöhnlichen Weeg über Süssenbrunn, Schönkirchen, Ebenthiil bey der 
Überfuhr Dressing (Drösing), St Johann, Protzka (Broczka) nach Kopschai» in 
8 Stunden. Allda besähe ich das Gestütt, asse und fuhr nach Hohcs.^ 

^>Trentschin den 27. April. In der Früh nach Besehung des Ho- 
lizer Gartens fuhr ich über AVessely, Pisenitz (Bisenz), Roshigau (Horozinkau) 
nach Trentschin, wozu ich schier 12 Stunde brauchte. Die Communic^ition über 
Skalitz mit Hungarn und über Wessely, so eine von den grossen auf dieser 
Seite ist, ist wegen denen vielen "Wässern, Morästen und Ausgiessung der Mairli 
ziendich beschwerlich, so wie die Gegend gegen Ostrau (Ungarisch Ostni). be- 
sondei-s aber gegen H ungarisch Brod schon sehr hügelicht zu werden anfangt 
Bey Hosenaw (Hrozinkau) ist endlich schon das hohe Gebirge und ein beschwer- 
samer AVeeg über einen Berg und nachhero durch ein Thal, in welchem es 
beständig durchs Wasser bis Trentschin gehet. 

^J)ie AValdungen sind in diesen Gegenden sehr vernachlässigt und im 
übelsU^i Stande. 

-Trentschin ist eine kleine, nicht viel bedeut<»nde Stadt, deren Festungs- 
werker bestehen nui* aus einer Ringmauer und einem Schloss nn dem Berge. 
so schier ganzlich zusammen fallt Vergeblich sind alle Unkosten, die man drauf 
verwendet und ist nichts daran zu machen, als damit die Stadt durch Erfial- 
tinig der ]\rau(*r ein gescidossener Ort bleibe. 

Das Tbal, das der WaagHuss allda durchströmet, ist nicht unangenehm, 
nur macht selber sehr vielen Schaden durch den ungleichen Lauff, so er hat 
Bey Trentschin ist eine Brücke von Holz, welche darum sehr lang seyn muss 
und für die Stadt sehr kostbar ist Der Comitat hat hin und her zimlich gute 
Strassen auf Chausseeart angelegt 1 Compagnie ist in Garnison samt dem 
Conmiandanten und Vice Commandanten und etwas Artillerie.* 

»Wsetin den 28. April. In der Früh fuhren wir um 6 Uhr weg 
über Niemschowa, Brumow, Ijedetzko auf Wsettin. Der beständige Regen, die 
Steigung der Wässer, besonders der Wlara, in dessen Bett man schier allezeit 
ftihren nmss, und die Hohe der Pezwa (Becwa) nöthigten uns in Wsettin zu 
verbleiben, wo wir ei'st gegen 9 Uhr Abends ankamen, weil wir über die Berge 
fahren nmssten, allwo die Weege ganz uid)eschreiblich schlecht sind. Diese zwey 
Comnmnicationen von Hungarn, nemlich von Trentschin nach Mähren über 
Rosenau und jene über Brumow sind alle beede sehr besclnveream und wegen 
der Wässern letztere öfters ganz impracticable. Da über diese letztere ein 
ziemlicher Handelzug gehet und auch fiir Krieg Zeiten selbe sehr nothwendig 
scheiiu^t, so sollte sie vorzüglich auf den Anhöhen doch dergestalten zubereitel 
werden, dass sie für alle Jahres Zeiten fahrbar wäre.s 

^'*) Diosos Ta«^ol)iK'h, Journal von der R('i.<(^ St»in<T Majestät des KaiftTs im Jahn* 1780 
nach (lalizirn b«'tit''lt, wird in doni k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv verwahrt. Da j-ej^^n 
dessen Vers«'n(hin<^ «^'ejiri-ündete IJedenken vorlieiren, haben sicli auf Vei-anlassun»? der Archiv*- 
dirci'tion die Hem^n ArchivsK»aniten Concipist K r a t o e h v i 1 und Couivplsaspirant Dr. S t o k k a 
benMt j^efunden, den auf (talizien lH'zü.u:lichen Absatz fiir mich kostenfriM zu copien»n. Für die#*»n 
mir erwiesenen ims<hätzbaren Dienst sa^irt' ich hier Sr. P'xcellenz Herrn Hofrath Dr. Alfn^l RitttT 
v. Arneth sowohl, wie den l)eiden j^enannton Heri-en Archivsbeamten dejr^wärmsteif Dank. 

igi ize y ^ 



Joseph's II. Reisen nach Galizien und dee Bukowina. 49 

2>Wall€achisch Meseritz den 29. April. Li der Früh reiste ich 
wog und käme über diis Gebirge in schlechten AVeegen nach Meseritsch, welches 
ein ziemlich gutes Städtchen ist nebst einem schönen Schloss, so dem Grafen 
Czerotin gehöret. Allda fände ich einen Coiirierj welchen ich expedirte. 

> Wsettin ist ein von den Hauptörtern, wo die lAitheraner sich am mehresten 
ausgebreitet haben. Die Ixnite sollen aber sehr ndiig seyn und ihre Schuldig- 
keiten wohl verrichten. Ich hörte auch von ihnen keine Klagen. 

xOber Bezowa den 80. April. In der Früh ritten wir nach ge- 
hörter heiligen Messe von Wallachisch Meseritsch über Krasna, Saschowa (Zaschau), 
Subrz}- (Zubri), Kosenow (Roznau), Tilowitz, Hasowitz (Hazowitz), Vigantitz, 
Hutyisko (Hutisko), Solanetz, Mitter- Beczowa (Mittel- Becwa) nach Ober Beczowa, 
wir passirten mehrmalen die Rosenower Beczowa und die Hasowka, nach welcher 
wir über die Solanetz wieder an die Bezowa kamen, welches der zu machen an- 
getragene Weeg ist ; er ist wirklich ganz wohl fahrbar, obwolen man öfters i]^ 
Wasser passieren njuss. Er wird aber dessen ohngeachtet dergestalt an dem 
Al)hange der Bergen können zugerichtet werden, dass bis auf 2 oder 3 nicht 
gar grosse Brücken die ganze Strecke ganz wohl wird fahrbar gemaclit werden 
können. 

Die Waldungen sehen in diesem ganzen Gebürge sehr elend aus, sie sind 
von (Baissen und Schafen sehr abgehüh^, welche der Inn wohnern ihre beste 
Nahning ist. Ich wohi\te l)ey dem Ober Beczowaer Richter, welcher ein ganz 
wohlhabender Mann zu seyn scheint. 

Visoka den 1. May. In der Früh ritten wir längst Ober Bezowa 
hinauf, daini über den Visokaer Berg, welcher sehr hoch und ziendich steil ist 
auch noch mit vielem Schnee bedeckt war, über diesen herunter auf die hunga- 
rische Gränze nach Visocka. Beede diese Dörfer sind sehr lang und bestehen 
mehrentheils aus zei*streuten Häusei'. Der Weeg wird hier ziemlich beschwehr- 
sani zu machen seyn und besonders wegen dem häufigen Schnee, der lange 
liej^eii bleibt, vielem Ungemach unterliegen. Indessen als der Weeg von Visoka 
ül>er Karlowitz viel bequemer und leichter herzustellen seyn wird, derweil ist an 
diesem zu viel gearbeitet worden und auf eine solche Art, die zu nichts dient, 
weil selber gleich wird verdorben seyn. • 

»Jablunka Schantz den 2. May. In der Früh ritte ich um 7 Uhr 
von Visoka innner längst der Kisucza auf einem chaussee-ähnlichen guten Weege 
iilM»r Tui-sowka, Nova Diedina, Staskow, Rackowa, Czacza und durch die unteren 
Häusser von Schwerzinowetz (Szuresniowce), allwo ich ül)er den (!) — passirte 
und mit der grossen Ijandstrasse bis auf die Jablunkaer Schanz gelangte. Bey 
meiner Ankunft fände ich einen Kourir, diesen expedirte ich, gienge alsdann 
zum essen und besähe Nachmittag die ganze Jablunkaer Schanz, dessen Aidage 
g(»gen einen Ueberfall nicht so übel wäre, wann nur das Oi*t glücklicher gewählet 
und nicht Strassen, oder besser zu sagen sehr practicable Weege durch die sehr 
niinirte Waldungen giengen, welche die Jablunkaer Schanz völlig zu umgehen 
die Möglichkeit verschafen. Doch bleibt es immer ein Posto, dessen Erhaltung 
keine Unkmten verursachet und in Kriegs Zeiten dennoch einiger Rücksicht 

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50 PoLBK : 

wüitlig ist wogen Zufuhr über Trcuesiu und Silain aus Hungani und wegen der 
lückwärts zu errichtenden Communic^ation nach Galhzien'^. 

*M i 1 o w k a de n 3. M a y. In der Früh ritten wir von der Jablunka- Schanz 
durch die oberen Haüsser von Mosti (Mosty) auf die Stutzzenitzny auf den 
Hexenberg o(k^r üirowa, von da auf die Walesko- Schanz, weiter auf Jabor- 
schinka, dann auf das Matischka-Zollhauss, über die Ochsen-Schanz, dann auf 
die Ochotito (Ochoz(hto), ferners beständig auf dera Rücken Petmschinka, rechts 
Schniirlufka (Jaroszowka ?) und links Kanietsnica (Kamesznica) laf^end, dann 
am Abhänge des Berges durch die Sohia nach Mihiwka. Allda nahm ich d«s 
Quartier im Würtshausse«^. 

»Seibus (Saybusch) den 4. May. In der Früh hörten wir Mess, hernach 
ritte ich über C^isclizetz (Oisiec), (Jtzintina (Ciecina), Zäblotze (ZaMocie) und 
2 ujal üb(T die Solna nach Seibus. Das Thal fangt allda schöner, weiter und 
fruchtbarer zu werden an. Allda asse ich, gäbe einige Audienzien, schriebe und 
expedirte. 

»Ken ty den 5. M ay. In der Fndi ritte ich von Seibus über den Galgen- 
berg, Starisyviecz (Zywiec stary) vorbey auf Zodzilye (Zadziele) über den Jjen- 
kawka Bach, von da über den Schiroke und Visoker Berg, dann über den Ja- 
voi"schina Berg, von da zu den Poremka (Porabka) Haüser und so hinunter zu 
der Sola und so längst derselben Poremka und Czaniecz rechts lassend auf Konty. 

»Von Seil)us aus müsste der Militär- AVeeg, da es noch von hohen Gebiü^ 
gedeckt ist, über Landscron und Mislenitz (Mysleriice) gegen Bochnia gefuhret 
werden, wo er mit der Hauptstrassen zusammen käme. Die sonstige Strasse 
von Seibus auf Kenty gehet entweder durch die Sola, oder über Biala nach 
Kenty. Die Thäler sind sehr fruchtbar und schönes Land, auch ziemUch wohl 
angebauet, nur das AVachsthum des Zugviehes ist sehr schlecht. 

»Przesnica (Brzeznica) den 6. May. In der Früh fuhren wir den 
graden Weeg von Kenty auf dem rechten Ufer der Sola nach Oswiezin (Osi^iecim). 
allda sezten wir uns zu Pferd und besahen das grosse Magazin von Salz im 
Schloss, so allda angeleget worden. Von dannen ritten wir in das Dorf Dwory, 
so bey dem Einfluss der Sola in die Weichsel gegenüber von dera Pohlnischen 
Schloss Bobereck liegt und ganz nahe an den Schlesischen Gränzen ist und 
besahen allda die Position zwischen dem Oswieziner Teich und den Anhöhen, 
so ein steiles Ufer gegen die Weichsel haben. Von da fuhren wir endlich nach 
Zator, dann über die Scava nach Przesnica. Das Land ist sehr schön, gut be- 
bauet und die Felder wohl bestellt Längst der Weichsel, doch in einiger Ent- 
fernung derselben, laufen immer Anhöhen, worauf Positionen zu nehmen wären«. 

»AVieliczka den 7t en May. In der Früh fuhren wir fort nach Scabina 
(Skawina), allda hörten wir Messe. Hernach giengen wir über Ludwinow (lit- 
winöw) und Podgorze nach AVieliczka. In Podgorze, so gegenüber von Cracau 
hegt, hat man angefangen einige wenige Haüsser anzubauen, welche aber noch 
sehr unbedeutend sind. Die Weichsel i*eisset allda sehr ein und stehen A\-irkIich 
die Salz-Magazine in Gefahr, wozu daini nothwendig einige Arbeit gemacht 
werden müsste«. ^^ . 

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Joseph's II. Reisen nach Galizien und deb Bukowina. 51 

»Wieliczka den 8. May. In der Früh gäbe ich ehiige Audieuzien, 
arbeitete und gieng sodann zuin Essen. Nach demselben arbeitete ich wieder, 
discurirte mit dem General Browne und den 2 Staabs-Officieren und legte mich 
heniach schlafen. 

:^Bochnia den 9ten May. In der Früh fuhr ich von Wiehczka über 
Staniensky (Staniatki) nach Bochnia; die Gegend und das Land continuirt 
immer schön und wohlgebaut zu seyn ; passirten die Raba und sahen den 
Mühlen-Damm, welcher schon 2 mal eingerissen worden, mithin alle fernere 
Arbeit daran umsonst ist«. 

»Tarn ow den 10. May. In der Früh expedirt<} ich den Kourier, fuhr 
alsdann über Przisko (Brzesko) und Woinice nach Tarnow, allwo ich die Du- 
iiajetz mittels einer Pletten passirte und durch die ßila fuhr. Das Land fängt 
an etwas hüglichter zu werden, der Boden sandiger und etwas mehr Waldung 
gibt es auch hier. Wir assen, ich gab einige Audienzien und gieng schlafen. 

»Rzeszow den 11. May. In der Früh um 6 Uhr fuhr ich von Tarnow 
l)ey Bilsno (Pilzno) vorüber, wechselte eine Viertel-Stunde weit von dieser Stadt, 
Pferde, passirte über die Wislocka und hatte ziemlich guten Weeg bis Dembice 
und Sediczow (S^dziszöw), von wannen ich allhier anlangte, mein Quartier beym 
Kreisshauptmann nahm«. 

»Przemisl den 12. May. In der Früh um öYg Uhr von Rzeszow über 
Ijancut, Przeworks nach Jaroslaw, allda besähe ich die Oeconomie-Commission 
welche ziemlich gut untergebracht ist, imr im Rjithauss ist der Kaum etwas 
enge. Die Commission kömmt allda mit Ijeder und Leinwand vom Lande, nicht 
aber mit dem Tuche, weil keines fabricirt wird, auf. 

»Heniach speisste ich, schrieb mit dem von Kiow gekommenen Russischen 
Courier nach Wien und setzte meine (Reise) über Radimno weiter bis Przemisl 
fort, allwo ich den San passirte. 

»Lemberg den 13. May 1780. In der Früh um öYa Uhr besähe ich 
die bey Przemislaw über den San erbaute neue Brücke, fuhr sodann über Sze- 
hinie (Szechynie), Mosicsa (Mosciska), Sadowa Wisnia (Sadowa Wisznia), Gro- 
deck, Pschan (Mszana) nach Lemberg«. 

Ueber den Aufenthalt in Lemberg und die Fortsetzung der Reise bis zur . 
Grenze berichtet das Journal: 

sLemberg den 14. May. In der Fruli dictirte ich die Instniction für 
den nach Kiow vorausgeschickten Rittmeister Cavallar, gieng sodann in die Ca- 
thedral Kirche, hörte allda das Hochamt, arbeitete wieder ^)is zum essen, ex- 
I>edirte nach dem Essen den obbemelten Rittmeister, schrieb an I. M. die Kai- 
serinu und machte ein und andere Dispositionen zu der Reise (und) gieng 
Abends zu der Gräfin Dietrichstein in Gesellschaft. 

»Lemberg den 15. May. In der Früh arbeitete ich bis 10 Y^ Uhr, 
hernach hörte ich in der deutschen Kirche, so vormals den Jesuitern zugehört 
hat, ein Hohes Amt, darauf gab ich Audienzen, dictirte wieder, gieng sodann 
zum Essen, arbeitete darauf fort bis 6 Uhr, gieng spazieren in den Bresselischen 
und exjesuiter Garten, die beydo ganz schön sind, hernach gieng ich eine Weile 

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52 Polek: 

auf dem Platz in der Stadt herum, besähe die Cassine und das Arsenal, welches 
letztere wegen Enge des Raumes nicht zum Besten untergebracht ist« 

»Lemberg den 16. May. In der Früh ai4>eitete ich bis um 11. Uhr. 
heniach hörte ich in der Exjesuiten Kirche Messe, gab euiige Audienzien, asse 
und dictirte wieder, gieng sodaini mit den Herren spazieren. 

»Lemberg den 17. May. In der Früh schriebe ich wieder, redete nnt 
dem FML Schröder, Brigido und Sporck, a.sse und fuhr nach demselben aus 
einige Gärten anzusehen. 

»Lemberg den 18. May. In der Fmh arbeitete ich bis zum Essen und 
nach dem Essen wieder bis in die Nacht. 

»Brody den 19. May. In der Fmh expediite ich einen Kourier und 
fuhr nach diesem über Jariczow, Kutkier (Kutkoi-z), Busk, Sokolowka nach 
Brody, allwo ich um 6 Uhr ankam, ass, mit den Herren sprach und schlafen 
gieng. Ich besähe auch in Vorbeyreissen die Ijeeder Fabrick von Busk, so die 
Jaroslawer Cominission mit allem Leeder nämlich mit ^l Hauten des Jahrs ver- 
sieht Dann eine Meile von Brody sind die Mauten angelegt, wodurch diese 
Stadt gänzlich aus dem Cordon ausgesclilossen ist. 

»Das Land ist allhier viel weniger angebaut, schlecht bevölkert, viele Wälder 
und Moräste. 

»Brody den 20. May. In der Früh arbeitete, sähe einige Oavalliers, den 
Grafen Mosinsky und andere, dann Rzebusky, dann asse ich, nach dem Essen 
expedirtc ich, besähe die Salniter-Laüternng ; das Citadelle in Brody venlient 
allerdings in gutem Stande erhalten zu werden, sowohl wegen dessen Cjisse- 
matten, als solidem Mauerwerck. 

»Jampole den 21. May. In der Früh fuhr ich nach gehörter heiligen 
Messe von Brody über Bodbrecze nach Jampole«. 

In Lemberg hatte der Kaiser seine ganze Aufmerksamkeit den Angelegen- 
heiten Galiziens zugewendet; über die Bukowiner Angelegenheiten wollte er 
seine EntSchliessung in der Bukowina lassen. °^) Indess nahmen die Dinge wider 
Erwarten einen andern Lauf. 

Die Begegnung der beiden Majestäten in Mohilew — Joseph war am 2.. 
Katharina am 4. Juni dort eingetroffen — Hess in Bezug auf Hei*zlichkeit nichts 
zu wünschen übrig; allein zu politisclien Gesprächen fand sich keine günstige 
Gelegenheit. Umso eifreuter mochte der Kaiser sein, als die Czarin schon nach 
wenigen Tagen in ihn drang, ihr nach St. Petensburg zu folgen, wo sie uiif^*- 
störter mit einander verkehren nnd reden könnten. Da er ausserdem auch den 
Grossfürsten-Thronfolger und den Minister Grafen Panin, die sehr eifrige An- 
hänger Fiiedrich's II. waren, kennen lernen und für Oesten'eich gewinnen wollte, 
war er rasch entschlossen, dem Wunsche Katharina's zu entsprechen. Eine 
Besorgnis jedoch, scheint es, hegt<^ ei*, die Besorgnis nämlich, duss seine Muiter 
diesen Entschluss nicht billigen werde. Um sie leichter damit zu vei-söhnen. 



^) DtiH fi^iliz. (ionoralconiinan<lo zvi^riv jun 21. Juni 1780 (l«mi irofknV^ratlK» an, <1;k> 
8<Mne Maj«»stät der Kaiser die EntschlieHsiiiii,^ üImt <lio [{iikowinor Systejnisifrunirsanj^'lej^-uhoitrii 
bis zur orfolj^'U Zurückkunft na<'h 8zalosr/.ik (Zaleszczvki) aufzusoliieNMi «^'ruhet^ hab«\ (^Kr.-A.. 
Hcfkriejrsraths-Protok. 17S0. Lit. 0., Nr. 37:^7, i). 1719.) 



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JosEPH^s II. Reisen nach Galizien und der Bukowina. 53 

erklärte er sich bereit, die Reise nach der Bukowina aufzugeben oder, wenn er 
sie dennoch machen dürfte, sie nicht auf Siebenbürgen und das Ranat auszu- 
dehnen, so dass er nur vierzehn Tage später, als ursprünghch festgesetzt ge- 
wesen, in Wien eintreffen würde. ^°^) 

Die Antwort, die Maria Then^sia auf diese Nachricht dem Kaiser gab, 
besitzen wir nicht mehr; dagegen ist uns ein Brief erhalten, den sie damals, 
am 22. Juni 1780, an den Erzherzog Ferdinand gerichtet hat Darin theilt sie 
diesem den Entschluss Joseph's, von Mohilew nach Moskau und von da nach 
St Petersburg zu gehen, mit und sagt daim wörtlich: »Weini ich dadurch die 
Reise nach der Bukowina, nach Siebenbürgen und dem Banat gewänne, so würde 
und müsste ich mich zufrieden geben ; zu viel aber win-de es sein, wenn auch noch 
die Bukowiner Reise stattfände.'®^) Ebenso dürfte auch ihr Schreiben an den 
Kaiser gelautet haben ; denn dieser zeigte ihr am 8. Juli aus St Petersburg, 
wo er nach einem mehrtägigen Aufenthalte in Smolensk (vom 12. bis zum 15.) 
und Moskau (vom 17. bis zum 24.) am 28. Juni eingetroffen war, an, er gebe 
ihrem letzten Briefe zufolge Gegenbefehle in Hnisicht auf die Bukowina und 
komme geradenwegs nach Wien.'®*) 

Am 3. August 1780 traf Joseph wieder in Galizien und zwar zu Zamosö'^^ 
ein. Hier harrte« seiner der Landespräsident Joseph Graf Brigido und der com- 
niandierende General Baron Schröder. Letzterer hatte bei dem Kaiser auf 
Grund einer »Concerbition«, die er sieben AVochen früher, am 16. Juni, mit dem 
Administrator der Bukowina, General Baron Enzenberg, in I/}mberg abge- 
halten hatte,*"*) über die Bukowiner Systemisierungsangelegenheitcn Vortrag, dem 
zufolge ihm am 5. August das nachstehende Allerhöchste Handschreiben zugieng: 

»Lieber Feldmarschall-Lieutenant Schröder! Sie werden 
gern einschaftlich mi t dem Grafen v. Brigido in reife U eber- 
legung n ehmen, wie die Bukowina mit Galizien am schick- 
samsten zu vereinigen, dann was für ein Theil davon dem 
2. W a 1 1 a c h i s c h e n Regiment z u z u t h e i 1 e n und Siebenbürgen 
einzuverleiben wäre. Uel)er diese swei Gegenstände sowohl als über das 
allda anzustellende höchstnöthige Personale und hierzu antragende Individuen, 
sowie ül)er alle sonst noch hiemit zusannnenhängende Fürkehnnigen sehe Ich 
ihrem gemeinschaftlich-schrifthchen Aulsatze und den mit Rücksicht auf die 
thunlichste Wirtschaft zu veifassenden Kosten übei-schlägen, wovon Mir ein so 
anderes Uiich Wien einzuschicken sein wird, sobald als nuiglich entgingen, um 
hiernach das AVeitere veranlassen zu können. Joseph Correg.^*^'') 

Von dieser Anordnung setzte J()sei)h am folgendiMi Tagi* auch seine Mutter 
in Kenntnis. »Ich habe, schrieb er ihr, >>dem hiesigen commandierenden 

»<»^) .Ios«'i»li au Miiriii TlH'n\si:i, Mohilew, 8. Juni 1780. (Arneth, Maria Tlioivsia uii<l 
J*^[*h II., Bil. III. S. 250 ff.) 

"") Hriofo (lor Kaiserin Maria Then\sia an ihre Kinder und Freunde. Hrsg. v. Arne t h. 
IL S. 276. 

'««) Arneth. Maria Theresia und .Tcseph II., Bd. 111. S. 275 f. 

*°^) Zanio.sc und das «lazu gehörige (Jehi<'t wurde im Scljönhninner Frie<len (Oetul). ISO«») 
dem Her/<jgthiinie Warsehau und mit <li«'s«'m im Jahre 1815 dem ( 'zarten reiehe «'inverleihl. 

»«*; Sitdie Heilag»^ II. 

'^') llnfkriegM-aths-rr.^tnk. 1780. Lit. <;., Nr. 5()(>0, p. 2\yM f. (K.-A.) 

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54 PoLEK : 

General und dem Landespräsident(Mi die Abfiissung eines gemeinsamen Vor- 
scldages aufgetragen, wie, falls man es für nothwendig fände, diese Bukowina 
als ein Kreis mit Galizien vereinigt werden könnte. Diese Arbeit wird mir nach- 
gesdiickt werden, und ich werde mich dann beehren, sie Euerer Majestät zu 
unterbreiten. Einen Theil der Gebirgsgegenden wird man davon abtrennen und 
dem zweiten walachischen Regimente ehiverleiben köiuien«.'^*) 

Von Zamosc fuhr der Kaiser am 7. August über Ulanöw (7.), Radomysl 
(8.), Dabrowa (9.), Bochnia (10.), Wieliczka (IL), Kety (12.), Mähr. Ostrau (18.), 
Troppau (14.), Olmütz (15. u. lO.) und Brunn (17. bis 19.) nach Wien, wo er 
am 20. August ankam. ^'^^) 

AVie in Mohilew, so war auch in Petersburg »gar nichts« verhandelt wor- 
den. Dessenungeacht^^'t konnte Joseph IL mit dem Ergebnisse seiner Reise nach 
Russland zufrieden sein ; war es ihm doch gelungen, Katharina's tief eingewur- 
zelte Vorurtheile gegen Oest^rreich zu zerstreuen. *°®) Dagegen mochte die Bu- 
kowiner Bevölkerung das Fernbleiben des Kaisers umso bitterer empfunden ha- 
ben, als ihr der Plan der Zerreissuiig und Auftheilung ihres Landes wohl nicht 
verborgen blieb. Um das drohende Missgeschick abzuwehren, wurde der Bojar 
Basilius B a 1 s c h »von dem Bischof von Radautz sowohl als den gesammten 
Ständen der Bukowina« beauftragt, ihre Anschauungen über das, was dem Lande 
fromme, allerhöchstenorts darzulegen. 

Balsch reichte am 18. November 1780 nebst einem an den Gnifen Hadik 
gerichteten unterthänigst(?n Promemoria« eine »Beschreibung der Bukowina und 
denMi inneren Verhältnisse« bei dem Hofkriegsrathe. ein. In dem letztgenannten 
Schrittstücke wird um »die Beibehaltung der Militärjurisdiction« gebeten und zur 
Untei-stützung dieser Bitte »die wahrhafte Lage des Landes«, ^^die Gebräuche 
und Missbräuche der Nation«, »die Verschiedejiheit deren Stände und deren 
Obliegenheiten« und schliesslich »der Verfall des Commerz« geschildert^®*) Die 
kaiseriiche Entscheidung, die hierauf erfolgte, lautet: »Diese Sache hat noch t« 
Suspenso zu verbleiben und ist erst der abgeforderte Bericht von dem Gralizi- 
schen General- Coramando wegen Einverleibung der Bukowina mit dem eiviU 
zu betreiben. Joseph Correg.« **®) 

Am 30. November 1780 — einen Tag nach dem Tode der Kaiserin 
Maria Theresia — wurde endlich der »einverständhch mit dem Grenend- 
commando entworfene Plan< des Grafen Brigido dem Hofkriegsrathe übermittelt 
Viel Neues enthält er nicht; denn von der irrigen Ansicht ausgehend, dass 
die Vereinigung der Bidcovvina mit Galizien so gut wie beschlossen sei, macht 
Brigido seine Voi-schläge fast lediglich auf Grund der schon von anderer Seite, 
insbesondere von Enzenberg und dem Hofkriegsrathe selbst (im Pi-otokolle vom 
4. April 1780 aufgestellten Reformprogramme.^^') 

»0«) Arn»*th, Maria Thcivsia und Joseph IL, B<1. UI. S. 301. 

*®') Radi (' 8, R^'iHon Kaiser Joseph IL, Oesterr. Revue, IX. S. 26. 

»08) A r n e t h, (iesehichte Maria Then»sia*s. X. S. 690. 

^^) Siehe Beila;<e III u. IV. 

**°) Vurtra«; des Hofkrie^^ratlies, 23. Xoveinl)er, herabf^hmjjrt am 25. NovciuImt 17M». 
(Orif^. im Archiv d. k. k. Ministeriums d. Innem unter d. Sij^. : 1780, Nr. 16.) 

"») Die 95 Fohosseiten umfassende Denkschrift, iM'titi^t: »Ohmnassijt^bij^ter Entwurf zur 
Einrichtunj? der Bukowina, falls diese nacher Gaüzicn einverleibt werden ^llte*, befindet si^-h im 
k. u. k. Kriej,^irchiv (U. S. 1780-62-854.) Digitized byV^OOgle 



Josepb's II. Kbisbn nach Galizien und der Bukowina. 55 

Kaiser Joseph juelt den Grafen Brigido fiir einen klaren und fälligen 
Kopf; ^'2j trotzdem wollte er, bevor er über dessen Denkschrift und damit über 
das Schicksal der Bukowina seine Entscheidung traf, noch die Wohlmeinung 
des obersten Kanzlers der vereinigten böhmisch-östen^eichischen Hofkanzlei ver- 
nehmen. An diesen ergieng am 10. December 1780 djus folgende Allerhöchst«^ 
Handschreiben : 

> Lieber Graf Blümegen ! Bey Meiner letzten Durchreise durch Gahzien 
trug Ich dem Graf Brigido und Generalen Schröder auf, mir gemeinschafthch 
einen Vorschlag einzuschicken, wie die Bukowina zum Theil mit Galizien und 
ein anderer Theil uiit Siebenbürgen einzuverleiben wäre? Hier beygeschlossen 
folgt Ihr Vorschlag, der von beiden unterzeichnet ist 

»Sie werden zu dessen Bestimnmng denselben genau durchsehen, und sich 
mit dem Hofkriegsrath, den Ich ebenfalls in GemiLssheit belehre, ins Einver- 
nehmen setzen, und in Ueberlegung nehmen, ob diese Ver ei nigu ng 
zu veranlassen und wie dessen Modalitäten zu treffen seyen, 
nämlich auf die hier vorgeschlagene oder noch andere Art, 
und da Ich nicht zweifle, dass noch weitere Anfragen zu besserer Aufkläiimg 
der Umstände nach Galizien werden ergehen müssen, so erwarte, dass sie 
dit^se ehestens veranlassen und Mir nachher ein ganz vollkommenes 
und zum S c h 1 u s s r e i f e s Gutachten vorlegen. Wien den 10. De- 
cember 1780. Joseph. <' '••'*) 

Der oberste Hofkanzler stimmt in seiner Denkschrift — sie ist vom 17. Fe- 
bruar 1781 datiert ^**) — in allen wesentlichen Puncten njit der des königlichen 
Commissärs in Galizien überein; aber noch vor Ablauf eines Monats — am 
10. März 1781 — schreibt er an den Hofkriegsrath, es dürfte Seiner Majestät 
einzurathen sein, »dass die Bukowina keineswegs mit anderen Pro- 
vinzen vereinigt, sondern als ein ganz abgesondertes Land, 
und so viel möglich nach den jetzigen Gebräuchen und Sitten 
behandelt, die dortigen Landsleute zu öffentlichen Bediens- 
tungen angewendet und getrachtet werden sollte, damit die 
Zuneigung und das Vertrauen der Moldauischen Nation auf 
das möglichste gewonnen w e r d e. « ^^^) 

Diese' Sinnesänderung des. Grafen Blümegen — ich stehe nicht an, sie 
auf die Leetüre der Denkschrift des Bukowiner Abgeordneten B a 1 s c h zurück- 
zuführen — scheint nicht ohne Einfluss auf die Entschlüsse des Kaisers gewesen 
zu sein ; ehien noch grösseren Einfluss aber dürfte auf diese ein um jene Zeit 
in Wien eingelaufener Bericht E n z e n b e r g' s, worin neuerlich und mit noch 
griisserer Gründlichkeit, als es in dessen Systemisierungsplan vom 80. October 
1779 geschehen war, die Möglichkeit der successiven Einfiihrung der Militär- 
grenzeinrichtung dargelegt wird, ausgeübt haben.' **^) Wie dem auch sei, es steht 



'»«) Arneth, (Tes<!hichte Maria Thert-sias. X. S. 97. 
««») K.-A. II. S. 1781—30—14. 
"*) K.-A. II. S. 1781—30—14 (On>.) 

"») Z i p g 1 a II e r, , (leschiehtliclie Bilder aus der Bukowina zur Zeit der österi-eiehisehen 
Müitär-Verwaltunt^. Zweite Büderreihe. (Buko\nn. Naehrichttm. 24. Febr. 1895.) 

"•) Sieh«* Beüage V u. VI. ^ i 

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56 PoLEK : 

ft^st, (lass Kaiser Joseph kurz darauf den Plan der Zerreissung und Auftbeiluiig 
der Bukowina vorläufig aufgab, indem er an den Hofkriegsrath das nachstehende 
Handschreiben richtete : 

»Ich habe aus wichtigen Betrachtungen f ü r g u t befunden, 
den B u c c o V i n e r 1) i s t r i (; t d e r Z e i t noch u n tf» r der w e i t e rn L e i- 
tung des Hof- Kriegs Raths zu belassen. 

Ua es jedoch immer erforderlich ist, die innere Verfas- 
sung des Landes auf einen bessern Fussc zu sezen, und hiezu 
Baron E n z e n b e r g verschiedene Vorschläge an Händen 1 ä s s t, 
so hat der Hof- Kriegs Rath einen Entwurf hiezu zu verfas- 
sen, die E n z e n b e r g i s c h e n Vorschläge, in so weit er t h u n 1 i c li 
erachtet, zu b e n ü z e n, und vorzüglich b e y dieser A u s a r b e i t u ii ^j 
den Bedacht darauf z u n e h m e n, w o m i t d a s L a n d für das k ü n f f- 
tige leichter und mit Billigkeit gehalten, zugleich aber auch 
davon der billige Vor t heil für das aerarium gezogen werden 
m ö g e. 

^Dieser Entwurf ist so viel möglich zu beschiel n igen, 
und wenn er zu stände gebracht seyn wird, sodann Meinem 
dirigirenden Staats Ministre Grafen von Hatzfeld niitzu- 
t h e i 1 e n, a u f d a s s selber nach v o r 1 ä u fi g e r zu veranlassende n 
Einsicht u n t e r d e n b e t r e f e n d e n H o f s t e 1 1 e n, in einer Staats- 
r ä t b 1 i c h e n Z u s a m n) e n t r e 1 1 u n g ju i t 1 n t e r v e n i r u n g seines des 
Hof Kriegs Ratbs Präsidentens und der betrefenden Hol- 
st (^ 1 1 e n i n P] r w e g u n g g e z o g e n, und Mir das g e m e i n s c h ä f 1 1 i c h e 
(t u t a c b t e n zu Meiner endlichen S c h 1 u s s f a s s u n g v o r g e 1 e g et 
w e r d e n m ö g e. Joseph.- 

An Hof-Kriegs Ruth: den 20"-- May 1781.« '^') 

Schon am 24. Mai liatte der Hofkriegsrath die auf die Bukowina bezüg- 
lichen Verbessenuigs-Anträgc^^ entworfen. Er hatte sich dabei von der Rück- 
sicht leiten lassen, dass, es mochte »künftig der Bukowiner District unter der 
Mihtiiradministration verbleiben oder der bereits vorläufig ausgezeichnete kleine 
Tbeil iiievon an Siebenbürgen fallen, der grösste Bezirk hingegen ein Kreis von 
Galizicn werden, die nach Seiner Majestät Gesinnung daselbst angefangenen 
Meliorationsanstalten für den einen wie für den anderen Fall mit Nutzen an- 
wend])ar sein und in dem nändichen Faden foi*tgefdhrt, nach Umständen auch 
mit der Zeit weiter ausgedehnt werden könnten. Demnach waren c»s im we- 
senthchen drei (Gegenstände, auf welche sich dieser Entwurf beschränkte: da*^ 
gri(K*hisch-orientalische Kirchenwesen, die Berichtigung der Besitzungen und der 
Activ- und Passivhandel der Bukowina."**) 

Der Staatsrath stimmte in seiner Sitzung vom 12. Juni nicht nur allen 
bofkriegsräthlichen Anträgen zu, sondern verzeiclmete auch noch eilf weiten* 
»Punkte , die ihm »dermalen schon- zur vorhabenden Einrichtung diesi^ 
Landes erforderlich und geeignete schienen, nändich: die Stiftung von PHu*- 
reien« fiir die linierten, die Errichtung dcutvscher Normalschulen aus dem Schul- 



»»') K.-A. II. S. 1781 - 30—30. (Orijr.) 
»") K.-A. II. Ö. 1781-30—86. (Coiuvpt.) 

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JosEPH*s IL Reisen nach Galizibn und der Bukowina. 57 

fonds, die Einfiihrung einer besseren Justiz, die Nothwendigkeit von Pestsordons 
in Kriegs- und Friedenszeiten, die Sorge fiir die Bequartierung des Militärs, die 
Aufetellung von Magistratspersonen in den Städten, die Zusaninienziehung der 
zerstreuten Unterthanen in die Dörfer, die Art und Weise der »Behandlung« 
der Juden, die Vertheilung und Einhebung der Contribution, das Münzwesen 
mid die Regelung der grundherrKch-bäuerlichen Verhältnisse. Diese Gegen- 
stände zog er, nachdem der Hofkriegsrath auch über sie »von Punkt zu Punkt 
seine Anmerkungen mit den nöthigen Erläuterungen und seinem Gutachten aus- 
zuarbeiten« nicht versäumt hatte, am 3. August in Berathung, die gleichfalls 
n)it der Annahme der hofkriegsräthlichen Vorschläge schloss. 

Das Protokoll vom 3. August versah der Kaiser mit folgender Resolution : 

»Ich begnehraige anforderst die in dem beigelegten Protokollo vom 
12. Junius abhin enthaltenen Anträge, besonders wegen besserer Einrichtung 
der Geistlicldceit, deren Ausführung also der Hofkriegsrath sich bestens ange- 
legen halten wh:d. 

»Was die in dem weiteren Protokollo vom 3^ August vorkonmiende 
Punkten belanget, da ist wegen der Militär Gerichtsbarkeit nach Meiner indessen 
ertheilten Resolution sich zu achten, und wird liiernach dem Hofkriegsrath ob- 
liegen, wegen der dortländigen Justiz Verw^altung die angemessene weitere Ein- 
leitung zu entwerfen. 

Ad lO^m. Ist zur Herabsetzung der Ragusaner, dann der türkischen Lö- 
wenthaler eingerathenermassen ein Termin von einem Jahr zu bestinnnen, und 
wenn mittlerweile Vorstellungen gegen diese Veranlassung vorkommetcn, werden 
solche ihrem Bestand nach in weitere Erwägung zu nehmen seyn. 

»In all übrigen begnehmige das vereinigte Einrathen der Connnission. 

Joseph.« "®) 

Von dieser Resolution wurde der Hofkriegsrath mit Allerhöchstem Hand- 
schreiben vom 18. August in Kenntnis gesetzt, mit dem Auftrag, »in deren 
Gemässheit das Erforderiiche durch Behörde zu veranlassen«.'***) 

So hatte Joseph's zweite galizische Reise, wenn sie gleich auf die Bu- 
kowina nicht ausgedehnt wurde, tief einschneidende Reformen für dieses Land 
zur Folge. 



III. 

Rundreise durch Ungarn, die Bukowina und Galizien 1783. 

Am 20. April 1783 benachrichtigte Joseph II. den Hofkriegsrathspräsidenten 

Feldmarschall Grafen Hadik, dass er am 25. desselben Monats »eine Tournee in 

Hungani und einige Gräntz Vestungen« machen wolle, und trug ihm auf, hievon 

nicht nur das General Oommando, sondern auch die Vestungs Commandanten « 

zu veretändigen.^**) Ausgangs- und Endpunkt der Reise sollte Wien, Zwischen- 

*") CoDcept im Archiv des k. k. MiiiisU^riuras d. Innern. (1781, Nr. 9.) 
>») Handschreiben im Original ebt»nda. (1781, Nr. 9.) — Das Rescript doa H(»fkne}j:s- 
rathes an das p^Wz. (leneralcoramando (ebenda 1781, Nr. 9) siehe Beila^ VII. 

»«) K.-A. U. S. 1788-49-6. (Orig.) ^ , 

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58 PoLEK : 

stiitioiien Budapest, Szegedin, Arad, Teraesvär, Pancsova, Semlin, Peterwardein. 
Essogg, Brod, Gradiska, Pctrinia, Karlstadt, Zeiigg, Fiume, Karlstadt, Agram. 
AVarasdiii, Csakathurn, K(irmend und Oedeuburg sein.**^) 

Die Abreise fand am testgesetzten Tage um fiinf ITlir morgens und zwar 
in Begleitung des Feldmarschall-Lieutenants und Generaldirectors der Artillerie 
Grafen .Foseph Colloredo und des Generalmajors von Zehenter statf ') Am 
26. April traf man in Ofen ein. Schon hier änderte der Kaiser seinen Reise- 
plan ; denn er fuhr am 27. April nach Mobiles und setzte dann den We^ über 
Essegg (29. u. 30. April), Pakräcz (1. Mai) Agram (2.), Karlstaxlt (3.), Bosilyevo 
(4.), Fiume (5. und 6.), Zengg (7.), Karlstadt (8. und 9.), Petrinia (10.), Jasse- 
novac (11.), Gradiska (12.), Brod (13.), A^inkovce (15.), Mitrovitz (15.) nach 
Peterwardein fort, wo er vom 16. bis zum 19. Aj)ril blieb.^**) 

Von Peterwardein schrieb der Kaiser an den commandierenden General 
in Galizien : 

»Lieber F. M. L. Schröder! Ich habe mich entschlossen, aus dem ßannat 
durch Siebenbürgen in die Buccovina zu gehen, worüber ich den Enzenberg 
mehrer details schreibe. 

»Da ich gesitmt bin, von Czernowitz bis auf die äusserste Gränze gegen 
Chothym mich zu verfügen, allda den Dniester zu passiren und bis Okopi in 
Gallicien zu gehen, von da aber erst meine Ruckreise über Szaleszik auf Sniatin 
und dann über Stanislow^ nach Lemberg zu nehmen, so werden Sie mir die 
Tage und Stationen vorläufig entwerfen und, da ich zu fehren gesinnet bin, so 
müssen die Stationen so eingerichtet werden, dass sie nicht zu kurz und wenig- 
süMis von mir in Zeit von 12 bis 14 Stunden erreichet werden können. Li 
allem muss der Antrag auf 8 Fuhrwerke gemacht werden, welche nach Be- 
schaffenheit der Weege und der Grösse der Pferde mit 6 oder 8 Pferden be- 
spaimt werden müssen. 

»Sie werden mir Ihren entworfenen Defensions Plan für die Buccovina 
und Gallicien nach Czernowitz überschicken oder wenn Sie wollen, selbst dahin 
kommen, um das Nähere hierüber miteinander zu verabreden. 

»Bey Okopi müssen 4 Land Reitpferde ungesattelt nebst 3 berittenen Per- 
sonen, um sie zu halten, bereit stehen, und so auch in andern Gegenden, wenn 
Seitwerts in Betracht der Defension etwas zu sehen wäre. 

»Die eigentliche Zeit meiner Ankunft in Gallicien kann Ich Ihnen noch 
nicht bestimmen, doch dürfte ich vermuthlich gegen die Hälft« Juny dasellie^t 
eintreffen, wovon ich Sie schon bey Zeiten benachrichtigen werde. 

»Mich freut es, Sie bey dieser Gelegenheit wieder persönlich zu sehen, 
und leben Sie bis dahin w^ohlauf. 

>> Peterwardein den 19. May 1783. 

Joseph. 

»A^Ä Den Einschluss werden Sie dem Grafen Brigido übergeben.« ***) 



*«^) Idoii-to Eämsc Liste 8r. Mnjt.slät dos KaisiTs. (El)oiidii.) 
"') Wiener Zeitung. Sc.unabend den 26. April 1788. (Nr. 34.) 
"*) Radie.s, Reisi'n KaisiT Joseph II. C)esÜTr. Kevue IX, S. 31. 
>«5j K.-A. HofkrieKsratbs-Protok. 1783 (J. Nr. 2988, p. 1566. i^^^^T^ 

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Joseph's II. Reisen nach Galizibn und deb Bukowina. 59 

Worin die xJetails*.^ bestanden, die dem General Enzenberg in einem be- 
sonderen Allerhöchsten Hmidschreiben bekannt gegeben wurden, wissen wir 
nicht ; es lässt sich jedoch vermuthen, dass daninter Angaben über den AVeg, 
den der Kaiser von Siebenbürgen nach Galizien einzuschlagen, sowie über (he 
Bukowiner Orte, wo er Aufenthalt zu nehmen gesonnen war, zu verstehen sind. 
ITber diesen Punkt aüid ^y\r übrigens durch einen in der AViener Zeitung« vom 
21. Juni 1783 (Nr. 50) abgedruckten Bericht aus Gahzien genügend unter- 
richtet Daselbst ist zu lesen : 

»Leml>erg den 15. Junius. Den 28. des vorigen Monats ist hier eine 
Staffette eingetroffen, welche dem kommandirenden Hrn. General v. Schröder die 
Nachricht brachte, dass Se. Majestät der Kaiser über Czernowicz nach Lem- 
berg kommen, imd längstens bis den 15. dies allhier eintreffen wüi'den, wornach 
dann Se. Excellenz bereits vor 2 Tagen nach gedachtem Czernowicz abgereist 
sind, um Se. Majest auf der Gränze zu empfangen, und hieher zu begleiten. 
Alan sagt, dass der Monarch sich ungefähr 10 Tage allhier aufhalten weixle. 

»Se. Maj. kommen aus Siebenbirgen, gehen über den grossen Berg Ku- 
karatza, und die neu angelegte Strasse, und werden den 8. dieses in Donia, 
dem ersten Orte in der Buckowine nächst Siebenbirgen, den 10. aber in be- 
sagten Czernowicz, wo Sie dem Vernehmen nach nicht länger als über Nacht 
verweilen wollen, den 11. in Okopi, jenseits des Dniestei-s, anderthalb Meilen 
von Chotim, und den 12. über Zalestick in Snyatin, und endlich den 15. (wie 
erst gemeldet wurde) hier in Lemberg erwartet.« 

Von Petenvardein nahm Joseph II. den Weg über Semhn (20. und 21. 
Mai), Pancsova (22.), Weisskirchen (23.), Temesvar (24. und 25.), Arad (26.), 
Lagos (27.), D^va (28.), Karlsburg (29. und 30.), Hermannstadt (31. Mai bis 
5. Juni), Utsa (6.), Kronstadt (7.), Kezdi-Väsc4rhely (8.), Csik-Szereda (9.), Para.jd 
(10.), Bistritz (11. und 12.), Neu-Rodna (12.); am 14. Juni überschritt er die 
siebenbürgisch-bukoAvinische Grenze, übernachtete an diesem Tage in Valeputna, 
brachte dann zwei Tage (15. und 16. Juni) in Suczawa zu und langte am 
17. Juni in Czernowitz an.^^®) 

Wie viel Neues hat der Kaiser auf dieser Reise, besonders aber in den 
4 letzten Tagen, in der ihm bis dahin noch unbekannten Bukowina, zu sehen 
bekommen ! Dass er hier allem, der Bodenplastik wie den ethnographischen 
und volkswirtschaflUchen Verhältnissen, der kirchlichen Organisation mid den 
verschiedenen Gebieten der Verw^altung sein vollstes Interesse zuwandte, davon 
gibt das denkwürdige Handschreiben Zeugnis, worin er am 19. Juni, uimiittelbar 
bevor er Czernowitz verhess, dem Hofkriegsrathspräsidenten die E^^formen be- 
zeichnete, die er für die Bukowina als nothwendig erachtete. Es lautet: 

»Lieber Feldmarschall Hadik ! Ich habe bey Meiner gegenwäiligen Reise 
durch die Buccowina bemerket, dfiss dieses Stück Land seiner Lage nach, und 
wenn man solches gegen die übrigen Provinzen der Monarchie betrachtet, am 
meisten zu einer Militär-Gränz-Einrichtung geeignet zu seyn scheinet. Es ver- 
bindet solches Siebenbürgen mit Gallizien, füllet den eingehenden AVinkel 



"«) Radios, a. a, 0. S. 31. 

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60 PoLEK : 

aus, welchen die Moldau vormals zwischen beyden diesen Ländern machte, 
decket feniers vollkommen die Marmoros, und ist ein Gränz-Land gegen eine 
Türkische Provinz. 

»Die Population dieses Landes, dessen Haupt Nahrungs Zweig in Waiden 
sowohl fiir Hörn Vieh als Pferde bestehet, und welche den Ackerbau sehr wenig 
betreibet, obschon der Boden ausser den Gebürgs- Gegenden allerdings fruchtbar 
zu seyn scheinet, ist bey w^eitem seiner Grösse nicht angemessen. 

»Da es bey gegenwärtigen Umständen nicht räthUch ist, das Gränz Militar- 
Sistem in diesem Lande einzufuhren, welchem der National Geist so sehr ent- 
gegen zu seyn scheinet; so finde Ich einstweilen für nöthig, dass folgende An- 
ordnungen getroffen werden. 

»IPI". Hat der bestimmte Contributions Fuss noch in Suspenso zu ver- 
bleiben und sind nur die Schuldigkeiten der Unterthanen gegen ihre Obrigkeiten 
sogleich l)estimmt hinaus zu geben, zugleich ist aber auch auf die Hintaiihal- 
tung aller Bedrückungen und Excessen von Seite der letzteren mit allem Ernste 
zu sehen ; nicht minder muss hierlandes ebenfalls eiu Unterschied zwischen den 
im Lande wohnenden Grund Besitzern, und jenen, welche ihre aus der Bucco- 
wina ziehende Einkünfte ausser Tjandes verzelu^n, gemacht werden. Fast alle 
sind in diesem letzteren Falle, indem, einige wenige Geisthche ausgenommen, 
kein einziger dieser Grund Besitzer im Lande ist. Es sind also diese letztere, 
in solange sie sich nicht im Lande niederlassen, oder ihre Güter an. andere im 
Lande domilicirende Unterthanen verkaufen, zu einer 30percentigen Abgabe von 
ihren jährlichen Einkünften mehr als (Ue anderen zu verhalten. 

2*^'^ Die AVahl zwischen der 64tägigen Roboth, oder einer Zahlung von 
7 f. ist denen von IVßr in den anderen Erblanden festgesetzten Grundsätzen 
nicht gemäss. Es muss also den Gnuid- Obrigkeiten die Wahl nur in dem ge- 
lassen werden, entweder ihre allodial- Güter selbst zu bebauen, oder selbe an 
freymlHge Pächter, oder, was das Beste wäre, an ihre UnteiÜianen entweder 
gegen Natural oder Pecunial Abgabe, oder auch gegen andere zu bestimmende 
Schuldigkeiten, als Heumachen, Holzschlag und Zufiihrung etc. auf so viele 
Jahre, als es ihnen anstehet, zu überlassen, weil die praestation der Natural- 
Roboth der Unterthanen so viel möglich aufeuheben, und alles, was der personal 
Ijeibeigensehaft ähnlich ist, bereits ganz aufgehoben, und dagegen alles, was einen 
Bezug auf freye Verheürathung, Handwerks Erleniimg etc. hat, eingestanden 
worden ist. 

>3!'^ Die BeschwerUchkeiten mit welchen dieses Land wegen vieler Vor- 
spann, ohnentgoldlicher quartiers lüist, Unterhaltung von 180 Tschartaken, Zu- 
fuhr des Brods, Holzes und der bisher noch unentgeldUch gemachten öffentlichen 
Arbeiten belastet ist, können zwar in keine Berechnung gebracht werden, doch 
sind sie immer für das ganze und die einzelne betreffende Individuen sehr 
drückend. Diese müssen nun sämmtlich ihr Ende erreichen, und sie kennen es 
auch, wenn in diesem Lande, welches gegen dem Nachbarn ganz offen ist, und 
nur kleine Gräben und Hübel zur Gränze hat, an welcher folgUch die Hintau- 
haltung des Schleichhandels, und die genaue Aufeicht in Sanitäts Sachen fast 
ohnmöglich ist, die andurch ohnnütz werdende viele Wachten an den Gränzen 

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Joseph's IL Reisen nach Galizisn und deb Bukowina. 61 

dergestalt vermindert werden, dass bey gesunden Umständen nur die Haupt- 
strassen, wo ohnediess Mautiien sind, besetzet, übrigens aber die hierlandes be- 
findliche 11 Compagnien des Ganiisons Regiment, in eine dreyfucho Linie in 
die den Gränzen nahe gelegenen Dorfschaften verleget, und in diesen nur eine 
Dorfe Wache gehalten wird, welche sowohl auf das, was im Orte vorgehet, als 
auf jenes, was von auswärts herkömmt, ihre Aufmerksamkeit zu richten hat; 
dieses wird ganz gewiss für die alte Leute nützlicher, und bequemer seyn, dem 
Lande aber eine grosse Erleichterung 'verschaffen, besonders wenn 

»4^ die Verpflegung dieser Mannschaft an Brod nicht in natura geschieht, 
sondern derselben das Geld dafiir gegeben wird ; dann dadurch der grösste Theil 
des Becken Personahs entbehrlich, die häufige Vorspann, welche, um das Mehl 
aus Gallizien in die Verbackungs Stationen, und das Brod von da in die Com- 
pagnie Numem und Tschartacken zu verfuhren, nöthig ist, dem Lande zu guten 
kommen, und zugleich die dazu nöthige Holz Zufuhr ersparet Die Fuhren 
welche jetzo insgesamt vom Lande unentgeldlich bestritten werden, müssen in 
der Zukmift nach der neuen Regulirung von der Contribution abgeschrieben 
oder Baar vergütet werden. 

»5?^ Die Justitz Pflege ist in diesem kleinen Lande von einem sehr grossen 
Umfang, und eine Verbessenuig in selber höchst nöthig, da jedermann über 
Verzögerung klaget. Das Criminale erfordert allein einen tüchtigen Mann ; der 
Hofkriegs Rath hat daher alsogleich den geschicktesten Auditor, der die Jjandes 
Sprache verstehet, hieher zu schicken, weil die Criminal Prozesse sich zu sehr 
anhäufen und auch die Civil Prozesse unendlich sind. 

»6^ Die vor einem Jahre angefangene oeconomische Aufnahme mag in 
Thesi ihren guten Grund haben ; in hypothesi aber ist solche in einem Lande, 
wo das Eigenthura aller Gründe nicht dem aerario zustehet, oder welches nicht 
zu einer Mihtar-Gränze bestimmt ist, wo ein jeder Gränzer dotirt wird, eine 
nmiütze und sehr kostspieUge Sache. Es ist also mit dem, was seither hievon 
schon zustande gebracht worden ist, ein Abschnit zu machen und die dazu zu 
verwendende Auslagen, welche sich in allem wohl auf ^J^, f belaufen dürften, je 
eher je besser bis auf weitere Zeiten einzustellen ; das Personal aber wird bey 
der jetzo in allen Ländern anbefohlenen Eintheilung der Kameral und geist- 
lichen Güter gleich Beschäftigung finden, und ist dieses also vor dem Winter 
noch aus der BuccoAvina zu entlassen. 

»7?52 Die gute Versehung der Districts Directors- und Isprawniken Stellen 
ist allhier sehr wichtig, und die Nation so beschaffen, dass sie in Vorgesetzte 
firemder Nation mehr Zutrauen hat, als in jene, so von der ihrigen sind. Durch 
eine gute Wahl fremder Subjecten dieser Stellen wird also viel eher das Gute 
gewirkt werden, als wenn solche durch Massillen oder andere hiesige Landes 
Kinder, besonders aus der Moldau, venvaltet würden. Vielleicht lassen sich noch 
ein paar gute Subjecten, die der Wallachischen Sprache wohl kündig sind, in 
dem Temeswarer Bannat ausfundig machen, um sie allhier mit Nutzen ver- 
wenden zu können. 

»8^ Li Ansehung des geistlichen Fachs ist höchst noth wendig, dass die 
Verminderung und Zusammenziehung der Kalugier Klöster ohne weit^rs vor | 

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62 Polek: 

sich gehe; dass ihre Gründe und Fonds alle in die administration genommen; 
was fremden nicht im Lande wohnenden Geistlichen hievon gehöret, densell)eii 
ganz l)en()hmen, und aus dem hieraus entstehenden ganzen fundo der gesiunto 
Griechische Clerus untt»rhalten, und wenigstens eine Schule, es sey zu SuczawA 
oder zu Czernowiz, errichtet werde, das von den diesfaUigen Einkünften sodann 
noch übrig bleibende zu ajideren nutzbaren Verwendungen vorbehalten bleibe. 

»Nicht weniger nötliig ist es, dass der hiesige Bischof von Kadaiiz dem 
Metropoliten von Karlowitz untergeben werde, auch muss von Karlowitz sogleich 
eiji geschickter, wohldenkender, der Wallachischen Sprache gut kündiger und 
in dem Griechischen Religions Unterricht wohl erfahrner Mann hieher geschickt 
werden, um sowohl dem ßischoffen (der im übrigen ganz gut gesinnt ist) t\k 
auch dem Consistorium, und den Landes Einwohnern die ächten Begriffe der- 
selben l)eyzubringen. Diesem ist nicht allein ein täglicher Unterhalt auszu- 
machen, sondern demselben auch die Zusage zu nuichen, dass er nach wohl zu 
Stnnde gebrachten Auftrag, sich einer Beförderung, oder auch der Nachfolge 
in dem Bisthum hierlandes werde zu erfreuen haben. 

/>9"^ Die armenische Gemeinde allhier, deren Gottes Dienst Ich selljst 
beygewohnet habe, ist, wejiig ausgenommen, allen übrigen Katholischen Arme- 
niern gleich, es sind also alle weitere Nachforschungen über ihre Religion ein- 
zusti'llen, und sie bey ihrem Handel und Wandel ungestöi-t zu belassen, auch 
ist zu trachten noch mehrere derley Leute herüber zu bringen. Die nämliche 
Rücksicht verdienen die hierlandes befindliche sogenannte Lippowaner, welche 
blose Russische Bauern sind, die sich hier " niedergelassen haben; ihre Religion 
ist die wahre schissmatische, und will man nur darin einen Unterschied finden, 
dnss sie ihren Gottes Dienst Illyrisch wie in Russland, und nicht in wallachi- 
scher Sprache halten wollen. Ausser dem sind solche fleisige und arbeitsame 
Leute, welche man durch jene, so sich in der Moldau von dieser Nation noch 
befinden, zu vermehren trachten muss, und aus dieser Ursache ist ihnen auch 
ein Poppe von ihrer Nation allerdings zu gestatten, oder ihnen einer aus Sla- 
vonien, wo die Illyrische Sprache am meisten in der llbung ist, zu verschaffen. 

»lOüü* ifit den Juden ist in dem gefassten Sistem fortzufahren, und uiüssen 
solche entweder gute Handels und Handwerks Ijeüte werden oder dem Ackerbau 
sich widmen; im Gegentheil sind sie aus dem Lande zu schaffen. 

»llL"j; Gegen die vielen Arrenden der Getränke, so wie auch das ganze 
Dorfschaften verarrendiret werden, wird hier sehr geklaget; erstere sind im 
ganzen Lande gegen deme aufzuheben, dass derienige, der was immer für ein 
Getränke ausschenken will, hievor eine seiner Lage und Umständen nach zu 
l)estimmende Abgabe zu entrichten haben soll; dagegen ist die Verarrendirung 
der l'uterthanen sogleich gänzUch einzustellen, weim solche nicht ganze Güter 
betrift, und durch mehrere Jahre zu dauern hat 

Die VeiTuehrung der Population in diesem Lande ist das wichtigste, imd 
um diese zu erlangen, muss alles, jedoch ohne besondere Kosten, angewendet 
werden. 

yl2^"l Die Cavalerie Rimontirung ist ebenfalls ein wichtiger Gegenstand, 
obwohl deren Erhaltung, wenn man alles zusammen nimmt, ziemlich kostkir 

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JosBPH^s II. Reisen nach Galizien und deb Bukowina. 63 

ausrällt, so ist es doch ein Grosses, wenn man auf einen sicheren Vorrath von 
Hussaren- und chevaux legers Pferden Rechnung machen kann. Das erwünscli- 
Uchste wäre freyhch, wenn man so viele Güter, und besonders Waiden exscin- 
diren könnte, damit man nicht allein die in der Fremde erkauften Folien allda 
einige Jahre ernähren, sondern auch ein wirkliches aerarial Gesttitt von 16- 
his 18 Hundert Stutten mit den dazu gehörigen Hengsten, dann Nachwachs 
errichten und erhalten könnte, welches eine Zalil von Beyläufig 5000. Pferden 
austragen würde, dann wären die Unkosten gut angewendet, weil das G^ld im 
Lande bhebe. Wie aber (heses zu erhalten sey, und wie die hinlängliche Giiinde, 
Weiden, Fourage und die sogenannte Okols zum Wintenmterstand zu erhalten 
und zu erbauen wären, dieses ist ein Haupt Gegenstand, mit welchem sich die 
hiesige administration vorzügUch zu beschäftigen hat, da solches der Nutzen ist, 
den mau eiusw^eilen aus der Beschaffenheit dieses Landes zu ziehen vermag. 
Die Pferde aber mit so grosem Geldaufwand ausser Landes aufzukaufen, und 
solche hier nur mit so vielen Kosten durch Commandirte und erkaufte Fourage 
auffuttern ist eine sehr schlechte Wirtschaft fiir das aerarium. 

»13BS Die Pensionirung oder Aufnehmung hi die Invaliden Haüsser der 
sich hier bey dem Gamison-Kegimejit befindHchen — entweder pliysisch oder 
sitthch unbrauchbaren Officiers wäre höchst nothwendig. Der Hofkriegs Rath 
wird also eine verlässige individuele Auskunft darüber von dem General En- 
z e n b e r g und dem Christen anverlangen, um hiernach die Austauschung gegen 
tauglichere aus der armee zu veranlassen, 

»Die Gemeinen, so lauter, doch meistens alte gebrechUche Leute sind, thun 
wirklich hier zu starke Dienste ; diese sind demnach dergestalten einzuschränken, 
dass sie wenigstens 4 Tage frey bleiben, welches um so leichter zu bewirken 
seyn wird, wenn der Kordon auf obige Art eingezogen,. nur Doi^fe Wachten ein- 
gefiihret und die neue hölzerne Kaserne zu Czernowitz zu Stande kommen wird, 
wo alsdann leicht noch eine Compagnie dahin verlegt, mid die Dienste in Su- 
czava und aller Orten werden vermindert werden können. 

:&14?2: Die Belegung der aus der Fremde kommenden sämüichen Getränke, 
als Wein, Brandwein etc. ist auf den Gränzen zu erhöhen; dagegen sind die 
zwischen-Maüte von Siebenbürgen in die Buccowina, und von diesem Lande 
nach Gallizien, weim ihrer noch einige bestehen, gänzhch aufzuheben. 

»15^ Die Eröfnung des Borgoer Passes nach Siebenbürgen, und die Er- 
richtung einer Communications Strasse in den Gebürgen von Siebenbürgen gegen 
Snyatin, ist ein Haupt-Gegenstand, der ohne weiteren zu veranlassen ist, und 
kann dem Hauptmann Scherz, der schon die Wege hierlandes ganz gut und 
geschickt angeleget hat, der weitere Auftrag diesfalls gemacht werden. In dieser 
Absicht wird sich derselbe auf meinen Befehl schon nach Siebenbürgen begeben, 
um allda alles einzuleiten, und bestmöglichst zu Stande zu bringen. 

y>W^ Damit sich jemand beym Hofkriegs Rath befinde, dem sowohl die 
hiesige Landes Sprache, besonders, in Justizial Erkenntnissen, als die Beschaffen- 
heit der Buccowina hinlängUch bekannt ist, so ernenne Ich den jungen Baltsch, 
der ehemals in Wien war, und dermalen hier beym Consistorio angestellt ist, 

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64 PoLEK : 

zum wirklichen Hofkriegsraths Concipisten mit 1000 i Gehalt, und ist sellier 
bey dem betreffenden Departement zu verwenden. 

»Dieses sind einstweilen die Erinnerungen, welche der Hof-Kriegs Rath 
sogleich einzuleiten den Bedacht nehmen wird. 

»Czernowitz den 19L Juuy 1783. 

Joseph. «^ ^*^ 

Dieses Allerhcichste Handschreiben kam in Wien am 29. Juni an. Fünf 
Tage darauf, am 4. Juli, erliess der Hofkriegsrath die entsprechenden Befehle 
an das gahzische Generalcommando.'^^) 

Heber den w^eiteren Verlauf der Kaiserreise berichtet Nr. 56 der »Wiener 
Zeitung« des Jahres 1783: 

< Aus Snyatin den 22. Junius. Das Gefolge Sr. Maj. kam den 19. v. M. 
von C/ernowicz, der Hauptstadt in der Bukowine, allhier an. Der Monarch aber, 
bogleitet von deni Hm. Feldzeugmeister Grafen von Colloredo und dem Ge- 
neral von Zehentner, begab sich an diesem Tage nach Okopi, wo sicli zu 
Allerhöchstdero Empfang der Hr. Fürst von Czatorinski eingeftmden hatte. 
Gestern am 21. v. M. des Abends trafen endlich Se. Maj. selbst hier ein. Aller- 
höchstselbe hielten sich zuerst bey dem vor der Stadt erbauten Proviantmagazin 
auf, wo sie alles genau untersuchten ; hierauf kamen sie in die Stadt, wo Se. 
Majest. im herrschaftlichen Schlosse ihr Absteigquartier nahmen. Eine grosse 
Menge Vollks umringte den Monarchen, und übergab viele Bittschriften, die Se, 
Majestät huldigst annahmen. Hierauf besahen Höchstselbe alle merkwürdigen 
Gegenstände der Stadt — Während dieser Zeit wurde der verdienstvolle Herr 
Oberlieutenant von Oetwesch von den Barkoischen Husarenregiraent nach 
Wuskowecz (Waschkoutz in d. Bukowina) beordert, um che daselbst befindüchen 
200 Stück neuen E^montenpferde nach hiesiger Stadt bringen zu lassen. Dieser 
Oflicier hatte als er durch den Pi-utHuss setzte, das Unglück, mit dem Pferde 
zu stürzen, bekam von demselben einen Schlag auf die Brust, wurde eine Strecke 
weit von dem Strom»? fortgefiihii, und konnte sich nur nach einiger Erholung 
mit harter Mühe von der Gefahr erretten. Der Monarch, sobald er von diesem 
\!j()rfalle Nachricht erhalten hatte, schickte ihm allsogleich seinen Leibarzt zu. 
um ihm alle mögliche Hilfe zu leisten. — Heute Morgens besahen Se. Majest 
die oberwähnten von Wuskowecz angelangten Remontenpferde, begaben sich 
hierauf zum Gottt*s(henst und fuhren daim weiters nach Lemberg ab. 

Aus Lemberg meldet ein Schreiben vom 25. v. M. folgendes: Des Kaisers 
Majest. sind allhier am 23. v. M. um Mittagszeit angelangt Allerhöchstdicselben 
unterredeten sich, gleich nach Dero Ankunft, durch einige Stunden mit dem 
Hrn. Statthalter, Grafen von B r i g i d o, und gingen hierauf zur Tafel. Seitdem 

"') Das Ori^nnal wird im k. u. k. Kri(»j^n'hive aufbi^wahrt. (U. S. 1783—30—79.) Es 
riitbält dit» Kand)H'ni»'rk\inj< : »Hond)^'<'lan<?t den 29ten Juny 1783.« 

»*») Sii'lio Boila«r»> VIII. — Rs Si»i jrhnch hier bemerkt das« im 10. § des hofkriejjsrath- 
lichen K/\Mripts. der von <ien Ariiienit^m hand«^lt nur infol^» eines MiKsverständnisses das Wort 
allhier* (d. i. in der Bukowina, tM^^entlich a)K»r Suezawa) de« kaiserlichen Handsehreibens duirh 
dilti Wort Czernowitz. wieder^';;«»n worden i>t. Denst'lbt'n Felder be«?eht nbrij^»ns auch H. J. 
Hi derma nn in seiner Sehrift: Die Bukowina unter öst*Treiehiseher Ver^iütung. 1775—1875. 
2. A. I>>ralM»rj,' 1876. 8. 73 1. 

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Joseph's II. Reisen nach Galiäen und dee Bukowina. 65 

haben sich Se. Majest unablässig den hiesigen Geschäften gewidmet. Am 1. d. M. 
Jiaben Se. Maj. Leraberg verbissen, und haben Dero Rückreise über Eperies, 
Kaschau, und die Ungarischen Bergstädte genommen.« 
Die Ankunft in Wien erfolgte am 11. Juli.'^^) 



lY. 

Reise durch Steiermark, Ungarn und seine Nebentänder, durch die 
Bulcowina und Galizien 1786. 

Mit gewohntem Eifer arbeitete Baron E n z e n b e r g an der Verbesserung 
des Zustandes der Bukowina. Und es blieb der Erfolg nicht aus. 

Ein sehr anschauliches Bild von den Fortschritten, die das Land unter 
Enzenberg's VerAvaltung, besonders in den letzten Jahren machte, tritt uns aus 
dessen Rationarium Provinciae vom 25. Februar 1786 '^^) entgegen. 

Li dieser Landesbeschreibung wird die damalige Bevölkerung mit 29.102 
Familien, der Zuwachs, zumeist aus »Moldauern, Fohlen, Russen und einigen 
Toutschen« bestehend, seit der Besitzergreifung mit ungefähr 17.000, seit dem 
Jahre 1778 mit 11.641 Familien beziffert. Diese Bevölkerung l)eschäftigte sich 
nicht mehr ausschliesshch mit der Viehzucht, sondern »näherte sich« bereits 
einer regelmässigen Agricultur und Industrie«. 

Es war auch gelungen, :5>Künstler, Manufactmisten und Handwerksleute 
unter verschiedenen Begünstigungen herbeizuziehen«, so dass »in denen drey 
Städten (Czernowitz, Sereth und Suczawa) und einigen ansehnlichen Ortschaften 
von denen unentbehrlichsten Professionisten, als: Schlosser, Schmidt, Wagner, 
Tischler, Schuster, Schneider, Kirschjier, Riemer, Sattler, Hutmacher, Seifen- 
sieder, Büider, Töpfer, Maurer, Zimmerleut(», Bäcker, Gärber, Fleischhacker, 
Bräuer, Kauchfangkehrer nebst einem Uhrmacher schon manche angesiedelt« 
waren. Freilich waren es, wie der General sagt, x> grösstentheils solche, denen 
es entweder an Verlag (Warenlager) oder ' an Fleiss oder an hinlänglicher 
Kenntnis des Werks« gebrach. »In einer wohlbesetzten Stadt oder Provinz« 
wären sie nicht beachtet worden ; ^>allein hier, wo man Jiicht nur allein keine 
Walil, sondern daran noch einen Mangel« hatte, wurden sie »merklich«. Wenn- 
gleich »der hiesige Landmann seine einfachen Bedürfnisse sich grösstentheils 
selbst* verechaftle mul An denen Städten das Publicum noch nicht so gross« 
war, -i^ einer grossen Anzalü Professionisten und Gewerbsleuten hinlänglichen 
Venlienst zu geben«, so hätte es doch Leuten, »die ihr Werk oder Kunst gut 
verstehen, damuf den gehörigen Fleiss verwenden, mit dem Verdienten wirth- 
schaftlich und nicht vei-schwenderisch umgehen und sich von Zeit zu Zeit den 
nöthigen Verlag machen können , »an Auswegen« nicht gefehlt, ^ihre Manu- 



»") Wiener ZeitiiiH?, Sonnal>cnd den 12. .Juli 1788. (Xr. 56.) 

"®) Original im Archive des k. k. Ministeriums d. Innern, abgedniekt bei Hurmuzi^ki, 
I)«w*uraent«? priviti'>re la istoria Romanilor. Vol. VII. Bucuresei 1876. S. 454— 47:3pj j^l^g^^ 1^ (jQQq[( 



66 PoLEK : 

facta abzusetzen, some der Uhrmacher hier aus der Moldau grossen Verdienst« 
zog und die »vorigen Jahr erst errichtete Civilapotheque« ihre Kechnung fiand. 

Einem dringenden Bedürfnisse war durch die Errichtung von 2 Säge- 
mühlen (zu Kupka im Sereththale und zu Kapokodrului an der Moldawa) und 
2 Mahlmühlen (zu Kotzman und am Serethflusse) abgeholfen. 

Um den Verbrauch an Brantwein, besonders an ausländischem (ukraini- 
schem) Brantwein, zu beschränken, hatte man »dem ersten besten die Erlaubniss 
ertheilet, Bräuhäuser zu errichten und ohne einige Abgabe darauf Bier zu brauen. 
Hierdurch sind nun die vorhandenen Bräuhäuser entstanden«. Sie kamen zwar 
mit Ausnahme des damals zu Suczka bei Czernowitz im Bau begriffenen nicht 
»in die Reihe wohlerbauter und eingerichteter Bräuereyen«, lieferten aber >em 
ziemlich gutes Bier, das auch auf dem Lande stark getrmiken« wurde. 

Zur Belebung des Handels und Verkehrs waren in Zastawna, Kuczur- 
mare, Styrcze, Graniczestie und Wama dann auf der sogenannten Poiana Stampi 
an der neuen Borgoer Communicationstrasse fiir die B;ei8enden »Absteigquartiere 
nebst Stallungen und Schupfen« erbaut, die auch zur Unterkunft der durchmar- 
schierenden Truppen dienten. 

Durch die Zunahme der Bevölkerung und den volkswirthschaftlichen Auf- 
schwung ist auch die Steuerkraft des Ijandes sehr gehoben worden. Nach dem 
Final-Steuererträgnisentwurf für das Jahr 1784 betrugen die landesfurstJichen 
Steuern und Abgaben, »die in den ersten Jahi-en etlich und Siebzigtausend 
Gulden abwarfen«, 154.298 fl. 287ia kr., u. z. die »reale Contribution« (Fami- 
liensteuer) 62.248 fl. 56Vj2 kr., die Heurcluition 22.785 fl. 50 kr., der Militär- 
quartiersbeitrag 11.189 fl. 33V^g kr., das Czartakenholz 3.403 fl. 317^, kr., die 
Arbeitsreluition (Robotentschädigung) 3.596 fl. 45 kr., die Desetina (Abgabe von 
Bienen8t()cken und. Schweinen) 25.285 fl. 14 kr., die Gostina (Abgabe von 
Schafen mid Ziegen) 15.440 fl. 41 kr., das Caldarit (Brantweiukesselsteuer) 
1.269 fl. 77, j kr., die Mühlgewerbsteuer 21 fl. 15 kr., das Vulpe Kreczunului 
(Fuchspelzsteuer im Czernowitzer Districte) 1.171 fl. 30 kr. und die AUodial- 
steuer (Grundsteuer der Gutsbesitzer) 7.886 fl. 17i2 kr. Dazu kam der vom 
gaUzischen Gubernium an die Bukowiner Districtscasse abgeftihrte Ueberschuss 
des Erträgnisses der zum Regale Galiziens gehörenden Bukowiner Zollgefalle. 
Dieser belief sich im MiliUirjahre 1784/85 auf 58.787 fl. 41 kr. 

Aber nicht bloss in Hinsicht auf die materielle, auch in Hinsicht auf die 
geistige Cultur ist ein grosser Fortschritt zu verzeichnen. Im Jahre 1783 und 
1784 wunlen die zahlreichen Klöster bis auf drei (Dragominia, Putna und Su- 
czawitza) aufgehoben, ihre Güter in die staatliche Verwaltung übernommen und 
aus ihren Einkünften sowie aus den Einkünften der sclion vorher (im April 
1783) an den Allerhöchsten Hof abgetretenen bischöflichen Güter der griechisch- 
orientalische Religionsfonds begründet,'") aus welchem seitdem die gesammte 
griechisch-orienüilische Geistiichkeit der Bukowina iln-en fixen Gehalt bezieht 
In zweiter linie fällt nach dem Wortlaute des kaiserlichen Handschnnbens vom 
19. Juni 1783 dem gr.-or. ReUgionsfonds die Fördeining des Bukowiner Schul- 



»^) Vjrl. Pulek, 



Anliiuj^e des Vulksscbiil\vos<*iis in <l**>f^lM*^''5*|i;'*'(^(n^ßlp 



Josbph's II. Rbisbn nachGalizien und der Bukowina. 67 

Wesens zu. Auch in dieser Hinsicht hat Baron Enzenberg den Anfang ge- 
macht Er selbst berichtet hierüber: »Zwo teutsche Hauptschulen, darinnen 
auch moldauisch gelehrt wird, und deren eine sich in Tschernowitz, die zwote 
aber in Sutschava befindet, sind errichtet, und werden ohne Unterschied der 
Nation stark besucht In diesen werden die Moldauer für die Nationalschulen 
unterrichtet, deren auch bereits vier angelegt sind, und nach denen sich nach 
und nach die Trivialschulen bilden. Dass es mit diesem, so wie mit vielen 
anderen Verbesserungs- Gegenständen nicht schon so weit gekommen ist, als 
man wohl wünschet, daran ist Vorurtheil und Misstrauen der Nation für alle 
Neueningen Schuld, das man ihr nur mit der Zeit durch augenscheinliche Be- 
weise und Überzeugung benehmen kann.« 

Was schliesslich die Landesvcrwaltung anbelangt, so war sie »nur mit 
den allernöthigsten Individuen interimahtor besetzt« Ihr waren drei Districts- 
auditoriate und ncr Directorate nebst dem Wirtschafts- Oberdirectorate (seit De- 
ceraber 1784) untergeben, denen wieder die »ordentlich bestellten Magistrate« 
der drei Städte und die Dorfgerichte, beziehungsweise (dem Wirtschafts- Ober- 
directorate) die Wirtschaftsämter auf den Cameral- und geistHchen Gütern unter- 
standen, durch welche »die verschiedenen Policey- Anstalten und oeconomischen 
Verl>esserungen beobachtet und vollfiihrt« wurden. 

Als »im Zuge« befindlich fuhrt Enzenberg folgende »Meliorationen« an: 
^a) Die gemächlichere Communications Strassen aus Siebenbürgen herein 
über Burgo, welche bey Dorna Kandreni in die von Kosna (d. i. die über Rodna 
führende) einfällt und dann bey Gura Humora in die gleichfalls in der An- 
lage stehende verdeckte Strasse über Solka, Wickov, Storosclienetz und Selenov 
in Gallizien hinein auslenkt und auf Aerarialunkosten angelegt wird. ' 

»6) Die Anlegung eines Dorfs an der Burgoer Strasse, und benanntlich (?) 
auf der sogenannten Poyana Stampi, woselbst bereits ein geräumiges Einkehr- 
haus eri)auet ist Hierzu werden die nöthigen Anstalten getroff*en, Ausrottungen 
zu machen, Moräste abzuzapfen und zum benutzen geschickt zu machen, damit 
die Gegend bevölkert und zu künftiger Unterhaltung der Strassen Vorsehung 
getroflfen werde. 

»c) Zu Vatra Domi wird eine Militär Bäckerey und eine Mühle von 
2 Gängen angelegt wenlen, eine in dortige Gegend angetragene ganze Com- 
I>Hgiiie, die zur Sicherheit der neuen Colonie und zu Beförderung dieser Ab- 
sicht dahin beordert werden soll, zu verpflegen, ohne auf einen so weiten Weg 
das Brod zufuhren zu müssen. Hierzu kommen noch jene Absteig Quartiere, 
welche auf obberührter verdeckten Strasse in unbevölkerten Gegenden im An- 
trage sind, denen Reisenden die nöthige Unterkunft zu verschaffen und zur 
Ansiedlung einen Grund zu legen. 

>d) Zu Steuerung der öffentlichen Nothdurft wird zu Sutschava eine Ca- 
Fenie für eine ganze Compagnie nebst einen Staabs uy\d übrigen Officiers, Geist- 
lichen und Feldscherers Quartieren und ein Spital auf 50 Kranke, dann eine 
Wohnung ftir den Districts Auditor nebst Kanzley und denen nöthigen Kerkern 
erbauet werden, wozu die Bewilligung erfolgt, und die MateriaUen beygeschaffb sind. 

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68 Polek: 

»e) Für das oeconomisclie Each ist für lieuer der Antrag auf einen Ge- 
treydkjisteii und eine Mahlmühle zu St UHe bei Sutschawa und auf eine Mahl- 
mühlc zu Watra Dorni, woiüber die Passining ei-w^artet wird. 

»Zu Behuf des Ackerbaues sind die nöthigen Einleitungen getroffen, dem 
hiesigen Landniann eine ächte Cultur beyzubringen. Sie bestehen in der Art 
das Land behörig zu bearbeiten, die Zeit dazu, und zum Anbau selbst zu h- 
obachten, das Land nach Umständen zu behandeln, der Natur zu Hilfe zu 
kommen und für den Nutzen mehr besoi^gt zu seyn, den das Land Heissigtit 
Händen darl)iethct Endlich und sonderheitlich 

»f) Die Geometrisch-oeconomisciie Mappirung des Liuids und die nach 
einer vorläufigen Familien Konscription zu erfolgende Grundzutheilung, wodünh 
der Untcrthan ein Grundeigenthum erlanget, und wodurch der Grund zu einer 
billigen und verhältnissmässigen Steuer und grundlierrlichen Abgabe gelegt wrd. 

Das war der Zustand der Bukowina, als Joseph IL seine Vorbereitungen 
zu einer neuen Rundreise durch die östliche Hälfte seines weiten Reiches traf. 

Die Anordnungen fiir diese Reise enthält das folgende, an den Präsidenten 
des Hofkriegsrathes gerichtete Handschreiben. Es lautet wörthch : 

»Lieber Feldmarschall Hadik ! Ich überschike Ihnen hier angeschlossen 
die beyläufige Marschroute, und die Tage, welche Ich bey Meiner vorzunehmenden 
Reyse zu machen gedenke. Sie werden in dieser Gemäsheit die betreffende 
Gmnz-General-Commandi und jenes in Gallizien wegen der Bukowina belehren, 
damit, nach den von Mir schon ein- für allemal festgestellten Grundsätzen, keine 
Ceremonien beobachtet, noch einige Weeg- Reparationen, die nicht ganz onent- 
belirlich sind, vorgenommen werden. 

»Die Anzahl der Pferden auf jeder Stazion muss aus 38 bestehen, wovon 
8 Züge zu Sechsen, und 5 Züge zu vieren zu rechnen sind; sollten aber die 
Weege gar zu schlecht — und die Pferde zu klein seyn, so könte mau auch 
die Wägen pr. G mit 8 Pferden bespannen, wo sodann 44 Pfenle herauskamen. 

»Da bey einer solchen Reyse man nicht voraussagen kan, ob man uichi 
ein oder andern Tag wird abändern müssen, so werde ich es immer Voraus be} 
Zeiten durch einen Gardisten oder Estaffette melden lassen, und da auch noch 
ein Kalesch für einen Courier, der Mir etwa nachkommen kan, in dem Gefolg 
mit wird seyn können, so müssen für dieses immer noch 4 Pferde mehr in 
Bereitschaft seyn; in allem also wird immer auf eine Zahl von 48 Pferden ge- 
rechnet werden, ausgenommen auf den guten Strassen, wo es mit 42 genug i^ 

»Auf den hier angesetzten Stixzionen, die nicht Städte oder grössere Oerter 
sind, wird an den bemerkten Tagen eine kleine Quantität von Brod, Fleis<i 
und Zugemüss in Bereitschaft zu halten seyn, damit Meine dahin kommende 
Köche solches schon finden mögen, wovon auch der vorausgehende Gardist inuuer 
die Anzeige machen wird; nur muss es in einer proportionirten Quantität und 
auch nicht etwa zu früh beygeschaft werden, damit es keinem Verderben ausge- 
setzt seie. 

>In dieser Gemäsheit werden Sie Ihre untergebene Generalcommaud^ 
belehren. Laxenburg den 30. May 1786. Joseph- J") 

^•'»«) K.-A. II. S. 1786—49-2. (Orij,'.) 

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Joseph's JI. Beisen nach Galizien und dee Bukowina. C9 

Die Reise wurde am 16. Juni von Wien aus angetreten. Sie führte über 
Graz (17. bis 19.), Pettau (20.), Ebersfeld (2L und 22.), Warasdin (2:^.), Agram (24.), 
Karlstadt (25.), Zengg (26.), Gospich (27.), Jessenitza (28.), Karlstadt (29.), Pe- 
trinia (80.), Gradiska (1. Juli), Brod (2.), Vinkovce (3.), Mitrovitz (4.), Semlin (5.), 
Pctenvardein (6.), Titel (7.), Zorn bor (8.), Szegedin (9.), Szentes (10.), Nagy- 
allas (13.), Klausenburg (14.), Karlsburg (15.), Hermannstadt (16. bis 20.), 
Medias (21.), Szilsz-Regen (22.), Borgo-Prund (23.) »3') 

In der Bukowina sollte der Kaiser nach dem ursprünglichen Plane, von 
Porgo-Prund kommend, am 24. Juli in Dorna übernachten, er setzte aber an 
diesem Tage die Fahrt bis Kimpoluiig fort. Die folgende Nacht verbrachte er 
in Suczawa. Auch in Czcrnowitz hielt er sich diesmal kaum 24 Stunden (26. Juli) 
auf.*^^) Trotzdem fand er Zeit, auch hier so viel in Augenschein zu nehmen, 
dass er, >vie wir später sehen werden, Beschlüsse reifen lassen konnte, die fürs 
ganze Land von folgenschwerer Bedeutung waren. An dieser Stelle sei nur 
einer Begebenheit gedacht, die Canonicus K u n z (von 1822 bis 1864 Pfarrer 
von Czeniowitz) in seiner Chronik aufgezeichnet hat. Kunz schreibt: »Während 
seiner Anwesenheit im Jahre 1786 berieth Seine Majestät Kaiser Joseph II. 
mit dem Ortsseelsorger, dem hochwürdigen Herrn Kekert, wiederholt die Mittel, 
den kathohschen Cultus zu erhalten und zu heben. Als von der Errichtung 
einer Kirche die Rede war, nahm Seine Majestät den Pater Wenceslaus (wie 
er gewöhnlich genannt wurde) unter den Arm und schritt mit ihm der Stelle 
zu, wo jetzt die Kii'che steht. Indem er daselbst auf- und niedergieng und die 
Oerthchkeit besichtigte, that er die Äusserung, er werde an diesem Orte eine 
prächtige lürche bauen lassen in Kreuzesform, mit vier gegen alle Weltgegenden 
gerichteten Eingängen und einem in der Mitte der Kirche majestätisch sich er- 
hebenden Altar, so dass bei offenen Thüren das AUerheili^ste von allen Seiten 
gesehen und angebet werden könnte«. ^^'^) 

Ueber den Aufenthalt in Galizien enthält die »Wiener Zeitung« nachste- 
hende Berichte. 

Nr. 64. Sonnabend den 12. August 1786. 

»Des Kaisers Maj. haben den 27. v. M. die Gränze von Galizien erreicht, 
und sind des Abends in dem Lager zu Sniatin eingetroffen, wo Se. Maj. den 
28. und 29. den Waffenübungen beywohnten. Am 30. verfügten sich Allerhöchst- 
dicselben über Stanislaw in das zweyte Lager bei Grodek. Die allda versam- 
melten Truppen waren schon am 31. des Morgens ausgerückt; allein wegen 
starken Kegens wurden sie wieder zum Einmai-sch beordert, und ei-st um Mittag- 
zeit bei ausgeheitertem Wetter konnten sie vor Sr. Maj. regimentsweise Uibungen 
vornehmen. Der Kaiser nahm hierauf das Mittagmahl ein, welchem die anwe- 
senden Herrn Generale beygezogen zu werden, die Ehre hatten. Den 1. und 
und 2. d. M fiengen die Kriegsübungen mit Anbruch des Tages an ; nach 



"») Radics a. a. 0. 8. 37. 

»M) Bem^. Liste in die La«?er von 1786. (K.-A. U. S. 1786—49—2.) Vercrl. anch Riulics, 
a. a. 0. 8. 87. 

>»*) Polek, Ausj?ewählte (Vipitel aus d. Gi'donkbucht} der riun.-kath. Pfarre zu Czemowitz. 
Czemowitz 1890, S. 64. 



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70 Polek: 

(leren Endigung, am 2., verliesseu Se. Maj. das liager, und trafen bald darauf 
zu Leniberg ein. In diese Stadt sowohl als nach Grodek hat die Anwesenheit 
des Kaisers eine Menge von dem galizischen, pohlnischen und fremden Adel 
gezogen.« 

Nr. 65. Mittwoch den 16. August 1786. 

»Nachdem Se. Maj. der Kaiser im Lager bey Grodek am 30. Juli Ge- 
nerahnusterung gehalten hatte, wurde am 1. August brigadenweise manö\Tirt 
und der Vorposten dienst exercirt; am 2. August ritten Se. Maj. mit der ge- 
sammten Generalität zur Recognoscirung eines iieuen Lagerplatzes für das künf- 
tige Jahr bis Malcziczi (Malczyce), wo Se. Maj. von Wägen und Gefolge 
erwartet^ den Weg nach licmberg antratten. Die Truppen, welche zum Zeichen 
der allerhöchsten Zufriedenheit durch beyde Tage, da Se. Maj. im Ijager waren. 
doj)pcltc Löhnung erhielten, sind am 4. d. M. nach ihren vorigen Standquar- 
tieren aufgebix)chen. 

»Gleich nach der Ankunft Sr. Maj. zu Lemberg und an dem folgenden 
Tage hatte der anwesende inländische und fremde Adel die Ehre, seine Auf- 
wartung zu machen. Es fand auch jedermann freyen Zutritt und Gehör, der bey 
Sr. Maj. ein Gesuch anzubringen hatte. Den 2. Nachmittags verfugten sich 
Allerhöchstdieselben sowohl in das lattunische als das griechische Seminarium; 
den dritten besuchten Se. Maj. die Krankenhäuser, Spitäler und das Kloster 
der Benedictinernonnen. An dem nämlichen Tage war im Casino öffentlicher 
Ball, den Se. Maj. mit Ihrer Gegenwart zu verherrlichen genihten. Am 4. nahmen 
Se. Maj. d^is Kloster der Annenischen Jungfrauen, die Normalschulen, das Uni- 
versitätsgebäude, die zur öffentlichen BibUothek bestimmte vormalige Kirche der 
Trinitarier, die Dikasterien, für welche das ehemalige Jesuitencollegium einge- 
richtet worden ist, und andere öffentliche Anstalten in Augenschein. 

y.Die Anwesenheit des Kaisers hat sehr viele vornehme Gäste nach Iiem- 
berg gezogen. Man neimt darunter den Fürsten Adam Czartoryski, den Fürsten 
Lubomirski, den pohlnischen Feldherrn Grafen Rzewuski, den Grafen Krasinski, 
die Starosten Konorski, Potocki, Draminiki, Poreloski, Kamicki und viele Edel- 
leute und Officiere.« 

* Nr. 66. Sonnabend den 19. August 1786. 

»Des Kaisers Maj. haben zu Lemberg den 5. d. M. das MUitärspital und 
die Gefängnisse in Augenschein genommen, und Nachmittags nach Winniki 
sich verlügt, um die dortigen Wirthschaftsgebäude und die Tabaksfabrike zu be- 
sehen. Sonntags den 6. wohnten Se. Maj. dem Hochamte in der Kathedral- 
kirche bey, und Abends gei-uhten Allerhöchstdieselben hi dem fiirstl. Jablo- 
nowskischen Garten, wo der inländische und fremde Adel sehr zahlreich sich 
einfand, einen Spatziergang zu unternehmen. Den 7. besahen Se. Maj. Früh 
die Klöster Bernardiner und Karmeliten, auch noch einige öffentliche Gebäude, 
und Tages darauf tratten Allerhöchstdieselben die Reise nach Ungarn an.« 

Auf seiner Reise durch die Bukowina scheint Kaiser Joseph von dem 
Plane, dieses Land in eine Militärgrenze umzuwandeln, völhg zurückgekommen 
zu sein. Vielleicht hat auch Graf Brigido dessen Unterordnung unter das 



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Joseph's IL Beisbn nach Galizien und der Bukowina. 71 

galizische Guberuium ueuerdiugs das Wort geredet Thatsache ist, dass der 
Kaiser am 6. August 1786 in Lemberg die Vereinigung der Bukowina mit Ga- 
lizien verfugte. Diese Verfügung brachte er gleichzeitig dem Präsidenten des 
Hofkiiegsrathes und dem obersten Kanzler der vereinigten böhmisch-österrei- 
chischen Hofkanzlei zur Kenntnis. 
An ersteren schrieb er: 

»Lieber Feldmarschall Hadik! Da ich beschlossen habe die Buccowina 
mit Galizien zu vereinigen, und solche sowohl in pubUco-politicis, als Camera- 
libus und Justiciahbus dem Politico vollkommen zu übergeben, auch der ver- 
einigten Böhmisch- Oesterreichischen Hofkanzley und Obristen Justiz-Stelle unter 
einem alles dasjenige mitgebe, was bei der diesfälligen mit 1^ 9ber d. J. vor 
sich zu gehen habenden Übeniahme beobachtet werden soll; so haben Sie sich 
mit beyden diesen Hofstellen in das hierwegen erforderUche Einvernehmen zu 
setzen, und sodaini in Gemässheit desselben an das hiesige General Kommando 
den Auftrag wegen der Übergabe dieses Districkts an das PoUtikum mit der 
nachdrucksamen Erinnerung zu veranlassen, dass damit nach dem bestem Wissen, 
und mit aller Genauigkeit zu Werke gegangen werden soll. 

»Für das in der Buccowina fernershin auf seinen gegenwärtigen Fuss 
unter der Direction des Obristleütnants Cavallar fort zu bestehen habende 
Riraonten Ankaufs Geschäft, habe Ich die Oerter Waskaucz (Waszkoutz a. Gz.), 
Trasenecz (Draczinetz), Strosenecz, Ober und Nieder Wickow und Strasa (Straza) 
zur Unterkunft der Pferden, dann das Qebürg von Luecina (Luczina) zur Sommer 
Weide für solche vorbehalten, auch die Eintauschmig des Guts Waskaucz^ wo, 
wie bis jetzo, auch künftig der Standort des Obristleütenants Cavallar seyn wird, 
angeordnet; der Hofkriegs Eath w*ird also den Bedacht zu nehmen haben, das 
erforderliche vorzukehren, damit zu Errichtung der von wiedei'holtem Obrist- 
leittnant Cavallar in obigen Ortschaften angetragenen Stallungen und Okolls 
gleich mit dem Eintritt des nächst folgenden Frühjahrs geschritten, das dazu 
nöthige Bauholtz aber über Winter zu gehöriger Zeit geschlagen und herbey- 
geschaffet werde. 

»Nachdem nun durch sothane Übergabe der Buccowina an das Politikum 
die dermalige Militar-Administrazion allda von selbst aufhöret, so will Ich dem 
General Enzenberg, da er solche bisher zu Meiner Zufriedenheit besorget 
hat, hievor eine Remuneration, und respective einen Übemedlungs Beytmg von 
Sechs Tausend Gulden ohne allen Abzug hiemit angedeyhen lassen, und dem- 
selben die vacantc Brigade der beyden Wallachischen Gränz Regimenter in 
Siebenbürgen anvertrauen; jedoch wird derselbe noch so lang in Czernowitz 
verbleiben, bis er die Übergabe vollständig bewerkstelHget haben wird, besonders 
aber hat solcher sorgfältigst darauf zu waci»cn, dass nicht etwa hie und da von 
Seite seiner Untergebenen Praevaricationen begangen werden. 

»Da hingegen dieser District, ohngeachtet solcher unter die politische Ver- 
walttnig kömmt, gleichwohl auch künftig als ein Gränz TjjuuI einer mehreren 
militärischen Aufsicht ncithig hat, so ist einer der hier Tjandes bereits ange- 
stellten General Majors nach Czernowitz, wo ohnehin der Stab ^lefj^^2ten G^^r-^glc 



72 PoLBK : 

iiison Regiments sich befindet, und hinlängliclie Gelegenheit zu seiner Unter- 
kunft; vorhanden ist, zu übersetzen. Lemberg den 6*2n August 1786. 

Joseph«.''*^) 

In dem an deji obersten Hofkanzler gerichteten Handschreiben zählt der 
Kaiser alle die Massnahmen auf, die er bei der Veränderung der Verwaltung 
im Liinde als nothwendig erachtete. 

Dieses Allerhöchste Handschreiben hat folgenden Wortlaut: 

»Lieber Graf Kollowrat! Ich bin entschlossen, die Bukowina mit 
Galhzien vollkommen zu vereinigen, dergestalten, dass selbe in allen politicis. 
publicis et Cameralibus als ein Kreis Galiziens von Seiten des dortigen Gu- 
bemii und der Appellazion behandelt werde. 

»In eben dieser Absicht habe Ich den Befehl an den Hofkriegsrath erlassen, 
mit welchem sich die Kanzley einzuverstehen hat, damit die gemeinschaftlichen 
Aufträge sowohl an das Gallizische Gubernium als an das dasige General Com- 
mando wegen der Übergabe und respective l^bernahme, welche den 1. No- 
vember 1. J. zu erfolgen hat, sogleich ergehen können. Zu diesem Ende will Idi 

» V^ Den in der Bukowina jetz angestellten Oberdirektor Beck zum 
Kreishauptmann des künfliigen Bukowiner Kreises ernennen, und hat derselbe 
aus den allda bestehenden 4 Direktoren die tauglichsten zu Kreiscomniissarien 
fiirzuwählen luid vorzuschlagen. 

»2il Da ich diesen Kreis vorzüglich der Viehzucht widmen will: so ist 
auch in dieser Absicht auf keine weitere Impopulation, ausgenoijnuen die sich 
von selbst ergiebt, zu gedejiken. 

»3Ü!1 a) Habe ich die in der beyliegenden Liste enthaltene Güter und 
Weiden fiir das Remontirungs Kommando des Obristleutenant C a v a 1 1 a r 
bestimmt, woi-unter Waskautz, dessen Besitzer ein Bojar ist, gegen ein Gut in 
der Moldau, so der Bukowiner Geistlichkeit gehört, einzutauschen ist 

»B^". b) Müssen die übrigen Kameral- und geistlichen Güter, die in der 
Administration stehen, und theils der einheimischen, theils der moldauer Geist- 
lichkeit zugehören, mit Aufhebung der darauf augestellten kostbaren Beamten, 
in Pachtungen von mehreren Jahren theilweise gegeben werden, wodurch die 
Vielizucht ganz gewiss in bessere Aufnahme kommen wird. 

»4^jv Muss der Sitz des Kreisamtes in Czeniowitz seyn, wo schon die 
hierzu nöthigen Gebäude vorhanden sind. 

»5h Ist allda auf ärarial Unkosten eine gemauerte katholische Kin'lu* 
nach Verhältniss der dortigen, auf dem Platz, wo jetz die Apoteke ist, zu er- 
bauen, und sind eben so auch katholische Kapellen in Sireth, Suczawa imd 
Kimpolung, wenn sie auch nur von Holz sind, theils herzustellen, theils die 
schon bestehende etwas zu erweitern. 

»6?!!: Will Ich, dass die bukowiner ünterthanen in der Giebigkeit und 
Robot noch einstweilen, wie dermalen unter dem Militari, gehalten wertlen. 

>u^Z Mit der ökonomischen Ausmessung ist allda fortzufahren, weil man 
mit selber dem Vei*sprechen nach in einem Jahre fertig seyn wird, und alsdann 



«) K.-A. II. S. 1780-30-135. (Orij^.) 

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Joseph's IL Reisen nach Galizien und der Bukowina. 7H 

diese Ausuiessung ganz füglich zur allgemeinen Steuer-Regulierung wird ge- 
braucht werden können. 

»8^ Tn Ansehung der Maut muss die Bukowina in allem so wie Gallizien 
l)ehandelt werden, die Stadt Suczava allein ausgenommen, welche vne Brody 
aus dem Kordon zu schhessen ist'; auch muss einige Ausnahme in Rücksicht 
der Kleidungsstücke fiir die allda noch wohnende Bojarn gemacht werden. 

»952 Ist darauf zu sehen, dass die Hauptkommunikazionsstrasse z^^'ischen 
Siebenbürgen und GaUizien sorgfältig erhalten, und ein Postkurs, der 2 mal in 
die Woche von Snyatin nach Czernovitz und soweiter nach Suczava, Kimpo- 
lung, Dorna und Bistricz geht, eingeleitet werde. Tngleichen ist 

j^l052 Die schon rückwäi'ts bestimmte Strasse von Kapocodrului nach 
Snyatin zwar nicht Chauss^emässig, sondern nur fahrbar nach und nach her- 
zustellen. 

»11^ Muss eine Kommission in Lcmberg besthnmt werden, die das Rech- 
nungsgeschäft der Übergabe ordentlich auseinandersetzt; denveilen aber ist die 
Bukowina vom Militari in statu quo zu übernehmen. 

»125^2 Hat die Numerirung der Häuser und die Militär Conscrii)tioji in 
diesem Kreise, als einem Theile von Gallizien, vor sich zu gehen. 

»13Ü2. Nach berichtigtem Austausch des Guts Waskautz für die militar 
Rimontii'ung muss alsogleich zur Umtauschung sänimtlicher Güter, welche die 
Bukowiner Geistlichkeit in der Moldau besitzt, gegen jejie, so der moldauer 
Geistlichkeit in der Bukowina zugehören, geschritten werden; und obschon letz- 
tere etwa 4 bis 500 fl. jährhch Einkonmiens dabey gewinnen wird, so ist dieses 
gegen die andern daraus entspringende Vortheile in keine Betrachtung zu ziehen. 

»14^ . Hat von den Beamten, die beybehalten werden, jeder seinen der- 
maligcn Gehalt zu geniessen. 

»15^ Was übrigens das Justiciale anbelangt, erlasse ich in Gemässheit 
den Befehl an die Obriste Justizstelle, damit zu gleicher Zeit das Notlüge mittelst 
der Gallizischen Appellazion eingeleitet werde. 

»Leraberg den 6. Aug. 1786. Joseph.« ^^^) 

Das Ergebnis der in den beidon voi-stehenden Allerhöchsten Handschi-eiben 
angeordneten Berathung — sie fand am 18. August 178G statt — ist in dem 
unterm 16. September 1786 an das galizische Gubernium ergangenen Hof- 
kanzleidecrete ''^) niedergelegt welches im Vereiji mit dein hofkriegsräthlichen De- 
cn*te vom 20. September 1786, womit dem General Baron Ejizenberg ein an- 
derer, seinen Verdiensten entsprechender Wirkungskreis zugewiesen wird.^^^) das 
letzte wichtige Ghed in der lajigen Kette der Actionen bildet, die Joseph 's 11. 
Reisen nach Galizien und der Bukowina fiir letzteres Tiand zur Folj^e hatteji. 



''^) H II r ni Mzak i, I)«K*uim»nti'. VIJ. S. 474 f. 
»»»I ^uAw Boilnf?t> IX. 
"») Siehe Beila^ X. 

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Beilagen.*) 



I. 

Protocollum commissionis 

sub 4ta Aprilis 1780 Yiennae habitae 
in Allgelegenheit der Buccowiner Districts-Einrichtung unter dem Vorsitz des 
Feldmarschall und Hofkriegsrathspräsidenten Grafen von Hadick. Praesentes: 
Generalfeldwachtnieister Graf v. Browne, Generalfeldwachtraeister Baron Enzen- 
berg, Hofrath von Türkheim, Ursini, Razesberg, Luerwaldt, Dürfeid, Weebenu 

Oberkriegscommissär Wagmuth. 

Absrhrift. (Registratur d. Bukow. k. k. lÄndesregienuip.) 

Theils aus der Absicht, um in Betreff des Buccowinet District das Nähere dahier bestimmeD 
und die nötbij^n Auskünften Euer Majestät unterlegen zu können, theils aus der Erwäj^ig, dau» 
das ^llizis(^he Generalcoramando über die Sache in vei'schiedenen Stücken nicJit einerlei Meinung? 
mit dem (Jenemlen Enzenberg wäre, ist mit Euer Majestät Begnehmigung General Enzenberjr 
nacber liCmlKTg beordert, allda die CVm(^rtienmg gesammter auf den Buckowiner Disfaict einen 
B<*zug nehmenden Deliberationsgegenständen angeordnet, sofort Enzenbei^ mit dem Oberkriegß- 
commissär Wagmuth hieher abzugehen angewiesen worden. 

Um die auf bestmöglichste Benützimg des Buccowiner Districts gerichte Absicht desto 
sichen^r zu erreichen, ist es nothwendig, denen über die innerlichen Districtsverbesserungen bereits 
in Vorschtnn gelangüMi verschiedenen Vorschlägen dasjenige vorangehen zu lassen, von woher der 
District erst die Fähigkeit zu Vollfuhnuig solcher Vorschlägen bekommen muss, und beinebst gründlich 
zu beurtheilen ae'm mag, welche von derlei Verbessenmgsanstalten der Eigenschaft des Districts 
am meisten angtnnessen sind und am wahrscheinlichsten die geseicht wenlenden Vortbeile 
erreichen machen. 

Der Gnmd zur diosfölligen Ueberlegnng ergibt sich aus dem mittelst des Oberkriegsoom- 
missjirii Wagmuth eingelangten, hier angeschlossenen Bericht des gallizischen (jeneralcommando, 
der, um den Allerhöchsten Entschluss über die Sache zu erleichtem, nat^h der Verschiedenheil 
deren darin enthaltenen Gegenständen in Abschnitte getheilet wird, von welchen ein jeder <he 
hiezu gi^hörigen Anmerkungen an seiner Seite erhält. 

y. Welches von beedeny nämlich die politische oder Militarbesorgnis dent District besser 
und für den Staat mähbarer seie ? 

Für die politische A<lmini8tmtion treten folgende Betrachtungen ein: 

1. In der Buw'owina dörfte sich seiner lAge nach mit der Zeit ein ergiebiges Commemum 
etiiblieren, wozu das Politicum den besten Grund zu legen vermögend sein solle. 

2. Das Maut Wesen sUdiet unter der politischen Stelle. 

3. Dieser District ist mit Sit»benbürgen, der Marmaross und Gallizien verbunden, welche 
lünder politisch besorgt werden. 



*) Die Originale sind mit <ler ihnen eig«»nthümlichen, die Abschriften hingegen bis auf die 
Eigeimameu und «lie von s« »leben abgeleiteten Eigenschaft Wörter mit modernisierter Reehts4*hrei- 
bimg wiedergegeben. 



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Joskph's ir. Reisen nach Galizien und der Bukowina. 75 

4. Die ökonoinis^'he Einriobtunj^en und Verbesserungen in Absiebt auf den Aekerbau und 
die Viebzticht, auf die WaldculUir, auf die Anlegung nützlicher Fabriken, aul' die Aufsuchung 
ergiebiger Erze, dann auf die Contributionseinriohtung sind Gegenstände, die sich ihrer Natur nach 
mehr für das Politicum als fiir das Militare schicken, weilen besonders das Politicum mit der 
Sache verständigen mehreren Individuen auch schon versehen ist und beinebst grösseres Ver- 
miigen als das Militare hat, den ünterthan vor Bedrückung der Grundherrn und der Maut- 
beamten lu schützen. 

Für die militärisc^he Besorgnis kömmt hingegen in Betrachtung: 

1. Ob <Ue Buccowina ganz militarisieret werden könne, in welchem Fall die mihtärische 
Bes^>rgung eootinaieren müsste; könnte aber 

2. nur ein Theil zur (rrenzmiliz gezohen werden, so würde der übrige Theil der Bucco- 
wina oder militärisch behandelt oder dem Publica) überlassen werden können. 

3. Die Grenze der Buccx)wina vom Dnister an bis an den Moldau fluss ist flach und offen 
und weder mit Gebirgen no<;h mit Wassern bedwkt; nur der Theil vom Moldaufluss bis an Sie- 
b**nbürgen ist mit Gebirgen ge<Ie<^ket. In diesen Gebirgen sind zur Grenzbewachung gegen Bezahlung 
täglicher 6 kr. Verpflegung bereits junge l^ute beigi^zohen wonlen, und es haben dieselbe sich hiezu 
willig gezeigt. Nur ist aber seit der Besitznehmung der Butx'owina noch nicht so viel Zeit ver- 
stricJien, imi mit Cfrunde zu bestimmen, ob das Volk zu einer Grenzeinrichtung sich lemer her- 
beflasßen und hiezu auflegt sein wird. Ks wninle femer nach denen dermaligen Districtsum- 
standen, wenngleich «las Volk zur Grenzmiliz Lust und Neigimg hätte, ein Hauptanstand, dei^nige 
nämlich, fiim-alten, woher die Dotierung z\ir Grenzmiliz zu nehmen wäre, weh'her das erste und 
Hanptrequisitum einer (t renzmiliz ist. Solang endlich bei denen Moldauer und Biu^cowiner Gnmd- 
herm und vorzüglich bei der Geistlichkeit die jetzige Macht über den ünterthan bleibet, würden 
ersten» alles anwenden, den Ausmarsch ihrer Unterthauen, von denen sie leben, • zu verhindern 
«Hier beschwerüch zu machen. 

Die«) vorliegende Umstände sind jenes, worüber nur Euer Majestät die Entscheidung 
gehen können, ob die Besorgimg des Politici oder des Militaris fiir den Buccowiner District und 
für den Staat nutzbarer seie. 

a) Wird die Bu(xx)wina dem Politico übei^^ben, so würde zu Czernowiz ein Kreisamt, zu 
Suczawa aber ein Districtsamt erforderlich sein, deren Verwaltung jedoch ganz natürlich und 
besonders die erstere Jahre die schon angew(")hnte und bestehende Buccowiner Gebräuche ni(^ht 
gänzlich würden abschaffen können. 

b) Auf den Fall, wenn unter poHtischer Verwaltung Anstände in den Weg kämen, die 
verhinderlich wären, das landvolk zur Grenzbewachung mitverwenden zu können, würde ein be- 
trächtliches Militare in der Buavwina verbleiben, mithin die derzeit im liande liegende 14 ('om- 
pagnien beibehalten werden und no<*<h eine Esc^dron Husaren dazukommen müssen. 

f) Bei dem Umstände, wo der District anno<^h in giX)8ser Vemirrung und Unordnung, 
auch mit sehr vielen Prot-essen angehäuft ist, sollte wenigstens die ersten Jahn? allda ein hin- 
reichendes Justizdepartement angestellt werden. 

(f) Wenn auch die Buccowina in die politische Administration übt^rgehet, so wird allezeit 
die C4>rdon8- und Contumazbewachung und ihre Besorgimg von dem gallizischen Generalcomniando 
abhängen müssen, folgsam das Militare in der Buccowina diesen Gegenstand zu besoipm haben. 

2, Es may die Bureawina ufiter die Militär' oder unter dir politinche Administraiion 
gelangen^ soll sie gunx an Gallixien oder an Siebenbürgen einverleibt irerdenY 

Weilen das lAnd einen Theil von Gallizien, die Marraaross ganz und einen Theil von Sieben- 
bürgen unischliesset, hiemächst auch die Entfernung von der gallizischen Grenze, nämlich von 
Zaleszik (Zale«zcziky) an bis auf Kosna nach Siebenbürgen auf der ConununicationsstraÄse 30 Meil 
Wegs betraget, so könnte man die Bucx?owina ihrer Lage nac^h weder ganz an Gallizien noc^h 
aach sie ganz an Siebenbüigen einverleiben. 

5. Wenn die Bueeotcitta nicht ganx oder an Gallixien oder an Siebenbürgen ineorpo- 

rierl trerden kanHj wie fcüre allenfalls davon ein Iheil an Gallixien und der andere an Sieben- 

bürgen xu geben? 

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76 Polek: 

Ans voninjr<'finirton B«nvc;^»Tüiulen müsst«^ (lip.s<\s I^ind nach der Nsitur i^einpr I^pe von 
«h»r ^alli/.is<'ln'n ürenz«' bis an «im MoMaiuT Fluss.an (Jallizien, «Icr ii)»ri<<e Tbcil aber vom Moldau- 
llnss aiiir«*fan«^«'n l»is an dio Siob»»nl)iir;^T <Jr»'nz(' an Siobt^nbürj^n ab«^'^»ben wenlen. wurnaHi 
li'tztcnT Tlioil ohnjrefabr 1500 Fanülion enthalten dörfte. 

WiM'len «las hi»ht' (Jehii-jr«' M Wal Saky (Walesiika) anfanj^*t und an dem I)uraj^-Bi*r»r di»- 
^inuize naeh Siebenbün^'n hin laut«'t, so kann die neue siebtmbürjjisehe Grenze bei Wal Siiky im«i 
Ka|n) Kndrouli (Kajx^kMdndui) anfanp'n und an dem reehten Ufer der Moldawa bis Waimna fort- 
laufen, web-lus Ort aber aus d«'r Ursache, dass sobdies «lern MonasÜT Moldaviza zn;^»hön't Iw-v 
der Hueeowina zu verbleilwn hätte. Sodann ziehet sieh die (irenze mit dem eanieralisehen KiiD- 
|)«»hin«;er Ok(»l (Bezirk) bis an jlie siebenbürj^isehe (m^nze. 

Hei «lioMT <in'nzseheidunf^ würden folj^nde Ortschaften an Öie!)enbür«^*n konnuen: Wall»* 
Saky, «b'm Klo.ster .Slatina in der Moldau p'hörijr, 
i'n\M\ Kndrouli, M^nastiT Won>netz, 15uk Soja (Hukschnja), Fratin ] 

(Frassin), Stulpicani, Masijrin (Mazauajestie V) nebst noch einij,'en in ' «*1^' <**'*" Khrst*-r Wor^ 
(;c!,ir- zcrstnMiten Häusern. ' "^^' zutrehr.n- 



«lann Kim|H»lun<r, Sadowa, Poseritt^i (Pozoritta), Fond M<4davi (Fundul | alle k. k. zu dem M'Jdau'T 
Moldou'i). Czakaniest (('zokanestit'). JakolxMiy mit Doma Kandreni j KimiH)lunj:iTOkol^'h»".ri^' 

Die Trsachcn und Umstände, welche bei «liesem Antnif^ zu Envü«runj^ vorfallen, son»! 
f«il«rcn«le: 

(f/ Weilen der an Si^'benbüi^ni kommende Theil zur ( rn^nzeinrichtun«: gelej^en ist. un»! 
das 2. wallachi.st'lic Si<'benbür;xer K4'«ximent an^^renzet und ohnehin si-hwach ist, so würden in dcuh 
M»lbcu uu'tt4'l>t Ausr(»ttuui,' der üi>erllü.ssi^'cn Waldun«ren 2 Uumpaj^^ien, wo nicht jetzo, ibw-b mit 
der Zeit ni«-ldi<h dotiert wtTilen können. 

hl iJei dem Um>tantl alnT, wo nur allein der Moldauis<h-kim|H»lunj^T Okol ein ( iuiK-raljnit 
i.•^t. fol;^dicli dersellM' au«*h nur (Jn*nz<lotierun.i,' verweiulet werden könnte, und der Allerhüchste Hef 
zur Veruiehrun;^ des Stands der si«'benbür^is«-hen On-'uzmiUz einen Aufwand «hm-h Erkauftmir v«.r- 
benieldter. dem Kl^•^ter Slatina und Woronez zu;^'ehr»ri^'en I)orfs«-haften zu machen nicht «^^»nn«'n 
sein «lürlt«'. s<> kr>nnte in olH^^'dachtiMn Okol derzeit nicht mehr als eine Comiüi^iie dotiert wer«len. 

r) Wi'un, wie zu venuuthen ist, auch anian«jrlieh das I^ndvolk zur Gri'nz nicht in«*linien't. 
so würden sich d«K-h von dem 2. walla<-hiscl»en K4\i,n»H*'nt4' mit Verj^'itung einij^T Uebersiedliinjr^ 
kosten verschied«Mie Familien fnnwilhV in diesiun Okol umso ehender übersetzen las^»n, weil eine 
ziemliche Anzahl <lii*si^s Kej^iments st'hr schwach und zum Theil ^^it nicht dotiert ist. welche den 
alten Einw(»hnern zum Beispiel dienen wünlen. 

4. Wie solf dir (Ircux ton der Buccoiviita \u \ichen und die Siehcrheit an ttenfn 
(irni\tn \ti rcnichaffcn sein'f 

Es ist iM'H'its im erst«*n Abschnitt gt\s;i«rt worden, dass die Grenze von Dnister bis an 
den Moldaulluss lla<-h und (»tlen und weder nut Gebirgen mn-h mit Wassern j^^decket ist. Au> 
dies^MU <inni«le kann si<h daselbst die (m^nzeinrichtun;i: jre«^*n das türkiwhe und Moldauer (iebit-t 
nicht w<Mter als auf die Pnievari«ationen, Emi^n^ationen, das Pestübel und <üe Viehseuche t-r- 
stnH-ken. In b«sai:tem Abschnitt wunle auch an^^'i'zeij^, dass das I^andvolk in den tn.»birj»ea zur 
(iDMizverwachun;,'^ beii,'ezoj^'n wonlen, welcJi<\s unter der Direction der eonimandierbm Ober- uwl 
Unter »flicii'rs und <iemeinen des 2. (ramisonsivpments willig und unverdrossim gedienet hat Es 
war«' al<o mr.^rlirh die diesnüligi» Dienstleistung zu enveitt»m und solche auf dem platten lümk' 
elM'umäs'sig einzufidm'n. W(»rzu 

n) <lie nächsten. üImt 4 «mUt 5 Stunden weit von <ler Graniz nicht abgidegi»nen Dörfer 
aulanu^lich ]M»igiv.«Hj:en werden kimnten. 

h) Dem l^mdv«>lk kann dieser Gn'uzdienst ang»'nehra ginna<'ht werden, wenn der mitD*y- 
heude Mann von den oneribus publicis, als da s^'ind: Str.i.ssen-, Gemein-, aerarisch imd {rnhlikt' 
Koi.nten. befreiet wird, webher aluT die ('«mtribution im«l «lie herrs<*haftlichen Prastanda wi*' 
anden^ zu entri«-hten verbuntb'U wän». 

r) Aus di«'s«Mn l-uidv<»lk liessi» sich nach imd na<-h eine Landmiliz erznglen. die mit der 
Zeit in ('omi«ignien eing^t heilt wenlen könnte. Vielleicht wünle sich das Volk auf diese Art mit 
der Zeit und in sjȊtem Jahnm zur Grenzmiliz herl)eilassen, wenn es nur an der Dotierung nicht 
.nuanglete, wozu zu gelangen der einzige Ausweg darin bestünde, wenn denen (icistUchcn der 



Joseph's II. Reisen nach 6ai>izibn und deu Hükowina. 77 

Antrag gesrheheto, ihnen ihre Güter abzukaufen, wie solches unter dem Al>8<-hnitt von der (leist- 
li<*hkeit des mehrem ausgoffihret werden wird. 

ff) Die zwei Libenzer- (Freiwilligen-) Coniiwgnien, die derztMt zwar ni<-ht, jedoch damals 
erfonlert werden, wenn die Trupj)en wieder naeh dem Beispiel des Jahr 1778 ausser Land niar- 
sf^hieren sollten, können in gar kurzer Zeit in dienstfertigen Stiind gesetzet werden. 

Die (rrenzbewaehung unter Beiziehung des liandvolks erfordert unter 4 Abtbeilungen, 
nämlich von Dnister bis zum Prutli, von Pnith bis zum Sireth, von Sireth bis zum Moldau- 
Huss, von Moldaufluss bis an die siebenbürgisehe Gi-enze 4 Oflieiers, 16 Coqwrals und 360 (ic- 
nieine sammt der Ablösung der obligaten Mannschaft, wo sodann ein Geuieiner jederzeit in 
Cziirtiiken am Cordon sein müsste, der zweite aber in dem Dorf <les Cordons im Quartier zu 
htehtHi hätte. 

Die bierzu erfonlerhchen 4 Officiers würden aber mit Rüeksidit auf die Si»rache und Grenz- 
bebandlung in den walla<^hichen Grenzen mit gutem Vorbeda<'ht ausgewählet werden müssen, an- 
envogtMi hierauf (las (iründliche ankommet. 

Um (Muestheils die ('zartaken und Oimmunicntionsstnussen aufm CV>rdon innner in gutem 
Stande zu »»rlialten, die (in^nzjwsten mit Holz zu vei*selien, anderntheils alKT die Mannschaft nacb • 
(K'Hi l)i«»nst|K)sten des comma näherten Officiers aivs ibren Wohnorten auf ihre Bestimmung- zur 
Dienstleistung herbeizubriugen, so wiire zu jeder Abtlieilung ein Gn?nzc4)mmissarius mit einem 
monatlifh(?n iSold pr 20 H. erforderiich, wogegen die vorhin mit 1 H. täglich angestellt gewesten 
Gn^nzi-oramisfarien abzuschaffen kommen. 

Aus dem Beweggnmde, dass die Cori^inden und Gemeine oder in Czartaken oder in denen 
dazu gebörigi'n Dörfern innnerbin stehen bleilx^n nuissen, und sie in dem Inneren dieser Dörfer 
iA\T Aneifenmg der Mannsebaft in «ler Dienstbegierde und zur innerlichen r>kononu'schen Verbes- 
s^nmg, dann Civilisierung verwendet werden wollen, erachtet man allenmtiTtbänigst, dass dem 
( orpondn täglich 2 kr., dem Gemeinen aber täglich 1 kr. zu seiner I/dinung zugeleget und jedem 
3[ann «las Brodgeld erfolgt werden könnte. Anfangs würde beim l^mdvulk mit der a 6 kr. an- 
gi»fangeneii Ver})tlegimg fortzufahren nothwcndig sein, nach der Hand nlwM' allenfalls auch diese 
auf iU*in Verpflegsfuss der übrigen Gn'uzmiliz gt^setzet werden kimnen. 

Nachdem sich in der Bukovina viele Dorfschaften befinden, die theils selbsten mit der 
Mt>l<laii vermischt sind oder aber ibre Gnmdstücke in jenseitigem (lebicte liegiMi baben, und sie 
dahen) einestheils bei Hereinfühnmg ihrer erbauten Früchten un<l des Heues von den Mautbeamten 
«^»kränkt worden sind, sie auch von dem erbauten eigenen Product die Mautgebühr halwn ent- 
richten mÜ8.sen; andererseits aber, wenn der Post- oder Viehseuche halber der Cordon gesjn^rret 
wünle, sie von ibren Gnmdstücken zugleich abgeschnitten werden müssten, so entstehet die 
U^gründete Beis<jrge, dass diese I^eute, die doch dem Staute wie andeiv die Contribution und son- 
stige Abgaben entrichten, aus vorgedachten FrsachtMi sich nicbt mehr erhalten kr»nnten, folgsam 
ihre Hänser zu verlassen gedrungen wären, wodurch sowohl Unterthanen als die Contribution ver- 
l(»n»n giengen. 

Es lässt sich keine Vertauschung derleiger Grundstiu-ke veranlas.sen ; weilen alwr dem 
Staate daran liegt, diese vermischten Unterthanen nm-Ii ferners zu Indialtt^n, so erachtet man das 
Biv^te zu sein, derlei Dorfschaften und überhaupt die schmal ausgehenden Winkel nach der Moldau 
von dem Maut- und Sanitätscordon gänzlifh auszuschneiden, damit sie zu aller Zeit ihrt» Grund- 
stücke ungehindert benutzen können. 

a) Die eigentliche (irenzlinie wird aber jederzeit in der besten Evidenz gt^halten wenlen. 

b) Bei den ausgeschnitten werdenden Dörfern wäre für den Maut- und Sanitätswrdon eine 
neue IJiiie zu ziehen, an welchen die Contumazen und Riistcls, dann die Wohnungen der Maut- 
l>camten ihre Bestinunung zu erhalten haben. 

r) Wenn die ausgeschnittenen Dörfer einige Pmduchi in die Bukovina zum Verkauf bringen, 
mÜ8S<*n sie nicht nur die Mautgebülir entrichten, sfmdem auch bei gt*sj)errtt»m Cordon sich den 
Contumazen unterziehen. Nur die selbst ei7.eugende Pnjducta vcm IxrlM»nsmitteln wären von der 
Mautabgabe zu befreien, von welchen elwm der Landmann die k. k. Abgaben herholen nuiss. 
Willen er den Absatz stnner wenigen Producten in der Moldau nicht findet, nach dem Beispiel 
deren an die Wallachei in SielM'nbürgen angrenzenden C'alliba^chen. ^ j 

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78 * Polek: 

J. TfVw/i fler Distrirf milUüriüch bliebe, fräs für eine Grundlage /rare xur Grenx- 
in ilix einx nieitni 'f 

Im ersten A}>«<*huitt ist schcm anj^zeigt worden^ (l»88 in «kn Gebirgen zur Gronzbewarhno; 
gingen Bezahlung tiigliclrer 6 kr. Verpftegnng jiinge licute beig«zobtin wcHTtlen, und der 4. Ab- 
schnitt cntbaltt»t, «biS8 diese Dienfttleistimg erweitert, am^h auf dem jiktten l^nde eingefiihjnH uml 
die näehsten ii})er 4 oder 5 Stund weit von der Grenze nieht abgelegenen Dörfer zur Grensbewa- 
ehung Ix'igezolien werden könnten. Aus diesem Gnmde lässt sieb sebliussen, dass eine I^ndmiliz 
zu erzüglen und selbe mit der Zeit in ordentliche Compagnien einzutbeilen möglieb sein wenle. 

l)ieB<\s wäre die (Jrundlage, aus welcher, wenn das Volk den Militärdienst gewöhnt haben 
wird, in spätem Jahivn eine (Jla'nzmiliz erzielet werden könnte. 

6. Wenn die Biickotina mit Beixiehung des lAindroiks rertcaeht icird, so entsteht tfif 
Frage, irie riet Militare an noch allda nöthig sein werde? 

Wenn der Theil zwischen dem Moblaufluss und dem Triplo Cünfinio an Siebenbürgen ein- 
Vf'rleibt wini, so wänni von dem zweiten Garnisonsregiment 6 Conipagnien binn^icJiend, wovon ein 
Stabsofficier mit 2 Conipagnien in Cz<'nn)vitz, 2 Compagnicn in Sireth und 2 Comiwgnien in Sh- 
czav.i I)equartieret werden können; verbleibt aber obgedachter Theil bei der Buckovina, jw siinl 
annoch 2 Comimgnien nacher KimjKjlung erfonlerUcb. Die übrigen Com}>agnien könnten sonach 
sanimt dem Stab nach (Jallizien, am bequemsten in Snyatin, Horotlenka und Szaleszik, veriejrt 
werden, um auf alle Fälle in der Xiiho zu stMU und die Communication ohne Beschw«?rde zw un- 
terhalten. Cavidlerie ist zwar derzeit in der Buckovina keine nöthig, auf den Fall abt»r, wenn mit 
dem CavallarischtMi R«'montierungseommando eine Änderung zu tn^tfen befimden würde, könnte ein 
Kscadron Husaren ans (Jallizien in die Buckovina verlegt werden. 

7. Soll die Ökonom isc/te Mappierung rorgenommen tcerden, oder tcas kann anstatt der- 
selben geschehen? 

Aus dem Grunde, dass dennalen in <ler Buckovina nur der Kimpolunger District mit denen 
»S Städten Czernovicz, Suczava und Sireth landsliirstlicb ist, hingegen das sämmtliche übrige Erd- 
reich denen Grundberrt^n zugebriret, der Unterthiin aber nicht eine Handbreit eigenes Erdieich 
I)esitzet, sondern lediglich Ftdder und Wiesen von densi'Ux'n res|iective in Pacht bat, biemächst 
einer jeden erapricsslicben I^mdeseinricbtung, dessen ökonomische Aufnahme vorangehen solle, hat 
General Enzenberg die (ikonomische Mappienmg, welche das Terrain naeh der Classification der 
Cajmcität mit allen ökonomischen Betraehtungen anzudeuten hätte, als sehr nothwendig vorge- 
stellet und dabei bemerket, dass er, wenn ihme die Hauptdirection ülxjrlassen und der bereits in 
der Buccowina befindliche Hauptmann Scherz des gi-ossen Generalstab mit andern gesehicJcten 
Officiers ihm zugege])en würden, mit 12 Messtischeln in einor Zeit von 12 Sommermonaten mit 
der Mappierung fertig zu werden verboffe. Es kommet mithin darauf an, ob diese Mappienmg, 
deren Nothwendig- und Nutzbarkeit nicht misskennet werden mag, nach dem Genenü Enien- 
hergischen Antrag vor sich gehen, oder ob aus der Erwägimg, dass die Mappienmg Kosten ver- 
ursachen und <Iabei auch ncK^h viele Zeit verloren gehen würde, anstatt der Mappienmg etwa die 
Fassionseinreicliung nach dem Beispiel Galliziens auch in dem Buctx)winer Distri<!t angeordnet wer- 
den ^olle. Hätttj das letztere zu geschehen, so würde sowohl 

a) der Adel als dit) Geistlichkeit zur strengstem Fiission ihrer Besitzungen von I^mleieien. 
Schankliäust?rn. Mühlen, Fischteichen, Zehenten und Proventen von Unterthanen dörferweis mit 
'namentücher Benennung der Familienväter zu verhalten sein. 

bj Cm die Fai^sionen so viel möglit!h richtig zu erhalten, nulssen die Caobmten mit der 
Confiscation des verschwiegnen werdenden bedrohet und bei diesfälUger Betretung und üeberwei- 
sung mit der hall)en Einziehung zuverlässlicb bestraft wenlen, von welcher Strafe dem Üenun- 
cianten zur Belohnung ein Drittel zu bestinnnen wäre. 

c) Der Adel und die Geistlichkeit müsste femers verhalbm wenlen, dass stdbe ihn* schrift- 
liche Urkunden, Donationen und Privilegien mit den vorgedachten Fassionen zur Einsicht ein- 
reichen, woraus sich veroffenbaren wird, ob sie ihn^ Gninde mit Recht bt^itzen. 

d) Zur Einreichung ihrer Fassionen und Beibringimg der schriftlichen Urkunden, Privile- 
gien, Donationen u. s. w. wäre ihnen ein Teniiin, und zwar vom Tilge der Publication an ge- 
nM'bnct, auf 6 Monat einzugesUdien. ' ^ » 

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JoaBPH's JI. Kkis£n nach Gamzien und der Bukowina. 79 

Zu diesem Abschnitt gehört noch oin wesentlicher Gegenstand, derjenige nämlich von der 
im Bnooowmer District ebenfalls noch emuinglenden Jjandsconscription, die ein Geschäft in sieh 
b^^ivift, welches der Systeraisierung in der Buccowiiia voranzugehen hätte, um hierdurch den Fa- 
milien- und Seelenstand, so derzeit noch nicht verlässlich hat erhoben werden können, in die Evi- 
denz zu bringen. 

Nach der Meinimg des Generalen Enzenberg soll die Conscription annoch heuer vorzu- 
m^hmen thunlich sein; in dem Anbetnu'ht aber, dass das Volk gar zu sehr argwöhnisch ist imd 
sich beifallen lassen dörfte, man habe die Absicht, einstens Recruten auszuheben, findet General 
Enzenberg fiir nöthig, den zur Conscription verwendeten Officiers zu ihrem Nachverhalte eine be- 
wmdere Instruction zu ertheilen, vei-möge welcher sie und ihre Untergebenen dem liandmann bei- 
zubringen hätten, dass die diesfölUge Conscription auf Verminderung ihrer geleisteten Abgaben und 
die unentgeltlichen Robote abgesehen seie und weilen sie zum Theil scJion die Grenze mitverwachen 
helfen, welcher Dienst ihnen allein obliegen würde, sie keine Recrutenstellung zu befahren habt-n 
würden. 

Ob nun zur Vermeidung sowohl der mit einer sogestalten Conscription verknüpften Weitläu- 
figkeiten als der hieraus flir die Zukunft entstehen könnenden bedenklichen Folgen nicht etwa 
aueh der Populationsstand durch die Fassionienmg der Obrigkeiten dei*malen in die Evidenz zu 
hrinj?en imd etwa erst nach der Hand durch das Militarc aber die Rectificiition vorzunehmen sein 
könnte, hängt von dem Allerhöchsten Befund nb. 

S. Wie ist die Steuer in der Biieeowina in vorigen Zeiten bestanden, und was träre t)ei 
der neuen Systemisierung für ein Steuer fuss einzuführen? 

In vorigen Zeiten bestünde der Steuerfuss in nachfolgenden AbgalK*n, weh*he auch seit der 
Besitzmdmumg bis anhero pro aerario sind eingebmcht worden, nämlichen : 

An Contribution. 

Ein Bauer aus der Stadt o<ler Dorf zahlt jährlich, er mag viel «xler wt»uig Felder besitzen, 
für «lie Familie 2 fl. 30 kr., ein gixxsser Kaufmann 21 fl., ein gt*ringer 9 H., ein mittlerer 4 H., 
ein kleiner 2 fl. 30 kr., ein Schliacht (StMachtschitze) oder der geringste E<iehuaun 4 fl., ein Ar- 
menier 4 fl., ein Kallarasch (berittener Amtsdiener) 3 fl. 45 kr., ein Jude 5 fl., ein Langiirar o<ler 
freniiler Zigeuner 1 fl. 30 kr. 

An Quostina (Gostina) oder S<'haizehent. 

Alle jene, die in Buccowiner District wohnhaft sind, nicht minder jene aus den benach- 
Imrten k. k. lÄndem, so ihre Sithafe und Ziegen in diesem District haben, bez;ihlen vom Stück 
5 kr. ; diejenigen, die derlei Vieh entweder im Winter oder im Sommer ausstM* dem District halti'U, 
zahk*n von Stück 3 kr.; für ein verschwiegen Stück Ix^zahlt <ler Eigenthümer 1 fl., wovon <ler 
Fincler 30 kr. und das Aerarium 30 kr. bekommet. 

Desetina oder Schweine- und Bienenstockgtdd. 

Die Bauern bezahlen von SWick 12 kr., die Monasler (Klöster), Bojeni und Massiln (Edel- 
leute 2. Grades) 67« kr., die Ruptaschen (fMelleute 3. (irades) 6 7* kr., was selber meJir hat, 
«Ihh Stück 12 kr. Wie die Rnpta8<*hen, also zahlen auch die Popens, Dincons und (Jericbtsdiener. 
Von verschwiegenen ist die Stnife wie bei den Quostina. Dann zahlt je<ler Eigenthümer Tür seinen 

Namen 6 kr. 

Solarit oder Salzgeld. 

Die Dörfer des Czemowitzer Districts zahlen hielür jährlich 500 fl., welche vorhin der 
< Jran<ll«ig<>fet (Kanzler) in Jassy empfangen hat. 

Vulpu Kretschunului oder Weihnachtsfuchsbalg. 
Obge<la<*hter District Ix^Zcihlet hierjin als ein ehehin gewöhnlich gew«'st4\s Praesent für den 
Stanzten jährlich 620 fl. 30 kr. 

W'ek-he beede Posten stMt der Bt»sitznehmung <lem Aerario venvchnet worden sind. 
Vorerzählte Abgabt^n haben derzeit jährlich abgi»woif«»n, nämlich 

«Ue Contribution 50.200 fl. — kr. 

(2n«ietina 23.500 ,, — „ 

I)e*»etina 16.700 „ — „ 

,] Si^hiritgelder 550 ,„— „ 

mV Neujahrfnchsbalg •Digitizfe^^y VJ6)Q^ 

Zusammen . 91.571 fl. 3Ö krf 



80 Polek: 

Diese Scbuldij^keiteu leiten ihren Ui-sprung von dem Moldauer Pachtfürsten her, und dj^ 
Extraabgaben, die der vorbosagte Fürst willkürlich auRschreiben konnte und außschriebc. haU'n 
noch viel inehrers als die Steuerabgaben betragen, da nach den eingeholten Berichten der Baupr 
jährlich 13 fl. bis 14 ti. und diesen Betrag in 13 (?) Terminen hat bezahlen müsstm. Auch ist fs 
gar wohl bekannt, dass in der Moldau dt^nnalen der venuöghche Bauer, welcher zugleich eioen 
Handel treibt, des Jahrs 70 bis 80 fl. dem Fürsten cnti'ichten muss. Solcheranach sind *lie Bn- 
kowiner Unterthanen unter der diesseitigen Regierung mit Geldjibgabcn nicht U'driickt worden, 
sondern es ist vielmehr ihnen Zeit gtdassen worden, sich v<jn der I^Äst des Kriegs und der hieraus 
erfolgten gänzlichen Verarmung zu erholen, sofort sich wi(»denim mit hinlänglichem Vieh als «lern 
Hauptnabnmgszweige zu versehen. Hingegen raüs8t»n deiinalen die Bauern nebst dtT Contribulii'H 
im Gelde (zu) Magazin-, Mühlen-, Spitäler-, Officiersquartiere-, Kirchen-, Schulen-, (jcfangiiisse-, Kalcb- 
öfen-, zum Stall- und an<leam Bauwesen wie auch zum Brücken- und Sti-assenbau Hand- und Fidir- 
robatcn unentgeltlich leisten, wofiir ihnen wiederum dadurch eine Erleich tenmg zustattt^n kommt 
dass sie ihivn (Jnmdherm jährUch nur 12 Robatstäge zu arbeiten schuldig sind, also mussi;,'»^ 
Tage genug vor sich haben. 

Noch eine andere Contribu tionsen trieb tung besteht derzeit in <lem kaiserlichen Heu, w<4cli«*> 
m vorigen Zeiten nicht bestanden, sondern ei*st von den Russen eingefiihret worden ist, und <li** 
Moldau gegen Zurücklassung der Contribution für die nissische Armee bis ad locum dereelbtu 
verschaffen o<ler solches zmn Theil im (ielde i>?luieren musste. Aus dit^sem Gnmd sind unserer- 
seits pro anno 1775 an derlei Heu 9.130'/, Falschen (a 2880 DKlaft. = 10.358 Dieter) au:^ 
gf^schrieben und gemacht worden. Vor gedachte Heumachung, wt>zu der (irundhorr das Wici^^nfvld 
hergeben, <ler Bauer aber das Heu erzeugen imd bis an den beistimmten Platz unentgeltlich zu- 
fühivn musste, ist amio(^h das abgewichene 1779tt^ Jahr vor sich gegangen, in welchem ^-il'C» 
Falschen eiv^eugt worden sind.' Nun hat sich aber bei der l)eträchthchen Ansiedlung und dem 
Zuwachse an Vieh erwiesen, dass die diesfiillige Heuerz<»ugung und dessen unentgidtliche Zufuhr 
zu den Okols und Ställen, wo Rimonten shdien, dem I^ande äusseret nachtheihg untl beschwerlich 
fallen, wessenthalben das IjJind einstimmig angi'boten hat, dass jede steiierbare Familie anstatt 
besagtem Heu, dann dessen Zufuhr und ansüitt dem Stallbaue jährlich 1 fl. dem Aerario l»ar 
entrichten wolle, nebst welchem jede Familie auf Stallrequisiten und das eifoi-derliche Stn»ustrt»h 
jähriich 5 kr. entrichtet. Da aber die Nutzung dieses sogt»nannt<m kaiserlichen Heues eher nicht 
bestanden, sondern nur von ilen Zeiten der Russen den Anfang genommen hat, so winl es bei 
Verfassimg des neu(»n Steuerfusses auf die Allerhr»chste Entscheidimg ankommen, ob das für s«^- 
thanes Heu friM willig angebottMie Genus der Abgab, nämlich von jeder steuerbaren Familie jährhch 
ein Gulden, angenommen uncl pro tienirio eingebracht werden ktmne. 

l)i(»s sind die Abgaben und sonstigem Prästatitmen, die dem Bukowiner District zur Schid- 
digkeit.bis itzo aufgelegt wan?n. Nachdem aber bei dem Stnht^ quo nicht mehr stt^hen gebliel>»'n 
werden kann, weilen hierunter nicht nur Ungerechtigkeiten unterloffen sind, sondern auHi di*' 
Einkünft*»n mit kostsphtterigen Aufwände hereingebnicht werden mussten, so ist fiir das Aeranum 
wie für das Gemeinwesen nothwendig, <lass ein neuer Steueri'uss verfasset weide, venuög weh^h*'«! 
von dem vorhinig<*n St«»uerfusse gänzlich abgegjmgen und die (Kontribution auf die Cajmcität d^r 
Gmndstücke gelegt werden muss. 

Bei dem 7. Abschnittt^ ist schon gesagt W(n*<len, dass die (irundhi'mi ihn^ Fassioihii »'in- 
reichen sollen, nach welchen die Steuer radiciert werden wir«l. Ks kiumte also der n«Mie Steuerfu^»^ 
nachfolgimdi'rmassen ivguheivt werden. 

9. (iristUfhkrify Adt'l oder (inmdhvrrcn. 

Die Grundhemi haben ausser der (^uostina und Desetina ]»ishero nichU entri«*htet, v..n 
welchen Abgjiben sie anitzo zu dis^Hmsieren känuni, dag«*g»»n hättiMi sie nach den einreicht*ndtii 
Fassionen v(m ilircn eigenen Proventen jährlich 6 ])ro ceuto ('(»ntributinu zu entrii-hten. 

a) In (Jallizien werden zwar 12 pro (vnto bezahlet. nachd«'m aber die Buct-owiner keinen 
Vei*schleiss ihren Product(»n und sonsten nicht viel ein«^iiommen haben, so winl enu'htct, da-> 
si«' derzeit nur mit 6 pro cento zu belegen wmu döiften. 

l)) Auss4M* der Coutribution pr 6 pro cento hätt<» jeder GnmdheiT zur Unt+Thiiltung d-r 
Landsiidmiiiistratiou auu(M*)i 2 pro (vnto abzulühivn. 

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JosEPH^s II. Reisen nach Galizien und der Bukowina. 81 

r) Wenn sü» (fnindstiicko und Wilson flir sicli solbskMi benutzon, inüssten sie deren Ertiii^ 
in die Fassion einbrinj^en, tKler es müsste von <lensell>en eine massige (Vmtribntion, auf den Koretz 
(1*236 Hektol.) ^ertM-hnet, ab>,n^fordert wer<len. 

fl) Weilen der (irundlierr^ zu fassionieren hat wieviel Felder und Wiesen der Bauer be- 
sitzet so wän' aueli <lem Grundherni wie in (iallizien die Dalurhaftunj? für die riehtige Abfuhr 
der Omtribution aufzutni^ren, womach die Gehhibj;rivben jährlich in 3 ratis zur~Steuere<'i8sa und 
zwar Vs "w November, Deivmber und Januarius. Vs ^^ Febr.. März und April, Vs ^^ ^^^^ Sommer- 
monatx'n abj^^fühn^ wenlen nulssU^n. 

r) Die Edelleute können sicli umso wi'nij^er »ler ( ontribution entziehen, weil sie solche in 
d«'r Moldau el»enialLs entrichUm müss<'n. 

W. Bauer- nnd gemeinrr Sfand. 

Der Bauernstand entrichtete die Kontribution von den inhabenden Feldem und Wiesen 
mieli ttirer Classification, und man erachtet dass <ler Koivtz ersten* Classe mit 20 kr. zu belej^^n 
»ein wenie. 

Ausser der auf die Felder und Wiesen radicierti'n Kontribution hätte jedt* steuerbaiv Fa- 
milie, wenn Euer Maj»*stät das obberührte lleureluitionsoffertum beizubehalten befanden, fiir das 
kaiserliche Heu und den Stallbau, dann auf Fuhrlohn zu entrichten 1 fl., zur Unterhaltunf^ der 
StallriHjuisiten und Anschaffunj^ <les erforderli<dien 8treustroh 5 kr., wovon sich auch die Zujr- 
j^si'hirre in den Marschstitionen werdcm erhalten lassen, zimi Unterhalt der liHndesadministration 
lind auf I)istrict*um<^'lej^»nheiten 55 kr., auf Erbauung der Militirquartieiv, Spitäler, Kasernen 
untl flir die Administrationsparteien 30 kr., zusammen für jede steuerbaiv FamiUe jährlich 2 tt. 
30 kr. I)a«^*j^n wür«len sie von der Quostina und Desetina befn'iet. 

//. Bürger und f*rofe.saiom'i<fen. 

Die in der Bukowina befindhche Burj^'r und Pitjlessionisten, die ausser ihren Häuseni 
keinen Feldbau besitzen, bezahlen jährlich Pi-ote<'tionstaxa 3 fl., auf Districtsaus^lxui 2 fl. 30 kr., 
dann eine der Vers<"hiedenheit ihres Nah nin^sbet rieb anpassende GewerbstMier, wovon diui eigent- 
liche (.2*i^wtum in loco zu bestiimuen untl anzuzeififen wäre. Jene, die keine Häuser hal)en, be- 
zahlü»n au Protectionsüixa 3 fl. und obj^i^dachtt? (iewerbsteuer. 

12. Maagtlü, Rupfaschen und SehliaMen, (d. i.) kleine Edelleute. 

Diese* würden in Anst^huiig der (Wtributiou von Feldem und Wiesen, dann sonstij^^n Pro 
v«»ntA'n wie die Klöster und Edelleute und anden» (iiundherm behan<lelt und hätten also 8 pnj 
o'uto zu entrichten. 

73. Rui<si»ch'khni)olungcr Okol. Moldau iseh-ki in palunger Okol. 

In der Rucksicht, da.ss diese 2 Okols kein (retriMde bauen k(»nnen, und sie bloss vom Vieh 
l4d>«*n inüss«»n, wäre ihnen nur die halbe Kontribution die in der Bukowina festgesetzt werden 
winL aufzulehnen. Die zu andern Districtsnothdurftc^n für jede stenierbare Fmnilie angetragenen 
2 11. 30 kr. würden sie aucli nur zur Hälft» entrichten därfen. 

l>t»r Rus8is<-h-kinii)olunger Okol i.st seit der Besitznehmung gegen vorigi» Z«'iten mit Ab- 
g-a>>«^n zu sehr übersetzt gewesen und dahero ann, woma(^h der neue Steuerfuss ihivtwegen nicht 
wohl ülH*r eine den Betrag von 1000 Du<*atcn ülx^rsteiginide Ausmessung bestünmet werden kann. 

Der Moldauiseh-kimpolunger Okol stdiet hingegen ann<M-h bei Kräften; es könnte ihme 
«lalw?n» die Unterhaltung der C<»mmunicationsstras6e, die durch den Okol hing^'het, zugemuthet 
irt'rtleii, insoweit dabei Handnjbat'n erfordert werden. 

14. Kauf' uml Ilaiulehleute. 

Im türkiwheu Gebiet zahlet der handelnde Annenier jährlieh 3 Ducaten. In <ler Bukowina 
tra^ mau <lie Contribution folgendermassen an : die erste Class mit 10 fl., die zweite mit 7 iL, 
i\w dritte mit 3 fl. 

Zu den Districtsnothdurften zahlet" jede behauste Familie 2 fl. 30 kr. Wenn sie Grund- 

•itfK-ke besitzen, zahlten sie davon Steuer wie die Bauern. Die keine Häus<T hal>en, l>ezarfnteB^»uivl^ 
.-. .. , . 1 1 . r, . M .. .111 litized by V^niJVJViC 

ili*' Pn>ttH'tionstixa jir. 3 fl. nebst vorgedachter Contribution, wenn sie handeln. O 

6 



82 Por^K : 

S*jlite in Suczawa eine arraenische Colonie zustondc kommen, so könnte mit derselben üWr- 
baiipt auf ein Pauschquantnm pr a 3 Ducat«'n pacti«*rt wenUm. zu welcher S<-hätzunj: sie >i-L 
an^'1x>t»^n halx^n. 

15. Zigeuner, Vn{)i tjcnanni. 

In d«T Riuksieht djiss nie vve«,'en ihr«*n IV<>lertrtiomni derzeit im l)istriet<» n«^b nieht zb 
entlM»lm'n seind, hätte ein jeder dei-si^ln^n mxh fenierliin jährlieh 1 fl. 30 kr. Steuer und ihiHi; 
Lnij,ninirseapitiin 30 kr. zu (»ntriehten, wtwlureh dessen jährliehe B(?s<»ldun^ pr 100 11. dem Aerari-- 
ei-s|)aret würde. 

IG. Uahry (Uohyl oder Sc/arrn fjruanni, (also) Lcilwigene. 

Diese wän»n mit ihivn Feldern und Wiesen zur Contrihution herhiMZUziehen und wie aikieiv 
Hauern zu In^handeln. l)iejeni«jfi'n, welehe keine Felder In^sitzen imd eifri»ntlieh nur als Kneebt»^ 
dii'uen. iM^zahbm lediglich die l*rot«vtionstiixa jährlieh mit 3 fl. 

17. Skufplnik.^ fron Contributinn befreite Bauern}, so den Hofehargen htirilligef grtrefeu. 

Insoweit sieh ncnh ein oder anderer im Distriet befindet wären selbe alb»rdin*?s wie &• 
Riibry zu behandeln, und deri'U Tit^d sollt kirnfti«^ j^ar nicht mehr jj:i'stattet wenlen. 

IS. Argnnten (ArgatenJ oder Ilofdiener. 

Dies«» wän^n eln^nfalls wie die Riibrv zur SU'uer zu ziehen und deivn femerweiti^ Cn^iiTmi*! 
nicht mehr zu ^'statü'U. 

W. (ierie/tf.s- und Andsdiener, die Panxier. Anlaufen. VmblnUyres ttnd Bamns gt- 
imnnt trenlen. 

Deivn zählet man /^ejifen 200, wonmü^r die mehrerten Bauern sind, die wejren ihn»n uiKut- 
j^ltlichen Dienstböstunj^'U von (b-r (\)ntributi(»n und den Oneril»us pubhcis bishero frei j:eLn'v«#'n 
wor<b»n. Wenn an deivn Sttdle lür jeden der 2 Districten 1k»s< »biete f^'t** ( Jericbtsiliener. nänili<h 
8 zu Pferd monatlieh mit 10 fl. und S zu Fiiss mit monatlich 6 fl., verwillij^t wurden, j^lei^-bwi.' 
das eijrentliche hieriil>er Ix'i dem folj,'en<b'n Abschnitt von der Justiz V(»rkommen wir<K s<» können 
».bi«^» lH's<»blet»» (Ieri<'litsdiener zum Bauernstand pschli^n und in die demselben anfremes.^o»' 
Schuldiji:keiten j^esetzt werden. 

20. Judensehapen in der Bukoritm. 

Diese sollen zu «mtribuieri'n jährlich schuld i|^ st^n : 

1. Jede Judenfamilie, verheiratet («ler im Wittibstande 15 fl., zum Strassenbau 5 fl.. fiiiv 
kais4'rl. Heu das Duplum: 2 fl. 10 kr., zur Tnti^rhaltunj? der I^indesacünini.stration das Triplara: 
2 fl. 45 kr., zum Quartiersbaue und den Kasernen das Quadniplum: 2 fl. Der ein <iewerb treil.t 
o(b'r Wirtshäuser unterhält, soll sich fassionien^n und 15 pn» cento zahlen. Web'her DöHer, 
Mulden etc. im Pacht hat s<dl von <lem Pa<ht4juant4» 5 pn> <-ento bezahlen. Simima der Abjrab^: 
2ß fl. 55 kr. 

2. licdi«^' Juden und die als KutM-htt» dienen, zahlen jährlich ('(»ntribution 5 fl., ?nm 
Strassenbau 2 fl. 30 kr., zu anib'n'u I^indesnotlidurfttni 2 fl. 30 kr., zusammen 10 fl. 

3. Jeder h<Mniteu<le Jud hätte fiir die Licvnz zu heirat4.»n zu entri<'hten 20 Ducaten. 

4. Je<b'r in «»in ancb'n^s I^jukI sich verh«'irat<»nde Judenbub iMler Judt»nniädl s<41 10 Du- 
cat«»n als ein Abfahrt<;ebl zu entricht<'n scbublij^ .stMu. 

5. Die R4\]d)iuer ki»nnten zwar von (b»n Abf,^l)en freij^das-stm wenl«»n, die Kahal«* (Ju<1hi- 
ricbtiT) müsstm die Abgraben wie andere Judtm «»ntriehten. 

21. Paehter und Aretuiatoren. 

Ins4»w«»it si<*h «ler Pachtunj^ halb«»r fnnnib» E(b'll<»utt» aus Pohl«»n mler ru8sis<*he Mark»^ten«kT 
in der Bu<*c*»vina beflndiMi, hätt«'n «lie wirkliclu'U Pachters an CVmtribution jährlich 20 fl. zu ln- 
zahlen, zuj^li»ich auch zum Strassenbau 5 fl. iM'izutni^en : dit»jenip^n aljer, die ihre Pachtung? beivit- 
aufjf'jr^'lHMi halM»n und sich in «ler Bvu'kovina aufhalten, wären mit 4 fl. Protet-tionstaxa und mit 
2 fl. 30 kr. auf Distri<tÄiuisla<?en zu btdi^j^'en. 

22. Einfpringung der Steuergelder. 

Bis;inhero wur«ien di«\s<' (i«d«ler «lurch g«»schwon»ne Massils, die vom Land mit einem Auf- 
schlaf^:«» pr Familie ä 3 kr. lKv.ahl«»t w«»r«len. von Dörfern eollifn<*rt un«l zur Distrii'ts^'assa ein^^ 



Joseph's II. Reisen nach Galizien u»d der Bukowina. 83 

ließ;rt: niminehr^i aber bei <ler neuen Systeiuisienin«;: dürfte nothwendij:^ sein, sowohl in Czt»nio\iz 
als in Suezava an jedem Orte einen Steuereinnehmer mit 2 SehreiKTn anzustellen, welehe das 
Steuemesen in Onlnung zu iiihren, die Gelder einzunelmien und solehe an die l)istriet.seass;i aln 
zufilhnm hätten. 

Die Ki»sti'n der Maf^siLs bei der Conseription Miefen sich jährheh jj^'gen 8000 iL, die ohn- 
la-fiilir die 2 Steuerämter auch kosten würden. 

23. Wie kann die GeisÜirhkeit in der Dueeocina in die ihrem Beruf angemessene Ver- 
fiussung yebraeht und das Schul tccsen eingeleitet ucrdcnY 

In der IJu^xjnna lx»finden sich 26 Basilianerklöster, wonmter ein Fraucnkloster und eine 
Meng»» Welt^^eistlichen. Diese stehen theils unter dem Metn>iK4it zu Jassy vuid theils unter dem 
I^i<^t)viner Bischof zu Riidauz, alle aK'r unter dem Patrian'hen zu ( onsüintinoivl. 

Der (Jeneral Enzenlx^rg belol)et den Bischof zu Ra<lauz als eimn Mann, der in seinem 
Sprenf»el gute Ordnung hält, wohingi»gen in dem Sprengi4 des MetroiM>Hten vermuthlich aus der 
Frsache, weil er seinen Vicarium nach Wohlgefallen schalten lässt, viele (Jebreihen knuerket 
wonlen. Es wäre dahero sehr zu wünschen, dass di»» Absondenmg der Buc^-oviner ( leistlich keit 
von der Sj)iritualjuri8<liction des Patriarchen zu ConstantinoiK'l geschehen und sonach <lie ganze 
Buceonna dem Bisi-hof von Kadauz in Spiritualibus ritus non unti unti^rgeordnet werden kiamte. 

Aus Anhuss des hierül>er bereits mit der Hof- und Staatskanzlei gepflcgenen Einvernehmen 
ist von dersi'llH*n sowohl untenu 15. Decemln'r 1777 als untenn 21. Jäjiner 1780 die Ruckäussi^ 
ning erfolget, dass, weilen die Pforte das dringliche Ansuchen gemacht hat, dass bei ihriT eigenen 
iHw'hst kritischen Lige diessi'its mit allen Neuenmgen, womit ihre eigenen Unterthanen verfitH-hten 
wünlen, vor dermalen zumckgehalten werden m«'>gte, sie Staatskanzlei in Erwägung dess«.>n und 
der Sinnst noch miteintretenden verschiedenen politischen Betracht ungi'U mit dem Antnig, so wej^i'n 
der Kloster- und übrigen Bucrovijier (ieistÜchkeit zu vemehmen geg»'l>en wt)rden ist, nicht in 
Vorschein kommen konntt», womach anden» Mittel und Wege zu suchen nothwi^ndig simu wird, 
die ganz unvennerki; und ohne einer zu besorg»*nden Anstr»ssigkeit die Iw^mts erklärte Absicht 
mit der (JeistHchkcit em^ichen machen kimnen. 

Verraog einer vom Jahr 1777 vorhandenen Erklänmg des Fiirslen in iler Moldau ist dunh 
ihn die Anweisung an <len Metrop>liten zu Jassy ergangen, dass er keine .Jurisdicti«»n willkürlich 
in Ans^'himg der Buccoviner (ieistUchkeit ausüb<Mi imd überhaujit in Ec<lesiasticis nichts «)hne 
der Bu^-eoviner Administration vornehmen solle, in dess<*n Folge der Metrt»|M>lit sich auch erst in 
verwichenem Sommer wegen Bt»S4»tzung der erledigten D<H"hin- und der Igiunenstelle zu St. Illie 
mit der I.an<lesst<^lle ordnungsmässig einvemonmien hat. 

Nach der AussiTung des (Jeneralen Enzenberg gibt sich die (ieistlichkeit in der Buccovina 
vurzfiglich mit dem Wirt.schaftswes<»n und mit Pachtung»»n ab, ist in d«T R^digion selbst sehr 
uoerfiihn»n und sucht daher avu-h das Volk in der rnwissenheit und in dem blmden (Jehoi-siun 
:^gen sie, die (rcistlichkeit, zu untiM'halten, welcher Vorgang der Buccoviner Administratitm in 
<ielegenheitim zum ganz schicksiunen Anlass dienen mag, sow<»hl dem Bischofen zu Riidauz als 
d*MU M»»troiK)hten in Jassy emptinden zu machen, wie unveivinbarlich der Wirtschafts- und Pach- 
tungKb*»trieb mit dem gi'istru-hen Stund und Beruf s*m, und wie sehr es also das Bt'ste der Re- 
ligion fJirden', die (teistlichkeit in d«»n Stand und in die Verfassung zu setzten, dass sie deiM^n 
R*-ligionspflichten nachkommen kimne, mithin auch scIIm» vorzüglich aus denen Sorgen von der 
<rnter\-erwaltung gebracht und diese der politischen Athninistration ül>ergeben werde. 

Der Metn»j>olit sowolü als viele in der Moldau situierte Klr»ster und anderer Adel besitzet 
U»traehtliche Gütt^r m der Buccovina. Ebenso besitzet der Riidauzer Bischof und die Buccoviner 
Mooiisters viele (iüter in der Moldau. Die (Jüter des MetroiK»liten in «l<»r Buccovina un<l jene des 
KiMlaiLzer Bischof in der Mohlau gegen einander ausümschen zu nuu'hen, kann vennuthlich von 
danim keinen gnjssen S<*hwierigkeiten unterlieg»*n, weilen hierdurch der MetroiK»lit ehen«ler ge- 
winnen als verüen^n wird und «las Mittel zur Befriedigimg und Bendiigimg des Radauzer Bischof, 
wenn er 1)ei diesßillig»*n Taus<*h verliiTt^te, sich darum finden lässt, wenn er einen seinen Stmd 
ang»»OH*t^«men Gehalt ab aerario erhält und die Güter landsnirstlu-h gemacht werden. Ist einmal 
drr w»g«-?4talte (Jüteraustausch zwischen dem ^letropoliten von Jassy und dem Riulauzer Bischof 
/:HW<>;^'n fn*bracht, ferner der Biscliof gnhvül'g aus dem Besitz seiner GübT und in einen Aerarial- 



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84 PoLEK : 

gehalt gesetzet, endlich die Administration der geistlichen Kloster^ter in die Hände der politi- 
schen Adrninistratifm übergeben, so kann der weiten» S<*hritt möglich gemjicht wenlen, da.sj« th*' 
Klöster zu dem Verkauf ihrer (Jüter bei dem Patrian^hcnstuhl zu (Vmstantinopel den liicrzu n««- 
thigen Consens selbst ansuchen, und na<'h <ler Hand ein allgi'ineiner Austausch der <fuU'r zwi- 
schen denen be*^dseitigi»n Monasü^rs und Edelleut«'n zum Erfolg gelange, mithin auch überhaujit 
die Buc«)viner und Mohlauer Einwolmer aus der genauen V(Tbindung kommen, in <ler sie jHzt 
wegen diewr (tüten-i^nnim-hung stehen, womach siwlann. falls die Butrovina eine Militargn»nz nvrden 
sollte, die geivstlichen Güt<T zur Dotierung «1er (rrenzer erkaufet und, .soweit sie niclit in der Xäli«' 
der (irenzen gi»legen wären, gegen andere solche (Jiiter ausgctiuuschet werden k<innti*u. die in dir 
Nachbarschalt von <lenen (Jrenzern sich befin<len. 

Soweit in der Moldau wohnhaft«' Klöster und Edelleute (rüter in der Bukovina hal»en. kann 
ihnen zwar weder zu den^n Veräuss»»rung oder Verkaufung ein Tennin anb<»raumet we<ler nach 
dessen Verstreichung auf ihre Pr<»vent<»n eine hidiere Abgabe gelegi»t werden, wohl al^tT s<hein«'t 
08 auswar Bedenken zu s^^in, dass. wie es uut«»r dem 7. Abschnitt schon angetragen worden ist. 
nebst dem moldauischen Adtd aiu'h (Ue (Jeistlichkeit in Ansehung ilirer <liess«»its habenden B«'- 
sitzungen die Fassionen unter Pro(hi(ierung ihn^r schriftlichen Urkunden, Privilegien, I>onatioDen 
u. s. w. einzun»ichen, di«' Anweisung erhalte, wor.uis sich veroffenbaren winl, ob sie aararaentlirb 
ihre <iüttT mit R<H-]it iM'sitzen imtl nicht ein oder anden»re vom Fi\^('o rrgio in Anspruch «^^ 
noramen werden kimnten. 

Zum Behuf des Schulwest^n muss in der Bukovina gleichwie in der Moldau jt^ler Pop 
jähriichen einen Duckten dem Bischofen unter dem Titel d«'s Schulgeld einhändigen. Der Ra- 
dautzer Bischof em])fanget nicht nur diesen Betrag aus dem ihme unt^'rsttdienden Tlu'il dt-r 
Bukovina, son<h*m auch denjenigen. w«dcher aus des Metroix>liten seinem Anth«Ml eingehoben 
wird. Dem Ra«lautzer Bisch<)f ist di(» V(Twahnmg dieser (relder und die DisjM>sition darüber 
dergestiilten lilMTlassen, «lass er alle Jahr in IKn-emlMT die Rirhnung hieriibtT <ler I-md»'^ 
administration einn»ichen muss, um die (Jebahnmg mit dies4»n (ieldem einzustdien. Die AMcht 
ist, da.s8 aus diesem Fonds nicht allein wallachische, sondern auch «leutsche und mit der Z«Mt 
lateinische Schiden erbauet und eingerichtet wenh*n sollen. Da nun Ix^riMts einig»» walla<-hischp 
S<'hulen best<»hen. so kimnte nunmehit» der Anfang zu Einfuhrtmg ein oder andenT «leut-schen 
Schul auf folgende Art eingeleitet wenlen. 

a) Dem Ratlautzer Bi8<'hof war»» zii erkennen zu gt*ben, es seie die Absicht das.^ wenn 
die Bukoviner Eingebonien die deutsche Spn\che, dann lewMi, schreiben unil nM-hnen zu lernen 
und sich filxThaupt zu B<»dienstungen geschickt zu machen bestn^ben würden. dies<dlM*n vorzfighel» 
Landesl)edienstungen «»rwarten könnten. Aus diesem <inmcle erachte man noth wendig, dass in 
den 3 Städt*»n Czernovitz. Sireth und Suczava deutsche S<'hulen errichtet werden sollen. Da nun 
diese Schulen zur Excolierung <ler Bukoviner rnterthanen g^^widmet würden, als«» scheme der 
Billigkeit angemess(m zu s<'in, dass «liese Absicht von dem S<*hulfun«lo ohne Na<*hstand (Ut w;iUii- 
chischen S<'hulen unterstützt werde. Es würde dahero luif seine, des Bischof, Übi^rK^mg an- 
kommen, wieviel aus <ler S<'hulfundi-('assa derz<Mt und fortan jährlich der Ijandesa<lministrati»n 
abgegeben werden künnte. 

b) Anfänghch wän» nur eine (hMitwhe Schule einzurichten, sodann aber, w«»nn sieh mehr 
Schüler einfinden, <iie zweite, dann die <lritte und endlichen auch zu Kimj)olung die vierte aufzustellen. 

r) Wenn au<'h das allerhik-hst^ Aemrium zur Erricht- \in<l Erweiterung der deutschen, 
dann zu Errichtung ein oder mehn^rer lateinischen Schulen einen Aufwand machen müsst». ohn* 
weh'hen das St-hulwesen in keine Aufnahme würde gelangten kimnen, Si> hätte der Stiuit dunh 
crlang»?nde Bildung dieser rohen Menschen eine hinlängliche Vergütung dafür in der Folg»^ anzuhoffen. 

</) Um geschickt*» Schiümeister winl sich die l^ndesiulministration zu venvenden TÄ-isÄ-n. 

24. Wie ff in inif der Bfj.sif^neh//tun(/ der Bukoritw atus Siebenbürgen, der Marmarttsch. 
aus Pohlen, rorxihjlieh afwr ani< GaUi\ien in die Bnkorina transniigrierte und (dlda nH 
Sehisma gegangene riete nnierte Familien triedernnt i,nr nnierten Kirche xnrüekgefiihrfi 
werden könnten. 

Aus dem <i runde, dass der unierte und schismatischf* Ritus die (iebräuche, KirchengeÄ»tzc 
imd Fasten b«*o)>a<'htungen sich nicht im geringsten von <nnander unterscheiden (sie), ist <liest* sich 
lÜMTall zerstnnit angt^siedlete Volk, ohne einen Unterschied zu kennen, vemiuthlich unbedenklich 

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Jo3Bph's IL Reisen nach Galizien und des, Bukowina. 85 

und unwissend zu dem schismatiwhen Ritus fiberf^^j^anj^en. Es ist aber nicht bloss aus Religion»-, 
sondern aueh aus iK>litisehen Riieksiebttm an <ler Belönleninj? der Union und desto mehr noch 
an der Verhindenmp des Abfall von der Union ad Schisma j^elejri*n, dahero. weil die S(»|)arierunji: 
der (reistüchkeit von dem Patriarchalstuhl zu (*»mstinitino}wd derzeit noch nirht vor sich j^dien 
kiinn. a\ich nicht zu hoffen ist, daps <lit» derzeit im Lande zerstn^ut untei^rebracht geweste 
Unierte aus einem Religionsantrieb ihre erbauten HäustT und Wirtschaften verlassen würden, und 
die (teistlichkeit alles einer solch allenfalls in Antmg kommenden Zusammenziehung wohl ohn- 
fehlbar die griJssten Hindernisse» einstreuen därfte. es dieserhalben bloss auf nachstehende Veran- 
lassung anzukommen s<*heinet. 

1. Für die bereits in der Bukovina befindliche Unierte sollen in den Städten Suczawa. 
Siretb, (-zernoviz. Satagura und Wisnize, «lann zu Moldauisch-Kimjiohmg kleine Kin-hen erbauet 
und l>ei jeder Kin*hen unierte (leistliche angt^stellet und dotieret werden. 

o) Hi»T<lurch erlangtt^n die unierten AnsiiHÜer aus der Nachbarschaft die Gelegenheit ibn* 
Rehgion zu ex«»r<Men»n. 

h) WVnn zu Stvlsorgt» solche unierte (Jeistliche gi'wählet wer<len. die eines aiLferbaulichen 
Wandeb«. (»rudit und in irem Umgang bescheiden sind, der dazu nöthig ist, um die Abgi-fallenen 
zur Union zurfickzuHihren und die Union im vermerkt auszubreiten, so länst s^ich hoffen, diuss das 
I^andvolk ül)erhauj)t zu ihn«*n mehr Vertrauen als zu ihn^n unwissenden scbismatischen Pojx^n 
ftu*?sen winl. 

f) Zu jeder Kirche wird nach der Aussi^rung des (reneraln Enzenberg 1 Pfarrer, 1 Kaplan 
imd 1 C^inttir erfonlerlich, wtdche 8 Individuen bei Abhaltung der liturgien und Gottesdiensten 
n.u'h <ler Pravila gegenwärtig sein müssen, die alle, weihen sie weder Grundstücke n<M-h eine Stolam 
derzeit zu er^vart»*n haben, mit einem StiixMidio versehen werden müssten, welch»\s ftir den Pfarrer 
doch «'twan auf 300 H.. fiir einen Kaplan auf 200 fi. und für den Cantor auf 100 fl. zu ))e- 
sitinnn«'n .sein dörfte, wornach künftig, wann es nämlich an der Zeit befunden werden winl, in 
der Bucowina «dche öffentlich«' Anstalten zu tn^ffen, die zur Ausbivitung der Union bt;f('>rderhch 
sind, sich ben<»mmen werden kann, inzwischen abt»r dort, wo die Errichtung einer unierten Kin-hen 
der iH'riMts erklärten Ursach halber noth wendig ist, ein PfamT mit einem Cantor gi'nug sein und 
letztens allenfalls auch die Schuldienste versehen mag. 

(i) General Enzenberg rathet ein, dass zu Pfarrem von dem Siebenbün(<'r Basilianerkloster 
BaLisfaK-a Priester aus der Ursache fiirgewählet werden sollten, weil diese Geistlichkeit meistens 
der latt»inis<'hen Sprache kundig, in dem Convict Hr propoynnda fUie in Rom erzogi'U, Theologi, 
überhaupt abtT bescheiden und poHcierte licuü' und von der wallachischen Nation sind, die, je 
nachdem als künftig di«» schon Iji^kannte Umstiln<le des Districts es verstatten werden, zugleich 
Missionen besorgen, der rohen und gjmz unerfahrnen schismatischen Geistlichkeit in der Bucowina 
zum gnten Beispiel dienen, zu Erreichung «1er Absicht den ftmnd legen und dem Publico des 
lateinis<-hen Ritus assistieren könnten. wcMlurch auch die «leutschen Einwohner in ihnT Religions- 
iibung erleicht^^rt würden. 

r) Zu Vermei<lung der An.stössigkHt, die sich <laraus ergel)en könnt*\ wenn die in dem 
Bucowiner District zu stehen konmiende unierte Geisthche dem Feldsuperio in Gallizien, mithin 
i'inem ( reistli<*hen Ritus latini zu unt<^rgi'b(»n der Antrag beschehete, ist nichts andeivs übrig, als 
dass dies*' unierte Geistlichkeit in Ecclesiasticis unter die Jurisdiction des lA'ml)erg»T unierten Bi- 
schofen g»'s«'t/et werde; nur wird demselben mit Nachdnu^k einzubinden und in der Folge stets 
darauf zu j^dien nothwendig sein, damit, weil sowohl russisch als wallachische Emigranten sich 
in der Bucowina befinden, die für <iie Bucowina ordiniert werdende Se(4s<J^er der beeden Spntchen 
kundig sind, und diese Geistliche we<h?r «»ffentliehe Missionen no*-h gewaltsame Bekehnmgen unter- 
uehnien. um allen Unruhen, die hieraus entstehen könnten, vorzubeugen. 

2. Aus der Absicht von «ler Hintanhaltung des in der Bucowina eingeschlichenen Uel>el. 
dass die aus Galizien. Siel)enbürgen und Himgani heimlich abgegangene Unterthanen allda Schutz 
und den Aufenthalt gefunden haben, i.st zwar beri'its v(»r einigiT Zeit «lercjwegen die n«'»thige Vor- 
«♦:'hung getniffen und insbesondere die Ordnung ergangen, dass in dem Bucowiner Distrii^t an 
derlei Unterthanen keine anden» als diejenigi' angenommen werden sollen, «lie von ihren Obrig- 
keitf'u zur Ansiedlung die Erlaul)nis erhalten halM'U. AV'as aber >-olche bis«inheiv in die Buc<>wina 



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86 PoLEK : 

transniijrrif*rU* Uiiterthanen betrifft, hat der (Jtjnoral EnzenlK^rv: sit-h «lariiber f^eäussort, «Ulsä er 
zwar nicht eiit>;tan(lfn st'ie, anfHn«^lich vvrschic(I(»ne nH'lamü'rto Familion nacher (.ializion wi*Mi«>rüin 
zimickzu^i'lK^n, allein os hiltto dii»s die iihle Folj^» nach Mch j^'z«>^*n, dass ein j^^sstT Tbeil a»if 
den Ruf von der Ausliefeninjif die Hiicht er^rriffen und sich in die Muldau f^»flnrhtet hätten, 
welches, ol^schon die (in»nze stdir j^it iK'wacht ist, denn<K-h nicht pinzlich verhindert wenlen 
kann, besonders wenn sich die Eniip^anten, wie es vorzüj^lich die (ializier ^ethan haben, nahe an 
der moldauischen (in^nze jh »stieren, «lahero auch die derzeit in «ler Bueowina l>efindiiche TninMoi- 
j^ranten aus an<len»n diesseitigen I^niden ohne der (lefahr, sie fast alle zu verlien'n, uiclit iui4ir 
an ihn» vc^rij^' Wohnorte zuriH'k«^*j^'lH'n werden k('>nnten, woher^^^^r^'n von nun an in Ansehiini: 
ilerlei Transmi<<ranten, wenn sie nicht nah an der ^lizischen (Jn'nze an^dialten wer«len, ni«'hts 
an<leres erübrif^t, als diuw sie gleich beim Eintritt in <lie Bueowina angehalten und mit gutiT 
Verwachung an das nächste Districts;unt oder an das nächste Comitat s<.>gleich znruekgi'M-hi<kct 
würden. Soweit künftig Uniert*» entweder aus anliegenden fremden otler aus denen diesseitigi-n 
l^inden mit der gt'hi*>rigen liCgitimation sich in dem District anzusiedlen verlangini und Molches 
«lenensellM^n verstattet wenlen kann, wird ihnen solche Wohnorte anzuweisen der Bt*<la<'ht »re- 
nonum^n werden, wo sie iK'isiunmen verbleilx'n kimnen. mithin auch wt^en ihn.'S Religiunsexenitü 
<lie Mittid zu vt'rschalfen thunlich ist. 

25. Wie soUp, tcann die Bftrotrifia unter der MHitaranfsicht rerbieibef, die LandesnH- 
ministration xur Besoryutiy der corkotumendcH (jeaehüften bestellet und mit den nöthigcn In- 
diridnrn besetzt trerdenY 

Nach der Anzeige des (ieneraln Enzenberg niuss die Com'sjwndenz, die bloss in ökonomi- 
schen und Justizsiichen vorlället, mit dem Fürsten von der MoMau, mit dem Bascha von Chotim. 
n)it B«'amten aus der Moldau, mit Kn'is- nnd Üistrictsämtem aus Clalizien, aus 8iel»enbürgi'n, mit 
5 Landesbeamten und denen Dorfwomiks und andern Unterthanen in verschiedenen Sprachen gi^ 
I)llogen werden. Die Febersetzungt'n dieser Sprachen ins I)(»utsche und der zu publicicren kom- 
menden Befehle ins Wallachische \md deivn sovielmalige Copienmg, die C<»rref^pi>ndenz zwiscbtii 
dem Militari, den Contumazen und dem Mautwesf»n, endlich au<'h die Cora^sjiondenz mit der In- 
stanz erionlert, dass der Bucowiner liiindesjidministration zu Bi'streitung der vielHiltigen (Jewhäftc 
das brichst noth wendige Personale zugegt^biMi werde. 

Bisher») sind an In<lividuen Ix'i der liJindesiidministration iH^standen: 

1 (ri'ueral : Baron Enzenberg, \ ,,,,...„ , 

^ , » .. . . i vvelche das Deutsehe alles lK\«orgen mus8t»n, 

1 dess<*n Adjutant, • 

1 Kriegscommissarius, 

1 Distri^'tsc^-issier, so ein OfHcier ist mit Zulagt\ 

1 wallachischer S<»cn'tär, bi'soldet, 

1 dto Schn'iber mit R«Mnunenition, 

1 }M »hinischer Schreiber mit Remim«'ration, 

1 Dinrtor in Czemowitz, so ein Ofticier ist mit B4?inuneration. 

2 wallachische SchreilKM* allda auf RemuniTatitm, 
1 Ispriivnik in Suczawa. iM^sohlet 

1 wallachis<-her S<-hreiber albia. 

1 Oberwornik in KimjM)hmg Mold., Iwsobb't 

1 Okolcapitän zu Sireth mit R^Muuneration. 

1 dto m Russisch-KimjMjlung mit Rt^muneration, 

2 Ofii<'iei*s als Wablaufseher im Czermoscher Thal mit Remuneration. 

Zur Justizverwaltung: 1 Districts;iuditor, 1 (iarnivSons;uiditor, 1 (lericht^sclmMber. 

Ob nun zwar die ökonomischen wie die iM)litischen (iegimstände lH*i dem Stafu^t quo mit 
oliigem Personale br'stritten W(»rden seien, so kr»nne diesi's 1mm der neuen Svstemisienmg nicht 
mehr g»'hofl'et werden, weilen sich auch die (b's<häften vennehnn. Dahingegen sei das Justizüub 
Ix'reits schon so weit zuriukgeblielMMi. dass Iwi der ertölgten Abn»ise d(M (Jeneralen Enzenl)**p^ 
2S4 unausgemachte PnM*esse an <Jeneral KaltschuuM ülM'rgidn'n w«»rden sind. 

Damit sowohl di«» lianib'sgesebäfte bestritten als auch die Justizangeb'genheiten schleimij! 
besorget imd die versessene Pnxvsse na<*hgeholt werden miM-hten, hat der <Ieneral EnzenU^rg A> 
h'Mbst nothwt'udig vorgescldagen : 

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JoSEPh's II. UkISEN NACn GaIJZTEN und der IlüKOWINA. 87 

Zur ökonomisch- und politischen Verwaltunji^. 
B<n der I-rfindosiuhninistration : 1 liandcsadministrator, 1 KrieprsconHuissarins, 1 Fiscalcassier. 

1 dcntschor Socrotarius, 1 walliichischcr Si'cwtarius, 1 wallachischer Schreiber, 1 pohiischer 
Schreilw^r, 1 CV^nwpist. 3 Kanzeliston, worunter einer «las Exhihitionsprot4)koll zu führen hat, 1 Rf^ 
j^trant, 1 Translator, 1 Kanzleidiener, ein Lan<les-Oberchirurj^is mit 600 fl., bei der CWdons- 
iK'wachunff: 4 (inrnzconimissimen, jeder monatlich mit 20 fl. 

Bt»im Districtsamt zu ('zemowitz : 1 Diriitor, Militarofficier mit Zulii^, 2 wallachische 
Schn'iber a 200 fl., 1 Steuereinnehmer mit 600 fl., 1 Steuerschreiber mit 300 fl., 1 zweiter Steuer- 
8chreik»r mit 200 fl., 1 I^ndeschirurf^us mit 300 fl. 

Beim Districtsamt in Suczawa: 1 Director, 2 wallachisc^he Schreiber a 200 fl., 1 Steuer- 
einnehmer mit 600 fl., 1 Steuer8chreil>er mit 300 fl., 1 zweittn* Schreiber mit 200 fl., 1 Lmdes- 
<*liirnrK"s mit 300 fl. 

Im Moldanis<'h-kiropi)lunfj;i*r Okol: 1 Oberwomik. 2 S<-hi\nber a 200 fl., 2 Amtfidiener, 
worunter 1 berittener, a 60 fl. et 36 fl. 

Im Russisch-kimpolunj^er Okol: 1 Okolcapitän oder Oberwomik, 2 Schn»iber a 200 fl., 

2 Aratsdiener ä 60 et 36 fl. 

Zu Sireth: 1 Okolcapitän oder Oberwomik, 2 St*hreiber jeder a 200 fl., 2 Amtßdiener, 
worunter 1 berittener, mit 60 fl. und 36 fl. 

Im (■zeremuscher Thal: 2 Olflciers als Waldaufseher oder 2 Waldmeister, 8 Waldförstt^r. 

Hierbei kommt zu k'merken, dass der in Moldauisch-kini})olunger Okol angestellte Ober- 
womik Anj^laky weder lesen nwh schRnlx'n kann und derselbe annoch von vorij?*ni Zeittm her 
ist. l)or (ieneral Enzenberj? rathet ein, dass er in Pensionsstand «gesetzt «nler l>es.ser snuel pro 
semjfrr ab^^fertif^t und ausser Ij!\nd zu j:;<»hen an«^?wiesen werden mix'hte, indeme dei'selbe <len 
Russtm sehr zu^^than gewesen ist. An dessen Stelle wän» dagegen ein rechtschaffener Officier als 
01>orwomik einzusetzen. Zur liandes- oder Ober-Chirurgistelle hat der Genei'al Enzenberg <len 
Rcgiraentschirurguui vom 2. siel)enbürgischen wallachischen Rt»giment aus der Ursache vorge- 
schlagi^n, weil ders<4be der wallachischen Sprache gut kundig, st'in Metier recht verstelu»t und 
zugleich in dem Geschäft der Hebammen vollkommen eifahnm ist. auch die (lewohnheiten, Sitten 
un<l die Natursart der Wallachen kennet. Er wünb' <lem liimde durch Unterricht der Hebammen 
vielen Nutzen st^haffen. 

Nach dem Erachten des Hofkriegsraths muss, gleichwie bei einer jeden andern, also auch 
bei der Buccoiiiner Einrichtung der Ausmessung di^s Personali, welches zu Ven*ichtimgen ge- 
widmet wird, die Bestimmung sowohl <ler (Jegenständen, welche zur Bearbeitung verfallen, als die 
Art und Weise von ihrer Erledigung vorangehc^n, (bihero, bis in Betreff' des Buccowiner Districts 
die noch ermanglende eigentlich AllerhiW'hste (Jesinnung b<^kannt sein wird, ülx^r den Geneml 
Enzenbei^sc^ien Entwurf von dem Personalstand tt'ir die Politica und Oeconomica nicht wohl etwas 
mit J^stjiml beigebracht werden kann, und wenn der District unter der MUitaradministration zu 
verbleiben hättt% nach Mass als mit der Iian<lseinrichtung von Zeit zu Zeit weiter fiirgi^schritti^n 
wird, das hierzu ohnimigänglich nfithige Pei-sonale, demialen abtn* gleich den angiHi-agenen I-md- 
Ob<?rchirurgum zu verwilligen, desgleichen den nach Euer Majestät« Befehl einsweilen bei dem 
hofkri(»gsräthlichen Justizdeiwirtcment beihilflich gebraucht werden«len. seiner (iesch ick lieh keit halber 
b«»kannU»n Rittmeister Piz<*ll und von <lenen zum Militarsüunl nicht üuiglichen, inzwischen iM'i 
Monttirsokonomiec* Immissionen als Reclmungsadjuncten vei-wend werdenden Neustädter Akadc»- 
misten die zwei gewhicktestc. un<l zwar einem jeden von diesen 3 bis zur künftig(?n R(^gidi<'nmg 
dtn; Personalstatus mit Vs Zulag von Ihnm jetzigen (renuss beizugelKMi, nicht minder den demia- 
hgen Oberwomik Angelaky, wenn hierzu hinlängliche Ursachen vm-handen sintl, aus dem Distnct 
abwhaffen zu machen der Antrag ist. 

Zur Justizverwaltung 
sind zwar mehr als nachfolgende Individiien in V<a'schlag g<»bracht worden, es kimnte alxT die 
Justizeinrii-htung auf folgende Art gleich vcm nun an eingeleitet werden. 

Zu Cze-mowitz: 1 Oberauditor mit jährlich 800 fl., 1 Actuaiius, weh-her zugleich M der 
Administration zu verwenden ist mit 400 fl., 1 Dolmetsch, deutsch, wallachisch "r*^;><'^"i^;i;k^ 
mit 300 fl. Digitizedby^OOgie 



88 PoLEK : 

Heim Districtsjunt : 1 Iii»i(LiHditür niit jährlich 600 H.. 1 Syndicus mit 400 H., I (rt^riclil s- 
schixilKT mit 400 fl., 1 I)(»hiiot«ch mit 800 11., 1 Pmfoss im't 300 fl.. w(» (T aW-r S<-hlithw<-i.^Ti 
uml Froimannsunköston ]>ostr('iten müsstc 

Zu Suczawa: 1 I^xndamlitor mit jähriich ßOO fl., 1 Syndicus mit 400 fl., 1 iJcrichts- 
schivil)cr mit 400 fl., 1 Dohnctßch mit 800 fl., 1 Profo«.«. weilen er die Fnnmannsunk<>stcn nicht 
bestriMÜ^n dörft«\ 250 fl. 

Für jeden District wer<ien üb<»rhaupt für alle Fälle ( ierichtHdien»'r anj^'tr.ij^'n werden: 
8 zu Pferd a 10 fl. monatlich und 8 zu Fuss a 6 fl. monatüch. 

In den 8 StädÜMi C'zenioviz, Suczava und Sireth würde die Ma^traten zu bestellen nothip 
.stMn und fiir «licRtdlx^ ein P'onds e.xcindicivt werden mÜKsen. 

a) Da <liese 8 8tii4lte land«fii rötlich sind, kiVnnten ihnen die Prciventen von Hrauhäu^i^m. 
von allem Schank. von Fleischhank und vom Markt*' zu anlanjrlich mässi^'n Ma<i;istratsU\s<>ldunf^ii. 
soweit sie niVthij^ sind, f^ej^en jährliche V«TriH'hnun;,' in der sof^i'staltip'n Communitäteinkünftcn 
und -Ausj^aben überlassen wenlen. wc^rüber alxT «lie fjandi^idministration die «^naue Aufsicht 
fiihi-en müsste. 

Die Dorfwomiks wären künfti«j^ von (U'r (Gemeinde ordentlich zu iM'stelleu und alsdann von 
<ler Lnmlesjidministration zu iH'stätij^n. 

h) Es kann ihn«'n sodann einj^'standen wenlen, da.ss sie üIkt kleine 8a<'hen. die si<'h nicht 
ülM»r 10 iKddnische (iulden erstn^-ken, entscliei«len un<l spitn-hen kimnen. 

c) St>wohl von den Dorfwomiks als von den 8tiultmajristrat<m hätten <lie Justizanp^le«?«!- 
heiü'n den Zuf^ zum I)iiie<"tor, OlnTwomik und Okolcapitän, von dannen alxn* zum Land(*saudit*>r 
zu nehmen. 

(i) Vom bmdesjiuditor j^ionp' der weit«'i"e Zu«j zum Obeniuditor nach Czemoviz, w«4cher 
idhla eine Art eines Apptdlatorii vorsUdlen würdi'. 

c) Fm keinen ümtrieb zu machen, wodurch nur Zeit verloivn ^ehet, hätte da.s Ri^»\ns«»rienn 
von dem Appellatorio den Zu«< ^.^enidenwe^s nacher Wienn zu nehmen. 

f) Aus der nändichen Ursache hätt*'n die Ki'richte der Administration ülx'r die okr»no- 
mische und {lolitische (n'^tMistände, j^leichwie es auch bei derlei Ein rieh tun<^»n dcvS deutöchen An- 
siedlun<;sb(»zirk im Temeswan*r Banat j^eschchen ist, weni^tcns die ersU'm Jahn* nnüi an den 
Holkrie^ratii zu ^ehen: demohnanj^esehen aln^r blieb «lie Bmroviner Admini-stration dejx^ndent 
von dem f^allizischen (lenerah-onunando und alle puiv Mihtiiria, desjrlcichen soh4ie (ic^'nständc 
wo das Politicum in(iallizien sich einverwickelt, müssen an das ( JenerahH)imnando ahjri*<f»'ben wenlen. 

öollt*^ der Antni^ von der P^inrichtHnj,' des Justizwf'sen den Allerh(>chst<m IVifall envichcn. 
so wir<l eine der Absicht anj^emessene fi)rmli<*he Instruction alsdann st^leich entworfen und zmii 
allseitij^^'U Nachverhalt bekannt ^'cmacht werden. 

2f). Ar ff ICH irr machen den Vorschlnif, in der Stadt Stn-xorn eine Cohnir dt^ Handfls 
iregen anxulogrn, irrnn ihnen die ant/esn/hte Freiheiten einfjoirilliget triirden. Was könntr 
aho denaelhen einf/esf anrieft irerden'f 

Vorzü<ijlich kommet hiebei in Ueberle^^unji^ zu nehmen, ob die Stadt Suczava. wenn sie zu 
einer armenischen Handelstiidt j^emacht wird, der in (Jallizien liej^Miden privilej^ierten Handelsstadt 
Brody nicht etwan hinderlich win <lr>rft<'. Die Sti\«lt Suczava ist filn^r 80 Meil von Bnxly tMit- 
femt und kann nach seiner Lij^' in Bi^tn'ff des russischen, Danzif^T. Bn\slauer, Frankfurt- und 
licipzif^^r Handel der Stiidt Brody in nichts nachtheilijr ^^cüi. Wjvs hinjrt^p'U den tftrkis<*heD 
Handel mit Zeuj,', Baumwolle, j^'cfjirbüHU (Jani und andi'ni Artikeln anlndanj^^t, denm ihr Zu^ 
allezeit durch die Moldau und Podolien oder aber durch die Moldau, die Buccovina un<l (falhzii'n 
j^'het. derselbe kcinnto vielleicht d(»r Stadt Brody in etwas einen Abbruch venirsa<'hen. Die Stadt 
Sur/ava scheinet dahen» zur Verbivituni,' des Warenhandels mit andern k. k. liindem, mit dem 
Viehhandel hin;xe«?en auch mit andern Uindeni ^^ele^^en zu M»in, oltschon sie elK'nfalls mit L'ibziir 
und Bnsslau einij^en SeidenwaR'nhan<lel tivibet. der ihr auch j^estattet werden muss. 

Der Antra«^ von der Ansiedluuj; einer armenischen Colonie in der Bue<'owiiia eutsprin«rt 
v*)n den in LMuber«; wohnhaften anueiiischen Han(h'lsmanu Nikorovich. eiuen Mann, der wetrtn 
seiner R*Mllichkeit. seines önentlichen Vertraui*ns und seiner piitwi^g|(]Ju.'^ j^utcu Ciesnmuu^' fiir 



Joseph's II. Reisen nach Galizibn und dbe Bukowina. 89 

das iliesst'iti^ Best** alle Rüiksicht verdionot, nur aber bei «lieseni, (»bschoii j^ut gemeinten Antni^ 
<len Fehler be«?an«^'n hat, dass zu Irühzeiti«? hierülH»r (»ftentlich Spr.ieh j^eliihret nnd naeh einer 
von der Hof- and Ötiiatskanzlei erst vor kurzem herüKn* j^elanji^U^n^ Äusserung dadurch das tür- 
kijM*he Ministerium beivits in eine Jk'\v(*gung gebracht wonlen ist, worna<-h dei-zt^t mit <lenen 
Armeniern si<'h in keine s(hriftH<'he VerhjuuUung dessentwegen eingelassen, sondern wie es auch 
<li4» Hof- und Ötiuitskanziei tiir gut bt^findt, nur denenjenigen, «lie sich fiviwillig einfinden, die An- 
siiMlhing verlangim mnl (hizu qualiflcien't genug befunden werden, eine solche geneigte Aufnfihra 
oingestanck'n werden kann, die weder auswärts ein Aufsehen zu bewirken venu^^gend ist, noch 
mit andern <liesseitigt'n Commerzanstiilten sich kreuzet. 

^asj^^nig^^ was hiemaeh der armenischen Colonie auf ihre (MUgen^chten V(H*schläge zu ver- 
willigi'u wnn (\i\YfU) (wler emer Ausnahm unterheget, kann in folgenden lM»stehen. 

a. Denen distmierten Anneniern wäre das fn'ie Ki'ligionsexercitium wie den Katholischen 
einzugi'stehen, in welchem sie ganz und gar nicht gehindert werden sollen. 

h. Sie sollen von der MiUtnrbe<[uai*tienmg befreiet sein, sobald in Suczava die Kasernen 
«'Hwinet si'in werden. woHir die 8ta<lt die Kr)»auungskr»st(»n in Zeit von 8 Jahren dem Aemrio 
wuMler zu ersetzen hätü». 

('. Die S<")hne der Kaulleute und Bürger sollen zu Soldaten weder aufgeschrieben no(?h 
wenigiT gi^waltsani wcggenonnuen werden, die alnn* freiwillig zum Militiiri übergehen, hättt'n sich 
der Praerogativen des Militarsümdes zu praevalien»n. 

d. Damit die (Frenzen dui*ch (Muen ausgespn'Ugten falschen Ruf von der Pest und Vieh- 
seuche nicht vori'ilig von den Omtumazen gi^sjnmx't werden, wird die liandesadministi'ation in 
derlt4 Fallen jedesmal unverweilte Untersuchung ansti»llen und das Niithigi» an die Contumazen 
verftigi»n. 

p. Von den eingefühi-ten Mautabgal)en kann dii» Stadt Surzava nicht In^lnMet bleÜH'n, je<loch 
ntAl ihnen nichts anderes, als was die Tarif besag^^t, aufgeleget werden können. 

f. Wenn die armenische Colonie in Suczava zunimmt, so solle der Magistrat aus Armeniern 
alltnn bt»stellt und alle StadtiMiiwohner demselbi'n unterg<\)rdnet wt»r<len. Der Magistrat kann 
s4Hlann in (ierichtssiudien die ei-st<' Instiuiz, der hindesauditor allda <lie zweite \md der Ober- 
auditor in Czi'mowitz in Revisorio die dritte Insümz ausmachen. Die Streitigkeiten mögen hier 
wi<* in lA'mberg nach <len armenischen (iesetzen behandelt w(Tden. 

g. Es wird der Colonie bewilligt, (jrüter anzukaufV'n oder derlei in Anmda zu nehmen. Die 
l^ndesadministration winl ihnen hierin an die Hand gtdien. sofern änderst dieses nicht etwa der 
kiinitigeu (irenz Verfassung entgeg«'nst«'het ; «las Aerariuin kann aber hierzu keinen (Teldvorschuss 
machen. 

/•. Was tlie allda wohnenden Moldauer iH'trifft, sind dieselben in ungestörter Ruhe zu be- 
Lissi'n: den Armeniern bleibt alxT unb(»uommen, dass sie von selben, wenn sie einverstimden sind, 
Häuser an sich kaufen mögen. Au(^h sollen denen Armeniern zu Erbauung neuer Häuser Plätze 
unentgeltlich angewiesen, nicht min<ler die in Suc^zava vorhandene alte (Jemäuer, Keller und Ge- 
wi'dher denenstdben gnitis gi^gebeii werden. Diejenigen Annt^nier, wehdie sich Häuser und (inmd- 
stücke »>rkaufen, können zwar von der darauf haftt»nden Contribution nicht freigehisscm werden, 
sie haben al)er durch die bt^willigte l^Veijahre die in Betreff ihn^s Handels ausgemessene Contri- 
bution nicht zu entrichten. 

/. In der Sta<lt Su<*zava nn'jgen über die bestehenden 5 Viehmärkte anno<'h 2 Jiihnnärkte, 
nämlich am neuen Jahr und am Fest <ler heihgiMi Aixx^teln Petri und Pauh auf die Art gehalten 
wenlen, dass alle Nationen \md Jud(m hiebei erscheinen und allenfalls nach <lem Beispiel von 
Bnxly aucdi in Suczava <lie 2 neue Jahnuärkte ausschliessend von allen Mautiibgaben privilegiert 
werden können, weil aus8«»r einiger Befreiung hir die fremden Handelsleute von diesen Märkten 
nichts Erspriessliches gehotfet werden mag. Dii- Kundmachung gedachter Märkten kann seiner 
Zeit in den kais. königl. I-riinden geschehen, was al)er die auswärtigi»n lünder betrifft, mögen 
irleichwohl die Armenier selbst dafür besorgt sein, wie sie allenfalls die Existenz dieser Märkten 
zu je<lennanns Wissensi'liaft zu bringen die (ielegeuheit finden diuften. 

w. Wenn über die vorgi»sehene Mautabgaben moldauischei-seits geschritten würdo^könnte | 
die Anzeige dessentwegen an che I^milesstelle gemacht werden. Digitized by VriOOQlC 

6* 



90 POLBK : 

n. Hräuhanser zur Bier-, Metli- iiutl Bnintwoinerzeujjn^öj?. auch Biklor zu orrirhten. wjnl 
venvillij^ wovon \\\wx die alton Moklauor Einwohner nicht au.Si(es<^hlosÄen worden können. 

o. Weil in der Bne<'4»wina kein Tabakspaeht l)estehet, so kann aneh türkisehor Tabak p»j?en 
j^hr>rijL?er Maut einfj^*iiihi\'t wenlen, woherjjfejjifen Stoinsalz aus SiclK'nbür^»n versehafifet wenb^n wini- 

p. In Suezava wird für die Soldaten eine katliolisehe Kirehe ab aerario erijauet werdtiu 
welche seiner Zeil an die katholische Amienier iiberjrel>en werden kann: sie werden dadun'h die 
(Jelejjfenheit hal>en, bei dieser Kiirhe ihn» Schulen anzule^'en. 

q. Wenn den disuniert*^n Anneniem durch den Patriarchen oder senken Visita tor Exciicn- 
nuini<*ationes (wb'r Aullaj^^n ad pin^ dctHoshifts auff^'Iejrt werden sollen, wän^ hierülK^r sojdwli 
die Anzeif^' iler Iian<lesiichuinistration zu machen. 

r. Wenn Siu-zava besetzt sein wird un<l sich aiTuenis<-he Famihen in einer anden^n Stedt 
ansässij^ machen wollen, sollen sie mi»j;lichst unterstützet werden, und wenn diesi^llK-n auf 100 Fa- 
milien anwachsen, möj^'n sie mit Bewillij^un^ der Landesadministmtion einen eij^^nen Majristrat 
wählen und eine Kirche erbauen. In minderer Anzahl von Familien wird j^estittet sich den Vi.r- 
steher zu erwählen. Nachdeme der neut^n Colonie aller 8<*hank, Bräu (sie) und Brantweinbn-n- 
neivi, Fleischbänke und die Markt^^i^fälle zu benutzen (il ►erlassen wird, so wird hierdurch nicht 
nur der Magistrat b(»soldet werden können, sondern auch auf den Schulenbau etwiis übrij? ver- 
bleÜK'n, zu welchem Fundo auch die einhelx^nden Strafpdder gewidmet werden können. 

Bei dieser (Jelegenheit, wo der HandeL^mann Nikorovit^ in der tremässheit des Obstehemion 
zu vernehmen bekommen könnU', auf was Art Armenier dies.seit8 ansicdlen zu hissen <Ue Abacht 
ist, wäre demselben auch noch weitoi*s zu bedeut«'n, dass er denen Anneniem, die er zum Werk- 
zeug von der Vollfiihrung seines Plan zu gebmuchen befände, die ihnen verwilligt wenlende Vorzug»^ 
und Fifilieiten nur mündlich und bloss fiir sich, folgbar (»hne Einmischung der St4*llen, viel we- 
niger des AUerh(K'hsten Hofes beizubringen hätte, desgleichen, wie (^ inslH'stmdert* die Hof- und 
Stiiatskanzlei zu venichmen gegebi^n hat, weder Nikorovich noch ein andenn* SiichwalU-r der O»loni^ 
aus diMU Absehen v(»n der angetragi»uen AnsicMÜung sich auf türkis<'hen Boden botn'ten laÄ*'n 
s(»lle. weil sie s^)lchenfalls Unann«dunliehkeiten oder wohl gar Sti*afen von Seiten der Türken sich 
zuziehen könnten. 

27, Es bcfifulm sich in der Bufcorinn bis S(f(f Familien Jnxien, deren ror der rus»i- 
sehrn Oernpicnunj et trän bei 4()(i (fciresen sind. Wie hönnen dieselben^ da »ie dem iMude be- 
schteerlick fallen, rerminderf teerden'^ 

Es miterlie^'t keinem Anstände, <lass alle jene Juden, die seit der nissis^*hen (kvupiemng 
sich in tler Buccovina eingeschlichen haln^n. wiederum aus dem I^mde gest'hafft wefilen könutni. 
wie es die in dies(M* Augeb'gcnheit erginigene Allerhöchste Res(dutionen mit sich bringen, und 
woniju-h auch die I^indesadministration anno 177S alle neue Juden gi^wamet hat, dass sit» kein*» 
Häuser bauen sollen. 

Um die Ju«len dabero zu vermindeni und sie nach und nach aus der Bukovina zu ver- 
tiviben, ist voii dem (icneral Enzen]»erg kein anderi's schicksames Mitt4»l gefimden wonlen, als sie, 
wie es der 8. Abschnitt von St^Mierfuss ausweiset, so viel möglich hcKdi zu belegi^n, woIhm von 
der l^unlesadministration der Bedacht darauf wird genonunen werden müssen, damit die Juden 
nicht die (ielegenheit finden, die auf sie gelegt werdentle Steuererhöhung wieder von andern Di- 
strictseinwohnern hereinzubringen. Aussenleme macht (Jeneral Enzenberg zu ihrer, der Juden. 
Vermindenmg folgt»nde Anträgt»: 

a. Wenn ein«? Judenfamilie in den schuldigen Abgaben adieret, sollt<» solche in Duplo j?" 
straft, ein Drittel dem Demmcianten, ein Drittel der katholisch lateinischen Kirche und ein DrittW 
pro aemrio eing(*trieb<m werd(*n. 

b. Den Juden soll für immer verboten werden, ganze Dorfschaflen in Arenda zu m'hracn. 
um zu verhüten, dass nicht Christen ihre Unt<'rthanen werden. 

e. Mit Broil, I/'bzeltcn und andem BäckenMeu sollen sich die Juden nicht abgelx^n dürfen, 
weilen es bürgerliche Nahnmg ist un<l sie <lamit iH'trügerisch umgehen. 

d. Den Ju<len solle n<M'h fernerhin verlK>ten bleiben bei 20 Ducatt^n Stnife, christliche WeiK^- 
|H»rsonen in Dienst zu nehmen, und sie s(dlen auch am Schal)es keine Wei!)spt»n^»m*n unter 
40 Jahren zu ihren häuslichen Gi?schäften j^'tdu-auchen dürfen. 

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Jos£ph's II. Reisen nach Galizibn und deb Bukowina. 91 

€. Weilen sie al>er iha* Prd*'stan(lii erwerben müssen, so können sie Wirtshäuser, um Wein, 
Bier, Meth und Brantwein zu schenken, somit künftij; mx-h derlei Pachtungen zu machen l)e- 
fiimien werden, und nicht andere annehmlidiere Pachten hervorthim diVrften, in Aivnda nehmen, 
auch Meischhünke lialten un«l mit Vieh imd Waren Handlirnji: ta'i})eii, w«^von sie die Abgaben 
laut 8. Abschnitt mit 15 pn) cento entricliten sollen. 

f. Der Hau